DE - Making Heimat. Germany, Arrival Country

INHALT
GRUSSWORT
Dr. Barbara Hendricks, Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)
WEITERES PROGRAMM
PROGRAMM.....................................................................2
Pressekonferenz und Eröffnung am 27. Mai 2016,
Veranstaltungshinweise in Venedig
„Der Umzug der Menschheit“ –
Symposium des Bund
Deutscher Architekten (BDA)
Buchpräsentation „Germania, Venezia. Die deutschen
Beiträge zur Architekturbiennale Venedig seit 1991“
FAKTEN, TEAM UND KONTAKTE................................5
Performing Architecture, Goethe-Institut
KONZEPT
Making Heimat. Germany, Arrival Country......................8
STATEMENTS ZUR ÖFFNUNG DES DEUTSCHEN
PAVILLONS....................................................................13
Werner Durth: Aufbrüche. Zum deutschen Beitrag 2016
Andreas Hild: Dornröschens Erwachen
Christoph Ingenhoven: Café Deutschland
PUBLIKATION................................................................18
ARRIVAL CITIES?..........................................................19
Fragen und Zitate
BIOGRAFIEN..................................................................24
Peter Cachola Schmal
Oliver Elser
Anna Scheuermann
Doug Saunders
Something Fantastic (Elena Schütz, Julian Schubert, Leo
Streich)
SPONSOREN UND PARTNER......................................26
DEUTSCHES ARCHITEKTURMUSEUM
SOMETHING FANTASTIC
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PROGRAMM
Pressekonferenz
27.5.2016, 11 Uhr
Es sprechen:
- Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
- Peter Cachola Schmal, Generalkommissar und Direktor Deutsches Architekturmuseum
- Oliver Elser, Kurator Deutsches Architekturmuseum
- Anna Scheuermann, Projektkoordinatorin
- Doug Saunders, Autor Arrival City: How the Largest Migration in History Is Reshaping Our World
Offizielle Eröffnung
27.5.2016, 12:30 Uhr
Es sprechen:
- Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
- Peter Cachola Schmal, Generalkommissar und Direktor Deutsches Architekturmuseum
- Oliver Elser, Kurator Deutsches Architekturmuseum
- Anna Scheuermann, Projektkoordinatorin
DEUTSCHES ARCHITEKTURMUSEUM
SOMETHING FANTASTIC
2
WEITERES PROGRAMM
Samstag 28.5.2016
Deutscher Pavillon
11 – 13 Uhr
„Der Umzug der Menschheit“ –
Symposium des Bund Deutscher Architekten (BDA)
Einführung: Heiner Farwick, Peter Cachola Schmal, „Integration als Aufgabe von Stadt und Architektur“: Barbara
Hendricks, Diskussion: Naika Foroutan (angefragt), Hans Joachim Schellnhuber, Doug Saunders, Thomas Willemeit,
Moderation: Matthias Böttger
13 – 14:30 Uhr
Buchpräsentation „Germania, Venezia.
Die deutschen Beiträge zur Architekturbiennale Venedig seit 1991“
Mit Gunther Adler, Oliver Elser, Francesca Ferguson, Burkhard Grashorn, Verena Hartbaum, Peter Cachola Schmal +
Stephan Trüby, Moderation: Florian Heilmeyer
HINWEIS
Performing Architecture - Goethe-Institut
26. – 29.5.2016
Chiesa della Misericordia/Campo de l'Abazia, 30121 Cannaregio
www.goethe.de/performingarchitecture
In Act and Thought - A Score for Six Performers
26. - 27.5.2016, 19 und 21 Uhr
Tanz-Performance von Fabrice Mazliah, mit Katja Cheraneva, Frances Chiaverini, Josh Johnson, David Kern, Yasutake
Shimaji, Ildikó Tóth
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ARCH+ features #50
28.5.2016, 16 Uhr
Diskussion mit Armen Avanessian, Arno Brandlhuber, Christian Kerez, Erica Overmeer, Christopher Roth, Moderation:
Sandra Oehy + Anh-Linh Ngo
Culinary Lessons
29.5.2016, 14:30 Uhr
Gespräch mit Tobias Rehberger, Sanford Kwinter, Daniel Birnbaum, Jan Åman, Fabrice Mazliah, Johan Bettum et al.
Matinee der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen (AKH)
„Ein regionaler Blick auf globale Herausforderungen“
29.5.2016, 11 Uhr
Palazzo Contarini Polignac, 874 Dorsoduro, 30123 Venezia
Gesprächsrunde mit Peter Cachola Schmal, Oliver Elser, Brigitte Holz, Werner Durth (angefragt) und Horst Schneider,
Moderation: Isabella Göring
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FAKTEN, TEAM UND KONTAKTE
ORT
PUBLIKATION
Deutscher Pavillon
Giardini della Biennale
30122 Venedig, Italien
Making Heimat. Germany, Arrival Country
Herausgeber: Peter Cachola Schmal, Oliver Elser, Anna
Scheuermann
Erscheint im Hatje Cantz Verlag, 2016
Englisch/Deutsch, ISBN 978-3-7757-4141-5
DATEN
Ausstellung
28. Mai – 27. November 2016
10 – 18 Uhr, montags geschlossen
(außer am 30. Mai, 5. September, 31. Oktober und
21. November 2016)
Eintritt zu den Biennale Ausstellungen:
30 Euro (48 Stunden gültig), 25 Euro (einmaliger Besuch
des Arsenals und der Giardini)
Reduziert bis 26 Jahre: 22 Euro
Eintritt frei für Kinder bis 6 Jahre
Weitere Informationen zu Gruppentickets, Dauerkarten
und Kombitickets, unter: www.labiennale.org
WEBSITE / SOCIAL MEDIA
www.makingheimat.de
Facebook: www.facebook.com/architekturmuseum
Twitter/Periscope: @DAM_ArchMuseum
Instagram: @makingheimat
#makingheimat
Professional Preview
26. – 27. Mai 2016
Pressekonferenz Deutscher Pavillon
27. Mai, 11 Uhr
Eröffnung Deutscher Pavillon
27. Mai 2016, 12:30 Uhr
Die Ausstellung Making Heimat. Germany, Arrival
Country wird im Frühjahr 2017 im Deutschen
Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main gezeigt.
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TEAM
Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) wurde durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit beauftragt, den Deutschen Pavillon auf der 15. Internationalen Architekturausstellung 2016 –
La Biennale di Venezia zu kuratieren.
