(Neue) Medien, Internet und Social Media: Tummelplatz für

(Neue) Medien, Internet und Social Media:
Tummelplatz für Rechtsextremismus
Referenten:
Mag. Hans-Christian Gruber
Universität Salzburg, Zentrum für Flexibles Lernen
Mag. Erwin Feierl-
Giedenbacher
Arbeiterkammer
Oberösterreich
Ziele des Workshops:
•
Social Media kennen und nutzen
•
Definition und Strategien bei rechtsextremistischen Hasspostings
•
Risiken und Gefahren in (neuen) Medien und Social Media erkennen
•
Strategien und Wege, Hassposterinnen und Hasspostern … entgegenzutreten
Workshopdokumentation
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Historischer Abriss:
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es vermehrt zu rechtsextremen Meldungen (antisemitische Berichte und Filme usw.). Mit Beginn der Ersten Republik wurde dies nochmals durch die
Nutzung von Medien wie Rundfunk und Film verstärkt, bis hin zur NS-Zeit, in welcher massiv in die
Nutzung „moderner“ Medien investiert wurde. Ein vorläufiges Ende dieser Bewegungen wurde durch
das Ende des Zweiten Weltkrieges gesetzt, rechtsextreme Meldungen wurden kaum mehr verbreitet
– maximal „unter dem Ladentisch“.
Dennoch tauchten im Laufe der Zeit wieder vermehrt rechtsextreme Meldungen auf – die Verbreitung des Internets hat dies stark vereinfacht. Spätestens Ende der 90er-Jahre, mit der Entstehung des
Web 2.0 („Mitmach-Netz“), sind Hasspostings unterschiedlichster Art (rechtsextremistisch, islamistisch, linksradikal usw.) zu einem häufigen Phänomen geworden, wodurch eine rasante Verbreitung
an eine Vielzahl an Userinnen und Usern möglich ist.
Die „Neuen“ Medien:
Das Web 2.0 umfasst nicht nur die bekannten sozialen Netzwerke, sondern unter anderem auch Audio- und Videoplattformen. Nicht mehr wegzudenken ist in der Hinsicht die Videoplattform YouTube.
Gerade hier sind aber auch viele extremistische Beiträge – oft mit „unscheinbaren“ Titeln – zu finden.
Verstärkt wird die Bekanntheit solcher Videos durch die steigende Anzahl der Zuseher. Mit jedem
Klick steigen Videos im Ranking auf und gewinnen dadurch an Popularität.
Sehr gerne werden auch Wissenstauschsysteme wie Wikipedia genutzt. Hier ist darauf zu achten,
dass es sich um eine „freie“ Wissensplattform handelt. Zu hinterfragen ist einerseits die Richtigkeit
der Beiträge und Artikel, andererseits aber auch die Art und Form der Darstellung. Neben Wikipedia
hat sich auch die optisch sehr ähnliche Plattform namens „Metapedia“ entwickelt, bei welcher allerdings zu beachten ist, dass die Verfasserinnen und Verfasser großteils aus der rechtsextremen Richtung kommen und die Artikel auch dementsprechend formuliert (und selektiert) sind.
Fazit – die Nutzung der neuen Medien muss bewusst und kritisch erfolgen. Die Fülle an vorhandenen
Informationen macht es nicht einfacher. Im Web 2.0 kann jede und jeder die eigene persönliche
Meinung binnen kürzester Zeit verbreiten. Durch viele „kurze“ Informationsbrocken, die immer weiter geteilt werden, kann es gerade in den sozialen Medien verstärkt „in die falsche“ Richtung gehen.
Workshopdokumentation
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Warum entwickeln sich so leicht Hasspostings – oft auch, wenn diese anfangs nicht beabsichtigt
waren – und was macht ein Entgegensteuern zu schwer?
Am Beispiels eines Fotos, welches ein lachendes Flüchtlingsmädchen darstellt, das sich an einem heißen Sommertag im
Wasser erfrischt, zeigt sich, wie schnell ein positiv gemeintes
Pressefoto für Hasspostings genützt werden kann. Bedenklich ist zudem, dass sich erst durch die negativen Postings
(„Flammenwerfer statt Wasserwerfer“) der Bekanntheitsgrad
dieses Bildes massiv erhöht hat.
