80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger befürworten Aufnahme von

Psychologie aktuell: 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger befürworten Aufnahme von Kriegsflüchtlingen in Deutschland
27-05-16
80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger befürworten Aufnahme von Kriegsflüchtlingen in Deutschland
Stimmungsbarometer zu Geflüchteten in Deutschland untersucht Einstellungen,
Erwartungen und Befürchtungen der Bevölkerung Großteil der Befragten befürwortet
Aufenthaltsrecht gemäß EU-Recht und Genfer Flüchtlingskonvention Mehrheit plädiert dafür,
Flüchtlinge zurückzuschicken, wenn sich die Lage im Herkunftsland gebessert hat
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Der Großteil der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland stimmt den geltenden Asylregeln zu. Das
zeigt eine Befragung im Rahmen des im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
angesiedelten Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Demnach finden es mehr als 80 Prozent der
Befragten richtig, Menschen Zuflucht zu gewähren, die vor einem bewaffneten Konflikt aus ihrem
Heimatland fliehen. Zwei Drittel der Befragten sprachen sich auch für die Aufnahme von Flüchtlingen
aus, die unter dem Schutz der Genfer Konvention stehen. Allerdings variiert die Zustimmung je nach
Fluchtursache: Menschen, die wegen ihres Kampfes für die Menschenrechte oder ihrer Zugehörigkeit
zu ethnischen Minderheiten verfolgt werden, können auf breitere Aufnahmebereitschaft hoffen als
etwa verfolgte Gewerkschafter. Ebenfalls eine Mehrheit der befragten Bürgerinnen und Bürger (55
Prozent) sprach sich dafür aus, Flüchtlinge zurückzuschicken, wenn sich die Situation im
Herkunftsland verbessert hat und die Fluchtursache erloschen ist.
Eine breite Mehrheit der Bevölkerung stimmt dem temporären Schutz gemäß der Genfer Konvention
zu , sagt SOEP-Direktor Jürgen Schupp. Gemeinsam mit Jürgen Gerhards von der Freien Universität
Berlin und Silke Hans von der Georg-August-Universität Göttingen analysierte er die dritte Welle des
Stimmungsbarometers zu Geflüchteten in Deutschland , einer von TNS Infratest Sozialforschung
durchgeführten repräsentativen Befragung von mehr als 2000 Bürgerinnen und Bürgern. Allerdings
gilt die Gastfreundschaft nur begrenzte Zeit: Rund 55 Prozent wollen die Flüchtlinge zurückschicken,
wenn die Fluchtursache erloschen ist , so Schupp. Das gelte auch, wenn die Schutzsuchenden
schon mehrere Jahre in Deutschland leben. Etwa 28 Prozent der Befragten sprachen sich hingegen
für eine dauerhafte Bleibeperspektive aus.
Die Einschätzung der Folgen der Zuwanderung für die deutsche Wirtschaft fällt der Auswertung
zufolge etwas positiver aus. Anders als in den ersten beiden Befragungsrunden im Januar und
Februar gaben im März genauso viele Menschen nämlich rund ein Drittel an, entweder mehr
Chancen oder mehr Risiken zu sehen. Bei den kurzfristigen Folgen überwiegen aber weiterhin die
Sorgen und die skeptischen Einschätzungen. Befragte mit höherer Bildung zeigten mehr Zustimmung
zum Asylrecht als weniger Gebildete. In Ostdeutschland und unter Anhängern rechter Parteien war
die Zustimmung ebenfalls niedriger. Aber auch in diesen Gruppen sprach sich die Mehrheit für eine
temporäre Aufnahme aus humanitären Gründen aus.
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