Aktuelle Ausgabe: September / Oktober 2016 mehr Infos

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Editorial
Integration und Inklusion – nur zwei Schlagworte? Viel diskutiert und wenig erreicht? Meinen wir es wirklich
ernst mit der Realisierung dieser wichtigen gesellschaftlichen Ziele? Im niederbayerischen Schwarzach jedenfalls sind sie gelebte Wirklichkeit – und das seit 25 Jahren. Menschen mit geistiger Behinderung leben und
arbeiten in der sozialtherapeutischen Siedlung Bühel, gemäß ihren Neigungen und Fähigkeiten. Ganz allmählich und insbesondere durch viele gemeinsame kulturelle Veranstaltungen bauten die Dörfler von Schwarzach und die Siedler von Bühel menschliche Brücken, die sie zueinander führten. Und heute gehören die
Siedler von Bühel ganz selbstverständlich mit zur Dorfgemeinschaft. Ein Beispiel gelungener Integration, auf
das wir stolz sein können!
N
eben den Begegnungen mit aktiven, lebensbejahenden Menschen, hält diese Ausgabe von Schöner
Bayerischer Wald auch Begegnungen mit farbenfroher Herbstnatur für Sie bereit. Draußensein, durchatmen
und genießen: den Reigen bunter Blätter, die Musik des Windes, den vielstimmigen Chor der Vögel, den
Anblick filigraner Spinnweben im Morgentau, den Geruch nach Erde und Pilzen, nach Baumharz und vermoderndem Holz, dazu das Rauschen sprudelnder Bergbäche an klaren Altweibersommertagen mit stahlblauem Himmel – all das und noch viel mehr macht den Herbst im Bayerischen Wald zur liebens- und lebenswerten Jahreszeit!
W
enn Sie also ein Gipfelstürmer und „dem Himmel ganz nah“ sein wollen, dann steigen Sie mit Sven
Bauer auf den Arber, den Falkenstein und den Rachel. Unter den mächtigen Gipfelkreuzen der höchsten
Bayerwaldberge ist der klare, weiß-blaue Panoramablick bis hin zur Alpenkette bestimmt ein ganz besonderer Genuss. Und wenn Sie es gemütlicher mögen, dann begleiten Sie Jens Schörnich ins Dreiländereck zwischen Bayern, Tschechien und Österreich. Dort sind die Bergrücken lieblicher, die Täler breiter und die Wiesen grüner – „eine traumhaft schöne Landschaft, die der Seele guttut und darauf wartet erwandert zu werden.“ Von den rund 40 markierten Wanderwegen hat Schöner Bayerischer Wald die „Top-Empfehlungen“ für
Sie getestet. Unser Autor ist überzeugt, dass Sie im Wegscheider Land „im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlosen Urlaub genießen können“.
Mit Hilfe der aktualisierten Ausgabe des Buches von Walter Pause Wandern im Bayerischen Wald wird es
vielleicht auch Ihnen gelingen, verborgene Winkel zu entdecken und noch unbekannte Naturschätze zu heben. Worauf also warten Sie noch?
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INHALT
KULTUR · FREIZEIT · UNTERHALTUNG
Land und Leute
6
Jens Schörnich:
Das Städtchen Vimperk hat Flair
10
Roland Pongratz und Heinrich Zens:
Reminiszenzen eines Bierjubiläums
14
Regina Kremsreiter:
Sozialtherapeutische Siedlung Bühel
18
Sven Bauer:
Gipfelkreuze der Bayerwaldberge
Kunst und Handwerk
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Ines Kohl:
Fotografischer Reichtum in Schwarz-Weiß
26
Heinrich Zens:
Kunstschmied auf neuen Wegen
Kultur und Brauchtum
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Karl-Heinz Paulus:
Postkartenmotiv Buchberger Leite
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Roland Schreder:
Geschichte der Zwieseler Bergkirche
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Herbstlicher Blick vom Kleinen Riedelstein in das Zellertal zwischen
Bodenmais und Bad Kötzting.
