Mutterlandbriefe Ausgabe 7

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Herbst
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Inhaltsverzeichnis
Begrüßung durch Gisela, Gabriele und Gudrun…….....……………………….….....................4
Glückwunsch zum 10jährigen…………………..….……………..……………….…………………….….. 4
Spendenaufruf, Download………….…..…………….……..………..…………………………..……………5
Die südkoreanische Insel Jeju – Insel der Meerfrauen……………………………………….6-8
Aufenthalt im Mutterschoß – Ein kleiner Bericht unserer Reise….…………………..9-10
Was kostet ein Kind? – Auszug aus einem Deutschbuch………………….….…………… 11
10 Jahre MatriaVal e.V. –
Auszüge aus der Jubiläumsrede von Dagmar Margotsdotter……..…..……….…..12-14
Zuschriften zur 10-Jahres-Feier………………………………………………….……………………15-16
MatriaVal e.V. - Jetzt auf Facebook………………....………..……………….………………………. 17
Elfchen – Geschrieben während der 10-Jahres-Feyer………………………………..……18-19
20-21
Ein Brief von Ulrike Loos an Christa Mulack…………………………….….…………………..
Sturm-Wut-Frau –
Der Weg der Künstlerin Ulrike Loos in die matriarchale Welt……………..….…………22
Der MatriaMarkt – Eine matriarchale Verkaufsplattform……………….…………..……….23
Matriarchate weltweit - Matria meets Matria……………………..……….…………………24-25
Mütterkompetenz - “Die Stärken der Mütter“………………..……………..…………..…..26-29
Leserinnenbrief – „Die Stärken der Mütter“……..……………….…..……………………….30-34
Matria-Kongress 2017 in Jena………………..………………………………..…………………………..35
Ungewohnte Familienmodelle – Buch „Familie als Beginn“..…....…..……….………….. 36
Leserinnenbrief – Impulsschenker………………………………………………………………………..37
Leserinnenbrief – Die Namenlosen…………………..………..…………………………………..38-39
Leserinnenbrief – MIT-Zeuger…………………………………………………………………………40-41
Bericht von der 3. Göttinnen-Konferenz in Wien…………………………………….…….42-43
Die Göttinnen-Konferenz – Eine lebendige Fraueninsel………………….………..………..44
Marienbilder – Tor des Lebens……………………………………………………………………….45-46
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Inhaltsverzeichnis
Yoni-Tasche – Ein Fundstück auf der Göttinnen-Konferenz……….……………………….. 47
Wohnprojekt von Frauen für Frauen – Beginenhaus Blaubeuren…….……………. 48-52
Schenkökonomie und Nachhaltigkeit – Die Kultur des Schenkens….……………. 53-57
Biohof mit Blumengarten – Der Rückzugsort der Göttin Demeter…….…………..58-61
Gärtnerei „Wilde Kost“ – Essbare Wildpflanzen und alte Gemüsesorten……….…… 62
The Land of the Goddess –
Eine Reise zu unseren spirituellen Wurzeln…………………………………………..………….63-69
Berggöttinnen der Alpen – Buchvorstellung…………….………………....……….………….70-71
Fundstück beim Matria-Markt in Bad Oldeslohe – Kunstpostkarte……………………..71
Eine Siebenjährige erklärt, was eine Großmutter ist…………………………………….……….72
Definitionsmacht - Mutterliebe, Vaterliebe, Vaterland…….…..….………..………………….73
Ein matriarchaler Zirkel auf Exkursion – MaLeDea auf der Burg Teck…………… 74-76
Frau Holle – Göttin, Ahnin, Naturwesen?...............................................................................77
Zukunftswerkstatt Matri-Arché – große Jahrestagung…………….……………………………78
Fundstück - Aus dem Museum Mödling (Österreich).......................................................79
Barbie-Ideale gefährden junge Frauen….....……………………………..……………………….80-81
Barbie und Bruder…………………………………………..…….……………….……………………………… 82
Innanna am Inn………………………………………………….….……….………….……..…………………. 83
Themen beim nächsten Mal + Impressum……..……………………….…………………………… 84
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Begrüssung durch Gisela, Gabriele,
und Gudrun
Liebe Frauen!
Unser Verein wurde in diesem Jahr
10 Jahre alt und ist damit eine junge
Maid geworden. Ihre Geburtstagfeier
fand im schönen Bella Donna Haus in
Bad Oldeslohe statt, in dem 34 Frauen
mit uns ausgelassen gefeiert haben.
Teile der aktuellen Mutterlandbriefe
wurden in West-Sumatra erstellt, wo
wir im Juli und August für unseren
neuen Matriarchatsfilm über die
Minangkabau gedreht haben.
Einen ersten Bericht darüber findet ihr in dieser Zeitung.
Passend zur üppigen Sommerzeit wurde die übliche Seitenzahl von
82 Seiten gesprengt. Wir wünschen Euch viel Vergnügen beim Lesen
der 84 Seiten!
Gisela, Gabriele und Gudrun
Glückwunsch zum 10jährigen
Betreff: 10 Jahres Feier im Bella Donna Haus in Bad Oldeslohe
1000 Dank für schöne Stunden mit Dagmar und Uscha und Iki und, und,
und… im Bella Donna Haus!
Der Film „Sturm-Wut-Frau“, der während der Feier gezeigt wurde, hat
Ulrike von einer mir unbekannten Seite gezeigt und ich bin begeistert:
Ein Beitrag zum sanften, liebevollen Lösen aus der Patriarchose ist euch
wieder einmal gelungen.
Euer Film zeigt nicht nur das fantastische Oevre von Iki, sondern ist eine
haarscharfe Analyse des bestehenden Systems und "seiner" darin
kämpfenden Künstlerinnen, wie ich es nie klarer gesehen oder gelesen
habe in irgendeinem Film/Buch/Reportage über Frauen-Künstler. Der
Film sollte an jeder Schule/ Uni, wo Frauen einen Künstler-Beruf lernen,
gezeigt werden.
Ich drücke euch alle,
Michelle
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Spendenaufruf
Wir danken allen Frauen, die bisher für die Mutterlandbriefe gespendet
haben. Das hilft uns sehr. Es ist uns möglich, damit den Zeitungsbetrieb
aufrecht zu erhalten. Eure Spenden sind uns eine schöne Bestätigung
unserer Arbeit.
Gespendet werden sowohl Jahresbeiträge, als auch Einzelbeträge pro
Heft. Mehrere Frauen spenden uns jeden Monat 5 Euro. Das klingt nach
wenig, führt aber übers Jahr zu einer Spende von 60 Euro.
Empfängerin:
MatriaVal e.V.
Kontonummer: 200 367 170
BLZ: 500 502 01
Frankfurter Sparkasse
Wir
fräuen
uns
über
Spenden
IBAN: DE19500502010200367170
SWIFT-BIC: HELADEF1822
Alle Frauen, die noch nicht gespendet haben, sind weiterhin aufgerufen,
uns nach den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, etwas zukommen
zu lassen.
Auch Sachspenden sind willkommen!
Eure Überweisung auf das Konto MatriaVal e.V. sollten als Betreff
haben: Spende Mutterlandbriefe.
Download
Die aktuelle Zeitung, sowie frühere Ausgabe können auf unserer
Homepage heruntergeladen werden: www.mutterlandbriefe.de
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Die südkoreanische Insel Jeju
Insel der Meerfrauen
Diesen Artikel haben wir in der taz gefunden.
Über keinen Landstrich haben die Koreaner so viele Volksweisheiten zu
erzählen wie über ihre Vulkaninsel südlich des Festlands. Die bekannteste lautet, auf Jeju gebe es drei Dinge im Überfluss: Stets wehe ein
kräftiger Wind vom Meer über das Landesinnere; die unzähligen pechschwarzen Steine rühren von der erloschenen Lava der Vulkaninsel; und
obendrein sei das Eiland überaus reich an Frauen. Eine von ihnen heißt
Ho Seon-oh – und für die aussterbende Inselkultur ist sie nicht weniger
als ein lebendes Wahrzeichen.
Mutter
Meer
ernährt
sie
immer
In schwarzem Taucheranzug steht sie an der Felsklippe, blickt zufrieden
auf die Brandung. Jeden zweiten Morgen steigt die 62-Jährige in die
dunklen Wellen hinab, schwimmt einen halben Kilometer ins Meer
hinaus, wo sie dann – ohne Sauerstofflasche – die Seeohren, Meeresschnecken und Tintenfische vom felsigen Grund kratzt.
Erst am Nachmittag wird sie wieder festen Boden betreten, sich mit heißem Wasser abduschen und sich gemeinsam mit den anderen Frauen
über den gemachten Fang freuen. Seit mehr als vier Jahrzehnten führt
Ho Seon-oh nun schon das beschwerliche Leben einer Haenyeo. So
werden die „Seefrauen von Jeju“ auf Koreanisch genannt. „Auch mit
80 werde ich mit Sicherheit noch tauchen können“, sagt die Inselbewohnerin.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Die Touristeninsel
Für Südkoreaner gilt Jeju als geradezu paradiesische Insel. Der größte
ihrer Berge, der 2.000 Meter hohe Hallasan, thront in deren Mitte, und
auf dessen Gipfel ein majestätischer Kratersee. Strahlend weiße Sandstrände lassen sich hier finden, saftig grünes Hügelland, und bis in den
späten Herbst bläut der Himmel wie aus einem Kindermalkasten. Die
Winter sind milder als auf dem Festland, aber auch der schwüle koreanische Hochsommer lässt sich auf Jeju besser ertragen.
Tatsächlich erinnert nur wenig daran, dass die Insel ihren Einwohnern
lange Jahrhunderte nur ein bitterarmes Leben bieten konnte: Selbst die
Bäume verkümmerten vor lauter Meereswind, und für viele koreanische
Herrscher diente Jeju vor allem als Gefängnisinsel. Wer konnte, flüchtete
damals vor dem kargen Inselleben – und das waren vor allem die Männer, die ihre Mütter, Ehefrauen und Töchter für ein Leben auf dem Festland zurückließen.
Ebenso viele starben bei den zahlreichen Invasionen oder auf hoher See.
Bereits während der ersten Volkszählung von 1873 kamen in Jeju auf
100 Frauen gerade mal 83 Männer. So oblag die Fürsorge in vielen
Familien allein den Müttern und Töchtern, die ihre Lebensgrundlage
tagein, tagaus vom Meeresgrund kratzen.
Die
Fürsorge
oblag
schon
immer
den
Müttern
(Die Setzerin)
Bittersüße Balladen wurden über das Schicksal der Seefrauen von Jeju
geschrieben. Dort heißt es über die Haenyeos, sie „schwimmen mit
einem Grabstein auf ihrem Kopf“ und „quälen sich in der Unterwelt, um
ihren Familien das Leben in dieser Welt“ zu ermöglichen. Allein in den
letzten fünf Jahren sind über 50 Haenyeos beim Tauchen umgekommen.
„Vor nichts habe ich so viel Respekt wie der Dunkelheit des Meeres“,
sagt auch Ho Seon-oh.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Während im streng konfuzianischen Staat Frauen nur eine untergeordnete
Rolle im öffentlichen Leben spielten, waren es auf Jeju die Männer, die
eine Mitgift an ihre künftigen Bräute zahlen mussten, und aufgrund der
wirtschaftlichen Unabhängigkeit lassen sich diese auch heute noch öfter
scheiden als anderswo in Südkorea. Ein Blick auf die Welt der Haenyeos
wirft unweigerlich die Frage auf, wie eine Gesellschaft aussehen würde,
deren Traditionen und Werte vornehmlich von Frauen geprägt sind.
Die neue Generation und der Tourismus
Ganz sicher wäre es eine solidarische Welt: So gingen die einst über
30.000 Seefrauen stets in Kollektiven auf Tauchfang, ließen die flachen
Gewässer den alten und schwachen Frauen und teilten ihre Ernte gemeinschaftlich. Auch beim Aufbau der Insel halfen sie durch den Bau
von Straßen und Schulen.
WIR
wissen,
wie
eine
solche
Gesellschaft
aussieht
(Die Setzerin)
„Die Seefrauen leben sehr nah am Tod – deshalb wissen sie, dass sie nicht
alleine auskommen können. Ihr Leben wird von einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl geprägt“, sagt Kang Kwon-yong vom HaenyeoMuseum.
Längst hat der Tourismus den Inselbewohnern satten Wohlstand gebracht.
Die jüngste der 4.000 Seefrauen ist bereits in ihren Dreißigern, die meisten
jedoch sind bereits über 70. Deren Kinder haben längst Arbeit in den
Hotels oder Restaurants der Insel gesucht, genau wie die drei Sprösslinge
von Ho Seon-oh. Verstehen kann sie, warum die nächste Generation ein
leichteres Leben wählt. Und dennoch muss die Inselbewohnerin nicht
lange überlegen, um das Beste an ihrer Arbeit zu nennen: „Als Frau das
Geld für die Familie heranzuschaffen ist unbezahlbar.“
Gefunden auf www.taz.de
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Aufenthalt im Mutterschoß
Erster kleiner Bericht unserer Reise zu den
Minangkabau auf der Insel Sumatra
Gerade erst sind wir zurückgekehrt, Dagmar, Daniela und ich. Im Juli und
August dieses Jahres waren wir zu Gast bei den Minang, wie sich dieser
Stamm mit an die 11 Millionen Menschen auch selbst nennt. Wir waren
Teil eines „Paruik“, was so viel bedeutet wie: „ein Mutterschoß“, eine Sippe
bestehend aus mehreren Frauengenerationen und ihren jüngeren Brüdern
und Söhnen.
Inzwischen ist bei den Minang Matrilokalität eingekehrt: Männer verlassen
ihre Muttersippe, um in das Haus der Frau zu ziehen. Das bedeutet einige
Männer in einem „Paruik“ sind nicht blutsverwandt, sie leben auf diesem
Sippen- bzw. Mutterland, weil sie mit einer der Frauen aus dieser Sippe
vermählt wurden. In einer solchen Hausgemeinschaft durften wir Drei
wohnen und an allen Dingen des Alltags teilhaben. Liebevoll wurden wir
aufgenommen, alle waren darauf bedacht, unsere Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen, genauso wie auch die Bedürfnisse aller Mitglieder dieser
Sippe. Dies ist eine fräudvolle Angelegenheit, ein gegenseitiges aufeinander Achten, in das wir versucht haben, uns einzuschwingen.
bedürfnisorientiert
Viele bewunderungswürdige und emotionale Begebenheiten konnten wir
dokumentieren und filmisch festhalten. Wie uns versichert wurde, fielen
wir damit nicht zur Last, im Gegenteil, Jung und Alt hatten ihren Spaß mit
uns drei Frauen und ihren drei Kameras. Während für uns wiederum die
Tatsache, dass wir ständig als Objekte für Selfies herhalten mussten, gewöhnungsbedürftig war. Sicher, wir haben es eingesehen: dort bei den
Minang sind nicht viele „Bulé“ wie Fremde mit heller Haut und langer
Nase genannt werden. Das ist schon etwas Besonderes, so etwas will
natürlich mit Handy und Fotoapparat festgehalten werden.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Im vergangenen Jahr war Dagmar zum ersten Mal in das Herzland der
Minang gereist in Dörfer und in Städte wie Bukittingggi, Padang, Payakumbuh, um für unser Projekt zu recherchieren. Dabei begegnete sie
vielen gebildeten Frauen. Die Minang sind berühmt für ihre hohe
Bildung, ihre feine Lebensart und ihre wirtschaftlichen Fähigkeiten.
80 % der ProfessorInnen sind Frauen. Während dieser Reise lernte
Dagmar die Sippe kennen, die Mittelpunkt unseres Films werde sollte.
Da ist die Großmutter Yunanis, eine Frau von zarter Gestalt und liebreizender Art. Es ist ihr anzumerken, dass alte Menschen besonders
geachtet und geehrt werden. Deshalb kann sie so freizügig mit ihrer
Zuwendung sein, die sie gerne allen in ihrem Umfeld schenkt. Ihre
Tochter Yenzi, Mitte 50, erdgebunden, von großer Geduld und offenem Wesen, immer für alle da und von allen respektiert, ist diejenige,
die alles zusammenhält, sie führt den Hof und teilt die Arbeit ein. Yenzi
hat zwei Töchter und zwei Söhne geboren. Die Töchter, welch ein
besonderer Glücksfall für unser Anliegen, sprechen Deutsch. Die Ältere,
Yelfia, Anfang 30 (Mutter von zwei kleinen Töchtern) hat vier Jahre lang
Deutsch studiert und ein Jahr in Heidelberg gelebt. Nun ist sie in ihrer
Heimat Deutschlehrerin an einem Gymnasium und das neben den
Aufgaben in Haus und Hof. Vor einem Jahr brachte sie ihre jüngere
Schwester Mici, Anfang 20, nach Deutschland. Mici studiert nun in Jena,
um dort die deutsche Sprache zu lernen und anschließend ein Mathematikstudium zu absolvieren. Ihr Bruder Hendra macht gerade eine
Ausbildung zum Krankenpfleger und für ihren Bruder Rinto, der ein
kleines Geschäft betreibt, wurde während unseres Aufenthaltes die
Hochzeit ausgerichtet. Sein Platz ist nun in der Sippe seiner Frau, eine
Autostunde von seiner Muttersippe entfernt.
Das
soziale
Netz
wird
geknüpft
So ein Hochzeitspaar steht für weit mehr als nur für den Bund zwischen
einer Frau und einem Mann. Über eine Verheiratung schließen die Minang ein Bündnis zweier Sippen. Diese Sippen gehen von nun an die
Verpflichtung ein, einander zu unterstützen und zu helfen. Damit wird
am großen sozialen Netz geknüpft und gewebt, worin die Minang außerordentlich geschickt sind. Davon und wie sie ihre Kinder vertrauensvoll Dinge tun lassen, die viele von uns verboten oder vermieden hätten,
und davon wie sie Menschen so nehmen wie sie sind und wie Fürsorgearbeit im Mittelpunkt des Lebens steht, wie Frau und Mann an ihren
Müttern hängen, und ihnen ihr Mutterland über alles geht, wird in
unserem Film, der in etwa einem Jahr fertig sein wird, erzählt werden.
Tarimo Kasih
(Das ist Minang und bedeutet DANKE)
Eure Uscha
Tomult & töchter
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Was kostet ein Kind?
Auszug aus einem Deutschbuch
Diesen Text haben wir bei den Minangkabau in einem Deutschbuch gefunden. Unsere
befräundete junge Frau Mici, die in Jena Mathematik studiert, soll damit Deutsch lernen.
Was sie wohl über die deutschen Frauen denken mag?
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10 Jahre MatriaVal e.V.
Auszüge aus der Jubiläumsrede von Dagmar Margotsdotter
Gegründet wurde der MatriaVal-Verein zur Unterstützung matriarchaler
Gesellschaften und Vermittlung matriarchaler Werte im Oktober 2006 in
Berkersheim, einem Stadtteil von Frankfurt am Main.
Acht Frauen gründeten den Verein: Uscha Madeisky, Dr. Heide GöttnerAbendroth, Dr. Malika Grasshoff; Gudrun Nositschka, Siegrun Laurent, Dr.
Christa Mulack, Gudrun Frank-Wissmann und ich, Dagmar Margotsdotter.
Ein, zwei Jahre nach der Gründung schrieb Uscha im MatriaVal-Journal
unter dem Titel „Wie lustvoll kann die Arbeit in einem Verein sein“
Folgendes:
„Ich soll von den Aktivitäten unseres Vereins
MatriaVal (Matriachal Values) berichten und
zwar unter dem Aspekt „Lebenslust“, welches
das Thema dieses Heftes ist.
Im Allgemeinen wird landauf landab über
Vereinsarbeit gestöhnt und sie wird oft als
zäh und quälend empfunden. Also doch eine
schwierige Aufgabe? Nun bin ich selbst
gespannt.
Ein
lebenslustiger
Verein
Gegründet wurde MatriaVal im Oktober 06 JdF in meinen Räumen, in denen
viel gearbeitet wird, wo viele Zusammenkünfte stattfinden und wo beinah
alles mit den Zielen von MatriaVal zu tun hat. Die Gründerinnen waren aus
ganz Deutschland angereist. Wir haben viel debattiert, gut gegessen und
den Tee getrunken, den Malika Grasshoff mitbrachte. Wir haben auch
unsere Wünsche und Ziele in kleine Papiersternchen geschrieben, diese
gefaltet und in eine große Schale mit Wasser gelegt. Wir konnten
zuschauen, wie die Sterne sich öffneten und uns zeigten wie die in die
Mitte geschrieben Wünsche und Ziele sich entfalteten und aufgingen.
