naturstrom Magazin 02/2016

Magazin
naturstrom
Frühling / Sommer 2016
und willkommen zur ersten Ausgabe des neuen «naturstrom Magazin». Mit diesem Heft werden Sie zweimal jährlich über das Thema
Naturstrom im weitesten Sinne informiert. Naja, werden Sie sich nun
bestimmt fragen: Was bitte schön heisst das?
Naturstrom oder generell Strom aus erneuerbaren Quellen steht für
die nachhaltige Entwicklung unserer Energielandschaft. Die Energiestrategie 2050 gibt dabei den Takt für die rollende Umstellung vor.
Ganz viele Massnahmen sind geplant – einige bereits umgesetzt. Ein
Blick in die Presse zeigt: Die Meinungen auf politischer und wirtschaftlicher Ebene über Sinn und Zweck sind unterschiedlich. Es liegt nicht
an uns, darüber zu urteilen. Denn: In der SAK haben wir uns mit der
Einführung der Stromqualität naturstrom basic als Standard für den
erneuerbaren Weg entschieden. Danke, dass Sie uns dabei, Schritt für
Schritt, begleiten. Damit Sie, liebe Leserin und lieber Leser, bereit für
diesen Weg sind, statten wir Sie mit dem nötigen Rüstzeug aus. Und
da setzt dieses Magazin an:
 Die Basis: Erklärungen, Aufklärungen und Hintergründe zum
Thema Naturstrom – im weitesten Sinne.
 Der Kern: Informative, lesenswerte und kurzweilige Beiträge –
mit dem Plus an Regionalität.
 Das Ziel: Gemeinsam in die erneuerbare Energiezukunft gehen –
unser Rucksack wird dabei laufend reicher an Erfahrungen.
Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre
Jürg Brumann, Leiter Bereich Energie und
Mitglied der Geschäftsleitung
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I N H A LT
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TREND
Trend
Mein Balkon – mein Gemüsegarten
Impulse
Wissenswertes häppchenweise
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Intern
Sali Beat
Mein Balkon – mein Gemüsegarten
Wo früher die Geranienwimpel vom Vordach baumelten,
ranken vermehrt Bohnenstauden in die Höhe.
Vernetzt
Vertrautes Netzwerk für besten Käse
Heidi Zimmermann
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Fondsgelder im Fokus
Artenvielfalt dank «naturemade star»
Fondsgelder im Fokus
Lebensräume erhalten und vernetzen
Stromgeladen
Goba – weit mehr als Flauder
Wie geht das?
Band- und Spitzenenergie
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Unterwegs
Zu Besuch bei den Schnitzerfreunden
Tipp
Nützlinge in Haus und Garten
Wettbewerb
Gewinnen Sie!
Der Trend zum Balkongarten und Urban Gardening hat
in den vergangenen Jahren viele Anhänger gefunden.
Ein Hochbeet mit Pflücksalat und Radieschen anstelle
der Thujahecken? Ein Pflanzsack mit Rüeblisetzlingen
neben Kräuterkisten und Tomaten in Töpfen? Mit den
Tipps von Gärtnermeister Heini Eggenberger werden
(vielleicht) auch Sie zum Hobbygärtner.
den ganzen Tag voll besonnt wird. Es ist somit sehr
heiss und trocken. Ein nach Norden ausgerichteter
Balkon hat unter Umständen gegenteilige Bedingungen. Dem muss unbedingt Rechnung getragen werden. Nicht alle Pflanzen vertragen dieselbe Besonnung
gleich gut. Bei der Pflege ist es wichtig, dass dementsprechend gegossen wird. Tomaten stehen beispielsweise gerne unter Dach – gedeckte Balkone sind da
also im Vorteil.
Gibt es Gemüse- oder Fruchtsorten, die sich für
einen Anbau auf dem Balkon oder im Gemüsekistchen besonders eignen?
Beim Anbau auf dem Balkon sind spezielle Anforderungen an die Pflanzen gestellt. Der Platz ist meist
eher gering. Es ist daher wichtig, dass die Pflanzen
nicht übermässig gross werden und trotzdem reich an
Ertrag sind. Es gibt allerlei Obst- und Gemüsesorten,
welche auch auf kleinstem Raum Früchte tragen und
auch im Topf einfach zu kultivieren sind. Hier jetzt eine
spezielle Sorte zu nennen wäre falsch, denn das Sortiment ist immens.
Was kann jetzt, im Mai, noch angepflanzt werden?
Da die Eisheiligen erst Mitte Mai vorüber sind, können empfindliche Kulturen erst ab diesem Zeitpunkt
einigermassen sicher ausgepflanzt werden. Wenn die
Pflanzen geschützt stehen oder bei kalten Nächten
geschützt werden, ist vieles auch früher möglich. Aber
gerade sehr wärmebedürftige Pflanzen wie Gurken
und Kürbisse sollte man besser nicht zu früh pflanzen.
Die meisten Gemüse sind ab Mai ideal zum Einpflanzen.
Welche Rolle spielt der Standort bei der Auswahl der richtigen Pflanzen?
Der Standort spielt eine sehr wichtige Rolle. Mein Balkon ist südlich ausgerichtet, was bedeutet, dass er fast
Ein besonderer Tipp vom Fachmann?
Oftmals sehe ich, dass Leute grosse Mengen von ein
und demselben Gemüse im gleichen Moment anpflanzen. Vielen wird dann die Ernte fast ein bisschen
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IMPULSE
lästig, denn eigentlich möchte man ja nicht die ganze
Zeit dasselbe essen. Ich finde es schön, eine Vielfalt
zu pflanzen und so auch eine Kombination aus Nutzund Zierpflanzen zu haben. Es gibt auch Pflanzen, die
beide Kriterien erfüllen, wie zum Beispiel Kapuzinerkresse. Sie passt wunderbar in einen Salat als essbare
Garnitur, besticht aber auch durch schöne Blüten und
starkes Wachstum als Zierpflanze. Meiner Meinung
nach sollte man die Vielfalt pflegen. So gibt es immer
wieder etwas zu ernten, verschiedene Pflanzen stehen
in der Blüte, und man verschmerzt es eher, wenn trotz
bester Pflege und richtigem Standort die eine oder andere Pflanze nicht so gut wächst.
