Alle Russen dopen Vor zwei Tagen haben wir den Bericht der World Anti Doping Agency (WADA) präsentiert bekommen, wonach alle Russen dopen. Diese Aussage würde in jedem anderen Kontext oder bezogen auf jedes andere Land in unserer „freien“ Welt zumindest die Toleranz- und Menschenrechtsbeauftragten auf den Plan rufen, denn solche Pauschalurteile werden ja sonst vehement bekämpft. Wenn ein Islamist sich in die Luft sprengt oder Menschen in einem Zug absticht, so heißt das noch lange nicht, dass alle Muslime Terroristen sind. Diese Einschätzung hören wir dieser Tage, und Pauschalurteile sind sicherlich zu verwerfen. Doch warum gilt das nicht auch für Russen? Die WADA hat bei der Präsentation ihrer Untersuchungsergebnisse nicht festgestellt, dass einige oder viele Sportler dopen, Nein - sie hat rausbekommen, dass ALLE Russen verbotene Substanzen verwenden, ohne Ausnahme. Und natürlich ist das alles organisiert von der russischen Regierung, will sagen, der böse Putin hat das, unter seiner Regie geführt. Nach diesen pauschalen Anschuldigungen kann natürlich nur eine pauschale Verurteilung folgen, nämlich der Ausschluss ALLER Russen von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Und natürlich stört es niemanden, weder die „freie“ Presse, noch andere westliche Sportler und Sportfunktionäre (was übrigens extrem erbärmlich ist, wenn Sportler oder Trainer verlangen, dass die komplette russische Mannschaft nun ausgeschlossen werden soll, obwohl sie genau wissen müssten, dass es kein flächendeckendes Doping gibt und dass dies extrem unfair gegenüber ehrlichen Sportlern wäre), dass in dem genannten Bericht kein einziger stichhaltiger Beweis erbracht wurde, sondern sich alles auf die Aussage eines Kronzeugen stützt, der aus Russland wegen Korruptionsanschuldigungen sich in die USA mit Flucht gerettet hat. Darüber hinaus stört es auch niemanden, dass die Ermittler nicht in Russland waren und mit keinem russischen Verantwortlichen gesprochen haben. Symptomatisch ist eine der Aussagen des Chefermittlers Richard McLaren bei der Präsentation des WADA-Reports, man wüsste zwar nicht wie die Russen das gemacht haben, aber man wisse, dass es möglich wäre. Hier kriegt man einfach diesen faden Beigeschmack nicht weg. Wenn der „saubere“ Westen in den letzten Jahren die Chinesen für die Olympischen Spiele in Peking und Russland für die Winterspiele in Sotchi, wegen der politischen Vereinnahmung des Sports kritisierte, so ist dieser Bericht der WADA, deren größte Geldgeber die USA und Kanada sind, von einer solchen offensichtlichen Politisierung und böswilligen Einseitigkeit getragen, dass es nur völlig naiven Beobachtern nicht klar ist, um was es hier geht. Zu hoffen bleibt, dass das Internationale Olympische Komitee, sich von diesem Druck, der nun von Presse und Öffentlichkeit betrieben wird, nicht beeindrucken lässt und kein Pauschalurteil über ein ganzes Land, über ALLE Sportler eines Landes fällt. Ansonsten hätte es fatale Folgen für den Sport und den olympischen Gedanken insgesamt.
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