Balz, Simon und der Aufsichtsrat der Deutschen Bank

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zuletzt aktualisiert: 14. August 2016, 12:56 Uhr
Streit um neuen Kontrolleur der Deutschen Bank
Balz, Simon und der
Aufsichtsrat der Deutschen
Bank
Von Tim Bartz
Dem designierten neuen Deutsche-Bank-Aufsichtsrat, Stefan Simon, droht massiver
juristischer Ärger wegen seiner Rolle bei der Insolvenz des Energieversorgers Windreich.
Damit könnte das ohnehin bizarre Verfahren um Simons Bestellung vollends zur Posse zu
werden.
Die vergangenen Jahre waren für Willi Balz eine echte Katastrophe. 2013 hatte der Gründer und
Chef des Energie-Unternehmens Windreich Insolvenz anmelden müssen, nachdem die Schweizer
Privatbank J. Safra Sarasin einen Kredit an sein Unternehmen über 70 Millionen Euro fällig stellte.
Später musste Balz sogar die Privatinsolvenz folgen lassen.
Die Ereignisse beschäftigen ihn - was Wunder - bis heute. Inzwischen aber sind Balz und
Windreich und die Insolvenz sogar ein Thema für die Deutsche Bank. Das liegt an Stefan Simon.
Im Frühjahr 2013 engagierte Balz Simon von der Bonner Kanzlei Flick Gocke Schaumburg (FGS)
als Berater, um sein Unternehmen zu retten. Nach anfänglicher Harmonie zwischen dem
hemdsärmeligen Ingenieur und dem smarten Anwalt entwickelten sich die Dinge freilich in die
falsche Richtung - wer daran die Schuld trägt, darüber gehen die Darstellungen bis heute
auseinander.
Im Kern dreht sich der Zwist zwischen Balz und Simon um die Frage: Wollte Simon mithilfe des
Schweizer Investors Reda die Windreich GmbH für 350 Millionen Euro selbst übernehmen, um
die Insolvenzmasse von geschätzt 2 Milliarden Euro gewinnbringend zu verwerten und sich zum
CEO mitsamt Millionengehalt und Freiflügen machen, wie Balz behauptet? Oder war Simons
geplante Bestellung zum Geschäftsführer der "neuen Windreich" Balz' Idee, wie der Anwalt
behauptet?
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Jedenfalls: Das Vorhaben scheiterte, Ende 2013 wurde ein ordentliches Insolvenzverfahren über
die Windreich GmbH eröffnet. Simons Karriere als Strommanager blieb im Ansatz stecken. Dafür
wurde Simon im Juli in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank berufen - quasi als Vertreter des
inzwischen mächtigsten Großinvestors aus Katar, der Familie al-Thani.
Im Frühjahr 2016 dann stellte Balz Strafanzeige gegen seinen ehemaligen Kompagnon wegen
Parteiverrat, Betrug und Untreue. Ein Verfahren wurde allerdings nicht eröffnet.
Das kann sich jetzt ändern: Denn nach Informationen von manager-magazin.de wird Balz-Anwalt
Volker Grub in den kommenden Tagen beim Oberlandesgericht Stuttgart ein sogenanntes
Klageerzwingungsverfahren nach Paragraf 172 Strafprozessordnung gegen Simon wegen
Parteiverrats, Betrugs, Bestechung und Untreue beantragen. Ein solches Verfahren bietet die
Chance, die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, kein Ermittlungsverfahren einzuleiten, zu
überprüfen. Erfolgreiche Klageerzwingungsverfahren sind allerdings selten.
Folgt das Gericht dem Antrag dennoch, würde Simons Bestellung zum Aufsichtsrat der Deutschen
Bank überschattet von seiner Rolle rund um die Windreich-Pleite.
Wenn er denn überhaupt in das Gremium einrücken darf.
Mobbing im Aufsichtsrat
Denn das muss wiederum das Frankfurter Registergericht entscheiden. Es hat die Wahl zwischen
Simon, der Ende 2016 aus der Kanzlei FGS ausscheidet, und Michael Bohndorf, seit vielen Jahren
kritischer Aktionär der Deutschen Bank und von dieser vor Jahren sogar bespitzelt. Bohndorf hat
sich selbst als Aufsichtsrat ins Spiel gebracht. Käme es so, was freilich nicht allzu wahrscheinlich
ist, wäre die Bank bis auf die Knochen blamiert. Eine Entscheidung wird das Registergericht nicht
vor übernächster Woche fällen.
Aber auch so lässt sich bereits festhalten, dass die Deutsche Bank und ihre Aufsichtsräte ein ganz
eigenes Kapitel in der umfangreichen Skandalchronik des Konzerns bilden. Denn frei geworden
ist der Platz im Kontrollgremium überhaupt erst wegen Umständen, die einzigartig sind in
Deutschlands Chefetagen.Im April gab die Deutsche Bank Georg Thoma, den renommierten
Wirtschaftsanwalt und langjährigen Vorsitzenden ihres Integritätsausschusses, öffentlich zum
Abschuss frei.
Via "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ließen Betriebsratschef Alfred Herling und Ex-SAPChef Henning Kagermann, als langjährige Mitglieder im Kontrollgremium bis dahin öffentlich
kaum verhaltensauffällig, völlig unvermittelt und gedeckt von Aufsichtsratschef Paul Achleitner
und dessen Helfer ihren Frust über Thoma aus; dessen angeblich allzu penible Aufklärung der
skandalösen Vergangenheit hindere den Konzern am Aufbruch in eine bessere Zukunft.
Kritisiert wurden unter anderem millionenschwere Anwaltshonorare als Folge von Thomas
forensischer Arbeit - die indes nur einen Bruchteil jener 12,8 Milliarden Euro darstellen, die die
Deutsche Bank bislang für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten aufwenden musste. Derart
angezählt, legte Thoma prompt sein Amt nieder.
Die Suche nach einem Nachfolger zog sich quälend lange hin, weshalb sich Bohndorf überhaupt
erst ins Spiel bringen konnte. Mitte Juli dann, gerade noch rechtzeitig, gab die Deutsche Bank
bekannt, dass Anwalt Simon auf Vorschlag ihrer beiden Großaktionäre aus Katar in das Gremium
rücken soll. Ein ungewöhnlicher Vorgang: Normalerweise haben Aktionäre in der Größenordnung
der Kataris kein Vorschlagsrecht für Aufsichtsräte.
Allerdings herrscht Verwirrung darüber, wie groß diese Größenordnung überhaupt ist. Denn
parallel zur Personalie Simon teilte die Bank mit, dass die Araber, genauer: zwei Mitglieder der
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Herrscherfamilie al-Thani, ihre Beteiligung von dato zusammen 6,1 Prozent "auf knapp zehn
Prozent" aufgestockt hätten. In einem Schreiben an das Amtsgericht dagegen spricht Chefjurist
Christof von Dryander lediglich von acht Prozent, die die Kataris hielten. Erst nach Tagen konnte
die Deutsche Bank das Rätsel auflösen: Direkt den Kataris zurechenbar sind demnach tatsächlich
nur acht Prozent, über Optionen halten die Scheichs weitere zwei Prozent.
Simon übrigens, glaubt man der Balz-Fraktion, ist offenbar ein guter alter Bekannter der
Milliardäre aus dem Morgenland. Demnach standen, was Simon bestreitet, die al-Thanis hinter
dem Investor Reda, der 2013 die Windreich GmbH übernehmen wollte. So käme eines zum
anderen.
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