Die Floristik und Gartenbau Eggenberger AG bietet
in ihren Blumenläden in Degersheim und Nesslau
neben fachkundiger Beratung eine breite Palette
von Blumensträussen, Gestecken, Schnittblumen,
Saisonpflanzen, Stauden und Gehölz an.
www.gartenheini.ch
Mehr Vielfalt auf dem Teller Die Schweizer
Stiftung ProSpecieRara setzt sich unter anderem
dafür ein, dass alte Nutzpflanzen wieder kultiviert
und so vor dem Aussterben bewahrt werden. Der
Vorteil für uns Konsumenten: Eine immense Vergrösserung des bekannten Geschmack- und Farbspektrums. Der Vorteil für alle Hobbygärter: An
Setzlingsmärkten können die alten Sorten für das
eigene Beet erstanden werden.
www.prospecierara.ch
Potenzial auf dem Dach? Ist Ihr Hausdach
geeignet für eine Solaranlage? Diese Frage lässt
sich schon bald ganz einfach für jedes Hausdach
der Schweiz beantworten. In einem Gemeinschaftsprojekt erarbeiten das Bundesamt für Energie (BFE), das Bundesamt für Landestopografie
(swisstopo) sowie das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) einen Solarkataster, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
Aktuell sind rund 50 Prozent des Gebäudebestandes abgebildet, insbesondere in der Zentral- und
Nordostschweiz. Die Anwendung wird monatlich
mit den aktuellen Einstrahlungsdaten ergänzt.
www.sonnendach.ch
Die E-Mobilität rollt Das immense Medieninteresse bei der Lancierung des neuen Fahrzeugmodells von Tesla im April hat gezeigt: Die E-Mobilität
ist im Hier und Jetzt angekommen. Mit dem Modell 3 hat Tesla sein erstes E-Auto zum Preis von
etwa 40’000 Franken lanciert. Auch die weltweit
steigenden Absatzzahlen von Elektroautos aller
Fahrzeughersteller bestätigen, dass wir langsam,
aber sicher in der Mobilitätszukunft gelandet sind.
Sie liebäugeln mit einem E-Mobil? Unser E-Mobilitätsangebot unterstützt Sie mit kompetenter Beratung. www.sak.ch/emobil
Treasores feiert Durchbruch In einem dreijährigen Projekt gelang es einem europäischen Forscherteam, die Beleuchtungstechnik der nächsten
Generation marktreif zu machen. Sie entwickelten
biegsame, leuchtende Module, die wie eine Zeitung im Roll-to-Roll-Verfahren gedruckt werden.
Die Technik legt den Grundstein für kostengünstige Solarzellen und LED-Leuchtflächen der Zukunft.
Das Projekt Treasores vereinte das Know-how von
neun Firmen und sechs Forschungsinstituten aus
fünf europäischen Ländern. www.empa.ch
Patenschaft Bienen tragen einen wichtigen Teil zur Erhaltung des Ökosystems bei. Übernehmen Sie die
Patenschaft für ein kleines Wildbienenvolk, es geht ganz einfach: Mit dem Häuschen «BeeHome» erhalten
Sie eine Startpopulation, bestehend aus 15 harmlosen Mauerbienen im Stadium der Winterruhe. Das Häuschen ist ein optimales Zuhause für die Wildbienen in der Stadt und auf dem Land und eignet sich für Balkon
und Garten. www.wildbieneundpartner.ch
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FONDSGELDER IM FOKUS
Artenvielfalt dank «naturemade star»
Mit jeder verkauften Kilowattstunde aus «naturemade
star»-zertifizierter Wasserkraft fliesst 1 Rappen in einen
Fonds für ökologische Verbesserungsmassnahmen.
Ursula Stocker, Energieplanerin
Verein für umweltgerechte Energie (VUE)
Die Wasserkraft ist das Rückgrat
unserer Energieversorgung und belastet das Klima deutlich weniger
als andere Produktionsarten. Mit
ihrer Nutzung entstehen aber auch
Eingriffe in die Gewässer. In der
Schweiz, wo nahezu alle grösseren Fliessgewässer durch Wasserentnahmen oder andere Eingriffe
beeinträchtigt werden, sind die
Folgen besonders deutlich. Die
Idee, diese Folgen zu minimieren
und eine ökologisch verträgliche
Stromproduktion aus Wasserkraft
zu fördern, war die Geburtsstunde des Gütesiegels «naturemade».
Es garantiert, dass der Strom, die
Wärme oder das Biomethan 100
Prozent erneuerbar sind und bei
«naturemade star» sogar 100 Prozent nachhaltig produziert werden,
was den Schutz der Kraftwerks-
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umgebung sowie die verwerteten
Energieträger einbezieht. Vergeben werden die beiden Gütesiegel
durch den Verein für umweltgerechte Energie (VUE).
Aus dem Verkauf von «naturemade star»-zertifizierter Energie fliesst
1 Rappen pro Kilowattstunde
(kWh) in einen Fonds für ökologische Verbesserungsmassnahmen.
Damit werden neue Lebensräume
im Wasser und an Land für Pflanzen und Tiere geschaffen. Der
Fondsrappen leistet einen substanziellen Beitrag an den Erhalt der
Artenvielfalt und hat schweizweit
schon Grosses bewirkt. Mehr als
50 Kilometer Fliessgewässer und
Seeufer wurden ökologisch aufgewertet, eine Fläche von rund 200
Fussballfeldern revitalisiert, Korridore für Wild- und Kleintiere sowie
Biberpässe realisiert. Dank dem
Fonds stehen in der Schweiz insgesamt 55 Millionen Franken zur
Verfügung.
Die Fondsgelder werden für Massnahmen in der Kraftwerksumgebung investiert. Ihr Einsatz wird von einem
lokalen Gremium, bestehend aus Kraftwerksbetreibern, lokaler Behörde und Umweltschutzorganisationen, geplant und umgesetzt. Der VUE prüft die nachhaltige Qualität der getroffenen Massnahmen von der Planung
über die Umsetzung bis zur Kommunikation. Aktuell tragen nur etwa vier Prozent der inländisch produzierten
und verkauften Wasserkraft das Gütesiegel «naturemade star». Je mehr Kunden sich also noch für «naturemade
star»-zertifizierte Stromprodukte entscheiden, desto grösser wird unser Umweltengagement.
