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26. Apr 2016
Forschen, fördern, staunen
Bundesweit finden Forscher Hightech-Lösungen für das Energiesystem von morgen:
2015 griff ihnen der Staat mit 863 Millionen Euro unter die Arme. Mehr erfahren
Forschen, fördern, staunen
Bundesweit finden Forscher Hightech-Lösungen für das Energiesystem von
morgen: 2015 griff ihnen der Staat mit 863 Millionen Euro unter die Arme.
© SolarWorld AG; Verbundvorhaben HELENE - Hocheffiziente und kostengünstige PERx-Solarzellen als
Wegbereiter für eine wirtschaftliche Umsetzung speicherunterstützter PV-Systeme. Gefördert durch das BMWi.
Jetzt im Frühling zeigt die Sonne wieder, was sie kann. Und obwohl sie ihre Kraft erst nach und nach
entfaltet, gelang Anfang dieses Jahres bereits ein Rekord: Forscher aus Sachsen haben es im Frühjahr
geschafft, so viel Strom aus Sonnenstrahlen zu erzeugen, wie nie zuvor.
Die neuartige Solarzelle „PERC“ wandelt 22 Prozent der Energie der Sonne in Elektrizität um, und
damit mehr als alle anderen industriell hergestellten Zellen bisher. Üblich waren vergangenes Jahr
noch vier Prozent weniger. Ein Riesenerfolg für die SolarWorld Innovations GmbH in Freiberg bei
Dresden. Ein Labor auf der anderen Seite Deutschlands, in Freiburg am Rande des Schwarzwalds,
verspricht sogar noch mehr. Dort entwickelten Forscher vergangenes Jahr im Fraunhofer Institut für
Solare Energiesysteme (ISE) eine Laborzelle, die so beschichtet ist, dass sie mehr als 25 Prozent der
Sonnenenergie in Strom wandelt. Auch wenn es vorerst nur Versuchszellen sind, die nicht industriell
gefertigt werden, ist das eine reife Leistung.
Willkommen, Ideen!
Jeden Tag finden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ganz Deutschland hochmoderne
Lösungen für die Energieversorgung von morgen. Egal, ob in Laboren, Forschungseinrichtungen,
mittelständischen Betrieben oder Konzernen: Grundlagenforschung und anwendungsnahe Forschung
legen das Fundament für das Energiesystem der Zukunft.
Technologischer Wagemut bedeutet immer auch ein unternehmerisches Risiko. Darunter soll der
Forschungselan nicht leiden. Deswegen greift die Bundesregierung den Wissenschaftlern und
Forschern unter die Arme: Allein im vergangenen Jahr mit 863 Millionen Euro. Das ist doppelt so viel
wie vor zehn Jahren und 5,3 Prozent mehr als 2014. Das zeigt auch, dass die Energieforschung als ein
strategisches Instrument für die Energiepolitik immer wichtiger geworden ist.
Dazu betont Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel: „Unsere zukünftige Energieversorgung wird
in hohem Maße nachhaltig sein. Der Erfolg der Energiewende wird gleichzeitig daran gemessen, dass
Deutschland ein wettbewerbsfähiger Industriestandort mit einer sicheren und wirtschaftlichen
Energieversorgung bleibt. Die Energieforschung schafft die Grundlagen für die technologische
Weiterentwicklung in diesem Bereich."
74 Prozent für Erneuerbare und Energieeffizienz
Neue Solarzellen, stärkere Akkus, clevere Netze, Minikraftwerke im Keller – der Umbau unseres
Energiesystems braucht viele Innovationen, und das Forschungsprogramm schafft den Rahmen dafür.
Schon heute bringen viele Ergebnisse zum Staunen. Damit die Energiewende gelingt, sind besonders
zwei Forschungsgebiete relevant: erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Dorthin flossen im
vergangenen Jahr 74 Prozent der Energieforschungsgelder. Wieso?
