Ordnungs - EconStor

econstor
www.econstor.eu
Der Open-Access-Publikationsserver der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft
The Open Access Publication Server of the ZBW – Leibniz Information Centre for Economics
Meyer, Dirk
Article
Ordnungs- und sozialpolitische Aspekte einer
Absicherung des Pflegefallrisikos
Wirtschaftsdienst
Suggested Citation: Meyer, Dirk (1989) : Ordnungs- und sozialpolitische Aspekte einer
Absicherung des Pflegefallrisikos, Wirtschaftsdienst, ISSN 0043-6275, Verlag Weltarchiv,
Hamburg, Vol. 69, Iss. 6, pp. 299-306
This Version is available at:
http://hdl.handle.net/10419/136528
Standard-Nutzungsbedingungen:
Terms of use:
Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen
Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden.
Documents in EconStor may be saved and copied for your
personal and scholarly purposes.
Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle
Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich
machen, vertreiben oder anderweitig nutzen.
You are not to copy documents for public or commercial
purposes, to exhibit the documents publicly, to make them
publicly available on the internet, or to distribute or otherwise
use the documents in public.
Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen
(insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten,
gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort
genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte.
zbw
Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft
Leibniz Information Centre for Economics
If the documents have been made available under an Open
Content Licence (especially Creative Commons Licences), you
may exercise further usage rights as specified in the indicated
licence.
SOZIALPOLITIK
Steuerung, w e lche s verlan gt, daß je d e s E inkom m en e in ­
che Entw icklung über längere Z eit politisch d u rch h a lt­
mal und nur einm al erfaß t w ird, eine R elativierung se i­
bar w äre. U nter diesem A spe kt fü h rt w ohl kein W eg
nes theoretischen A n w e n dun gsb ere ichs. U nser A nsa tz
da ran vorbei, die S teu erla st a uf A lterse in künfte generel
verlangt im plizit eine A ng le ichu ng d e r B este ueru ng von
anzuh eb en, w as nach Lage d e r D inge nur eine anstei
Renten und P ensionen, läßt a b er offen, in w e lche R ich­
gend e B elastun g von R e nten ein kün ften m it Einkom
tung die H arm onisierung gehe n soll.
m en ste ue r heißen kann. A uß erdem ist auf dem zuletz
ge na nn te n W ege eher da m it zu rechnen, die bislang un
Wäre es nun a b er sinnvoll, die B esteuerung von B e­
terschied lich e steu erliche B ehandlung von A ltersein
am tenpensionen zu senken, um die ge ge nw ä rtige n Er­
künften aus anderen Q uellen, w ie etw a au s Z usatzve r
tragsanteilssätze d e r R e nten be ste ueru ng un verä nde rt
sorg un gskasse n des öffen tliche n D ienstes und Be
zu lassen? Nach unserer A uffassu ng sprechen g e w ich ­
trieb sren te n, an gleich en zu können. A llerdings zeig
tige G ründe gege n eine solche Lösung. Bei d e r g e g e n ­
sich auch am B eispiel de s P rob le m s d e r H arm onisie
wärtigen A lte rsstru ktu r de r B evölkerung ist m it einem
rung d e r steu erlichen B ehan dlu ng von A lterse in künften
quasi program m ierten A nstie g der B elastung von Ein­
w ie d e r einm al, daß strikt öko no m ische A rgu m en te nich
kommen w ährend der E rw e rbsp hase von Ind ivid uen zu
nur e ine r einzigen A uffassu ng po litisch e M unition zu lie
rechnen. Es ist nicht seh r w a hrsch ein lich , daß eine so l­
fern verm ögen.
D irk M eyer
Ordnungs- und sozialpolitische Aspekte einer
Absicherung des Pflegefallrisikos
Die Absicherung des Pflegefallrisil<os über die Sozialhilfe wird allgemein als unzureichend
betrachtet. Dr Dirk Meyer analysiert die Alternativen zur heutigen Situation.
ie um fasse nd e A bsich e ru n g d e r Lebensrisiken
D
2 6 0 0 0 0 da ue rnd in stationären E inrichtungen leben.
Invalidität, A lte r und A rbe itslo sigke it
Eine 1978 von S ocialdata du rch g e fü h rte Untersuchung®
stellt eine bedeutende, w e nn auch nicht ga nz p ro b le m ­
e rm ittelte 210000 S ch w erstpfle ge bed ürftige , 4 2 0 0 0 0
Krankheit,
lose, soziale E rrun ge nscha ft d e r letzten 100 Ja h re dar.
S chw e rp fle g e b e d ü rftig e und 9 4 0 0 0 0 P fleg eb ed ürftige,
Ebenfalls ist d e r S chutz vor A llta gsrisiken durch e n tsp re ­
die leichte Pflege brauchen. D ies en tsp rich t rund 3 %
chende V ersicherungen (H aftpflicht. H ausrat usw.) in
der Bevölkerung. A n n äh ern d 67 % d ie se r P fle g e b e d ü rf­
hohem M aße ge w ä hrle istet. In krassem G eg ensa tz
tigen sind älte r als 60 Ja h re “ . B e a chten sw e rt ist in sb e ­
steht hierzu die B ehandlung des R isikos d e r P fleg eb e­
sondere ein alte rsb e d in g te r A nstie g der P fle g e b e d ü rf­
dürftigkeit. Die steig en de Le be nse rw artun g und die bei
tigkeit. So be trä gt d iese r A nte il in d e r A ltersg rup pe 60-
schrum pfender H aushaltsgröße a b ne hm en de fam iliäre
64 Jah re nur 1.7 % . M it über 80 Jah ren steig t diese
Selbsthilfe verleih en de r un zure iche nd en fina nziellen
Q uo te auf 28.4 % ^
Regelung diese s P roblem s z u n eh m end S chä rfe'.
Nach S chä tzung en d e r B undesregierung^ b e trä gt die
Anzahl der
P fleg eb ed ürftigen
rund
2
Mill., w obei
' A u s g a n g s p u n k t d e r D is k u s s io n w a r e in G u ta c h te n d e s K u ra to riu m s
D e u ts c h e A lte rs h ilfe a u s d e m J a h re 1974.
^ V gl. B e ric h t d e r B u n d e s re g ie ru n g zu F ra g e n d e r P fle g e b e d ü rftig k e it,
D ru c k s a c h e 1 0 /1 9 4 3 ,1 9 8 4 , S. 3.
Dr. D irk Meyer, 31, is t w isse n sch a ftlich e r A s s is te n t
^ Vgl. S o c ia ld a ta : A n z a h l u n d S itu a tio n z u H a u s e le b e n d e r P fle g e b e ­
d ü rftig e r, S c h rifte n re ih e d e s B u n d e s m in is te rs fü r J u g e n d , F a m ilie u n d
G e s u n d h e it, B d . 8 0 , S tu ttg a rt. B e rlin 1980, S. 3 9 f. D ie s e U n te rs u c h u n g
u m fa ß t a lle rd in g s n u r d e u ts c h e , z u H a u s e le b e n d e P fle g e b e d ü rftig e .
am Institut fü r W irtschaftspo litik un d W ettbew erb
'
an d e r C h ristia n -A lb re ch ts-U n ive rsitä tzu Kiel.
^ S ie h e e b e n d a , S. 42.
W IR TS C H A F TS D IE N S T 1989A/I
S ie h e e b e n d a . S. 41.
