Presseinformation - Berlinische Galerie

BERLINISCHE GALERIE
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Berlin, 27. April 2016
Cornelia Schleime erhält den Hannah-Höch-Preis 2016,
Tatjana Doll den Hannah-Höch-Förderpreis 2016
Ausstellungen 25.11.2016 – 24.04.2017
Pressekonferenz: 24.11.2016, 11 Uhr, Preisverleihung: 24.11.2016, 19 Uhr
Cornelia Schleime, 2008, © Markus C. Hurek, 2008
Cornelia Schleime erhält in diesem Jahr für ihr Lebenswerk den Hannah-Höch-Preis des Landes
Berlin. Die Künstlerin, 1953 in Ost-Berlin geboren, studierte von 1975 bis 1980 Grafik und
Malerei an der Hochschule für Bildende Kunst (HfBK) Dresden. Sie gehörte während des
Studiums einer jungen Kunstszene an, die sich als Gegenbewegung zur offiziellen Kunstpolitik
der DDR formierte. Die Künstler beschritten neue experimentelle Wege und erschlossen
alternative Präsentationsmöglichkeiten in Ateliers oder Wohnungen. Anfang der 1980er-Jahre
zeichnete, malte, dichtete Cornelia Schleime, entdeckte die Aktionskunst für sich und begann
schließlich auch Filme zu machen. Ihr weit gefasster Kunstbegriff, die unkonventionellen Werke
und Ausstellungen führten 1981 zum Ausstellungsverbot. Nach mehreren Ausreiseanträgen
siedelte die Künstlerin 1984 von Ost- nach West-Berlin über. Nahezu ihr gesamtes, bis dahin
geschaffenes Oeuvre blieb in der DDR zurück und ist heute verschollen.
In West-Berlin entstand ab Mitte der 1980er-Jahre ein vielbeachtetes, facettenreiches Werk.
Nach poetischen landschaftsähnlichen Arbeiten, mit denen sie ihre in der DDR zurückgelassenen
Werke noch einmal nachvollzog, konzentriert sich Cornelia Schleime seit den 1990er-Jahren auf
großformatige Porträts und Figurenbilder. Inspirationsquellen sind Hochglanzmagazine,
Reproduktionen aller Art, aber auch private oder auf Flohmärkten gefundene Fotografien. Im
intuitiven Akt des Zeichnens oder Malens eignet sie sich die Dargestellten an. Sie inszeniert sie
in neuen Rollen, spitzt vorgefundene Inszenierungen sinnbildhaft zu oder übersteigert sie ins
Fantastische und Ironische.
Der Hannah-Höch-Preis wird seit 1996 von der Kulturverwaltung des Berliner Senats für ein
herausragendes künstlerisches Lebenswerk verliehen. Er ist mit 60.000 Euro dotiert und
umfasst neben dem Preisgeld eine Ausstellung und einen Katalog. Die Auswahl der Künstler
erfolgt durch die Förderkommission Bildende Kunst der Kulturverwaltung des Berliner Senats, in
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der die Berlinische Galerie, die Stiftung Stadtmuseum, das Kupferstichkabinett, der Neue
Berliner Kunstverein sowie die kw, Institute for Contemporary Art, vertreten sind.
Hannah-Höch-Förderpreis 2016 – Tatjana Doll
Tatjana Doll, © Tim Trantenroth
Tatjana Doll, geboren 1970 in Burgsteinfurt, erhält in diesem Jahr den mit 20.000 Euro
dotierten Hannah-Höch-Förderpreis für den Bereich Malerei. Tatjana Dolls großformatige Bilder
setzen sich mit Phänomenen der Massenkultur auseinander. Zu den Motiven ihrer Werke
gehören Hochgeschwindigkeitszüge, Container, Waffen, Formel 1 Fahrzeuge,
Überweisungsformulare, Piktogramme oder Straßenschilder. Auch Hauptwerke der
Kunstgeschichte machte sie sich in einer Bildfolge zu Eigen.
Ausgangspunkt für den malerischen Prozess sind nicht die Dinge selbst. Die Künstlerin geht von
fotografischen Abbildungen aus, die sie in realistischer Weise mit Lackfarben in wandgroße
Formate umsetzt. Die Eigenschaft von Lackfarbe, unkontrolliert zu fließen, Pfützen, Blasen und
Trübungen zu bilden, bezieht die Künstlerin über eine rohe, direkte und zügige Malweise in die
Gestaltung ein. Dolls Bilder provozieren. Als Schnittpunkte unterschiedlicher Bild- und
Ordnungssysteme weisen sie über Fragen der Malerei oder der Kunst hinaus in das
gesellschaftliche und politische Feld.
Mit dem Hannah-Höch-Förderpreis würdigt das Land Berlin das bisherige künstlerische Werk
einer Berliner Künstlerin und unterstützt deren berufliche Entwicklung in der Mitte ihrer Karriere.
Der Preis wird von der Kulturverwaltung des Berliner Senats im Abstand von zwei Jahren
gemeinsam mit dem Hannah-Höch-Preis verliehen. Er umfasst ein Preisgeld, eine Ausstellung mit
Katalog sowie ein viermonatiges Vorbereitungsstipendium. Über die Auswahl entscheidet eine
unabhängige Jury aus einer Vertreterin / einem Vertreter der Förderkommission Bildende Kunst
der Kulturverwaltung des Berliner Senats sowie aus zwei freien Jurymitgliedern, welche die
Kulturverwaltung benennt. Die diesjährige Jury bildeten Dr. Stefanie Heckmann, Leiterin
Sammlung Bildende Kunst, Berlinische Galerie, Birgit Effinger, Leiterin Goldrausch
Künstlerinnenprojekt, und Dr. Wita Noack, Leiterin Mies-van-der-Rohe-Haus Berlin.
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