Generalkommissar
Peter Cachola Schmal, Direktor DAM
Kurator
Oliver Elser, Kurator DAM
Projektkoordinatorin
Anna Scheuermann
Berater
Doug Saunders, Toronto
Kai Vöckler, Offenbach
Kuratorischer Assistent
Felix Torkar
Rechercheassistenz
Tiziana Agus
Gala von Nettelbladt
Grafische Gestaltung und
Ausstellungsgestaltung
Something Fantastic, Berlin: Elena Schütz, Julian
Schubert, Leonard Streich mit Julius Fischötter,
Marius Helten, Ruben Bernegger, Charlotte Schönberger
Kontaktarchitekten in Venedig
Clemens F. Kusch und Martin Weigert,
cfk architetti
Eventmanager in Venedig
Solmarino: Tomas Ewald
Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
BUREAU N cultural communications:
Julia Albani, Joanna Kamm, Silke Neumann, Joanne
Pouzenc, Sören Zuppke
DAM: Brita Köhler, Stefanie Lampe
Locationscout Offenbach
Urban Media Project: Loimi Brautmann
Administration
Inka Plechaty, Jacqueline Brauer
DEUTSCHES ARCHITEKTURMUSEUM
SOMETHING FANTASTIC
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PRESSEBILDER
Hochauflösendes Bildmaterial:
www.makingheimat.de/#presse
KONTAKT
Deutsches Architekturmuseum (DAM)
Schaumainkai 43
60596 Frankfurt am Main
Tel +49.69.212 38844
[email protected]
www.dam-online.de
PRESSEKONTAKT
BUREAU N cultural communications
Naunynstraße 38
10999 Berlin
Tel +49.30.627.36102
[email protected]
www.bureau-n.de
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KONZEPT
Making Heimat. Germany, Arrival Country
Deutscher Pavillon
15. Internationale Architekturausstellung 2016 – La Biennale di Venezia
28. Mai – 27. November 2016
Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) realisiert im Deutschen Pavillon auf der 15. Internationalen
Architekturausstellung 2016 – La Biennale di Venezia die Ausstellung Making Heimat. Germany, Arrival Country.
Die inhaltliche Verantwortung für den deutschen Beitrag tragen Peter Cachola Schmal, Generalkommissar und Direktor
des Deutschen Architekturmuseums, Oliver Elser, Kurator am Deutschen Architekturmuseum und die
Projektkoordinatorin Anna Scheuermann. Das Berliner Architekturbüro Something Fantastic ist für den gestalterischen
Gesamtauftritt des Deutschen Pavillons verantwortlich.
Vier große Öffnungen, für die mehr als 48 Tonnen Ziegelsteine aus den denkmalgeschützten Wänden gebrochen
wurden, verwandeln den Deutschen Pavillon in ein offenes Haus. Der Pavillon ist offen. Deutschland ist offen. Im
vergangenen Jahr wurden die deutschen Grenzen für über eine Million Flüchtlinge offengehalten. Obwohl die
Außengrenzen der EU aktuell für Flüchtlinge weitgehend geschlossen wurden, fordert die Geste des offenen Hauses
dazu auf, über Deutschland als offenes Einwanderungsland nachzudenken. Mit der Ausstellung Making Heimat.
Germany, Arrival Country stellt das DAM Thesen und Beispiele aus deutschen Arrival Cities (Ankunftsstadtvierteln)
zur Diskussion, die gemeinsam mit dem kanadischen Autor Doug Saunders entwickelt wurden. Sein Buch Arrival City.
Die neue Völkerwanderung diente als Vorlage für einen auch in Deutschland fälligen Perspektivwechsel auf
Einwandererviertel. Diese werden meist als Problemviertel bezeichnet, bieten ihren Bewohnern und Neuankömmlingen
aber die wichtigsten Voraussetzungen einer Arrival City: Kostengünstiger Wohnraum, Zugang zu Arbeitsplätzen,
kleinteilige Gewerbeflächen, gute Verkehrsanbindungen, Netzwerke anderer Einwanderer derselben Kultur und nicht
zuletzt eine Haltung der Toleranz, die auch das Akzeptieren informeller Praktiken einschließt.
Bevor jedoch aus vielen der Neuankömmlinge reguläre Einwanderer werden können, leben gegenwärtig Tausende von
Flüchtlingen in Deutschland in Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften. Deren architektonische
Qualität wird anhand von Beispielen, die aus der Datenbank www.makingheimat.de ausgewählt wurden, in einem
speziell dieser Bauaufgabe gewidmeten Ausstellungsraum vorgestellt. Das wachsende Archiv der realisierten und aktuell
in Deutschland sowie in Europa entstehenden Flüchtlingsbauten bietet einen umfangreichen Einblick in die Realität und
fordert dazu auf, den dringenden Bedarf an kostengünstigem und qualitätsvollem Wohnraum zu decken. Hierin liegt
eine der zentralen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Integrationsprozess.
8
Das offene Haus
Die Öffnung des Deutschen Pavillons und seine Verwandlung in einen lebendigen öffentlichen Raum wurden zusammen
mit Something Fantastic entwickelt. Für die Berliner Architekten ist die Öffnung des Pavillons nicht nur ein politisches,
städtebauliches und architektonisches Statement, sondern auch eine Willkommensgeste für die Ausstellungsbesucher. Sie
bieten Sitzinseln im Innen- und Außenraum, freies WLAN, Strom, weiße Plastikstühle und, an den Eröffnungstagen,
einen Ayranbrunnen, der von einem libanesischen Gastronomen aus Mestre, der Arrival City Venedigs, betrieben wird.
Something Fantastic haben im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit an der ETH Zürich zahlreiche internationale Arrival Cities
besucht und orientieren sich bei ihrem gestalterischen Gesamtkonzept für den Deutschen Pavillon an den
pragmatischen, improvisierten und effektiven Gestaltungsprinzipien der Arrival Cities. Die im Copyshop auf bunte
Papiere gedruckten Ausstellungstexte wurden auf die Wand tapeziert, die zur Schließung der Wände bereitgestellten
Ziegelsteine werden als Tresen und Sitzmöbel verwendet. Nach Ablauf der Ausstellung werden die Öffnungen gemäß
Auflage der Denkmalschutzbehörde wieder zugemauert. Für die Dauer der Biennale wird es von Mai bis November
2016 keine geschlossenen Türen im Deutschen Pavillon geben. Tag und Nacht steht er offen.
Denkmalschutz
Die Öffnung der Wände wurde mit Emanuela Carpani, der Leiterin der venezianischen Denkmalschutzbehörde, bis ins
Detail abgestimmt. Die dreiseitigen Stahlrahmen sind erdbebensicher ausgeführt. Sie werden im Zuge des Rückbaus
wieder entfernt.
