IDIM 03/2016 - Social Media

03 16
Lizenziert für Frau Sandra Röstel.
Die Inhalte sind urheberrechtlich geschützt.
42. Jahrgang
www.IDEENMANAGEMENTdigital.de
Ideenund Innovationsmanagement
22370
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HERAU SGEBE R
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Best Practice
Social-Media - die Innovation im Verbesserungsprozess
Social-Media – die Innovation im
Verbesserungsprozess
Warum digitale Vernetzung so wichtig ist
Sandra Röstel
Die Zeit ist reif, um neue Wege zu beschreiten. Viele Unternehmen haben schon lange
erkannt, dass es aus vielerlei Gründen sinnvoll ist, das Wissen der Mitarbeiter einzubinden. Sei es durch den Kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP), Ideenmanagement
oder auch Innovationsmanagement. Jede Managementmethode steht hierbei meist für
sich allein. Entweder nutzen die Unternehmen das eine oder das andere. Eine Kombination ist noch die Ausnahme. Doch die Anforderungen an die Unternehmen, den Wettbewerb „höher, schneller, weiter“ erfolgreich für sich entscheiden zu können, macht es
unerlässlich, alle Asse aus dem Ärmel zu ziehen. Wie das Potential der Mitarbeiter für
den Unternehmenserfolg genutzt werden kann, möchte ich im Folgenden aufzeigen.
 Keywords: Social-Media, Vernetzen, Transparenz, Innovation, KVP, Ideenmanagement, Multiplikatoren, Kommunikationsplattform
wachsender Erfahrung im BVW wurde klar, dass
dieses seine Grenzen erreicht hatte. Es gab keine
konkreten Ansätze um die Ideen der Mitarbeiter
zu erhalten. Manche Mitarbeiter wussten nicht
einmal, dass es so etwas gibt. Oft wurde das BVW
stiefmütterlich seitens der Manager behandelt,
da zu dieser Zeit der Mehrwert noch nicht so
klar war. Die Beteiligungsrate blieb daher sehr
gering. Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis
das Ideenmanagement geboren wurde. Mit dem
Ideenmanagement wurde nun schon ein weitgreifender Ansatz verfolgt, die Mitarbeiter und
ihre Ideen einzubinden. Es wurde mehr Energie
und Zeit in die Kommunikation und Umsetzung
investiert. Doch waren EDV-Systeme noch nicht
für jeden zugänglich. Die Informationen über
umgesetzte Ideen wurden am schwarzen Brett
oder in Besprechungen geteilt. Es entstanden die
verschiedensten Ausprägungen von Verbesserungen in den Unternehmen.
Ideenmanagement, Innovationsmanagement und
KVP heute
These:
Durch die Verknüpfung von Ideenmanagement,
Innovationsmanagement und KVP entstehen
wertvolle Synergien, da in Verbindung mit Social-Media die nötige Transparenz entsteht, um
den Schatz zum Erfolg, das Wissen der Organisation, zu heben.
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Wie die Verbesserung begann
Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts gab es vereinzelt Erkenntnisse, dass eine gute Organisation
zur Qualität beiträgt. Die Qualitätsbewegung aus
dieser Zeit befasste sich immer öfter mit strukturierten Vorgehensweisen. Bereits in den 50er
Jahren schwappten KVP und KAIZEN aus Japan
zu uns herüber. Die KAIZEN Methode wurde vom
Automobilhersteller Toyota erfolgreich umgesetzt. Die Philosophie dahinter :“Verbesserung
von jedem immer und überall“. Um dem Qualitätsgedanken den nötigen Rahmen zu geben,
wurde 1987 die Normenreihe ISO 9000 gestartet.
In dieser Norm der International Organization
of Standardization (ISO) wurden die Aspekte
von Qualität für Unternehmen beschrieben. Die
ISO 9001 fordert ein Qualitätsmanagement-System, das auch die ständige Verbesserung beinhaltet. Die Art der Umsetzung wurde nicht
vorgegeben und so war es jedem Unternehmen
selbst überlassen sich entsprechend zu organisieren. Die Unternehmen starteten meist mit dem
betrieblichen Vorschlagswesen (BVW), um Ideen
zur Verbesserung von Mitarbeitern zu erhalten.