Die Natur reagiert rasch auf Verbesserungen: An mehreren Gewässern wurde die Rückkehr vieler Tier- und Pflanzenarten beobachtet. Bei einigen handelt es sich sogar um solche der Roten Liste der IUCN – dem Indikator für
den Zustand der Biodiversität unseres Planeten. Sie gibt Auskunft über den Gefährdungsstatus von circa 76’000
Tier- und Pflanzenarten.
Diese Energie stammt ausschliesslich aus erneuerbaren Energiequellen und beinhaltet mindestens zehn Prozent «naturemade star»-Strom. «naturemade basic» steht für
Klimaschutz.
Diese Energie verlangt zusätzlich den Schutz der natürlichen Ressourcen und Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen. «naturemade star» steht also für Klimaschutz und Biodiversität.
Investierte Fondsmittel schweizweit 2014
(Quelle VUE)
34 % Revitalisierung Gewässer
24 % Neuschaffung Gewässer
14 % Diverse Massnahmen
12 % Vernetzung von Lebensräumen
9 % Neuschaffung Landlebensräume
5 % Revitalisierung Landlebensräume
2 % Transport Geschiebe, Wasserabgabe
Revitalisierte Auenlandschaften unterstützen
die Rückkehr vieler Tier- und Pflanzenarten.
FONDSGELDER IM FOKUS
Lebensräume erhalten und vernetzen
Das 1866 in Betrieb genommene Wasserkraftwerk
Schils in Flums produziert seit 2007 «naturemade star»zertifizierten Strom.
Markus Bleisch, Leiter Strom Schils
Das Wasserkraftwerk der EW Schils AG produziert pro
Jahr zirka 40 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom.
Pro kWh fliesst 1 Rappen in den Fonds – das macht
eine jährliche Fondshöhe von rund 400’000 Franken,
welche in ökologische Verbesserungsmassnahmen
rund um die EW Schils AG und die umliegenden Gemeinden im Sarganserland investiert werden können.
Welche Massnahmen wurden seither realisiert?
Die ersten Projekte seit der «naturemade star»-Zertifizierung des Wasserkraftwerks Schils wurden 2011 in
Angriff genommen: Mit Mitteln aus dem Ökostromfonds konnten mehrere Weiher an den Standorten
Otterenstein und Rossriet saniert und aufgewertet
werden. Denn im Seeztal sind durch die Regulierung
der Seez und die Entwässerung der Feuchtwiesen viele
Gewässer verloren gegangen. Amphibien sind besonders vom Verlust der Feuchtlebensräume betroffen.
Die Weiher am Rossriet und Otterenstein sind zusammen mit den anderen Gewässern im Raum Paschga
bei Walenstadt die letzten Zufluchtsorte für selten
gewordene Amphibien wie Grasfrösche, Erdkröten,
Bergmolche und Gelbbauchunken. Bei ihren gefähr-
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lichen Wanderungen von den Winterquartieren im
Wald zu den Laichgebieten legen sie Distanzen von
bis zu zwei Kilometern zurück. Entscheidend für das
Überleben der Arten ist ein Netz aus nahe gelegenen
Gewässern, in denen sie sich erfolgreich fortpflanzen
können. Nach der Aufwertung der Weiher haben
Beobachtungen der Fachgemeinschaft für Standortskunde und Ökologie im vergangenen Jahr gezeigt,
dass der Laichbestand stabil geblieben oder sogar zunehmend ist.
Unterstützung von Schulprojekten
Die Richtlinien für Fördergeldzahlungen erlauben es
uns, Beiträge an Schulen für Projektarbeiten, welche
in direktem Zusammenhang mit dem Sinn und Zweck
des Fonds stehen, zu sprechen. Die Aktion «VivaRiva»
fördert bei Lehrpersonen und Schülern das grundlegende Verständnis und die Akzeptanz für Gewässeranliegen und Revitalisierungen. An sogenannten Erlebnistagen erhalten Schulkinder die Möglichkeit, mit
einer externen Fachperson und der Klassenlehrperson
einige Lektionen am Wasser zu verbringen. Dank unserer finanziellen Unterstützung konnten in diesem
Jahr Experimentierboxen für Feldversuche realisiert
werden. Ein Besuch der Webseite www.vivariva.ch
lohnt sich auf alle Fälle.
Das Projekt «Rheinau-Giessen» ist unser bislang grösstes, vom Fonds mitfinanziertes Projekt. Insgesamt
konnten mit einem Aufwand von 940’000 Franken,
wovon 180’000 Franken aus dem Fonds stammten,
der Giessen und viele seiner kleinen Nebengewässer
gereinigt werden. Auslöser war die Rheinregulierung.
Mit ihr sank der Wasserspiegel, der Silbergiessen hatte keinen Wasserzufluss mehr und vertrocknete an zu
viel Sediment, Geschiebe und Schlamm. Im Zuge der
drei Monate dauernden Reinigung wurden auch die
Heckenläufe revitalisiert und gepflegt.
Links vorher, rechts nachher: Die Weiher Otterenstein und Rossriet.
STROMGELADEN
Goba – weit mehr als Flauder
Mit klaren Werten zum Erfolg: Wie Nachhaltigkeit,
Regionalität und Kreativität eine Quelle erfolgreich
sprudeln lassen.
Die Goba AG, Mineralquelle und Manufaktur, ist weit Das Produktesortiment wurde stetig grösser – und
über die Region hinaus bekannt. Ihre Produkte wer- die Anzahl Mitarbeiter beläuft sich aktuell auf 60.
den nicht nur regional, sondern schweizweit äusserst Rückblende: Manser, dannzumal als Kindergärtneerfolgreich verkauft. Sowieso läuft bei der Goba vieles rin in der Stadt St.Gallen tätig, entschied sich nach
anders als bei anderen: In Zeiten, in denen der Import einjähriger Bedenkzeit für die Übernahme des wenig
von Mineralwasser zunimmt und
rentablen elterinländische Verkaufszahlen abnehlichen Betriebs.
