SWR2 MANUSKRIPT
ESSAYS FEATURES KOMMENTARE VORTRÄGE
SWR2 Musikstunde
Reisen in die Antike: Römische Kaiser (4)
Von Rainer Damm
Sendung:
Redaktion:
Donnerstag 13. Oktober 2016
(Wiederholung von 2013)
9.05 – 10.00 Uhr
Ulla Zierau
Bitte beachten Sie:
Das Manuskript ist ausschließlich zum persönlichen, privaten Gebrauch bestimmt. Jede weitere
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„Musikstunde“ mit Rainer Damm
Reisen in die Antike: Römische Kaiser 4
SWR 2, 10. Oktober - 14. Oktober 2016, 9h05 – 10h00
Heute mit Rainer Damm
Unsere heutige Reise in die römische Antike führt uns in die Regierungszeit von
Kaiser Tiberius, eine so tragische wie furchtbare Gestalt, wenn wir den den
antiken Zeugnissen Glauben schenken wollen. Unter seiner Herrschaft erlebte das
Imperium Romanum eine der verheerendsten militärischen Niederlagen seiner
Geschichte. Mit der Konsequenz, dass Rom in den kommenden Jahrhunderten
nie mehr ernsthafte Expansionsbestrebungen in Richtung Germanien unternahm.
Sie ahnen, wovon ich spreche. Von der Varus-Schlacht, auch Schlacht im
Teutoburger Wald genannt oder Herrmannschlacht, die in der zweiten Hälfte des
Jahres 9 unserer Zeitrechnung stattfand.
Georg Friedrich Händel: Ouvertüre zur Oper Germanico
Ensemble Il Rossignolo / Ottaviano Tenerani
CD dhm 88697860452 Disc 1, track 1, 4’10
Das war die Ouverture zur Oper Germanico von Georg Friedrich Händel in einer
Aufnahme mit dem Ensemble Il Rossignolo unter der Leitung von Ottaviano
Tenerani.
Dieses Werk wurde erst 2007 bei Forschungsarbeiten in der Bibliothek des
Konservatoriums von Florenz entdeckt, und es dürfte, nach allem was wir bislang
wissen, in Händels italienischen Jahren zwischen 1706 und 1709 entstanden sein,
d.h. er schrieb es als Anfangszwanziger. Alle Indizien sprechen dafür, dass das
Werk für ein privates Fest hochgestellter Kreise bestimmt war, die dem
habsburgischen Haus Österreich nahestanden. Aber zurück zu Kaiser Tiberius, in
dessen Amtszeit die Handlung dieser Händel-Oper fällt, und seinem Feldherrn
Germanicus. Dem wird ein triumphaler Empfang bei der Rückkehr nach Rom
bereitet. Die Konsuln werden nicht müde, die Heldentaten des Siegreichen zu
preisen. Dem Jubel und den Huldigungen des Volkes schließen sich die
Dankesbezeugungen von Kaiser Tiberius an. Bei solcher Darstellung wird jeder
historisch halbwegs orientierte Zeitgenosse aus dem Staunen nicht mehr
herauskommen. Die vernichtende Niederlage, die der Cheruskerfürst Arminius
(von den Deutschen gerne als Herrmann eingedeutscht) auf rechtsrheinischem
Boden dem gegnerischen Feldherrn Varus zufügte, kostete rund zwanzigtausend
römischen Soldaten das Leben. Ebenso 5000 Reit-, Zug-, und Tragtieren, ein Tross,
der sich insgesamt über rund zwanzig Kilometer erstreckt haben muss. Davon
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blieb nach der Schlacht im heutigen Ostwestfalen auf römischer Seite so gut wie
nichts und niemand am Leben. Und dann diese hymnischen Lobpreisungen des
Kaisers wie des Volkes auf Germanicus. Man glaubt es nicht, wenn man es nicht
gehört hat.