Das war der erste Schritt, das Wissen der Mitarbeiter, wenn auch nur vereinzelt, für das Unternehmen zu nutzen. Diese wurden nach erfolgreicher Umsetzung meist prämiert. Das BVW hielt
sich, je nach Innovationsgrad des Unternehmens,
bis in die 90er Jahre. In kleinen und mittelständischen Unternehmen sogar bis heute. Doch mit
Spätestens mit dem Jahrtausendwechsel war auch
die Digitalisierung im Ideenmanagement nicht
mehr aufzuhalten. Große Unternehmen hatten
bereits schon längere Zeit selbstentwickelte oder
vom Markt angebotene Software im Einsatz. Diese
unterstützende Software brachte von Anfang an
erstaunliche neue Möglichkeiten mit sich. Mit
einem Mal wurden die Ideen sichtbar. Konnte
anfangs nur über gedruckte Medien visualisiert
werden, waren die Informationen nun auch in
elektronischer Form verfügbar. Durch die entstandene Transparenz war es für alle Beteiligten, wie
Management, Führungskräfte und Mitarbeiter,
möglich, einen Überblick über vorhandene Ideen
zu erhalten, wenn man wollte. Da beim Ideenmanagement die Methode der spontanen Ideenfindung der Mitarbeiter im Vordergrund steht
und noch kein ganzheitlicher Ansatz erkennbar
war, war dies noch nicht der Durchbruch, der das
Unternehmen befähigte, entsprechende Wettbewerbsvorteile zu generieren.
Durch die Einführung des KVP erhoffte man
sich weitere wertvolle Informationen zur Verbesserung der Produkte, Prozesse und Organisation
im Unternehmen. KVP liegt, im Gegensatz zum
Ideenmanagement, eine weitgreifende Denk- und
Handlungsweise zu Grunde. Dessen Einführung
erfordert jedoch einen höheren Aufwand, da es
sich um einen ganzheitlichen Ansatz handelt,
welcher im Idealfall maßgeblichen Einfluss auf
die Unternehmenskultur hat. Da die verantwortlichen Manager diesen Wandel benötigten,
um die Kultur des Mitdenkens und Handelns zu
etablieren, musste ein etwas größerer Aufwand
bei der Implementierung von KVP, im Gegensatz
zum IDM, betrieben werden. Durch Schulungen
aller Mitarbeiter und somit Schaffung eines einheitlichen Wissensstandes zur Umsetzung von
Verbesserungen, wurde gleichzeitig Teamwork
gefördert. Im Besonderen durch die Teilnahme
Ideen- und Innovationsmanagement 3 · 2016 117
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Social-Media - die Innovation im Verbesserungsprozess
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Abbildung 1:
Ideentrichter
der Mitarbeiter an Workshops zur Prozessverbesserung, lernen diese nicht nur im „Silo“ –
sprich innerhalb ihrer Abteilung – zu denken,
sondern begreifen den Arbeitsprozess als Ganzes.
Genau darin liegt die Befähigung der Mitarbeiter
Arbeitsabläufe zu hinterfragen. Nur weil etwas
schon immer so gemacht wurde, muss dies nicht
auch in Zukunft richtig sein. Natürlich gibt es
auch für diese Methode Softwareanbieter, die
genau den Anforderungen im KVP gerecht werden.
Doch was wäre ein Unternehmen, das im
Wettbewerb steht, ohne die eigenen Innovationen. Ein gut funktionierendes Innovationsmanagement ist heute wichtiger denn bisher.
Jedoch ist in den Unternehmen ein Innovationsmanagement oft noch nicht etabliert. Die Innovation ist in ihrer Umsetzung meist anspruchsvoll und zeitintensiv, da hier schon im Vorfeld
oft rechtliche Aspekte, Patente und ähnliches
berücksichtigt werden müssen. Der Zeitraum
zur Umsetzung einer Innovation ist dabei entscheidend. Die Märkte verändern sich so rasant,
dass Produktentwicklungen oder Geschäftsmodelle so schnell wie möglich die Marktreife
erreichen müssen. Sobald das Unternehmen mit
seiner Innovation nur zweiter wird oder einen
wichtigen Aspekt übersehen hat, können die verbrauchte Zeit und die Kosten für diese Entwicklung sehr belastend sein.