Später haben wir sie zum nahe gelegenen kleinen Fluss gebracht, der sie
dann noch weiter trug. (…)
Es ist ein ganze Menge an Aktivitäten und ich weiß nicht, ob das jetzt
profan klingt, aber mir macht ganz besondere Lust, dass so bedeutende
Projekte durchgeführt werden können und zwar mit einem Minimum an
Geld! Ganz sicher, die Projekte selbst machen auch Lust und das tolle
Zusammenwirken mit Allen; die vielen Rückmeldungen; die Dankbarkeit;
die Tatsache, dass es Wellen schlägt; die Fräundschaften und Schwesternschaften, die entstehen; der Respekt, der uns entgegengebracht wird; die
Feiern; die Kommunikation; das Zurücklehnen und Genießen, wenn etwas
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
vollbracht ist; die Tatsache, dass das Positive in den Vordergrund gerät
und das Negative sich dadurch davon macht; das Gefühl, mit einer
Gemeinschaft verbunden zu sein, die sich über die ganze Erde erstreckt;
und die Gewissheit, dass Sonne, Mond und Sterne mit ihrer Kraft dabei
sind.“
„Das alles macht Lust und die hat in diesem Fall mit dem Verein zu tun“,
schließt Uscha den Artikel. Den Verein gibt es nun zehn Jahre. Was macht
den Verein nun aber aus? Was geschieht durch all die wunderbaren
Frauen, die ihn bilden?
Wir von Verein MatriaVal überlassen es anderen, innerhalb des patriarchalen Systems herumzudoktern und Verbesserungen vorzuschlagen.
Insofern sind wir der Frauenbewegung fort-geschritten, gehen jetzt voran
– ganz avantgardistisch. Wir verlassen konsequent den patriarchalen
Rahmen. Einen Rahmen, in den wir ja durch unsere Art der Erziehung,
Bildung und Aufklärung hinein-konditioniert werden und der in unserer
Kultur historisch und ideologisch 2-4 tausend Jahre umfasst. Einen Rahmen,
den wir gedanklich und emotional nicht überschreiten sollen. Es ist ein
propagandistischer Rahmen. Wir sprechen mittlerweile von Pro-PapaGanda.
Wir
verlassen
den
patriarchalen
Rahmen
In diesem Jahr setzten wir unserer Zeitungstätigkeit, die mit sieben Jahren
MATRIAVAL begann, in Form der Mutterland-Briefe fort. Für die aktuellsten
Termine richteten wir eine Newsletta ein, MatriaVox, und für alles Wissensund Erinnerungswertes eröffneten wir unser Archiv in Göttin-gen:
MatriaWis. Etwas ganz Besonderes hat der Verein MatriaVal auch noch
zum Erblühen gebracht: den Godeweg. Und im Internet wird der schillernde MatriaMarkt betrieben. Für die Zukunft haben wir Großes vor.
Wir gründen MatriaCon, die Schule für matriarchales Bewusstsein.
Höhepunkte in unserer eigenen Kulturwelt waren, was Besuche betrifft,
die zweimaligen Einladungen der UNESCO. Beim ersten Mal wurde Uscha
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Madeisky relativ kurzfristig als Expertin von einer deutschen Botschafterin
zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Matrarchal Societies“ eingeladen.
Doch im darauffolgenden Jahr erhielten wir zum Frauentag eine Einladung
der Generaldirektorin des Hauptquartiers in Paris, wo Uscha den Film
„Töchter der sieben Hütten“ zehn Tage lang laufen lassen konnte. Letztes
Jahr gab es wegen der Aktivitäten in Sachen Matriarchat eine Einladung
beim Bundespräsidenten – Terre des femmes durfte 200 Gäste einladen.
Und nun das Verdienteste: Uscha erhielt den Elisabeth-Selbert-Preis von
einem hessischen Ministerium. Das Beste daran ist, dass dieser Preis für ihr
Lebenswerk verliehen wurde. Und das Allerbeste, dass er ausdrücklich auch
für die Dokumentation matriarchaler Gesellschaften überreicht wurde.
Dieser Begriff: matriarchale Gesellschaften.
Da ging unser
Anliegen natürlich
ganz wunderbar
durch die Presse.
Und Uscha machte,
wo immer möglich:
Eine für alle – und
dies lässt uns alle
wie selbst PreisGekrönte sein.
Avantgardistisch:
Die
moderne
Matriarchatsbewegung
Bemerkenswert
bei der Entwicklung der letzten zehn Jahre ist die Haltung der Presse
dem Thema Matriarchat gegenüber und uns gegenüber. Sie hat sich
verändert.
Irgendwie scheinen sich Angst und Vorurteile der Reporter gelegt zu
haben, denn in den letzten Jahren wurden die Artikel über uns im
Mainstream anders: vorsichtig, neugierig, fragend – und immer
wohlwollender.
Auf jeden Fall können wir Mitfrauen des MatriaVal-Vereins darauf stolz
sein: Das Thema ist angekommen, auch und im Besonderen mit Hilfe
unserer Vereinigung. Alles das hat dazu beigetragen: Zusammenkünfte,
Kongresse, Seminare, Filme, Fortbildungen, Bücher, Zeitungen und vieles
mehr. – Unser Mut hat dazu beigetragen. Unser Mut, zu einer Forschung
zu stehen, die über alle innerpatriarchalen (Kultur)Forschungen hinausgehen. Unser Mut, eine Bewegung zu sein, die wahrlich avantgardistisch
ist: die moderne Matriarchatsbewegung.
Wir können gespannt sein, was alles kommt, wenn unser Verein sein
zweites LebensJahrzehnt auslebt.
Dagmar Margotsdotter
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Alte
Scherben
blühen
und
gedeihen
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Ein Brief
von Cindy,
die
seitdem
unsere
Präsenz auf
Facebook
gestaltet.
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MatriaVal e.V.
Jetzt auf Facebook
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Elfchen
Geschrieben während der 10-Jahres-Feyer
Elfchen bestehen aus einer Strophe, die aus fünf Versen gebildet werden.
Insgesamt haben diese elf Wörter, wobei die Abfolge der Wortanzahl bis
zur vierten Zeile aufsteigend ist. Im letzten Vers wird nur noch ein Wort
benutzt.
Anlässlich unserer Feyer hat jede unserer Besucherinnen ein oder zwei
Elfchen geschrieben. Einige davon möchten wir hier vorstellen:
Bella-Donna-Haus
Bad Oldesloe
Einladung Jahrzehnt Geburtstag
Kirche Fluss Friedhof Stadt
Heimat
(Doreen Doristochter)
Kreistanz
Donner Regen
Hügel Fluss Erde
Frauen feiern zusammen MatriaVal
Schwestern
(Doreen Doristochter)
MA
Magie grenzenlos
grenzenlos fließende Lebensfräude
in Kontakt mit Alma
Mater
(Marianne)
Schwestern
miteinander tanzend
Kreise im Leben
zusammenkommen, auseinandergehen, geben, nehmen
Vertrauen
(Hannah)
Bad
Oldesloe, die
Gänseliesel im Regen
viel Wasser kam vom
Himmel
(Monika)
Rot
ein Sofa
Frau ruht darauf
Hört auf zu ROTieren
Kraftplatz
(Astrid)
Donnergrollen
ruft uns
wach zu werden
im Jetzt und Hier –
gemeinsam
(Sarah Reginestochter)
Matriarchat
bei den BELLAS zum Geburtstag
10 Jahre MatriaVal in
Sonne
(Dagmar Therese)
Schalen
Tropfen plätschern
füllen die Schalen
Sie … wir alle sind
gehalten
(Sarah Reginestochter)
Berge
oder Endmoränen
dazwischen zwei Flüsse
treffen sich zum Mutterland
Heilig
(Kerstin)
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Mut
zur Fräundin
ehrlich zu sein
auch, wenn es schmerzt
Liebe ?!
(Regine)
Wir
für uns
einer für alle
und alle für einen
Wir
(Marcus)
Donna(e)
in Oldesloe
macht uns froh
Natur und matriarchale Worte.
Horte!
(Regina)
WASSER
FLUSS LEBEN
FÜLLE SPÜREN SEIN
FINDEN TANZEN HALTEN SCHÜTZEN
FRIEDEN
(Sandra)
Zehn
Jahre gesehen
viele noch bestehen:
Gemeinsam werden wir gehen:
MUTTERLAND
(Dagmar Lilly)
Hier ein gemaltes Elfchen von
Kerstin:
Frauen
gehen gemeinsam
durch unsere Stadt,
das erste Mal gemeinsam:
Fräundinnen
(Barbara)
Oldesloe
so weit
entfernt und doch
fast hinter Hamburg, kleine
Schöne
(Ulrike)
Gänselust
im Regen
Donner und Blitz
Lindenholzmadonna am alten Tanzplatz
Salzquelle
(Anke)
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Ein Brief von Ulrike Loos an
Christa Mulack.
Anlässlich der Feyer von MatriaVal
Christa Mulack, die zu den Gründerinnen des Vereins gehört, konnte nicht
mit dabei sein und wird von Ulrike Loos über den Ablauf des Festes
informiert.
Liebe Christa,
hier nun ein kleiner Bericht von der 10jährigen Geburtstagsfeier der
MatriaVal im Bella Donna Haus in Oldesloe. Diese fing mit dem Freitagabend an, an dem mein Film zum allerersten Mal in der Öffentlichkeit
gezeigt wurde: „Sturm-Wut-Frau"**. Er beschreibt meinen Werdegang zur
Matriarchatsbewegung anhand meiner Ölbilder seit 1980. Ja, und er wurde
irre gut angenommen, es wurde gelacht und manches Mal herrschte aus
Überraschung Stille zum Beispiel als das Bild gezeigt wurde, wo vor den
Golanhöhen Eva ‚ihren Adam‘ gebiert.
Danach stellten sich die 5 Macher-innen vor und wir wurden mächtig beklatscht. Also: Dagmar (die Filmerin in diesem Fall), Uscha (die Dramaturgin
mit wunderbaren Eingebungen), Daniela (die Filmszenen vom Hambacher
Schloss beigetragen hatte), Eva Voosen (die begabte Cutterin und in diesem Fall ebenfalls Dramaturgin), und ich. Nach der Vorführung sind noch
viele Gespräche gelaufen, meine Offenheit wurde dabei immer wieder herausgestellt. Und zum Ende des Abends, wir waren alle schon sehr müde,
kam die Tanzanleiterin Monika Werker auf den Plan, die uns zu wunderschönen Kreistänzen animierte, bei Schummerlicht und beschwingter Musik.
Eva
gebiert
ihren
Adam
Der nächste Vormittag war mit Berichten von Uscha, Dagmar und Daniela
über die laufenden und neuen Projekte ausgefüllt, die total spannend
sind: weiterer Ausbau des Archivs MatriaWis in Göttin-gen, des MatriaMarktes, des Godeweges und der Matria-Schule, über die frau sich etwa
so weiter-bilden kann, wie auch bei ALMA MATER oder in der Akademie
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
HAGIA. Ricarda Scherzer stellte das Konzept vor. In „MatriaCon – Internationale Schule für matriarchales Bewusstsein“ kannst du deine eigene
Lernzeit bestimmen. Es gibt verschiedene Fachbereiche und wenn Du
magst, kannst Du auch auf Abschlüsse hin studieren.
Danach war Geburtstagspiel angesagt: wir sollten in Kleinstgruppen, immer
mit einer Oldesloerin dabei, durch Oldesloe wandern und "Matriarchales"
suchen, aufschreiben, malen, besprechen, wie auch immer….es kamen sehr
originelle Vorstellungen dabei heraus....nur meine Gruppe hatte sich auf
Abwege begeben, weil ich so starke Hüftschmerzen hatte und obendrein
der viele Regen uns ein wenig bremste. Und…oh Überraschung, die 3. in
unserem Bunde (Doreen, Barbara und ich), erwies sich als gelernte Heilerin,
die mir, zurück im Bella Donna Haus, in einem der oberen Räume, eine
15minütige Heilung gab, nach der ich doch tatsächlich keine Schmerzen
mehr hatte, sie traten erst wieder auf, als ich in HH ankam. Während dieser Wanderung durch Oldesloe sollten wir auch an unser leibliches Wohl
denken und fürs Abendbrot einkaufen.
Da bin ich ja jedes Mal wieder entzückt von Frauengruppen: nachdem wir
im Kreis von all unseren matriarchalen Mitbringseln durch Oldesloe erzählt
hatten, bereiteten wir uns unser Abendbrot vor.....und in Nullkommanix
war da aus all dem Gekauften ein ansehnliches Buffet zusammengestellt...
so farbig, frisch und originell sah es aus, dass wir alle, glaube ich, mit viel
Appetit schnabulierten und dabei klönten. Zum Schluss war wiederTanzen
angesagt, das ich noch mehr genoss, als die 2 Abende davor!
Wir
rematriieren
Bad
Oldeslohe
Die Räume waren sehr fräudvoll
geschmückt, es gab Info und
Bücher-DVD-tische und Ecken
mit Gegenständen zum Tauschen.
Sha Li Ma hatte eine Auswahl
ihre Jahreskreisscheiben dabei.
Am Sonntagvormittag wurde die
jährliche Vereinsversammlung abgehalten, die dank der Vorstandsfrauen Dagmar, Daniela und Uscha
locker und teilweise humorvoll daher kam. Dann noch gemeinsames
Aufräumen der lustigen Geburtstagsverkleidung des Bella Donna
Raumes....und dieses schöne
Treffen war wieder vorbei...
Sei vielmal gegrüßt
Deine Iki
** Der Film ist im Christel Götter Verlag zu erwerben.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Sturm-Wut-Frau
Der Weg der Künstlerin Ulrike Loos in die matriarchale Welt
Ulrike Loos wuchs in der Liebe einer sehr fortschrittlichen Mutter auf. Durch
diese früh sensibilisiert, beteiligte sich die Künstlerin aktiv an der Frauenbewegung und stellte sich stets die Frage: Was bedeutet Frausein? Sie beschloss, nie zu heiraten, verdiente sich ihren Unterhalt selbst und brachte
ein Kind zur Welt – Mitte der 60er-Jahre ein wahrhaft mutiges und konsequentes Frauenleben!
Die
Ahnung,
dass
es
etwas
Anderes
geben
müsse
Genährt an der Brust der Mutter
Anhand ihrer Bilder zeigt sie uns den wahren Grund für ihre Wut und ihren
Lebensmut: ihre umfassende Kritik am patriarchalen System und die Ahnung,
dass es noch etwas Anderes geben müsse. Immer auf der Suche nach
Wegen aus dem Patriarchat, führt sie das Schicksal im neuen Jahrtausend,
dem Jahrtausend der Frau, schließlich zur Matriarchatsbewegung.
Anregende, unbekannte Welten eröffnen sich: z.B. "Catal Hüyük – Das Land
der 100 Göttinnen in Anatolien" und die Entdeckung der mehr als 40.000
Jahre alten "Urmutter vom Hohle Fels". Diese präsentiert sie als dreiteiliges
Kunstwerk im Jahr 10 JdF auf dem Hambacher Schloss zum Internationalen
Goddesskongress. Und dann ein besonderer Höhepunkt: Eine junge Frau
aus dem Matriarchat der Mosuo in China besucht sie auf ihrer mütterlichen
Heimatinsel Pellworm.
Von Dagmar Margotsdotter-Fricke
ISBN: 978-3-939623-65-6
Dokumentarfilm, 58 Min., Produktion: tomult&töchter, 2016
16,- €
Zu bestellen beim Christel Göttert-Verlag.
www.christel-goettert-verlag.de
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Der MatriaMarkt
Eine matriarchale Online-Verkaufsplattform
im Sinne der Frauen von Juchitan
Viele von uns stellen kreative und ausgefallene Produkte selbst her, die keine
Massenware sind. Bei Bildungs-Veranstaltungen, wo diese schönen Dinge
nebenher angeboten werden, fehlt uns oft die Zeit, uns die Produkte der
anderen einmal richtig anzuschauen.
Gutes
Leben
für
alle
Diese Kostbarkeiten sollen anderen eine Freude machen. So kamen wir auf
die grandiose Idee, das Stöbern in den Schätzen über das Internet möglich
zu machen und haben den virtuellen Marktplatz MatriaMarkt gegründet.
Unser Vorbild sind die starken Frauen aus dem matriarchalen Juchitán in
Mexiko. Das Marktgeschehen wird dort von den Frauen geregelt und ist das
Herz ihrer Gemeinschaft. Fast jede Frau ist eine Händlerin und sie kauft
wiederum bei einer Frau. Das Geld zirkuliert in Frauenhänden und ermöglicht
ein gutes Leben für alle. Die Ökonomie funktioniert wie ein einziger großer
Haushalt. So soll es auch bei uns sein. Auch wir schauen auf unserem OnlineMarkt bei der Marktfrau von nebenan, ob wir das Gewünschte bekommen
und unterstützen uns damit gegenseitig. Das macht uns unabhängig und
stark wie die Frauen von Juchitàn.
Unser Angebot reicht von Strampelhosen über
Göttinnenfiguren, Häkelrosen, Holundersekt
und Schlafunterkünften bis hin zu selbst gestalteten Sterbetüchern. Es ist für viele Anlässe und fast jeden Geldbeutel etwas dabei.
Unser virtueller Markt erhebt weder Standgebühren noch Provisionen. Bestellt wird bei
der jeweiligen Anbieterin selbst. Jede Marktfrau
kann bis zu fünf Produkte anbieten.
Wenn du Interesse hast, bei uns Marktfrau zu werden, schreibe eine E-Mail
mit einer Beschreibung deiner Produkte und den dazugehörigen Fotos an:
Martina Muth, [email protected]
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Matriarchate weltweit
Matria meets Matria
Immer wieder wird matriarchal lebenden Völkern eingeredet, dass es nur
sie gäbe, die so leben würden – so archaisch.
So gibt es z.B. eine touristische DVD über die Mosuo, in der ihr Leben mit
den Worten angepriesen wird, dass es das einzige, letzte matriarchale Volk
auf der Welt sei. Natürlich ist diese DVD von patriarchalen Han-Chinesen
gemacht. In China gibt es jedoch viele Ethnien, die matriarchal leben.
Eigentlich, meint frau, müsste das den Filmemachern auch bekannt sein.
Also muss diese Behauptung einen Grund haben. Wir vermuten – sicherlich nicht zu Unrecht – dass ein Ziel ist, diese, so konträr zu patriarchal
strukturieren Gesellschaften lebenden Menschen zu vereinzeln und damit
zu schwächen.
Gleiche
matriarchale
Sozialstruktur
Sadama von den Mosuo (China) (rechts) mit der Khadu der Khasi (Indien) (links)
Dem wollen wir vom MatriaVal-Verein entgegenwirken, indem wir Menschen aus den entsprechenden Ethnien zusammenbringen und diese Begegnungen dokumentieren. Dazu haben wir eine Filmserie begonnen, die
wir „Matriarchate weltweit“ nennen. Im ersten, bereits fertiggestellten Teil,
begleiten wir die Mosuo Sadama auf ihrem Weg zu den Khasi in Indien,
Meghalaya. Dass es sich lohnt, solche Begegnungen zu ermöglichen, zeigt
folgende Begebenheit: Sadama besuchte auch das Haus der Siem Sad, der
Königin und Hohepriesterin der Khasi. Dabei lernten wir auch den Schwiegersohn der Siem Sad kennen, einen Ethnologieprofessor mittleren Alters.
Als wir ihm den Grund für unseren Besuch vortrugen – Sadama spricht
sehr gut Englisch und stellte sich als matriarchale Mosuo aus China vor –
kam er aus dem Staunen nicht mehr heraus: In China gibt es matriarchale
Ethnien? Menschen, deren Sitten und Bräuche denen der Khasi ähneln?
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Er, der Ethnologie studiert hatte und quasi lediglich auf der anderen Seite
des Himalaya dieses Fach an der Universität von Shillong unterrichtet, hatte noch nie etwas von der Existenz der Mosuo gehört.
Der Besuch hatte zur Folge, dass eine Begegnung zwischen Khasi und
Mosuo in größerem Rahmen erfolgen wird. Dafür erhielten wir eine Einladung der Seng Khasi, einer Organisation, die sich intensiv für die Erhaltung der Traditionen ihres Volkes innerhalb des patriarchalen Indiens
einsetzt.