Nachhaltigkeit und Sorgfalt
men, kann sich die Mineralquelle
«Es war ein musind unsere Unternehmenskultur.
aus Gontenbad über Wachstum
tiger Schritt. Wie
freuen. Gabriela Manser, seit 1999
mutig, wusste ich
Geschäftsleiterin der Goba AG, ist überzeugt: Dass damals nicht.» Was dann passierte, hätten ihr wohl
der Gedanke der Nachhaltigkeit konsequent beherzigt nur wenige zugetraut. Manser lernte schnell, war
wird, spielt dabei eine entscheidende Rolle. «Als KMU neugierig, kreativ, mutig und lancierte bald schon den
arbeiten und produzieren wir nicht für Quartalszahlen ersten Coup im Getränkemarkt. Die Medien rissen sich
oder für hohe Dividenden. Wir schaffen hier saube- um die Neuunternehmerin, und Manser war und ist
re Jobs für soziale Strukturen in einem harmonischen gern gesehene Referentin – unter anderem an WirtMiteinander. Ich will diesen Familienbetrieb nach bes- schaftsveranstaltungen. Obwohl sie ja eigentlich gar
tem Wissen und Gewissen an die nächste Generation nie vorhatte, in die Wirtschaftswelt zu wechseln. Ob
übergeben. Nachhaltigkeit und Sorgfalt sind unsere wir in diesem Fall heute noch auf das Flauderwunder
Unternehmenskultur.»
von 2002 warten würden?
finden sich beispielsweise durch Anregungen von Mitarbeitenden, Trends in Modezeitschriften, Museumsbesuche, Tradition und Geschmackserlebnisse unter
anderem in der Natur. «Einfach die Nase rausstrecken
und riechen, woher der Wind kommt», wie Manser
erklärt. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt,
und die innovativen Produkte treffen immer wieder
den Gout der Zeit. Vom natürlichen Mineralwasser,
den Limonaden und Likören, der Entwicklung des ersten Stevia-Colas der Schweiz, zum «Flauder Original»,
«Flauder Holunderbeere», «Flauder Quitte und Rhabarber», der «Iisfee» bis hin zum neusten Coup (pssst, ab
Mai erhältlich), dem «Flauder Minz» – in Gontenbad
wird ständig und stetig getüftelt. Und die Produkte
erschliessen sich stimmig im Genuss und der liebevoll
gestalteten Markenwelt. Auf dem Etikett tanzen Feen,
Schmetterlinge und Libellen im Blumenmeer. Goba
als Zentrum der zauberhaften Ostschweizer Märchenwelt. Und trotz – oder gerade wegen – dieser Lieblichkeit steht die Ideenwerkstatt der Goba niemals still.
Als Gabriela Manser die Firmenleitung übernahm,
waren acht Mitarbeitende bei der Mineralquelle Gontenbad beschäftigt. Seither hat sich einiges getan:
Sobald ein neues Getränk lanciert wurde, geht’s weiter: Eine Projektgruppe überlegt sich, wo es denn als
Nächstes hingehen könnte, was möglich wäre und wie
«
12
»
Das traditionelle Goba-Getränkesortiment erfährt
immer wieder Neuerungen und Ergänzungen. Spannende Ideen werden laufend verfolgt. Inspirationen
Blick in die Abfüllerei, wo aus Mineralwasser
Flauder wird.
Zum Anfassen: Die zauberhafte Goba-Welt in der Flauderei in Appenzell.
Gabriela Manser,
Geschäftsleiterin der Goba AG
es funktionieren würde. Ob das neue Geschmackserlebnis dann passt und wirtschaftlich ein Erfolg wird,
darüber entscheiden die Absatzzahlen. Aber auch bei
der Produktentwicklung spielt der Aspekt der Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Oder anders gesagt: Mit
«
Einfach die Nase rausstrecken und
riechen, woher der Wind kommt.
»
Wille, Kreativität und Mutter Mansers Freude an Konfitüren entsteht aus der Not heraus ein schmackhafter
Brotaufstrich. Der Hintergrund: Gabriela Manser wollte die Wertschöpfungskette in der Region stärken und
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begab sich vor rund acht Jahren auf die Suche nach
Biokräuterbauern. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Bei der Landwirtschaftsschule in Salez habe sie
dann endlich den Tipp erhalten, dass auf einem Feld in
Starkenbach bei Alt St. Johann der gesuchte Biokräuteranbau vorhanden sei. Ein Glücksgriff – und eine
gute Grundlage für Manser, die Bauern der Region für
den biologischen Anbau ihrer Kräuter und Pflanzen zu
motivieren. Heute finden sich diese Kräuter als Extrakt
in allen Flauderprodukten wieder. Im Gegenzug vereinbarte sie jeweils eine Abnahmegarantie der jährlichen Ernte, unabhängig davon, wie tief oder hoch
der Bedarf für die Getränkeproduktion schlussendlich
ausfällt.
Es galt also zu klären, was mit den überschüssigen
Pflanzen und Kräutern passieren sollte. Naheliegend
war, sie für die Herstellung der beliebten Goba-Liköre
zu verwenden. Dann bot sich auch die Produktion von
feinen Teemischungen an. Und schliesslich verkochte
Mutter Rita Manser einige Proben der Kräuterextrakte
zu Geles und Konfitüren. Diese Produkte, welche zuerst als Weihnachtsgeschenke für Goba-Kunden gedacht waren, stiessen auf so grossen Anklang, dass sie
ins Sortiment aufgenommen wurden. «Meine Mutter
hat schon des Öfteren Ideen essbar gemacht – mit
einer Prise hiervon und einer Handvoll davon», berichtet Tochter Gabriela Manser mit einem Schmunzeln. Die Spezialisten der Goba-Manufaktur sorgten in
diesen Fällen jeweils für die Umrechnung dieser Handgriffe in exakte Grammzahlen für die Rezepturen. Ihre
Mutter habe sowieso eine «riesen Freude», dass sie
den Familienbetrieb so erfolgreich fortführen konnte. Und mit welcher Freude, welchem inneren Feuer
sich die Tochter für die Goba engagiert, ist denn auch
förmlich spürbar.
Gabriela Manser nimmt uns abschliessend mit zum
Schatz ihres Unternehmens – der Quelle. Ursprung geschmackvoller Getränkemomente, entspringt sie dem
Boden rund 200 Meter weiter oben in der Wiese. Aber
es fühlt sich trotzdem so an, als stünde man mitten
im Herzen dieser Firma. Mit einem fröhlichen «Zum
Wohl!» lässt uns Gabriela Manser das Mineralwasser
direkt ab der kostbaren Quelle trinken. Wir sind begeistert und gleichzeitig überrascht, welche wunderbare und abwechslungsreiche Produktepalette in
Gontenbad aus diesem klaren Nass gewonnen wird.