299
SOZIALPOLITIK
Der Pflegefall als Sozialfall
Nach §§ 184, 185 RVO zählt de r P flegefall nicht zu
den Leistungen d e r ge setzlichen Krankenkassen®. G e ­
m äß §§ 6 8 ,6 9 B S H G sind die S ozia lh ilfe trä g e r zum R e­
g e lle istu n g strä g e r gew orden, falls da s Einkom m en des
Betroffenen einschließlich des in §§ 28, 91 BSHG g e ­
nannten P erso ne nkreises die Kosten d e r P flege nicht
deckt. D aneben bestehen noch einige S on d e rre g e lu n ­
gen, so z. B. im Rahm en d e r ge setzlichen U n fa llve rsi­
cherung (§ 558 RVO), de r K rie gso pferverso rgu ng (§ 35
BVG), des La stena usg leichs (§ 267 LAG) und d e r B ei­
hilfe des öffen tliche n D ienstes. D arüber hinaus haben
einig e B un de slän de r (Berlin, Brem en, R heinland-P falz)
spe zie lle P fleg eg eld ge setze. Für die M ehrzahl der B u n ­
de sde utsche n zählt der P flegefall de nn och zu den u n g e ­
sich erten Risiken.
D er P flegefall ist som it häufig zug le ich ein Sozialfall.
Die „H ilfe zu r P fleg e" betrug 1986 7,6 M rd. DM und be­
an sp ru ch te ca. V3 d e r S o z ia lh ilfe a u s g a b e n '“ . Knapp
9 0 % en tfiele n auf die Hilfe in E in richtu nge n (261000
P ersonen), rund 10 % auf die häusliche P flege (23 00 00
P ersonen). Das fin a n zie lle P roblem ko n ze n trie rt sich
som it auf die statio näre Pflege. 1981 konnten lediglich
40 % de r H e im koste n aus privaten Le istun ge n getragen
w erden, 60 % üb ern ahm die S o z ia lh ilfe ” . Die gesam ten
Kosten d e r statio näre n P flege d ü rfte n sich de rzeit auf
15-20 Mrd. DM o h ne S ub ven tion en und Z u sch ü sse für
den Bau und die U nte rha ltung von E in richtu nge n belau­
fen'^. H inzu kom m en säm tliche öffen tliche n und priva­
ten A usg ab en sow ie O p p o rtu n itä tsko ste n fü r die häusli­
che Pflege, die sich nur seh r vage a u f ü b er 13 Mrd. DM
schä tzen lassen'^.
Alternativen
Insb eson de re bei statio näre r U n te rbrin gu ng ü b e rste i­
gen die Kosten häufig die F ina nzkra ft d e r Betroffenen^.
Die un zure iche nd e A bsich e ru n g des Pflegefallrisikos,
Etwa 70 % aller A lten - und 90 % a lle r P fle g e h e im b e w o h ­
ein zukü nftig ste ig e n d e r F in a n zb e d a rf sow ie G renzen
ner sind auf S ozialhilfe angewiesen®. B erü cksich tigt
des staa tliche n T ransfe rsyste m s lassen eine um fas-
m an ferner, daß der A nstieg der P flegesätze die E nt­
w icklun g der R enten übersteigt, so w ird sich eine D is­
krepanz im Z e ita b la u f w e ite r vergrößern®.
® D ie s e r T a tsa ch e s te h t a lle rd in g s e in e s c h w e r s c h a tz b a re Z a h l v o n
„ F e h lb e le g u n g e n " ä lte re r L a n g z e itp a tie n te n in K ra n k e n h a u s e rn g e g e n ­
über. d-h. fa k tis c h ü b e rn e h m e n d ie K ra n k e n k a s s e n b e re its e in e n Teil d e r
P fle g e k o s te n .
' Vgl. h ie rz u a u c h d ie G e g e n ü b e rs te llu n g v o n P fle g e s ä tz e n u n d E in ­
k o m m e n in: S ta tis tis c h e s B u n d e s a m t: W irts c h a ft u n d S ta tis tik , H .3 '
1 9 8 0 ,3 , 2 0 0 ff.
® Vgl. G. N a e g e i e : Z u m a k tu e lle n D is k u s s io n s s ta n d d e r K o s te n n e u o rd n u n g b e i P fle g e b e d ü rftig k e it, in: T h e o rie u n d P ra x is d e r s o z ia le n
A rb e it. 35. Jg. (1 9 8 4 ), S. 324 .
’ Vgl, D, T e s i c : H e im k o s te n u n d S o z ia lh ilfe , in: B lä tte r d e r W o h l­
fa h rts p fle g e , 1984, S, 247 .
V gl, d ie Z a h le n a n g a b e n in: S ta tis tis c h e s B u n d e s a m t: S ta tis tis c h e s
J a h rb u c h 1988 fü r d ie B u n d e s re p u b lik D e u ts c h la n d , S tu ttg a rt un d M ainz
1988, S. 41,
”
V g l.G , N a e g e l e , a ,a ,0 ,, S, 324 ,
■’ D ie s e S u m m e s e tz t s ic h z u s a m m e n a u s 7 .6 M rd, D M H ilfe z u r Pflege
(1986), 1,5 M rd, D M s o n s tig e ö ffe n tlic h e T rä g e r (1982), 4 M rd, D M private
A u s g a b e n z u r s ta tio n ä re n P fle g e (1 9 8 2 ) u n d 3 -6 M rd, D M fü r P fle g e fä lle
im K ra n k e n h a u s (1984), V gl, S ta tis tis c h e s B u n d e s a m t, a a .O ,. S, 410
B e ric h t d e r B u n d e s re g ie ru n g z u F ra g e n d e r P fle g e b e d ü rftig k e it, a,a.O ,
S , 8 : H , S c h ü l k e : D ie F in a n z ie ru n g d e r P fle g e k o s t e n - e in e sc h w ie
rig e A u fg a b e fü r d ie S o z ia lp o litik , in: V e rs ic h e ru n g s w irts c h a ft. 39. Jg
(1984), S, 1598,
Alternativen zur Absicherung des Pflegefallrisikos
Steuerlichen R a hm e n­
b ed ing un gen
300
W IR T S C H A F T S D IE N S T 1989A/I
SOZIALPOLITIK
sende (N e u-)R e ge lun g d e r P fleg efin an zieru ng n o tw e n ­
risch e ige nstän dig e Versicherung erh ält ihre F ina nzm it­
dig erscheinen. Im folg en de n zu n ä ch st ein IJberblicl<
tel aus Z w an gsb eiträg en , die sich am A rb e itse in ko m ­
(die Abbildung) ü b er die M ög lich keite n d e r A b sich e ­
m en o d e r dem gesam ten zu ve rsteu ern de n Einkom m en
rung, denen zu m e ist konkrete V orschläge zu g ru n d e lie­
berechnen. Die B ere itstellung von Le istun ge n kann s o ­
gen (vgl. die Tabelle):
w ohl nach dem S ach le istung s- als auch nach dem
□ Eigenvorsorge. Die E ig en vorsorg e g rü nd et sich auf
den G rundsatz d e r F reiw illigkeit und d e r E igeninitiative.
Die Form en können en tsprech en d vielfältig sein. Als
sachliche Vorsorge im R ahm en d e r F am ilienpflege w äre
die M ehrgenerationenfam ilie denkbar. Z ur fina nziellen
Eigensicherung zäh le n z. B. das S paren, die Lebensver­
sicherung und auch der A bschluß eine r privaten P fleg e­
fallversicherung.
verfah ren in Frage. D iese A rt der S o zia lve rsich e ru n g slö ­
sung w ird von einig en V erbänden des W o h lfa h rtsw e ­
sen s vorg esch lag en und ist in H olland seit 1968 ve rw irk­
licht'®.
□ A n b in d u n g a n die g e se tzlich e K rankenversicherung.