Lamu Gatusa, ein Mosuo und Professor, der uns seit langem bekannt ist,
erzählte uns, dass es bereits einen
regen Austausch mit kanadischen Ureinwohnenden gibt, deren 57 Stämme
alle matrilinear strukturiert sind.
Und Sadamas Lehrerin, die unser Verein
– dank Eurer Beiträge und Spenden –
ein Jahr lang Lesen und Schreiben beibrachte, war bereits zusam-men mit
einer Delegation bei den Minangkabau
in West-Sumatra. Sie selbst ist Vorsitzende des nationalen Kulturvereins der
Mosuo und begeistert von solchen
Begegnungen.
Matriarchale
Menschen
stärken
einander
Sadama und ihre Lehrerin
Nun ist ein Besuch der Minangkabau
bei den Mosuo geplant – unterstützt durch unseren Verein, eine Stiftung
und den Einsatz vieler matriarchatsbewegter Menschen. Auch dieser
Besuch wird filmisch dokumentiert, sodass immer mehr Menschen Teil
haben können an der Bewegung, die in Kanada längst einen Namen hat:
Rematriierung.
Dagmar Margotsdotter
Die DVD kann käuflich erworben werden:
MATRIARCHATE WELTWEIT, Teil 1, Eine Mosuo besucht die Khasi
Von Dagmar Margotsdotter, Dokumentarfilm, D 2016, 22 Min.
Produktion: tomult&töchter, Uschi Madeisky, Gefördert: MatriaVal e.V.
Es gibt unzählige Orte in der Welt mit matriarchaler Sozialstruktur. Mehr
denn je ist es möglich, dass matriarchale Menschen einander kennenlernen,
sich austauschen, stärken und stützen. Dieser Film ist der erste aus einer
Reihe, die diese positive Entwicklung dokumentiert.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Mütterkompetenz
Buch: „Die Stärken der Mütter“
Patriarchale Männer wissen, wie sie sich aneignen, was sie nicht selbst
erschaffen haben. Eigentlich basiert die gesamte Väterherrschaft darauf,
dass Väter sich nehmen, was ihnen nicht gehört, um es zu ihrem Eigentum
erklären. Das begann mit den Eroberungsfeldzügen und der Vernichtung
weiblicher Kulturen. Ihr Kulturgut wurde geraubt, umgedeutet oder einfach
zerstört. Nach ein paar Generationen weiß niemand mehr etwas davon.
Dennoch gehen auch heute noch alle sozialen und kulturellen Errungenschaften auf weibliche Schaffenskraft zurück. Weiblich: Weisheit und Spiritualität knüpft das Netz zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren
Welt. Weibliche Erkenntnis achtet die Natur und Lebensgesetze. Die Geburt ist ein weiblicher Akt. Das Neugeborene ist eine weibliche Schöpfung.
Bleibt nur die Sache mit dem Genchip. Aber was soll die männliche
Samenzelle befruchten, wenn keine weibliche Eizelle vorhanden ist?
Zeugung ist Teil eines Prozesses, der weiblich ist.
Alles, was ein Menschenkind nach der
Befruchtung der mütterlichen Eizelle
wachsen und gedeihen lässt, findet im
Körper der Mutter statt. Nach seiner
Geburt braucht es die körperliche
und gefühlsmäßige Versorgung der
Mutter in unmittelbarem Kontakt mit
ihr, um zu überleben.
Mütterliche
Schaffenskraft,
Weisheit
und
Spiritualität
Schöpfung ist weiblich. Der männliche
Genchip ist ein notwendiger Bauteil
dieser weiblichen Schöpfung. Nicht mehr und nicht weniger. Die Mutter
hat daher den größten Anteil an ihrem Kind.
Die Mutter ist von der Empfängnis an mit dem Kind vereint und verbunden. Sie lebt mit ihm in einem Körper. Es wächst in ihr und kommt aus ihr
heraus ins Leben. Wer kommt da auf die absurde Idee, sich in eine so
intime Beziehung einzumischen und sie womöglich zu stören?
Wer ein Kind aus dem Nest herausnehmen, etwas von ihm verlangen oder
fordern will, verhält sich wie ein Nesträuber und zerstört die Lebensgrundlage des Nestlings und die Arbeit der Mutter die von der Empfängnis des
Kindes an die volle Verantwortung zuerst für das innere, dann für das
äußere Nest und sein Management übernommen hat.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
In unserer Gesellschaft herrscht eine brutale Einstellung zur Symbiose.
Viele Psychotherapien und inzwischen auch populärwissenschaftliche
Medien verbreiten, diese Mutter-Kind-Bindung müsse möglichst rasch
unterbunden werden, und sei es mit radikalen Mitteln und Methoden.
Viele Mütter glauben mittlerweile selbst daran, dass sie ohne weiteres
durch jemand anderen zu ersetzen sind.
Von den Mitarbeitern einer Elefantenstation in Nepal wurde ein Elefantenbaby aus einer Felsspalte gerettet, in der es sich eingeklemmt hatte. Die
Anwohner hatten beobachtet, dass die Elefantenmutter so lange bei ihm
geblieben und unentwegt versucht hatte, irgendwie zu ihm zu gelangen,
bis sie fast verdurstet und verhungert weiterziehen musste. Das Elefantenbaby schrie ständig nach ihr.
Es wurde schließlich aus der
Felsspalte gerettet und kam
auf die Elefantenstation. Dort
nahm es ein Tierpfleger in
seine Obhut. Da Elefanten in
Nepal als heilige Tiere gelten,
dankte der Tierpfleger mit einem besonderen Ritual den
Göttern dafür, dass er diesen
kleinen Elefanten bekommen
hatte. Er ist nun für den Rest
seines Lebens für ihn zuständig.
Eine
Mutter
ist
nicht
ersetzbar
Auch Menschenkinder können ihre Mütter verlieren. Aber das ist die
Ausnahme und nicht von der Schöpfung vorgesehen. Wie für den kleinen
Elefanten ist es ein Glück für jedes mutterlose Kind, wenn es eine gute
Versorgerin findet, bei der es groß werden kann. Aber niemals wird sie ein
Ersatz dafür sein, wie es ist, mit der eigenen Mutter ungestört aufwachsen
zu können.
Eine Mutter ist durch niemanden ersetzbar. Sie ist einmalig, und ebenso
einmalig ist ihre Beziehung zu ihrem Kind. Eine andere Beziehung ist
deshalb nicht unbedingt schlechter, aber sie wird niemals dasselbe sein.
Dass ein Kind eine Mutter hat, bei der es aufwächst, ist das Optimale.
Deshalb bist du als Mutter optimal für dein Kind. Alles andere ist eine
Verdrehung der Tatsachen.
Verunsicherte Mütter trauen sich kaum mehr, ihre einjährigen Winzlinge
tröstend in die Arme zu nehmen, weil ihnen die Umgebung vermittelt, sie
seien „Glucken", und ihre Kinder würden „Mamakinder". Mütter halten sich
für eine »schlechte Mutter", weil sie Fehler machen. Als müsste eine gute
Mutter perfekt sein. Eine Mutter darf auch Fehler und Schwächen haben.
Beide, Mutter und Kind, lernen und entwickeln sich daran. Doch würden
wir Mütter nicht über die gesamte Kompetenz verfügen, die notwendig
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
ist, um unsere Kinder gut großzuziehen, wäre die Menschheit längst ausgestorben!
Patriarchale Männer und Frauen haben Müttern die Kompetenz streitig
gemacht. In vielen Bereichen waren sie erfolgreich. Aber in extremen
Situationen verhilft der mütterliche Schutzinstinkt für die Kinder ihrer
Kompetenz wieder auf die Sprünge. Die Mutterkompetenz bringt die
Mutter in die natürliche Position, für ihr Nest und alles, was sich darin
abspielen darf, allein verantwortlich zu sein. Diese Verantwortung muss
die Gesellschaft Müttern zurückgeben.
Jede Nestmanagerin und jeder Nestling prüfen natürlicherweise automatisch jede Person am Schwangerenbauchrand oder am Nestrand und
lassen sie herein, wenn sie Vertrauen erweckendes, schützendes und
achtsames soziales Verhalten zeigt. Wenn nicht, werden die Grenzen
dichtgemacht oder die Person wird aus dem Nest geworfen. Die Mutter
nimmt wahr, was ihr Kind braucht, was ihm gut tut. Sie nimmt auch wahr,
was ihm schadet oder es bedroht. Dies ist Teil ihrer Mutterkompetenz.
Heute erleben wir immer häufiger, dass Väter mit
Hilfe von Familiengerichten und anderen Institutionen Kinder aus lebensnotwendigen Symbiosen
herauslocken, abwerben, entführen, verführen,
manipulieren und zu ihren eigennützigen, eigenmächtigen Zwecken missbrauchen. Nicht etwa
aus Liebe zum Kind oder zu seinem Wohl. Väter
benutzen die gleichen Täterstrategien wie beim
Missbrauch, um das Mutter-Kind-Bündnis auszuhebeln, damit das Kind nicht mehr dem Schutz
und der Kraft der Mutter vertraut.
Die
Nestmanagerin
prüft
soziales
Verhalten
Diese Dauerstörungen wirken sich verheerend aus, denn die Energie, die
zur Bewältigung der Störung, Angst und Bedrohung nötig ist, wird ja
eigentlich vorrangig für das Wachstum im Nest und aus dem Nest heraus
gebraucht.
Eine Mutter, die den biologischen Vater ihres Kindes aus gutem Grund
ablehnt oder fürchtet, darf nicht gezwungen werden, ihn in ihren Familienalltag mit ihrem Kind integrieren zu müssen. Sie darf auch nicht gezwungen werden, ihm einen „Vertrauensvorschuss" zu geben, da er sich
ihr und der Familie gegenüber nicht als vertrauenswürdig erwiesen hat.
Von Richtern, Jugendämtern und Umgangsbegleitern werden Mütter
gegen ihr besseres Wissen und ihre Kompetenz manipuliert, eine „Elternebene" mit dem nicht vertrauenswürdigen Mann herzustellen, was de facto
überhaupt nicht möglich ist. Sie sollen ihren Kindern „ein positives Vaterbild vermitteln" und werden damit gezwungen, ihre Kinder zu belügen.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Dabei spürt das Kind die Wahrheit. Zwei Drittel der Mutter-Kind-Kommunikation finden non-verbal statt. Ein Kind spürt sofort, wem die Mutter
vertraut und wem nicht. Vertrauen lässt sich nicht erzwingen. Wer es
bekommen möchte, kann es sich nur verdienen.
Wenn ein biologischer Vater für das ruhige, gesunde Heranwachsen des
Kindes ist und für den dafür notwendigen Nesterhalt, sollte er sich für
seine Trauer um verlorene Lebensentwürfe einen Heilungsplatz suchen
und seine bitteren Emotionen nicht
in die Nähe des Nestes tragen. Wir
Mütter allein sind kompetent in Bezug
auf unsere Kinder und unser Nest.
Diese Kompetenz macht uns handlungssicher im Umgang mit unseren
Kindern und lässt uns souverän als
Vertreterin unseres Nests nach außen
auftreten. Sie hilft uns aus der Ohnmacht als Mutter und gibt uns die alleinige Verantwortung für unsere
Kinder zurück.
Souveräne
Vertreterin
des
Nestes
Jede Mutter darf sich auf diese Kompetenz stützen. Niemand hat das
Recht, ihre Kompetenz zu beschneiden. Wenn wir Mütter unsere Kompetenz einfordern wollen, ist der erste Schritt, sie sich wieder bewusst zu
machen und in sich zu spüren.
Zusammenfassung:
• Ich besitzte die volle Mutterkompetenz.
• Diese Kompetenz ist in mir. Niemand kann sie mir nehmen.
• Ich bin optimal für mein Kind.
• Ich als Mutter weiß, was in unserem Nest los ist.
• Ich als Mutter weiß, was für unser Nest gut ist.
• Ich als Mutter weiß, wie mein Kind am besten gedeiht.
Ursula Faßbender
Ein Auszug aus dem Buch: „Die Stärken der Mütter“
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Leserinnenbrief: Die Stärken der
Mütter
Während handelsübliche Ratgeber zu den Themen Elternschaft/ Väter/
Mütter ihre patriarchale Grundhaltung selbst nicht reflektieren, negieren
oder aber als selbstverständlich und richtig voraussetzen, verbirgt Ursula
Fassbender keinesfalls ihre mütterspezifische, matriarchale Perspektive, sie
macht keinen Hehl aus ihrer Grundhaltung: die Mutter-Kind-Beziehung war,
ist und bleibt die besondere, einzigartige und exklusive zwischenmenschliche Beziehung überhaupt!
Die während und nach der Schwangerschaft
bestehende leibliche Verbindung zwischen
Mutter und Kind sowie die daraus wachsende Liebe zwischen Mutter und Kind ist
durch nichts und niemanden adäquat zu
ersetzen - auch nicht durch liebevolle Väter.
Gegen liebevolle, unterstützende Väter, welche ein, wie sie sagt, "nestrelevantes Verhalten" zeigen, hat die Autorin überhaupt nichts
einzuwenden. Sie wehrt sich jedoch mutig
gegen den aktuellen Trend, leibliche Mütter
durch (unsoziale) Väter zu ersetzen!
Nestrelevantes
Verhalten
Vaterschaft ist eben nicht gleich Mutterschaft.... wer getraut sich, das
heute noch öffentlich auszusprechen!? Ursula Fassbender tut es - sehr zur
Erleichterung vieler Mütter, die selbst, am eigenen Leib, erlebt haben, was
Mutterschaft bedeutet - und nur sie sind daher entsprechend kompetent!
Solange Mütter in ihrer Entwicklung nicht gestört werden - durch patriarchale Gewalt - , wenn sie eine normale Schwangerschaft und Stillzeit verbringen dürfen, wenn sie in ausreichendem Maße soziale Unterstützung
erhalten, die jede junge Mutter benötigt, dann entwickelt sich zwischen
der Menschenfrau und ihrem Nachwuchs eine innige Mutter-Kind-Symbiose, welche für die optimale Entwicklung eines Babys und Kleinkindes
gut und richtig ist!
Aktuell werden diese Tatsachen von findigen patriarchalen PsychologInnen/PädagogInnen mit Unterstützung durch den neuen "Gendermythos" von der absoluten Gleichheit der Geschlechter, abgewehrt und
die Einzigartigkeit der Mutter-Kind-Beziehung wird abgewertet oder gar
geleugnet.
Und dieses "moderne Elternschaftskonzept" führt zu erheblichen Schwierigkeiten im Falle einer Scheidung/Trennung der Eltern mit nachfolgendem
Umgangs- und Sorgerechtsstreit.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Mütter, die ihre natürlichen Vorrechte auf ihre Kinder und die gewachsene
Nähe zu ihnen als Basis für ein weiteres Zusammenleben auch nach der
Trennung vom Kindsvater für selbstverständlich halten, sehen sich nun
getäuscht. Ursula Fassbender warnt vor der "Blauäugigkeit" mit der Frauen
derzeit Mütter werden.....
Selbstverständlich ist nichts mehr, Begriffe wie "Mutterrecht", "frühe
Mutter-Kind-Bindung" oder gar "Natur" sind aus dem Vokabular zu
streichen.
Mit eigens kreierten neuen Gesetzen, durchgesetzt von einer
starken Väterlobby -Richterväter,
Politikerväter, Wirtschaftsväter,
Psychologenväter, Pädagogenväter etc.-wurde eine mütterund kinderfeindliche Tendenz
im neuen Familienrecht fest verankert.
Väter
sind
kein
Mutterersatz
Diese neue Gesetzgebung kann entgegen allen Rechtfertigungsversuchen
der BefürworterInnen eines nicht lange verbergen: es geht dabei nicht in
erster Linie ums Kindeswohl - es geht - wieder einmal - um die Besitzrechte von Vätern an "ihren" Kindern im Rahmen einer patriarchalen
Weltanschauung.
Ursula Fassbender beschreibt in ihrem Buch aus erster Hand das Drama,
welches sich seitdem in Deutschland abspielt, in privaten Haushalten, in
Jugendämtern und Beratungsstellen, in Gefängnissen (!) und vor Gerichten.
Mütter, die versuchen, ihre Kinder einem als unsozial oder gar gewalttätig
bekannten Vater zu entziehen, werden als unkooperativ, widerständig,
böswillig und egoistisch bezeichnet. Von Müttern wird gar erwartet, dass
sie permanent bei ihrem Kind für den Kindsvater werben, ganz gleich, was
dieser dem Kind oder der Kindsmutter bereits angetan hat. Schließlich ist
er doch immer noch der Vater! Das Motto scheint zu lauten: "Immer noch
besser einen schlechten Vater, als gar keinen Vater". Aus eigener
Erfahrung in der Beratung kann ich die erschreckenden Beispiele, die
Ursula Fassbender nennt, als zutreffend bestätigen und um weitere
ergänzen:
MitarbeiterInnen von Jugendämtern sagen mittlerweile zu verzweifelten
Müttern, die ihre Kinder vor gewaltbereiten Kindsvätern schützen möchten,
ungeniert Sätze wie: " Was wollen Sie denn - der Kindsvater hat doch nur
sie vergewaltigt, nicht die Kinder...." oder "Sie müssen aber die Kinder
regelmässig zu ihm ins Gefängnis bringen, damit die so wichtige VaterKind-Beziehung nicht unterbrochen wird....". Alltag im Jugendamt im Jahre
2016 - aber nicht etwa in Afghanistan - sondern in Deutschland!
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
In dieser Situation, in der Mütter, Kinder und beratende Personen sich vom
Staat allein gelassen und misshandelt fühlen (müssen!), macht Ursula Fassbender Mut, hier nicht aufzugeben, sich nicht abzufinden oder gar verrückt
zu werden. Denn wenn Mütter, durch den jahrelangen Kampf gegen einen
Goliath von Gesetzen, Gerichten und gewalttätigen Kindsvätern, völlig erschöpft, psychisch erkranken wird ihnen dies, wie vieles andere, selbstverständlich auch zum Nachteil ausgelegt. Daher getrauen sich etliche Mütter
heute nicht einmal mehr, psychologische Beratung, geschweige denn eine
vielleicht notwendige Psychotherapie wegen Traumatisierung, in Anspruch
zu nehmen, um nicht unter den Verdacht einer "psychischen Schwäche" zu
geraten! Kindsväter hingegen können sogar wegen ihrer Gewalttaten rechtskräftig verurteilt sein und im Gefängnis einsitzen – sobald sie signalisieren,
dass sie möglicherweise bereit sein werden, sich gnädigerweise auf eine
Psychotherapie einzulassen, haben sie gute Karten - schon die Absichtserklärung kann ausreichen, um sie in den Augen wohlwollender Richter und
dienstbeflissener JugendamtsmitarbeiterInnen zu rehabilitieren. Daher werden
Kinder heute tatsächlich zwangsweise zu ihren Vätern ins Gefängnis gebracht
– regelmäßig und auch gegen ihren Willen!
Gesunde
MutterKindSymbiose
Die Stärke dieses Buches liegt unter anderem in seiner Nähe zum Geschehen,
zum Alltag der Betroffenen. Ursula Fassbender formuliert den Schmerz, die
Ohnmacht, die Verzweiflung vieler Mütter und Kinder, doch sie bleibt dabei
nicht stehen: sie fordert Mütter auf, den erschreckenden Tatsachen ins Auge
zu sehen, an die Öffentlichkeit zu gehen, sich zu solidarisieren, für das Mutterrecht zu einzutreten und sich auf ihre ursprüngliche, mütterliche Kraft zu
besinnen.
In weiteren Abschnitten ihres Buches vermittelt die Autorin neue Denkansätze und Übungen, um das mütterliche Selbstvertrauen (wieder) aufzubauen, die eigenen Kompetenzen zu entdecken und zu fördern. Sie
erinnert an die "Bärinnenkräfte", "Wolfmutterinstinkte", "Löwinnenrudelkompetenz" und den "Tigerinnenmut", an Urkräfte, die in uns Müttern
stecken. Im völligen Gegensatz zu patriarchal konzipierten Erziehungsratgebern stellt sie der mütterlichen Schöpfungskraft heutiger Frauen das
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Vertrauen in uraltes matriarchales Wissen und die spirituelle Kraft weiblicher Göttinnen zur Seite. Das ist eine Wohltat und Befreiung für unsere zugunsten fiktiver allein herrschender und allein gebärender Vätergötter
- verleugnete und gekränkte Mütterlichkeit.