(Foto: S. Bauer)
www.schöner-bayerischer-wald.de
Natur und Landschaft
Dr. Siegfried Klaus:
Steinrücken als Lebensadern
34
Jens Schörnich:
Erholsame Tage im Wegscheider Land
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Dr. Peter Dillinger:
Dem Gallner aufs Haupt steigen
44
Leben und Leben Lassen
Marcel Zens:
Einkauf im Dorfladerl
46
Helga Rohmann:
Unser Leibspeis: Perlhuhn in Rotweinsauce
48
Ines Kohl:
Nur Natur kommt in die Tüte
50
Dr. Isabelle Auer:
Wandern auf den Spuren Walter Pauses
52
Aktuelles
Bücherecke
54
Schöner Bayerischer Wald aktuell:
Ateliers in Niederbayern
55
Leser werben Leser:
Einkehr im Berggasthof Mooshütte
61
Vorschau
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Land und Leute
Dem Himmel ganz nah
Unter den Gipfelkreuzen der Bayerwaldberge
Von Sven Bauer
Schritt für Schritt geht es höher hinauf.
Die Beine werden immer schwerer. Oftmals stellt sich bei einer Wanderung auf
einen Berg die bange Frage: Wie weit ist
es noch? Ist es nicht bald geschafft?
Spätestens wenn das Gipfelkreuz im
Blickfeld auftaucht, ist die Antwort auf
die Frage gefunden und die letzten Meter lassen sich beflügelt in Angriff nehmen. Das Kreuz steht für Ankommen, für
das Gefühl, ein Ziel – den Gipfel – erreicht zu haben. Die meisten Berghäupter des Bayerischen Waldes sind mit einem Kreuz gekrönt. Es gibt sie in den
verschiedensten Varianten. Mal sind sie
aus Holz, mal aus Metall. Mal sind sie
unscheinbar, mal sind sie von beeindruckenden Dimensionen.
ein christliches Zeichen, ein religiöses
Symbol, das wie kein anderes die Verbindung von Gott und den Menschen
ausdrückt.
„Auf dem Berg ist man Gott und dem
Himmel am nächsten.“ Das mag wie
eine Floskel klingen, aber ist es nicht
wirklich so? Steht man auf einem Berggipfel und blickt von oben auf die Landschaft, auf die Wiesen und Wälder, die
Täler, die Hügel und Berge, kommt da
nicht ein Gefühl der Dankbarkeit auf für
die Schönheit der Natur und des Respekts vor dem Wunder der Schöpfung?
Wo würde ein Kreuz also besser hin passen als auf einen Berggipfel?
Ein christliches Zeichen
Selbst für den, der nicht sonderlich religiös ist, hat ein Gipfelkreuz etwas Erhabenes an sich, ein Zeichen für etwas
Höheres. Wie der sprichwörtliche Fels in
der Brandung trotzt das Symbol des
christlichen Glaubens allen Unbillen,
stellt sich den Elementen entgegen und
geht am Ende unbeschadet aus allen
Stürmen hervor.
Das Kreuz auf einem Berg ist das Symbol für den höchsten Punkt. Für viele
Bergwanderer bilden Gipfel und Kreuz
eine Einheit. Hier ist man ganz oben angekommen. Doch ist das Kreuz natürlich
nicht nur eine Markierung für einen geographischen Punkt. In erster Linie ist es
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Wie ein Fels in der Brandung
Auf dem Lusen
Ein ganz besonderes Gipfelkreuz findet
der Wanderer auf dem 1.373 Meter hohen Lusen. Inmitten der Felsblöcke
steht ein stattliches Kreuz, versehen mit
einer 1,25 Meter hohen Christusfigur
aus Bronze. Der Gekreuzigte richtet seinen Blick nach Osten. Gerade wenn die
aufgehende Sonne ihre ersten Strahlen
auf das Kruzifix wirft und den Christus
förmlich zum Strahlen bringt, ist das
wahrlich ergreifend.
Bereits seit 1947 steht ein Kreuz auf dem
Lusen. Die Katholische Jugend aus St.
Oswald hatte es damals errichtet – noch
ohne Christusfigur. Auf Initiative der
Sektion Grafenau des Bayerischen
Wald-Vereins erhielt das Kreuz im Jahr
2008 den bronzenen Herrgott. Der damalige Bischof Wilhelm Schraml kam
persönlich auf den Berg, um in einem
Gottesdienst unterm Gipfelkreuz das
Lusen-Kruzifix zu segnen. „Das christliche Leben steht im Zeichen der Weggemeinschaft mit dem heiligen Kreuz. Es
gibt keinen anderen Schlüssel zum Vater im Himmel als über das Kreuz unse-
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Vom Gipfelkreuz auf dem Kleinen Rachel bietet sich eine wunderbare Sicht auf Zwieseler Winkel und die Trinkwassertalsperre Frauenau.
res Herrn“, sagte der Bischof in seiner
Predigt. Es sei Sinnbild für die Auferstehung des Herrn. Deshalb war für Bischof
Schraml die Ausrichtung der Christusfigur nach Osten eine „gute Entscheidung“.