D ieser
□ Private P fle g e fa llve rsich e ru n g m it V ersicherungs­
zwang. D ieser V orschlag kom b in iert den staatlichen
Eingriff des V ersiche rung szw a nge s m it dem A bschluß
eines privaten V ersicherungsvertrages''*. U nter B e a ch ­
tung einer M in de stsicheru ng kann d e r V ersiche rung s­
nehmer seinen S chutz gem äß seine n W ünsch en nach
Wahltarifen zusa m m en ste lle n. So w erden bereits von
verschiedenen
K o ste nerstattun gsp rinzip erfolgen. A ls F in a n zie ru n g s­
prinzip kom m en das U m lage- und d a s K ap italdecku ng s­
Instituten
P fleg etag eg eld -,
P fleg eko­
sten- sow ie P fleg ere nten versich eru nge n m it R ü ckge­
währ im Todesfall angeboten'®. D er S chutz w ird ve rsi­
cherungstechnisch nach dem K a p ita ld e cku n g sve rfa h ­
ren organisiert, w o be i die P räm ien gem äß dem Ä q u iva ­
lenzprinzip erhoben w erden.
□ Gesetzliche P fleg efallversiche rung . In A nleh nun g an
andere Z w eige d e r S o zialversich erun g en tsp rich t diese
Form einer Z w an gsve rsiche run g m it R e chtsan spruch
auf Leistungen bei P fleg eb ed ürftigkeit. Die organisato-
Lösun gsvo rsch la g
un te rsch e id e t
sich
nicht
g ru nd leg en d von dem eine r ge setzlichen P fleg eve rsi­
che run g. Bei o rg a n isa to risch e r A nb in dun g an die g e ­
setzliche K ranken versich eru ng (G KV) ist allerd in gs eine
Ü b ern ahm e ihrer G estaltu ngsp rin zipien w a h rsch e in ­
lich, d. h. als B e m e ssun gsg ru nd la ge g ilt d a s A rb e itse in ­
kom m en, die F ina nzierun g e rfolgt nach dem U m la g e ­
verfahren, und es üb erw ieg t das S ach le istung sprinzip .
Bei d iese r K onstruktion en tfä llt die schw ierige U nter­
sche id ung von K ran khe it und Pflege, außerdem muß
keine neue V erw altung e rrichtet w erden. Z ahlreich e
Initiativen nehm en diese s K onzept z u r G rundlage, so z.
B. d e r „G e m e in sa m e V orsch la g“ d e rV d K D eutschland
und d e r he ssisch e G ese tze ntw urf'^.
□
A n b in d u n g an die g e se tzlich e R entenversicherung.
Die vo r allem von d e r Transfer-E nquete-K om m ission'®
v o rg esch lag en e E inbindung des P flegefalls in die g e ­
setzliche R e ntenversichung (G R V) u n tersche ide t sich
nicht nu r hinsichtlich des Trägers vom vorh erig en Vor­
schlag. Im G eg ensa tz zu einem e in ko m m e n su n a b h ä n ­
” Diese Zahl b e in h a lte t d e n g e s c h ä tz te n A u fw a n d fü r S a c h m itte l v o n 1,1
Mrd. DM (vgl. B e ric h t d e r B u n d e s re g ie ru n g zu F ra g e n d e r P fle g e b e d ü rf­
tigkeit, a.a.O ., S. 8) s o w ie k a lk u la to ris c h e A rb e its k o s te n in H ö h e vo n
12,4 Mrd. DM . D ie le tz te A n g a b e e rg ib t s ic h bei 2 P fle g e s td . ä D M 1 0 ,- x
365 Tage x 1,7 M ill. h ä u s lic h e r P fle g e fa lle .
Der V e rs ic h e ru n g s z w a n g s e tz t e in a u s re ic h e n d e s p riv a te s A n g e b o t
an V ersicherungen vo ra u s . P ro b le m e k ö n n te n s ic h a u s e in e r m a n g e ln ­
den K a lkulierbarkeit d e r R is ik e n e rg e b e n . S o m ü s s e n d ie P fle g e k o s te n
operational d e fin ie rt w o rd e n u n d d ie P rä m ie n a n h a n d v o n S ta tis tik e n
hinreichend g e n a u fe s tg e le g t w e rd e n .
B e ispielsw eise b ie te n p riv a te K ra n k e n v e rs ic h e ru n g e n e in e 8 0 % ig e
Übernahm e n a c h g e w ie s e n e r P fle g e k o s te n bis z u D M 6 0 0 0 0 ,- /J a h r
oder alternativ e in P fle g e ta g e g e ld je n a c h S c h w e re b is m a x . D M 4 0 , - /
Tag, Die P räm ien b e tra g e n fü r M ä n n e r (4 0 J .) D M 50,74, fü r F ra u e n w ird
ein 20°'oiger Z u s c h la g e rh o b e n . V gl. A llg e m e in e V e rs ic h e ru n g s b e d in ­
gungen für die P fle g e k ra n k e n v e rs ic h e ru n g . Teil I: M u s te rb e d in g u n g e n
des Verbandes d e r p riv a te n K ra n k e n v e rs ic h e ru n g (M B .'P V ), 1985.
® Vgl. M. R. H e u s e r - M e y e :
P fle g e v e rs ic h e ru n g - M o d e llk ritik
und L e istu n g svo rsch lä g e , K ö ln 1984, S. 6 6 ff.
’'V g l. G. I g l : V o rs c h lä g e z u r V e rb e s s e ru n g d e s S c h u tz e s p fle g e b e ­
dürftiger P e rso n e n - K o n z e p te , E n tw ic k lu n g , D is k u s s io n , in: D e u ts c h e
R e nlen versicherung, 1986, S. 4 9 /6 6 . D e r h e s s is c h e G e s e tz e n tw u rf ist
hier nur m it E in s c h rä n k u n g e n z u n e n n e n , d a e r d ie g e s a m te W o h n b e v ö l­
kerung b e rü cksich tig t. V gl. H e s s e n s In itia tiv e fü r e in e P fle g e v e rs ic h e ­
rung, W ie sb a d e n 1986.
Vgl. T ra n s fe r-E n q u e te -K o m m is s io n : D a s T ra n s fe rs y s te m in d e r B u n ­
desrepublik D e u ts c h la n d , S tu ttg a rt, B e rlin 1981, S. 178 ff.
W IR TSC HAFTSD IEN ST 1989A/I
gigen R e chtsan spruch auf Le istun ge n im P flegefall
üb ern im m t der R e n te n ve rsich e ru n g strä g e r die P fleg e­
kosten nu r dann, w enn die g e se tzlich e R ente zur A bd ekkung nicht ausreicht. Es liegt som it keine K oste nüb er­
nahm e, son de rn lediglich ein P flegezuschuß v o r
□
Le istungsgesetz. Die F ina nzierun g des P flegefalls
läßt sich auch im R ahm en d e r öffen tliche n S u b je ktfö rd e ­
rung als L e istun gsg esetz durchführen, w o be i die F ina n­
zie run g
aus
ö ffen tliche n
H a ush altsm itteln
erfolge n
w ürde. Die B ew illigung d e r Leistungen kann u n a b h ä n ­
gig vom öko no m ische n S tatus ge sche he n (G e se tze n t­
w u rf d e r G rünen) o d e r ähnlich dem W ohn ge ldg ese tz an
eine B ed arfsprü fu ng g e knü pft w erden (rh e in la n d -p fä lzi­
sch e r G esetzentw urf)'® . Die Ina nspru chn ahm e kann s o ­
w o hl ü b er das S ach le istu n g sp rin zip als auch über eine
K ostenerstattung ge reg elt w erden.