Klein, selbstbewusst, eigenständig: die Goba AG
ist einer der kleinsten Mineralwasserproduzenten
der Schweiz. In der Kleinheit liegt ihre Stärke.
Immer mehr Konsumenten und Gastwirte legen
Wert auf einen unabhängigen, regional verankerten Betrieb und schätzen Goba als Oase in der
globalisierten Wirtschaftswelt.
Michelle Eberle: Sachbearbeiterin
Unternehmenskommunikation,
Co-Redaktionsleitung und
genüssliche «Iisfee»-Trinkerin.
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WIE GEHT DAS?
Speicherkraftwerke liefern rund 32% des produzierten Stroms*. Sie können
ihre Produktion dem tagesaktuellen Bedarf anpassen und generieren damit
wertvolle Spitzenenergie.
Band- und Spitzenenergie
Was heisst das eigentlich?
Laufwasserkraftwerke liefern 24% des produzierten Stroms*. Sie liegen an
Flüssen und Bächen und nutzen dabei das kontinuierlich zufliessende Wasser.
Laufwasserkraftwerke erzeugen somit einen Teil der Bandenergie, allerdings
mit starken saisonalen Schwankungen.
Bandenergie
Strombedarf
Spitzenenergie
Typischer Tagesverlauf der Schweizer Stromproduktion
0
Uhrzeit
6
12
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Die Bandenergie deckt den Grundbedarf an Energie, der während des ganzen Tages
permanent nachgefragt wird. Diese Bandenergie muss rund um die Uhr zur Verfügung
stehen. Kraftwerke, die Bandenergie erzeugen, können sich nicht an kurzfristige
Verbrauchsschwankungen anpassen. Sie liefern eine konstante Produktion.
Wenn viele Haushalte, Geschäfte und Betriebe gleichzeitig Strom brauchen, sprechen
wir von Verbrauchsspitzen. Um diesen grossen Bedarf kurzfristig abzudecken, benötigen
wir die sogenannte Spitzenenergie. Diese liefern Kraftwerke, die flexibel sind und ihre
Produktion in kurzer Zeit erhöhen oder reduzieren können.
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Erneuerbare Energien wie zum Beispiel Sonne, Wind und Biomasse liefern 4%
des produzierten Stroms*. Sie produzieren zufällig und sind stark wetterabhängig.
Sie gehören weder zur Band- noch zur Spitzenenergie.
Kernkraftwerke liefern 38% des produzierten Stroms*. Sie produzieren
kontinuierlich und können sich nicht an kurzfristige Verbrauchsschwankungen
anpassen. Kernkraftwerke liefern den grössten Teil der Bandenergie.
Konventionell-thermische und Fernheizkraftwerke liefern 2% des
produzierten Stroms*. Diese Kraftwerkstypen decken den geringsten Teil
des Schweizer Strombedarfs ab.
* Basis Schweizer Stromproduktion 2014, BFE
Björn Schneider
arbeitet seit fünf Jahren als
Produktmanager Energiewirtschaft bei der SAK.
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INTERN
Sali Beat
Er ist seit über drei Jahrzehnten bei uns tätig:
Beat Signer, Leiter der Regionalvertretung Appenzeller
Mittelland in Gais.
Michelle Eberle
Im Jahr 1980 startete Beat Signer als Lernender Netzelektriker seine berufliche Karriere in der SAK. Eigentlich wollte er ja Dachdecker werden. Da er aber ein
ganzes Jahr auf seine Lehrstelle hätte warten müssen,
durchforstete er weiter Zeitungen. 1978 wurde der
Beruf des Netzelektrikers BIGA-anerkannt und damit
interessant für Beat. Nach einem Anruf bei der SAK
und einem Tag der offenen Tür war klar: Das gefällt
ihm. Heute ist Beat Leiter der Regionalvertretung (RV)
Appenzeller Mittelland – und damit Chef eines siebenköpfigen Teams. Daneben engagiert er sich in der
Lehrlingsausbildung. Vor rund 20 Jahren sei er als Instruktor der Überbetrieblichen Kurse in Chur in dieses
Thema «hineingerutscht». Unterdessen ist er Präsident
der Kurskommission. Und die Ausbildung der Netzelektriker ist ihm ein besonderes Anliegen. «Es ist immer schwieriger, gute Lernende zu finden. Allgemein
tun sich Branchen, die auf handwerkliches Geschick
zählen, schwer mit der Lehrlingssuche.» Dabei hat die
dreijährige Ausbildung für handwerklich Interessierte
sehr viel Spannendes zu bieten.
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Während seiner Lehre zum Netzelektriker arbeitete
Beat neun Monate beim Leitungsbau in Winkeln. Damals ein Knochenjob. «Wir gingen zu viert mit den
200 Kilo schweren Holzmasten von Gais zu Fuss bis
zum Gäbris.» Nur wenige Hilfsmittel standen zur Verfügung, darunter zwei Land Rover und ein Unimog.
Der Rest wurde zu Fuss transportiert, getragen, geschleppt. «Es war, trotz der Strenge und Rauheit, eine
schöne Zeit, und wir kamen weit herum im ganzen
Gebiet.»
Was Beat heute besonders an seinem Job mag? Er hat
gerne das Heft in der Hand. Die Selbstständigkeit und
der direkte Kontakt zu Kunden, Planern und Behörden
gefallen ihm. An der Front zu sein und den Puls der
Kunden zu spüren – mit allen Bedürfnissen, Freuden
und Ängsten. «Die Menschen in unserer Region schätzen die Direktheit und dass wir vor Ort sind, wenns
einmal eine Störung gibt.» Ein gutes Stichwort: Wie
funktioniert eigentlich der Störungsdienst?