Auf dem Arber
Selbstverständlich steht auch auf dem
„König des Bayerwaldes“, dem Großen
Arber, ein Gipfelkreuz. Schon im Jahr
1855 erwähnt der Geograph und Naturforscher Ferdinand Hochstetter in einem
Bericht ein Kreuz auf dem höchsten
Punkt des Arberplateaus. Mitte des 19.
Jahrhunderts mag es auf dem Arbergipfel noch sehr ursprünglich ausgesehen
haben und beschaulich zugegangen
sein. Zwar beschreibt Hochstetter, dass
am „Bartholomäi-Fest“ der Arber-Gipfel
zum Tanzboden wird. „Aus Bayern und
Böhmen strömen Burschen und Madeln
zum Tanz auf den Arber“, heißt es. Eine
Oase der Ruhe war der Gipfel in der Regel trotzdem. Heute rührt sich einiges
unter dem Gipfelkreuz. Hunderte, wenn
nicht Tausende kommen an schönen Tagen dorthin. Ein Besuch auf dem höchsten Berg des Bayerischen Waldes gehört schließlich zum Pflichtprogramm
jedes Touristen. Ein Foto mit dem Gipfelkreuz ist obligatorisch. Ruhe kehrt
erst wieder ein, wenn die letzte Gondel
die Besucher ins Tal gebracht hat. Dann
lässt sich die wunderbare Aussicht in
stiller Freude genießen. Harrt man lange genug aus und kommt noch ein stimmungsvoller Sonnenuntergang hinzu,
wird das Gipfelglück am Kreuz perfekt.
Auf dem Falkenstein
Ein ziemlich modern anmutendes Kreuz
trägt der Große Falkenstein auf seinem
Haupt: ein Kreuz aus Metall mit einer
gläsernen Kugel im Innern. 1983 wurde
das von Hans Kraus aus Zwiesel/Fürstenzell gestiftete Kreuz eingeweiht. Er
und sein Bruder Ludwig hatten es zuvor
auf ihren Schultern auf den Berg getragen. Das Kreuz erhebt sich auf einem
Sockel aus Feldsteinen gegen den Himmel. Gut möglich, dass dies noch das
„gemauerte Postament“ ist, auf dem
das erste Gipfelkreuz errichtet wurde.
Wann genau dies geschah, ist nicht
überliefert, doch wird in einem Reiseführer aus dem Jahr 1880 ein „eisernes
Cruzifix“ erwähnt.
Auf dem Kiesruck
Eine ähnlich moderne, doch weit weniger besuchte Kreuz-Kreation findet sich
auf dem Kiesruck, der mehr einer unscheinbaren Felskuppe als einem markanten Felsgipfel gleicht und sich zwischen Falkenstein und Rachel erhebt.
Nur Eingeweihte finden hier herauf, und
das auch nur zu den Zeiten, in denen die
Nationalparkverwaltung das Wandern
auf unmarkierten Steigen erlaubt. Das
kleine, aus Edelstahl gefertigte Kreuz
fällt kaum auf, ist aber trotzdem ganz
speziell, denn es trägt eine Glas-Monstranz in seiner Mitte.
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Land und Leute
Auf den Rauchröhren
Einigen wenigen bleibt auch das Kreuz
auf den Rauchröhren des zwischen Bodenmais und Bad Kötzting gelegenen
Kaitersberg-Massivs vorbehalten. Die
Felstürme gehören zu den beliebtesten
Klettergebieten des Bayerischen Waldes mit vielen verschiedenen Routen.
Deshalb können hier nur geübte Kraxler eine Rast unter dem Gipfelkreuz einlegen. Der Wanderer aber hat ganz in der
Nähe einen herrlichen Blick auf
das Kreuz mit dem Zellertal im Hintergrund.