V gl. G . I g l ,
a .a .O ., S. 5 2 ff. u. S. 5 8 ff.
301
SOZIALPOLITIK
□
ö ffe n tlic h e O bjektförderung. Die O bje ktfö rderu ng
dig. In Verbindung m it ein e r sich auf das N otw endigste
aus öffen tliche n H a ush altsm itteln kann eine S ub ve n tio ­
beschrä nken de n
nierung d e r W ohlfahrtsträger, die B ezu schu ssun g a m ­
d ü rfte diese A ltern ative am ehesten system konform
staa tliche n
Versicherungsaufsicht
bu la nter D ienste und die B ere itstellung d e r S o zia lin fra ­
sein. A lle Form en der Z w an gsve rsiche run g und öffentli­
struktur durch die Ü b ern ahm e der Inve stitione n für
chen V orsorge w id e rsp re ch e n den P rinzipien d e r Kon­
H eim plätze um fassen.
su m e n te n so u ve rä n itä t und des W ettb ew erbs. Insbeson­
□
Verbesserung d e r ste u e rlich e n R a h m e n b e d in g u n ­
gen. Vor allem in Kom bination m it Form en der f^a rktlö sung w äre eine M eritorisierung der P flegefallvorsorge
denkbar. S teu erliche Vergünstigungen o d er Transfer­
zah lu nge n könnten freiw illige Leistungen unterstützen.
dere ist eine staa tliche Ü b ern ahm e d e r P flegekosten ab­
zulehnen, da die „P fle g e " gru nd sätzlich ein privates Gut
darstellt^°.
D iese F eststellung füh rt zu dem w ichtige n A spekt der
O rgan isa tionsfo rm
der V ersicherung.
m a rktw irtsch a ftlich e n
Analyse der Alternativen
Die sozial- und o rd nu ngsp olitische A na lyse der dar­
g e stellte n A ltern ative n um faßt die S yste m ve rträ g lich ­
keit, den U m fang der S icherung, be tra chtet die A n re iz­
strukturen sow ie die Finanzierung und fragt a b sch lie ­
ßend nach d e r politischen D urchsetzbarkeit.
Eine o rd nu ngsp olitische B etra chtung hat im m e r die
P rinzip
eine r
G em äß
dem
Internalisierung,
d.h. de r K ongruenz von Le istun g und G egenleistung,
kann lediglich da s in d ivid u e lle K apitaldeckungsverfahren diesen A nsp ruch erfüllen. D e m g e g e n ü b e r sind das
U m lage verfah ren sow ie das in stitu tion elle Kapitaldekkun gsve rfa hre n g ru n d sä tzlich m it in te rge nera tiven bzw.
in te rpe rsone llen
U m ve rte ilu ng seffe kten
verbunden.
D iese hängen davon ab, ob die E rhe bu ng nach dem
Ä qu iva len z- oder dem Leistungsfähigkeitsprinzip erfolgt.
S ystem ve rträ glichkeit eine r w irtsch a ftsp o litisch e n M aß­
na hm e in den M ittelp un kt zu stellen, w o be i in m a rktw irt­
scha ftliche n S ystem en staa tliche E ingriffe eine r a u s­
drü cklich en R e chtfertigu ng bedürfen.
Eine rein m arktw irtsch aftlich e Lösung stellt die fre iw il­
Umfang der Absicherung
D er U m fang de r A bsich e ru n g be zie ht sich auf den zu
schü tzend en P ersonenkreis, die H öhe d e r Leistungen
und die A rt der b e a n spruch ba ren Leistungen. Da die
lige E igenvorsorge dar. D iese bleibt je do ch un g e n ü ­
P fleg eb ed ürftigkeit ein allg e m e in e s Le be nsrisiko dar­
gend. da einige P ersonen keine ausreichen de n öko n o ­
stellt, ist die g e sam te W ohn be völke run g in den Schutz
m isch en Leistungen erbring en (können) - B ehinderte,
e in zu bezieh en. D iese A n fo rderu ng w ird von einem all­
A rb e itslo se -
ge m einen V ersiche rung szw a ng, einem
o d er eine a n ge m essen e Vorsorge mit
Leistungsge-
Blick auf das soziale Netz a b sich tlich nicht vornehm en.
Z u r V erm eidung in te rte m po rärer e xte rn e r Effekte, d. h.
eines F ree-R ider-Verhaltens, ist zum ind est ein V ersiche­
run gszw ang in H öhe eine r M in de stsicheru ng n o tw e n ­
™ A u l d a s G u t „ P tle g e ” la s s e n s ic h a lle d re i K rite rie n a n w e n d e n , d ie ein
p riv a te s G u t k e n n z e ic h n e n : A u s s c h lu ß p rin z ip , K o n k u rre n z im K onsum
s o w ie T eilba rkeit. Vgl, h ie rz u N ä h e re s b e i D, M e y e r : O rie n tie ru n g e n
e in e r m a rk tw irts c h a ftlic h e n A lte rn a tiv e z u r A b s ic h e ru n g d e s P fle gefa llris ik o s , u n v e rö ffe n tlic h te s M a n u s k rip t, K ie l 1988, S. 18 f.
W ELTKONJUNKTURDIENST
Jahresbezugspreis,
D M 8 0 ,ISSN 0342-6335
Der Vierteljahresbericht, der von der Abteilung Weltkonjunktur des
HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung-Hamburg erarbeitet
wird, analysiert und prognostiziert die wirtschaftliche Entwicklung
in den wichtigsten westlichen Industrienationen sowie auf den
Weltrohstoffmärkten.
yERLAG WEUARCHIV^MBHlkAMBUR
302
1
W IR T S C H A F T S D IE N S T 1989A/I
SOZIALPOLITIK
setz sow ie eine r O b je ktfö rderu ng gru nd sätzlich erfüllt.
dere sollten A nreize ge ge be n w erden, teure M aß nah­
Gerade bei ö ffen tliche r F ina nzierun g ist je do ch a u f­
m en durch koste ngü nstig ere zu ersetzen. So fü h rt z.B.
grund d a ue rnde r M ittelkn ap phe it ein e D iskrim in ieru ng
ein A usschluß der häuslichen L a ie npfle ge vom E rsta l­
ähnlich einem B ezu gssch ein system zu erw arten. S tatt
tun gsan spru ch zu r verm e hrten H e im un terbringu ng ^“'.
einer R ationierung über die Preise erfo lg t eine Z uteilun g
E ntsprechend w ären die fam iliäre n und ehrenam tlichen
der M engen. D ies trifft auch auf die S o zia lve rsich e ­
Hilfen zu fördern, zum a l diese fü rd e n P fleg eb ed ürftigen
rungslösungen zu, w o be i hier zusä tzlich das Problem
oftm als seh r vie l h u m an er sind^^. D ies kann durch eine
der beschränkten B em e ssun gsg ru nd la ge zu beachten
großzügige A ufw a nd serstattung , die M ög lich keit d e s Er­
ist. Insbesondere bei eine r o rg an isatorische n A n b in ­
w e rbs von R e nten an sprüch en für P flegepersonen und
dung an die G K V o d e r G R V w erden sich die B eiträ ge nur
un ter U m ständen durch eine ge rin gfügige fina nzielle
nach dem A rbe itseinkom m e n richten. D am it w ären alle
E ntschädigung erfolge n. D iesen F orderungen en tsp re ­
Nicht-Arbeitnehm er w ie B eam te, S elbstän dig e, H aus-
chen bereits die R egelungen d e r §§ 68, 69 BSHG , o b ­
frauenZ-männer bzw. alle N icht-K ran kenve rsich erten
w ohl es sich hierbei zum Teil um K ann-B estim m ungen
von einer A bsiche rung au sgeschlossen.
handelt.