Georg Friedrich Händel: Germanico, Ausschnitt
Sara Mingardo als Germanicus und Sergio Foresti als Kaiser Tiberius
Ensemble Il Rossignolo / Ottaviano Tenerani
dhm 88697860452 Disc 1, track track 5 – 9 6’00
Sara Mingardo als Germanicus und Sergio Foresti als Kaiser Tiberius in diesem
Ausschnitt aus dem 1. Akt von Georg Friedrich Händels Oper, oder auch
Serenata a sei, Germanico. Ottaviano Tenerani leitete das Ensemble Il
Rossignolo.
Wir haben es gerade gehört: Kaiser Tiberius und Feldherr Germanicus gratulieren
sich gegenseitig zu einem Sieg über die Germanen, den sie sich gegenseitig
einreden. Ich halte den Bericht des römischen Historikers Tacitus dagegen, der
beschreibt, in welchem Zustand Germanicus das Schlachtfeld im Teutoburger
Wald noch acht Jahre nach der Katastrophe vorfand. Mitten auf dem Felde
lagen bleichende Knochen, zerstreut oder in Haufen. Daneben zerbrochene
Waffen und Pferdegerippe, an Baumstämmen waren Schädel befestigt. In
Hainen in der Nähe standen die Altäre der Barbaren, an denen sie die Tribunen
ersten Ranges geschlachtet hatten. Soweit der Bericht des Tacitus. Nun wissen wir
alle, dass Opernhandlungen selten eins zu eins mit historischen Fakten in Einklang
zu bringen sind. Das ist ein Aspekt. Außerdem ist zu bedenken, dass die Römer
dieses Desaster nie wirklich verkraftet haben, das einen Großteil ihres gesamten
Heeres auslöschte. Und deshalb starteten die linksrheinischen römischen
Legionen in dem Jahrzehnt nach dem Desaster der Herrmannschlacht, unter der
Führung von Germanicus immer mal wieder Vorstöße ins Feindesland. Aber das
war nichts von Bedeutung. Geplänkel, Scharmützel, Nebenschauplatz. Zu einem
Vergeltungsschlag oder gar einem Rachefeldzug, der auch nur annähernd im
Verhältnis zu der erlittenen Niederlage gestanden hätte, kam es nie. Trotzdem
gewährte man dem Germanicus einen Triumphzug bei seiner Rückkehr nach
Rom. Um ihn spüren zu lassen, dass man seine Anstrengungen zur Kenntnis nahm,
auch wenn sie nicht wirklich erfolgreich waren. Erfolgreich nur insofern, als er die
Ehefrau des Cheruskerfürsten Arminius als Beutesklavin in seinem Römischen
Triumphzug des Jahres 17 mitführt.
Heinrich Ignaz Franz Biber: Beginn des 1. Aktes der Oper Arminio
Gotthold Schwarz als Arminius und Gerd Kenda als Kaiser Tiberius
Ensemble Salzburger Hofmusik / Wolfgang Brunner
CD cpo 999 258 2 Disc 1, track 1 bis 3’30
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Der Beginn des 1. Aktes der Oper Arminio oder Wer ausharrt siegt, aus der Feder
des böhmischen Komponisten Heinrich Ignaz Franz Biber. Mit Gotthold Schwarz
als Arminius und Gerd Kenda als Kaiser Tiberius. Wolfgang Brunner leitete das
Ensemble Salzburger Hofmusik.