Die Antwort: Auf Effizienz und Erneuerbaren fußt die Energiewende ganz wesentlich. Unter anderem
hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, im Jahr 2020 den Primärenergieverbrauch im Land um
20 Prozent zu senken und bis 2050 sogar zu halbieren. Zudem sollen Wind, Sonne und Co. bis 2025
fast die Hälfte unseres Stroms liefern – 40 bis 45 Prozent, um genau zu sein. Schon heute steuern sie
etwa ein Drittel bei und sind in Deutschland die wichtigste Stromquelle. Der Kurs stimmt also. Das ist
aber kein Grund, sich auszuruhen.
Frischer Wind ...
Allein für Forschung in der Windenergie hat das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) vergangenes
Jahr 85,39 Millionen Euro bereitgestellt. Daraufhin erhöhte sich die Anzahl der neu gestarteten
Forschungsprojekte von 63 im Jahr 2014 auf 103 im Jahr 2015. Herausgekommen ist unter anderem
ein Prüfstand der Superlative für Windräder: Im „Dynamic Nacell Testing Laboratory“ (DyNaLab) in
Bremerhaven, das von außen an eine überdimensionierte Garage erinnert, können Gondeln von
Windenergieanlagen unter realistischen Bedingungen getestet werden, ohne dass komplizierte
Messtechnik „draußen im Feld" aufgebaut werden muss.
... auch für Speicher
Neben Strom aus erneuerbaren Energien und Effizienz wurde im vergangenen Jahr unter anderem
auch die Entwicklung kostengünstiger und leistungsfähiger Energiespeicher gezielt gefördert. Dort
setzt seit Sommer der Energiepark Mainz Maßstäbe: Er nimmt bis zu sechs Megawatt Leistung aus
Wind und Sonne auf und wandelt sie in Wasserstoff. Durch Einspeisung ins Erdgasnetz steht die
Energie zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung. Das ist eine der Möglichkeiten, um den
wetterbedingt schwankenden Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu speichern.
Vernetzt fördern
Das BMWi koordiniert die Energieforschungspolitik im Rahmen des „6. Energieforschungsprogramms
der Bundesregierung“. Das Programm ist auf die Energiewende ausgerichtet. Daran beteiligt sind auch
andere Bundesministerien.
Zudem setzt sich das BMWi dafür ein, dass innovative Verfahren und Technologien schnell auf den
Markt kommen. Dafür hat es vor etwa einem Jahr die Plattform „Forschung und Innovation"
gegründet. Darin beraten mehr als 60 Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, wie
Forschungsaktivitäten stärker vernetzt und nutzbar gemacht werden können.
Wer mehr über Projektthemen und Fördersummen erfahren möchte, findet einen Überblick im
Bundesbericht Energieforschung 2016, den die Bundesregierung vergangene Woche im Kabinett
beschlossen hat. Der Bericht macht die öffentliche Förderung transparent und enthält außerdem
Zahlen zum europäischen Forschungsrahmenprogramm und zur Energieforschung der Bundesländer.
Weitere Details aus der BMWi-Förderung sowie spannende Einzelprojekte veranschaulicht auch der
Jahresbericht „Innovation durch Forschung“.
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN:
Bundesbericht Energieforschung 2016
Bericht "Innovation durch Forschung"
Themenseite "Energieforschung und Innovationen"
BMWi-Themenseite zum 6. Energieforschungsprogramm
Plattform "Forschung und Innovation"
Was bedeutet eigentlich „Repowering"?
Mit halb so vielen Windrädern das Fünffache leisten? Klingt utopisch, ist es aber
nicht. Repowering bei Windrädern holt das Zigfache aus der Kraft des Windes.
Wie? Das lesen Sie hier.
© BMWi © BMWi
Darum geht’s: „Tuning“ für Windparks
Licht an, Verschwendung aus: Eine Energiesparlampe macht das Wohnzimmer genauso hell wie eine
herkömmliche Lampe – bloß mit weniger Strom. Also: Gleiches Ergebnis mit weniger Aufwand. Steckt
man mehrere Energiesparlampen in einen Kronleuchter, strahlt der Raum noch heller als mit einer
klassischen Glühbirne – ohne, dass die Stromrechnung steigen muss. Mit anderen Worten: besseres
Ergebnis mit gleichem Aufwand. Gestatten, das Effizienzprinzip: „Gleiches Ergebnis mit weniger
Einsatz“ oder „Besseres Ergebnis mit demselben Einsatz“. Soweit, so theoretisch.