Neben dem e inb ezog en en P ersonenkreis sind auch
D am it die Leistungen m ög lich st b e da rfsg ere cht be ­
die B egünstigten ab zug renze n. Da sozialp olitisch eine
reitgestellt w erden, sollten sich d e r S taat bzw. die S o­
Differenzierung in B ehinderung, K ran khe it und Pflege-
zia lve rsich e ru n g strä g e r auf die F inanzierung de r M aß­
bedürftigkeit^' kaum w ü n sch e n sw e rt erscheint, sollte
nahm en be schränken. Die Le istun gse rb rin gun g sollte
der Schutz unabhängig von G rund und A lter des B etro f­
dagegen durch W ohlfa hrtsverb än de, e rw erbso rie ntierte
fenen gew ährt w erden. D ies w ü rde für die G K V -Lösung
private A nb ie te r o d er Laienhilfe vorg en om m en w erden,
sprechen. A u f das K riterium der S chw ere des Falles s o ­
da diese aufgrun d be ssere r S ach ken ntnis und ge g e b e ­
wie einer eventuellen E in kom m e ns-A /erm ög en sab hän -
nenfalls aufgrun d von G ew inn anre ize n ein na ch fra g e ­
gigkeit wird w e ite r unten eing ega ng en .
g e rech te res A n g eb ot e rstelle n w erden.
Höhe und Art der Leistungen
Anreizstrukturen
Die Höhe e ine r M in de stsicheru ng hängt von s o zia lp o ­
Um die A bsich e ru n g des P flegefalls m ög lich st effektiv
litischen N orm en und deren F ina nzierba rkeit ab. A u f­
und e ffizie nt du rchzuführen, ist da s S teu erun gs- und A n ­
grund des staatlichen Z w a n g sch a ra kte rs und des stark
reizsystem so zu gestalten, daß eine V erschw endung
eingeschränkten fina nziellen S pielra um s bei e ine r E rhö­
von R essourcen m ög lich st a u sge schlo ssen wird. Die
hung der A bg ab en last sollte nur das Risiko m ittlere r und
folg en de A na lyse un tersche ide t zw ischen A nre izstruk­
schwerer P fleg efälle ab ge de ckt w erden.
turen auf d e r A ng eb ots- und N achfrageseite.
Die F inanzierung d iese r A bsiche rung sollte so be ­
Eine kostenlose B ere itstellung kna pp er G üter führt
messen w erden, daß für andere S o zia lträ g e r (S o zia l­
zur Ü bernutzung, so auch bei P fleg eb ed ürftigkeit. A llg e ­
hilfe) keine Belastung eintritt. Beim U m lageverfahren
m ein w ird diese s P hänom en als Free-R ider- o d er M oral-
würden sich die B eiträge nach den au ge nb lickliche n
Hazard-V erhalten bezeichnet. O b Le istun gsg esetz oder
Ausgaben richten^^, w ä hre nd beim K ap italdecku ng sver­
P flegefallversicherung, bei allen kollektiven, auf R isiko­
fahren auf kollektiver B asis der E rw a rtu ng sschad en und
ausgleich beruh end en S ich eru ngssyste m e n ist m it e i­
auf individueller B e re chn un gsgru nd lag e d e r schw ere
nem A nstieg der P flegefälle zu rechnen^®. Dabei kann
Pflegefall zu w ä hle n wären.
es der B etroffene selbst sein, d e r sich bei o b je ktiv g le i­
Die Art de r b e an spruch ba ren Leistungen sollte eine
effektive, d. h. zie le rfü lle n d e und zug le ich effiziente, d.h.
kostengünstige B ehan dlu ng ermöglichen^®. InsbesonVgl. h ierzu §§ 184, 185 R V O u n d § § 68, 6 9 B S H G .
“ In der P ra xis d e s U n n la g e v e rfa h re n s ric h te n s ic h d ie A u s g a b e n a lle r­
dings häu fig n a c h d e n z u r V e rfü g u n g s te h e n d e n E in n a h m e n . A ls B e i­
spiele sind d ie GKV, a b e r a u c h d ie A rb e its lo s e n v e rs ic h e ru n g z u n e n n e n .
Z ur B e g rifflic h k e it vgl. A. L. C o c h r a n e ;
ciency. Lon d o n 1972, S. 2 6 -4 4 .
E ffe c tiv e n e s s a n d E ffi­
” Dies z e ig t d ie E rfa h ru n g m it d e r V o lk s v e rs ic h e ru n g in H o lla n d , w o bis
1980 keine K o s te n e rs ta ttu n g fü r h ä u s lic h e P fle g e e rfo lg te . V o n 1969 bis
zur Ä n de ru n g 1980 v e rd o p p e lte sic h d a ra u fh in d ie Z a h l d e r P fle g e fä lle in
Heim en. Vgl. M. R. H e u s e r - M e y e . a .a .O .,S . 68.
W IR TS C H A F TS D IE N S T 1989A/I
chem G e su ndh eitszu sta nd frühe r zum P fle g e b e d ü rfti­
gen erklärt, o d er es sind nahe Verw andte, die schon bei
” V gl. G . B ä c k e r : E n tp ro fe s s io n a lis ie ru n g u n d L a is ie ru n g s o z ia le r
D ie n s te - ric h tu n g s w e is e n d e P e rs p e k tiv e o d e r k o n s e rv a tiv e r R ü c k ­
z u g ? , in: W S I-IV litte ilu n g e n , 3 2 . Jg. (1 9 7 9 ), 8 . 5 2 6 ff.; ä h n lic h C. v. F ä r ­
b e r : V o lk s - u n d L a ie n m e d iz in als A lte rn a tiv e z u r w is s e n s c h a ftlic h e n
fifledizin - z u r P a rtiz ip a tio n im G e s u n d h e its w e s e n , in: S o z ia le S ic h e r­
heit, 24 . J g . (1975), S. 2 0 3 ff. B e id e A u to re n s e tz e n s ic h s e h r k ritis c h m it
d e r P ro fe s s io n a lis ie ru n g , B ü ro k ra tis ie ru n g u n d V e rre c h tlic h u n g im s o ­
z ia le n D ie n s t a u s e in a n d e r. E in k n tis c h e r E in w a n d g e g e n e in e n E in b e ­
z u g is t je d o c h d e r H in w e is a u f g e rin g e re H e m m u n g e n g e g e n ü b e r M o ra l
H a z a rd .
Vgl. h ie rz u d ie E rfa h ru n g e n m it d e r V o lk s v e rs ic h e ru n g in H o lla n d u n d
d e m M e d ic a re .'M e d ic a id -P ro g ra m m in d e n U S A b e i M . R. H e u s e r Meye.
a .a .O ., S. 6 5 ff. Ä h n lic h e E ffe k te s in d a u s d e m b u n d e s d e u t­
s c h e n G e s u n d h e its s y s te m b e k a n n t.
303
SOZIALPOLITIK
ge rin g e r p e rsö n lich e r B elastun g die V era ntw o rtu ng auf
P rod uktin no vation en , die die Q ualität der Versorgung
das K olle ktiv abw älzen. Z u r E in schrä nkun g d iese r Ü ber­
ve rb e sse rn “ .
nutzung ist d e r Null-Tarif zug un ste n eine r spürbaren E i­
ge n b eteilig ung au fzuhe be n. D iese kann als fe ste r B e ­
trag o d e r propo rtiona l zu den K osten erhoben w erden,
w o be i sich die Höhe zusä tzlich nach den w irts c h a ftli­
chen V erhältnissen des P fleg eb ed ürftigen und seine r
A ng eh örig en richten könnte.