In diesem Dramma musicale, wie Biber es nennt, um 1690 komponiert, tritt nicht
nur der amtierende Kaiser Tiberius und sein Feldherr Germanicus auf, sondern
auch Nero und Caligula, zwei besonders schlimme Finger, von denen später
noch die Rede sein wird. Die Ausgangssituation von Bibers Arminio ist
vergleichbar mit der von Händels Germanicus. Der Feldherr ist nach Rom
zurückgekehrt, wird von allen freudig empfangen. Unter den Beutesklaven
befindet sich, wie schon erwähnt, die Gattin von Arminius, die hier Segesta heißt,
und die von den Römern wegen ihrer stolzen, widerspenstigen Haltung, und
wegen ihrer frechen Reden gleich im Kerker landet. Arminius befindet sich auch
incognito unter den Sklaven, weil er seine Ehefrau befreien will. Außer Nero ist
auch noch Caligula, Sohn des Germanicus mit von der Partie.... und Caligula hat
sich ausgerechnet in die Gattin des Cheruskerfürsten verliebt. Naja, sagen wir’s
wie es ist. Er ist einfach scharf auf sie. Konflikte sind also reichlich vorprogrammiert:
Dramatik, Intrigen, Missverständnisse, Liebesschwüre und Rachedrohungen,
Verschwörungspläne alles, um die Gefühlsachterbahn so richtig auf Tempo zu
bringen. Trotz aller Konfusionen dann am Ende erwartungsgemäß das lieto fine,
das happy end, bei dem alle zueinander finden, die zueinander gehören oder
zueinander wollen. Umgangssprachlich: Friede, Freude, Eierkuchen für die drei
vereinten Liebespaare, die das Motto der Oper wohlklingend verkünden: Che chi
la dura, la vince alfine – am Ende siegt, wer ausharrt.
Heinrich Ignaz Franz Biber: Arminio, Finale
Barbara Schlick, Xenia Meijer, Irena Troupova, Bernhard Landauer, Gerd Kenda,
Hermann Oswald
Ensemble Salzburger Hofmusik / Wolfgang Brunner
CD cpo 999 258 2 Disc 3, track 16 ab 3’16 = 5’20
Barbara Schlick, Xenia Meijer, Irena Troupova, Bernhard Landauer, Gerd Kenda,
Hermann Oswald und die Salzburger Hofmusik unter Wolfgang Brunner im Finale
von Arminio oder wer ausharrt, siegt.....einem dramma musicale in drei Akten von
Heinrich Ignaz Franz Biber.
Des Germanicus oberster Dienstherr, Kaiser Tiberius aus dem Patriziergeschlecht
der Claudier bemühte sich zumindest zu Beginn seiner Regierung um ein gutes
Verhältnis zu Senat und Ritterschaft, folgte der Maxime seines Vorgängers
Augustus, die Grenzen des Reichs nicht weiter auszudehnen, zumal nach der
Erfahrung im Teutoburger Wald. Tiberius sah davon ab, seine Popularität durch
aufwendige Spiele zu erhöhen. Klingt alles ganz gut, aber dann verscherzte er
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sich‘s durch die sprunghaft steigende Zahl von Prozessen, deren Anklagepunkt
Majestätsbeleidigung lautete. Hier waren vor allem adelige Reiche im Visier, die
wegen nichtiger, absurder Anklagen nicht nur hingerichtet wurden, sondern
deren Vermögen durch die Verurteilung in Gänze dem Staat zufiel. Eine
ergiebige Einnahmequelle, die sein Nachfolger Caligula in Rekordzeit zu
verprassen verstand. Caligulas Auftritt in Bibers Oper entspricht genau dem Bild,
das die Nachwelt von ihm bis heute hat: In der folgenden Szene versucht er
Arminios Gattin abwechselnd mit Liebesbeteuerungen und Drohungen gefügig
zu machen. Holt sich aber nur eine zornige Abfuhr.
Heinrich Ignaz Franz Biber: Arminio, Ausschnitt
Bernard Landauer als Caligula und Xenia Meijer als Arminios Gattin Segesta
Ensemble Salzburger Hofmusik / Wolfgang Brunner
CD cpo 999 258 2 Disc 3, track 1, 5’00
Bernard Landauer als Caligula und Xenia Meijer als Arminios Gattin Segesta in
diesem Ausschnitt aus Heinrich Franz Ignaz Bibers Oper Arminio. Wolfgang
Brunner leitete die Salzburger Hofmusik.