Zukünftige Anwendungsbereiche
Aus meiner Sicht wird es zukünftig erforderlich
sein, alle bestehenden Mittel und Methoden zu
Bündeln und zu verknüpfen. Eine Management
Methode allein, die die strukturierte Verbesserung zum Ziel hat, kann die kommenden Anforderungen nicht mehr abdecken. Wenn Unternehmen auch zukünftig erfolgreich am Markt sein
wollen, ist es erforderlich zu lernen, dass ganzheitliches Denken und Transparenz ausschlaggebende Erfolgsfaktoren sind. Die Verbindung von
118 Ideen- und Innovationsmanagement 3 · 2016
Ideenmanagement und KVP ist schon eine erste
gelungene Verbindung. Mit dem Innovationsmanagement als weiteres Element wird das Trio
richtig angewandt, von bedeutender Schlagkraft
im Sinne der Verbesserung und des Unternehmenserfolges.
Damit dies auch gelingen kann, spielt die
Nutzung von Social-Media eine ausschlaggebende Rolle. Social-Media steht für die digitale
Nutzung einer Kommunikationsplattform, die
den Austausch der Menschen und damit ihrer
Ideen ermöglicht. Besonders entscheidend für
den Erfolg ist hier die richtige Verknüpfung
der Anwendungsgebiete und Umsetzung der
Methode. Zielführend ist hierbei nicht nur das
Softwaretool – sprich die Kommunikationsplattform –, sondern auch die Art und Weise der
Umsetzung von Ideen, Verbesserungsprozessen
und Innovationen in der Organisation. Durch
den Einsatz der digitalen Medien gelingt es,
Verbesserungspotentiale zu heben, von denen
zuvor nicht einmal klar war, dass sie existieren.
Durch die geschaffene Transparenz können nun
gezielte Maßnahmen gestartet werden (siehe
Abbildung 1).
Implementierung im Unternehmen
Die Implementierung dieses ganzheitlichen
Ansatzes erfordert viel Fingerspitzengefühl. Eine
offene Unternehmenskultur mit Mitarbeitern,
die Initiative zeigen, kreativ sind, gerne im
Team arbeiten und ein ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein haben, ist nicht nur wünschenswert,
sondern aus meiner Sicht notwendig. Die Bereitschaft der Mitarbeiter und Führungskräfte zur
Veränderung ist ein zuverlässiger Indikator, um
den Reifegrad der Organisation zu erkennen.
Als Grundvoraussetzung ist es erforderlich, die
Prozesseigner der bestehenden Verbesserungsprozesse sowie alle am Prozess beteiligten Personen
und Bereiche an einen Tisch zu bringen. Ziel ist
ein gleiches Verständnis zu schaffen und alle auf
einen Nenner zu bringen. Dann stellt sich die
Frage, wie der Verbesserungsprozess ablaufen
soll und wie dies in die bestehende Organisation
implementiert werden kann. Erst danach sollte
das passende Softwaretool gesucht werden. Da
jedes Unternehmen andere Rahmenbedingungen
aufweist, kann hier keine generelle Empfehlung
erfolgen. Manche Firmen haben bereits eine
Kommunikationsplattform im Einsatz. Hier
müsste geprüft werden, in wie weit vorhandene
Strukturen genutzt werden können. Vor einer
Neuanschaffung sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:
– Alle Mitarbeiter sollten auf das System zugreifen können.
– Die Benutzerfreundlichkeit der Oberfläche
spielt eine zentrale Rolle.
– Das System sollte den Prozessablauf unterstützen.
– Auswertungen und Kennzahlen sollten übersichtlich sein.
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Social-Media - die Innovation im Verbesserungsprozess
– Das Einbringen der Ideen Dritter wie Kunden
und Lieferanten sollte möglich sein.
– U.v.m.