Auf den Rachelgipfeln
Neben dem Arber und dem Lusen spielt
natürlich der Rachel mit im Konzert der
großen Bayerwaldberge. Und so ziert
den Gipfel des bei Wanderern äußerst
beliebten Großen Rachel ein stattliches
Gipfelkreuz. Am 28. August 1905 wurde
dort das erste Kreuz errichtet. Es sollte
ein Zeichen dafür sein, wie herrlich Gott
die Welt erschaffen habe, ein Symbol für
den Frieden zwischen den Nationen und
Konfessionen. So überliefert es die
Spiegelauer Wald-Vereins-Sektion, die
sich der Pflege des Kreuzes angenommen hat. Im Gegensatz zum Lusen-
Kreuz ist das Kreuz auf dem Rachel nicht
nach Osten ausgerichtet. Der Herrgott
blickt hier nach Südwesten.
Weit weniger bestiegen als der mit 1.453
Metern zweihöchste Bayerwald-Berg
ist sein kleiner Bruder, der Kleine Rachel. Er gewährt die wohl schönste Aussicht auf den Zwieseler Winkel und die
Trinkwassertalsperre Frauenau.
Die Felsen bieten nur wenig
Platz. Deshalb ist auch das
Gipfelkreuz etwas kleiner
ausgefallen. Es ist aus Metall und mit
einem Strahlenkranz versehen. Eine ergreifende Stimmung kommt auf, wenn
kurz vor Sonnenuntergang das Tal bereits im Schatten liegt und die letzten
Sonnenstrahlen ihr Licht auf das Kruzifix werfen. Allzu viel Zeit für besinnliche
Gedanken bleibt dann allerdings nicht
mehr, denn es heißt nun rasch den Weg
ins Tal anzutreten, bevor die Dunkelheit
vollends hereinbricht. Erst der neue Tag
vertreibt die Finsternis und lässt die
Gipfelkreuze des Bayerischen Waldes
wieder erstrahlen.
Weiterführende Literaturtipps finden
Sie auf unserer Homepage unter
www.schöner-bayerischer-wald.de
Bilder S. 20:
Im Zentrum des Gipfelkreuzes auf dem Großen Falkenstein ist eine Kugel aus Glas angebracht.
Das Gipfelkreuz auf den Rauchröhren steht
auf einem mächtigen Felsturm und ist den
Kletterern vorbehalten.
Bild S. 21:
Abends kehrt Ruhe auf dem Großen Arber
ein. Nur wenige Naturliebhaber verirren
sich zu dieser Zeit noch auf den Gipfel, um
unter dem Kreuz den Sonnenuntergang zu
genießen.
(Fotos: S. Bauer)
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Natur und Landschaft
Das Wegscheider Land im milden Licht der Abendsonne
(Fotos: Tourist-Informationen Wegscheider Land)
Erholsame Tage im Wegscheider Land
Drei Gemeinden am Dreiländereck vermarkten eine Region
Von Jens Schörnich
Vielen Naturliebhabern und Wanderfreunden ist der Bayerische Wald als einzigartige Natur- und Kulturlandschaft
ein Begriff. Jahr für Jahr zieht es in- und
ausländische Gäste in den „Woid", wie
ihn die Einheimischen nennen. Sie sind
fasziniert von der Wildnis des Nationalparks Bayerischer Wald, erwandern die
markante Berge der Region, den Großen
Arber, Osser, Falkenstein, Rachel, Lusen
oder Dreisessel. Meist konzentriert sich
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das Interesse der Urlauber und Tagesgäste aber auf diese, im Fokus der Medien
stehenden, somit stark beworbenen Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele.
Weniger bekannt ist der südliche Teil des
6.000 Quadratkilometer großen Bayerischen Walds. Hier breitet sich im nördlichen Landkreis Passau, hoch über der
Donau, im Dreiländereck von Bayern,
Tschechien und Österreich das Wegscheider Land aus. Die Landschaft ist
nicht so spektakulär wie das Grenzgebirge. Aber auch von ihren Höhen bieten
sich dem Betrachter traumhafte Aussichten bis weit ins bayerisch-böhmische Waldgebirge hinein. „Wir haben alles was man für einen erholsamen Urlaub braucht“, ist Sieglinde Stockinger
vom Tourismusbüro Wegscheid überzeugt. Unter dem Motto Eine Urlaubsregion, drei Kulturen erleben, wirbt die Gemeinde im Verbund mit den Nachbarge-
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Natur und Landschaft
meinden Breitenberg und Sonnen um
Gäste aus Nah und Fern.