Caligula galt der Nachwelt als Inbegriff des von Gustav Freytag geprägten
Begriffs Cäsarenwahnsinn. Geschichtsschreiber Tacitus formuliert es in seiner
Caligula – Biographie so, dass seine frühen Jahre für römische Verhältnisse relativ
normal verlaufen seien, dann aber, vom Zeitpunkt der Ernennung zum Kaiser an:
Aber jetzt muss ich von ihm, dem Ungeheuer berichten. Das erste, was Caligula
einfiel, war die Erhöhung des Prinzipats zu einem orientalischen Kaisertum. Er
verlangte den Fußfall und die Verehrung als leibhaftiger Gott. Stundenlang
konnte er zwischen den Statuen des Castor und Pollux wandeln, um sich von
andächtigen Besuchern anbeten zu lassen. Wenn er den kapitolinischen Tempel
besuchte, soll er laute Gespräche mit Jupiter wie mit einem guten Bekannten
geführt haben, er scherzte, lachte, zankte mit ihm, hielt auch mal die Hand ans
Ohr, um vermeintlich besser zu verstehen. Er wollte nicht hinter dem ägyptischen
Gottkönigtum zurückstehen. Darum vermählte er sich, wie die Pharaonen, mit
seiner Schwester Drusilla, und erhob sie zur lebenden Göttin. Als sie starb,
verordnete er einen Staatstrauertag, an dem Lachen mit dem Tode geahnt
werden sollte. Die Bevölkerung hatte eh schon lange nichts mehr zu lachen.
Niemand war sich seines Lebens mehr sicher aufgrund Caligulas launenhafter,
diktatorischer Willkür. Erkennungszeichen: Mordlust und Grausamkeit. Tausende
fielen ihr zum Opfer. Die antiken Quellen beschreiben ihn in seltener Einhelligkeit
als wahnsinnigen Gewaltherrscher, was ihn natürlich gleichzeitig zum beliebten
Gegenstand belletristischer Abhandlungen machte. Nach vierjähriger
Terrorherrschaft setzte die Prätorianergarde dem Leben des 29jährigen Tyrannen
ein Ende. Sein Nachfolger Claudius ließ sämtliche Regierungsmaßnahmen seines
Vorgängers für ungültig erklären, Schriften über seine Regierung vernichten, seine
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Statuen zerstören und Münzen mit dem Bild des Caligula aus dem Verkehr ziehen.
Das reichte schon sehr nah an die die Auslöschung seines Andenkens heran, die
damnatio memoriae, die der Senat über besonders unwürdige Persönlichkeiten
verhängte. Der 1960 geborene Komponist Detlev Glanert hat als Auftragswerk
der Opern Frankfurt und Köln eine beeindruckende Oper über Caligula
geschrieben, uraufgeführt an der Frankfurter Oper im Oktober 2006. Hieraus die
Szene Das Fest beginnt und Caligula tanzt.
Detlev Glanert: Caligula, Ausschnitt
Ashley Holland in der Titelrolle, Ensemble-Mitglieder, Chor der Oper Frankfurt und
das Frankfurter Opern- und Museumsorchester/ Leitung: Markus Stenz
CD Oehms OC 932 Disc 2, track 4, 5 bis 2’48 – 2’50, 7’50
Ein Ausschnitt aus dem 3. Akt von Detlev Glanerts Caligula – Oper. Sie hörten
Ashley Holland in der Titelrolle, Ensemble-Mitglieder, Chor der Oper Frankfurt und
das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter der Leitung von Markus
Stenz.