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Technologie mit Menschenverstand
Sind sich die Prozessbeteiligten einig, ist die
größte Hürde genommen. Trotz aller Digitalisierung geht es nicht ohne die Menschen. Dabei
empfiehlt es sich sogenannte „Multiplikatoren“
in der Organisation zu etablieren. Diese weisen
das nötige Know-How auf, um gezielt den Verbesserungsprozess zu steuern. Durch die Bündelung
der Ideen auf der Socail-Media-Plattform entsteht
Transparenz. Die Ideen können nun in themenspezifische oder auch themenübergreifende
Verbesserungspotentiale kanalisiert werden. Die
Multiplikatoren sind geübt in der Anwendung
und Umsetzung der Methoden und kennen die
Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Ideen,
KVP und Innovationen. Doch die Methodik allein
ist hier nicht ausschlaggebend. Ein Training in
Moderation oder je nach zukünftiger Aufgabe
auch ein „Train the Trainer“ Seminar können
hier unterstützen. Die Multiplikatoren müssen bestimmte Kompetenzen aufweisen, um
erfolgreich die Implementierung eines solchen
Systems unterstützen zu können. Hierbei ist
neben fachlicher Kompetenz, hohe soziale Kompetenz und emotionale Intelligenz gefordert.
Die volle und kommunizierte Akzeptanz durch
die Geschäftsführung ist ebenso unerlässlich.
Auch den Führungskräften kommt eine Schlüsselfunktion zu. In Vorbildfunktion sowie durch
fördern und fordern der Verbesserungskultur
schaffen sie eine Unternehmenskultur, welche
Veränderungen positiv bewertet und somit unterstützt. Sind diese Anforderungen erfüllt, kann
mit dem Roll out des Social-Media-Systems in die
Breite begonnen werden. Wichtig hierbei ist eine
offene Kommunikation, damit den Mitarbeitern
und Führungskräften klar wird, warum genau
der Verbesserungsprozess so elementar ist. Wird
umfangreich und klar kommuniziert, ist damit
zu rechnen, dass der Widerstand der Mitarbeiter
eher gering ausfällt. Hierbei gilt das Pareto Prinzip. 20 % sind schnell zu begeistern, 60 % Prozent
laufen mit, jedoch die letzten 20 % wird man
fast nie erreichen. Daher muss das Ziel sein, mit
den möglichen 80 % erfolgreich zu arbeiten, um
die gewünschten Verbesserungen vorzunehmen.
Der Fokus sollte klar auf den motivierten und
engagierten Mitarbeitern liegen. Die Motivation
der Mitarbeiter steigt allein schon durch den
Umstand, dass sie aktiv in den Verbesserungsprozess mit einbezogen werden (Wertschätzung).
Zusätzlich werden Teamarbeit und ein offeneres
Miteinander gefördert.
Prämierung
Die erfolgreiche Verknüpfung der drei Verbesserungsmethoden birgt auch den Aspekt der angemessenen Prämierung der Ideen mit sich. Dieser
muss im Vorfeld sauber abgegrenzt werden um
später bei der Umsetzung keine Missverständnisse zu erzeugen. Es sollte klar geregelt und für
alle nachvollziehbar sein, wann es eine Prämie
gibt, wie hoch diese ausfallen kann und wann
sie ausbezahlt wird. Des Weiteren muss Klarheit herrschen, warum eventuell keine Prämie
bezahlt werden kann. Für nachfolgende Kategorien besteht Regelungsbedarf:
– Ideen aus dem eigenen Bereich,
– Ideen aus einem fremden Bereich,
– Idee mit hohem Synergieeffekt,
– Kleinstideen / Quick-Wins,
– Kampagnen zu bestimmten Themen,
– KVP Workshops „Top Down“,
– KVP Workshops „Bottom Up“,
– Idee zur Innovation Produkt, Geschäftsmodell
etc.,
– Prozessverbesserung,
– Idee wird zum Projekt.
Die Kategorie und Begründung zur Prämierung
muss klar dargelegt sein. Eine Betriebsvereinbarung kann dies regeln.
Transparenz durch Social-Media
Nach der Einführung eines Systems, welches
die digitale Vernetzung aller Mitarbeiter ermöglicht, kann jeder einzelne nun seinen Beitrag zu
Verbesserung leisten. Diese Plattformen bieten
oft schon ein weiteres, entscheidendes Feature.
Ideen können jederzeit und überall über die App
der Anwendung eingetragen werden. Dies ist von
großem Vorteil, da der kreative Prozess der Ideenfindung keine geregelten Zeiten kennt. Nachdem
nun alle Ideen durch den elektronischen Kanal
der Kommunikationsplattform transparent
geworden sind, kann die Umsetzung der einzelnen Verbesserungen zentral gesteuert werden.
