Handouts - German Grammar Group FU Berlin

Strukturen der germanischen Sprachen
Organisatorisches
Organisatorisches
• Bitte bei blackboard anmelden
Strukturen der germanischen Sprachen
• Telefon und Sprechzeiten siehe: http://hpsg.fu-berlin.de/∼stefan/
• Beschwerden, Verbesserungsvorschläge:
• mündlich
• per Mail oder
• anonym über das Web:
http://hpsg.fu-berlin.de/∼stefan/Lehre/
Stefan Müller
• Bitte unbedingt Mail-Regeln beachten!
http://hpsg.fu-berlin.de/∼stefan/Lehre/mailregeln.html
Deutsche Grammatik
Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
FU Berlin
[email protected]
17. Mai 2016
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
Strukturen der germanischen Sprachen
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Organisatorisches
Organisatorisches
Materialien
Vorgehen
• Information zur Vorlesung:
• Handouts ausdrucken, immer mitbringen und persönliche Anmerkungen
http://hpsg.fu-berlin.de/∼stefan/Lehre/Germanisch/
• Wiederholung/Grundlagen: Müller, 2013a, Kapitel 1–2
einarbeiten
• Veranstaltungen vorbereiten
• Veranstaltungen unbedingt nacharbeiten!
• Kontrollfragen
• Übungsaufgaben
• Einführungsbuch zur HPSG: Müller, 2013b
• Fragen!
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Strukturen der germanischen Sprachen
Organisatorisches
Organisatorisches
Quiz
Leistungen
Quiz
• Aktive Teilnahme
• Klausur in letzter Veranstaltung
• In Vorlesung und Seminar: Abgabe von je drei Stichpunkten zur vorigen
Veranstaltung und mindestens zwei Fragen
Wer sind diese drei Personen und was haben sie gemeinsam?
• Hausarbeit in einer der Veranstaltungen
(http://hpsg.fu-berlin.de/∼stefan/Lehre/hausarbeiten.html)
Ideale Zeitaufteilung (für das gesamte Modul):
Präsenzstudium
Vor- und Nachbereitung
Prüfungsvorbereitung
60 h
150 h (75h/17 = 4,41h!)
240 h
Bild: Christoph Braun CC0
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Bild: Laurence Chaperon CC BY-SA
Bild: Laurence Chaperon CC BY-SA
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Organisatorisches
Organisatorisches
Plagiat
Plagiat
Plagiat: Definition
Konsequenzen
Unter der Verletzung geistigen Eigentums werden alle Fälle begriffen,
in denen urheberrechtlich geschützte Werke, wissenschaftliche Erkenntnisse,
Hypothesen, Lehren oder Forschungsansätze anderer missbräuchlich verwendet
werden. Dies betrifft insbesondere
• eine Wiederholungsprüfung unter Bearbeitung eines neuen Themas ist zulässig,
• das Plagiat: nämlich die unbefugte Verwertung unter Anmaßung der
• Der Prüfungsausschuss kann zusätzlich zur Vergabe der Note 5,0 bestimmen,
• betreffende Prüfungsleistung wird mit nicht ausreichend“ (Note 5,0) bewertet.
”
es sei denn, es handelte sich bei der durch Täuschung beeinflussten
Prüfungsleistung um den letzten Wiederholungsversuch.
Autorenschaft, sowie
• den Ideendiebstahl: nämlich die Ausbeutung von Forschungsansätzen und Ideen
anderer unter Anmaßung der Autorenschaft.
Weitere Fälle der Verletzung geistigen Eigentums sind im Ehrenkodex / Satzung
zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis unter Ziffer A 2.1.b1 aufgelistet.
dass die Teilnahme an der betreffenden Lehrveranstaltung ganz oder teilweise zu
wiederholen ist.
• In schwerwiegenden Fällen, welche die Entziehung eines Hochschulgrades
rechtfertigen würden, kann der Prüfungsausschuss feststellen, dass die gesamte
Prüfung endgültig nicht bestanden ist.
Weitere Prüfungen zur Erlangung des angestrebten Abschlusses sind damit an
der Freien Universität Berlin ausgeschlossen.
1 http://www.fu- berlin.de/service/zuvdocs/amtsblatt/2002/ab292002.pdf
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Strukturen der germanischen Sprachen
Ziele der Veranstaltung
Allgemeines
Sprachen und Sprecher
Ziele
Allgemeines: Sprachen und Sprecher
• Überblick über die germanischen Sprachen
• ca. 5000 bis 6000 Sprachen auf der Welt
• Germanische Sprachen bilden eine kleine Gruppe
• Detailliertere sprachvergleichende Diskussion ausgewählter syntaktischer
(je nach Zählung etwa 15 Sprachen)
Phänomene
• Problem: Abgrenzung von Sprache und Sprachvarietät
(z. B. Varietäten des Friesischen)
Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee und Flotte.“ (Max Weinreich)
”
• insgesamt fast 500 Millionen Sprecher (Muttersprachler)
> 1/12 der Weltbevölkerung
• große regionale Verbreitung (insbesondere Englisch)
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Allgemeines
Allgemeines
Gängige Einteilung
Historische Bemerkungen
• Das Germanische repräsentiert einen selbständigen Zweig in der
Gängige Einteilung
• Ostgermanisch
indoeuropäischen Sprachfamilie
• Zwischen 2000 und 1000 v. Chr. gliederte sich das Proto-Germanische aus dem
indoeuropäischen Sprachkontinuum aus
• Westgermanisch
• Ursprünge in der baltischen Region (Norddeutschland, Südskandinavien);
Gotisch (ausgestorben)
Deutsch, Jiddisch, Luxemburgisch, Pennsylvanisch, Plautdietsch, Niederländisch,
Afrikaans, Friesisch, Englisch
• Nordgermanisch
Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Isländisch, Färöisch
Ausbreitung von Nordsee bis Polen (ca. 500 v. Chr.)
• Veränderungen im Konsonantismus
(Erste bzw. Germanische Lautverschiebung; bis ca. 2. Jh. v. Chr.)
• Erste schriftliche Zeugnisse:
Runeninschriften (ab ca. 300 n. Chr.; gotische Bibelübersetzung im 4. Jh.)
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Strukturen der germanischen Sprachen
Allgemeines
Allgemeines
Die indoeuropäische Sprachfamilie
Verwandschaft
Lautliche Übereinstimmung bei Worten aus dem zentralen Wortschatz
Niederländisch
Deutsch
Englisch
Friesisch
Schwedisch
Dänisch
Norwegisch
Isländisch
vader
Vater
father
–
fader
fader
far
fakir
vier
vier
four
fjouwer
fyra
fire
fire
fjórir
vol
voll
full
fol
full
fuld
full
fullur
huis
Haus
house
hûs
hus
hus
hus
hús
bruin
braun
brown
brún
brun
brun
brun
brúnn
uit
aus
out
út
ut
ud
ut
út
kruid
Kraut
crowd (?)
krûd
krut
krudt
krydder
–
muis
Maus
mouse
mûs
mus
mus
mus
mús
aus Fitch, 2007, S. 665
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Strukturen der germanischen Sprachen
Allgemeines
Allgemeines
Stammbaum der germanischen Sprachen
Drei Zweige des Germanischen
Stammbaum der germanischen Sprachen
Drei Zweige des Germanischen
• Aufteilung des Protogermanischen in drei Zweige:
Ost-, West- und Nordgermanisch (etwa im ersten Jh. nach Chr.)
• Ursachen:
• inhärente sprachliche Variation (Dialekte)
• Migration (Sprachkontakt)
• Standardisierung
• Wir behandeln die Struktur germanischer Standardsprachen
aus Bußmann, 2002, S. 251
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Allgemeines
Allgemeines
Drei Zweige des Germanischen
Drei Zweige des Germanischen
Ostgermanisch
Ostgermanisch
Ostgermanisch
Wulfila-Bibel (Codex Argenteus)
Quelle: Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:
Wulfila bibel.jpg
• ca. 100 v. Chr: Goten emigrieren von den dänischen Inseln und aus Südschweden
und treffen auf Vandalen und andere Stämme
• Sie konstituieren den ostgermanischen Zweig,
von dem nur das Gotische überliefert ist
• Mit dem Ende der Gotenreiche ist auch das Gotische ausgestorben
(letzte Reste bis ca. 1800 auf der Halbinsel Krim)
• Im 4. Jahrhundert übersetzte der westgotische Bischof Wulfila die Bibel ins
Gotische (Wulfila-Bibel)
• Bekannt ist vor allem das Manuskriptfragment in der Universitätsbibliothek von
Uppsala (Codex Argenteus)
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Allgemeines
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Allgemeines
Drei Zweige des Germanischen
Drei Zweige des Germanischen
Nordgermanisch
Nordgermanisch
Nordgermanisch
Dänisch
• erste Runen-Inschriften aus dem 6. Jh.
• Dänisch (dansk): offizielle Sprache des Königreichs Dänemark, zweite
• erst gegen Ende der Wikinger-Ära entstanden zwei Zweige:
• ca. 5,5 Millionen Sprecher
Amtssprache der Färöer-Inseln und Grönlands (Inuit als erste Sprache)
• Sprache der Wikinger (800–1050) war noch relativ homogen
Ost-Skandinavisch (Altdänisch, Altschwedisch),
West-Skandinavisch (Altnorwegisch, Altisländisch)
• ca. 50.000 Sprecher in Schleswig Holstein
• das Dänische hat sich von allen skandinavischen Sprachen am weitesten von den
gemeinskandinavischen Wurzeln entfernt
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Allgemeines
Allgemeines
Drei Zweige des Germanischen
Drei Zweige des Germanischen
Nordgermanisch
Nordgermanisch
Schwedisch
Isländisch
• Schwedisch (svenska):
• Isländisch (ı́slenska) ist die westskandinavische Sprache Islands seit der
• Bis zur Wikingerzeit sind Dänisch und Schwedisch kaum voneinander zu
• kaum Variation (keine Dialekte)
offizielle Sprache in Schweden mit ca. 8,5 Millionen Muttersprachlern
• erste Sprache von ca. 300.000 Sprechern in Finnland
Besiedlung vor über 1000 Jahren
• ca. 260.000 Sprecher
unterscheiden;
ab ca. 800 entwickeln sie sich auseinander;
seit ca. 1300 deutlich unterscheidbar
• Konservativ: von allen skandinavischen Sprachen hat das Isländische die Flexion
und seinen germanischen Erbwortschatz am besten bewahrt.
• Zunächst kaum Unterschiede zum Norwegischen,
dann auseinander entwickelt
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Allgemeines
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Allgemeines
Drei Zweige des Germanischen
Drei Zweige des Germanischen
Nordgermanisch
Nordgermanisch
Norwegisch
Färöisch
• Norwegisch (norsk) kennt zwei Varietäten:
• Färöisch oder Färingisch (føroyskt) ist, zusammen mit Dänisch,
Dänisch-Norwegisch (bokmål) und Neu-Norwegisch (nynorsk).
Beide sind offizielle Landessprachen und werden nebeneinander verwendet.
die offizielle Sprache der Färöer-Inseln
• 47.000 Sprecher
• Insgesamt ca. 4,3 Millionen Sprecher.
• Färöer-Inseln gehören seit 1816 zu Dänemark,
• Von 1380–1814 war Dänisch die Schriftsprache;
seit 1948 Status eines autonomen Landesteils
• Färöisch ist stark vom Dänischen beeinflusst
gesprochen wurden lokale Dialekte
• norwegischer Standard musste daher erst geschaffen werden;
• Schriftsprachliche Überlieferung erst seit 1773 und auch dann nur spärlich
Ivar Aasen (1813–1896): nynorsk; offiziell anerkannt 1885
(dies im Gegensatz zum Isländischen)
• bokmål (‘Buchsprache’) ist die erste Sprache der Mehrheit
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Allgemeines
Allgemeines
Drei Zweige des Germanischen
Drei Zweige des Germanischen
Westgermanisch
Westgermanisch
Westgermanisch
Deutsch
• kein homogener Ursprung, sondern drei Zweige von Dialektgruppen
• Deutsch ist offizielle Landessprache von
• Deutschland (ca. 80 Millionen Sprecher),
• Österreich (7,5 Millionen),
• Liechtenstein (15.000),
• Schweiz (4,2 Millionen, von insgesamt 6,4 Millionen Schweizern),
• Italien/Südtirol (270.000),
• Belgien (65.000),
• Luxemburg (360.000).
(Nordseegermanisch, Weser-Rheingermanisch, Elbgermanisch)
• aber keine 1-zu-1-Zuordnung dieser Dialektgruppen zu den heutigen
Standardsprachen
• In Luxemburg gilt neben dem nicht-ursprünglichen Deutsch auch das
ursprüngliche Lëtzebuergesch als offizielle Sprache.
• Insgesamt hat das Deutsche ca. 97 Millionen Sprecher, davon ca. 90 Millionen
Muttersprachler und 7 Millionen Zweitsprachler (täglicher Gebrauch)
• ca. 80 Mio Fremdsprachler, davon ca. 55 Mio in der EU
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Allgemeines
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Allgemeines
Drei Zweige des Germanischen
Drei Zweige des Germanischen
Westgermanisch
Westgermanisch
Deutsch
Jiddisch
• Drei nationale Hauptvarianten (Deutschland, Österreich, Schweiz);
• Jiddisch ist eine von vielen jüdischen Sprachen.
in anderen Staaten meist Minderheitensprache
• Zwei Dialektgruppen: Niederdeutsch/Plattdeutsch und Hochdeutsch
heute von ca. 2 Millionen Menschen in verschiedenen Regionen der Welt
gesprochen,
davon die meisten in den USA (1,25 Mill.)
• Vor 100 Jahren lebten weit über 7 Millionen Sprecher des Jiddischen in Europa,
die meisten in Russland und in Österreich-Ungarn.
• Heute höchstens noch 75.000 Jiddisch-Sprachige in Westeuropa
• Ursprung: mittelalterliches Deutsch, vermischt mit Hebräisch und Aramäisch
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Allgemeines
Allgemeines
Drei Zweige des Germanischen
Drei Zweige des Germanischen
Westgermanisch
Westgermanisch
Pennsylvania German
Niederländisch
• Pennsylvanisch (Deitsch, auch bekannt als Pennsylvanian Dutch) hat ca.
• Niederländisch (Nederlands) ist offizielle Landessprache in den Niederlanden
300.000 Muttersprachler, vor allem in den USA
• Sprachinseln, vor allem in Pennsylvania, Ohio und Indiana
(ca. 15 Millionen Sprecher),
eine der Landessprachen in Belgien (ca. 6 Millionen; knapp 4 Millionen
Wallonen).
• Auswanderung im 17. und 18. Jahrhundert; Mitglieder verschiedener
• Es ist die offizielle Verwaltungs- und Unterrichtssprache in Surinam
protestantischer Glaubensrichtungen (Mennoniten, Pietisten usw.)
• Sprache baut hauptsächlich auf Pfälzer Dialekten auf
