AnlŠsslich der Preisverleihung fŸr den Ideenwettbewerb des Regionalmarketingvereins Mecklenburg Ð Schwerin e.V. hielt der GeschŠftsfŸhrer der Werbeagentur Jung von Matt, Jean Remy von Matt einen Vortrag, dessen Inhalt wir unseren Kunden nicht vorenthalten mšchten. Da es keine Unterlagen Ÿber diesen Vortrag gibt, sind wir darauf angewiesen, ihn aus der Erinnerung zu rekonstruieren. Aus diesem Grund kšnnen wir fŸr die VollstŠndigkeit keine GewŠhr Ÿbernehmen, haben uns aber alle MŸhe gegeben, den Inhalt mšglichst unverfŠlscht wiederzugeben. Die Hebelwirkung der KreativitŠt Welche (Hebel)wirkung eine kreative Idee haben kann, verdeutlichte v. Matt an einem Beispiel aus den USA, wo an einem Kreuzungsbereich immer wieder schwere UnfŠlle passierten. Polizei und Verkehrsexperten versuchten Ÿber Jahre das Problem in den Griff zu bekommen. Alle Aktionen brachten keine signifikante Senkung der Unfallzahlen. Die Lšsung war schlie§lich ein Schild. Nachdem es aufgestellt wurde, passierten Ÿber Jahre, bis zum heutigen Tag kaum UnfŠlle. Die Frage die sich nun natŸrlich stellt, ist: Was stand auf diesem Schild? Was bringt die Autofahrer dazu, ihr Verhalten so extrem zu verŠndern. Auf dem Schild stand: ãAn dieser Kreuzung sind UnfŠlle verbotenÒ So wie in diesem Beispiel eine kreative Idee die Unfallzahlen um das Vielfache von dem gesenkt hat, was ãklassischeÒ LšsungsansŠtze gebracht hatten, genauso kann eine kreative Idee ein Unternehmen um QuantensprŸnge weiterbringen. v. Matt belegte diese These mit den Beispielen von Investmentfonds und Sixt. WŠhrend sich durchschnittliche "sichere" Fond von sehr guten "sicheren" Fonds bei der Rendite um wenige Prozent unterscheiden, kann gut gemachtes, kreatives Marketing, Kundenzahlen, UmsŠtze und Gewinne um ein Vielfaches steigern und z. B. aus einem regional tŠtigen Autovermieter die nationale Nummer 1 machen. Wie so etwas funktioniert und welche Voraussetzungen fŸr KreativitŠt vorhanden sein mŸssen, macht v. Matt an folgenden Themen fest: Das Ertragsgesetz des Risikos Was bei Geldanlagen jedem selbstverstŠndlich ist, nŠmlich dass man von wenig riskanten Anlageformen keine umwerfenden Renditen erwarten darf und nur Investitionen mit einem Risikofaktor das Potenzial fŸr Ðzigfache Kapitelvermehrung bergen, ist in der Werbebranche lŠngst nicht jedem klar. Mit gut gemachten Kampagnen, die auf keinen Fall irgendjemandem negativ auffallen kšnnten, kann man mšglicherweise Ertragssteigerungen von einigen Prozentpunkten erreichen. Aber nur mit ausgefallenen, kreativen und riskanten Ideen hat man die Mšglichkeit, seinen Einsatz zu vervielfachen. Die Gruppe, mit der sich der Kreative hier fast immer auseinandersetzen muss, nennt v. Matt BedenkentrŠger Das sind oft logisch denkende, durchaus intelligente Menschen die bei jeder Idee zu allererst daran denken, warum es nicht geht, wo die Probleme liegen und warum es nicht gemacht werden sollte. Als Beispiele nannte v. Matt mšgliche €u§erungen von BedenkentrŠgern zu genialen, kreativen Ideen. Zu der Idee der lila Kuh hŠtte ein BedenkentrŠger sagen kšnnen: Konterkariert nicht die lila Kuh die natŸrliche Reinheit unserer Alpenmilch? Zu der Idee des Walkmanns hŠtte ein BedenkentrŠger sagen kšnnen: Nur zwei Prozent der Verbraucher hšren Musik Ÿber Kopfhšrer. Der Markt ist zu klein. Ein "Hausmittel" gegen die BedenkentrŠger, die laut v. Matt leider meistens auch besser gekleidet sind als die kreativen Kšpfe, liefert er auch gleich mit: Auf jedes Argument, was der BedenkentrŠger gegen die Idee ins Feld fŸhrt, antwortet