Durch die Wissensträger (Multiplikatoren) wird
eine Vorauswahl getroffen und eine Bewertung
der Ideen oder Probleme vorgenommen. Multiplikatoren haben ebenfalls eine Schlüsselrolle
im Prozess. Hier wird die Aufteilung der Ideen in
weiterführende Themenblöcke veranlasst. Handelt es sich um eine Problemstellung, kann ein
KVP Workshop ins Leben gerufen werden, um die
Lösung zu erarbeiten. Das kann sich von Schnittstellenproblematiken, bereichsübergreifenden
Themen bis hin zu einer Verbesserung des Prozesses (z. B. Kernprozesse der Wertschöpfungskette) erstrecken. Die Dokumentation während
der Umsetzung kann, je nach Umfang, direkt in
der Social-Media-Plattform erfolgen, muss aber
zumindest durch Statusberichte transparent
gemacht werden. Denn nur so kann gewährleistet werden, dass ähnliche Themen und Aspekte,
die im großen Topf auftauchen können, gleich
mit berücksichtigt werden (siehe Abbildung 2).
Operative Kleinstideen, sogenannte Quick-Wins,
benötigen keine ausführliche Dokumentation. Es
muss nur ersichtlich sein, was die Idee bezweckt
und für welchen Bereich diese eine Verbesserung
darstellt. Bei Ideen, welche nach Vorprüfung SynIdeen- und Innovationsmanagement 3 · 2016 119
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Social-Media - die Innovation im Verbesserungsprozess
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Abbildung 2:
Transparenz durch
Social Media
Plattform
ergieeffekte aufweisen, ist es sinnvoll, dass der
Bereich, der für die Umsetzung verantwortlich
zeichnet, den Fortschritt der Umsetzung zeitnah
auf der Plattform dokumentiert. Ideen können
extrem vielfältig sein. Da hier der Kreativität
keine Grenzen gesetzt sind, ist eine gezielte Weiterleitung entscheidend. Oftmals verbirgt sich
hinter einer Idee eine so große Verbesserung,
dass dies einer Innovation gleichkommt. Da Innovationen meist einen übergeordneten Charakter
haben, muss die Bearbeitung dieser Idee von
speziell dafür geschulten Mitarbeitern gesteuert
werden. Beispiele wären die Entwicklung eines
neuen Geschäftsmodells oder eines neuen Produktes. Da hier sehr umfangreiche Dokumentationen erforderlich sind und der Innovationsprozess sich zeitlich aussehen kann, empfiehlt es
sich, ähnlich wie bei einer Prozessverbesserung,
den Status in der Social-Media-Plattform festzuhalten. Die hier angewandte Transparenz ermöglicht es dem Ideengeber und anderen interessierten Parteien den Fortschritt zu verfolgen. Allein
dies wird schon oft wertschätzend empfunden
und motiviert die Mitarbeiter, auch zukünftig
mitzudenken und sich einzubringen. Diese
Management Methoden können, je nach Größe
des Unternehmens, zentral oder dezentral umgesetzt werden. Ein Beispiel für „dezentral“ wäre,
dass eine Niederlassung einen zu definierenden
Handlungsspielraum erhält, in dem die Verbesserungen direkt umgesetzt werden können. Die
Dokumentation darüber muss allerdings unbedingt in der gemeinsamen Social-Media-Plattform
ersichtlich sein.
Stärken
Da nun alles in einem Topf sichtbar wird, wird
klar, an welchen Themen die Organisation arbeitet und wo sich Synergien erkennen lassen. Dies
ist ein Ansatz, der durch den Einsatz weiterer
Werkzeuge noch verstärkt werden kann. Durch
die Nutzung von Social-Media-Plattformen können Themen in einem Forum „Bottom Up“, d. h.