Themen- und Szenenwechsel: Die kurze Regierungszeit des Kaisers Titus in den
Jahren von 79 bis 81 war von drei großen Katastrophen überschattet. Nur wenige
Wochen nach seinem Regierungsantritt brach der Vesuv aus. Und begrub die
zuvor blühenden Städte Pompeji, Herculaneum und Stabia unter einer Schicht
von Asche und Lava. Titus befahl Hilfslieferungen im Geschwindmarsch, setzte
gezielte Unterstützungsmaßnahmen für den Wiederaufbau Kampaniens in Gang,
gewährte der Region für einen bestimmten Zeitraum Steuerfreiheit. Kaum war das
Notwendigste auf dieser Baustelle erledigt, wurde Rom von einer Seuche
unbekannten Ausmaßes heimgesucht. Im Jahr darauf verwüstete ein dreitägiges
Großfeuer die meisten Gebäude zwischen Pantheon, Marsfeld und Kapitol. Auch
hier glänzte Titus nicht durch sonntägliche Fensterreden, sondern tätige
Unterstützung. Laut dem römischen Geschichtsschreiber Cassius Dio soll er sogar
angeboten haben, zum Wiederaufbau der öffentlichen Gebäude und Tempel
den Schmuck des Kaiserpalastes zu verwenden. Vermutlich eine Geste, um den
Unterschied zu Neros verschwenderischer Hofhaltung zu demonstrieren. A propos
Nero: Schon Vespasian, der Vater von Titus, gab Teile von Neros Prunk – und
Protzpalastanlage der Öffentlichkeit zurück, indem er auf Neros einstigem Domus
aurea Gärten das Flavische Amphitheater errichtete, bekannter unter dem
Namen Kolosseum. Unter Titus wurde es mit 100tägigen Spielen eröffnet. Volles
Programm: Gladiatorenkämpfe, Tierhetzen, Seeschlachten. Trotz offensichtlicher
allgemeiner Zufriedenheit der Römer mit ihrem Kaiser erfahren wir einer
Verschwörung, der Titus aber mit Güte begegnet sein soll, was im Rom der
damaligen Zeit allerdings nur schwer vorstellbar erscheint.
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Christoph Willibald Gluck, La Clemenza di Tito, Arie der Vitella
Cecilia Bartoli, Sopran / Akademie für Alte Musik Berlin Bernhard Forck
CD Decca 467 248 2 track 7, 7’22
Ah, taci, barbaro eine wutentbrannte Vitellia in La Clemenza di Tito, in diesem
Fall aber nicht von Mozart, sondern von Christoph Willibald Gluck. Sicher haben
Sie Cecilia Bartoli erkannt. Die Akademie für Alte Musik Berlin Spielte unter der
Leitung von Bernhard Forck.
Pietro Metastasios vielgerühmtes Opernlibretto La clemenza di Tito wurde außer
von Mozart noch von mehr als 40 Komponisten vertont. Worum geht es im Kern?
Vitellia, die Tochter des entmachteten Soldatenkaisers Vitellius, liebt Tito,
beansprucht selbst den Thron und fühlt sich gedemütigt, dass er sie nicht zur
Mitherrscherin gemacht hat, sondern stattdessen die jüdische Prinzessin Berenice
heiraten will. Deshalb versucht sie, den ihr hörigen Sesto, ausgerechnet Titos
besten Freund, zur Verschwörung gegen den Kaiser anzustacheln. Mehrfach gibt
sie den Befehl zum Mord und zieht ihn wieder zurück. Inmitten aller bösartigen
Intrigen, Mordversuche, des inzwischen schon brennenden Kapitols beharrt Titus –
zumindest bei Metastasio - auf der Herrschertugend der Großmut von lateinisch
clementia = Milde. Am Ende pocht er nicht auf grausame Gerechtigkeit, wie das
Gesetz sie vorschreibt, er begnadigt vielmehr alle Verschwörer. Die Römer jubeln,
während Titus betet, die Götter mögen sein Leben beenden, sollte es ihm einmal
nicht mehr möglich sein, für das Wohl Roms zu sorgen. Die Oper schließt mit einer
allgemeinen Huldigung des Volkes auf den Kaiser und die Bitte an die Götter,
Roms Glück zu bewahren.
Wolfgang Amadeus Mozart: La Clemenza di Tito, Finale
Mark Padmore, Alexandrina Pendatchanska, Bernarda Fink, Sunhae Im und
Sergio Foresti
Rias –Kammerchor und das Freiburger Barockorchester / Leitung René Jacobs
CD HMC 901923-24 Disc 2, track 23, 3’25
Das war die Musikstunde mit Rainer Damm. Sie ging zu Ende mit dem Finale von
Mozarts La Clemenza di Tito in einer Aufnahme mit Mark Padmore, Alexandrina
Pendatchanska, Bernarda Fink, Sunhae Im und Sergio Foresti. René Jacobs leitete
den Rias –Kammerchor und das Freiburger Barockorchester.