Das Pikettkonzept definiert alle Schritte im Detail. Jeder
RV-Mitarbeiter hat eine Woche lang Pikettdienst, von
Montag bis Montag. Wer Pikett hat, kann sich grundsätzlich frei im Versorgungsgebiet bewegen, muss
aber zu 100 Prozent erreichbar und in festgelegter Zeit
vor Ort sein, falls eine Störung eintrifft. Angenommen,
ein Ast fällt wegen nassen Schnees auf eine Leitung,
was zu einem Kurzschluss führt. «Der Alarm geht bei
unserer Piketttelefonistin ein. Sie nimmt die Meldung
entgegen und bietet den zuständigen Pikettmonteur
auf, der sich der Störung im Niederspannungsnetz
annimmt.» Betrifft der Schaden eine Mittelspannungsleitung, wird automatisch auch ein Pikettingenieur
eingeschaltet. «Bei Grossereignissen kamen wir schon
einige Male an unsere Grenzen. Beispielsweise in den
Jahren 1990 und 1999. Zuerst wütete ‹Vivian› in ganz
Europa, und dann fegte ‹Lothar› mit der Heftigkeit
eines Orkans über die Schweiz. Wir waren bestimmt
48 Stunden ununterbrochen am Arbeiten und nicht
mehr zu Hause.» Über Piketteinsätze könnte er stundenlang erzählen. Er findet heute noch, jeder Piketteinsatz hat seinen Reiz, und keiner ist gleich wie der
andere. Jeder Einsatz ist aber auch mit gewissen Gefahren verbunden, die er heute in seinem Alter anders
einschätzt als vor 20 Jahren. Was sich in all den Jahren
aber nie änderte, ist der Einsatz dieser fleissigen Männer für eine sichere und leistungsstarke Stromversorgung.
Die aufgehängten Fotos im Hausgang der RV in Gais
beweisen: Hier herrscht eine freundschaftliche Arbeitsatmosphäre. Ein eingeschworenes Team von
Männern, die ihre Jobs mit viel Herzblut, Kompetenz
und Kollegialität leben. Schöne Erlebnisse hätten sie
immer wieder, sei es eine Metzgete, ein Riverrafting
oder einfach ein Fiirobigbier. «Auch nach 35 Jahren
macht mir mein Job noch immer Spass.»
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VERNETZT
Vertrautes Netzwerk für besten Käse
Von einem, der dablieb, das Käsen zu lehren – ein Besuch
beim Spezialitätenkäser Willi Schmid.
Hygiene geht vor. Auch – oder gerade eben – in der
Käseherstellung. Im Vorraum werden wir daher mit
Mantel und Haarnetz ausgestattet. Danach führt uns
Willi Schmid ins Zentrum des Geschehens, seine Käserei. Ja, der Willi Schmid, der national und international
mit seinen Käsespezialitäten für Schlagzeilen und Gaumenfreuden sorgt. Mit wachem Blick und etwas Lausbub im Lächeln steht er vor uns. Hohe Gummistiefel,
Hosen, Shirt und Schürze in strahlend weisser Farbe.
Ein herzliches Gesicht mit einem lustigen Schnauz und
roten Backen unter einem blauen Käppi. Schmid, der
seit mittlerweile zehn Jahren seine Käserei in Lichtensteig betreibt und vom unteren Toggenburg aus die
ganze Welt mit seinen Rohmilchkäse-Kreationen beliefert, begrüsst uns zügig, aber nicht minder herzlich
und führt uns in seine dampfende Werkstatt.
Lehrtochter Sedonia und Praktikantin Rebecca sind
mit der Reinigung verschiedener Chromstahlbecken
und Käseformen beschäftigt. Die Temperatur ist angenehm warm, das Klima feuchttropisch und die Stimmung von Geschäftigkeit geprägt. Ich stehe etwas
unbeholfen in der Mitte des Raumes – bestrebt, nicht
im Weg zu stehen – und verschaffe mir einen Über-
22
blick über die glänzenden Kessel, Tanks und Tische aus
Stahl, die weissen Käseformen und Schlauchrollen. Sedonia aus dem Bündnerland ist im 2. Lehrjahr ihrer
Ausbildung zur Milchtechnologin. Rebecca aus dem
Bernbiet absolviert bei Willi Schmid für drei Monate
«
Die Temperatur ist angenehm
warm, das Klima feuchttropisch
und die Stimmung von
Geschäftigkeit geprägt.
»
ein Praktikum. Sie verfolgen das gleiche Ziel: eines
Tages den Bauernhof der Eltern übernehmen. Bis es so
weit ist, wird Sedonia nach dem Lehrabschluss unter
anderem «z’Alp» gehen. Rebecca startet bald mit der
Ausbildung zur Bäuerin im Kanton Bern. Dafür wird
ein Praktikum, wie dieses in der Städtlichäsi Lichtensteig, vorausgesetzt.
Während im vorderen Teil die Reinigungsarbeiten
der ersten Produktionscharge abgeschlossen werden, bewegen Rührwerke im hinteren Teil des Raumes die Milch zweier Milchkessi. Das grosse fasst
1’000 Liter Rohmilch von Jerseykühen. Das kleine
250 Liter Rohmilch von Büffeln. Schmid gibt drei
Bakterienkulturen und zum Schluss noch einige Liter
Joghurt hinzu. Jetzt heisst es warten. Langsam wird
die Milch erwärmt – wobei sie die Temperatur von 40
Grad Celsius nie überschreiten darf. Denn dann wäre
die Milch nicht mehr «roh», und Willi Schmid verarbeitet nur Rohmilch. Regional produzierte Rohmilch von
Jerseys, Schafen, Ziegen und Braunvieh aus dem Toggenburg, die sowohl im Sommer als auch im Winter
nach draussen können. Die Fütterung muss entweder
mit Gras oder Heu erfolgen. Nicht mit Silofutter. Für
dieses qualitative Extra zahlt Willi Schmid seinen Lieferanten auch gerne einen leicht höheren Milchpreis.
Denn «gute Qualität darf auch mehr kosten», betont
der Käsermeister, der am liebsten Landwirt geworden
wäre und vielleicht auch daher eine enge Zusammenarbeit mit seinen Lieferanten pflegt. «Vertrauen ist die
wichtigste Grundlage für eine konstant hohe Qualität
der Milch», betont Schmid.
Stichwort Qualität: Was hält er von den ganzen Labels zur Qualitäts- und Ursprungskennzeichnung? Er
lächelt leicht spöttisch, legt den Kopf etwas schief und
bringt mit seinen Worten auf den Punkt, was die Mimik eigentlich bereits erahnen liess: «Ich brauche kein
Biolabel, sondern Vertrauen und eine vorgegebene
Qualität, die von meinen Bauern erfüllt und gelebt
wird.» Er erzählt von seiner Kindheit als Bauernbub,
als es einfach logisch war, den Mittagstisch mit saisonalen Produkten aus der Region zu füllen. Und er
bedauert, wie sehr sich die Bedürfnisse und Erwartun-
gen in den vergangenen Jahren verschoben haben:
«Erdbeeren an Weihnachten – nein danke!»