D aneben ist d e r bereits oben a n g e sproch en e S o g -E f­
Die M ög lich keite n eine r Nachfragesteuerung über
S e lb stbe te iligu ng en und feste Erstattungsbeträge müs­
sen durch eine w e ttb e w e rb lich e O rganisation des Mark­
tes für P fleg eleistun ge n, insbesondere des Angebots
von H eim plätzen, erg än zt w erden. Darüber hinaus sind
neben ge m e in n ü tzig e n W ohlfahrtsträgern auch private
e rw e rb so rie n tie rte A n b ie te r zuzulassen. Gerade das
fekt zu erw äh nen , d. h. die Tendenz von eine r häuslich-
un ter dem
a m b ulanten Pflege hin zur H e im un terbringu ng . Da bei
w andte S e lb stko ste n d e cku n g sp rin zip ist nicht geeignet
G rund satz
d e r G em einnützigkeit ange­
le ichte r und m ittlere r P fleg eb ed ürftigkeit die häusliche
eine effizie nte B ere itstellung zu garantieren^^. Die Ten­
Pflege sow ohl koste ngü nstig er als w a hrsch ein lich auch
denz zu r V erfolgung e ig e n stä n d ig e r Ziele mag eher das
h u m an er ist, m üßten die A nreize en tsprech en d a n g e ­
G eg enteil nahelegen. D e m ge gen üb er ist eine Gewinn­
paßt w erden, d. h. die häusliche Pflege da rf fina nziell
erzielu ng privater A n b ie te r an ein bedarfsgerechtes und
nicht d iskrim in ie rt w erden. Neben ein e r E rstattung der
koste ngü nstig es A n g eb ot ge knü pft. Leistungsunfähige
A u fw e n d u n g e n sow ie R e nten be itra gsleistu nge n für die
H e im be tre ib er w ürden aus dem M arkt ausscheiden.
P fleg ep erso n w äre auch eine B erü cksich tigun g der
O pp ortu n itä tsko ste n für ge le istete A rbe it zu erwägen^^.
Bei un zu re ich e n d e r N achfragesteuerung und schar­
fen B ud ge tre striktion en m ag es seitens der finanzieren­
Ein w e ite re r E ffekt besteht darin, daß Leistungen h ö ­
den Institutio n sinnvoll sein, das A ngebot durch die Ver­
herer Q ua lität na chg efrag t w erden, w ährend g le ich ze i­
gabe von Lizenzen zu beschränken. Damit für neue, lei­
tig da s K ostenbew ußtsein sinkt. W enn die P fle g e le istu n ­
s tun gsfähige re A n b ie te r keine Marktzutrittsschranken
gen kostenlos zu erh alte n sind, wird eine m ög lich st gute
e rrichtet w erden, sind diese G enehm igungen zeitlich zu
V ersorgung und eine en tsprech en d au fw e n d ig e A u s ­
b e friste n “ .
stattung d e r H e im plätze ge w ü nscht. Im Z eitab la uf w er­
den die S tandards w e ite r steigen, die E ntw icklu ng des
G e su ndh eitsw esen s bietet auch hier ein gutes Beispiel.
Um diesen Prozeß zu verm eiden, dürften die A nsp rüch e
nicht nach dem S ach le istung sprinzip , son de rn nach e i­
nem lim itierten K o ste nerstattun gsp rinzip ge w ä h rt w er­
den. Bis zu e in e r K oste nob erg renze w ü rde dann e rsta t­
tet, der ü b ersteigen de B etrag m üßte selbst getragen
w erden. A uch w äre ein F estbetrag für E inzelleistungen
denkbar, w obei D ifferenzen ge g e n e in a n d e r verrechnet
G enerell sollte das W ettb ew erbsp rinzip nicht nur auf
dem M arkt für P fleg eleistun ge n, sondern auch auf dem
M arkt fü r fin a n zie lle n S chu tz im Pflegefall gelten. Ein
staa tlich ge sch ü tzte s M onopol im Rahm en der Sozial­
ve rsich e ru n g bzw. eine s Leistungsgesetzes ist abzuleh­
nen, da es keine K onsum entensouveränität zuläßt. Un­
ter B ea chtun g staatlich vorg eg ebe ne r Mindeststan­
dards kann d e r V ersiche rung sne hm er nur bei Konkur­
renz d a s für ihn g ü n stig ste A ng eb ot auswählen.
w ürden.
Da die fina nziellen Lasten von D ritten getra ge n w er­
den, en tfä llt die effizie n zsich e rn d e Kontrolle durch die
Nachfrager, w as R e ssou rcenve rschw end un g be gü n­
stigt. Zum einen kom m t es aufgrun d pe kun iäre r und
nich t-p e ku n iä re r V orteile zu zusätzlicher, a n b ie te rin d u ­
zie rte r N achfrage, zum anderen w ird eine ineffiziente
Le istun gse rste llu ng nicht bestraft. Es bestehen keine
A nre ize für koste nsen ken de P rozeßtechnologien, a n d e ­
rerseits je do ch gute A bsa tzchan cen für koste ntreib en de
D e m g e g e n ü b e r s te h t d ie v o n P s y c h o lo g e n v e rtre te n e T h e s e , daß
e in e fin a n z ie lle E n tlo h n u n g d ie in trin s is c h e M o tiv a tio n b ei e h re n a m tlic h
T ä tig e n z e rs tö re n ka n n . Vgl. F. K l a n b e r g :
D ie fin a n z ie lle A b s ic h e ­
ru n g d e r P fle g e b e d ü rftig k e it, In: G. B r e n n e r ,
F. W. S c h w a r t z
(H rs g .): F in a n z ie ru n g s p ro b le m e in d e r S o z ia lv e rs ic h e ru n g , K ö ln 1982,
S. 59,
In H o lla n d h a b e n s ic h d ie D u rc h s c h n itts k o s te n p ro P fle g c ta g v o n
1969-1981 v e rv ie rfa c h t. Vgl. H. S c h ü l k e , a .a .O ., S. 1598.
304
Finanzierung
Die Kosten eine r A bsiche rung des Pflegefallrisikos
hängen zum einen von ob je ktiven Faktoren wie der Al­
te rsstru ktu r und dem G esundheitsverschleiß ab. Zum
anderen hat die B etra chtung de r Anreizstrukturen den
Einfluß der in stitu tion eilen A usg estaltu ng auf den Grad
de r Ina nspru chn ahm e , die W ahl de r Unterbringungs­
form , die Q ua lität de r V ersorgung sow ie die Effizienzder
Le istun gse rste llu ng verd eu tlicht. Die folgenden Zahlen­
anga be n (vgl. Tabelle) beruhen auf nicht immer neutra-
” V gl. h ie rz u d ie A u s fü h ru n g e n d e r B u ndesa rb e its g e m e in s c h a ft der
F reie n W o h lfa h rts p fle g e e.V.: D a s S e lb s tk o s te n d e c k u n g s p n n z ip , Bonn
1 9 8 4 ,8 . 9 ff.
^ Im G e g e n s a tz h ie rz u s in d In d e n U S A d ie vo n M edic a id vergebenen
L iz e n z e n z e itlic h u n b e fris te t. Vgl. M . R, H e u s e r - M e y e , a a O .,
s. 66.