(seit 1975 unabhängig) und auf Aruba und den niederländischen Antillen
• heute vor allem gesprochen von Amischen und Mennoniten
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Allgemeines
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Allgemeines
Drei Zweige des Germanischen
Drei Zweige des Germanischen
Westgermanisch
Westgermanisch
Afrikaans
Friesisch
• Afrikaans ist eine der offiziellen Sprachen Südafrikas
Drei Varietäten, untereinander nicht verständlich:
(insgesamt über 10 Amtssprachen)
• ca. 6,4 Millionen Muttersprachler, davon 6,2 Millionen in Südafrika
(= ca. 15 % der Bevölkerung) und 150.000 in Namibia
• Nordfriesisch, ca. 10.000 Sprecher, vor allem auf den nordfriesischen Inseln
(Amrum, Sylt, Helgoland)
• Ostfriesisch, in Ostfriesland ausgestorben.
• seit Mitte des 17. Jh.; Entwicklung aus niederländischen Dialekten;
Überbleibsel: das Saterfriesische (wird in der Gemeinde Saterland im Landkreis
Cloppenburg von etwa 1.000 bis 2.500 Menschen gesprochen)
• Westfriesisch, niederländische Provinz Friesland,
ca. 350.000 Muttersprachler
Afrikaans wird seit dem frühen 19. Jh. als eigenständige Sprache gesehen
• Sprachkontakt; heute starker Einfluss des Englischen
• starke Tendenzen zu struktureller Vereinfachung im Sprachsystem
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Allgemeines
Strukturen der germanischen Sprachen
Drei Zweige des Germanischen
Phänomene
Westgermanisch
Englisch
Übungsaufgaben/Wiederholung
• Englisch hat gegen Ende des 20. Jh. ca. 570 Millionen Sprecher in aller Welt
Bestimmen Sie in den folgenden Sätzen die topologischen Felder, die Kasus der
Nominalgruppen und die grammatischen Funktionen und zeichnen Sie einen
Strukturbaum in einem theoretischen Modell Ihrer Wahl!
(337 Mill. Muttersprachler, 235 Mill. Zweitsprachler)
•
•
•
•
•
•
•
USA: 227 Mill. Muttersprachler;
Großbritannien: 57 Mill.;
Nigeria: 43 Mill.;
Kanada: 24 Mill.;
Australien: 17 Mill.;
Irland: 3,5 Mill.;
Neuseeland: 3,2 Mill.
(1)
a.
b.
c.
d.
• Viele nationale Varianten (vor allem Aussprache)
Der Mann lacht.
Der Frau hat der Mann das Buch gegeben, den wir kennen.
Ein Lied singend ging Peter voran.
Einen Aufsatz schreiben, der komplett neue Gedanken enthält,
können nur wenige.
• Geschätzte 1 bis 1,5 Milliarden Menschen besitzen aktive oder passive
Englischkenntnisse
• Amtlicher Status in 59 Staaten
• Weltweit wichtigste Wissenschaftssprache
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Strukturen der germanischen Sprachen
Phänomene
Phänomene
Abfolge von Subjekt, Objekt und Verb
Variation
Subjekt, Objekt und Verb in den Sprachen der Welt
• Stellung:
• VO vs. OV
• V2 vs. Nicht-V2
• Anordnung von Subjekten und Objekten
• Stellung der Adverbien
• Verbalkomplexe
• Subjektbedingung
• Passiv
• Persönliches Passiv
• Unpersönliches Passiv
• Objekte ditransitiver Verben
• Expletivpronomina
• Markierung Satztyp in nicht engebetteten Sätzen (V2)
• Markierung Satztyp in eingebetteten Sätzen (V3)
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Matthew S. Dryer: Feature 81A: Order of Subject, Object and Verb,
The World Atlas of Language Structures
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Strukturen der germanischen Sprachen
Strukturen der germanischen Sprachen
Phänomene
Phänomene
Abfolge von Subjekt, Objekt und Verb
Abfolge von Subjekt, Objekt und Verb
Subjekt, Objekt und Verb im WALS
Subjekt, Objekt, Verb in Europa
SVO:
Isländisch,
Norwegisch,
Schwedisch,
Dänisch,
Englisch
• Subjekte sind die Argumente mit den eher agensartigen Eigenschaften.
• Objekte sind die Argumente mit den eher patiensartigen Eigenschaften.
• Das ist nicht unbedingt deckungsgleich mit einzelsprachlichen Definitionen von
Subjekt.
(2) Der Aufsatz interessiert mich.
• Dominante Abfolge (Dryer: Determining Dominant Word Order):
Where a language is shown on one of the word order maps as having a particular
order as the dominant order in the language, this means that it is either the
only order possible or the order that is more frequently used.
I base my classification of Macushi here on the frequency counts, and since no
order is more than twice as frequent as the next most frequent order, I treat this
language as lacking a dominant order of subject, object, and verb.
Deutsch, Niederländisch und Friesisch sind V2-Sprachen, d. h. die SVO- und
SVAuxOV-Stellungen kommen durch die Voranstellung des Verbs zustande, die
eine Funktion hat. Wir zählen diese Sprachen also mit zu den SOV-Sprachen.
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Strukturen der germanischen Sprachen
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Strukturen der germanischen Sprachen
Phänomene
Phänomene
Abfolge von Subjekt, Objekt und Verb
Abfolge von Subjekt, Objekt und Verb
Dryer: Feature 81b: Two Dominant Orders of Subject, Object, and Verb
SVO oder SOV:
Deutsch,
Friesisch,
Niederländisch
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c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
Sprachen ohne dominante Konstituentenstellung im WALS
Dryer:
A third subtype of language lacking a dominant order consists of languages in
which different word orders occur but the choice is syntactically determined. For
example, in German and Dutch, the dominant order is SVO in main clauses
lacking an auxiliary and SOV in subordinate clauses and clauses containing
an auxiliary [. . . ]. Because this results in both orders being common, neither order
is considered dominant here and these two languages are shown on the map as
lacking a dominant word order. In general, if the word order varies according to
whether there is an auxiliary verb, the language is shown on the map as lacking a
dominant order.
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Strukturen der germanischen Sprachen
Strukturen der germanischen Sprachen
Phänomene
Phänomene
Abfolge von Subjekt, Objekt und Verb
V2
OV vs. VO
V2 vs. Nicht-V2
(3) dass er ihn gesehen3 haben2 muss1
(Deutsch)
ham
(4) at han må1 have2 set3
dass er muss haben gesehen ihn
(Dänisch)
• Bis auf das Englische sind die germanischen Sprachen V2-Sprachen:
(5)
a. Bagels mag ich.
b. Bagels, I like.
(Deutsch)
(Englisch)
(6)
a. Gestern traf ich einen interessanten Mann.
b. Yesterday, I met an interesting man.
(Deutsch)
(Englisch)
OV: Deutsch, Niederländisch, Afrikaans, . . .
VO: Englisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, . . .
• V2 ist unabhängig von VO/OV:
(7)
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(Dänisch)
b. Bogen
har Max læst.
Buch.def hat Max gelesen
(Dänisch)
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Strukturen der germanischen Sprachen
Phänomene
Phänomene
V2
Scrambling
V2 ist selten
Scrambling oder nicht
• germanische Sprachen (außer Englisch)
(8)
• modernes Bretonisch
• das Altfranzösische
• das Kashmiri (Indien, Pakistan)
• Inguschisch (autonomen Republik Inguschetien, Russische Föderation)
• die austronesischen Sprachen Taiof und Sisiqa, (??)
• die brasilianische Indianersprache Karitiana aus der Tupı́-Familie (??) und
• die uto-aztekische Sprache Tohono O’odham
a.
b.
c.
d.
e.
f.
[weil]
[weil]
[weil]
[weil]
[weil]
[weil]
der Mann der Frau das Buch
der Mann das Buch der Frau
das Buch der Mann der Frau
das Buch der Frau der Mann
der Frau der Mann das Buch
der Frau das Buch der Mann
gibt
gibt
gibt
gibt
gibt
gibt
(9) because the man gives the woman the book
(Südwesten der USA sowie im Norden Mexikos).
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a. Max har læst
bogen.
Max hat gelesen buch.def
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Strukturen der germanischen Sprachen
Phänomene
Phänomene
Eingebettete Sätze
Stellung der Adverbialien
Konjunktional eingeleitete Nebensätze
Stellung der Adverbialien
Deutsch: eingebettete Sätze sind VL
Deutsch, . . . : Stellung der Adverbien frei:
• Deutsch, Niederländisch, . . . : V-letzt:
(10)
a.
b.
c.
d.
weil
weil
weil
weil
der Mann der Frau das Buch gestern
der Mann der Frau gestern das Buch
der Mann gestern der Frau das Buch
gestern der Mann der Frau das Buch
(12) Ich weiß, dass Max das Buch heute gelesen hat.
gab
gab
gab
gab
Stellung der anderen Konstituenten ist frei:
(13)
a. Ich weiß, dass das Buch Max heute gelesen hat.
b. Ich weiß, dass das Buch heute Max gelesen hat.
Dänisch, Englisch, . . . : Adverbien stehen vor oder nach der VP:
(11)
a. because the man often gave the woman the book
b. because the man gave the woman the book often
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Phänomene
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Phänomene
Eingebettete Sätze
Eingebettete Sätze
Konjunktional eingeleitete Nebensätze
Konjunktional eingeleitete Nebensätze
Englisch: eingebettete Sätze SVO
Dänisch: eingebettete Sätze SVO oder V2
• Englisch: eingebettete Sätze SVO
• Dänisch: eingebettete Sätze SVO oder V2
(14)
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I know that Max has read the book yesterday.
(15)
Jeg ved, at Max ikke har læst
bogen
i dag.
ich weiß dass Max nicht hat gelesen Buch.def heute
(SVO)
Negation hilft, Verbstellung zu bestimmen:
(16)
Jeg ved, at Max har ikke læst
bogen
i dag.
ich weiß dass Max hat nicht gelesen Buch.def heute
(V2)
Andere Stellungen sind möglich:
(17)
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a.
Jeg ved, at i dag har Max ikke læst
bogen.
ich weiß dass heute hat Max nicht gelesen Buch.def
b.
Jeg ved, at bogen
har Max ikke læst
i dag.
ich weiß dass Buch.def hat Max nicht gelesen heute
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Phänomene
Phänomene
Eingebettete Sätze
Eingebettete Sätze
Konjunktional eingeleitete Nebensätze
Interrogativnebensätze
Jiddisch, Isländisch: eingebettete Sätze sind V2
Deutsch: Interrogativnebensätze w + VL
• Jiddish: eingebettete Sätze sind V2:
• Deutsch, Niederländisch, . . . : w + V-letzt:
(18)
a. Ikh meyn az haynt hot Max geleyent dos bukh.2
ich denke dass heute hat Max gelesen das Buch
‘Ich denke, dass Max heute das Buch gelesen hat.’
b. Ikh meyn az dos bukh hot Max geleyent.
ich denke dass das Buch hat Max gelesen
(19)
a. Ich weiß, wer heute das Buch gelesen hat.
b. Ich weiß, was Max heute gelesen hat.
Interrogativnebensätze beginnen mit einer w-Phrase.
• Stellung der anderen Konstituenten ist frei:
(20)
a. Ich weiß, was heute jeder gelesen hat.
• Die w-Phrase kann von weit her kommen:
(21) Ich frage mich, wemi du versuchen willst, [
2 Diesing,
i
das zu erklären ].
1990, p. 58.
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
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Phänomene
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
Phänomene
Eingebettete Sätze
Eingebettete Sätze
Interrogativnebensätze
Interrogativnebensätze
Dänisch, English: Interrogativnebensätze w + SVO
Jiddish: Interrogativnebensätze w + V2
• Dänisch: Interrogativnebensätze sind w + SVO
• Jiddish: Interrogativnebensätze w + V2
(22)
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a. Jeg ved, hvad Max har givet
ham.
ich weiß was Max hat gegeben ihm
‘Ich weiß, was Max ihm gegeben hat.’
b. Jeg ved, hvem Max har givet
bogen.
ich weiß wem Max hat gegeben Buch.def
‘Ich weiß, wem Max das Buch gegeben hat.’
(23) Ikh veys nit [vos Max hot gegesn].3
ich weiß nicht was Max hat gegessen
‘Ich weiß nicht, was Max gegessen hat.’
3 Diesing,
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
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1990, S. 68.
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
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Strukturen der germanischen Sprachen
Strukturen der germanischen Sprachen
Phänomene
Phänomene
Expletiva zur Satztypmarkeierung
Expletiva zur Satztypmarkeierung
Expletiva zur Satztypmarkeierung
Dänisch: w-Sätze mit extrahiertem Subjekt
• Germanische Sprachen benutzen Expletiva, um Satztypen kenntlich zu machen,
• Dänisch: w + SVO
falls keine andere Konstituente die entsprechende Position füllt.
• Deutsch V2-Hauptsätze
(24)
Bei Subjektextraktion muss Extraktion explizit kenntlich gemacht werden:
(25)
a. Drei Reiter ritten zum Tor hinaus.
b. Es ritten drei Reiter zum Tor hinaus.
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Strukturen der germanischen Sprachen
a.
Politiet
Polizei.def
‘Die Polizei
b. * Politiet
Polizei.def
ved
weiß
weiß
ved
weiß
ikke, hvem der havde placeret bomben.
nicht wer expl hat plaziert Bombe.def
nicht, wer eigentlich die Bombe plaziert hat.’
ikke, hvem havde placeret bomben.
nicht wer hat plaziert Bombe.def
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
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Strukturen der germanischen Sprachen
Phänomene
Phänomene
Expletiva zur Satztypmarkeierung
Verbalkomplexbildung
Jiddish: w-Sätze mit extrahiertem Subjekt
Verbalkomplexbildung
• Jiddish: Interrogativnebensätze w + V2
Deutsch, Niederländisch erlauben Verbalkomplexbildung:
Wenn das Subjekt extrahiert wird, oder kein anderes Element ins Vorfeld soll,