Gute Rohstoffe, ein vertrautes und zuverlässiges Netzwerk an Partnern, Passion für und Freude am Beruf sind
die wichtigsten Ingredienzien für das Erfolgsrezept der
Städtlichäsi Lichtensteig. Und trotzdem: Wer hätte vor
zehn Jahren gedacht, dass sich aus der Vision von
damals die Erfolgsgeschichte von heute entwickeln
würde? Ja, sie hätten Existenzängste gehabt. Schliesslich galt es, drei Kinder zu versorgen. Aber vor allem
«
Vertrauen ist die wichtigste
Grundlage für eine konstant
hohe Qualität der Milch.
»
seine Frau bestärkte und motivierte ihn darin, den
Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Der Start
war alles andere als einfach. Auch wartete keine Bank
darauf, einen Käsermeister zu unterstützen, während
landauf, landab eine Dorfkäserei nach der anderen die
Türen schloss. Damals, vor zehn Jahren, als Schmid
seine ersten Käsekreationen aus Rohmilch in der
kleinen Käserei im Herzen des Städtleins Lichtensteig
produzierte.
Als Glücksfall bezeichnet er die Tatsache, dass die Medien relativ schnell auf seine Produkte aufmerksam
wurden. Nachdem der «Tages-Anzeiger» einen Beitrag
über seine Kreationen veröffentlicht hatte, «rannten
die Leute mir die Bude ein». Weitere Medienbeiträge
folgten – sogar in der «Financial Times». Heute wer-
25
UNTERWEGS
Zu Besuch bei den Schnitzerfreunden
den in der Städtlichäsi 30 Käsesorten produziert und
in alle Kontinente geliefert. «Sogar Südkoreaner, Japaner und Singapurer sind grosse Fans von unserem
Käse», ergänzt Schmid mit berechtigtem Stolz. Und da
ist es wieder, dieses spitzbübische Lächeln im Gesicht
– gepaart mit Dankbarkeit in seinem Blick. Ob er bei
«
Sogar Südkoreaner, Japaner
und Singapurer sind grosse
Fans von unserem Käse.
»
diesem Erfolg wohl mit Expansionsplänen liebäugelt?
«Nein, gekäst wird nur, wenn ich im Haus bin», steht
für Schmid fest. Es ist ihm ein grosses Anliegen, sein
Handwerk und Wissen an Lehrlinge und Praktikanten weiterzugeben. Aber «letzten Endes entscheide
ich, welcher Käse aus der heutigen Milch hergestellt
wird». Und sein Erfolg gibt ihm Recht.
Schotte. Sedonia prüft die Beschaffenheit der Masse
laufend. Dann stimmt die Konsistenz, und sie schneidet sie mit der Käseharfe in kleine Stücke. Die etwa
nussgrossen Stücke tanzen noch etwas in der warmen Schotte und werden dadurch fester und kleiner.
Dann haben sie etwa die Grösse eines Maiskornes und
werden zügig in die bereitgestellten Käseformen gepumpt. Kreisrunde gelochte Plastikformen mit einem
Aufsatz in der Mitte. Die Form des preisgekrönten
«Mühlisteins». Eine der Jerseymilch-Spezialitäten aus
der Entwicklerstube von Willi Schmid. Auf welcher Käseplatte die heutige Produktion nach der Reifezeit von
rund zwei Jahren wohl dereinst landen wird?
Die Produkte von Willi Schmid sind unter anderem
im Direktverkauf im Laden der Städtlichäsi erhältlich.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8.30 – 11.30 Uhr,
Freitag 16.00 – 19.30 Uhr, Samstag 8.00 – 12.00 Uhr.
www.willischmid.com
In der Zwischenzeit hat Sedonia der Milch das Lab
zugegeben. Es bewirkt, dass die Milch gerinnt. Milcheiweiss und -fett trennen sich von der wässrigen
Heidi Zimmermann: Leiterin
Unternehmenskommunikation
und Co-Redaktionsleitung, hat
sich an das Geschmackserlebnis
Rohmilchkäse herangewagt
– und keinen Bissen bereut.
26
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts werden in Flums
Holzmasken für die Fasnacht geschnitzt.
Bruno Bless, Präsident der Schnitzerfreunde Flums
Früher wurden bekannte Dorforiginale, Zeitgenossen
mit sonderlichen Gesichtszügen oder Bekanntheiten
mit abnormen Eigenheiten oft etwas überzeichnet
geschnitzt. Dies mit dem Ziel, das neue Werk an der
nächsten Fasnacht in theatralischer Art und Weise zu
präsentieren. Ein guter Schnitzer konnte sich dann
über neue Aufträge und damit über einen willkommenen Nebenverdienst in der kargen Winterzeit freuen.
Die ältesten Zeugen dieser Anfangszeit des Schnitzens
sind auf circa 1820 datiert und im Landesmuseum Zürich ausgestellt. Diese alten Masken wurden «grob»
geschnitzt, denn man verfügte damals noch nicht
über die hochtechnischen Schnitzmesser von heute.
Die Holzlarven waren nur wenig anatomisch ausgehöhlt und hinterliessen markante Spuren auf den Gesichtern der Träger. Aber als guter «Butzi» biss man
durch, denn als Dank für die Auftritte wurde man in
Haushalten und Restaurants stets gut verpflegt.
Im Sarganserland und insbesondere in Flums, der Ostschweizer Hochburg der Holzmasken-Schnitztradition,
ist die Vielfalt beinahe grenzenlos. Die uralte Tradition
wird nach wie vor intensiv gepflegt, und es entstehen
– neben den «Urtypen» – immer wieder neue Kreationen. Dabei durchläuft die Maske immer denselben
27
TIPP
Nützlinge in Haus und Garten
Prozess: Anfangs werden noch grobe Späne vom Lindenklotz weggeschnitzt. Wird der Nasenumriss sichtbar, können die Augen aufgezeichnet und geschnitzt
werden. Dazwischen gilt es, die Kontur der Maske zu
schärfen und die Kinn- und Mundpartie auszuarbeiten. Abschliessend wird die Maske auf der Rückseite
anatomisch ausgehöhlt. Das Gewicht sollte danach
maximal 500 Gramm betragen. Zu guter Letzt wird sie
mit Pulverbeize bemalt, lackiert und mit Haaren und
Larventuch ausstaffiert.