In der Praxis gibt es Methoden, die beide Effekte kombinieren. Sie machen nicht nur mehr aus
„demselben“, sie machen sogar mehr aus „weniger“. „Repowering“ ist eine davon.
Aus alt mach effizient
Repowering ist Englisch und wird in der Fachwelt mit „Kraftwerkserneuerung“ übersetzt. Die Idee:
Ältere Anlagen oder Teile davon werden durch moderne und leistungsfähigere ersetzt. Dieses
„Tuning“ kann grundsätzlich alle Arten von Kraftwerken betreffen. Besonders spannend ist aber der
Blick auf Windräder.
Beim Repowering wird häufig ein größerer Windpark mit vielen älteren Anlagen durch einen neuen
Windpark mit oft deutlich weniger Anlagen ersetzt. Die neuen Anlagen sind dann in aller Regel viel
leistungsstärker und effizienter. Oft kann auf der gleichen Fläche mit weniger Anlagen mehr Strom
eingespeist werden.
Immer noch zu theoretisch? Dann werfen wir einen Blick nach Galmsbüll in Nordfriesland. Schon vor
zehn Jahren zeigte sich dort den rund 600 Einwohnern, was Repowering leisten kann. 2005 drehten
sich in Galmsbüll fast 60 Windräder. Alle zusammen produzierten sie etwa zwölf Megawatt (MW)
Strom. Dann kam das Repowering. 38 Windenergieanlagen verschwanden – und die Gesamtleistung
stieg auf mehr als 60 MW. Halb so viele Anlagen leisten jetzt also das Fünffache.
2015: 18 Prozent repowert
Chancen wie diese gibt es überall hierzulande. Immerhin drehten Ende 2015 in Deutschland 25.980
Windräder an Land ihre Rotorblätter. Viele davon sind älter als zehn Jahre. Von den modernen
Anlagen, die vergangenes Jahr in Betrieb gingen, bauten 18 Prozent auf bestehenden Windrädern auf
– die alten Anlagen wurden also „repowert“. Besonders viele dieser Windräder drehen sich in
Schleswig-Holstein: Hier lag 2015 die Repowering-Quote bei mehr als 25 Prozent. Zum Vergleich: In
Bayern betrug sie weniger als ein Prozent.
Ruhiger, leiser, verträglicher
Neben allen technischen Vorzügen leistet Repowering auch einen wichtigen Beitrag für die
Energiewende. Sie bietet die Chance auf mehr Akzeptanz für den Umbau unseres Energiesystems.
Insbesondere deshalb, weil „gemächliche“ Windenergieanlagen verträglicher wirken als rasende
Rotoren. Drehten sie sich in den Neunzigerjahren bis zu 60 Mal pro Minute, sind es heute nur noch zu
bis 20 Umdrehungen. Im Vergleich wirkt ein repowerter Windpark also deutlich ruhiger auf den
Betrachter.
Rückenwind durch die Forschung
In den vergangenen Jahren hat die Forschung für erneuerbare Energien dafür gesorgt, dass der
Mensch die Kraft des Windes immer besser nutzen kann. Im Jahr 1980 beispielsweise waren
Windräder im Schnitt nur 30 Meter hoch. Heute sind es mehr als hundert Meter. Entsprechend größer
ist die Stromausbeute. Ein durchschnittliches Windrad sorgte 1980 für 35.000 Kilowattstunden Strom
im Jahr. Damit wären heute zehn normale Haushalte versorgt. Festhalten: Moderne Windräder
können heute das 600-fache schaffen.
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN:
BMWi-Themenseite Energieeffizienz
Themenportal Erneuerbare Energien / Windenergie an Land
Themenportal Erneuerbare Energien / Windenergie auf See
BMWi-Themenseite Erneuerbare Energien
Erneuerbare Energien und Netzstabilität: Geht es
vorerst auch ohne Speicher?