muss dort ein es stehen:
(27) weil es ihm jemand zu lesen versprochen hat. (Haider, 1990)
(26)
Die Verben am Ende verhalten sich wie ein einfaches Verb.
a.
b.
ikh hob zi gefregt ver es
iz beser far ir
I have her asked who expl is better for her
‘I have asked her who is better for her.’
ikh hob im gefregt vemen es
kenen ale dayne khaverim
I have him asked whom expl know all your friends
‘I asked him whom all your friends know.’
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
Umordnung der Argumente ist möglich.
Englisch, Dänisch, . . . erlauben keine Umordnung von Konstituenten
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c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
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Strukturen der germanischen Sprachen
Strukturen der germanischen Sprachen
Phänomene
Phänomene
Obligatorische Subjekte
Kasus
Obligatorische Subjekte
Kasus
• Englisch, Dänisch brauchen ein Subjekt
• Isländisch hat das am besten erhaltene Flexionssystem.
• Deutsch kommt ohne Subjekt klar:
(28)
• Im Vergleich zu anderen germanischen Sprachen ist Isländisch interessant, weil
es Subjekte hat, die nicht im Nominativ stehen (Zaenen et al., 1985).
a. Ihm graut vor der Prüfung.
b. Heute wird nicht gearbeitet.
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
• Einheitliche Behandlung der Kasuszuweisung ist möglich:
Yip, Maling & Jackendoff, 1987.
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Strukturen der germanischen Sprachen
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
Strukturen der germanischen Sprachen
Phänomene
Syntax im Vergleich
Unpersönliches Passiv
Valenz
Unpersönliches Passiv
Grundannahmen: Valenz
S hi
• Das Deutsche erlaubt ein unpersönliches Passiv:
(29)
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weil noch gearbeitet wird
V′ h NP[nom] i
NP[nom]
• Das Englische lässt kein unpersönliches Passiv zu.
(30) * because (it) was worked
NP[acc] V h NP[nom], NP[acc]i
• Dänisch schon, trotz Subjektbedingung: Expletivum wird eingefügt.
(31)
a. fordi
weil
‘weil
b. fordi
weil
‘weil
der bliver arbejdet
expl wird gearbeitet
gearbeitet wird’
der arbejdes
expl arbeiten.pass
gearbeitet wird’
niemand
kennt
• Valenzanforderung ist in einer Liste repräsentiert
• Ein Element der Liste wird mit dem Kopf kombiniert.
Liste mit restlichen Elementen wird nach oben gegeben.
• Das Deutsche erlaubt kein Expletivum.
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
ihn
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c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
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Strukturen der germanischen Sprachen
Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Scrambling
SVO: Dänisch/Englisch
Scrambling: Konstituentenstellung im Deutschen
Dänisch, Englisch, . . .
V[spr hi, comps hi]
S hi
V′ h NP[acc] i
NP[acc]
NP[nom]
niemand
nobody
kennt
= VP
knows
him
• Englisch ist eine SVO-Sprache:
• Ein beliebiges Element der Liste kann mit Kopf kombiniert werden.
Komplemente rechts des Verbs, Subjekt links
→ auch Abfolge Acc < Nom analysierbar.
Liste mit restlichen Elementen wird nach oben gegeben.
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
V[spr h NP[nom] i, comps hi ]
V[spr h NP[nom] i, NP[acc]
comps h NP[acc]i]
NP[nom] V h NP[nom], NP[acc]i
ihn
=S
• Komplemente bilden mit dem Verb zusammen eine Phrase (VP = comps hi).
Diese wird mit dem Subjekt kombiniert.
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Strukturen der germanischen Sprachen
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Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
SVO: Dänisch/Englisch
SVO: Dänisch/Englisch
Kein Scrambling
Deutsch
V[spr hi, comps hi]
• Dänisch, Englisch:
Elemente aus Valenzliste müssen von links nach rechts abgebunden werden.
• Deutsch, Niederländisch:
Elemente können in beliebiger Reihenfolge abgebunden werden.
=S
NP[nom] V[spr h i, comps h NP[nom] i ]
= V′
NP[acc] V[spr h i,
comps h NP[nom], NP[acc]i]
niemand
ihn
kennt
Das Subjekt ist bei finiten Verben in der comps-Liste (Pollard, 1996; Kiss, 1995).
Abkürzungen: S = [spr hi, comps hi]
VP = [spr h NP[nom] i, comps hi]
V′ = alle anderen V-Projektionen (außer Verbalkomplexen)
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c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
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Strukturen der germanischen Sprachen
Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
SVO: Dänisch/Englisch
Adjunkte
Übungsaufgaben
Adjunkte
1. Geben Sie die Valenzlisten für folgende Wörter an:
• Argumente werden von ihrem Kopf ausgewählt
(32)
a.
b.
c.
d.
e.
f.
• Adjunkte wählen sich ihren Kopf
lachen
essen
übergießen
bezichtigen
er
der
• Deutsch, Niederländisch, . . . :
Adjunkte im Satz gehen an irgendeine Verbprojektion (Verb in Endstellung)
• English, Dänisch, . . . : Adjunkte gehen an VP (Wechsler (2015))
(34)
2. Zeichnen Sie die Bäume für folgende Beispiele:
(33)
• Wie das spr- oder comps-Merkmal gibt es auch ein mod-Merkmal.
a. weil der Mann ihm ein Buch schenkt
b. because the man gave the book to him
c. at Bjarne læste bogen
dass Bjarne las Buch.def
‘dass Bjarne das Buch las’
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Wert von mod ist eine Beschreibung des zu modifizierenden Kopfes:
• Deutsch: mod V[ini−]
• Englisch: mod VP
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Strukturen der germanischen Sprachen
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Syntax im Vergleich
Adjunkte
Adjunkte
Freie Position der Adjunkte im Deutschen
Freie Position der Adjunkte im Deutschen
V[spr hi, comps hi]
V[spr hi, comps hi]
V[spr hi, comps hi]
NP[nom] V[spr h i, comps h NP[nom] i ]
NP[nom] V[spr h i, comps h NP[nom] i ]
morgen
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Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Adv
a. Kim will have been [promptly [removing the evidence]].
b. Kim will have been [[removing the evidence] promptly].
jeder
NP[acc]
V[spr h i,
comps h NP[nom], NP[acc]i]
das Buch
liest
Adv
jeder
[dass] morgen jeder das Buch liest
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morgen
V[spr h i, comps h NP[nom] i ]
NP[acc]
V[spr h i,
comps h NP[nom], NP[acc]i]
das Buch
liest
[dass] jeder morgen das Buch liest
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Strukturen der germanischen Sprachen
Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Adjunkte
Adjunkte
Freie Position der Adjunkte im Deutschen
Feste Position der Adjunkte im Englischen
V[spr hi, comps hi]
V[spr hi, comps hi]
NP[nom] V[spr h i, comps h NP[nom] i ]
NP[acc]
jeder
NP[nom] V[spr h NP[nom] i, comps h i ]
V[spr h i,
comps h NP[nom], NP[acc]i]
das Buch
Adv
V[spr h i,
comps h NP[nom], NP[acc]i]
morgen
liest
V[spr h NP[nom] i, comps h i ]
Adv
V[spr h NP[nom] i, NP[acc]
comps h NP[acc]i]
Peter
often
reads
books
[dass] jeder das Buch morgen liest
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Strukturen der germanischen Sprachen
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Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Adjunkte
Verbalkomplexbildung in den SOV-Sprachen
Feste Position der Adjunkte im Englischen
Verbalkomplexbildung
V[spr hi, comps hi]
• Deutsch, Niederländisch erlauben Verbalkomplexbildung:
(35) weil es ihm jemand zu lesen versprochen hat (Haider, 1990)
NP[nom]
V[spr h NP[nom] i, comps h i ]
V[spr h NP[nom] i, comps h i ]
Die Verben am Ende verhalten sich wie ein einfaches Verb.
Umordnung der Argumente ist möglich.
• Niederländisch:
Adv
(36)
V[spr h NP[nom] i, NP[acc]
comps h NP[acc]i]
Peter
reads
books
a. dat Jan het boek wil lezen
dass Jan das Buch will lesen
‘dass Jan das Buch lesen will’
b. dat Jan Marie het boek laat lezen
dass Jan Maria das Buch läßt lesen
c. dat Jan Marie het boek wil laten lezen
dass Jan Marie das Buch will lassen lesen
‘dass Jan Maria das Buch lesen lassen will’
often
• Englisch, Dänisch, . . . erlauben keine Umordnung von Konstituenten
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Strukturen der germanischen Sprachen
Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Verbalkomplexbildung in den SOV-Sprachen
Verbalkomplexbildung in den SOV-Sprachen
Variation
Argumentanziehung
• Bei den Abfolgen im Verbalkomplex gibt es extreme Variation.
V[h NP[nom], NP[acc] i ]
• Standardsprachlich: übergeordnetes Verb steht rechts: V3 V2 V1
(37) weil es ihm jemand zu lesen versprochen hat (Haider, 1990)
V[h NP[nom], NP[acc] i] V[h NP[nom], NP[acc], V i ]
• In den Dialekten gibt es aber die buntesten Abfolgen.
Z.B. folgende (Müller, 1999, 376):
(38)
lesen
a. Ich hätte stapelweise Akten können haben.
b. weil ich mir das nich hab’ lassen gefallen
c. wenn se mir hier würden rausschmeißen, . . .
wird
• wird verlangt Infinitiv ohne zu und dessen Argumente
(Geach, 1970; Hinrichs & Nakazawa, 1994)
• Verb wird gesättigt und ist am Mutterknoten nicht mehr in der Valenzliste
(Interviewpartner in:
Insekten und andere Nachbarn – ein Haus in Berlin, ARD 15.11.1995)
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
• Kombination aus lesen und wird verhält sich wie einfaches Verb und kann mit
den Argumenten in beliebiger Reihenfolge kombiniert werden.
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Strukturen der germanischen Sprachen
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Verbalkomplexbildung in den SOV-Sprachen
Verbalkomplexbildung in den SOV-Sprachen
Verbalkomplexbildung und Scrambling: Normalstellung
Verbalkomplexbildung und Scrambling: Acc < Nom
V[h i]
V[h i]
V[h NP[nom] i]
NP[nom]
NP[acc]
V[h NP[acc] i]
NP[acc]
NP[nom]
V[h NP[nom], NP[acc]i]
V[h NP[nom], NP[acc]i] V[h NP[nom], NP[acc], V i]
keiner
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das Buch
lesen
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V[h NP[nom], NP[acc]i] V[h NP[nom], NP[acc], V i]
das Buch
wird
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V[h NP[nom], NP[acc] i]
keiner
lesen
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
wird
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Strukturen der germanischen Sprachen
Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Verbalkomplexbildung in den SOV-Sprachen
Verbalkomplexbildung in den SOV-Sprachen
Argumentanziehung im Detail
V[vform fin,
comps 1 ⊕
3
Komplexere Komplexe
V[vform fin,
comps 1 ⊕
]
2
V[vform bse,
V[vform fin,
subj 1 h NP[nom] i,
comps 1 ⊕
comps 2 h NP[acc] i ]
4
2
⊕h
3
i]
3
wird
lesen
• Hilfsverb verlangt Infinitiv ohne zu (
• Subjekt (
1
) und Komplemente (
2
3
).
lesen
]
V[vform fin,
comps 1 ⊕
3
2
⊕h
4
i]
i]
können
wird
Das geht auch zu dritt, Hauptsache, einer übernimmt die Verantwortung
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Strukturen der germanischen Sprachen
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
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Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Verbalkomplexbildung in den SOV-Sprachen
Verbalkomplexbildung in den SOV-Sprachen
Oder auch mal andersrum
V[vform fin,
comps 1 ⊕
V[vform fin,
comps 1 ⊕
V[vform bse,
subj 1 ,
comps 2 ]
V[vform bse,
V[vform bse,
subj 1 ,
subj 1 h NP[nom] i,
comps 2 ⊕ h
comps 2 h NP[acc] i ]
) werden übernommen.
• lesen wird hat dieselben Argumente wie liest
2
English, Dänisch, . . .
2
• Normalerweise muss ein Argument vollständig sein,
]
wenn es mit seinem Kopf kombiniert wird.
• Verbalkomplexe sind anders: Wörter werden direkt verbunden.
4
2
⊕h
4
i]
3
wird
• Englisch und Dänisch haben nur die normale Regel, im Deutschen,
V[vform bse,
subj 1 ,
comps 2 ]
Niederländischen gibt es zusätzlich die Verbalkomplexregel.
• Die Hilfsverben betten in den SVO-Sprachen eine Verbphrase ein:
V[vform bse,
V[vform bse,
subj 1 ,
subj 1 h NP[nom] i,
comps 2 ⊕ h
comps 2 h NP[acc] i ]
lesen
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(39) Peter [has [read
the book]].
Peter hat gelesen das Buch
3
i]
können
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c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
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Strukturen der germanischen Sprachen
Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Verbalkomplexbildung in den SOV-Sprachen
Verbalkomplexbildung in den SOV-Sprachen
Verbalkomplexe ohne Verbalkomplexbildung?
Übungsaufgaben
• Vorschläge, Hilfsverben auch mit einer VP zu kombinieren (Wurmbrand, 2003a):
1. Skizzieren Sie die Analyse der Verbalkomplexe für die folgenden Beispiele:
(42)
(40) dass keiner [[das Buch lesen] wird]
• Wie funktioniert dann Scrambling?
(41) dass [das Buch]i keiner [[
i
lesen] wird]
• Analysen, die Scrambling als Bewegung analysieren sind problematisch, da sie
das Vorhandensein zusätzlicher Lesarten bei der Umstellung von NPen mit
Quantoren vorhersagen (Kiss, 2001, S. 146; Fanselow, 2001, Abschnitt 2.6).
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