Dennoch ist nicht zu leugnen, dass massiv in die Denkmalsubstanz eingegriffen wurde und dass der Deutsche Pavillon
dadurch neu interpretiert wird. Zwei Architekten und ein Architekturhistoriker wurden daher gebeten, Stellung zu
beziehen:
- Prof. Dr.-Ing. Werner Durth, Vorsitzender der Auswahlkommission für den deutschen Beitrag zur
Architekturbiennale 2016
- Prof. Andreas Hild, Lehrstuhl für Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege der TU München
- Christoph Ingenhoven, Inhaber von ingenhoven architects, Düsseldorf
Die Statements liegen der Pressemappe bei.
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“Reporting from the Front”
Das Leitmotiv der diesjährigen Architekturbiennale wurde durch den Direktor Alejandro Aravena als Aufruf an die
teilnehmenden Architekten und Kuratoren formuliert: „Reporting from the Front“. Die Ausstellung im Deutschen
Pavillon nimmt darauf in zweifacher Weise Bezug. Zum einen, indem das „Reporting“ im Vordergrund steht, also das
Eintauchen in die Wirklichkeit auf dem Wege eines Reports über die realen Zustände. Rund die Hälfte der Autorinnen
und Autoren des Katalogs sind Journalisten, die aus deutschen Arrival Cities berichten. Zum anderen wird die Frage, wo
gegenwärtig in Deutschland eine „Front“ verläuft, von der es zu berichten lohnt, so beantwortet: Deutschland steht
gegenwärtig international für eine beispiellose Flüchtlingspolitik.
„Reporting from the Front“, das wird durch Making Heimat. Germany, Arrival Country in Form von Reportagen
aus Deutschland interpretiert, die den beiden Themenkomplexen „Einwanderung und Arrival Cities“ und „Bauen für
Flüchtlinge“ gewidmet sind.
8 Thesen zur Arrival City
In enger Zusammenarbeit mit Doug Saunders wurden acht Thesen zur Arrival City erarbeitet. Mit diesen Thesen
stellt das DAM die Frage, welche architektonischen und städtebaulichen Bedingungen in den Arrival Cities gegeben sein
müssen, damit sich Einwanderer in Deutschland erfolgreich integrieren können. Wenn sich die Fehler der 1960er- und
1970er-Jahre nicht wiederholen sollen, dürfen die Neubürger nicht als Gäste behandelt werden, die jederzeit wieder
nach Hause geschickt werden können. Sie müssen die Chance bekommen, dass Deutschland zu ihrer zweiten Heimat
wird. Einwanderer schließen sich mit ihresgleichen zusammen. So entstehen ganz ohne Planung, eine Vielzahl von
Arrival Cities. Doug Saunders definiert sie folgendermaßen: „The Arrival City is a City within a City“. Der
kanadische Journalist und Bestsellerautor hat weltweit Arrival Cities besucht. Seine Beobachtungen stützen sich auf
Besuche in Slums und Favelas. Diese Viertel sind und bleiben arm, aber sie haben eine hohe Fluktuation. Für viele sind
sie Durchgangsstationen in ein besseres Leben. Die Ankunftsstädte in Deutschland entstehen nicht durch die
prozentuale Verteilung von Asylsuchenden und nicht unter den Bedingungen der gerade wieder diskutierten
„Residenzpflicht“, sondern in urbanen Zonen.
Dieses Modell der Arrival City wird in der Ausstellung auf Beispiele aus Deutschland angewendet. Eines davon ist die
Offenbacher Innenstadt, ein weiteres das Dong Xuan Center in Berlin-Lichtenberg, ein vietnamesischer Großmarkt, in
dem vieles gänzlich anders funktioniert, als man es in Deutschland gewohnt ist. Die aktuelle Flüchtlingssituation und die
Anforderungen an eine Arrival City berühren sich an einem entscheidenden Punkt: Es gibt in Deutschland eine
Wohnungskrise. Schon lange wird über kostengünstiges Wohnen diskutiert – nun ist die Situation da, in der konkrete
10
Lösungen tatsächlich umgesetzt werden müssten. Bezahlbarer Wohnraum muss für alle entstehen. Auch, aber nicht nur,
für Flüchtlinge und Migranten.
Die Arrival City ist eine Stadt in der Stadt.
Die Arrival City ist bezahlbar.
Die Arrival City ist gut erreichbar und bietet Arbeit.
Die Arrival City ist informell.
Die Arrival City ist selbst gebaut.
Die Arrival City ist im Erdgeschoss.
Die Arrival City ist ein Netzwerk von Einwanderern.
Die Arrival City braucht die besten Schulen.
Datenbank Flüchtlingsbauten
Die im Pavillon präsentierten Bauten sind eine Auswahl der Flüchtlingsunterkünfte, die vom DAM auf der Webseite
www.makingheimat.de gesammelt werden. Die Auswahl soll nicht werten, sondern gebaute Prototypen präsentieren.
Neben der architektonischen Gestaltung und der städtebaulichen Gruppierung hängt die Qualität eines Wohngebäudes
für Flüchtlinge wesentlich vom Standort und der Entfernung zur nächsten Arrival City ab, von den Umständen der
Betreuung vor Ort und nicht zuletzt von der Frage der individuellen Zukunftsperspektive. Wie lange und unter welchen
Umständen wohnt man dort? Die Projekte sollen nach der Fertigstellung weiter vom DAM begleitet werden. Ab Februar
2017 wird eine aktualisierte Fassung der Ausstellung Making Heimat im DAM in Frankfurt zu sehen sein.
Die Partner bei der Erstellung der Datenbank sind die Architekturzeitschrift Bauwelt und der „Berlin Award 2016 –
Heimat in der Fremde“, ein internationaler Projektaufruf des Landes Berlin zu innovativen Konzepten der
Flüchtlingsunterbringung.
Heimat
Heimat ist ein deutscher Begriff, der sich schlecht in andere Sprachen übersetzen lässt. Weder „home“, „homeland“ oder
„home country“ im Englischen, noch „casa“ oder „patria“ im Italienischen und Spanischen umfassen die Vielfalt der
Deutungen im Deutschen. Heimat ist ein individuelles „sich zuhause fühlen“. Mit dem Titel Making Heimat wird nach
den Bedingungen für ein dauerhaftes Leben in der neuen Heimat gefragt. Denn es ist davon auszugehen, dass viele
Migranten nicht wieder in ihre alte Heimat zurückkehren können.