Zu dieser Frage äußern sich Dr. Dirk Biermann, Geschäftsführer Märkte und
Systembetrieb bei 50Hertz, sowie Urban Windelen, Bundesgeschäftsführer des
Bundesverbandes Energiespeicher (BVES).
PRO: DR. DIRK BIERMANN
Als Netzbetreiber sind wir an vielen Optionen interessiert, die
die notwendigen Systemlösungen bereitstellen, um die
Energiewende sicher gestalten zu können. Hierzu zählen
auch Speicher. Doch Speicher ist nicht gleich Speicher. Wir
unterscheiden grundlegend zwischen Kurzfristspeicherung,
insbesondere in Batterien, und längerfristiger
Energiespeicherung.
Aufgrund der Photovoltaik ist die klassische tageszyklische
Fahrweise von Pumpspeicherkraftwerken heute nicht mehr
profitabel. Zur Speicherung von Windstrom und
© 50Hertz
Überbrückung von Zeiten mit wenig erneuerbarer
Einspeisung bräuchte man längere Speicherzyklen und somit
größere Speichervolumina. Mit der skandinavischen Wasserkraft können wir über zusätzliche
Interkonnektoren wie der geplanten Hansa Power Bridge solche Potenziale bereits jetzt für
Zentraleuropa wirtschaftlich erschließen; dringend benötigt werden sie allerdings wohl erst mit sehr
viel höheren Anteilen erneuerbaren Stroms. Ob dann die bislang sehr teure Power-to-GasTechnologie als im Grunde einzige derzeit verfügbare, direkte saisonale Speicheroption den
Durchbruch erzielt haben wird, ist schwer zu prognostizieren.
Vor diesem Hintergrund ist ein funktionierender Strommarkt wichtig, der richtige Anreize für künftige
Investitionen setzt und volkswirtschaftliche Fehlsteuerungen wie zum Beispiel bei den
Pumpspeicherkraftwerken vermeidet, die sehr wohl systemische Aufgaben wie Redispatch,
Schwarzstartfähigkeit und Spannungshaltung erbringen können.
Stichwort Flexibilität: Derzeit besteht kein dringender Bedarf an zusätzlicher Flexibilität, dieses
Thema wird oft zu sehr dramatisiert. Es sind auch weniger die Erneuerbaren, sondern vielmehr die
konventionellen Kraftwerke, die im Zuge ihrer Stilllegung durch neue Flexibilitätsoptionen ersetzt
werden müssen. Speicher – vor allem Batteriespeicher – sind dafür technologisch hervorragend
geeignet, stehen aber im Wettbewerb mit anderen, künftig sicher sehr kostengünstigen Alternativen
wie Demand Side Management und zum Beispiel Regelleistung aus Erneuerbaren.
Trotzdem werden sich Batterien rasant entwickeln, nicht aufgrund des Systembedarfs, sondern
getrieben durch die wachsende Zahl von Prosumern und durch E-Mobility in Verbindung mit weiter
sinkenden Preisen.
Dr. Dirk Biermann ist Geschäftsführer Märkte und Systembetrieb bei 50Hertz.
CONTRA: URBAN WINDELEN
Sicher ginge es vorerst auch ohne Speicher – fragt sich nur zu
welchem Preis!
Ein effizientes und effektives Energiesystem mit dem Ziel
einer Versorgung aus erneuerbaren Energiequellen setzt aber
bereits auf dem Weg dahin besser auf Speicher.
© BVES
Netze haben nur die Möglichkeit, Energie von A nach B zu
liefern. „One-trick pony" nennt man so etwas im Englischen,
sie haben nur einen Trick auf Lager. Speicher dagegen sind
wie ein Schweizer Taschenmesser – viele nützliche
Werkzeuge in einem Gerät. Ein Speicher kann eine Vielzahl
an Systemdienstleistungen flexibel und kostengünstig
erbringen.
Die dauernde Diskussion „Speicher oder Netze?" hilft letztlich aber nicht weiter. Für eine erfolgreiche
und akzeptierte Energiewende brauchen wir jedenfalls beides – Speicher und Netze.