a. dass er darüber lachen wird
b. dass er darüber wird lachen müssen
c. dass er über diesen Witz wird haben lachen müssen
2. Suchen Sie in der Zeitung oder in Korpora (COSMAS, COW) zwei
Verbalkomplexe mit mindestens drei Verben und analysieren Sie diese.
3. Suchen Sie in Korpora Verbalkomplex mit mehr als vier Verben. Dokumentieren
Sie Ihr Vorgehen.
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Strukturen der germanischen Sprachen
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Verbstellung im Deutschen und Dänischen
Verbstellung im Deutschen und Dänischen
Motivation der Verbletztstellung als Grundstellung: Partikeln
Stellung von Idiomen
Bierwisch, 1963: Sogenannte Verbzusätze oder Verbpartikel
bilden mit dem Verb eine enge Einheit.
(44)
(43)
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a. weil er morgen anfängt
b. Er fängt morgen an.
a.
dass niemand dem Mann den Garaus macht
b. ?* dass dem Mann den Garaus niemand macht
c.
Niemand macht ihm den Garaus.
Idiomteile wollen nebeneinader stehen (44a,b).
Diese Einheit ist nur in der Verbletzstellung zu sehen, was dafür spricht,
diese Stellung als Grundstellung anzusehen.
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Umstellung des Verbs ist abgeleitete Stellung. Nur zur Markierung des Satztyps.
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Strukturen der germanischen Sprachen
Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Verbstellung im Deutschen und Dänischen
Verbstellung im Deutschen und Dänischen
Stellung in Nebensätzen
Stellung der Verben in SVO und SOV-Sprachen
Verben in infiniten Nebensätzen und in durch eine Konjunktion eingeleiteten
finiten Nebensätzen stehen immer am Ende
(von Ausklammerungen ins Nachfeld abgesehen):
Ørsnes (2009):
(46)
a. Der Clown versucht, Kurt-Martin die Ware zu geben.
b. dass der Clown Kurt-Martin die Ware gibt
(45)
a. dass er ihn gesehen3 haben2 muss1
b. at han må1 have2 set3 ham
dass er muss haben sehen ihn
Nur das finite Verb wird umgestellt, die anderen Verben bleiben hinten:
(47)
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Strukturen der germanischen Sprachen
a. Muss er ihn gesehen haben?
b. Må han have set ham?
muss er haben sehen ihn
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Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Verbstellung im Deutschen und Dänischen
Verbstellung im Deutschen und Dänischen
Skopus
Mitunter nur SOV-Stellung möglich
Netter, 1992, Abschnitt 2.3: Skopusbeziehungen der Adverbien hängt von ihrerer
Reihenfolge ab (Präferenzregel?):
Links stehendes Adverb hat Skopus über folgendes Adverb und Verb.
Haider (1997), Meinunger (2001): Manche Verben lassen in Verbindung mit mehr
als nur Verbletztstellung zu:
(48)
(51)
a. weil er [absichtlich [nicht lacht]]
b. weil er [nicht [absichtlich lacht]]
Bei Verberststellung ändern sich die Skopusverhältnisse nicht.
(49)
Höhle 1991, Haider 1993, S. 62: Über Rückbildung entstandene Verben können oft
nicht getrennt/umgestellt werden:
a. Er lacht absichtlich nicht.
b. Er lacht nicht absichtlich.
(52)
Analyse:
(50)
a. Er lachti [absichtlich [nicht i ]].
b. Er lachti [nicht [absichtlich i ]].
a. weil sie das Stück heute uraufführen
b. * Sie uraufführen heute das Stück.
c. * Sie führen heute das Stück urauf.
Zu einem Überblick siehe Müller, 2015.
Struktur ist in (50) und (48) genau gleich.
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a. dass Hans seinen Profit letztes Jahr mehr als verdreifachte
b. Hans hat seinen Profit letztes Jahr mehr als verdreifacht.
c. * Hans verdreifachte seinen Profit letztes Jahr mehr als.
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c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
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Strukturen der germanischen Sprachen
Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Verbstellung im Deutschen und Dänischen
Verbstellung im Deutschen und Dänischen
Dänisch
Entscheidungsfragen wie im Deutschen V1-Stellung
• Negation verbindet sich mit der VP:
(56)
(53) at Jens ikke [VP læser bogen]
dass Jens nicht
liest Buch.def
‘dass Jens das Buch nicht liest’
• In V2-Sätzen wird das finite Verb links von der Negation realisiert:
(54) Jens læser ikke bogen.
Jens liest nicht Buch.def
‘Jens liest das Buch nicht.’
Analyse:
(57)
• Das wird von vielen als Evidenz für Verbumstellung gesehen:
(55) Jens læseri ikke [VP
Jens liest nicht
i
a. at Jens læser bogen
dass Jens liest Buch.def
‘dass Jens das Buch liest’
b. Læser Jens bogen?
liest Jens Buch.def
‘Liest Jens das Buch?’
bogen].
Buch.def
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Strukturen der germanischen Sprachen
a. at Jens [VP læser bogen]
dass Jens
liest Buch.def
‘dass Jens das Buch liest’
b. Læseri Jens [VP i bogen]?
liest Jens
Buch.def
‘Liest Jens das Buch?’
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Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Verbstellung im Deutschen und Dänischen
Verbstellung im Deutschen und Dänischen
Verbumstellung im Deutschen als Informationsweitergabe
Skopus
S
V h S//V i
V
S
V h S//V i
S//V
V
S//V
V′//V
NP
V′//V
NP
V′//V
Adv
Adv
NP
liestk
Jens das Buch
V//V
V//V
lachtk
k
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
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er
nicht absichtlich
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
k
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Strukturen der germanischen Sprachen
Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Verbstellung im Deutschen und Dänischen
Verbstellung im Deutschen und Dänischen
Verbumstellung im Dänischen
Verbumstellung im Dänischen mit Negation
S
S
V h S//V i
V
læserk
V h S//V i
S//V
NP
Jens
V
VP//V
V//V
NP
k
bogen
S//V
NP
VP//V
Adv
læserk
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Strukturen der germanischen Sprachen
VP//V
V//V
NP
k
bogen
Jens ikke
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Verbstellung im Deutschen und Dänischen
Voranstellung
Übungsaufgaben
Extraktion
1. Skizzieren Sie die Analyse für die folgenden Beispiele:
• Auch in Sprachen mit relativ fester Konstituentenstellung ist es mitunter
(58)
möglich, Konstituenten umzustellen:
a. dass er darüber lachen wird
b. Wird er darüber lachen?
(59) Arbejder Bjarne ihærdigt på bogen.
arbeitet Bjarne ernsthaft an Buch.def
‘Arbeitet Bjarne ernsthaft an dem Buch?’
(60)
(Dänisch)
a. This book, I read yesterday.
b. Yesterday, I read this book.
• Die germanischen (V2-)Sprachen stellen irgendeine Konstituente vor das finite
Verb:
(61)
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
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94/185
a.
b.
c.
d.
Ich habe das Buch gestern gelesen.
Das Buch habe ich gestern gelesen.
Gestern habe ich das Buch gelesen.
Gelesen habe ich das Buch gestern,
gekauft hatte ich es aber schon vor einem Monat.
e. Das Buch gelesen habe ich gestern.
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Strukturen der germanischen Sprachen
Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Voranstellung
Voranstellung
Extraktion ist nicht satzgebunden
Weitergabe von Information im Baum
S
• Extraktion kann über Satzgrenzen hinweggehen:
(62)
a. Chris, David saw.
b. Chris, we think that David saw.
c. Chris, we think Anna claims that David saw.
NP
• Im Deutschen wohl eher in den süddeutschen Varietäten, aber:
(63)
S/NP
NP
a. [Um zwei Millionen Mark]i soll er versucht haben,
[eine Versicherung i zu betrügen].4
b. Weri , glaubt er, daß er i ist?“ erregte sich ein Politiker vom Nil.5
”
c. Weni glaubst du, daß ich i gesehen habe.6
d. [Gegen ihn]i falle es den Republikanern hingegen schwerer,
[ [ Angriffe i ] zu lancieren].7
VP/NP
V
NP/NP
Chris David saw
4 taz, 04.05.2001, S. 20.
5 Spiegel, 8/1999, S. 18.
6 Scherpenisse, 1986, S. 84.
7 taz, 08.02.2008, S. 9.
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Strukturen der germanischen Sprachen
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Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Voranstellung
Voranstellung
Weitergabe von Information im Baum
Weitergabe von Information im Baum: Deutsch (SOV)
S
S
S/NP
NP
NP
S/NP
VP/NP
NP
V h S//V i
CP/NP
V
C
S/NP
NP
V
S//V/NP
NP/NP
V′//V
VP/NP
V
NP
V//V
Jens
k
NP/NP
[das Buch]i
Chris we think that David saw
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liestk
i
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Strukturen der germanischen Sprachen
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Voranstellung
Subjekt und Adverbiale
Weitergabe von Information im Baum: Dänisch (SVO)
Subjekt und Adverbiale
S
(64)
S/NP
NP
V h S//V i
V
a. [Richtig] [Geld] wird aber nur im Briefgeschäft verdient.8
b. [Alle Träume] [gleichzeitig] lassen sich nur selten verwirklichen.9
c. [Weiterhin] [Hochbetrieb] herrscht am Innsbrucker Eisoval.10
S//V/NP
V′//V/NP
NP
V//V NP/NP
bogeni
læserk
Jens
k
8 taz, 28./29.10.2000, S. 5
9 Broschüre der Berliner Sparkasse, 1/1999
10 COSMAS. I00/JAN.00911
i
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Syntax im Vergleich
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Syntax im Vergleich
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Akkusativobjekt und PP
Dativobjekt und PP
Akkusativobjekt und PP
Dativobjekt und PP
(65) [Nichts] [mit derartigen Entstehungstheorien] hat es natürlich zu tun, wenn . . . (K.
Fleischmann, nach van de Velde, 1978)
(66) [Zum zweiten Mal] [die Weltmeisterschaft] errang Clark 1965. (Beneš, 1971)
(68) [Der Universität] [zum Jubiläum] gratulierte auch Bundesminister Dorothee
Wilms, die in den fünfziger Jahren in Köln studiert hatte. (Kölner
Universitätsjournal, 1988, S. 36, zitiert nach Dürscheid, 1989, S. 87)
(67) [Die Kinder] [nach Stuttgart] sollst du bringen. (Engel, 1970, S. 81)
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Adjektiv und lokale oder direktionale PPen
Temporale Präpositionalphrasen und Instrumentpräpositionalphrase
Adjektiv und lokale oder direktionale PPen
Temporale PP und Instrument-PP
(69) Einsam auf dem kleinen Bahnhof im Moor
blieb der lächelnde Junge zurück. (Heinrich Böll, nach Beneš, 1971)
(72) [Zum letzten Mal] [mit der Kurbel] wurden gestern
die Bahnschranken an zwei Übergängen im Oberbergischen Ründeroth
geschlossen.
(Kölner Stadtanzeiger, 26.4.88, S. 28, nach Dürscheid, 1989, S. 107)
(70) [Trocken] [durch die Stadt] kommt man am Wochenende
auch mit der BVG. (taz, 10.07.1998, S. 22)
Noch warm (Spiegel 4/2011, S. 116): Adjektiv und Präpositionalobjekt:
(71) [Offen] [über ihren Burnout] sprachen in jüngerer Zeit der Skispringer Sven
Hannawald, der Fernehkoch Tim Mälzer, die Publizistin Miriam Meckel und
der Politiker Matthias Platzeck.
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Syntax im Vergleich
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Syntax im Vergleich
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Andere Muster
Andere Muster
usw.
Empirische Grundlagen (DFG MU 2822/1-1 und SFB 632, A6)
Es gibt Belege für:
• Adverbial gebrauchte Adjektive und direktionale/lokale PPen
• Nominalphrasen in Kopulakonstruktionen und Adverbiale
• Präpositionalphrasen in Kopulakonstruktionen und Adverbien
• Prädikative Konjunktionalphrasen und Adverb
• Direktionale Präpositionalphrasen und Adverbien
• Lokale Präpositionalphrasen und Adverbien
in Müller, 2003a und Datensammlung auf:
http://hpsg.fu-berlin.de/∼stefan/Pub/mehr-vf-ds.html
• Datensammlung (Felix Bildhauer):
gegenwärtig > 3200 Instanzen von MF mit Kontext
• Annotiert mit syntaktischer Kategorie/Funktion und Informationsstruktur
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Beschränkungen
Bisherige Ansätze
Beschränkungen
Wunderlich, 1984 und Dürscheid, 1989
• Fanselow (1993): Vorangestellte Konstituenten müssen Satzgenossen sein.
• Wunderlich (1984): PPen bilden eine komplexe PP im Vorfeld.
(74) a. [PP [PP Zu ihren Eltern] [PP nach Stuttgart]] ist sie gefahren.
b. [PP [PP Von München] [PP nach Hamburg]] sind es 900 km.
c. [PP [PP Durch den Park] [PP zum Bahnhof]] sind sie gefahren.
(73) a. Ich glaube dem Linguisten nicht, einen Nobelpreis gewonnen zu haben.
b. * Dem Linguisten einen Nobelpreis glaube ich nicht gewonnen zu haben.
c. Ich habe den Mann gebeten, den Brief in den Kasten zu werfen.
d. * Den Mann in den Kasten habe ich gebeten, den Brief zu werfen.
• zweite PP modifiziert die erste
möglich, wenn PPs dieselbe semantische Rolle füllen
PPs in (74a) sind goal einer Bewegung
• Wunderlich subsumiert verschiedene thematische Rollen der PPen in (74b–c)
(Source, Path und Goal einer Bewegung) unter eine, nämlich die Lokalisierung
einer Bewegung
• Erklärung:
Konstituenten im Vorfeld hängen von leerem Kopf ab oder modifizieren ihn.
Der leere Kopf steht in Beziehung zu einem Verb (Fanselow 1993;
Hoberg 1997)
• empirische Überprüfung der Vorhersagen/Behauptungen:
• Phrasen im VF hängen vom selben Verb ab.