Neben aller Begeisterung möchte ich auch einige kritische Anmerkungen
anfügen:
An manchen Stellen gefällt mir der formale Stil der Autorin nicht; sie neigt
teils zu sprachlicher Ungenauigkeit und Verallgemeinerungen, die ihr
KritikerInnen mit Freuden zu Lasten legen werden. Ich selbst mag es
beispielsweise nicht, wenn sie Merksätze überschreibt mit den Worten:
"Nehme wahr, dass...."- denn bei aller Sympathie möchte ich doch stets
selbst entscheiden, was und wie ich wahrnehme...
Da ich jedoch ihre
verständliche, leidenschaftliche Wut als
mitbetroffene Fachfrau teile, fällt es mir
nicht schwer, über
sprachliche Unebenheiten hinweg zu
sehen und mich auf
Inhalte zu konzentrireren.
Mütter
stärken
heißt
Kinder
stärken
Eine inhaltliche Kritik habe ich dann bezüglich ihrer Einstellung zum
angeblich intuitiven pädagogischen Wissen der Mütter. Obwohl ich - siehe
oben – ebenfalls viel von unserer Biologie, von mütterlichen Instinkten und
weiblicher Intuition halte - so erlebe ich doch in meiner Arbeit täglich,
wie sehr auch wir Mütter patriarchal verstört und geschädigt sind. Wie
könnte es anders sein? Auch Mütter können unsensibel, instinktlos,
unsicher, unwissend, sogar hart und rücksichtslos mit sich selbst und mit
ihren Kindern umgehen. Sie sind es mit Sicherheit seltener als Väter - aber
dennoch.
Auch Mütter müssen nicht-patriarchale Erziehung - d.h. Erziehung ohne
Gewalt, aber mit sinnvollen Grenzen und Konsequenzen - erst wieder
erlernen, sich erarbeiten.
Daher sollte jede Mutter sich im Bereich Erziehung Fachwissen aneignen und dies nicht etwa den "neuen Vätern" überlassen, welche sich aktuell
nur zu gern zu Experten der Säuglingspflege und Erziehung aufschwingen.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Denn ermutigt durch die oben genannten Ratgeber, meinen solche Väter,
nicht etwa die Mütter in ihren Aufgaben unterstützen zu sollen, sondern
gleich ganz die Rolle der Mutter zu übernehmen zu dürfen und zu können!
((Welche Blüten dies treibt lässt sich mittlerweile im Alltag und auf der
Strasse beobachten:
In der Fußgängerzone kam mir letztens stolzen Schrittes ein Mann
entgegen, der vor seinem Bauch einen Säugling trug, höchstens sechs
Wochen alt. Dann sah ich, wer, etwas langsamer, hinter ihm ging: die
dazugehörige Kindsmutter, blass, mit noch von der Schwangerschaft
gezeichnetem Bauch - und sie schleppte in ihren Armen ein nölendes,
schweres, ca. dreijähriges Geschwisterkind.....!!
Einen weiteren dieser
neuen Väter traf ich
neulich im Bücherladen:
er trug eine dicke Fliesjacke, bis obenhin fest
verschlossen, die so ausgebeult war, das ich darin
ein Baby vermutete. Ich
konnte meine Empathie
mit diesem Säugling, der
unter Sauerstoffmangel
leiden musste, nicht verbergen und sprach ihn
an, ob es nicht doch zu wenig Luft für das Kind wäre. Er schaute
hochmütig grinsend auf mich herab. Sein Blick sprach Bände: Was willst
Du eigentlich, Du unwissende alte Frau, ich bin hier der Vater! Und er
meinte: "Nee, das ist alles erprobt, kein Problem." Will heißen: beim letzten
Mal lebte das Kind hinterher noch!? Später dachte ich, analytisch
betrachtet, hat er sicherlich den schwangeren Zustand einer Frau mit
ihrem Baby im Bauch, welches ja noch keinen Sauerstoff benötigt, mit
seinem tollen Vater-Babybauch Gefühl verwechselt....Schwangerer Pharao
Aton 2016! Armes Baby...Der Gebärneid der Männer hat eben fatale
Folgen, seit dreitausend Jahren....)))
Mutterschaft
ist
leiblich
Und in Zukunft werde ich "Die Stärken der Mütter" von Ursula Fassbender
weiter empfehlen, insbesondere den Müttern, welche von abstrusen
Sorgerechtskonflikten mit gewaltbereiten, arroganten Vätern betroffenen
sind - ihre Zahl steigt von Monat zu Monat! Dabei hoffe ich, dass diese
Mütter verstehen werden, dass ihre Erlebnisse und ihr Leiden kein Einzelfall
sind und dass der einzige Weg aus dem Dilemma eine neue Solidarität ist,
die von Müttern und mütterlichen Menschen ausgehen muss....
Angela
aus Ostfriesland
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
MatriaKongress 2017 in Jena
Am Wochenende 18./19./20. August im kommenden Jahr 17 JdF findet
in Jena in dem schönen Alten Rathaus und auf dem Platz davor ein
MatriaKongress statt:
"Friedliche Gesellschaften stellen sich vor".
Mittelpunkt werden VertreterInnen aus den Matriarchaten selbst sein.
Hauptveranstalterinnen sind das Frauenzentrum TOWANDA und MatriaVal
e.V. sowie viele Kooperationspartnerinnen.
Seit Jahren besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen MatriaVal und
TOWANDA. Schon im Jahre 15 JdF luden uns die Frauen vom TOWANDA
ein, einen Basiskurs in Matriarchatskunde zu geben, weil sie die leidenschaftliche Idee haben, die Werte der matriarchalen Welt auch in Jena
lebendig werden zu lassen.
Seid
mit
dabei!
Mittlerweile wird auch eine junge Minangkabauerin, Mici, deren Klan in West-Sumatra
uns sehr vertraut ist, bei der Organisation mithelfen. Sie lebt seit einem Jahr in Jena und studiert Deutsch, um später
Mathematik zu studieren.
Auch Prof. Lamu Gatusa und Sadama aus unserem Film „Wo die freien
Frauen wohnen“ (Mosuo) werden kommen, sowie Fräundinnen und Fräunde
aus anderen Matriarchaten.
Es empfiehlt sich also jetzt schon, im Kalender des Jahres 17 JdF diese Tage
einzutragen!
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Zum Buch „Familie als Beginn“ von Fricka Langhammer, veröffentlicht
in der efi (evangelische Frauenzeitschrift für Bayern), März 2016
Ungewohnte Familienmodelle...…
… hat uns die Matriarchatsforschung vorgestellt. Diese Matriarchate werden in
grauer Vorzeit vermutet. Aber auch heute noch gibt es sie, zum Beispiel bei
den Mosuo in China. Sie leben frauenzentriert in Clans, die bis zu vier Generationen umfassen. Es gibt keine Ehemänner, sondern als männliche Bezugspersonen die Brüder der jeweiligen Generation, die in ihrer Herkunftsfamilie
bleiben, einer Arbeit nachgehen, sich an der Erziehung der Kinder ihrer
Schwestern beteiligen und in der Familie versorgt werden. Väter der Kinder
sind Liebhaber der Frauen, mit denen diese längere oder kürzere Zeit verbunden sind, ohne aber einen gemeinsamen Haushalt zu haben. Es ist eine
sogenannte Besuchsbeziehung.
Matriarchat
im
Alltag
umsetzen
Die Autorin Fricka Langhammer hat diese Weise des Zusammenlebens in einer
kleinen Studie mit der bei uns gelebten Kleinfamilie verglichen und ist zu dem
Ergebnis gekommen, dass das Aufwachsen in frauenzentrierten Clans mit einer
der reiferen Frauen als Familienoberhaupt für Kinder wesentlich mehr Stabilität
bietet. Was sie besonders überzeugt ist die Tatsache, dass die Liebesbeziehung
und das sexuelle Verlangen zwischen Frauen und Männern bei den Mosuo von
der ökonomischen Existenzsicherung getrennt sind. Auch wenn die Autorin
weiß, dass die Lebensverhältnisse aus dem ländlichen China nicht auf das
industrialisierte Europa zu übertragen sind, wagt sie am Schluss des Buchs ein
Expertinnengespräch darüber, wie eine matriarchal geprägte Großfamilie
wenigstens in Ansätzen in Deutschland gelebt werden könnte.
Juliane Brumberg
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Hallo liebe Frauen,
meine Mama und ich haben uns Gedanken darüber gemacht, wie der biologische "Vater" eines Menschen bezeichnet werden könnte, ohne dass es sich
auf eine Machtstruktur des Haushalts oder auf die Beziehung zur Mutter bezieht. Und dennoch soll es wertschätzend und bezeichnend sein.
Der beste Begriff der uns einfiel ist IMPULSSCHENKER.
Die Erklärung dazu bezieht sich darauf, dass der Mann zwar einerseits einen
"kleinen" Beitrag leistet ("nur" Samenspende, während die Mutter nicht nur
das Kind in ihrem Körper austrägt und es danach noch nährt, sondern das
Kind direkt als Teil ihres Körper aus den Stoffen ihres Körpers wächst), aber
er schenkt den Funken, der alles starten lässt. Er setzt den Impuls. Ganz
besonders, wenn beide ganz bewusst und in heiliger Achtsamkeit ein Kind
zeugen.
Passend dazu finde ich auch die "neue Erkenntnis", dass die Befruchtung
keineswegs durch das schnellste und stärkste Spermium erfolgt, das als
erstes das Ziel erreicht, sondern dass es ganz viele Spermien braucht, die alle
ganz sanft gegen die Membran der Eizelle vibrieren, sie sozusagen streicheln
und umschmeicheln, bis die Membran sich öffnet und eines durchlässt. Ein
einzelnes Spermium wäre nicht in der Lage, die Membran zu durchdringen.
Also nichts mit "Durchsetzung des Stärkeren" und solches Zeug. Teamwork
ist notwendig!
Impulsgeber, der erste Einfall, erschien mir zu
kalt. Das klingt eher nach dem "Kopf" oder
"Starter" eines Projektes. Da fehlt das Gefühl.
Impulsspender klingt zum einen steril, nach
Krankenhaus und Labor, zum anderen zu
devot und wenig wertschätzend.
Kinder
sind
perfekte
Wesen
Im SCHENKEN finde ich aber die Liebe, die Hingabe, die Zärtlichkeit, den
Respekt und auch das Fehlen eines Besitzanspruchs. Eine Mutter sollte meiner Ansicht nach genauso wenig Besitzanspruch auf ihre Kinder erheben.
Kinder sind kein Besitz, genauso wenig wie sie unvollkommenes Rohmaterial
sind, das in Form "erzogen" werden muss. Sie sind perfekte Wesen in und
für sich selbst, die wir begleiten und unterstützen dürfen, so gut wir es
vermögen. Aber auf die wir – menschlich und spirituell gesehen – keinen
"Anspruch" haben.
Vielleicht haben ja auch andere weiterführende Ideen, wie die Bedeutung in
einen "gemütlicheren" oder "handlicheren" Begriff gepackt werden kann. Ich
freue mich, was da wohl noch so für Ideen kommen mögen und weiterentwickelt werden. :)
Alles Liebe
Marisol Zauner, Gertraudstochter
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Die Namenlosen
Liebe Franziska, Freya, Frieda,
Ihr sucht also einen neuen Namen für die Spezies, die bisher Vater genannt
wurde. Welcher Aspekt ist euch wichtig: biologisch, psychologisch, philosophisch, ethologisch, anthropologisch, politisch, soziologisch? Nun, da ich in
keiner dieser Disziplinen ausgebildet bin, stehe ich ausserhalb jeder Kritik. In
den Abstimmungstopf will ich auch nicht, den Gewinngegenstand habe ich
nämlich schon. Wörter wie befruchten, begatten, erzeugen kommen für mich
auch nicht in Frage. Trotzdem hat mich das Suchen interessiert. Leider ist
„Respektvolles und Angemessenes“, wie von euch erbeten, auch nicht herausgekommen.
Ich dachte mir, dass ich nichts falsch machen kann, wenn ich bei den Genen
anfange, denn deren Weitergabe ist doch wissenschaftlich gesichert, oder
nicht?
„Gen - erator“, „Gen - eral“, „Gen – ie“…. Also das klappt schon mal nicht.
„Samenspender“ ist mir zu nah am Seifenspender und das mit dem Samen
stimmt ja eh nicht. Trotzdem haben wir in unserer Stadt eine Samenbank,
aber „Samen-banker“ ???----
Platzhirsche
und
Seepferdchen
„Spermiero“ oder „Zellenlieferant“ passt vielleicht, klingt aber ziemlich
gewöhnungsbedürftig.
Maskuline Fortpflanzungstermini aus dem Tierreich berühren mich etwas
peinlich, wiewohl ich sehr wohl weiss, dass sie manchem testosteronangereicherten Mann schon gefallen. Ich erwähne nur den vergleichsweise
harmlosen Platzhirsch. Dass die Noch-Namenlosen nun andererseits nicht
den biologischen Titel „Männchen“ tragen wollen, kann ich irgendwie aber
verstehen. Der Blick in die Welt der Tiere hilft also auch nicht weiter, trotz
der mütterlichen Seepferdchen (s. Mutterlandbriefe 6).
Ein schöner, hehrer Begriff wäre „ Lebenschenker“, aber mir ist er ist zu hehr,
zu schön, zu groß, zu missverständlich und zu falsch. Dass ich mit dem „Begriff“ des Schenkens Probleme habe, ist allerdings mein persönliches Ding.
Zu oft schon musste ich mich für unwillkommene Geschenke widerwillig
bedanken, nicht auszudenken, es hätte sich dabei jemals um ein Kind gehandelt.
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Ausserdem hatte ich schon immer etwas gegen die oft zu lesende rührende
Aussage, „Sie schenkte ihm soundsoviele Töchter und Söhne“. Da geht mir
die Schenkökonomie einfach zu weit. (HiHi). Leben entsteht, wird genährt,
getragen, geschützt, auf die Welt vorbereitet in der Mutter. Leben ist das
GROßE MÜTTERLICHE GEHEIMNIS und nicht das Geschenk eines der NochNamenlosen. Seit der „Parthenogenese“ von Marianne Wex wissen wir ja
zudem, dass es sich ohnehin um ein evolutionäres Zwischenstück handelt,
um einen „EVO-Zwi“, also.
Mit der Bezeichnung „Impulsgeber“ müsste ich mich vielleicht noch beschäftigen, aber der begegnet mir einfach zu häufig. In Fernsehmoderationen, Unterrichtsmodellen, Kinderferienspielen der Katholischen Jugend, Designerbüros sind sie zu Hause, die Impulsgeber und zugegeben auch sehr wichtig.
Denken wir nur an die Künstler, die oft erst etwas Neues, Kreatives erschaffen
konnten, wenn die Muse sie geküsst hatte. Jaja, die Muse, wie schön das
klingt, aber davon den „Muser“ abzuleiten, ist dann doch ein bisschen weit
hergeholt, finde ich.
Jetzt schlage ich mal einen gedanklichen Purzelbaum und lande bei meinen
geliebten Ahnkelkindern. Ich hätte sie zweifellos nicht ohne meine Söhne
und Schwiegersöhne. Sie haben mich damit glücklich gemacht und ich würde
sie gerne „HappyOma-Makers“ nennen. Dabei höre ich die Gilde der Altphilologen aufheulen “schon wieder so ein unnötiger Anglizismus“, wobei sie
ja vielleicht Recht haben.
Apropos Oma: leider kenne ich mich in der modernen weiten Welt der Jugendsprache und des Cyberspace (noch) nicht so gut aus, als dass ich mir
von dort einen griffigen coolen Dingsbums holen könnte.
Anglizismen
oder
Abkürzfimmel
Aber wie wär es denn mit einer Anleihe aus der Buchstabensprache der
allgegenwärtigen Abkürzungen, die alle kennen und dennoch nicht wissen,
was sie eigentlich wirklich heissen?
Ich schlage vor: ESGE = Ein Super Generationen Erneuerer.
Ohh Neinn!! Halt! .Das geht auf keinen Fall, ist doch mein
häufig gebrauchtes Lieblings-Küchengerät ausgerechnet
mein ESGE-Stab. Nein, da krieg ich dann überhaupt nichts
mehr gebacken.
Pffffffffffhhhhhh!!
KMBe
(der Name ist der Redaktion bekannt)
PS: Ich wünsche euch noch zahlreiche kreative anständige Namensvorschläge.
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Liebe MAtri-Begeisterte und
Beseelte,
Ich freue mich sehr über den Austausch zur Findungen einer passenden
Sprache für die kommende matriarchale Gesellschaft.
Den biologischen Vater "Erzeuger" zu nennen entspricht nicht den Fakten,
aber auch wirklich gar nicht! Die Mutter wird als generierende Kraft dabei
komplett ignoriert!!!
Dabei ist sie in allen Parametern: Zeit ,
Menge, Leistung DAS Maßgebende!
Deshalb sage ich gerne : MIT-Zeuger.
Das ist deutlich: Die größte menschliche Zelle - die Eizelle - stellt die
geschlechtsreife Frau jeden Monat
her. Und als Gast ist eben dieses MitZeugen neuen Lebens möglich für
den erotischen Liebespartner. In der
Rolle eines besuchenden Gastes. Eine
solitäre Rieseneizelle und ein winziges
Zellkernchen verschmelzen im Größenverhältnis 1:20 000 in den Räumlichkeiten der werdenden Mutter.
Die
Mutter
als
generierende
Kraft
Größenverhältnis: Eizelle, Zellkerne
Aus diesem Grund sind die leiblichen Kinder eines Mannes ja die der eigenen
nabelschnurverwandten Familie - pardon - Femmilie.
Und eben nicht die mit der Partnerin mit-gezeugten. Die sind sowas von offensichtlich nicht-leiblich - ja regelrecht seinen Leib fliehend, führt man sich
die Kraft des Leibverlassens des Massenartikels Zellkerne bei der Ejakulation
vor Augen.
Also neu: Femmilie! Familie ist ja dieses römische Patriarchendingens von
Haus Hof und Gesinde. Das hat ausgedient.
Sprache, die Erkenntnis bringt und Fakten benennt - wunderbar!
Schreibe ich Briefe an liebe Bekannte , dann an Freya Soundso, und an Heros
Soundso, statt Frau und Herr. Es ist nämlich wissenschaftlich erwiesen, dass
Neues eine gewisse Ähnlichkeit zum Bestehenden braucht, um von den
Menschen aufgenommen zu werden. Freya und Heros klingen auch gleich
sehr inspirierend, finde ich.
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Spreche ich in kleiner Vortragsrunde die anwesenden Frauen und Männer
an, dann begrüsse ich: Sehr geehrte Dianen und Heroen! Ruft meist Gelächter, manchmal nur ein verschämtes Grinsen allseits hervor.
Brauchen wir noch ein paar tolle Formulierungen, wenn Frau ein Kind
"generiert“. Dieser Begriff ist neu, angemessen und aktiv, an Stelle von
“ein Kind bekommen", wie von der Post geliefert oder von Sixt oder
Hermes!
Ja, gerade an der Schöpfungsbasis unserer Gesellschaft müssen die Worte
die wirklichen Gegebenheiten unverschleiert ausdrücken, für das angemessene Selbstbewusssein der Generationen-Macherinnen!!!
Frauen sind ja nicht nur das Volk, sie machen es auch im Wesentlichen!
Wird also Zeit, dass sie sich auch so positionieren.
Wenn es um die Liebe geht,
ist es angebracht, eben nicht
wie seither nur die erotische
Verbindung zu meinen. Etwa:
“Na, was macht die Liebe?”
Die zu den Kinder, die zu den
Schwestern und Brüdern , zu
den Freundinnen und Freunden usw. ist damit ja nicht gemeint. Die Frage
ist immer auf die Partnerschaft begrenzt und fixiert gemeint.
Kreative
praktische
Wortschöpfungen
Hier könnte es eine neues Wort für die erotische Liebespartnerschaft geben.
Die Mosuo bezeichnen sich gegenseitig als Sze-Sze (Sprich schee-schee).
Hab ich neulich in Dagmar Margottsdotters Buch "am Herdfeuer" gelesen.
Und hab’s auch gleich übernommen, weil es auf schwäbisch wie "schönschön” klingt!
Das passt doch prima!
Wenn wir von Familienwerten sprechen, denken wir gerade noch an Geschwisterwerte - wie Brüder und Schwester und Brüderlichkeit.
Für die Beziehung Kinder-Mutter fehlt uns komplett ein passendes Wort:
Sohnlichkeit? Tochterlichkeit? Hm!!! Kindheit? Meint was anderes. Das ist
eine meiner Fragen an all die matriarchalen Frauen und Männer im Lande.