11
Katalog
Der begleitende Katalog erscheint bei Hatje Cantz mit Textbeiträgen u.a. von Doug Saunders, Jürgen Friedrichs, Stefan
Rettich, Amber Sayah, Marietta Schwarz, Walter Siebel, Peter Cachola Schmal, Oliver Elser und Anna Scheuermann,
sowie Interviews von Kai Vöckler mit Friedrich Heckmann und Matthias Schulze-Böing. Für die Bildstrecken hat das
DAM u.a. den Fotografen Kiên Hoàng Lê mit einer Reportage über das Dong Xuan Center beauftragt. (deutsch/english,
ISBN 978-3-7757-4141-5
)
Auswahlverfahren und Beauftragung
Das Ausstellungskonzept für den Deutschen Pavillon wurde durch eine Jury in einem offenen Auswahlverfahren von Juni
bis Oktober 2015 bestimmt und entsteht im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit (BMUB).
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STATEMENTS ZUR ÖFFNUNG DES DEUTSCHEN PAVILLONS
Aufbrüche. Zum deutschen Beitrag 2016
Am Anfang war das Thema. „Making Heimat“ ist die Antwort auf die massenhafte Zuwanderung von Flüchtlingen, die
2015 Europa erschütterte und Deutschland fast zerriss. Von den einen wurden die Schutzsuchenden mit Freude und
Mitleid empfangen, den anderen konnten sie gar nicht schnell genug wieder verschwinden. Der deutsche Beitrag zur
Architekturbiennale 2016 mischt sich ein.
Er fragt nach den Gefahren und Chancen dieses Aufbruchs nach Deutschland. Den thematischen Kontext ihrer
Argumentation fanden die Kuratoren in den Thesen des welterfahrenen Doug Saunders. Den räumlichen Rahmen gab
der Deutsche Pavillon vor. Er galt seit seiner Neugestaltung 1938 als Programmbau nationalsozialistischer Herrschaft. In
seiner stillen Wucht und hermetischen Ordnung war dieser Bau, zu dem die Bezeichnung „Pavillon“ nicht so recht
passen mag, als Ort kultureller Selbstdarstellung der Bundesrepublik seit Jahrzehnten immer wieder Gegenstand der
Kritik, bis hin zur Forderung nach Abbruch und Neubau eines anderen Pavillons im Habitus „demokratischer“
Architektur – was auch immer das sei.
Die Geschichte, die Gestalt und die Formensprache dieses Gebäudes provozierten immer wieder die
Auseinandersetzung mit ihm. So wurde es durch künstlerische Interventionen wiederholt gestört, verfremdet, überformt
oder ausgeblendet. Man denke nur an die starken Bilder zertrümmerter Bodenplatten nach der Aktion Hans Haackes
1993 oder an verschiedene Beiträge zur Architekturbiennale, die ihre Präsentationen demonstrativ in Kontrast setzten
zur Baukunst des Jahres 1938, zuletzt 2014 in Kollision mit der Nachkriegsmoderne durch Einbau von Elementen des
Bonner Kanzlerbungalows von Sep Ruf.
In diesem Jahr scheinen die Mauern unter dem Druck der Ereignisse aufgebrochen, perforiert und auf Zeit provisorisch
geöffnet worden zu sein. Auf den zweiten Blick begegnet uns der Pavillon mit einer Botschaft: Was da kam, ließ sich
nicht aufhalten, ist eingedrungen in das Haus mit seinen wehrhaften Mauern. Drinnen sehen wir Unterkünfte zur
Linderung der größten Not, daneben Projekte neuen Wohnbaus, die nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für
Wohnungssuchende aus unterschiedlichen Schichten der deutschen Bevölkerung konzipiert sind.
Durch die Öffnungen in der Fassade, die von außen gesehen eben noch die Wahrnehmung irritierten, gewinnt das
Gebäude im Inneren temporär eine neue Qualität. Sie stellt jedoch nicht die Architektur in ihrer Tauglichkeit als
Ausstellungsraum grundsätzlich in Frage. Denn offensichtlich ist die Maßnahme reversibel, die ausgebrochenen Steine
liegen zur Reparatur bereit. Während Zug um Zug einzelne Staaten ihre Grenzen schließen, um die Festung Europa zu
sichern, werden in Venedig Mauern geöffnet, zunächst nur für einen Sommer, als Ermutigung für eine andere Politik im
Geist der Einheit Europas, in Verpflichtung auf die unantastbare Würde des Menschen.
Prof. Dr.-Ing. Werner Durth
Leiter des Fachgebiets Geschichte und Theorie der Architektur, TU Darmstadt
Vorsitzender der Auswahlkommission für den deutschen Beitrag zur Architekturbiennale 2016
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Dornröschens Erwachen
„Selbst ein wenig überrascht“ sind die Kommissare des Deutschen Pavillons darüber, dass der italienische
Denkmalschutz die Wandeinschnitte in dem historischen Gebäude des Pavillons genehmigt hat. Und das ausgerechnet
am Entstehungsort der Charta von Venedig. Zwar sind die nun realisierten Eingriffe ganz im Sinne der international
anerkannten Richtlinie sowohl ablesbar als auch reversibel. Dennoch: Der damit einhergehende Substanzverlust wiegt
schwer, die Integrität des Denkmals wird zweifellos berührt. Darf man das erlauben? Oder muss man es unter den
gegebenen Umständen vielleicht sogar erlauben?
Baulicher Denkmalschutz lässt sich verstehen als der Versuch, ein Gebäude in einem bestimmten Zustand zu
konservieren. Das Denkmal wird für die Gegenwart erhalten und ist dem Heute der Jetztzeit doch in entscheidendem
Maße entrückt. Ganz ähnlich wie in dem Märchen der Gebrüder Grimm kann die gute Fee das Dornröschen seinem
sicheren Untergang nur durch einen abgemilderten Gegenzauber entreißen: „Es soll aber kein Tod sein, sondern ein
hundertjähriger tiefer Schlaf.“
Um das ganze Schloss mit der schlummernden Königstochter wächst alsbald eine schützende Dornenhecke. Auch der
widersprüchliche Zustand des für die Gegenwart erhaltenen und zugleich der Gegenwart entrückten Denkmals lässt sich
üblicherweise nicht in Frage stellten. Eine „Hecke“ aus Vorschriften und rechtlichen Beschränkungen schirmt es
gegenüber allen Zugriffen ab. Es ist nicht vorgesehen, dass die Dornen sich öffnen, um das Gebäude in neue
Sinnzusammenhänge zu stellen. Gleich den vielen Königssöhnen im Märchen bleibt in der Hecke der Einschränkungen
hängen wer versucht, den Schwebezustand des Gebäudes zu ändern.