!
• Anordnung der Konstituenten wie im Mittelfeld
• Dürscheid nimmt solch eine Analyse auch für hier diskutierte Fälle an.
!
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Syntax im Vergleich
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Syntax im Vergleich
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Bisherige Ansätze
Bisherige Ansätze
?
Probleme des Wunderlichschen Ansatzes
Mehrere Konstituenten = mehrere Extraktionen (Müller, 2000)
• Lässt sich nicht für andere Fälle in (64) – (72) verwenden:
• Idee: Beide Konstituenten sind Teile von Fernabhängigkeiten.
• Die erste wird als Füller in einer Füller-Lücke-Konstruktion abgebunden.
(75) [Alle Träume] [gleichzeitig] lassen sich nur selten verwirklichen.11
• Was ist die Kategorie der Projektion im Vorfeld?
• Warum sollten semantische Rollen verschiedener Konstituenten zusammengefaßt
• Die zweite wird oberhalb dieser Konstruktion ebenfalls in einer
Füller-Lücke-Konstruktion abgebunden.
werden?
S[slash hi]
• Was ist mit Adjunkten? Adjunkte bekommen keine Rollen.
S[slash hC1 i]
C1
C2
S[slash hC1 , C2 i]
11 Broschüre der Berliner Sparkasse, 1/1999
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Bisherige Ansätze
Die Analyse
Probleme mit der Monotonie und mit Idioms
Grundannahmen: Konstituentenstellung und Valenz
VP h i
• einige Teile von manchen Idiomen können nur zusammen vorangestellt werden:
(76) a. [Öl] [ins Feuer] goß gestern das Rote-Khmer-Radio: [. . . ]12
b. * [ins Feuer] goß gestern das Rote-Khmer-Radio Öl: [. . . ]
V′ hNP[nom]i
NP[nom]
(77) a. [Das Tüpfel] [aufs i] setze der Bürgermeister von Miami, [. . . ]13
b. * [aufs i] setze der Bürgermeister von Miami das Tüpfel, [. . . ]
V hNP[nom], NP[acc]i
NP[acc]
(78) a. [Ihr Fett] [weg] bekamen natürlich auch alte und neue Regierung [. . . ]14
b. * [Weg] bekamen natürlich auch alte und neue Regierung ihr Fett
jeder
ihn
kennt
• Valenzanforderung ist in einer Liste repräsentiert
• Um die einzelnen Extraktionen in den b-Beispielen auszuschließen,
müßte man Beschränkungen formulieren, die Extraktion nur dann zulassen,
wenn die anderen Elemente auch extrahiert werden.
• Ein beliebiges Element der Liste kann mit Kopf kombiniert werden.
• Liste mit restlichen Elementen wird nach oben gegeben.
• Beliebige Reihenfolge der Abbindung →
12 taz, 18.06.1997, S. 8
13 taz, 25.04.2000, S. 3
14 Mannheimer Morgen, 10.3.1999
auch Abfolge Acc < Nom analysierbar.
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Syntax im Vergleich
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Syntax im Vergleich
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Die Analyse
Die Analyse
Konstituentenbewegung
Repräsentationen und Lexikonregeln: Verbbewegung
VP
V h VP//V i
V
VP
VP//V
NP
V
V′ //V
NP
VP/NP
NP
V//V
ihn
[
V
VP/NP
V′
NP/NP
NP
kenntk
jeder
V
]k
diesen Manni
• In Verberstsätzen steht in der Verbletztposition eine Spur.
• In Verberststellung steht eine besondere Form des Verbs,
die eine Projektion der Verbspur selegiert.
[
]i
jeder
[
]k
• Wie bei Verbbewegung: Spur an ursprünglicher normaler“ Position.
• Weiterreichen der Information im Baum
• Dieser spezielle Lexikoneintrag ist durch eine Lexikonregel lizenziert.
”
• Konstituentenbewegung ist nicht lokal, Verbbewegung ist lokal
• Verbindung Verb/Spur durch Informationsweitergabe im Baum
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kennt
mit zwei verschiedenen Merkmalen modelliert (slash vs. dsl)
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115/185
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Die Analyse
Ein leerer Kopf im Vorfeld
Der Verbalkomplex
Die Analyse: Ein leerer Kopf im Vorfeld
• Fanselow (1993) und Hoberg (1997) haben leeren Kopf vorgeschlagen.
VP h i
• Hoberg: Leerer Kopf ist Teil des Prädikatskomplexes.
V′ h NP[nom] i
NP[nom]
• Annahme: leerer Kopf ist dieselbe Spur wie bei Verbbewegung
V h NP[nom], NP[acc] i
NP[acc]
V h NP[nom], NP[acc] i
er
•
•
•
•
sie
(79) [VP [Zum zweiten Mal] [die Weltmeisterschaft]
V ]i
errang Clark 1965
i.
V h NP[nom], NP[acc], V i
lieben
will
Verben bilden einen Komplex
Argumente werden vom Matrixverb angezogen.
Matrixverb selegiert eingebettetes Verb und dessen Argumente.
Funktioniert auch, wenn infinites Verb vorangestellt ist:
Nicht im Vorfeld gesättigte Argumente, werden angezogen.
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Syntax im Vergleich
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Syntax im Vergleich
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Ein leerer Kopf im Vorfeld
Eine Beispielanalyse
Verbalkomplex und Voranstellung
Eine Beispielanalyse
VP
Analyse des Verbalkomplexes und Partial Verb Phrase Fronting (PVP):
(80) a. daß Clark 1965 zum zweiten Mal die Weltmeisterschaft errungen hat
b. [V′ [Zum zweiten Mal] errungen]i hat Clark die Weltmeisterschaft 1965
V′ h nom i
i.
c. [VP [Zum zweiten Mal] [die Weltmeisterschaft] errungen]i hat Clark 1965
VP
V′ h nom i
PP
i.
V h VP//V i
V h nom, acc i
NP[acc]
Voranstellung mit leerem verbalen Kopf ist parallel zu PVP:
(81) [VP
[Zum zweiten Mal] [die Weltmeisterschaft]
117/185
V
]i errang Clark 1965
V //V
NP[nom]
V
i.
zum zweiten Mal
die Weltmeisterschaft
[
]
errang
V //V
V
Clark
[
]
[
]
• Verbbewegung im Kernsatz wie erklärt: Lexikonregel lizenziert V1-Verb
PVP ist in der HPSG gut verstanden:
siehe u. a. Müller, 1997, 1999; Meurers, 1999a.
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V
VP//V
• Kombination von Elementen in der Vorfeldprojektion ganz normal
118/185
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119/185
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Exkurs: Verbstellung und scheinbar mehrfache Vorfeldbesetzung
Eine Beispielanalyse
Eine Beispielanalyse
Eine Beispielanalyse
Eine Beispielanalyse
VP
VP
V′ //V
VP
V′ //V
PP
V′ //Vhnomi
V
V//V
NP[acc]
V
VP
V
die Weltmeisterschaft
[
]
errang
Clark
[
]
V//V
V
[
V h nom, V//V i
VP
V h nom i
NP[nom]
V //Vhnomi V h nom, V//V i
V
]
zum zweiten Mal
• Verbbewegung im Kernsatz wie erklärt: Lexikonregel lizenziert V1-Verb
die Weltmeisterschaft
[
]
errang
Clark
[
]
[
]
• Verbbewegung im Kernsatz wie erklärt: Lexikonregel lizenziert V1-Verb
• Kombination von Elementen in der Vorfeldprojektion ganz normal
• Kombination von Elementen in der Vorfeldprojektion ganz normal
• Da Kopf im VF eine V-Spur ist, werden V-Informationen nach oben gegeben.
• VF-Projektion steht zu Extraktionsspur im VK in Beziehung (auch Valenz)
• Da Kopf im VF eine V-Spur ist, werden V-Informationen nach oben gegeben.
• VF-Projektion steht zu Extraktionsspur im VK in Beziehung (auch Valenz)
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
V h VP//V i
NP[acc]
V//V
V
zum zweiten Mal
V′ //V
PP
NP[nom]
VP
• Mult-VF-LR lizenziert Verb, das eine Spur plus deren Argumente selegiert.
• Dieses steht in Verbletztstellung und bildet einen Komplex.
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Syntax im Vergleich
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Subjekte
Subjekte
Subjekte (Deutsch)
Subjekte (Isländisch)
• Was ist ein Subjekt?
• Abfolge für die SVO-Sprache Isländisch ist identisch (Zaenen et al., 1985):
• Nicht-prädikative Nominalgruppen im Deutschen:
(82)
(84)
a. Der Mann lacht.
b. Der Mann hilft ihr.
c. Der Mann gibt ihr ein Buch.
a. Þeim
var
hjalpak.
sie.pl.dat wurde geholfen
b. Hennar
var
saknak.
sie.sg.gen wurde vermisst
An der Stellung in V2-Sätzen kann man grammatische Funktion nicht ablesen,
da die NPen auch vorangestellte Objekte sein könnten.
• Zaenen, Maling & Thráinsson (1985) zeigen, dass es sinnvoll ist,
diese Nicht-Nominative als Subjekte zu behandeln.
• Was ist mit dem Genitiv und Dativ in (83)?
(83)
119/185
a. Des Opfers wurde gedacht.
b. Dem Mann wurde geholfen.
• Kontrollierbarkeit
• Stellung
• ...
Diese werden im Deutschen nicht zu den Subjekten gezählt.
• Solche Nicht-Nominativ-Subjekte werden auch schräge Subjekte genannt.
auch quirky subjects oder oblique subjects
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c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Subjekte
Subjekte
Subjekt: Stellung V2-Sätze
Subjekt: Stellung in V2-Sätzen
• Subjekte folgen unmittelbar auf das finite Verb, wenn eine andere Konstituente
• Auch in W-Fragen:
vorangestellt wurde Zaenen, Maling & Thráinsson (1985, Abschnitt 2.3):
(85)
a.
(86)
Meb þessari byssu skaut Ólafur
refinn.
mit diesem Gewehr schoss Olaf.nom den.Fuchs.acc
Hvenær hafki Sigga
hjfilpak Haraldi?
wann hat Sigga.nom geholfen Harold.dat
• Dativobjekt kann vorangestellt werden, dann aber ganz nach vorn:
(87)
122/185
Syntax im Vergleich
Haraldi
hafki Sigga
aldrei hjfilpak.
Harald.dat hat Sigga.nom nie geholfen
(V2-Satz)
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
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Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Subjekte
Subjekte
Subjekt: Stellung in V1-Sätzen
Schräge Subjekte und Stellung
• Auch in Entscheidungsfragen:
• Geht auch bei bestimmten Dativen:
(88)
(W-Frage)
b. * Hvenær hafki Haraldi
Sigga
hjfilpak?
wann hat Harald.dat Sigga.nom geholfen
b. * Meb þessari byssu skaut refinn
Ólafur.
mit diesem Gewehr schoss den.Fuchs.acc Olaf.nom
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
a.
a.
Hafki Sigga
aldrei hjfilpak Haraldi?
hat Sigga.nom nie geholfen Harald.dat
(89)
b. * Hafki Haraldi
Sigga
aldrei hjfilpak?
hat Harald.dat Sigga.nom nie geholfen
Ólafur
leibinlegur?
Hefur henni alltaf þótt
hat sie.dat immer gedacht Olaf.nom langweilig.nom
‘Hat sie Olaf immer für langweilig gehalten?’
b. Ólafur
hefur henni alltaf þótt
leibinlegur.
Olaf.nom hat sie.dat immer gedacht langweilig.nom
‘Den Olaf hat sie immer für langweilig gehalten.’
henni alltaf þótt
leibinlegur?
c. * Hefur Ólafur
hat Olaf.nom sie.dat immer gedacht langweilig.nom
a.
• Das Gegenstück im Deutschen wäre:
(90) ?? Mich dünkt der Mann langweilig.
dünkt ist aber archaisch und wird – wenn überhaupt – nur mit dass-Satz verwendet.
• Aber:
(91) Mir scheint der Mann langweilig.
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Subjekte
Subjekte
Subjekte in Kontrollkonstruktionen
Schräge Subjekte in Kontrollkonstruktionen
• Subjekte können in Kontrollkonstruktionen oder bei sogenannter ärbiträrer
• vantar (‘fehlen’) verlangt zwei Akkusative:
Kontrolle weggelassen werden:
(92)
(93) Mig
vantar peninga.
ich.acc fehlt Geld.acc
a. Ég vonast til ak fara heim.
ich hoffe für zu fahren heim
‘Ich hoffe, nach hause zu fahren.’
b. Ak fara heim snemma er óvenjulegt.
zu fahren heim früher is ungewöhnlich
‘Früher nach hause zu fahren, ist ungewöhnlich.’
• Trotzdem kann das Verb unter vonast (‘hoffen’) eingebettet werden:
(94) Ég vonast til ab vanta ekki peninga.
ich hoffe für zu fehlen nicht Geld.acc
‘Ich hoffe, dass mir nicht Geld fehlt.’
• Man vergleiche das mit Deutsch:
(95) * Ich hoffe, kein Geld zu fehlen.
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Syntax im Vergleich
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Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Subjekte
Subjekte
Subjekt-Verb-Kongruenz?
Schräge Subjekte im Passiv: Stellung
• Verben kongruieren mit dem Nominativelement.
• Dativ folgt Finitum in V1:
Wenn es keins gibt, ist das Verb dritte Person Singular (Neutrum).
• In (96a) keine Kongruenz:
(96)
127/185
(97) Var honum aldrei hjfilpak af foreldrum sinum?
war er.dat nie geholfen von Eltern
seinen
‘Haben ihm seine Eltern nie geholfen?’
a. Þeim
var
hjalpak.
sie.pl.dat wurde geholfen
• Dativ folgt Finitum in V2:
b. Hennar
var
saknak.
sie.sg.gen wurde vermisst
(98) Í prófinu var honum vist
hjálpak.
in Prüfung war er.dat scheinbar geholfen
‘Anscheinend wurde ihm bei der Prüfung geholfen.’
• Der Dativ und der Genitiv sind aber dennoch Subjekte,
wie wir gleich sehen werden.
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Subjekte
Der Kasus von Argumenten: Struktureller und lexikalischer Kasus
Schräge Subjekte im Passiv: Kontrolle
Kasus und Kasusprinzipien
• Das Dativ-Subjekt kann unterdrückt werden:
• Welche Arten von Kasus gibt es?
(99)
• Wie hängen Kasus vom syntaktischen Kontext ab?
a. Ég vonast til ak verba hjálpak.
ich hoffe für zu werden geholfen
• Bisher wird Kasus in Valenzlisten repräsentiert,
wenn wir die Gesetzmäßigkeiten kennen, muß das nicht mehr sein.
Erfassen Generalisierungen und
brauchen nur einen Lexikoneintrag für das Verb lesen in (102):
b. Ak vera
hjálpak i prófinu er óleyfilegt.
zu werden geholfen in Prüfung ist unzulässig
‘Es ist verboten, sich in der Prüfung helfen zu lassen.’
(‘Es ist verboten in der Prüfung geholfen zu bekommen.’)
(102)
• Man vergleiche:
a. Er möchte das Buch lesen.
b. Ich sah ihn das Buch lesen.
Kasus des Subjekts (und des Objekts) wird durch Prinzip geregelt.
(100) * Ich hoffe geholfen zu werden.
• Geht nur mit bekommen-Passiv:
Ich hoffe hier geholfen zu bekommen.15
(101)