Ich freue mich weiter auf befruchtende kreative praktische Wortschöpfungen!
Eure Gabriele
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Bericht von der 3. GöttinnenKonferenz in Wien
26. – 28.05.2016, Schloss Laudon
Ehre wem Ehre gebührt!
Der Empfang der 240 TeilnehmenrInnen durch Andrea Dechant und ihre
60 MitstreiterInnen im Innenhof des Wasserschlosses ist äußerst erfräulich.
Frauen und Mädchen aus ganz Europa sind vereint und sogar Australien ist
mit den Priesterinnen Anique Duc und Maree Lipshitz vertreten.
Beeindruckend auch die Nachmittagszeremonie: im 8-teiligen Rad begrüßen
sich die Frauengruppen der verschiedenen Himmelsrichtungen und Elemente.
Am nächsten Morgen habe ich mich für die Gruppe :“Hüterinnen des Mutterlandes“, mit Uschi Madeisky, Daniela Parr und Dagmar Margotsdotter eingetragen. – Wie berührend die sicht- und fühlbare Ahninnenreihe von Ururgroßmutter - Urgroßmutter - Großmutter - Mutter - Tochter doch ist! Jede
einzelne wechselt innerhalb der uns zustehenden Zeit die Position, sodass wir
alle das Gefühl der Verbundenheit, den Rückhalt, das Vertrauen zueinander
und das Wissen der alten, matrifokalen Traditionen erspüren können. Nachdem wir in Kleingruppen noch einmal unseren Fantasien zu matrifokalem
Leben Ausdruck geben können, erhalten wir den Mutterlandpass!
Hüterinnen
des
Mutterlandes
Die Ergebnisse des Workshop
werden auf „Seerosen“ notiert
und Mutter See übergeben
Die drei Workshopleiterinnen vlnr:
Daniela Parr, Uscha Madeisky,
Dagmar Margotsdotter
Nachmittags bringt uns Li Shalima in einem Vortrag mit anschließendem Film
ihr Wissen um Ta pu at, die Symbolik des Labyrinthes nahe. Das wir in einer
berührenden Mütter-Töchter Zeremonie im großen Labyrinth des Schlossgartens dann auch hautnah erleben…
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Schon heißt es Umziehen zur großen Göttinnen-Gala: welche Glück hat wird
von der Erdfarben-Frau aufs Professionellste geschminkt. Draußen und an
den Fenstern warten die Fotografinnen, bis sich alle zum großen Bio-GalaBüffet einfinden.
Anique Duc hat nicht nur eine
gewaltige Stimme, wenn sie
ihre Anrufungen anstimmt…
Zu Beginn der Abendveranstaltung im großen Saal
überzeugt sie die TeilnehmerInnen restlos von der
hohen Qualität ihres Jazzrepertoires. Im Anschluss
an den Orientalischen Tanz
dürfen alle „Göttinnen“ die
Tanzfläche stürmen.
.
Der 28.05. beginnt mit einem Vortrag von Andrea Dechant zum Thema Erdgöttinnen sowie der Vorstellung aller HelferInnen.
Zum Abschluss gibt es ein erneutes Treffen im 8teiligen Rad; die Elemente
und Himmelsrichtungen schließen sich zu einer langen Kette, die erst auf der
großen Schlosswiese wieder auseinandergeht. Zum Abschluss nimmt jede
Frau „ihren“ Stein und eine Tongöttin mit einem Samen darin mit nach Hause.
Jede
Frau
nimmt
etwas
mit
nach
Hause
Auf Wiedersehen im Mai 2018 zur 4.Göttinnenkonferenz mit dem
Schwerpunktthema: Luft
Monica Weispfennig
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Die Göttinnen-Konferenz
Eine lebendige Fraueninsel
Bereits zum dritten Mal seit 2012 kamen rund 250 Frauen, dieses Mal auch
Mädchen und einige Männer am Rande des Wienerwaldes in einem barocken
Wasserschloss zusammen um der Göttin zu huldigen. Nach dem Element
Wasser widmete sich diese Göttinnen Konferenz speziell der Kraft und
Energie der Erdgöttinnen.
Ich nenne Zusammenkünfte dieser Art „Fraueninseln“.
Und „Göttin sei Dank“, gab und gibt es diese Fraueninseln. Ich denke dabei
mit Freude an das Fest der 2000 Frauen, an die Ausrufung des Jahrtausends
der Frau, an die Matriachatskongresse, an die Feministischen Psychotherapiekongresse, an die Lesben Frühlingstreffen und an die Frauen Musikfestivals.
Auf diesen größeren Inseln, wie auf den vielen kleineren Inseln und Kreisen
der gelebten und gefeierten Weiblichkeit, wird jedes Mal ein Feld der Begegnung aufgebaut. Wie auch hier im Wasserschloss Laudon.
Andrea Dechant hatte auch diesmal wieder, gemeinsam mit den Mitfrauen,
ein dichtes und buntes Netz gewebt, in das sich die Bilder und Geschichten
der Göttinnen und Frauen einweben konnten. Die in allen Grüntönen von
frischen Gelbgrün, bis kühlen Blaugrün und warmen Olive, sowie Ocker und
erdigen Brauntönen gekleideten BesucherInnen, diese verwandt denkenden
und handelnden Frauen, teilten in diesem sinnlichen Freiraum kreative und
auch anarchische Gedanken, erfuhren Inspiration und konnten Mut für Neues
fassen. Es war und ist ein Austauschen, ein Auftanken, ein Anregen und ein
freudiges Feiern.
Themen wie Ökologie, Sinnlichkeit,
Genuss, Spiritualität, Ästhetik, Geschmack, Frauenmacht und Selbstbestimmung, die Liste ließe sich
lange fortsetzen, sind Grundlagen
der Kreise, die sich in diesen drei
Tagen immer wieder neu bilden.
Kontakte und Freundinnenschaften
entstehen, Produkte aus ökologisch,
weiblichen Produktionen finden
LiebhaberInnen am sogenannten „Markt der Fülle“. Es ist so wichtig, dass sich
die kleineren und größeren Inseln mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen
vernetzen können und lebendig bleiben.
Sinnlichkeit,
Ästhetik,
Genuss
Ich freue mich auf die „Göttinnen Konferenz“ der Luftgöttin, die, „so die
Göttin will“, uns 2018 in zwei Jahren wieder zusammenführen wird.
Hermine Brzobohaty-Theuer
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Marienbilder
Tor des Lebens
Viele Marienbilder und -statuen sprechen eine eindeutige Sprache. Sie zeigen
mehr oder weniger dezent oder auch ganz offensichtlich das „Tor des
Lebens“ und damit die urweibliche Kraft, wie wir es von einer Muttergöttin
auch erwarten.
Den Faltenwurf des Mantels der Maria umschließt oft ein zartrosa Kleid im Inneren,
das auch wieder leicht gefältelt ist. Woran
erinnert uns das?
Sehr deutlich wird dies beispielsweise bei
der „Madonna von Lourdes“, deren Statue
in einer Grotte steht, was den vulvenartigen
Charakter noch deutlicher macht.
Hat Maria ihre Hände zum Beten gefaltet,
so sind diese oft exakt an jener Stelle, wo
wir bei der Vulva die Klitoris finden. Manchmal ist über die betenden Hände auch ein
Band gestülpt, das wie die „kleine Kapuze“
über der Klitoris erscheint.
Bei anderen Statuen wiederum erscheint
uns der Kopf der Maria, eingehüllt in ein
Tuch wie die Klitoris und die betenden
Hände sind exakt dort, wo sich die Harnröhrenöffnung befindet.
Maria,
Vulva,
Maria,
Vulvina
Stellt sich die Frage, woher zahlreiche
fromme Holzschnitzer und Steinmetze
ihre Inspiration bekommen haben.
Ganz besonders schön und hoffnungsfroh sind diese speziellen Marienfiguren
auf Grabsteinen, wo dem Tod das "Tor
zum Leben" gegenübergestellt ist.
Die betende Maria von Lourdes hat übrigens ihre ganz eigene Geschichte,
die auf die viel ältere baskische Muttergöttin Mari zurückzuführen ist. Der 14jährigen Bernadette ist im Jahre 1858 eine „weiße Dame“ erschienen und sie
selbst hat nie von der christlichen Maria gesprochen.
Ganz liebe Grüße
Andrea Dechant
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Marienbilder
Tor des Lebens
Nach Andrea Dechants Vortrag über Marienbilder und das Tor des Lebens,
konnten wir es nicht lassen, die folgenden Fotos von uns anzufertigen.
Brille:
Christian
Dior
Fotografiert auf der Göttinnen-Konferenz in Wien
Oben links: Uscha Madeisky (Brillenbesitzerin), oben rechts: Daniela Parr
Unten links: Andrea Dechant, unten rechts: Dagmar Margotsdotter
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Yoni-Tasche
Ein Fundstück auf der Göttinnen-Konferenz
Diese originelle Vulva-Tasche haben wir auf der Göttinnen-Konferenz in Wien
an einem Verkaufsstand entdeckt und gleich mehrere davon erworben.
Unter dem Label sicago.net
stellt die Künstlerin Simone
Göstl Taschenunikate aus
Alttextilien und Restbeständen
her.
„Was soll das sein, eine Vulva?“
„Das, was du zwischen den
Beinen hast, Mama.“
„Sieht pervers aus – ah – soll
es auch.“
Fröhlich,
bunt,
überraschend
„Schön – schaut aus wie … Oh,
ist es!“
www.sicago.net
Auch der Verkaufsstand von MatriaVal e.V. konnte sich sehen lassen. An
unserem Tisch haben wir ein täglich wechselndes Sortiment von Büchern,
CDs und Filmen angeboten, so dass es für die Frauen der Konferenz jeden
Tag aufs Neue interessant war, bei uns vorbeizuschauen.
www.matriaval.de
Jeden
Tag
neu
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Wohnprojekt von Frauen für Frauen
Beginenhaus Blaubeuren
Haus der Weisen Frauen
Nur noch 2 Plätze frei!
Ein Interview mit den Initiatorinnen am 12.April 2016
Sirilya von Gagern und Ursa Illgen
Beginenhaus
auf der
Schwäbischen
Alb
Liebe Ursa, liebe Sirilya, danke, dass ihr bereit seid, uns euer interessantes
Projekt zu erläutern. Wir sind sehr gespannt und neugierig und fragen
zuallererst:
Welche Ideen und Ziele stehen hinter eurem Beginen-Projekt für euch
und eure zukünftige Wohn- und Lebensgemeinschaft?
In unserem Beginenhaus Blaubeuren, dem Haus der Weisen Frauen, soll es
eine lebendige Gemeinschaft eigenständiger Frauen jeden Alters geben, die
ein selbstbestimmtes, eigenverantwortliches Leben jetzt und im Alter
gestalten wollen. Hier werden Frauen miteinander wohnen und im Teilen
ihrer Lebensfreude und Lebenserfahrung einen kreativen und freien
Frauenraum schaffen, offen für weibliche Spiritualität.
Wir werden damit ein zukunftsweisendes Modell in die Welt bringen, wie
Frauen in Würde und mit (Über)Mut miteinander alt werden, sich
unterstützen in der Geborgenheit einer vertrauten Gemeinschaft und damit
positiv zum sozialen Wandel beitragen. Unsere Basis ist die Verbundenheit
und Liebe zu allem Leben und unsere weibliche Spiritualität, die in unserem
Alltag lebendig sein wird.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Wie wollt ihr die Verwirklichung dieser wunderbaren Ziele in eurem
Alltag erreichen?
Um unseren spirituellen Werten und altem Frauenwissen Geltung und Raum
zu geben, werden wir miteinander meditieren, Jahreskreisfeste und Rituale
feiern - und damit auch den Alltag füllen, d.h. z. B. , dass wir uns morgens
gemeinsam auf den Tag einstimmen und ihn auch gemeinsam ausklingen
lassen wollen, aber natürlich freiwillig. Es gibt einen wöchentlichen jour fixe
für die Besprechung der Themen unserer Selbstorganisation, der lustvoll
gestaltet werden soll. Gemeinsam werden wir Wege finden, unser Leben
ökologisch und ökonomisch sinnvoll zu gestalten und unsere Liebe zur Natur
in entsprechender Lebensweise auszudrücken. Im Sinne des Affidamento
werden wir achtsam und offen miteinander umgehen und Konflikte in
konstruktiver Form bewältigen, das wird das Miteinander gelingen lassen.
Wir können uns vorstellen, in Kursen, Seminaren u.ä. unser Wissen, unser Tun
und unsere Erfahrungen weiter zu geben, sodass von uns als einem spirituellpolitischem Zentrum eine fruchtbare Ausstrahlung ausgehen möge.
Vielleicht wird es auch Ausstellungen geben, denn unter unseren Frauen sind
auch Künstlerinnen, die die Kulturlandschaft mit ihrer Kreativität bereichern.
Worin unterscheidet sich euer Beginenhaus von anderen
Frauenwohngemeinschaften?
Viele Beginenhöfe in Deutschland sind in der Hauptsache praktisch orientierte und organisierte Zweckgemeinschaften von Frauen, die zusammen
wohnen wollen. Eine sehr gute Sache. Bei uns kommt der spirituelle Aspekt
als Schwerpunkt hinzu. Unser Projekt lehnt sich an das Beispiel der Beginenbewegung im Mittelalter an. Die ursprünglichen Beginen zeichneten sich
durch materielle und spirituelle Freiheit und Selbständigkeit aus. Grundsätzlich wollen wir diese Beginengemeinschaften ehren und wiederbeleben.
Lebendige
Spiritualität
im
Alltag
Unser Beginenhaus-Projekt plant, mit der Beginenstiftung Tübingen zu
kooperieren, die garantiert, dass das von uns geschaffene Beginenhaus über
die nächsten Generationen in Frauenhand bleibt und bezahlbaren Wohnraum
zur Verfügung stellt. www.beginenstiftung.de
Wie seid Ihr eingestiegen? Nach welchen Kriterien wurden die Frauen
ausgesucht?
Es gab und gibt keine Auswahlkriterien, vielmehr das tiefe Vertrauen bei uns
beiden Gründerinnen, dass die richtigen Frauen kommen. Wir haben uns
Zeit gelassen, uns erst einmal kennen zu lernen.
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Über die Grundlinien waren sich die Interessentinnen weitgehend einig:
einen nachhaltigen Frauenort schaffen,
die Natur bewahren,
ökologische Ressourcen schützen,
Spiritualität und politisches Handeln vereinen,
Mutter Erde ehren,
Ahnenwissen und Weisheit lieben,
Frauenliebe wertschätzen,
Altes Frauenwissen beleben,
Schenkökonomie,
Ein lebenslanges Wohnrecht in einer überschaubaren Gemeinschaft ohne die
Last des Eigentums,
Mitbestimmung bei der frauengerechten Wohnraumgestaltung.
Frauen
mit
Mut
zur
Veränderung
Aber die letzte Entscheidung erforderte natürlich große Entschlossenheit
und den Mut zur Veränderung.
Jetzt besteht unsere feste Projektgruppe aus 5 Beginen und 2 unterstützenden Nachbarinnen. Wir treffen uns monatlich seit 1 ½ Jahren und besprechen das Konzept, die Rechtsform, sowie Informationen und Überlegungen zum finanziellen und bautechnischen Ablauf. Wir fühlen uns miteinander schon jetzt wohl, lachen viel und schmausen gern zusammen.
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Wie weit ist das Projekt schon fortgeschritten und wie sieht die konkrete
Planung aus?
Wir haben bereits den Bauplatz auf der schwäbischen Alb bei Blaubeuren,
auf dem Gelände neben dem Frauenheilehaus, dessen Seminarräume von
den Beginen mitgenutzt werden können. Auf diesem Grundstück wohnen
bereits 3 Frauen seit langer Zeit zusammen.
Der Einzug ist für Frühjahr 2018 geplant.
Vorgesehen sind eine kleine Wohnung für jede Frau und ein Gemeinschaftsraum von 20qm. Eine Ferienwohnung von 30 qm ist eingeplant für Frauen,
die sich ausruhen oder eine Zeitlang mit uns leben wollen und sich für den
Weg der Weisen Frauen interessieren. Im Hintergrund steht auch der Gedanke, dass vielleicht einmal später für eine Pflegerin Raum zur Verfügung steht,
wenn es notwendig wird.
Es sind noch 2 Plätze frei!
Unsere wichtigste Botschaft an die LeserInnen heute : Wir suchen noch zwei
Mitfrauen, die zu uns passen. Sie sollten eine Einlage von € 50 000 mitbringen (bei Auszug zurück) und mit ihren monatlichen Einkünften eine
gesicherte Mietzahlung leisten können.
Dieses Landfrauenwohnprojekt eignet sich besonders für naturliebende
Frauen. Felder, Wiesen und Wälder sind vor der Haustüre, die Höhlen und
der Blautopf nicht weit. Es gibt eine regelmäßige Busverbindung zum Bahnhof in Blaubeuren und von dort gute Zugverbindungen, z.B. in 15 min nach
Ulm.
Wir
sind
offen
für
interessierte
Frauen
Wie ist das Finanzielle geregelt?
Wie bei einer Genossenschaft werden Einlagen gezahlt von den Frauen, die
mitmachen. (Beteiligung an den Herstellungskosten der Wohnung und den
Gemeinschafsflächen mit einem zinslosen Darlehen in Höhe von € 50.000
gegen Wohnrecht – bei Auszug zurück). Alle zahlen Miete. Die Regeln der
Beginenstiftung verlangen, dass zu einem Drittel finanzschwächere Frauen
aufgenommen werden.
Ein großer Wunsch ist das konsequente Bauen nach ökologischen Prinzipien,
wobei uns aber leider unsere finanziellen Möglichkeiten Grenzen setzen.
Wir sind daher auf der Suche nach Fördermitteln und Spenden. Alle Spenden
sind steuerlich absetzbar, denn unser Hausverein wird mit der Beginenstiftung zusammen eine gemeinnützige GmbH gründen, die auch die
Eigentümerin des Hauses ist.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Alle Spenden unterstützen ein zukunftsweisendes Modell, das matriarchales
Bewusstsein in die nächsten Generationen tragen kann. Wir freuen uns sehr,
wenn ihr dazu beitragen wollt und könnt. Bitte wendet euch in diesem Fall
an Ursa: [email protected]
Ihr nennt es auch das Haus der Weisen Frauen. Warum?
Dieser Name bezieht sich auf den „Weg der weisen Frauen“ in der alteuropäischen Tradition. Jede von uns geht diesen Weg aber mit unterschiedlichen
Schwerpunkten und in ihrer persönlichen Freiheit: Wiederbelebung matriarchaler Werte, Hineinnehmen von östlichen Weisheiten, schamanisches
Wirken… Unsere Vielfalt erleben wir als Bereicherung.
Auf jeden Fall fühlen wir uns als Hüterinnen der Frauenkulturlandschaft des
Urdonautales mit seinen Höhlen, wo die 40 000 Jahre alte Urmutter gefunden wurde. Unser eigenes Land wird als Mutterland in Frauenhand bleiben.
Im Frauenheilehaus wird seit über 20 Jahren weibliche Spiritualität und
Frauenwissen gelehrt. Die grosse Erfahrung von Ursa und Sirilya,
Pionierinnen über die Jahre von der ersten politischen und spirituellen
Frauenbewegung an über mannigfache Entwicklungen und Projekte, mündet
nun in das Beginenhaus. Jetzt finden wir heraus, wie es ist, als Weise Alte zu
leben.
Frauenland
in
Frauenhand
Ursa und Sirilya, ihr seid im Rat der Großmütter. Was bedeutet das für
das Haus der Weisen Frauen?
Im Frauenheilehaus trifft sich regelmäßig der Rat der Großmütter vom
Hohlen Fels in der Tradition Alteuropas und der Hohle Fels ist für uns immer
wieder Ritualraum. Im Haus der Weisen Frauen wollen wir die Inhalte der 13
Machtworte der Großmütter zusammen mit den Beginenschwestern lebendig
werden lassen und Raum schaffen für Impulse, wie unsere Frauenkraft und
Großmutter-Weisheit auch nach außen wirken können.
Wir danken euch für dieses Gespräch.
Gefragt haben
Uscha Madeisky und KaraMA Beran
Zusammenstellung KaraMA Beran
Frauen, die interessiert sind, an dem Projekt Beginenhaus Blaubeuren
mitzuwirken, wenden sich bitte an Ursa Illgen: [email protected]
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Schenkökonomie und Nachhaltigkeit
Die Kultur des Schenkens
Dieser Vortrag wurde anlässlich des 10jährigen Bestehens des Bella Donna
Hauses in Bad Oldeslohe von Dagmar Margotsdotter gehalten.