Pressefoto des Jahres 2015, Quelle:
http://wien.orf.at/news/stories/2781422/
Problematisch ist oft, dass sich viele in ihrer persönlichen Meinung verstärkt fühlen (Opferrolle –
„Das wird man wohl noch sagen dürfen!“) oder es moralisch schwer ist, sich von bestimmten (negativ
postenden) Personen zu „entfreunden“ und sich dadurch möglicherweise selber aus einem Kommunikationskreis auszuschließen. Auch die Frage, wie und zu welchem Zeitpunkt Kinder und Jugendliche
an die Nutzung der neuen Medien am besten herangeführt werden sollen, kann nicht mit einem Patentrezept beantwortet werden, zumal auch Eltern und Lehrpersonen gefordert sind, die richtige
Nutzung von (gerade bei Jugendlichen aktuellen) Medien zu beherrschen und immer up-to-date sein
müssen.
Im Rahmen des Workshops wurde auch in Kleingruppen diskutiert, wo sich gehäuft rechtsextremistische Darstellungen finden. Genannt wurden u. a. folgende Gedanken:
•
Rechtsradikales Gedankengut ist mittlerweile eine Alltagserfahrung und stellt keine Ausnahme
mehr dar.
•
Oft kommen extremistische Aussagen oder Postings von Menschen, die sich benachteiligt fühlen.
Es zeigt sich auch, dass sich hier viele „Unentschlossene“ leicht beeinflussen lassen und zu Mitlaufenden werden – sich aber bei aktivem Eingreifen wieder „ins Positive drehen lassen“.
•
Es zeigt sich ein Wechselspiel zwischen Politik und Medien. Anfänglicher Optimismus, beispielsweise in der Flüchtlingsthematik, der sich dann dreht, wirkt sich auch massiv auf die mediale Berichterstattung und die Reaktionen in sozialen Medien aus.
•
Rechtsradikales Gedankengut war möglicherweise immer „unterschwellig“ vorhanden, wurde
aber kaum ausgesprochen. Gerade durch die sozialen Medien hat sich die Kommunikation stark
verändert – plötzlich sind viele auch bereit, unter ihrem Namen (also nicht anonym) zu posten, zu
teilen und zu liken. Sprachliche Barrieren wurden teilweise „aufgebrochen“.
Workshopdokumentation
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•
Es kommt vermehrt zu einer Hinwendung vom Rechtsextremen zum Rechtspopulistischen.
•
Im Journalismus wird die „Gatekeeperfunktion“ (Informationsfilterung und -reduktion) oft nicht
mehr wahrgenommen, nicht zuletzt, weil sich „stimmungsmachende“ (oder angstmachende?)
Berichterstattung besser verkauft.
•
Rassismus erhält mehr „fruchtbaren Boden“. Die Menschen äußern sich einerseits offener und
häufiger darüber – allerdings in einem Spannungsfeld, in welchem es dementsprechend oft zu
aktiven Gegenmeinungen kommt.
•
Viele Menschen sind Mitläufer, was jedoch demokratiepolitisch gefährlich werden kann. Am Beispiel der Flüchtlingswelle in der vergangenen Zeit wird ersichtlich, dass sich negative Formulierungen („Flüchtlingskrise“) zunehmend durchsetzen und die positive Stimmung (beispielsweise
gelungene Hilfseinsätze) überschattet wird.
Was kann bzw. soll in der Arbeit mit Jugendlichen beachtet werden:
•
Die (neuen) Medien sind vergleichbar mit Locations. Jugendliche befinden sich großteils in anderen virtuellen Räumen als die Erwachsenengeneration.
•
Die Message zählt, nicht das Medium! Auch scheinbar harmlose Bilder bzw. seriöse Quellen werden teilweise über unterschiedlichste (virtuelle) Wege verwendet, um mit extremistischen Postings ergänzt zu werden.
•
Egal, welches soziale Netzwerk – durch aussagekräftige Bilder und ansprechende Formulierungen
wird beabsichtigt, dass es durch viele Klicks und „Likes“ zu einer schnellstmöglichen Verbreitung
kommt.
•
Pädagoginnen und Pädagogen sollten durch ihre Nähe zu den Jugendlichen eine Art „Gatekeeperfunktion“ wahrnehmen, Informationen also filtern und bei extremistischem Gedankengut
entsprechende Gegenstrategien finden.
•
Ziel soll es sein, von einem polarisierten zu einem demokratischen Diskurs zu kommen. Hierzu
gehört es, selber klar Positionen zu beziehen, wertschätzend miteinander umzugehen, auch Meinungen anderer zu akzeptieren und Grenzen zu bewahren (keine Beleidigungen und Bedrohungen).
→ Weitere Ausführungen und Informationen befinden sich in der von den Referenten zur Verfügung
gestellten Präsentation.
Workshopdokumentation
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