Doch jedes Denkmal verdankt seine Existenz als Denkmal einem gesellschaftlichen Diskurs. Der in den Jahren 1938 und
2016 umgebaute Pavillon verweist in seiner aktuellen Gestalt auf zwei extreme Pole deutscher Geschichte. Offenbar ist
der gegenwärtige Wandel des Bildes von Deutschland in der Welt ein Ereignis, das zumindest dem italienischen
Denkmalschutz relevant genug erscheint, den trotz des geforderten Rückbaus erheblichen Eingriff hinzunehmen.
Und dennoch ist gerade die Frage des Rückbaus entscheidend für die Legitimation der gesamten Maßnahme. Es macht
keinen Sinn, das Dornröschen nur kurz zu erwecken und danach sofort wieder schlafen zu lassen. Es macht keinen Sinn,
die Hecke kurz zu öffnen und sofort wieder zu verschließen. Der Substanzverlust und die Integrität des Denkmals sind
dadurch kaum rückgängig zu machen. Würde künftig jeder Kommissar einen solchen Eingriff fordern, wäre von dem
Originalgebäude bald nichts mehr übrig.
Wenn aber die Metapher der Öffnung mehr darstellt als nur ein temporäres Ausstellungskonzept, dann könnte es
gelingen, dem Haus neues Leben einzuhauchen, neue Möglichkeiten für Lesbarkeiten herzustellen, im Wortsinn einen
neuen Zugang zu eröffnen – dann ist der Eingriff nicht nur möglich, sondern vielleicht sogar richtig und wichtig.
Als historisches Relikt ist jedes Denkmal in eine Kontinuität eingebettet. Es wird dann lebendig, wenn man zeigt, dass
die Gegebenheiten, die ihm zugrunde liegen, dem Wandel unterliegen. Insofern wäre mit dem gegenwärtigen Eingriff ein
Moment genutzt, das Gebäude zu verwandeln, wie sich auch Deutschland gegenwärtig verwandelt. Aber – auch da trifft
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sich das Bild mit der Wirklichkeit – die Öffnung der Grenzen muss mehr sein als eine große Geste, mehr als ein
kurzlebiger Akt der Großzügigkeit. Die neue Offenheit muss, will sie tatsächlich etwas bewirken, Spuren hinterlassen, zu
einem Teil der deutschen Gesellschaft werden. Ob die Veränderung des deutschen Pavillons die Kraft hat, als
architektonische Weiterentwicklung zu bestehen, wird man sehen. Auch das ein Aspekt, den sie mit der großen
deutschen Verwandlung gemein hat.
Prof. Andreas Hild
Lehrstuhl für Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege, TU München
Inhaber von Hild und K Architekten, München
15
Café Deutschland
„A hole to see the sky through“ - das war eine kleine weiße Postkarte mit einem kreisrunden Loch in der Mitte, die Yoko
Ono 1972 auf der Dokumenta zeigte.
„(…)there is a crack, a crack in everything, that’s how the light gets in“ sagt Leonard Cohen. Und nun machen die vier
Löcher in den ungeliebten deutschen Pavillon!
Bislang war sich der deutsche Pavillon selbst genug, wie sich ja die ganze Biennale und die Giardini selbst genug sind bis
heute, eine ewige Selbstbespiegelung der Architekten und ihrer Bewunderer.
Dies ist nun vorbei, das Licht, die Welt drängt in die Szene, und es ist noch nicht entschieden, ob diesmal unter dem
Druck der äußeren Entwicklungen, Global Warming, Global Financial Crisis, Kriege, Hunger, Armut, soziale
Ungleichheit, Informationsflut, europäische Krise, Flüchtlingskrise, anders als bisher, die Architekten wirklich in der
Lage sind, von der Welt Notiz zu nehmen und von ihr zu lernen, statt ihrerseits die Welt zu belehren.
Bislang waren noch immer Wissenschaftler, Ingenieure, ja die ganze Welt schneller und weiter als die in ihrem fatalen
Kunstbegriff befangenen Architekten. Als Corbusier die Schönheit der Technik für sich entdeckte, gab es diese Schönheit
bereits, geschaffen von eben diesen Ingenieuren und Wissenschaftlern, die nicht auf die Architekten gewartet hatten.
Nun ist die Selbstbespiegelung noch nicht vorbei, ja, sie könnte in diesem Jahr sogar einen weiteren Höhepunkt
erlangen, wenn sich unter dem etwas martialischen Titel „Reporting from the Front“ herausstellen sollte, dass
Architekten wieder meinen, die Welt müsste an ihren Ideen genesen, statt sich als ein Teil einer an der Lösung der
Weltthemen arbeitenden Gemeinschaft von Wissenschaftlern, Forschern, Politikern und Aktivisten, zu verstehen. Als ob
die Welt auf uns gewartet hätte, um bei der Lösung ihrer sozialen und katastrophalen Probleme von uns ästhetisch oder
wie auch immer belehrt zu werden. Es gibt aber auch Hoffnung, dass sich etwas Substantielles im Selbstverständnis der
Architekten ändert, sie starten allerdings von weit hinten. So haben Architekten bislang noch immer getan, was möglich
war, nur weil es möglich war, selten haben sie daran mitgewirkt, diese Möglichkeiten zu schaffen oder zu erweitern,
noch seltener haben wir bewusste Selbstbeschränkung betrieben und nicht getan, was möglich, sondern was sinnvoll und
angemessen ist. Es wird sich erweisen müssen, ob nun die Chance gegeben ist, dies zu ändern, oder ob diesmal unter
dem Begriff des Sozialen eine weitere Runde im Fegefeuer der Eitelkeiten aufgerufen wird.
Man kann nun die Welt auch außerhalb des Pavillons sehen und wahrnehmen, dass man am Wasser und Teil eines der
bezauberndsten Panoramen der Welt ist, dass wir all die weißen Wände nicht brauchen, um etwas von der Welt zu
erfahren, dass das Leben da draußen ist und nicht in den noch so gut gemeinten Inszenierungen drinnen. Und die Welt
kann in den Pavillon eindringen, einfließen. Der interessanteste Ort auf der Biennale war schon immer das Café
Paradiso, wo wenigstens der Illusion gehuldigt wurde, es gäbe Kommunikation unter Architekten, wenn schon alle
anderen draußen bleiben. Wo sind die Ingenieure, Konstrukteure, Handwerker, die Bauindustrie, die Bewohner, die
Bauherren gewesen all die Jahre, wieso glauben wir Architekten, wir könnten ohne diese überhaupt etwas Sinnvolles
zustande bringen?