Vielleicht gibt es nur eine Art der Kultur, die von Natur aus nachhaltig ist:
die „Schenk-Kultur“.
Wenn Ihr bei dem, was ich jetzt erzählen werde, denkt: „Das ist ja wie im
Paradies“, dann habt Ihr Recht. So war es im Land Paradies. Und wie sich
da etwas geändert hat, können wir später anschauen.
Am
Anfang
das
geschenkte
Leben
Doch, was ist eine Kultur des Schenkens? Wie funktioniert eine Schenkökonomie?
Wir sprechen hier nicht von Tauschökonomie. Einmal fragte ich meinen
ältesten Sohn, als er ungefähr vier oder fünf Jahre alt war: „Weißt du
eigentlich, was ein Geschenk ist?“ „Ja,“ antwortete er arglos, „ich geb dir
was – dafür bekomme ich was von dir.“
Ein Geschenk ist ein Geschenk. Es ist nichts, für das eine Gegenleistung
geleistet werden muss. Es ist auch kein Dienst, für den ein Verdienst erwartet wird. Es ist keine Abgabe oder Steuer – auch sogenannte Steuergeschenke sind keine Geschenke.
Am Anfang unseres Erdendaseins steht – bei jeder und jedem von uns –
ein Geschenk: Das geschenkte Leben.
Unser Leben ist wie ein wundervoller Vorschuss, den wir ausgeben, d.h.
ausleben dürfen: Wir haben ihn uns nicht verdient und wir sind mit keiner
Macht dieser Welt wissentlich einen Handel eingegangen, damit wir
geboren werden. Uns hat NICHTS gefragt: „Was bietest du an, damit du
auf die Welt kommst?“ Oder wurde das hier irgendeine Person vor der
Geburt gefragt?
Das Leben ist ein Geschenk. Das Leben auf der Erde ist ein Geschenk.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Wenn wir diese Idee des Geschenks des Lebens auf der Erde als Grundlage einer Art, zu wirtschaften, also einer ganzen Ökonomie nehmen,
entdecken wir die Wirtschaftsordnung des Landes, das die Bibel Paradies
nennt. Die Wirtschaft dort funktionierte ganz einfach – nämlich nach dem,
was wir das „mütterliche Prinzip“ nennen.
Eine Mutter – sei es eine Wurmmutter, eine Rabenmutter oder die mama
sapientia bringt Kinder zur Welt, nachdem sie selbst das Leben geschenkt
bekommen hat. Das ist bio-logisch. Alles andere ist ideo-logisch, also
un-logisch.
Eine Mutter – sei es eine Apfelmutter, eine Krabbenmutter oder eine
matriarchale Mutter, schenkt so vielen Kindern das Leben, wie Mutter
Erde an Nahrung schenkt: Bienenmütter z.B. machen die Zahl der
Kinder im Frühjahr abhängig vom eingetragenen
Pollen. Den Pollen, das
sogenannte Bienenbrot,
bekommen die Bienen
geschenkt. Sie brauchen
ihn nur einzusammeln.
Rein zufällig haben die
Blumen sich darauf eingestellt und, indem die Bienen den Pollen einsammeln, schenken sie den
Blumen Fruchtbarkeit.
Eine
paradisische
Wirtschaftsform
Rein zufällig? Da, wo Bienen Blumen und deren Pollen für ihre Babies
geschenkt bekommen, bekommen Blumen ebenfalls ein Geschenk: mehr
Nachkommen. Wo Bienen Geschenke einsammeln, entsteht ein
Blumenmeer.
Was wir hier betrachten, ist reine Bio-Logik: Es ist die Logik des Lebendigen. Das Leben will leben – in uns und um uns herum - ewig. Dafür
sorgt es selbst. In unendlich vielen Formen. In allem, was lebt. Und es
lebt in allem, sagen die Menschen aus mütterlichen Gesellschaften: Alle
Erscheinungsformen der Erde, alle Phänomene der Welt, sind Kinder des
Lebens, dieses einen Lebens, sagen sie. Sie alle haben das Leben geschenkt bekommen und leben von den Geschenken, welche die Erde
und die ganze große Um-Welt, hervorbringen.
Geschenke werden nicht gerafft. Sie eignen sich nicht dazu. Denn
dann ändern sie ihren Charakter und werden zu Beute und Ausbeute.
Geschenke werden dankbar entgegengenommen. Geschenke erzeugen
Dankbarkeit. Ein Kind, das im Bewusstsein aufwächst, Bedürfnisse haben
zu dürfen, und selbstverständlich beschenkt wird – ich meine nicht, verwöhnt wird - ein Kind, das auf diese Weise „gestillt“ aufwächst, wird
nicht das Bedürfnis entwickeln, etwas zu raffen, d.h. ein angemessenes
Maß zu überschreiten.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Anders ausgedrückt: Es wird nicht süchtig. Was ist Raffen anderes als
kein Maß zu kennen, also Sucht?
Harmonie heißt übersetzt auch „Ebenmaß“. Das Bedürfnis ist das Maß
des Schenkens. Wenn Bedürfnis und Geschenk übereinstimmen, ist das
Ebenmaß perfekt. Dazu möchte ich eine Geschichte erzählen, die uns
Jean Liedloff schenkte. Auf fünf Expeditionen besuchte sie als junge
Forscherin und Ärztin die Yequana, einem indigenen Volk, das in Venezuela lebt. Dann schrieb sie 1975 in ihrem Buch „Auf der Suche nach
dem verlorenen Glück“ ihre Erlebnisse und Erkenntnisse nieder.
Ein Erlebnis war Folgendes:
Jean lebte gerade mal wieder bei den Yequana, als ein Junge verunglückte. Da sie Medizin studiert hatte, konnte sie helfen und versorgte
die Wunde. Der Klan des Jungen besaß ein Zuckerrohrfeld, auf dem
Rohr reif war. Nachdem
die Erste Hilfe geleistet
war, also die Bedürfnisse
des Jungen und seines
Klans gestillt worden
waren, wurde Jean nach
ihren Bedürfnissen gefragt: Ob sie irgendeinen
Wunsch hätte. Und ob!!
Sie hatte das Zuckerrohr
gesehen und dachte, das wäre eine gute Bezahlung. Die Mutter des
Verunglückten schlug ihr ein schönes Rohr. Daraufhin wurde sie erneut
befragt, ob sie noch mehr Bedürfnisse hätte, oder anders gesagt, ob sie
ein Bedürfnis nach mehr habe. „Na“, dachte Jean, „sie sind wohl bereit,
mir mehr zu geben“, für den Gefallen, den sie ihnen als Ärztin getan
hatte. Also nickte sie und es wurde noch ein Rohr für sie geschlagen.
Jedes Mal, wenn sie gefragt wurde, nickte sie, und jedes Mal, wenn sie
nickte, wurde ein weiteres Zuckerrohr für sie abgehauen.
Wieviel
brauchst
Du?
Doch, so viele konnte sie überhaupt nicht gebrauchen. Jean dachte nur,
das sei die Yequana-Art der Bezahlung und wenn sie immer mehr
bekommt, dann war ihre Hilfe diesen Preis wohl wert. Plötzlich stutzte
sie. Mit einem Schlag wurde ihr bewusst, was hier gerade ablief: Die
Menschen wollten sie gar nicht bezahlen, sondern ihr einfach nur ein
Bedürfnis stillen. Jeans Bedürfnis nach Zuckerrohr
aber war mit einem einzigen Stück längst gestillt gewesen. Nur die Idee,
dass hier ein Tauschhandel betrieben würde, hatte Jean veranlasst, weit
über ihr Bedürfnis hinaus – weit über ihren Bedarf hinaus - Zuckerrohr
zu „verlangen“. Jean dachte profitorientiert, statt bedürfnisorientiert.
Und sie erzählte, wie sehr sie sich den anderen gegenüber plötzlich, als
ihr dies bewusst wurde, schämte: Die anderen wollten sie beschenken
und sie - - - wollte sich bereichern.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Für ihre Hilfe gab es keine Bezahlung oder Abgeltung. Es waren weder
ein Verdienst noch eine Entschädigung vorgesehen. Jean lebte ja bei
diesen Leuten - warum sollte sie bezahlt werden? Bei den Yequana ist
klar: Wenn jemand Hilfe braucht, bekommt er sie. Wenn Eine Hilfe
leisten kann, leistet sie diese. Bei den matriarchalen Völkern, die wir
kennen, wird sich deshalb innerhalb der engeren Gemeinschaft, d.h. des
Klans, der Nachbarschaft, des Dorfes, auch nicht bedankt. Nur bei
absolut fremden Menschen, mit denen es nicht viel Umgang gibt, da
sagen sie Danke: Sie könnten vielleicht keine Gelegenheit finden, dem
anderen etwas zugutekommen zu lassen…
Wozu sollten sich auch
Menschen gegenseitig
bedanken, die sich
selbst als vom Leben
reich beschenkt fühlen
und sich ein Leben
lang, im täglichen
Umgang, in Haus und
Hof gegenseitig beschenken?
Die auf das Gegenüber
schauen, ob es dem an
etwas mangelt, und versuchen, jedes Bedürfnis zu stillen, damit Mangel gar nicht erst
aufkommt? Und die sich selbst auf gleiche fürsorgliche Weise gesehen
und anerkannt fühlen?
Sich
vom
Leben
reich
beschenkt
fühlen
Was passiert, wenn eine Heimat über Generationen eine Heimat
bleibt?
Was passiert, wenn wir wissen, unser Zuhause bleibt uns für immer
erhalten? Unser Mutterland soll niemals verkauft werden? Es gehörte
schon unseren Vorfahren und wird einmal unseren Nachfahren gehören?
Es ist ein Geschenk, das wir erhalten haben, das wir nutzen dürfen, und
das wir an unsere Nachfahren weitergeben möchten?
Mutterland bedeutet nachhaltige Wirtschaft für alle.
Eine US-amerikanische Wissenschaftlerin und feministische Aktivistin,
Genevieve Vaughan, versuchte das Dilemma einer jeden patriarchalen
Ökonomie zu verstehen und entdeckte neben dem Tauschprinzip das
Schenkprinzip – eine im Patriarchat unsichtbar gemachte Form der
Kultur. Eine Schenkökonomie entspringt, wie Vaughan in ihrem Buch
„For-Giving. Schenken und vergeben“ sagt, dem Feld der Mütterlichkeit
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
und wird dort Pflege oder Fürsorge genannt. So ist es: Es gibt in
matriarchalen Gesellschaften bis heute weder Alleinerziehende noch
Altenheime, weder Obdachlose, noch Scheidungswaisen, um nur ein
paar Beispiele zu nennen.
„Das Gegenprinzip des Schenkens ist der nur scheinbar gerechte
Tausch, letztendlich ein kalkuliertes Geben-um-zu-bekommen“, sagt
Genevieve Vaughan. Unsere Ökonomie hierzulande, unsere ganz
normale, patriarchale Ökonomie ist eine „Ökonomie des Mangels,
die in ihrem unstillbaren Hunger nach mehr in ökologische Krisen
und steigendes gesellschaftliches Elend führt.“ Das gilt für den
Kapitalismus, wie für den Kommunismus; das gilt für eine jüdische,
christliche oder muslimische Ökonomie ebenso, wie für eine hinduistische oder buddhistische: alles nur verschieden Ausformungen des
Patriarchats.
Eine
mütterliche
Ökonomie
Mutterland bedeutet nachhaltige Wirtschaft für alle
Mit dem Begriff Mutter sind übrigens alle Frauen gemeint, auch die,
welche keine Kinder auf die Welt gebracht haben, warum auch immer.
Sobonfu Somé, eine Mutter vom matriarchalen Volk der Dagara in
Ghana, Afrika, sagte einmal, dass in Afrika jede Frau als Mutter angesehen werde. Die MinangkabauerInnen, die sich stets nur mit dem
Vornamen anreden, sprechen jede Frau in einem bestimmten Alter
und in einer bestimmten Position als Ibu: Es bedeutet Mutter.
Ich glaube, es war die UNESCO, die einmal verkündete:
Gibst du einem Mann Geld, gibst du einem einzelnen Menschen Geld.
Gibst du einer Frau Geld, ernährst du eine Familie.
Dagmar Margotsdotter
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Biohof mit Blumengarten
Der Rückzugsort der Göttin Demeter
Der Biohof Schüpfenried (www.schüpfenried.ch), unweit der Schweizer
Hauptstadt Bern gelegen, ist ein besonderer Ort. Hier wird nach anthroposophischen Richtlinien gearbeitet, d.h. die Produkte, welche der Hof
erwirtschaftet, tragen das Siegel Demeter bzw. bio- dynamisch. Die
Philosophie dahinter beruht auf einer ganzheitlichen Betrachtung, denn
alles gehört zusammen und ist aufeinander angewiesen. Der Gockel
braucht die Henne, der Stier braucht die Kuh, der Acker braucht den Mist
usw. Bio- dynamisch bedeutet ganzheitliche, nachhaltige Tierhaltung,
Pflanzenbau, Obstbau und Forstwirtschaft ohne Antibiotika und ohne
chemische, synthetische Hilfsstoffe.
Der Biohof Schüpfenried strahlt eine besondere Energie aus. Ich fühle
mich wohl, sei es im Hofladen mit Kaffee oder im wunderschönen
üppigen Blumengarten.
Demeter
wandelt
umher
Der Blumengarten wird von Michael Schulz gehegt und gepflegt. Er ist
nicht gelernter Gärtner sondern Tanzpädagoge. Umso einfacher ist es
sich vorzustellen, wie durch den Garten getänzelt und nicht gekarrt wird.
Wir spüren wie Göttin Demeter in diesem Blumengarten umher wandelt.
Demeter, sie war bei den Griechen die Königin der Weizenfelder. Sie war
die Korngöttin des Brotes, sie war zuständig für die Fruchtbarkeit der
Erde und der Jahreszeiten. Sie wurde bei den Römern als Ceres verehrt.
Im Jahre 396 wurde in Eleusis der Demeter-Kult verboten und ihr Tempel
von den Christen zerstört.
Was kommt denn da daher gerannt? Ich flüchte in den Laden. Ein Esel
und hinterdrein ein junger Mann kommen angerannt. Bald kann der Esel
beruhigt und wieder gehalten und in sein Gehege zurückgeführt werden.
Ein bio- dynamischer Hof hat verschiedene Tierarten und jede/r weiss wie
mit den Tieren umgegangen werden muss. Ein störrischer Esel kann nicht
mit Gewalt gezwungen werden zu gehorchen, auch keine Kuh, kein Stier
oder kein Huhn. Im Hof wird gelehrt und gelernt, wie mit den Tieren umzugehen ist. Der Hof auch als Wohn- und Arbeitsgemeinschaft, beher-
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
bergt etwa 6 Jugendliche mit Betreuer. Diese jungen Leute machen hier
eine landwirtschaftliche Anlehre für die Integration nach aussen.
Es besteht ein Freiluftstall, dieser wird automatisch stets mit elektrisch
angetriebenen Bürsten gereinigt. Ein Atomkraftwerk ist hier nicht nötig.
Der Hof besitzt eine Fotovoltaik Anlage damit kann der Bauer Fritz Sahli
das ganze Quartier mit seinem eigen produzierten Strom speisen. Um die
kalten Winter problemlos zu überstehen, kann er eigenes Holz zu Schnitzel verarbeiten und verbrennen. Die ganze Strom- und Heizungsanlage
ist ein kleines Kraftwerk. All das hat der Bauer Sahli mit seinem Handy im
Griff. Er erklärt mir aber mit vorgehaltener Hand, dass sein Handy ein
notwendiges Übel sei, denn er sei ein echtes Landei.
Damit Bauer Sahli die hofeigene Wasserquelle anzapfen konnte, bedurfte
es mehrerer Gespräche mit der Gemeinde, diese wollte es ihm nämlich
nicht gestatten. Doch Bauer Sahli setzte sich durch. Eigenes, sauberes
Wasser, eigener Strom, dies gehört zur Subsistenzwirtschaft.
Ein ganzheitlich geführter
Biohof heisst, dass hier
nicht nur eine Tierart gehalten wird. Es hat neben
den Kühen und Esel auch
Ziegen, eine alte Ziegenart.
Der Hühnerhof liegt etwas
abseits mit einem grossen
Freilaufgehege, wie übrigens
auch die Schweine. Der Bauer
Sahli beabsichtigt auch hier eine alte Hühnerrasse zu halten. Diese Tiere
sind viel robuster und resistenter gegen viele Krankheiten.
Wo
die
freien
Tiere
wohnen
Nicht so die hochgezüchteten Rassen, bei welchen in der industriellen
Produktion die männlichen Küken sofort getötet werden. Das Männliche
bringt in diesem Fall kein Geld d.h. keine Eier und kein gutes Fleisch.
Diese Feststellung ist insofern interessant, denn auf dem Berge Athos in
Griechenland, wo Frauen der Zutritt verboten ist, werden keine
Erzeugnisse eines weiblichen Lebewesens genossen. Also keine
Milchprodukte, Eier etc...
Mir träumt es gleich von „der Stadt der Frauen“ von Christine de Pizan.
Oder vom Frauendorf Umoja in Kenia...
Die Kühe des Bauern Sahli haben noch Hörner, denn diese sind wichtig
für die Durchblutung, die Verdauung und Orientierung. Die Hörner sind
die Antenne zum Kosmos.
Was muht denn da so herzzerreissend? Eine Kuh kommt zum Stall
gelaufen und muht unaufhörlich. Ein suchendes, trauriges muh. Die
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Mutterkuh sucht ihr Kalb. Das Kalb wurde ihr jetzt nach 8 Monaten weggenommen, weil dieses ihre Milch nicht mehr braucht und die Kuh früher
oder später wieder trächtig werden sollte.
Weil Fleischwirtschaft betrieben wird, bleibt das Kalb mindestens 8 Monate bei der Mutterkuh. Die Kühe können frei herumgehen im Freiluftstall
und auf der Weide und der Stier ist auch dabei. Das will heissen, dass die
Kühe nie künstlich besamt werden.
Der Bauer Sahli lässt die werdende Mutterkuh immer auf der Weide ihr
Kalb zur Welt bringen. Dadurch kann der Gefahr einer bakteriellen Infektion ausgewichen werden.
Interessant ist, dass auf diesem
Hof keine Antibiotika, es sei denn
im äussersten Notfall, eingesetzt
werden.
Es sind keine Hochleistungstiere
diese Kühe, ihr Euter hat die normale Grösse.
Bei den konventionellen Bauernbetrieben sind Kühe Hochleistungstiere mit einem Euter,
welches die Kuh kaum zu tragen
vermag. Solche Hochleistungskühe Leben maximal 5 Jahre,
dann werden sie „verwurstet“
o.ä. Diese Tiere werden derart
ausgelaugt, dass sie auch nicht
mehr trächtig werden können.
Bei unserer Milchschwemme bräuchte es wohl kaum Hochleistungskühe.
Was steht da ausser Marketing wohl sonst noch dahinter?
Wie
es
Mutter
Natur
gemeint
hat
Ein Widerspruch im patriarchalen System ist doch wohl die Tötung des
unnützen männlichen Tieres, der junge Stier, das männliche Küken usw.
Und normal ist die Ausbeutung des Weiblichen. Was für eine Gesellschaft
kann das zulassen?
Mir kommt gleich ein bekannter Spruch in den Sinn: „Wo es Schlachthöfe
gibt, hat es Schlachtfelder...“
Die Bäuerin Ursula Sahli ist gelernte Gärtnerin und wollte eigentlich nie
einen Bauern heiraten. Dann traf sie den Fritz und seinen Biohof das hat
sie total begeistert. Sie versucht sich nun im Blumenzüchten mit Michael
Schulz im eigenen Gewächshaus.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Frau Sahli unterstützt ihren Mann indem sie ihn hin und wieder auf den
Boden holen muss. Er hat so viele Ideen, manchmal sind diese jedoch in
etwas weiter Ferne oder nicht durchzuführen.
Bauer Fritz Sahli ist stolz auf seine drei Mütter. Die Urgrossmutter, die
Großmutter und die Mutter waren stets die treibende Kraft, heute wären
das Managerinnen, des Hofes.