15 http://www.photovoltaikforum.com/sds- allgemein- ueber- solar- log- f38/solarlog- 1000- mit- wifi- anschliesen- t96371.html. 10.01.2014
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Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Der Kasus von Argumenten: Struktureller und lexikalischer Kasus
Der Kasus von Argumenten: Struktureller und lexikalischer Kasus
Struktureller und lexikalischer Kasus
Lexikalische Kasus
• Wenn Kasus von Argumenten von der syntaktischen Umgebung abhängt,
• vom Verb abhängiger Genitiv ist lexikalischer Kasus: Bei Passivierung ändert
spricht man von strukturellem Kasus.
Ansonsten haben die Argumente lexikalischen Kasus.
sich der Kasus eines Genitivobjekts nicht.
(105)
• Beispiele für strukturellen Kasus sind:
(103)
a. Der Installateur kommt.
b. Der Mann läßt den Installateur kommen.
c. das Kommen des Installateurs
a. Wir gedenken der Opfer.
b. Der Opfer wird gedacht.
c. * Die Opfer wird/werden gedacht.
(105b) = unpersönliches Passiv, es gibt kein Subjekt.
• In (103) wird der Kasus des Subjekts von kommen verschieden ausgedrückt, in
(104) der Kasus des Objekts von schlagen:
(104)
a. Karl schlägt den Hund.
b. Der Hund wird geschlagen.
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Der Kasus von Argumenten: Struktureller und lexikalischer Kasus
Der Kasus von Argumenten: Struktureller und lexikalischer Kasus
Der Dativ ein lexikalischer Kasus?
Der Dativ als lexikalischer Kasus
• Genauso gibt es keine Veränderungen bei Dativobjekten:
• Wenn man den Dativ als lexikalischen Kasus behandelt, muß man beim
(106)
Dativpassiv eine Umwandlung von lex. und str. Kasus annehmen.
• Haiders Beispiele in (108) sind dann sofort erklärt (1986a, S. 20):
a. Der Mann hat ihm geholfen.
b. Ihm wird geholfen.
(108)
• Aber was ist mit (107)?
(107)
a. Der Mann hat den Ball dem Jungen geschenkt.
b. Der Junge bekam den Ball geschenkt.
• Die Einordnung des Dativs wird kontrovers diskutiert.
Drei Möglichkeiten für Dativargumente:
1. Alle Dative sind lexikalisch.
2. Einige Dative sind lexikalisch, andere strukturell.
3. Alle Dative sind strukturell.
a.
b.
c.
d.
e.
f.
Er streichelt den Hund.
Der Hund wurde gestreichelt.
sein Streicheln des Hundes
Er hilft den Kindern.
Den Kindern wurde geholfen.
das Helfen der Kinder (Kinder nur Agens)
g. * sein Helfen der Kinder
• Dativ kann nur pränominal ausgedrückt werden:
(109) das Den-Kindern-Helfen
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Syntax im Vergleich
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Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Der Kasus von Argumenten: Struktureller und lexikalischer Kasus
Der Kasus von Argumenten: Struktureller und lexikalischer Kasus
Struktureller Kasus und bivalente Verben
Das Dativpassiv mit bivalenten Verben
• Wenn man allein die Unterscheidung strukturell/lexikalisch hat, bekommt man
bei bivalenten Verben ein Problem:
(110)
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
a. Er hilft ihm.
b. Er unterstützt ihn.
(111) a. Er kriegte von vielen geholfen / gratuliert / applaudiert.
b. Man kriegt täglich gedankt.
Die Beispiele in (112) sind Korpusbelege:
Die Information im Lexikoneintrag von helfen und unterstützen muß sich
unterscheiden.
• Bei ditransitiven Verben kann man Kasus aus allgemeinen Prinzipien ableiten
(Nom, Acc, Dat), aber bei bivalenten geht das nicht.
→ Dativ bei helfen wird als lexikalisch eingeordnet.
Vorhersage: Dativpassiv ist mit diesen Verben nicht möglich.
(112) a. Da kriege ich geholfen.“ 16
”
b. Heute morgen bekam ich sogar schon gratuliert.17
c. Klärle“ hätte es wirklich mehr als verdient, auch mal zu einem
”
unrunden“ Geburtstag gratuliert zu bekommen.18
”
d. Mit dem alten Titel von Elvis Presley I can’t help falling in love“ bekam
”
Kassier Markus Reiß zum Geburtstag gratuliert, [. . . ]19
16 Frankfurter Rundschau, 26.06.1998, S. 7.
17 Brief von Irene G. an Ernst G. vom 10.04.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
18 Mannheimer Morgen, 28.07.1999, Lokales; Klärle“ feiert heute Geburtstag.
19 Mannheimer Morgen, 21.04.1999, Lokales; ”
Motor des gesellschaftlichen Lebens.
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Kasus von Argumenten
Kasus von Argumenten
Das Kasusprinzip (I)
Das Kasusprinzip (II)
• Dativ wird als lexikalischer Kasus angesehen.
• ditransitives Verb wie geben hat den arg-st-Wert:
• Prinzip ähnelt sehr stark dem von Yip, Maling & Jackendoff (1987) und kann
damit auch die Kasussysteme verschiedener Sprachen erklären,
die von den genannten Autoren besprochen wurden,
insbesondere auch das komplizierte Kasussystem des Isländischen.
(113) h NP[str ], NP[ldat], NP[str ] i
str steht für strukturellen Kasus und ldat für lexikalischen Dativ.
• Ein wesentlicher Unterschied ist, daß das Prinzip 1 monoton ist,
• Die Zuweisung struktureller Kasus wird durch das folgende Prinzip geregelt
d. h. Kasus, die einmal zugewiesen wurden,
werden nicht von einem übergeordneten Prädikat überschrieben.
(Przepiórkowski, 1999; Meurers, 1999b):
Prinzip (Kasusprinzip)
• In einer Liste, die sowohl das Subjekt als auch die Komplemente eines verbalen
Kopfes enthält, bekommt das am weitesten links stehende Element mit strukturellem
Kasus Nominativ, es sei denn es wird von einem übergeordneten Kopf angehoben.
• Alle anderen nicht angehobenen Elemente der Liste, die strukturellen Kasus tragen,
bekommen Akkusativ.
• In nominalen Umgebungen wird Elementen mit strukturellem Kasus Genitiv
zugewiesen.
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Syntax im Vergleich
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Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Kasus von Argumenten
Kasus von Argumenten
Aktiv
Passiv
prototypische Valenzlisten:
(114) a.
b.
c.
d.
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schläft:
unterstützt:
hilft:
schenkt:
arg-st
arg-st
arg-st
arg-st
h
h
h
h
(115) a.
b.
c.
d.
NP[str ]i i
NP[str ]i , NP[str ]j i
NP[str ]i , NP[ldat]j i
NP[str ]i , NP[ldat]j , NP[str ]k i
schläft:
unterstützt:
hilft:
schenkt:
arg-st
arg-st
arg-st
arg-st
h
h
h
h
NP[str ]i i
NP[str ]i , NP[str ]j i
NP[str ]i , NP[ldat]j i
NP[str ]i , NP[ldat]j , NP[str ]k i
Bei Passivierung der Verben ergeben sich die folgenden arg-st-Listen:
Das erste Element in der arg-st-Liste bekommt Nominativ.
Alle anderen mit strukturellem Kasus bekommen Akkusativ.
(116) a.
b.
c.
d.
geschlafen wird:
unterstützt wird:
geholfen wird:
geschenkt wird:
arg-st
arg-st
arg-st
arg-st
h
h
h
h
i
NP[str ]j i
NP[ldat]j i
NP[ldat]j , NP[str ]k i
In (116) steht jetzt eine andere NP an erster Stelle.
Erste NP mit strukturellen Kasus bekommt sie Nominativ.
Lexikalischer Kasus wie in (116c–d) bleibt wie er ist, nämlich lexikalisch spezifiziert.
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Kasus von Argumenten
Morphological and Analytic Forms
Vergleich Deutsch, Dänisch, Englisch, Isländisch
Morphologische und analytische Formen im Dänischen
Vergleich Deutsch, Dänisch, Englisch, Isländisch:
• morphologisches Passiv: -s-Suffix, Präsens- und Past-Varianten:
(117)
• Deutsch, Isländisch erlauben subjektlose Konstruktionen,
a.
Peter læser avisen.
Peter reads newspaper.def
‘Peter is reading the newspaper.’
b.
af Peter.
Avisen
læses
newspaper.def read.pres.pass by Peter
‘The newspaper is read by Peter.’
c.
af Peter.
Avisen
læstes
newspaper.def read.past.pass by Peter
‘The newspaper was read by Peter.’
Dänisch und Englisch nicht
• Deutsch, Isländisch und Dänisch erlauben unpersönliches Passiv,
Englisch nicht
• Dänisch, Isländisch erlauben Promotion beider Objekte zum Subjekt,
Deutsch und Englisch nicht
• Dänisch hat ein morphologisches Passiv,
Deutsch, Englisch und Isländisch nicht
• Deutsch erlaubt das Fernpassiv, Dänisch hat das komplexe Passiv und Englisch
und Dänisch haben das Reportive Passive
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Syntax im Vergleich
• analytische Form mit blive + Partizip (118)
(118) Avisen
bliver læst af Peter.
newspaper.def is
read by Peter
‘The newspaper is read by Peter.’
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Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Morphological and Analytic Forms
Persönliches und unpersönliches Passiv
Im Deutschen und Englischen nur analytische Formen
Persönliches Passiv
• Englisch und Deutsch haben kein morphologisches Passiv:
• Alle betrachteten Sprachen erlauben die Promotion einer Objekt-NP zum
(119)
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Subjekt.
a. The paper was read.
b. Der Aufsatz wurde gelesen.
• Subjekt kann auch S oder VP sein:
(120)
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a. At regeringen
træder tilbage, bliver påstået.
that government.def resigns part is
claimed
‘It is claimed that the government resigns.’
b. At reparere bilen, bliver forsøgt.
to repair car.def is
tried
‘It is tried to repair the car.’
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Persönliches und unpersönliches Passiv
Persönliches und unpersönliches Passiv
Unpersönliche Passive im Deutschen und Isländischen
Unpersönliche Passive im Dänischen: Expletivum
• Deutsch, Dänisch und Isländisch haben unpersönliche Passive.
• Dänisch und Englisch brauchen Subjekt. Dänisch hat eine Lösung:
• Deutsch einfach als subjektlose Konstruktion:
(123)
(121) weil noch getanzt wurde
• Isländisch ebenfalls (Thráinsson, 2007, S. 264):
(122)
a. Oft var
talak
um þennan mann.
oft wurde gesprochen über diesen Mann.acc.sg.m
(Isländisch)
b. Aldrei hefur verik
sofik
ı́ þessu rúmi.
nie
hat geworden geschlafen in diesem Bett.dat
‘In diesem Bett ist nie geschalfen worden.’
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a. at der bliver danset
that expl is
danced
‘that there is dancing’
b. at der danses
that expl dance.pres.pass
‘that there is dancing.’
• Im Deutschen ist ein expletives Subjekt ausgeschlossen:
(124) * weil es noch getanzt wurde
146/185
Syntax im Vergleich
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Promotion des primären und sekundären Objekts
Promotion des primären und sekundären Objekts
Primäres und sekundäres Objekt im Dt. und Engl.
Primäres und sekundäres Objekt im Dt. und Engl.
• Deutsch und Englisch erlauben nur die Promotion eines Objekts
• Englisch: nur ein Objekt kann zum Subjekt werden:
(125)
147/185
a. weil der Mann dem Jungen den Ball schenkt
b. weil dem Jungen der Ball geschenkt wurde
c. * weil der Junge den Ball geschenkt wurde
(126)
a. because the man gave the boy the ball
b. because the boy was given the ball
c. * because the ball was given the boy
• Effekt kann jedoch durch Verwendung eines anderen Valenzmusters oder
get-Passiv erreicht werden.
(127)
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a. because the man gave the ball to the boy
b. because the ball was given to the boy
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Promotion des primären und sekundären Objekts
Promotion des primären und sekundären Objekts
Primäres und sekundäres Objekt im Dänischen
Primäres und sekundäres Objekt im Isländischen
• Im Dänischen können beide Objekte zum Subjekt werden:
• Zaenen, Maling & Thráinsson (1985, S. 460):
(128)
Das Dativobjekt kann zu schrägem Subjekt werden:
a. fordi
manden giver drengen bolden
because man.def gives boy.def ball.def
‘because the man gives the boy the ball’
(130) Konunginum voru
gefnar
ambáttir.
[Si Aux
King.dat
wurden gegeben.f.pl Sklavinnen.nom.f.pl
‘Dem König wurden Sklavinnen gegeben.’
b. fordi
drengen bliver givet bolden
because boy.def is
given ball.def
‘because the boy is given the ball’
i
V O]
i
V O]
Das Akkusativobjekt bekommt dann Nominativ.
• Oder das Akkusativobjekt wird zum Subjekt:
c. fordi
bolden bliver givet drengen
because ball.def is
given boy.def
‘because the ball is given to the boy’
• Aber das Dänische unterscheidet sich von Sprachen wie Moro (Ackerman et al.,
2013) dadurch, dass die Objekte klar unterscieden werden. Zum Beispiel ist ihre
Reihenfolge fest:
(131) Ambáttin
var
gefin
konunginum.
sklavin.nom.sg wurde gegeben.f.sg König.dat
‘Die Sklavin wurde dem König gegeben.’
[Si Aux
• Nebenbemerkung: Verb kongruiert immer mit Nominativ.
(129) * fordi manden giver bolden drengen
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Syntax im Vergleich
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Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Designated Argument Reduction
Designated Argument Reduction
Designated Argument Reduction
Designated Argument Reduction
• Haider (1986a); Heinz & Matiasek (1994); Müller (2003b):
• Partizipbildungsregel:
designated argument (da) das Subjekt transitiver und unergativischer
Verben.
• da value unakkusativischer Verben ist die leere Liste.
• Passiv = LR, die die da-Liste von der Argumentstruktur des Eingabeverbs bzw.
-stamms abzieht.
(132)
arg-st
da
a. tanzen (dance):
h 1 NP[str ]i
h1 i
b. lesen (read):
h 1 NP[str ], NP[str ]i
h1 i
(133) 
Lexikonregel für dieBildung des Partizips (vorläufig):
stem