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Wie sieht die Zukunft des deutschen Pavillons nach diesem Eingriff der vier Fenster aus? Es könnte beim nächsten Mal
eine Art Café Deutschland daraus geworden sein, die Fenster als erster Bauabschnitt einer noch weitergehenden
Öffnung und Umwandlung von einem Ort der Ausstellung und Präsentation zu einem Ort des Seins und des Austauschs
mit anderen? Oder die Fenster könnten der Auftakt zu einem wirklichen Eindringen der Welt in den Pavillon sein, einer
Rückeroberung durch die Natur, einer ungeplanten und spontanen Ruinierung des Repräsentativen und Offiziellen und
der Wiedergewinnung des Natürlichen? Sicher auch unter ästhetischen Gesichtspunkten reizvoll und logisch. Wie auch
immer, man sollte die Öffnungen jedenfalls nicht rückgängig machen, ich wünsche dem Deutschen Pavillon eine Welt,
die in ihn eintreten möchte und dort etwas Interessantes vermutet, etwas, was der Mühe des sich durch-die-FensterZwängens wert ist.
Christoph Ingenhoven
Inhaber von ingenhoven architects, Düsseldorf
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PUBLIKATION
Der Katalog zur Ausstellung Making Heimat. Germany, Arrival Country im Deutschen Pavillon auf der
15. Internationalen Architekturausstellung 2016 – La Biennale di Venezia erscheint zur Ausstellungseröffnung im Hatje
Cantz Verlag.
Making Heimat. Germany, Arrival Country
MAKING HEIMAT M
Hrsg. Peter Cachola Schmal, Oliver Elser, Anna Scheuermann
A
Mit Beiträgen von Anneke Bokern,INVESTIGATES
Oliver Elser, Maren Harnack, Friedrich
Heckmann, Christian Holl, Peter Körner, Mechthild Küpper, Stephan K
URBAN,
Lanz, Denise Peikert, Stefan Rettich, THE
Doug Saunders,
Amber Sayah, AnnaI
Scheuermann, Peter Cachola Schmal, Matthias Schulze-Böing, Marietta
ARCHITECTURAL, N
Schwarz, Walter Siebel, Philipp Sturm, Kai Vöckler
G
AND
Mit Fotos von die arge lola, Kirsten Bucher, Josephine
Dannheisig/Christopher Domakis, LudovicSOCIAL
Dusuzeau, Kiên Hoàng Lê,
Jakob Huber, Tadeuz Jalocha, Peter Körner, Sonia Mangiapane, CristobalH
CONDITIONS
Palma, Judith Raum, Philipp Reiss, Jessica
Schäfer, Stefanie Zofia Schulz,
E
Florian Thein, Felix Torkar
OF
I
ARRIVAL CITIES M
Gestaltung von Something Fantastic, Berlin
IN
A
Englisch/Deutsch
304 Seiten, ca. 120 Abbildungen, Broschur,
13,50 x 21 cm
T
GERMANY.
Making Heimat
untersucht
die urbanen,
architektonischen
makingheimat.de
und
Germany,
Arrival
Country
sozialen
Anforderungen
an
Find out
how architects are working on
refugee housing projects
in Germany at makingheimat.de
Arrival Cities
in
ISBN 978-3-7757-4141-5
9,80 Euro
Deutschland.
DEUTSCHES ARCHITEKTURMUSEUM
SOMETHING FANTASTIC
MAKING
HEIMAT.
GERMANY,
ARRIVAL
COUNTRY
15. Mostra
Internazionale
di Architettura
Partecipazioni Nazionali
GERMAN PAVILION AT THE
15TH INTERNATIONAL ARCHITECTURE EXHIBITION 2016 –
LA BIENNALE DI VENEZIA
DEUTSCHER PAVILLON AUF DER
15. INTERNATIONALEN ARCHITEKTURAUSSTELLUNG 2016 –
LA BIENNALE DI VENEZIA
PETER CACHOLA SCHMAL, OLIVER ELSER, ANNA SCHEUERMANN
(EDS. / HRSG.)
DEUTSCHES ARCHITEKTURMUSEUM
SOMETHING FANTASTIC
18
ARRIVAL CITIES? FRAGEN UND ZITATE
FÜHRUNG DURCH DEN KATALOG
Wo werden Statistiken und Zahlen rund um das Thema Einwanderung in Deutschland
vorgestellt?
Zu- und Abwanderung, Herkunftsländer, Asylanträge……………………………………………………………….............…….S.16 – 17
Ausländeranteile, Verhältnis Großstadt zum Ankunftsviertel, Ausländeranteil in innerstädtischer Lage;
Zu- und Fortzüge; ……………………………………………………………………………………………………………………………….S. 68 – 71
Netzwerke von Einwanderern (Türken, Polen, Vietnamesen)……...…..…………………………..…..………….....…...S. 200 – 204
Einwanderung und Ausbildung….……………………………………………………………..…………………………….………...S. 230 – 231
Einwanderung in Offenbach am Main………………………………………………………...……………………….……………..S. 244 – 247
Wie definiert Doug Saunders die Arrival Cities (Ankunftsstädte) im Kontext von Making
Heimat. Germany, Arrival Country.
Essay: An der Schwelle: Migrantenquartiere und die Architektur der Inklusion bei Doug Saunders…………….…S. 22 – 41
Interview mit Doug Saunders und Stephan Lanz…………………………………………………………………………….………..S. 42 – 55
Die Ankunftsstädte („Arrival Cities“), jene von Migranten geschaffenen Stadtbezirke, bergen Risiken und Chancen.
Denn entweder bildet sich dort eine neue Klasse von Kreativen und Geschäftsleuten heraus, oder es kommt zum
Ausbruch einer neuen Welle von Spannungen und Konflikten. Das jedoch hängt in hohem Maße von der
organisatorischen und politischen Herangehensweise ab, vor allem aber von den physischen Strukturen und gebauten
Formen.
Wenn Immigranten erfolgreich sind, werden sie zu einem Teil des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens einer Stadt. Sie
partizipieren nicht nur am politischen Leben der Stadt, sondern entwickeln sich auch ansonsten effektiver weiter.
Existenzgründung oder abhängige Beschäftigung, das Leben in Hausgemeinschaften und das Zahlen von Steuern – all
dies sind Vorgänge, die die politische Partizipation nicht nur zu einer Notwendigkeit, sondern zu einem Recht machen.