Über dem Hofcafé befindet sich ein Seminarraum, dieser kann gemietet
werden für Ausstellungen, Konzerte oder Feste, sowie Hochzeiten und
Geburtstage. Der Muttertagsbrunch oder das 1. August-Fest wird auf der
„Hostet“ d.h. unter den Obstbäumen gefeiert. Das Ehepaar Wüthrich
bewirtschaftet die Gastronomie. Der Hofladen mit Café wird vom
Ängelibeck (bio) betrieben. Mit Produkten aus dessen Bäckerei, vom
Hof, und zugekauften Bio-Produkten.
Eine
Reise
wert
Die Katzen sind eifrig am Mäuse fangen, der Hund liegt gemütlich in der
Sonne, und um das Bienenhaus schwirren die emsigen Arbeiterinnen.
Heute ist die Bergkette der Berneralpen (Eiger, Mönch, Jungfrau usw.)
sichtbar, eine schönere Naturkulisse können wir uns kaum vorstellen.
Das Bewusstsein für eine intakte und gesunde Natur wird gestärkt durch
die Besichtigung eines solchen Hofes. Der Biohof Schüpfenried im
Bernbiet der Schweiz ist eine Reise wert.
Daniela Ghielmetti
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Gärtnerei “Wilde Kost“
Essbare Wildpflanzen und alte Gemüsesorten
Die Gärtnerei "Wilde Kost" ist auf traditionelle Gemüsesorten
und essbare Wildpflanzen spezialisiert. Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, die Vielfalt an Geschmacksnoten und Aromen,
die frühere Hausgärten boten und die uns die Natur am Wegesrand bietet, wieder für Menschen zugänglich zu machen.
Solidarische Landwirtschaft
Sich die Ernte teilen - die Solidarische Landwirtschaft ist ein
Modell, dass Teilhabe schafft. Seit Juni 2014 ist die Gärtnerei
Wilde Kost als Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) organisiert.
Die Mitglieder der SoLaWi unterstützen uns wetter- und wettbewerbsunabhängig durch ihren monatlichen Beitrag. Und können sich dafür an Salaten, Gemüse und Obst nehmen was Sie
brauchen. Die Lebens-Mittel gewinnen wieder ihren Wert zurück.
Salate
Gemüse
Obst
Erreichbarkeit
Gerne nehmen wir Ihre Fragen oder Bestellungen per Mail
[email protected] entgegen.
Sie können auch eine Nachricht auf unserem AB, 04557 981718,
hinterlassen.
Abholzeiten für SoLaWi-Mitglieder
Dienstag 11-16 Uhr
Freitag von 11-18 Uhr
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
The Land of the Goddess
Eine Reise zu unseren spirituellen Wurzeln
Das ist kein ReiseTagebuch im üblichen Sinn, ich will vielmehr versuchen,
die Wege meiner Spurensuche aufzuzeichnen. Seit vielen Jahren ist es
auch schon während anderer Reisen mein Begehr gewesen, die Kraft und
Essenz der alten heiligen Orte meiner Ahninnen und der Göttin zu
erkunden, zu spüren, zu erleben.
In diesem Jahr führte meine Reise in die megalithische Vergangenheit
Südwestenglands. Freundinnen und Bücher haben mir Wege gezeigt,
geographisch diesmal nach Cornwall.
THE STONE CIRCLES --- die Steinkreise
Mit den Steinkreisen haben wir die Knotenpunkte eines Netzwerkes, das
sich über die ganze Penwith - Peninsula spannt. Über einen Zeitraum von
mehr als tausend Jahren wurden Steinkreise errichtet an Plätzen, wo die
Erde spezielle Eigenschaften und dynamische Auffälligkeiten aufweist. In
den Gegenden der Steinkreise und Monumente gibt es starke elektromagnetische Kräfte. Untergrundströme von Wasser oder Erdenergie
laufen unter ihnen und wo sie sich kreuzen, ist die Energie besonders
hoch. Das kann sich verbinden mit ungewöhnlichen radioaktiven Strahlungen. Diese Daten verändern sich zu verschiedenen Zeiten, indem sie
auf die Mondphasen reagieren.
Gezeitenrhythmus
Der Ozean mit seinem Gezeitenrhythmus ist der offensichtliche Beweis
dafür, dass Mond und Wasser in Beziehung stehen. Unsere Ahnen mit
ihrer ursprünglichen Sensibilität zur Erde waren sich zweifellos dieser
fliessenden und pulsierenden Erdhafter bewusst, auch ohne die Hilfe
eines Geigerzählers oder Manometers.
Untersuchungen vom berühmten Steinkreis „stonehenge“ und in West
Cornwall beweisen, dass die Kreise für astronomische Beobachtungen
angelegt und gekennzeichnet sind.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Steinreihen zwischen ihren Menhiren (stehenden Steinen) und weit entfernten Landmarken weisen auf die Position bestimmter Sterne am Horizont an bestimmten Tagen im Jahr – die traditionellen Festtage, die die
Jahreszeiten markieren.
Diejenigen, die die Kreise erdacht und gebaut haben, hatten nicht nur
astronomisches Wissen, sie waren tüchtige Architekten und Baumeister,
fähig, Steinreihen zielgenau über grosse Distanzen über das Land
auszurichten.
Steinkreise spielten eine zentrale Rolle im rituellen Leben, denn die
megalithische Wissenschaft kreierte ein Gesamtbild von irdischen und
kosmischen Kräften, die in einem Kreis von Ritualen und Festen gefeiert
wurden. Die uralte Astronomie war keine abstrakte, vom täglichen Leben
getrennte Wissenschaft, sondern der Rahmen einer lebenslangen
Zeremonie.
Sonne, Mond, Sterne waren in die Rituale integriert und ebenso die
symbolischen und anthropomorphen Formen, die in den umgebenden
Felsen und Hügeln wahrgenommen wurden. Steinkreise waren die
Zentren der „radiating lines“, markiert von Reihen stehender Steine, jeder
am entferntest sichtbaren Punkt zum anderen.
Der erste Stein, der
am Horizont zu sehen ist, markiert den
Punkt des Sonnenaufganges an einem
bestimmten Tag und
der hinter ihm setzt
die Linie fort weiter
über das Land.
Zeremonien
im
Licht
des
Mondes
Eine Lücke wie eine Pforte wurde bei allen Kreisen zwischen zwei Steinen
gelassen. Das weist auf einen rituellen Prozessionsweg hin, der mit stehenden Steinen markiert war. Andere Steine wurden in einem bestimmten Abstand vom Kreis aufgestellt. Sie standen für die Fest-Ritual-Termine des Jahres. Alle Penwith Plätze wurden mit 19 Steinen errichtet.
Neunzehn war eine wichtige Zahl für Menschen, die den Lauf des Mondes durch den grossen Mondzyklus beobachteten.
Die Steinkreise, die geheimnisvollen Plätze der Erde sind vielleicht Tempel,
wo Menschen ihre heiligen Zeremonien feierten im Licht des Mondes.
Vielleicht zelebrierte hier die neolithische Gemeinde die Schöpferische
Kraft der Göttin in Festen, wenn die Energieströme der Unsichtbaren stark
um und durch die Erde flossen.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Die rituelle Aktivität der Plätze, in Harmonie mit den natürlichen elektromagnetischen Erdströmen und Sonnen/Mondereignissen, haben über
eine lange Zeitspanne starke energetische Muster hervorgebracht an dem
Platz und den umgebenden Steinen, übereinstimmend mit den Ley-lines,
die bis heute noch erlebbar sind.
Es gibt nachgewiesene Sichtlinien von Steinkreisen zu Steinen, die die
Position vom Sonnenaufgang an bestimmten Tagen im Jahr markieren.
Diese Linien zeigen Prozessionswege zwischen Ritualmonumenten an.
Viele von ihnen folgen Sonnen oder Sternenwegen und haben wichtige
Funktionen in magischen Zeremonien, die den Spirit der Geister rufen.
Es sind spirituelle Wege auf welchen die kürzlich Verstorbenen in die
andere Welt gehen, traditionell im fernen Westen.
BOSCAWEN - UN
Dieser Ort ist ein sehr magischer Ort im Zentrum der Penwith Halbinsel,
gelegen in einer versteckten Einfriedung inmitten von Feldern, Büschen
und Wiesen.
Wandeln
auf
dem
Sternenweg
Die Suche nach diesem Steinkreis erweist sich als gar nicht so leicht,
denn ein Hinweisschild finden wir erst an dem schmalen überwucherten
Zugang zu dem verwachsenen Pfad, auf dem wir nach einiger Zeit den
verborgenen Ort entdecken. Unsere Beharrlichkeit lohnt sich. Im Abendsonnenschein öffnet sich unser Blick auf den „Glockenblumensteinkreis“
Boscawen-un tief unten in einer Talmulde: ein Kreis von 19 intakten
großen Steinen und einem schrägstehenden Stein in der Mitte.
Der Kreis ist umgeben von einem herrlichen blau-violetten Glockenblumenring. Im Licht sind die Blüten der „bluebells“ hellblau, im Dunkeln
verfärben sie sich zu Indigo oder unterschiedlichen Rottönen. Sie gedeihen besonders prächtig um Grabhügel herum.
Im Volksmund geht die Rede, dass die Glockenblume aus den Toten
heraus in Leben blüht. Natascha Solomons sagt über die Glockenblumen,
sie seien ein magisches Relikt aus der Alten Welt.
(In: „Wie Mr. Rosenblum in England sein Glück fand, 2010“).
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Boscawen-un ist ein schöner Kreis mit einer Eingangspforte im Westen.
Wie die „merry maidens“ besteht er aus 19 Steinen, was wiederum auf
eine Verbindung zwischen all den Steinkreisen dieses Gebietes hinweist.
Der Platz ist heute zwar isoliert und von anderen Kreisen entfernt, aber
es gibt einen Hinweis auf einen wenig bekannten, weil zerstörten Kreis,
etwa 800 m entfernt.
Aus der Mitte des Boscawen – Un ragt ein grosser schräger „standing
stone“, ein „menhir“.
Er zeigt in die Richtung des Mittsommer- Sonnenaufgangs, dessen erste
Strahlen nur den Boden des Steines und seine zwei Ritzungen beleuchten.
Eine einzigartige Besonderheit des Kreises aber ist ein glitzernder weisser
Stein.
Der massive glänzende Block aus glänzendem weissem Quarz im
Südwesten ist platziert in der Richtung, von wo an Samhain die Sonne
zwischen dem Mittelpunktstein und dem Quarzstein untergeht und
kennzeichnet die Richtung, wo der Vollmond zur SommerSonnWende
untergeht.
Quarz war offensichtlich ein heiliger
Stein für die Menschen, denn ein
weisser Stein aus dem Inneren der
Erde verbindet Mutter Erde symbolisch mit dem silberweissen Mond.
Forscher nehmen auf Grund der vielen Energielinien, die durch und um
den Steinkreis laufen, an, dass Boscawen-un ein Zentrum reicher ritueller Aktivität war.
Die
fröhlichen
Maiden
Vom Boscawen–un Steinkreis führten lange Reihen von Menhiren
kilometerweit über das Land, jeder Stein in Sichtweite des anderen. Sie
waren miteinander verbunden zu einem perfekten Netzwerk.
MERRY MAIDENs
An der Südküste, westlich von Lamorna finden wir den Steinkreis
der“ Merry Maidens“. Es ist einer der besterhaltenen Kreise in Britain, alle
19 Steine sind an ihrem ursprünglichen Platz, nur drei mussten im 19. Jht.
wieder aufgerichtet werden.
Der Steinkreis ist – wie alle - mit einer Eingangslücke oder -pforte auf
der Nord-Ost-Seite versehen. Interessanterweise stehen zwei Steine
eingegraben im Osten, die einen Teil eines Prozessionsweges zum Kreis
bildeten.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Der Merry Maiden Steinkreis ist nordwestlich ausgerichtet auf die Zwillingshügel von Carn Brea und Bartinney. Beide Hügel sind berühmte
„Heilige Hügel“.
Heute stehen die „Merry Maidens“ isoliert in einem Feld nahe der Strasse,
aber bis 1860 gab es die Reste eines zweiten Kreises dicht am Hauptkreis.
In alten Erzählungen gibt es Hinweise auf weitere Steinkreise in den Feldern. Die dortigen Ley-lines manifestieren diese Information. Der Kreis
wurde gründlich auf Radioaktivität überprüft und ebenso umfangreich
auf Wasser- und Energielinien untersucht. Über dreissig Linien wurden
gefunden.
Doch viele Äcker wurden umgepflügt, die Steine in Häuser, Wege und
Mäuerchen eingearbeitet. Stehen geblieben sind ein paar Felder entfernt
die beiden grössten Menhire Cornwalls, die Pipers,„Flötenspieler“ genannt.
Der Kreis war bekannt als „Dans maen“, was tanzende Steine bedeutet.
Der Name nimmt Bezug auf Volkslegenden über Priesterinnen, die in
alten Zeiten ihre rituellen Tänze in den Steinen tanzten.
Reigentanz
der
Steine
Christliche Legenden machten daraus schlimme Mädchen, die verbotenerweise am Sabbath spielen und tanzten und zur Strafe zusammen mit
den Musikanten, den „pipers“ die ihnen aufspielten, in Steine verwandelt
wurden.
Aber die Steine und Kreise sind viel älter als das Christentum.
Die Geschichte der tanzenden Mädchen ist Teil einer viel älteren
Tradition , denn Tanzen war ein wichtiger Bestandteil rituellen Tuns,
zusammen mit Trommeln, Singen, und den Trancen der Schamankas .
Solche Legenden spiegeln lediglich die puritanische Unterdrückung des
cornischen heidnischen Singens und Tanzens.
Das Wort „merry“ ist eine Verfälschung von Mary, hergeleitet von dem
Namen einer alten mittelöstlichen Göttin, der sumerischen Göttin MARI.
Sie war die Göttin der Sexualität und Fruchtbarkeit und als solche natürlich verbunden mit den Ritualen des Fortlebens und der Fruchtbarkeit
und der Kirche ein Dorn im Auge. Sie musste verschwinden, zuerst ihr
Name.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Mit „maidens“ sind mit grösster Wahrscheinlichkeit die Mondpriesterinnen gemeint, die ihre Rituale in den Steinkreisen feierten. Mehrere
Kreise werden „nine maidens“ genannt, auch sie mit 19 Steinen, die den
Mondkreis repräsentieren. Wie schon erwähnt war die neunzehn eine
wichtige Zahl für die Menschen, die den Lauf des Mondes durch den
grossen Mondzyklus ( Metonischer Zirkel) beobachteten. Die Kreise waren
demnach feierliche Stätten für die Mondpriesterinnen.
Legenden in der Bretagne und in
Wales erzählen von Konventen von
neun Priesterinnen, die die Christianisierung und Druidisierung überlebt
hatten. (Der Schrein der keltischen
Göttin Brighid in Irland wurde ebenfalls von 19 Priesterinnen bewacht.)
In diesem Kontext scheint es möglich, dass die Namen der viel älteren
Steinkreise ein Hinweis darauf sind,
dass sie von Covens von neun Priesterinnen genutzt wurden.
3 x 3
gleich
9
Die Neun als Zahl in einem rituellen
Kontext wurde erstmals entdeckt auf
einer Grabzeichnung von 10 000 b.c in Spanien, wo neun Frauen in
einem Kreis tanzen.
Neun war auch für die Kelten noch eine heilige Zahl: 3 mal 3.
Es sind seit alters her die drei Phasen der matriarchalen Göttin: Mädchen,
reife Frau, alte Weise. Nicht zuletzt ist es die Anzahl der Mondmonate
der Schwangerschaft bis zur Geburt.
MEN – AN - TOL
Wir fahren von St.Ives über steile Strassen landeinwärts in die Südwestecke von Cornwall nach West Penwith zum Men-an-Tol (keltisch: Stein
mit Loch).
Das Men-an-tol –Monument war – wie neue Untersuchungen ergaben ein eigenständiger Steinkreis, wohl mit 19 Steinen mit dem Lochstein im
äusseren Kreis. Heute sind ausser dem Men-an-Tol zwischen zwei
niederen Menhiren die Steine verschwunden oder sind von Mauern und
Wegen überbaut.
Lochsteine waren in den alten Kulturen Orte der Heilung und des Orakels.
In jenen Zeiten bedeutete das Loch den rituellen Durchgang in die
Anderswelt, oder/und den Eingang in den Leib der Erdmutter.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
In den sardischen Berghöhlen „domus di Janas“ markiert immer ein Loch
im Stein oder einer Mauer den Einlass und Übergang in die Anderswelt.
Im Zuge der grossen Tradition der Fruchtbarkeits- und Heilungsrituale
wurden bis in die neuere Zeit Kinder zur Segnung in bestimmten Zeremonien Formen durch die Lochsteine hindurchgereicht, um ihnen Gesundheit mitzugeben oder von Krankheit zu befreien.
Neu geboren werden, wiedergeboren werden, geheilt sein, dem Leben
wiedergegeben sein, ist die Essenz des Wiedergeburtsrituals, in dem ein
Mensch nackt durch dieses heilige Durchgangsloch des Men-an-Tol
schlüpft.
Schwellen
Übergänge
Tore
Um das Weibliche mit dem Männlichen zu verbinden, reichten sich
liebende Paare durch das Loch hindurch die Hände, um zu „heiraten“.
Noch in christianisierten Zeiten fühlten sich junge Leute der alten heidnischen Tradition mehr verpflichtet als dem Ehegelübde der Kirche.
An Neujahr wurde die Verbindung zwischen einem Paar an diesem
KraftOrt rituell besiegelt und war für ein Jahr verpflichtend. Danach
war es wieder frei, sich zu entscheiden.
Wie alle Plätze mit besonderer Energie hat auch der Men-an-Tol sowohl
magische wie auch astronomische Bedeutung.
Da er zu signifikanten Zeiten im Jahr das Mondlicht,bzw. die Sonnenstrahlen empfing, diente er zur Beobachtung des Mayday - Sonnenaufund -untergangs. Auch an Beltane könnte die Sonne direkt hinter dem
ausserhalb der Nine Maidens liegenden Menhir aufgegangen sein, sodass die beiden Orte wohl astronomisch zuammmenhingen.
KaraMA Beran
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Berggöttinnen der Alpen
Matriarchale Landschaftsmythologie in vier Alpenländern
Ihrem 2014 erschienen Buch „Matriarchale Landschaftsmythologie - Von
der Ostsee bis Süddeutschland (Kohlhammer Verlag)“ lässt HGA nun ein
weiteres folgen, eine „Zwillingsschwester“, das die Alpenregion in den
Fokus nimmt. Zielgruppe ihrer Veröffentlichung ist das kulturinteressierte
Reise- und Wanderpublikum, das sich insbesondere für die Hinterlassenschaften der Jungsteinzeit und Bronzezeit interessiert und sich begeistern
lässt für Fragen, „die bei üblichen Kulturreisen offen bleiben“. So geht es
ihr unter anderem darum, den Blick des Betrachters neu zu schulen und
weg vom einzelnen Monument hin zum Monument eingebettet in die
Landschaft zu lenken. Die daraus entstehenden Fragen, warum eine
Anlage genau hier und nicht woanders errichtet wurde, bzw. wie die
Menschen früherer Zeiten ihre Landschaft „gelesen“ haben beantwortet
HGA mit der von ihr als „geistige Archäologie“ bezeichneten Methode, die
sich zusammensetzt aus:
1. Dem Begehen einer Landschaft,
2. Dem Entdecken „Heiliger Hügel“,
3. Dem Prüfen von Sichtlinien gemäß
Archäo-Astronomie,
4. Dem Prüfen von Kultlinien und
Kultwegen,
5. Einer archäologischen Analyse,
6. Einer linguistischen Analyse,
7. Kirchenforschung,
8. Sagen- und Mythenforschung,
9. Folklore-Forschung und
10. Der Erforschung von Rückzugsgebieten und kulturellen Nischen.
Auf
den
Spuren
von
Ötzis
Göttin
Spannend liest sich – auch für die
nicht matriarchal geschulte Leserin ihr Kapitel „Auf den Spuren von ‚
Ötzis Göttin“. Den in der Wissenschaft vorhandenen 6 ernsthaften
Hypothesen zu Ötzis Tod fügt HGA eine weitere hinzu, die auf den
Grundlagen eines matriarchalen Weltbildes beruhen. Auch der bislang
offenen Frage nach der Mumifizierung Ötzis weiß HGA eine spannende
Antwort zu geben. Vehement wehrt sie sich gegen eine rein
„profane“ Deutung der Funde, denn dergleichen Denk-muster
„…entsprechen nicht dem religiösen Denken der matriarchalen Menschen
aus der jungsteinzeitlichen Kultur“.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Die weiteren Kapitel befassen sich mit den Mythischen Bergen in den Dolomiten Italiens, dem Landschaftstempel Oberhalbstein-Surses in der Ostschweiz, den Flüssen Saalach und Salzach bei Reichenhall und Hallein, dem
Berchtesgardener Land in den deutschen Alpen, dem Vierwaldstättersee
sowie einigen Berggöttinnen in der West- und Zentralschweiz.