120 Ideen- und Innovationsmanagement 3 · 2016
die Mitarbeiter haben eine Idee oder ein Problem,
das sie mit Kollegen diskutieren möchten, visualisiert werden. Somit ist gewährleistet, dass Anforderungen oder weitere Ideen mit in die Problembehandlung oder Idee einfließen können. Das
gleiche gilt für die „Top Down“ Methode. Hier
kann die Geschäftsführung oder die Führungskraft ein Thema vorgeben, z. B. zu einem geplanten Projekt, einer Prozessveränderung oder einer
Innovation, um das Wissen und die Ideen der
Mitarbeiter mit einzubinden. Diese Kampagnen
bieten die Möglichkeit vor Start eines großen
Projektes die Mitarbeiter anzufragen, ob noch
weitere Anforderungen, Anregungen oder auch
bestehende Probleme bezüglich des geplanten
Projekts zu berücksichtigen sind. Somit können
interessierte Parteien und Stakeholder eingebunden werden. Spannend hierbei ist die Funktionalität mancher IT-Systeme, die direkt nach Eintragung der Idee, ähnliche Ideen oder Beiträge finden und somit Synergien herstellen können. Eine
geplante Innovation oder ein Geschäftsmodell
können so zusätzlich mit weiteren thematisch
passenden Inhalten angereichert und verknüpft
werden. Nachträgliche Änderungen oder Umplanungen können dadurch klein gehalten werden.
Die durch Transparenz entstandene Übersicht
ermöglicht eine entsprechende Planung und
kann viel Zeit und Kosten sparen.
Mögliche Risiken
Um den Social-Media-Aspekt in der Organisation
zu erfolgreich zu etablieren, wird ein gewisser
Reifegrad des Unternehmens benötigt. In einem
streng konservativ und hierarchisch geführten
Unternehmen können durchaus Widerstände
auftreten. Auch das gesamte Management und
die Führungskräfte müssen dahinter stehen.
Transparenz wird nicht unbedingt von allen
begrüßt. Das Abteilungs- oder Silodenken ist in
vielen Firmen nach wie vor Bestandteil der etablierten Denk- und Handlungsweisen und somit
als Barriere für ganzheitliche Verbesserung zu
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Social-Media - die Innovation im Verbesserungsprozess
finden. Zudem werden Geld und Zeit für die Verbesserungen benötigt. Genügend Ressourcen sind
ein Schlüssel zum Erfolg. Es ist immer mit einem
gewissen Aufwand verbunden besser werden zu
wollen, sei es aufgrund von Problemen, Ideen
oder Innovationen. Ohne die richtige Einstellung
und Schaffung und Bereitstellung der ausreichenden Ressourcen kann ein solches System
trotz vielleicht vorherrschender Transparenz
nicht bestehen. Nur unbedingter Wille, auch
über Abteilungs-, Bereichs- oder Ländergrenzen
hinweg erfolgreich zusammen zu arbeiten,
erschließt auf Dauer die Möglichkeit das Wissen
der Organisation zur Steigerung des Unternehmenserfolges zu nutzen.
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Fazit
Berücksichtigt man die oben aufgeführten
Punkte, erschließt sich eine gute Ausgangssituation, die Verknüpfung der ManagementMethoden Ideenmanagement, KVP und Innovationsmanagement erfolgreich zu gestalten.
Des Weiteren werden Verbesserungen während
einer laufenden Verbesserung ermöglicht. Dies
gibt Sicherheit nicht nur die richtigen Dinge zu
tun, sondern die Dinge auch gleich richtig zu
tun. Der eingeschlagene Weg einer Verbesserung
kann somit bei Bedarf korrigiert und angepasst
werden. Die Verschwendung von Kosten, Zeit und
Ressourcen kann so verhindert werden. Das Eintreten von Erfolgsfaktoren wie
– Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit,
– Erhöhung von Marktanteile,
– Zufriedene Kunden,
– Motivierte Mitarbeiter und
– Gewinnoptimierung
sind ein Anzeichen für ein wirkungsvolles Verbesserungsmanagement unter Einbezug von Social-Media Plattformen. Entstandene Transparenz
macht dies eindeutig. Social-Media ermöglicht
die Beteiligung aller und somit das Einbringen
des Wissens der Mitarbeiter des Unternehmens
in die Organisation, denn nur so wird steuerbar, dass wertvolle Informationen zusammen
kommen und alle gemeinsam in eine Richtung
gehen.
Kontakt:
Sandra Röstel
Manager für KVP, Projekt und Prozesse. Durch
ihre langjährige Berufserfahrung ist sie sehr praxisorientiert. Sie versteht es, die Einführung und
Umsetzung von Verbesserungsprozessen individuell zu gestalten. Zusätzlich sorgt sie als Trainer
und Moderator für die Implementierung von Fachund Methodenkompetenzen im Unternehmen.
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Ideen- und Innovationsmanagement 3 · 2016 121