er persšnlich immer: "Die Bedenken die Sie tragen, kann ich verstehen." Da merkwŸrdigerweise niemand als BedenkentrŠger gelten mšchte, reichen ein bis fŸnf Antworten (Die Bedenken die sie tragen...) um in der Sache weiter diskutieren zu kšnnen. Mit wem ein kreativer Prozess funktionieren kann nennt v. Matt unter dem Punkt Es braucht immer zwei Gro§e Werbeagenturen hei§en nicht Young oder Jung sondern Young & Rubicam, Jung v. Matt usw. Es braucht neben dem kreativen Kopf auch immer den etwas abgeklŠrteren Realisten. Das gilt fŸr die Arbeit in der Agentur genauso wie die Zusammenarbeit mit Kunden. Wenn der Kunde dann nicht als BedenkentrŠger auftritt, sondern, wie Herr Sixt, zu dem Entstehen von Ideen beitrŠgt und zu jeder Idee mindestens erst einmal "warum nicht?" sagt, ist eine wichtige Voraussetzung fŸr KreativitŠt geschaffen. Idee Ÿber Strategie Viele Unternehmen haben viel Zeit und Arbeit in eine langfristige Unternehmensstrategie investiert und versuchen diese beharrlich zu verfolgen. V. Matt sagt, eine Strategie ist auswechselbar, eine kreative Idee nicht. Er zeigt das am Beispiel eines Angina-pectorisProphylaxe-Mittels. Der Hersteller hatte in Feldtests das Mittel an eine ausgewŠhlte Gruppe von Anwendern verteilt, zu einem gro§en Teil Šltere, mŠnnliche Probanden. Nach Ablauf der durchaus erfolgreichen Testphase weigerten sich viele der Šlteren Herren, die restlichen Tabletten zurŸckzugeben. Als diesem PhŠnomen auf den Grund gegangen wurde und die ursprŸngliche Strategie fŸr dieses Produkt Ÿber Bord geworfen wurde war das erfolgreichste Medikament der Welt geboren (Viagra) GefŸhl vor Vernunft Das Problem: riskante, kreative Ideen lassen sich nicht so leicht in Worte fassen. Sie kommen aus dem Bauch, haben etwas mit GefŸhl zu tun. Viel einfacher haben es diejenigen, die Argumente gegen kreative Unterfangen vorbringen. Solche Argumente lassen sich meistens mit Statistiken, logischen Gedankenketten und Erfahrungen untermauern und sprechen den Kopf an. Aus diesem Grund haben kreative Ideen immer einen strategischen Nachteil gegenŸber Checklisten, Statistiken und Logik, welchen es lt. v. Matt auszugleichen gilt. Beispiel: Angela Merkel Zum Schluss untermauert v. Matt seine Thesen mit eigenen Werbespots von Sixt, Bild und der Deutschen Bahn. Die Hebelwirkung der KreativitŠt wird besonders bei der Anzeige mit Frau Merkel von Sixt klar. 1. Seite: Lust auf eine neue Frisur? (Originalbild von Frau Merkel) 2. Seite: Dann mieten Sie sich ein Mercedes Cabriolet! (leicht verfremdetes Bild v. Fr. Merkel) Diese Anzeige ist zu Gesamtkosten von unter DM 200.000,- in zwei gro§en deutschen Zeitschriften erschienen und hat danach einen Werbewert durch Presseartikel sowie Radiound FernsehbeitrŠge von Ÿber 6 Millionen DM erzielt, was einer Rendite des eingesetzten Kapitals von mehr als 3.000% entspricht. DarŸber hinaus hŠtte Frau Merkel "durchaus positiv" auf diese Anzeige reagiert. v. Matt endet mit einem Zitat des Formel 1 Rennfahrers Mario Andretti: "Wenn du alles unter Kontrolle hast, dann fŠhrst du zu langsam." Der Landrat des Landkreises Ludwigslust, Herr Christiansen, bedankte sich dann bei Jean Remy von Matt fŸr diesen Vortrag und schloss mit der Aussage, er wŸrde es bedauern, dass nicht wesentlich mehr Mitarbeiter aus Verwaltungen diesen Vortrag gehšrt hŠtten. Welcher Teil des Vortrages fŸr diese Zielgruppe besonders interessant gewesen wŠre, sagte der Landrat nicht. Doch die Bedenken die Sie mšglicherweise nun tragen...
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