387 Seiten werden ergänzt von 630 Anmerkungen und 5 Seiten Literaturangaben. HGA ist Mitglied im Institute of Archäomythology Kalifornien und
stellt sich damit in die Tradition von Marija Gimbutas, die die Methodik der
Archäomythologie einstmals begründet hat.
Heide Göttner-Abendroth: Berggöttinnen der Alpen.
Matriarchale Landschaftsmythologie in vier Alpenländern.
Raetia Verlag 2016, € 29,90
Fundstück
beim MatriaMarkt in Bad
Oldeslohe
Mythische
Berge
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Eine Siebenjährige erklärt, was eine
Großmutter ist
Eine Großmutter ist eine Frau, die keine Kinder hat und deswegen Kinder
von anderen Leuten lieb hat. Großmütter haben eigentlich nichts zu tun,
sie müssen nur da sein. Weil sie alt sind, dürfen sie keine wilden Spiele
machen, mit herumrennen und so. Aber das brauchen sie auch nicht. Es
reicht, wenn sie uns auf den Jahrmarkt mitnehmen und genug Geld dabei
haben. Meistens sind Großmütter dick. Aber niemals zu dick um einem die
Schuhe zubinden zu können.
Sie haben eine Brille und oft
sehr ulkige Unterwäsche. Richtige Großmütter können ihre
Zähne aus dem Mund nehmen.
Eine Großmutter muss nicht
schlau sein, aber wenn ich
frage: „Warum ist der liebe
Gott nicht verheiratet und
warum mögen Hunde keine
Katzen?", dann müssen sie
das wissen.
Großmütter
müssen
nur
da
sein
Großmütter reden richtig mit
uns und nicht in komischer
Babysprache, wie manche
Leute die uns besuchen, und
die wir dann schlecht verstehen.
Wenn Großmütter vorlesen ist das schön; sie lesen auch gerne immer
wieder dieselbe Geschichte ohne etwas wegzulassen. Eine Großmutter zu
haben kann ich jedem empfehlen, vor allem wenn man keinen Fernseher
hat. Schließlich sind Großmütter die einzigen Erwachsenen, die Zeit haben.
Dieser Text wurde Uscha Madeisky von einer Nonne im Benediktinerkloster
am Ammersee überreicht, als sie erzählte, dass sie gerade mit dem Rat der
Großmütter auf dem Anna-Weg wandelte.
Die Großmütter fanden sich darin wieder und veröffentlichten den Text
auch auf ihrer Website: ratdergrossmuetter.org.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Mutterliebe/ Vaterliebe
Gefunden im Duden
Ein Fundstück
von der Rückseite der
Evangelischen
Frauenzeitung
für Bayern
„Efi“
Definitionsmacht
Vaterland
Gefunden in der Hamburger Morgenpost
Wir sagen:
“Der Klan
ist das
Mutterland
der Welt.“
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Ein matriarchaler Zirkel auf
Exkursion
MaLeDea auf der Burg Teck
Leitung: Gabriele Kapp, moderne Matriarchatsforscherin
Teilnehmerinnen: Daniela, Anita, Brigitte
Bei strahlendem Sonnenschein reisten wir von Stuttgart mit der S1 nach
Kirchheim/Teck, wo uns Gabriele mit dem Auto abholte.
Um die Landschaftsgöttin der Sibylle von
der Teck zu sehen, fuhren wir in Richtung
Autobahn A8, dann wieder Richtung
Owen, wo wir durch ein Mohnfeld kamen,
was für ein Anblick! Gabriele zauberte uns
eine Göttin aus Mohn-Samen.
Die Landschafts-Göttin Teck erstreckt
sich von Nord-Ost mit den Füssen bis
West zum Kopf. Die höchste Erhebung
bildet die Burg Teck als Brust (die Turmspitze als Brustwarze). Der Kopf davor
ist der vorgelagerte niedrigere Hügel mit den verdeckten Bäumen (vom
Wanderparkplatz unterhalb der Teck zu erreichen).
Die
Göttin
in
der
Landschaft
Es war schwierig die Göttin aufs Bild zu bekommen, da sie sich in einen
„Dunst-Umhang“ hüllte, als würde sie sich zieren. Erst hinter einem
Busch konnten wir sie genauer erkennen.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Von Owen aus fuhren wir zum Parkplatz Böll. Hier kann frau steil bergab
zum Lindenhain wandern. Dann ging es weiter zum oberen Parkplatz,
von wo aus ein breiter Forst- und Teck-Bewirtschaftungweg nach oben
zur Burg Teck führt, direkter Fussweg ca. 45 min. Dort folgten wir einem
Weg zur Sibyllen-Höhle*, die direkt unterhalb der Burg liegt und von
dort aus in 5 min zu erreichen ist.
Zuerst suchten wir aber den „Gelben Felsen“ auf, der den Blick ins
Lenninger Tal freigibt, und von wo aus sich Bergsteiger gerne vor den
Eingang der Verena-Höhle abseilen.
Vulvaformen
überall
Von dort dauert es noch ca. 20 min bis zum „Verena Beutlin Loch“ wo
eine 80 cm Öffnung in ca. 10m Tiefe führt.
Hier soll Verena Beutlin unentdeckt mit 2 Söhnen gelebt haben. Erst als
beide im Tal beim Betteln erwischt wurden, kam man ihr auf die Spur:
Verena wurde als Hexe angeklagt und verbrannt und die Jungen in
Owen getauft… **
Oberhalb des Lochs sorgen bizarre Felsen verwachsen mit Büschen und
Bäumen für Ausblicke in Dreieck und Vulva-Formen.
Weiter geht es ca. 20 min steil bergab in Serpentinen-Wegen an
Abrisen vorbei bis wir endlich die Verena-Höhle erreichen. Nicht zu
verwechseln mit der bekannten Sibyllen-Höhle*.
Auf dem Vorplatz zur Verena-Höhle bereiten wir uns auf 8°C und absolut dunkle, enge, aufwärts gerichtete „Uterus-Kanäle“ im Innern der
Göttin vor. Nach ca. 20m erreichen wir die höchste Ebene, auf der wir
singend und in Stille der dreieckigen Mohn-Samen-Göttin vom Beginn
unserer Reise begegnen.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Verena soll laut der Legende aus Luxor/Ägypten ins Rätische (Süddeutschland und Schweiz) gekommen sein. Sie wird häufig mit Kamm
und Krug/Kelch dargestellt. Sie bewirkte Wunder: Blinde sahen wieder,
stiftete Verbindungen, schenkte Kinder…**
So erkennen wir in ihr eine Liebe- und Leben-schenkende Ahnin und
Schicksals-Spinnerinnen in der Tradition von Aphrodite/Venus, Hera,
Juno, Isis… verwandt mit Holle, Percht, den 3 Matronen…und die
wahrscheinlich identisch ist mit der weisen Sibylle.
Nachdem wir uns bei ihr bedankt haben, brechen wir zum Rückweg
über den gelben Felsen auf zweigen noch einmal vom Teck-Hauptweg
zum „Hexenbrünnele“ ab, den wir nach ca. 15 min. und 4 Treppen
erreichen. Die Quelle hinter dem Gitter geht ca.3m in den Hügel hinein
und liegt im Dunkeln, sowie die Geschichte, die zu ihrem Namen führte.
SchicksalsSpinnerinnen,
Zaunreiterinnen
Abschließend erreichen wir wieder auf dem Hauptweg die Burg Teck
in775m Höhe, auf der wir unser leibliches Wohl in der Gaststätte
stärken.
Ein schöner, reicher, erfüllter Tag in Schwesterlichkeit und in Mutter
Natur geht zu Ende. Danke Gabriele, danke an alle!
Brigitte
Literatur:
* Sage „Sibylle auf der Teck“ in: Sagenhafte Frauen, (Hg) Sigrid Früh 1997 S. 146-148
** In“ Der Kult der heiligen Verena“ von Kurt Derungs 2007,
76
Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Frau Holle: Göttin, Ahnin,
Naturwesen?
Wie begreifen wir hier und heute ihre Kraft?
Fäden zusammenführen und an gemeinsamen Erfahrungen spinnen zur
Herbst-Tag-und-Nachtgleiche am 17.9.2016 im Göttinnentempel in
Tübingen
Frau Holle ist uns aus dem Grimm'schen Märchen wohlbekannt. Inzwischen
hat es sich herumgesprochen, dass es die uralte, steinzeitliche Göttin selbst
ist, die unter dem Brunnen verborgen lebt und von oben ihre Gänsefedern
schüttelt. In zahlreichen weiteren Märchen und Sagen tritt die Göttin als
hilfreiche, oft auch irritierende Kraft auf.
Was, wer, wie ist nun diese Göttin Holle?
Ist dies alles ein und dieselbe Kraft? Wie nehmen wir die Kräfte der Frau
Holle heute wahr?
Im rituellen Raum wollen wir dieses mit Euch gemeinsam, im Beisein der
Göttin, erkunden und ergebnisoffen ergründen. Mit Bewegung und Lied,
Mythen und Austausch wollen wir im ersten Teil der Veranstaltung die
Göttin in unseren Kreis rufen und uns ihr gemeinsam nähern. Im zweiten
Teil werden wir als Priesterinnen der Göttin einen heiligen Raum öffnen, so
dass für jede/n eine persönliche Begegnung - wo gewünscht - mit den
Kräften der Göttin möglich wird.
Wir freuen uns, diese Reise mit Euch gemeinsam zu begehen!
Am 17.9.2016, 16:00-20:00, Göttinnentempel Tübingen
Spendenbeitrag: 15 Euro-35 Euro an Polythea e.V.
Anmeldung bis 15.9.2016 an [email protected]
Auf
dem
Weg
zur
Göttin
Holle
Begrenzte Plätze!
Vom 14.-18.9. findet in Tübingen der Umbrisch-Provenzalische Markt,
ein Genusshighlight statt!
Weitere Infos und Rückfragen gerne unter [email protected]
oder Cornelia Rothenburg: ++49-151-53916425
Wir, Cornelia Rothenburg und Mari Ann G. Brigg, sind Priesterinnen der
Göttin auf dem Weg zur Priesterin der Frau Holle. Es ist unser Anliegen, die
verschiedenen Aspekte der Göttin Holle mit den TeilnehmerInnen
gemeinsam, ergebnisoffen und erfahrungsbasiert zu erforschen. Das
Priesterinnen-Handwerk lern(t)en wir bei Dr. Miriam Wallraven, Priesterin
von Avalon nach Kathy Jones/Glastonbury.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Zukunftswerkstatt Matri-Arché
Große Jahrestagung
Museum am Löwentor, Rosensteinstraße 1, Stuttgart
Samstag, 12. November 2016
In der Zukunftswerkstatt „Matri-Arche“ präsentieren Referentinnen der
Akademie HAGIA Ergebnisse zur egalitären Gesellschaftsforschung. Von
der Ökonomie über die Sozialordnung und die Konsenspolitik bis hin zum
Weltbild werden die Strukturen von Gesellschaft neu gedacht. Welche
konkreten Möglichkeiten können sich daraus für unser Zusammenleben
ergeben?
9:00 Uhr Einlass
9:30 Uhr Begrüßung und Einführung, Evelin Lang,Sibylle Heimgartner,
Referentinnen für moderne Matriarchatsforschung
10:00 - 11:30 Uhr
Sozialstruktur in matriarchalen Clans: Liebe, Erotik und Beziehungen
Gabriele C. Kapp, Stuttgart, Heilpraktikerin
Referentin für moderne Matriarchatsforschung
11:45 - 13:15 Uhr
Matriarchale Ökonomie: Wie funktioniert die Wirtschaft des Schenkens am
Beispiel der mexikanischen Stadt Juchitan – ein Praxistest!
Ute Grempel, Berlin
B.A. Soziale Arbeit, Heilpraktikerin, Referentin für moderne
Matriarchatsforschung
Mittagspause
14:15 - 15:45 Uhr
Politik? Was alle angeht! Interaktive Konsensfindung, Ursula Häusler,
Feministische Aktivistin i. R., Kulturanthropologin, Mitbegründerin des
Instituts für egalitäre Gesellschaften und matriarchale Politik, Jg 1950
16:00 - 16:30 Uhr
Das MatriArchiv – eine internationale Bibliothek für
Matriarchatsforschung, Christina Schlatter , St. Gallen
Lic.phil., Leiterin Publikumsdienste der Kantonsbibliothek St. Gallen,
Referentin für moderne Matriarchatsforschung
16:45 Uhr - 18:15 Uhr
Stonehenge im Schwarzwald – matriarchale Spiritualität am Beispiel der
Landschaftsmythologie, Sabine Amann, Sozialpädagogin FH
Referentin für moderne Matriarchatsforschung
Frühbuchungsrabatt bis 15. September 39 €, Tageskasse 49 €.
Infos und Anmeldung unter www.gabriele-kapp.de
78
Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Fundstück
Aus dem Museum Mödling (Österreich)
Mutter
und
Kind
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
:
Barbie-Ideale gefahrden junge
Frauen
Wenn „Top Models“ als Vorbilder auf dem Laufsteg
voranschreiten
Die Fernsehsendung Germany's Next Top Model (GNTM) stand im Focus
einer Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) zum Einfluss auf den Krankheitsverlauf junger Mädchen und Frauen, die wegen einer Essstörung in ärztlicher Behandlung
sind.
Als wir jung waren, sagte meine Freundin Dagmar immer, wenn ich auf
meinen überdimensioniert eingebildeten kleinen Bauch zu sprechen kam:
„Ich habe so lange daran gearbeitet, groß und stark zu werden, da bin ich
stolz drauf“ und sie meinte ihren Bauch, der etwas kräftiger war als meiner.
Schon mit dem viel zitierten gesunden Menschenverstand wissen wir, dass
die massenhafte Medienpräsenz von Magermodels junge Mädchen und
Frauen unglücklich macht. Jetzt haben wir es endlich wissenschaftlich belegt, dass moderne Casting-Shows, allen voran GNTM, gesundheitsschädlich sind - besonders für junge Mädchen. Essstörungen wie Magersucht
werden verstärkt oder entwickeln sich mit dem Konsum derartiger Sendungen. Viele kleine Mädchen träumen davon, selbst einmal berühmt zu
werden, Model oder Popstar zu sein. Sie saugen Sendungen wie GNTM in
sich auf und vergleichen sich mit den Kandidatinnen.
Groß,
stark
und
stolz
darauf!
Was sagt die IZI-Studie?
Von den rund 230 befragten jungen Frauen der IZI- Studie haben drei
Viertel angegeben, dass Fernsehsendungen den Verlauf ihrer Krankheit
beeinflusst haben, allen voran wurde die Sendung GNTM benannt. Von
den Kandidatinnen der Sendung wird nicht nur erwartet, eine Barbieähnliche Figur zu haben: Körpergröße von über 1,72 m bei einer Kleider-
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
größe von höchstens 36. Ziel ist, dass sie ihre eigenen Wahrnehmungen
und Gefühle wie Angst, Scham und Ekel wegdrücken und sich den Anforderungen der Show bedingungslos unterordnen. Die Kombination von
Sexualisierung der eigenen Darstellung, also sexy' zu sein, in Verbindung
mit Lob, aber auch viel herber Kritik, führt zu einer Persönlichkeitsformung,
die krank machen kann.
Für die Zuschauerinnen, deren Maße im Allgemeinen nicht in diese Norm
passen, heißt das, sich immer unwohl zu fühlen in: dem eigenen, viel zu
dick erlebten Körper. Barbie-Ideale, die niemals erreicht werden können,
führen zu Gesundheitsstörungen besonders bei Mädchen. Bei jedem dritten Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren gibt es Hinweise auf Depressionen und Essstörungen.
Die Hälfte der Mädchen
mit Normalgewicht empfindet sich als zu dick,
wie eine ältere Studie des
Bundesgesundheitsamtes
von 2008 schon gezeigt
hat.
Pinkstinks, die Organisation gegen Sexismus und
für vielfältige Mädchenund Jungenbilder, hat
eine Petition gestartet, um die Sendung GNTM als jugendgefährdend
einzustufen: „Damit 2016 nicht noch mehr Kinder und Jugendliche durch
die Sendung zum Hungern animiert werden, weil Heidi Klum Erniedrigung
und Sich-Zurücknehmen als ,sexy' definiert." Anfang Juni hatte die
zuständige Landesmedienanstalt Berlin- Brandenburg zuge-sagt, GNITM
durch die Kommission für Jugendmedien prüfen zu lassen. Bei einem
positiven Ergebnis müsste die Casting-Show zu einem späteren
Sendetermin gezeigt werden, was den Kreis der Konsumentinnen immerhin
verringern würde. Weiterhin werden Stimmen gesammelt, um dem Anliegen mehr Druck zu verleihen.
Gestärkte
Mädchen
lassen
diese
Sendung
aussterben
Da zu allen Bewegungen irgendwann die Gegenbewegung kommt, freuen
wir uns auf die Zeit, da unsere Enkelinnen wie einst meine Freundin Dagmar stolz sind auf ihre Muskeln und ihren kräftigen Bauch. Dann fallen
Sendungen wie diese von allein wegen mangelnder Beteiligung aus.
Gundula Pause
Entnommen aus Mathilde (Heft 137), dem Frauenmagazin aus Darmstadt
www.mathilde-frauenzeitung.de, Infos zur Petition bei: pinkstinks.de
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Barbie und Bruder
Ein Künstler hat „normale“ Frauenmaße
auf eine Barbie-Puppe übertragen.
Hier das Ergebnis.
Die im Handel erhältliche Barbie wirkt
plötzlich völlig deplatziert und viel zu
dünn im Vergleich zur normalgewichtigen Barbie.
-----------------------Auf dem unteren Foto sind Bruder und
Schwester zu sehen, die in einem Workshop entwickelt wurden.
Inzwischen dienen sie als Mater-ialien für Workshops zum Thema
Re-Matriierung.
Im Gegensatz zu heterosexuellen Pärchen gelten Schwester und Bruder
in Matriarchaten als das heilige Paar. Sie vertreten die beiden Geschlechter: Frau und Mann.
Das
heilige
Paar
Zum Thema
Schwester und
Bruder bieten wir
von MatriaVal eine
Unterrichtseinheit
an, die bei uns
gebucht werden
kann.
Eure
Schwestern
von
MatriaVal
82
Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Innanna am Inn
Eine Vorstanda und eine Mitglieda des MatriaVal-Vereins haben sich in
Innsbruck persönlich davon überzeugt, dass das Innanna-Schild von
Ursula Beiler ordnungsgemäß an der Inn aufgestellt ist.
Doreen
Doristochter
und
Daniela
Parr
Drei
Flüsse:
Rosanna,
Trisana,
Innanna
Auf dem Schild am Pfosten steht geschrieben:
Innsbruck – Innannabruck
Innanna war der alte weibliche Name des Innflusses. Dies bezeugen auch
im Tiroler Oberland die beiden anderen Annaflüsse ROSANNA (Stanzertal
und TRISANA (Paznautal), welche bei Landeck mit der INNANNA aus
dem Engadin kommend zusammenfließen.
Als große Flussahnin oder Drachenschlange formte Innanna über Jahrtausende das Inntal. Über die Brücke konnte diese Wasserschlange
erstmals unbehindert überquert werden. Dies war wegweisend für die
Entwicklung Innsbrucks zur Landeshauptstadt.
Viele alte Flur- und Flussnamen in den Alpen und in Europa erINNern
uns durch ihren Namen an die ursprüngliche weibliche, lebensspendende
Energie des Wassers.
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF
Die Themen beim nächsten Mal
Gode + Gö
Göttin
•An
AnAn-kel - Enkel
Schickt
uns
Eure
Artikel ! *
Impressum
Medieninhaberin und Herausgeberin:
MatriaVal e.V., Im Klingenfeld 37, 60435 Frankfurt
[email protected]
Redaktion:
Uscha Madeisky, Dagmar Margotsdotter, Daniela Parr
Layout:
Daniela Parr
* Handschriftliche
Manuskripte
können wir
leider nicht
berücksichtigen
Erscheinungsart:
vier-jahreszeitlich
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Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF Mutterlandbriefe – Ausgabe 7 – Herbst 16JdF