W IR T S C H A F T S D IE N S T 1989,/VI
SOZIALPOLITIK
len Schätzungen und sind de sha lb vorsichtig zu inter­
zen u n be ach te t g e blieb en sind. Legt m an die h o llä n d i­
pretieren. Insbesondere w erden dyn a m isch e K ostenw ir­
sche n E rfah ru ng en eine r V olksversicherung zugrunde,
kungen vernachlässigt.
bei d e r inne rhalb von 13 Jah ren eine K ostensteigerung
Die Gegenüberstellung
der
ve rsch ie den en
Vor­
schläge in derTabelle erm öglicht keine e ind eutig en A u s ­
sagen, da die Vergleichbarkeit aufgrun d un te rsch ie d li­
cher Anspruchsvoraussetzungen und Leistungen nicht
gegeben ist. Zudem beruht die A ng ab e von B e itra g ssä t­
von 8 0 0 % zu beob ach te n w a r^\ so ist zu r Ja h rh u n d e rt­
w e n d e m it A usg a b e n zw ischen 70 und 20 0 Mrd. DM je
nach V orschlag zu rechnen.
Umlage- oder Kapitaldeckungsverfahren?
zen auf fiktiven Berechnungen, denn die A ltern ative n
M it dem A usm aß de r B elastung ist auch d e r in te rte m ­
sehen zum Teil eine duale Finanzierung aus B eiträgen
po rale A spe kt des F in a nzierun gsve rfa hren s verbunden.
und Bundeszuschüssen oder im Falle d e r L e istun gsg e­
Z w ar gilt die bede uten de Feststellung M ackenroths,
setze eine vollständige öffentliche M ittelzu w e isun g vor.
. . daß a lle r S ozialaufw a nd im m e r aus dem V olksein­
Trotzdem vermitteln die W erte einen gu ten Vergleich zu
kom m en d e r la ufen de n P eriode ge de ckt w erden m uß",
anderen Sozialbeiträgen.
a u ch für die A b siche rung des Pflegefalls, do ch bleib t z u ­
Erfreulich, zugleich aber auch be de nklich ersch eint
die relativ geringe Belastung von jä hrlich 8 bis 22 Mrd.
DM. Dies entspricht gegenw ärtig in etw a den gesam ten
Kosten der stationären Pflege einschließlich privater Z u ­
zahlungen und Ausgaben der G K V fü r K ran ken ha us­
fehlbelegungen. Hier liegen m eines E rach tens Fehl­
schätzungen vor, da die dynam ischen A nre izw irkun gen
von Sozialversicherungslösungen und L e istun gsg eset-
g leich ....... nur die S teig eru ng des S ozialprod uktes
(sic!) als Q ue lle e in e r S teig eru ng des S ozialaufw and e s “ ^^. Z ukün ftig zu erw a rte n d e in te rge nera tive V erte i­
lu ng skonflikte lassen sich entschärfen , w e nn bereits
heute durch zusä tzlich e pro du ktive Investitionen die
G rund la ge für ein größeres V olkseinkom m en ge le gt
w ird. Die aufgrund d e m o g ra p h isch e r E inflüsse im er­
sten Drittel de s nächsten J a h rh u n d e rts a u sge löste S pit­
ze n be lastu ng der E rw e rbstätig en m it R enten- und P fle­
g e be iträge n kön nte s om it durch eine e rh öh te E rspa rnis­
■ Zugleich stiegen die B e itra g s s ä tz e v o m E inl< om m en v o n 1.2% a u f
3,2%.Vgl. M. R. H e u s e r - e y e , a .a .O ., S. 68.
bildu ng verm iede n w erden.
“ G. M a ci< e n r 0 1 h : D ie R e fo rm d e r S o z ia lp o litik d u rc h e in e n d e u t­
schen Sozialplan, in: S ch riften de s V e re in s fü r S o c ia lp o litik , NF, B d . 4,
Berlin 1952, s. 41 und 47.
kun gsve rfa hre n für d ie d e rzeitigen E rw e rbstätig en eine
Da eine U m stellung vom U m lage- zum K apitaldek-
Kostenschätzungen und notwendige Beitragssätze alternativer Vorschläge
Vorschlag
An
K o s te n (M rd . D l^ ) '
B e itra g s s a tz ^
1 Bundespflegegesetz
(Die Grünen 1984)
L e is tu n g s g e s e tz
13,8 (G rü n e n )
21,1 ( B R e g .)
1,5 %
2 .3 %
2. Pflegeversicherungsgesetz
(Hessen 1986)
S o z ia lv e rs ic h e ru n g
1 0,9 ( L R e g .)
12,0 ( B R e g .)
1,2 %
1,3 %
3- Bundespflegehilfegesetz
(Rh.-Pfalz1986)
L e is tu n g s g e s e tz
8,6
9 ,6 (B R e g .)
1,0 %
1.1 %
4. Krankenversicherung
(Bayern 1985)
S o z ia lv e rs ic h e ru n g
8.8
1,0 %
5. Pflegeverbesserungsgesetz
(B Reg. 1986)
S o z ia lv e rs ic h e ru n g
7 ,9
0 ,9 %
6. G esundheitsreformgesetz
(B Reg. 1983)
S o z ia lv e rs ic h e ru n g
13,5 ( B R e g .)
2 2,1 (B K K )^
1 ,5 %
2 ,5 %
7. Bundespflegehilfegesetz
(SPD 1988)
L e is tu n g s g e s e tz
1 1,4 (S P D )
1 .3 %
8. Private R ie g e kra n ke n v e rs ic h e ru n g
P riv a te P fle g e v e rs ic h e ru n g
k e in e S c h ä tz u n g e n
1 1 0 -2 1 8 D M /M o n a t'
Da die Vorschläge die ..Hilfe z u r P fle g e " v o n 7,1 M rd . D M (1 9 8 5 ) n u r z u m T e il e rs e tz e n , b e z ie h e n s ic h d ie K o s te n au f d ie V o rs c h lä g e e in s c h lie ß lic h
dann notwendiger S ozialhilfe.
^ Die Kosten wurden in B e itra g s s ä tz e na ch d e r B e m e s s u n g s g ru n d la g e u n d -g re n z e z u r G R V u m g e re c h n e t. E in P ro z e n tp u n k t w u rd e m it M e h re in n a h ­
men von 9 Mrd. DM g leichg esetzt,
^ BKK B etriebskrankenkassen. D a s ich d ie M a ß n a h m e n a u f d ie h ä u s lic h -a m b u la n te P fle g e b e z ie h e n u n d k e in e A n g a b e n z u r E in s p a ru n g v o n S o z ia l­
hilfe V o r la g e n , um fassen die K o s te n v o lle 7.1 M rd . D M .
* 110 DM m onatlich ergebe n s ic h bei z w e i E rw a c h s e n e n (3 0 J .) m it z w e i K in d e rn . 2 1 8 D M b ei e in e m ä lte re n E h e p a a r (5 5 J.). V g l. A llg e m e in e V e rs i­
cherungsbedingungen ... (M B -P V ). T a n f 371 .
Q u e l l e n : D. S c h e w e ; V ie r G e s e tz e n tw ü rfe ü b e r H ilfe n b ei P fle g e b e d ü rftig k e it, in: S o z ia le r F o rts c h ritt. 35 . Jg. (1 9 8 6 ). S. 9 1 ; P. S a I j e :
Rechüicher und finanzieder R a h m e n z u r V e rs o rg u n g v o n P fle g e b e d ü rftig e n - E in e Z w is c h e n b ila n z , in : D ie S o z ia lv e rs ic h e ru n g , 43. J g . (1 9 8 8 ).