verb 
word

head
→
7


da 1 
arg-st 2

arg-st 1 ⊕ 2
• Das designierte Argument wird blockiert.
c. schenken (give as a present): h 1 NP[str ], NP[ldat], NP[str ]i h 1 i
d. helfen (help):
h 1 NP[str ], NP[ldat]i
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h1 i
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Designated Argument Reduction
Designated Argument Reduction
Designated Argument Reduction
Englisch
• arg-st-Liste des Partizips ist entweder leer oder beginnt mit dem Objekt der
• Englisch: kein Dativ, struktureller Kasus für erstes Objekt, lexikalischer
Aktivform:
(134)
arg-st
a. getanzt (danced, unerg):
b. gelesen (read, trans):
c. geschenkt (given, ditrans):
d. geholfen (helped, unerg):
(136)
hi
NP[str ]
NP[ldat], NP[str ]
NP[ldat]
• Das erste Element der arg-st-Liste mit strukturellem Kasus bekommt
arg-st
b. dance (unerg): NP[str ]
NP[str ], NP[str ]
c. read (trans):
d. give (ditrans): NP[str ], NP[str ], NP[lacc]
NP[str ], NP[str ]
e. help (trans):
• Deutsch kann zweites Objekt (Akkusativ) zum Subjekt machen,
Nominativ:
Englisch das erste (das Objekt, das näher am Verb steht, OV vs. VO):
(135) Der Aufsatz wurde gelesen.
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Akkusativ für zweites Objekt von give
(137)
154/185
Syntax im Vergleich
a. dass dem Jungen der Ball gegeben wurde
b. because the boy was given the ball
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Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Designated Argument Reduction
Primäre und sekundäre Objekte
Englisch
Promotion von primären und sekundären Objekten
• Englisch: kein Dativ, struktureller Kasus für erstes Objekt, lexikalischer
• Dänisch ist wie Englisch: kein Dativ,
Akkusativ für zweites Objekt von give
(138)
erlaubt aber die Promotion beider Objekte von ditransitiven Verben:
arg-st
b. dance (unerg): NP[str ]
NP[str ], NP[str ]
c. read (trans):
d. give (ditrans): NP[str ], NP[str ], NP[lacc]
NP[str ], NP[str ]
e. help (trans):
(140)
a.
b.
c.
d.
aber Englisch ein persönliches:
• Persönliches Passiv: Promotion eines Objekts mit strukturellem Kasus.
a. weil ihm geholfen wurde
b. because he was helped
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arg-st
danse (dance, unerg): NP[str ]
NP[str ], NP[str ]
læse (read, trans):
NP[str ], NP[str ], NP[str ]
give (give, ditrans):
hjælpe (help, trans): NP[str ], NP[str ]
Dänisch hat zwei Objekte mit strukturellem Kasus,
Deutsch und Englisch nur eins.
• Deutsch hat ein unpersönliches Passiv für helfen,
(139)
155/185
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157/185
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Primäre und sekundäre Objekte
Unpersönliches Passiv
Verallgemeinerte Lexikonregel
Unpersönliches Passiv
• Alt:
• Deutsch, Isländisch: Subjekt nicht obligatorisch
Dänisch: Einführung eines Expletivums bei der Abbildung von arg-st auf
spr/comps.
• Englisch und Dänisch bilden die erste NP/VP/CP auf spr ab und die restlichen
Argumente auf comps und
Dänisch fügt ein Expletivum ein, wenn es keine anderen Elemente gibt,
die als Subjekt fungieren könnten.
(141) 
Lexikonregel für dieBildung des Partizips (vorläufig):
stem

verb 
word
head

7→

da 1 
arg-st 2


arg-st 1 ⊕ 2
Erstes Argument unterdrückt, zweites ist jetzt das erste.
3 zur Verfügung, die entweder der Liste 2 entspricht oder falls 2 zwei
NPen mit strukturellem Kasus enthält, zusätzlich auch noch eine Liste in der die Reihenfolge der
beiden NPen vertauscht ist, d. h., die zweite NP mit strukturellem Kasus wird an erste Stelle
gestellt.
• promote stellt die Liste
(143)
a.
b.
(142) Passiv-Lexikonregel für Dänisch, Deutsch, Englisch, Isländisch:
stem

verb 
word

head
→
7
∧ promote( 2 , 3 )


da 1 
arg-st 3

arg-st 1 ⊕ 2
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arg-st
c.
d.
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Syntax im Vergleich
spr
NPexpl
danset/-s (unerg): hi
NP[str ]j
NP[str ]j
læst/-s (trans):
givet/-s (ditrans): NP[str ]j , NP[str ]k NP[str ]j
NP[str ]k , NP[str ]j NP[str ]k
NP[str ]j
hjulpet/-s (trans): NP[str ]j
comps
hi
hi
NP[str ]k
NP[str ]j
hi
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Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Isländisch: Schräge Subjekte
Isländisch: Schräge Subjekte
Isländisch
Isländisch: Schräge Subjekte und Doppelobjektkonstruktionen
• Kasusverteilung wie im Deutschen:
• erste NP wird zum Subjekt, auch NPen mit lexikalischem Kasus
(144)
(Wechsler, 1995, S. 147–148)
arg-st
b. dance (unerg): NP[str ]
NP[str ], NP[str ]
c. read (trans):
d. give (ditrans): NP[str ], NP[ldat], NP[str ]
NP[str ], NP[ldat]
e. help (trans):
(145)
a. danced (unerg): hi
NP[str ]j
b. read (trans):
c. given (ditrans): NP[ldat]j , NP[str ]k
NP[str ]k , NP[ldat]j
d. helped (trans): NP[ldat]j
• Unpersönliches Passiv mit tanzen gleich,
aber helfen bildet kein unpersönliches Passiv sondern ein persönliches.
• geben erlaubt zwei Varianten:
Dativ wird zu schrägem Subjekt, Akkusativ wird zum Subjekt.
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arg-st
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c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
spr
comps
hi
NP[str ]j
NP[ldat]j
NP[str ]k
NP[ldat]j
hi
hi
NP[str ]k
NP[ldat]j
hi
161/185
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Das analytische Passiv (Hilfsverb)
Das morphologische Passiv
Das Hilfsverb
Das morphologische Passiv
• Das Passivhilfsverb ist für alle behandelten Sprachen ähnlich:
• Lexikonregel funktioniert auch für das morphologische Passiv. Es wird einfach
ein -s angehängt.
(146) Passivhilfsverb
für Dänisch, Deutsch, Englisch: 



+
* vform ppp


da
h XPref i




arg-st 1 ⊕ 2 ⊕ spr
 
1


comps 2
• da-Wert schließt unakkusatische Verben und Wetterverben aus
• Deutsch bildet Verbalkomplex: Argumente des Partizips ( 1 and
2
) werden vom
Passivhilfsverb angezogen (Hinrichs & Nakazawa, 1989).
• Verbalkomplexschema erlaubt ungesättigte Nicht-Kopftochter.
• Funktioniert auch für Sprachen, die keine Verbalkomplexe bilden:
2
ist dann die leere Liste.
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Syntax im Vergleich
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Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Perfekt
Perfekt
Perfekt
Analyse als komplexes Prädikat für Dänisch und Englisch?
• Deutsch: Nur ein Partizip für Passiv und Perfekt (Haider, 1986a).
• Bei einer Analyse mit Argumentdeblockierung müsste man Struktur in (148a–b)
• Das designated argument wird blockiert, ist aber im Lexikonelement enthalten
• Perfekthilfsverb deblockiert es.
(148)
(147)
a. Der Aufsatz wurde gelesen.
b. Er hat den Aufsatz gelesen.