Erlebnisreiche Wanderungen
Der Markt Wegscheid ist die größte,
Breitenberg die jüngste, Sonnen die
höchstgelegene Gemeinde des Trios. Ihren Gästen bieten sie eine traumhaft
schöne Landschaft, die der Seele gut tut
und darauf wartet, erwandert zu werden. Sanft wogende Waldberge, dazwischen grüne Täler mit rauschenden Bächen. „Wir haben eine unendliche Vielfalt an lohnenden Ausflugzielen und
Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung“, schwärmt Frau Stockinger, „da
wird so manchem der Urlaub sicher zu
kurz“. In Anbetracht der zahlreichen, gut
markierten und gepflegten Wanderwege und Routen für gemütliche Radfah-
rer, ambitionierte Rennradler und sportliche Mountainbiker, kann man das nur
bestätigen. Daher muss auch ich mich
auf einige „Top-Empfehlungen“ beschränken. Kostenlose Wander- und
Radkarten mit detaillierten Streckenführungen und Beschilderungen aller
Wege und Routen gibt es in den Tourismusämtern oder auf der jeweiligen Homepage der drei Gemeinden.
Meine erste Wanderung führt auf den
930 Meter hohen Friedrichsberg bei
Thalberg. Zum Auftakt des Urlaubs ein
„Muss“ für jeden Besucher. Die Anstrengung lohnt sich. Auf der höchsten Erhebung im Landkreis Passau liegt einem
das Wegscheider Land buchstäblich zu
Füßen. Vom frisch renovierten Aussichtsturm schweift mein Blick über die Bayerwaldberge, den Böhmerwald und ins
Mühlviertel. Bei Fön sind die Alpen zum
Greifen nahe. Beim Abstieg lädt die neuromanische Kirche Maria unbefleckte
Empfängnis in Thalberg zum Verweilen
ein. Eine Tagestour, gut 16 Kilometer
sind es auf dem Panoramaweg von Wegscheid zum Friedrichsberg. Von Breitenberg führt ein acht Kilometer langer Weg
auf ruhigen Nebenstraßen, entlang grüner Wiesen und durch schattige Wälder
zum Ziel.
Besonders ans Herz hat man mir in Wegscheid den Bärlochweg gelegt. Keine
Angst, Bären gibt es dort nicht. Davon
habe ich mich überzeugt. Der Name geht
auf eine alte Flurbezeichnung zurück.
Die beliebte, rund sechs Kilometer lange Wanderung führt am wild rauschenden Osterbach entlang, der die Grenze
zu Österreich bildet. Der Weg ist hervorragend ausgebaut, Knüppelstege führen zu rauschenden Wasserfällen und
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Natur und Landschaft
Schautafeln vermitteln in diesem Landschaftsschutzgebiet viel Wissenswertes. Auch wenn es zum Gipfel des Eidenberger-Lusen mit seinem Kletterfelsen
bergauf geht, ist diese Tour für Jung und
Alt gut geeignet. Zur Belohnung und Erfrischung mache ich einen Abstecher
zum unweit liegenden Rannasee. Der
größte Badesee des Bayerischen Waldes erfreut sich an sonnigen Tagen großer Beliebtheit. Die 120 Meter lange
Wasserrutsche, ein Abenteuerspielplatz, Bootverleih und der Beachvolleyplatz lassen keine Wünsche offen. Nach
der Abkühlung im angenehm warmen
See genieße ich mein Weißbier auf der
Sonnenterasse des Restaurants.
Zwischen Sonnen und Breitenberg liegt
das Nordische Zentrum Jägerbild. Durch
den Bau der Skirollerbahn ist die Nutzung des Langlauf-Areals über die Wintermonate hinaus sichergestellt. Auf der
Baptist-Kitzlinger-Schanze haben die
Skisprung-Olympiasieger Michael Uhrmann und Severin Freund ihre aktive
Laufbahn begonnen. Am Parkplatz von
Jägerbild beginnt ein kurioser Wanderweg. „Mit viel Schwung durch das Weg-
scheider Land“, heißt es am sechs Kilometer langen Schaukelweg. Mittels 18
Schaukel-Stationen geht es zwischen
Wiesen und Feldern auf und ab, hin und
her und rundherum. Besonders beliebt
ist diese Strecke bei Familien, weil die
Großen gerne schaukeln und das Jüngste noch im Kinderwagen liegt. Neben
der Wippe oder dem Schaukelelefanten
pausieren Mama und Papa dann auf einer Bank.