Erst wenn die Migranten selbst die Befugnis, das Wissen und den Einfluss besitzen, um ihre Institutionen, ihre
Lebensumstände und ihren physischen Raum zu gestalten, wird es möglich sein, sich von der alten Phrase zu
verabschieden, man müsse „die Immigranten integrieren“. Wenn wir ihnen die Herrschaft über ihren Raum und ihr
politisches Leben überlassen, werden sie sich selbst integrieren und werden neue Räume und Gemeinschaften schaffen,
die auch uns nachhaltig verändern werden.
Doug Saunders
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Einblicke in die Realitäten von Migrationsprozessen mit dem Leiter des Europäischen Forums
für Migrationsstudien.
Interview: Friedrich Heckmann, im Gespräch mit Kai Vöckler……………………………………………………………..…S. 56 – 65
Wenn wir unter (internationaler) Migration den Wechsel des Lebensmittelpunktes über Landesgrenzen verstehen, dann
bedeutet der Kauf von Wohneigentum eine noch stärkere Verlagerung von Interessen in und Bindungen an das neue
Land als das Aufrechterhalten eines Mietverhältnisses. Der Erwerb von Wohneigentum ist also eine massive Investition
in die Integration.
Friedrich Heckmann
Wie funktioniert Einwanderung in Deutschland?
Essay: Die Arrival City und die Integration von Migranten bei Jürgen Friedrichs……………………………………..…S. 76 – 85
Doch in Deutschland wird nach Saunders eine Bedingung für erfolgreiche Integration verletzt: die Möglichkeit, rasch die
deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben. […] Diesen Fehler sollten wir bei der Integration der neuen Migranten nicht
wieder machen. Offenbar gilt: Je toleranter die rechtlichen Bedingungen für die Arbeits- und Wohnbedingungen der
Migranten sind, desto eher werden sie in die Gesellschaft der Majorität integriert – und nicht (nur) in die der eigenen
Minorität.
Jürgen Friedrichs
Zu Wohnungskrise, Förderungen, Bauland- und Immobilienspekulation – und was Architektur
heute braucht um die Krise zu meistern.
Essay: Steuern. Entschlacken. Beschleunigen. bei Stefan Rettich………………………………………………………………...S. 86 – 99
Offenbar führen vergleichbare Problemlagen auch zu gleichen Antworten und nebenbei zu einer neuen Sicht auf die
Nachkriegsmoderne, die in einer ähnlichen Situation auf dieselben Konstruktionsmethoden setzte.
Stefan Rettich
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Wie unterstützen Jobs den Integrationsprozess?
Essay: Integrationsmotor Arbeit bei Amber Sayah………………………………………………………………………………...S. 110 – 115
Dass von Konflikten zwischen Einheimischen und Zugewanderten selten zu hören ist, spricht dafür, dass das
Zusammenleben klappt.
Doch Jobs als Integrationsmotor sind kein Selbstläufer, Arbeit allein macht noch keine „Heimat“. Damit sich Fremde zu
Hause fühlen können, sei das „Making“ an „Making Heimat“ mindestens ebenso wichtig, betont der
Integrationsbeauftrage, also die gezielte Unterstützung und Förderung von Migranten durch Sprachkurse,
Bildungspaten, Ausbildungsbegleiter, Sport- und Kulturvereine, private und öffentliche Stiftungen.
Amber Sayah
Was genau ist das Dong Xuan Center in Berlin-Lichtenberg? Einblicke und Bildstrecken.
Foto-Essay bei Kiên Hoàng Lê………………………………………………………………………………..……………….…………S. 118 – 137
Essay: Herr Hien hilft bei Marietta Schwarz……………...………………………………………………………………………..S. 138 – 153
Was verbindet die Siedlung Praunheim von Ernst May (1929) mit Alejandro Aravenas Quinta
Monroy (2002)?
Essay: Neues Bauen in Frankfurt am Main und Iquique bei Peter Körner and Philipp Sturm………………….….S. 160 – 171
Um dennoch den dringend benötigten Wohnraum für gering verdienende Schichten und Flüchtlinge zu errichten, muss
innovativ gedacht und gebaut sowie von bisherigen Standards und Normen abgerückt werden.
Ganz gleich, welche Lockerungen der geltenden Bauvorschriften und welche Novellierungen im Bereich der Verwaltung
erfolgen, darf nicht allein über Standards und Ästhetik der Architektur diskutiert werden.
Peter Körner and Philipp Sturm
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Wie funktioniert migrantische Selbstständigkeit? Und wo findet sie statt?
Essay: The Arrival City ist kleinteilig verfügbar bei Maren Harnack and Christian Holl………………………..……S. 176 – 185
Sprechen wir von „Gettoisierung” in Deutschland? Wie funktionieren
Einwanderungsquartiere?
Essay: Einwanderungsquartiere: notwendige Stufen im Prozess der Integration bei Walter Siebel………………S. 220 – 227
Freier Wohnraum für die Unterbringung von Flüchtlingen findet sich vor allem außerhalb der prosperierenden
Ballungsräume: in ländlichen Gebieten, in den altindustriellen Regionen an Ruhr und Saar und in den neuen
Bundesländern, also in strukturschwachen Regionen. Allerdings sind dort die Arbeitsmärkte weniger aufnahmefähig und
die Bildungskapazitäten unzureichend. Eine Residenzpflicht würde die Zuwanderer in diesen Regionen festhalten, also
dort, wo ihre Integrationschancen besonders schlecht sind.
Nachbarschaften zwischen deutschen Verlierern und nicht integrierten Zuwanderern stellen sich obendrein häufig in
heruntergekommenen Wohnvierteln her, die ihren Bewohnern tagtäglich vor Augen führen, dass sie am Rand der
Stadtgesellschaft leben.
Doch bislang ist die Rede von Gettos oder Parallelgesellschaften in Deutschland keineswegs gerechtfertigt. Das ist immer
noch eine theoretisch und empirisch unbegründete Zuspitzung der Situation. Unbegründet, denn in der international
vergleichenden Forschung wird von einem ethnisch geprägten Viertel erst dann gesprochen, wenn der Anteil einer
Ethnie an der Bevölkerung mindestens vierzig Prozent beträgt. Das ist in keiner deutschen Stadt der Fall.