 
* vform ppp +


da
1  

 
arg-st 1 ⊕ 2 ⊕ 3 ⊕ 


spr
2


comps 3
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
annhemen:
a.
b.
c.
d.
He [has given] the book to Mary.
The book [was given] to Mary.
He has [given the book to Mary].
The book was [given to Mary].
Sonst wüssten wir zu spät vom deblockierten Subjekt, denn das Partizip würde
ja nur – wie in (148d) eine PP verlangen.
164/185
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165/185
Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Perfekt
Das Fernpassiv
Problem: (Partial) Fronting
Das Fernpassiv
• Meurers (1999b) hat einen Trick gefunden, wie man die Kasuszuweisung in
• Höhle (1978, S. 175–176): in bestimmten Kontexten Objekte von zu-Infinitiven
(149) analysieren kann:
(149)
im Nominativ.
Die folgenden Sätze sind Beispiele für das sogenannte Fernpassiv:
a. Gelesen wurde der Aufsatz schon oft.
b. Der Aufsatz gelesen wurde schon oft.
c. Den Aufsatz gelesen hat er schon oft.
(151)
a. daß er auch von mir zu überreden versucht wurde20
b. weil der Wagen oft zu reparieren versucht wurde
• Das funktioniert aber nicht für Dänisch/Englisch, denn hier haben wir nicht nur
Kasus- sondern auch Positionsunterschiede:
(150)
a. The book should have been given to Mary and
[given to Mary] it was.
b. He wanted to give the book to Mary and
[given the book to Mary] he has.
Wenn sich keine ausgeklügelten Mechanismen für die Unterspezifikation
verschiedener Mappings finden lassen,
müssen wir wohl zwei verschiedene Partizipformen annehmen.
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
20 Oppenrieder, 1991, S. 212.
166/185
Syntax im Vergleich
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167/185
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Das Fernpassiv
Das Fernpassiv
Das Fernpassiv
Beispiele mit beginnen, vergessen und wagen
Akkusativobjekte eingebetteter Verben können im Passiv zum Nominativ werden:
Wurmbrand (2003b):
(152) a. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, daß in der Bundesrepublik, wo ein
Mittelweg zu gehen versucht wird, die Situation der Neuen Musik allgemein und
die Stellung der Komponistinnen im besonderen noch recht unbefriedigend ist.21
(153) a. der zweite Entwurf wurde zu bauen begonnen,24
b. Noch ist es nicht so lange her, da ertönten gerade aus dem Thurgau jeweils die
lautesten Töne, wenn im Wallis oder am Genfersee im Umfeld einer
Schuldenpolitik mit den unglaublichsten Tricks der sportliche Abstieg zu
verhindern versucht wurde.22
c. Die Auf- und Absteigenden erzeugen ungewollt einen Ton, der bewusst nicht als
lästig zu eliminieren versucht wird, sondern zum Eigenklang des Hauses gehören
soll, so wünschen es sich die Architekten.23
(155) a. NUR Leere, oder doch noch Hoffnung, weil aus Nichts wieder Gefühle entstehen,
die so vorher nicht mal zu träumen gewagt wurden?27
b. Dem Voodoozauber einer Verwünschung oder die gefaßte Entscheidung zu einer
Trennung, die bis dato noch nicht auszusprechen gewagt wurden28
24 http://www.waclawek.com/projekte/john/johnlang.html, 28.07.2003.
25 http://www.rlp- irma.de/Dateien/Jahresabschluss2002.pdf, 28.07.2003.
26 http://www.iitslips.de/news.html, 28.07.2003.
27 http://www.ultimaquest.de/weisheiten kapitel1.htm, 28.07.2003.
28 http://www.wedding- no9.de/adventskalender/advent23 shawn colvin.html, 28.07.2003.
21 Mannheimer Morgen, 26.09.1989, Feuilleton; Ist’s gut, so unter sich zu bleiben?
22 St. Galler Tagblatt, 09.02.1999, Ressort: TB-RSP; HCT und das Prinzip Hoffnung.
23 Züricher Tagesanzeiger, 01.11.1997, S. 61.
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(154) a. Anordnungen, die zu stornieren vergessen wurden25
b. Aufträge [. . . ], die zu drucken vergessen worden sind26
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Das Fernpassiv
Das Fernpassiv
Fernpassiv und Verbalkomplexbildung (I)
Fernpassiv und Verbalkomplexbildung (II)
• Objekt eines Verbs, das unter ein Passivpartizip eingebettet ist,
• Erklärung: Fernpassiv = Passivierung des Prädikatskomplexes
wird zum Subjekt des Satzes:
(156)
(158) weil der Wagen oft [[zu reparieren versucht] wurde]
a. weil er den Wagen oft zu reparieren versucht hat
b. weil der Wagen oft zu reparieren versucht wurde
• In (159a,c) liegen keine Verbalkomplexe vor.
(159)
• Fernpassiv nur bei Verbalkomplexbildung möglich:
(157)
a. weil oft versucht wurde, den Wagen zu reparieren
b. * weil oft versucht wurde, der Wagen zu reparieren
c. Den Wagen zu reparieren wurde oft versucht
d. * Der Wagen zu reparieren wurde oft versucht
a. weil oft versucht wurde, den Wagen zu reparieren
b. * weil oft versucht wurde, der Wagen zu reparieren
c. Den Wagen zu reparieren wurde oft versucht
d. * Der Wagen zu reparieren wurde oft versucht
Objekt von zu reparieren ist Teil der VP → bekommt Akkusativ
Die Passive in (159a,c) sind unpersönliche Passive.
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Syntax im Vergleich
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Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Das Fernpassiv
Das Fernpassiv
V[vform fin,
comps 1 ]
Fernpassiv mit Objektkontrollverben
• Fernpassiv auch mit Objektkontrollverben möglich:
3
V[vform ppp,
subj 1 ,
comps hi]
V[vform fin,
comps 1 ⊕ h
3
(160)
i]
a. Keine Zeitung wird ihr zu lesen erlaubt.29
b. Der Erfolg wurde uns nicht auszukosten erlaubt.30
• Passiv der Konstruktion ohne Verbalkomplex ist ein unpersönliches Passiv:
2
V[vform inf ,
V[vform ppp,
subj 1 ,
subj h NP[str ] i,
comps h 2 i ]
comps 1 h NP[str ] i ]
zu reparieren
versucht
(161) Uns wurde erlaubt, den Erfolg auszukosten.
• Generalisierung: In Passivkonstruktionen, in denen ein Verbalkomplex unter das
Passivhilfsverb eingebettet ist, wird das Subjekt unterdrückt und von den
verbleibenden Argumenten wird das erste Argument mit strukturellem Kasus
zum Subjekt und bekommt Nominativ.
wurde
• versuchen zieht Argumente von reparieren an: arg-st-Wert
h NP[str ], NP[str ], V[inf ] i
• Passiv-LR unterdrückt erstes Argument: versucht hat arg-st-Wert h NP[str ], V[inf ] i
• zu reparieren versucht: arg-st-Wert h NP[str ] i und zu reparieren versucht wurde auch
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
29 Stefan Zweig. Marie Antoinette. Leipzig: Insel-Verlag. 1932, S. 515, zitiert nach Bech, 1955, S. 309. Siehe Askedal (1988, S. 13).
30 Haider, 1986b, S. 110.
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Passiv
Passiv
Das Fernpassiv
Das Fernpassiv
Fernpassiv mit Objektkontrollverben
Complex Passives
(162) Keine Zeitung wird ihr zu lesen erlaubt.31
• Complex Passives:
erlauben:
h NP[str ]i , NP[ldat]j i ⊕ 1 ⊕ h V[comps 1 ] i
zu lesen erlauben:
h NP[str ]i , NP[ldat]j , NP[str ]k , V[comps h NP[str ]k i] i
zu lesen erlaubt wird: h NP[ldat]j , NP[str ]k , V[comps h NP[str ]k i ] i
Erste NP mit strukturellem Kasus ist Subjekt.
(163) at Bilen blev forsøgt repareret
that car.def was tried repaired
‘that an attempt was made to repair the car’
• Raising in passive only.
• forsøgt (‘to try’) does not even take a participle in the active:
(164)
at Peter har forsøgt at reparere bilen
that Peter has tried to repair
car.def
‘that Peter tried to repair the car’
b. * at Peter har forsøgt repareret bilen
that Peter has tried repaired car.def
a.
31 Stefan Zweig. Marie Antoinette. Leipzig: Insel-Verlag. 1932, S. 515, zitiert nach Bech, 1955, S. 309. Siehe Askedal (1988, S. 13).
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Syntax im Vergleich
c Stefan Müller 2016, FU Berlin, Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Grammatik
Strukturen der germanischen Sprachen
Passiv
Syntax im Vergleich
Übungsaufgaben
Zusammenfassung
Zusammenfassung
Übungsaufgaben
• account for the Danish, Englisch and German passive
1. Welche der NPen in den folgenden Sätzen haben strukturellen, welche
lexikalischen Kasus?
• LRs for morphological and analytical passives
• first element on the arg-st-Liste is suppressed
(165)
• promote promotes any NP with structural case
• languages differ in cases and the lexical/structural distinction
• expletive is inserted in the arg-st mapping in Danish.
• SVO languages seem to require different items for the perfect/passive
participles, but analysis for German can be maintained.
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a.
b.
c.
d.
e.
f.
Der Junge lacht.
Mich friert.
Er zerstört das Auto.
Das dauert ein ganzes Jahr.
Er hat nur einen Tag dafür gebraucht.
Er denkt an den morgigen Tag.
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Eingebettete Sätze
Eingebettete Sätze
Sätze mit Komplementierer
Sätze mit Komplementierer
Deutsch: Komplementierer + Verbletzt, ohne Inversion
Englisch: Komplementierer + SVO
CP
CP
V′
NP[nom]
VP
NP[nom]
NP[acc]
V
ihn
kennt
dass niemand
S
C
S
C
that
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Syntax im Vergleich
nobody
V
NP[acc]
knows
him
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Syntax im Vergleich
Eingebettete Sätze
Eingebettete Sätze
Sätze mit Komplementierer
Positionionale Expletiva
Jiddisch: Komplementierer + V2
Positionale Expletiva
CP
C
• Deutsch, Dänisch, Jiddish, . . . erlauben Expletiva vor dem finiten Verb:
S
Adv
(167)
S/Adv
V h S//V i
V
S//V/Adv
V′//V/Adv
NP
V//V
VP/Adv
VP
V
az haynti
dass heute
hotk
hat
Es ritten drei Reiter zum Tor hinaus.
Max
Max
k
Adv/Adv
NP
geleyent dos bukh
gelesen das Buch
i
(166) Ikh meyn az haynt hot Max geleyent dos bukh.32
ich denke dass heute hat Max gelesen das Buch
‘Ich denke, dass Max heute das Buch gelesen hat.’
32 Diesing,
1990, p. 58.
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Syntax im Vergleich
Syntax im Vergleich
Eingebettete Sätze
Eingebettete Sätze
Interrogativnebensätze
Interrogativnebensätze
Deutsch: w + SOV
Danish: w-Subjekt + Expl + VO
S
S
NP[snom]
S/NP[snom]
NP[snom]
S/NP
NP[lnom]
V′
NP/NP
NP[sacc]
VP/NP[snom]
V′ /NP[snom]
V
V
wer
NP[snom]/NP[snom]
das Buch liest
hvem
wer
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Syntax im Vergleich
det
expl
læser
liest
bogen
Buch.def
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Syntax im Vergleich
Eingebettete Sätze
Eingebettete Sätze
Interrogativnebensätze
Interrogativnebensätze
Jiddish: w-Subjekt + V2 mit Expletivum im VF
Expletiva im Deutschen und Jiddischen
• Diese können nicht im Mittelfeld stehen:
S
(168)
S/NP[snom]
NP[snom]
NP[lnom]
S/NP[snom]/NP[lnom]
V hS//Vi
V
• Aber:
S//V/NP[snom]/NP[lnom]
(169) * Esi glaube ich, dass
VP//V/NP[snom]
NP[lnom]/NP[lnom]
leyentk
liest
j
k
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i
i
noch drei Männer arbeiten.
• Voranstellung von Expletivpronomina über Satzgrenzen muss ohnehin
ausgeschlossen werden:
NP[sacc]
(170) * Esi glaube ich, dass
V//V NP[snom]/NP[snom]
esj
expl
a. Es arbeiten noch drei Männer.
b. * dass es noch drei Männer arbeiten
• Beschränkung, die verlangt, dass diese Elemente extrahiert sein müssen.
V′ //V
veri
wer
NP[sacc]
i
regnet.
bogen
Buch.def
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Strukturen der germanischen Sprachen
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