Faszination Handwerk
In Breitenberg baute man seit der Besiedlung Flachs an. Die Weberei war eine
wichtige Einnahmequelle. „Willst leben,
musst weben“, sagten die Altvorderen.
Der Weberweg, ein acht Kilometer langer, sonniger Rundweg erinnert an die
längst vergangene Zeit. Ausgangspunkt
ist die Ortsmitte. Auf dem Weg liegt die
Hammerschmiede Blössl aus dem Jahr
1768. Vor zehn Jahren wurde sie in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz
aufwendig saniert. Die Schmiede selbst,
aber auch ein kleiner Ausstellungsraum
im Dachgeschoss zeugen seither von ei-
Die vielfältigen Wanderangebote sind für Jung und Alt geeignet.
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nem faszinierenden Handwerk, das Jahrhunderte den Fortschritt verkörperte.
Über Feld- und Waldwege, vorbei an liebevoll restaurierten Wegkreuzen erreicht der Wanderer das Webereimuseum im Freizeitzentrum Gegenbach.
Drei Bauernhäuser geben Einblick in das
Leben, Wohnen und Arbeiten unserer
Vorfahren im Land vor dem Dreisessel.
Wenn man einen „Hobby-Astronomen“
zum Bürgermeister hat, wundert es
nicht, dass die Gemeinde Sonnen ihren
Gästen einen sieben Kilometer langen
Sonnensystem-Wanderweg anbietet.
Schöner Bayersicher Wald hat diese
außergewöhnliche Idee bereits ausführlich in Heft 3/2015 vorgestellt.
Einen ganzen Urlaubstag sollte man für
den Granit-Erlebniswanderweg zwischen Sonnen und Hauzenberg einplanen. Zudem erfordert die 20 Kilometer
lange Strecke gute Kondition und Ausdauer. Da kommt eine Pause auf halber
Strecke im Gasthof Sonnenalm, unterhalb von Oberfrauenwald mit herrlichem
Blick hinab auf Hauzenberg und die Alpenkette, zur rechten Zeit. Schon bald
nach dem Start am Rathaus durchque-
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ren wir die „Wilde Aue“, das letzte Hochmoor im südlichen Bayerischen Wald.
Wer mit offenen Augen durch unsere
Dörfer geht, dem wird Granit in vielen
Formen begegnen. Auf dem Erlebnisweg
komme ich an Steinbrüchen vorbei, wo
noch Granit abgebaut und gebrochen
wird. Bei einem Schaubetrieb erhält der
Wanderer Einblick in den Arbeitsalltag
der Steinhauer. In den aufgelassenen
Brüchen hat die Natur dagegen wieder
die Oberhand gewonnen. Die Biotope erfreuen den Naturliebhaber mit seltenen
Pflanzen und Amphibien.
Freizeit, Sport und Kultur
Rund 40 Wanderwege hat das Wegscheider Land für seine Gäste angelegt. Egal
ob sie Mühlen-, Panorama-, See-, Hufeisen-, Sperlbrunnweg oder Wilderersteig, Schanzenweg, Witikosteig, Goldsteig, Rundweg Thierham, Haselberg
oder Oberneureuth heißen: Alle sind
gut beschildert und sehr gepflegt. Sie
bieten dem Wanderer Erholung in einer
ruhigen Landschaft mit vielen schönen
Ausblicken.
Im Jahr 2014 wurde nach langer Planung
die Wegscheider Land-Radkarte realisiert. Neben dem 42 Kilometer langen
Leinenradweg werden den Radlern eine
44 Kilometer lange Mountainbike-Strecke
und die MTB-Hero-Tour angeboten. Zudem gibt es zahlreiche kürzere Routen
wie die Sonnige-, Fronauer-, Flugplatz-,
Meßnerschläger-, Kohlstatt-, Rannasee-,
die Ungarsteig- und Blutwurz-Runde.