Die Bilder, die die Medien zurzeit vom Strom der Flüchtlinge über die Grenzen liefern, rühren jedoch noch an weit
tieferen Ängsten. Grenzen haben ein Janusgesicht. Sie engen ein, sie beschränken Freiheiten, aber sie gewährenauch
Schutz und Sicherheit. Die Aufhebung einer Grenze ist ein Akt von widersprüchlicher Symbolik. Er ist Befreiung, aber er
kann auch tiefe Ängste wecken: vor Kontrollverlust und dem Zusammenbruch aller Ordnung und Sicherheit.
Walter Siebel
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Über Konsequenz und Relevanz von Ausbildung am Beispiel der Rütli-Schule Berlin Neukölln
Essay: Die „schlimme Rütli“ und was danach passierte …………………………….…………………………………..….…..S. 234 – 241
Bauen ist Wertschätzung, Wertschätzung für Schüler und für Lehrer.
Cordula Heckmann, Direktorin der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln
Er weiß, dass Schulen umso besser sein sollten, je schwerer es die Schüler – und ihre Eltern – im Leben haben.
Mechthild Küpper
Wie funktioniert Offenbach am Main, die Stadt in der 58 Prozent der Bevölkerung einen
Migrationshintergrund haben?
Interview: Matthias Schulze-Böing im Gespräch mit Kai Vöckler…………………………………………………….……...S. 234 – 241
Essay: Offenbach-Porträts von Denise Peikert……………………………………………………………………………….….…..S. 265 – 285
Wir schauen uns zum Beispiel an, ob Menschen unterschiedlicher Nationalität und Herkunft in den Nachbarschaften
nebeneinanderher oder wirklich zusammen leben. Sprechen die Menschen miteinander? Besuchen sie sich
beziehungsweise gibt es gegenseitige Besuche bei Kindergeburtstagen? Unterstützen sie sich? Und: Vertreten sie ihre
Interessen gemeinsam? All das ist Ausdruck gelingender Integration. Wir schaffen dafür Rahmenbedingungen, zum
Beispiel durch Begegnungsstätten in den Quartieren, soziale Arbeit, gemeinsame Aktionen und Quartiersmanagement.
Wir sehen Segregation deshalb als Herausforderung. Eine gute soziale Mischung ist aus unserer Sicht die beste Gewähr,
dass sich die Menschen gut entfalten und ihre Chancen nutzen können, dass Fremdheit abgebaut wird und die
Stadtgesellschaft in Balance kommt.
Matthias Schulze-Böing
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BIOGRAFIEN
DAM Deutsches Architekturmuseum
Peter Cachola Schmal
* 1960 in Altötting. Vater aus München, Mutter aus den Philippinen. Aufenthalte in Multan/Pakistan, Mülheim/Ruhr,
Jakarta/Indonesien, Holzminden und Baden-Baden. Architekturstudium an der TU Darmstadt. 1989 Mitarbeit
bei
Behnisch+Partner in Stuttgart und 1990 bis 1993 bei Eisenbach+Partner in Zeppelinheim. 1992 bis 1997
wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Darmstadt. 1997 bis 2000 Lehrauftrag für Entwerfen an der FH Frankfurt. Seit
2000 Kurator und seit 2006 Direktor des DAM. 2007 Deutscher Generalkommissar VII. Internationale
Architekturbiennale São Paulo.
Oliver Elser
* 1972 in Rüsselsheim. Architekturstudium in Berlin. 2003 bis 2007 Architekturkritiker und Journalist in Wien. Seit
2007 Kurator am DAM und Autor zahlreicher Beiträge in Zeitungen, Magazinen und Büchern. 2012/13
Vertretungsprofessor für Szenografie an der FH Mainz. Ausstellungen u.a.: Das Architekturmodell – Werkzeug, Fetisch,
kleine Utopie, 2012; Die 387 Häuser des Peter Fritz (The 387 Houses of Peter Fritz) auf der Kunstbiennale Venedig,
2013; Mission: Postmodern. Heinrich Klotz und die Wunderkammer DAM, 2014.
Anna Scheuermann, geb. Hesse
* 1977 in Lahn-Gießen. Architekturstudium an der TU Darmstadt und am Tec de Monterrey in Querétaro/Mexiko.
2005/06 Volontariat am DAM. Seit 2006 freie Kuratorin und Autorin. 2007 Co-Kuratorin des deutschen Beitrags
für
die VII. Internationale Architekturbiennale São Paulo. Seit 2007 Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für diverse
Architektur- und Ingenieurbüros. Ausstellungen u.a.: schneider+schumacher, 2012; Nove Novos, 2013; Suomi Seven,
2014.
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Doug Saunders
* 1967 in Hamilton, Ontario/Kanada. Studium in Toronto. Seit 1995 Journalist bei der kanadischen Tageszeitung Globe
and Mail, 2003 bis 2012 Leiter des Europabüros der Zeitung in London. Reportagen und Kolumnen u.a. fünf Mal mit
dem „National Newspaper Award“ ausgezeichnet, dem kanadischen Pendant zum „Pulitzer-Preis“. Träger des „Donner
Prize“ und des „Shaughnessy Cohen Prize for Political Writing". Nominiert für den „Gelber Prize“ (für das weltbeste
Buch über internationale Angelegenheiten), 2011. Publikationen: Arrival City, 2010; The Myth of the Muslim Tide,
2012.
Something Fantastic
Something Fantastic wurde von den Architekten Leonard Streich, Julian Schubert und Elena Schütz gegründet. Sie
lehren seit 2013 den Master of Advanced Studies im Bereich Städtebau am Lehrstuhl von Marc Angélil der ETH Zürich
mit einem Fokus auf informelle und dynamische Stadtentwicklung. Andere Forschungs- und Lehrprojekte beinhalten
Kollaborationen mit der Harvard University und der Yokohama GSA. Die Arbeit von Something Fantastic ist auf den
Biennalen in Venedig, São Paulo und Shenzen ebenso wie in zahlreichen Museen, darunter das Museum of Modern Art
(MoMA), gezeigt worden. Something Fantastic war für den Iakov Chernikov Prize nominiert, und ihre Gestaltungen
haben zahlreiche Buchpreise erhalten. 2016 erscheinen die Publikationen Housing Cairo – The Informal Response (mit
Marc Angélil and Charlotte Malterre-Barthes) und The Index for Those Who Want to Reinvent Construction.
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SPONSOREN UND PARTNER
XL
L
M
Friedrich und Sylvia von Metzler
+
Allmann Sattler Wappner . Architekten
B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann
cma cyrus | moser | architekten
KSP Jürgen Engel Architekten
Lion Investments
Meixner Schlüter Wendt Architekten
schneider+schumacher
Stefan Forster Architekten
Wentz & Co.
MEDIENPARTNER
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