S. 58 ff.; diverse Z eitu ngsartikel; e ig e n e B e re c h n u n g e n u n d A k tu a lis ie ru n g e n .
WIRTSCHAFTSDIENST 1989A/I
305
SOZIALPOLITIK
d o pp elte Belastung darstellt, sind hier ge w isse G renzen
und org a n isa to risch e n V era ntw o rtu ng entbinden. Aller­
der B elastba rkeit gesetzt. G erade aus diesem G rund
ding s w äre diese Form zug le ich auch ein Frem dkörper
wäre eine K om bination der R e nten fina nzie run g nach
im bishe rige n S ystem de r soziale n S icherung. Außer­
dem U m lage verfah ren m it e in e r P flegeversicherung
dem e rford ert die E inführung eine s Kapitaldeckungsver­
nach dem K ap italdecku ng sverfah ren zu erw äg en. Bei
fah re ns ge g e n ü b e r ein e r U m la g e n fin a n zie ru n g von der
in stitu tion eller K apitaldecku ng könnte eine Z usatzre nte
heutigen Bevölkerung eine höhere Beteiligung.
bei N ichtina nsp ruch nah m e d e r P fleg eve rsiche run g ein
Ergebnis
m ög lich es M oral-H azard-V erhalten einschränken. W ird
die F ina nzierun g über eine in dividu elle K apitaldeckung
vorg en om m en , so erfo lg t eine vollstän dig e A u ssch ü t­
tung in Form von P fleg eko ste ne rsta ttu nge n, eine r Z u ­
satzren te o d er eines K ap italrückflusse s im Todesfall.
Erhebungswiderstand
In d e r B un de srep ublik sind zu r Z e it 3 -5 % de r Bevöl­
kerung pfle ge be dürftig. Nach d e r je tzig e n Regelung
w ird d e r P flegefall aus p e rsön lich en fvlitteln bzw. über
die S ozialhilfe fina nziert. Insb eson de re bei Heim unter­
bringung ist d e r P flegefall som it zug le ich ein Sozialfall.
A u fg rund de r de m o g ra p h isch e n E ntw icklu ng sow ie der
N ach E rfah ru ng en m it den drei Z w eige n d e r S o zia l­
zukü nftig steig en de n R e nten laste n ist de sh a lb eine
versiche ru ng bei fina nziellen E ngpässen sind R ückgriff
rechtzeitige, eige n stä n d ig e A b sich e ru n g des P flegefall­
auf frem de H a ush alte sow ie eine Ü b ern ahm e von D e fi­
risikos no tw endig. A us de r w irtsch a ftsp o litisch e n A na­
ziten s eite ns des B undes gä ng ige Praktiken. Die E in h a l­
lyse erg ib t sich dabei die N o tw en dig keit eine s Versiche­
tung e in e r m onistischen, m ög lich st regelgeb un de nen
run gszw ang es. A uß erdem hat die P flege privaten G uts­
F ina nzierun g w ä re de sha lb die V ora usse tzu ng einer
charakter, so daß sich U m ve rte ilu ng sm aß na hm en im
transp are nten A bsiche rung des Pflegefalls.
Das bereits hohe A b g a b en nive au läßt generell auf
starke E rhe bu ng sw id erstän de schließ en. Um dennoch
eine m ög lich st hohe A kzep tanz zu erreichen, sollte die
A bsiche rung m ög lich st w enig E lem ente eine r U m ve rte i­
lung be in halte n und die H öhe de r Z a h lun gen für w eite
R ahm en de r A bsich e ru n g a lloka tiv nicht be gründen las­
sen. Da die P fleg eb ed ürfigke it zu den allge m einen Le­
b e nsrisiken zählt, ist die g e sa m te W ohnbe völke run g ein­
zub eziehe n. A n g e sich ts de r fina nziellen B elastung wird
de r S chutz v o ra ussichtlich auf den m ittleren und schw e­
ren P fleg efall b e gre nzt w e rd e n m üssen.
Teile d e r B evölkerung fina nziell tra g b a r sein. Eine F ina n­
A ls w e se n tlich e Einflußgröße d e r Kosten e in e r P flege­
zie run g des P fleg efalls nach dem in stitu tion ellen K api­
versiche ru ng w urden die A nre izstru ktu re n hervorgeho­
tald ecku ng sverfahre n auf der B asis des Ä q u iva le n zp rin ­
ben. Form en der E igen bete iligun g, eine Le istun gsg e­
zips w ü rde diesen M aßstäben en tsprech en . Für e in ko m ­
w ä hr nach dem K o ste n e rsta ttu n g sp rin zip in K om bina­
m en sschw ache H a ush alte m üßte ein A usg le ich über
tion m it H öchst- bzw. F estbe trä gen und die Beseitigung
das a llge m eine Steuer- und T ransfersystem erfolgen.
eine r fina nziellen D iskrim in ieru ng de r fam iliäre n Pflege
Fragt m an nach d e r politischen D u rchse tzb arkeit der
A ltern ative n, so ist zun äch st vom S tatus quo d e r S o zia l­
hilferegelung au szug eh en. J ed e K oste nverlag erun g auf
andere be stehe nd e Institutionen w ürde seite ns d iese r
W ide rstä nd e hervorrufen. A nd ere rseits kön nte bei einer
A nb in dun g an die G K V bzw. G R V auf vorh an den e Ver­
ersch einen dabei geboten, um na chfrag ese itig die Effi­
zie nz zu erhöhen. G e w inn anre ize und de r D ruck des
W ettb ew erbs sow oh l bei d e r B ere itstellung der sach li­
chen Leistungen als auch zw ischen den V ersicherungs­
trä g e rn sorgen für ein be d a rfsg e re ch te s und kostengün­
stige s A ngebot.
w a ltun gen zurü ckge griffen und die g e setzlichen R e ge­
Z u r E ntsch ärfung des in 20 -30 Jah ren zu e rw arten­
lungen an ge pa ß t w erden. D e m ge gen üb er w äre bei a l­
den in te rge nera tiven V erte ilu ngsko nflikte s ist da s in sti­
len anderen V orschlägen eine in stitu tion eile und re ch tli­
tu tio n e lle K ap italdecku ng sverfah ren als F ina nzierun gs­
che N e ug estaltu ng notw endig. H insichtlich eines S o ­
m etho de zu em pfehlen. Eine regelgeb un de ne, m on isti­
zia lve rsich e ru n g szw a n g e s könnten P roblem e bei der
sche F ina nzierun g nach dem Ä q u iva le n zp rin zip würde
Ein be zieh un g von B eam ten und S elbstän dig en e n tste ­
die Transparenz und A kze p ta n z fördern.
hen^^. Ein B un de sleistu ng sge setz w ü rde w a h rsch e in ­
lich an der fina nziellen Z ustän dig keit des B undes s ch e i­
tern.
Die bisherigen V orschläge zur A bsich e ru n g de s Pfle­
ge fa llrisiko s sind dage ge n als Le istu n g sg e se tz o d er im
R ahm en d e r S o zialversich erun g gefaßt. S ie w id e rsp re ­
Ein V ersicherungszw ang bei privaten P fleg eve rsiche­
chen in w ichtige n Punkten ein e r m arktw irtsch aftlich en
rungen w ü rde öffen tliche Stellen von de r finanziellen
S ystem ko nform ität, grenzen sp e zie lle P ersonenkreise
aus und beach te n die A nre izstrukture n und ihre B ed eu­
”
Vgl. T ra n s fe r-E n q u e te -K o m m is s io n , a .a .O
306
, s.
185.
tung fü r die K oste nen tw icklu ng unzureichend.
W IR T S C H A F T S D IE N S T 1989/VI