Sie bieten den Radlern auf insgesamt
109 Kilometern sportliche Erlebnisse.
Nach gesunder Bewegung freuen sich
die Sportler auf eine gemütliche Einkehr
in den zahlreichen Wirtshäusern und
Gaststätten der Gemeinden und entlang
der Wander- und Radrouten mit bodenständiger und internationaler Küche.
Wer nach einer anstrengenden Wanderung einen Ruhetag benötigt, sollte ihn
zu einem Besuch der regionalen Kulturschätze nutzen. Inmitten des Wegscheider Friedhofs steht Sankt Anna, eine sehenswerte, schmucke Barockkirche. Sie
wurde 1716 an Stelle einer Wallfahrtskapelle erbaut. Weit über die Grenzen
Niederbayerns hinaus kennt man das
farbenprächtige Heilige Grab, das wäh-
rend der Ostertage am Hochaltar der
Pfarrkirche St. Raymund in Breitenberg
aufgebaut ist. Und in Sonnen wird heute noch erzählt, wie das Baumaterial auf
Ochsenkarren aus den umliegenden
Steinbrüchen herangekarrt wurde, als
im Jahr 1858 schließlich nach 30-jährigem Kampf der Bau einer Kirche genehmigt wurde. Es ist ein schlichter Granitbau mit einem mittigen Kirchturm, durch
den der Haupteingang in die Kirche
führt.
Mit dem Slogan Eine Urlaubsregion, drei
Kulturen erleben, werben Wegscheid,
Breitenberg und Sonnen um Gäste.
Denn das Wegscheider Land liegt ja nicht
nur im Herzen des Bayerischen Waldes.
Es befindet sich auch inmitten des Dreiländerecks zur Tschechischen Republik
und Österreich. Hier kann man im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlosen Urlaub genießen.
www.wegscheid.de
www.breitenberg.de
www.gemeinde-sonnen.de
Über das Leben, Wohnen und Arbeiten unserer Vorfahren informiert das Webereimuseum in Gegenbach.
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VORSCHAU
AUF DAS HEFT NOVEMBER/DEZEMBER 2016
Eine Zweimonatszeitschrift für
alle Freunde des Bayerischen Waldes
Impressum
Vom Minnesang
zum Festmenü
Urkundlich erwähnt wurde Schloss Egg im
Landkreis Bernried erstmals im Jahr 1103.
Heute lockt es mit Hotel und Gastronomie
Besucher an, die auch in der Umgebung
lohnende Ausflugsziele finden.
Herausgeber:
Verein der Nationalpark-Freunde e. V.
Bahnhofstraße 22,
94481 Grafenau
Redaktion
Anschrift:
Bahnhofstraße 22, 94481 Grafenau
Tel.: 08552/625060 (von 8.30 - 12.30 Uhr)
Fax: 08552/920529
e-mail: [email protected]
internet: www.schöner-bayerischer-wald.de
Redaktionsleitung:
Eva Pongratz
Redaktionsbüro:
Michaela Hoßfeld
Weihnachtsgruß
aus Lindenholz
Der Flügelaltar im Mühlviertler Kefermarkt
ist ein herausragendes Beispiel spätgotischer Holzschnitzkunst. Landeskonservator Adalbert Stifter erwirkte seinerzeit die
Restaurierung dieses Kunstwerks.
Ständige Autoren in der Redaktion:
Dr. Isabelle Auer, Sven Bauer, Dr. Peter Dillinger,
Ulrike Eberl-Walter, Susanne Ebner,
Prof. Dr. Reinhard Haller, Ellen Huber, Ines Kohl,
Karl-Heinz Paulus, Roland Pongratz, Helga Rohmann,
Willi Schindler, Jens Schörnich, Roland Schreder,
Hannelore Summer, Heinrich Zens, Marcel Zens
Graphische Gestaltung/Anzeigenmarketing:
Donau-Isar-Bayerwald-Presse-GmbH
Bahnhofstraße 28, 94469 Deggendorf
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94036 Passau
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Vögel richtig füttern
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Telefax 08552/625380,
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Vögel am Futterhaus sind für einen schönen Winter genauso wichtig, wie tanzende
Schneeflocken oder der leuchtende Christbaum. Lesen Sie, was Sie tun können, damit es den Vögeln am Futterhaus und im
Garten gut geht.
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unvergesslichen Bildern einer Landschaft
im Morgenlicht belohnt,
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