Wie lange wollen wir es uns aber noch leisten, allein auf Netze zu setzen? Der Stillstand beim Ausbau
dauert an und erhöht permanent die Kosten. Im Jahr 2015 beliefen sich die Redispatchkosten in
Deutschland bereits auf eine Milliarde Euro – Tendenz weiter steigend. Hier könnten Energiespeicher
Kosten senken und Gelder sparen, indem sie lokal überschüssigen Strom speichern und nutzen.
Wind- oder Solaranlagen müssten nicht abgeregelt werden, und die Netze würden gleichzeitig
entlastet. Hinzu kommen die Vorteile der Sektorenkopplung.
Der Einsatz von Speichern wird jedoch ausgebremst, so lange sie bei Steuern und Abgaben als
Letztverbraucher eingeordnet werden oder zum Beispiel nicht diskriminierungsfrei am
Regelenergiemarkt teilnehmen können.
Die Flexibilisierung der Stromerzeugung und des Verbrauchs ist der Schlüssel für das künftige
Energiesystem. Genau hier können Speicher ihre Stärken ausspielen. Dies jedoch nur, wenn die
Rahmenbedingungen angepasst werden. Aktuell, im Zuge des Strommarktgesetzes, besteht im
Bundestag dazu die Möglichkeit. Es ist nun höchste Zeit, die Alternativen stärker in den Fokus zu
nehmen. Die Energiewende kann nicht auf den Netzausbau warten.
Urban Windelen ist Bundesgeschäftsführer des Bundesverbandes Energiespeicher e.V.
(BVES).
Immer mehr Stromzapfsäulen
Wenn im E-Mobil die Akku-Anzeige blinkt, ist die nächste Stromzapfsäule
vielleicht gar nicht so weit entfernt. Ende 2015 waren in Deutschland 5.836
Ladepunkte installiert. Das sind immerhin 300 mehr als im Vorjahr.
© BMWi; Datenbasis: BDEW-Erhebung Elektromobilität
Strom zapfen mit dem E-Mobil ist bundesweit an immer mehr Stromtankstellen möglich. Zum
Jahresende waren in Deutschland 2.567 Ladestationen in Betrieb. Sie enthielten insgesamt 5.836
Steckdosen, sogenannte Ladepunkte. Ein Jahr zuvor gab es von diesen bundesweit noch 5.550. Das
hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erhoben.
Die meisten in Berlin, Stuttgart und Hamburg
Immerhin ist in mehr als 900 Städten und Gemeinden in Deutschland mindestens ein Ladepunkt
öffentlich zugänglich. Allen voran in Berlin mit 433 Ladepunkten. Darauf folgen Stuttgart mit jeweils
370 und Hamburg mit 203. Besonders einfach haben es Elektrofahrer in Nordrhein-Westfalen: Es ist
das Bundesland mit den meisten öffentlichen Ladepunkten. Im ganzen Bundesland gibt es 1.255
Stück. Darauf folgt Baden-Württemberg mit 1.097 und Bayern mit 794 Steckdosen.
Aber was viele nicht wissen: Noch funktioniert das Aufladen nicht an jeder Stromzapfsäule gleich.
Stecker unterscheiden sich, Zugänge sind manchmal nur per Kundenkarte möglich und komplizierte
Abrechnungen machen es unter Umständen schwer aufzutanken. Noch – denn dies wird sich ändern.
Ein Steckerstandard für alle
Künftig werden alle neu entstehenden Stromtankstellen in Deutschland mit EU-weit einheitlichen
Steckern ausgestattet. So sieht es die sogenannte Ladesäulenverordnung vor, die seit 17. März 2016 in
Kraft ist.
Damit ist Deutschland das erste EU-Mitgliedsland, das die Steckervorgaben der entsprechenden EURichtlinie in geltendes Recht umsetzt. Das Ziel: An allen Ladesäulen der Europäischen Union sollen
Fahrzeuge mit dem europäischen Steckerstandard laden können.