Früher waren fast alle Schnitzer «Einzeltäter». Clubs
oder Schnitzvereine waren unbeliebt. Doch die Zeiten
änderten sich, und im Sarganserland wurden diverse
Vereine gegründet. 1991 gründeten acht eingefleischte Fasnächtler den Verein «Schnitzerfreunde Flums».
Die Statuten besagen explizit, dass es eine wichtige
Verpflichtung ist, die alte Tradition des Holzmaskenschnitzens zu pflegen. Schon kurz nach der Gründung
wurde unser Verein weit über die Landesgrenze hinaus bekannt: Wir machten an nationalen und internationalen Holzmaskenausstellungen mit, über die
Print-, Radio- und TV-Medien scharenweise berichteten. Schlussendlich erhielten wir eine Einladung der
indischen Kulturministerin für die Masken-Weltausstellung in Neu Delhi. Durch die verschiedenen öffentlichen Auftritte stieg unser Bekanntheitsgrad schier ins
Unermessliche. Heute zählt unser Verein neun Mitglieder – und die leisten so einiges: Wir schnitzen jährlich
eine grosse Anzahl Holzlarven, die als Preisgaben bei
Grossanlässen dienen. Unsere Flumser Holzmasken
sind inzwischen in allen Herren Ländern und auf allen Erdteilen vertreten – sogar auf Hawaii. In unserem
Clublokal hängen gegen 100 verschiedene Masken,
welche – vor allem den «Kursfrischlingen» – als Ideenquelle dienen. Aber wir freuen uns auch, wenn wir nur
für uns selbst schnitzen können.
Die Schnitzerfreunde Flums verfügen über ein eigenes
Vereinslokal und bieten dort auch Schnitzkurse an.
Bis heute besuchten rund 320 Personen einen Kurs.
Sie alle nehmen zum Kursende eine fixfertige Larve
mit nach Hause. www.schnitzerfreunde-flums.ch
Bei der Schädlingsbekämpfung auf natürliche Helfer
setzen? Unbedingt! Hier ein kleiner Ratgeber:
Schädling(e)
Nützling(e)
Vorrats- und Kleidermotten
können jeden Haushalt treffen.
Die Spuren finden sich im Mehl, in
Getreideflocken, in der Schokolade,
in Kleidungsstücken usw.
Die winzige Schlupfwespe ist der natürliche Feind der Motte.
Sie spürt die Eier der Motte auf und legt ihre dort hinein. Die
neu entwickelten Schlupfwespen in den Motteneiern zerstören
diese. Sind keine Motteneier mehr vorhanden, verschwindet
auch die Schlupfwespe.
Blattläuse setzen sich an Blüten,
Blättern und Stengeln fest und
saugen den Pflanzen ihren Lebenssaft
aus. Die gefrässigen Tiere verbreiten
sich rasant.
Die einheimische Florfliegenlarve wird auch Blattlauslöwe
genannt. Eine Florfliegenlarve kann pro Tag bis zu 50 Blattläuse
verzehren. Sie ist ausserdem auch die natürliche Gegenspielerin
von Thripsen, Spinnmilben, Wollläusen und Raupen.
Wollläuse (auch Schmierläuse
genannt) sind häufige Schädlinge
auf Weihnachtssternen, Saintpaulia
und anderen Zierpflanzen.
Die Australische Marienkäferlarve ist ein natürlicher Feind
der Wolllaus. Ein Marienkäfer kann im Lauf seiner Entwicklung
300 Läuse verzehren. Draussen überlebt er in unseren Breitengraden nicht und wird damit nicht zu einer invasiven Art.
Der «Wurm» in der Zwetschge
und Pflaume ist die Larve des
Pflaumenwicklers. Er macht
die Früchte ungeniessbar.
Die Schlupfwespe legt ihre Eier im Ei des Pflaumenwicklers ab.
So schlüpft statt einer Pflaumenwicklerlarve eine Schlupfwespe
aus. Die Frucht bleibt intakt und ist weiterhin essbar.
Quelle und Bezugsadresse für Nützlinge: UFA-Samen Nützlinge, Andermatt Biogarten AG
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29
WETTBEWERB
Gewinnen Sie
einen Picknickrucksack voll mit regionalen Produkten und
begeben Sie sich auf eine der schönsten Wanderungen der Schweiz: die 5-Seen-Wanderung
auf dem Pizol.
Die Wettbewerbsfrage lautet:
Welcher Kraftwerkstyp liefert Spitzenenergie?
Senden Sie die Lösung mit Ihrem Namen und
Ihrer Adresse per Mail an [email protected]
oder per Postkarte an:
St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG
«naturstrom Magazin»
Postfach 2041
9001 St.Gallen
Einsendeschluss ist der 31. Juli 2016.
Impressum
Herausgeber St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK), Vadianstrasse 50, Postfach 2041, 9001 St.Gallen | Erscheint
zweimal jährlich | Konzept, Redaktion und Umsetzung SAK Unternehmenskommunikation, [email protected] | Fotos SAK,
Goba AG, Willi Schmid, Danny Christensen, Spot Magazine, shutterstock.com | Design fw-c, 8400 Winterthur | Druck
Cavelti AG, 9200 Gossau | Auflage 58´000 Exemplare | ©2016 SAK, St.Gallen. Alle Rechte vorbehalten | Die von den Autoren
geäusserten Meinungen können von jenen des Herausgebers abweichen. Nachdruck der redaktionellen Texte (besonders ihre
Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung und Bearbeitung) auch auszugsweise nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers sowie Text- und Bildnachweis «naturstrom Magazin» | Gedruckt auf 100 % Altpapier und produziert mit naturstrom star.
PERFORM ANCE
Teilnahmebedingungen: Jede richtige und rechtzeitig eingesandte Lösung nimmt an der Verlosung teil. Die Gewinner werden
von der SAK schriftlich benachrichtigt. Mitarbeitende der SAK und deren Angehörige sind von der Teilnahme ausgeschlossen.
Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt, Barauszahlung und Rechtsweg sind ausgeschlossen.
neutral
Drucksache
01-16-569906
myclimate.org
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P.P.
CH-9001 St. Gallen