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN:
BDEW-Erhebung Elektromobilität
BMWi-Pressemitteilung "Bundesrat stimmt Ladesäulenverordnung zu"
BMWi-Themenseite Elektromobilität
Energie-Know-how für Afrika
Nachhaltige Energieversorgung für Afrika: Wie kann Deutschland dazu beitragen?
Etwa durch das Energie-Know-how deutscher Unternehmen. Das betonte
Staatssekretär Beckmeyer beim Deutsch-Afrikanischen Energieforum.
© fotolia.com/Ikpro
Rasanter Bevölkerungszuwachs, steigendes Wirtschaftswachstum und eine zunehmende
Elektrifizierung der Landbevölkerung: Viele Länder Afrikas stehen vor gewaltigen Herausforderungen,
ihre Energieversorgung sicherzustellen. Sie nachhaltig, bezahlbar und sicher zu gestalten ist für die
wirtschaftliche und soziale Entwicklung besonders wichtig.
Wie kann Deutschland dazu beitragen, die Energiesysteme Afrikas nachhaltiger und sicherer zu
machen? Darüber berieten in Hamburg mehr als 300 Unternehmer, Politiker und Wissenschaftler
beim 10. Deutsch-Afrikanischen Energieforum. Zu den Teilnehmern zählten auch Minister aus Guinea,
Mali, Sudan, Namibia, Madagaskar und der Demokratischen Republik Kongo.
Energie-Know-how nutzen
Staatssekretär Uwe Beckmeyer in seiner Eröffnungsrede: „Die Energiebeziehungen zwischen
Deutschland und den afrikanischen Ländern werden immer wichtiger. Denn bei der Bewältigung der
politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen insbesondere die nordafrikanischen
Länder aktuell stehen, spielt der Zugang zu bezahlbarer Energie und Energiesicherheit eine zentrale
Rolle. Mit dem Know-how deutscher Unternehmen - gerade auch aus dem Mittelstand - wollen wir
diese Entwicklung unterstützen."
Afrika ist nicht nur reich an fossilen Energieressourcen. Der Kontinent besitzt auch beste
Bedingungen für die Nutzung von erneuerbaren Energien. Trotzdem betrug nach Schätzungen der
internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) der Anteil von Wasserkraft, Wind- und
Solarenergie an Afrikas Energieverbrauch 2013 gerade einmal um die fünf Prozent.
Exportinitiative und Energiepartnerschaften helfen
In Sachen erneuerbare Energien und Energieeffizienz ist die Zusammenarbeit mit Ländern auf der
ganzen Erde bereits eine Kernaufgabe der „Exportinitiative Energie“. Unterstützt vom
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hilft sie insbesondere kleinen und mittleren
Unternehmen aus Deutschland, Auslandsmärkte zu erschließen und den Export erneuerbarer
Energien-Technologien weiter zu stärken.
Mittlerweile haben viele afrikanische Regierungen das Potenzial erkannt, das erneuerbare Energien
und Energieeffizienz-Technologien bieten. Als Vorreiter auf dem Weg zu einer nachhaltigen
Energieversorgung gelten Länder wie Marokko, Tunesien, Südafrika, Ägypten und Kenia. In
Nordafrika hat Deutschland bereits Energiepartnerschaften mit Algerien, Marokko und Tunesien
aufgebaut. Zudem bestehen Partnerschaften mit Angola, Nigeria und Südafrika.
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN:
BMWi-Meldung "BMWi-Schirmherrschaft beim 10. Deutsch-Afrikanischen Energieforum"
Themenseite Internationale Energiepolitik
Exportinitiative Energieeffizienz
Exportinitiative Erneuerbare
Tour um den Globus
Mit einer Wanderausstellung wirbt Deutschland auf der ganzen Welt für seine
Energiewende. Auftakt war Peking, im Mai geht’s nach Kapstadt. Das Interesse ist
groß.
© giz/Matjaz Tancic
Wie schafft die Energiewende Jobs und sichert Wohlstand? Wie lässt sich das Energiesystem auf
immer mehr Energie aus Wind, Sonne und Co. umstellen? Und wenn das in Deutschland klappt –
schaffen auch andere Länder die Energiewende?
Fragen wie diese interessieren Menschen rund um den Globus. Antworten liefert seit April die
Wanderausstellung „Deutschlands Energiewende“. Mit 20 Ausstellungsmodulen wirbt Deutschland
für seine Energiewende, informiert über Meilensteine der deutschen Energiepolitik und lädt zum
Dialog über eine nachhaltige Energieversorgung auf der ganzen Welt.
Weltweites Interesse an Deutschlands Energiewende
Deutschland gilt mit der Entscheidung, die Energieeffizienz zu steigern, erneuerbare Energien
auszubauen und aus der Kernenergie auszusteigen international als Vorreiter. Die Erfolge können sich
sehen lassen: 2015 trugen erneuerbare Energien hierzulande bereits ein Drittel zur Stromversorgung
bei. Bis 2050 sollen es 80 Prozent sein. Zudem soll das letzte deutsche Atomkraftwerk bis 2022
abgeschaltet werden.
Wie intensiv Länder auf der ganzen Erde die ambitionierte Energiepolitik Deutschlands verfolgen, hat
erst Mitte März der „Berlin Energy Transition Dialogue“ in Berlin gezeigt. Dort diskutierten Minister
und mehr als 1.000 Delegierte aus mehr als 70 Staaten, wie die Energiewende global gelingen kann.
Die Ausstellung knüpft an die Ziele dieser Konferenz an.
… und was ist zu sehen?
Die Ausstellung, die das Auswärtige Amt mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft
und Energie vorbereitet hat, besteht aus einem Zeitstrahl, der den Weg der deutschen Energiewende
darstellt – von der Ölkrise der 70er Jahre bis heute. Aus dem Boden ragen thematische Stelen auf, die
die Besucher zum Entdecken und Verweilen einladen. Sie behandeln verschiedene Aspekte der
Energiewende, besonders Energieeffizienz, Versorgungssicherheit, erneuerbare Energien und
Atomausstieg. Zudem informieren Filme, ein interaktiver Medientisch sowie ein Quiz über Mobilität
und die volkswirtschaftlichen Effekte der Energiewende für Deutschland.
Ab Mai in Kapstadt
Vom 20. Mai bis 9. Juni wird die Ausstellung in Kapstadt zu sehen sein, gefolgt von San Francisco vom
1. bis 3. Juni. Anfang April war der Startschuss in Peking gefallen. Bis gestern machte die Ausstellung
Halt in Belgrad.
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN:
Pressemitteilung zur Eröffnung der Energiewende-Wanderausstellung
BMWi-Themenseite "Energiewende kommt voran"
Zitat der Woche
© Roland Horn
„Das enorme Tempo, in dem sich die erneuerbaren Energien und die Märkte entwickelt haben, hätten
wir uns in den 1970er-Jahren nicht träumen lassen."
Dr. Joachim Nitsch, Ingenieur und Systemanalytiker am Deutschen Zentrum für Luft- und
Raumfahrt (DLR)
Pressestimmen
Diesmal in den Pressestimmen: 30 Jahre Tschernobyl, eine Testanlage für eine
Multi-Rotor-Turbine und Klimaforscher Mojib Latif im Interview.
© Knipserin – Fotolia.com
Handelsblatt.de, 26.4.2016: „30 Jahre Tschernobyl”
Das Handelsblatt erinnert an die „Urkatastrophe des Atomzeitalters".
WiWo Green, 25.4.2016: „Testanlage könnte die Windkraft revolutionieren”
WiWo berichtet über ein Multi-Rotor-Konzept, das mehr Windenergie liefern soll, ohne dass
Turbinen dafür größer werden müssten.
taz.de, 21.4.2016: „Das Thema ist durch“
„Die deutsche Energiewende hat eine Menge bewirkt“, sagt Klimaforscher Mojib Latif im Interview
mit der taz.
EEG 2016: BMWi leitet Länder- und
Verbändeanhörung ein
Gabriel: „Das EEG 2016 behandelt die Erneuerbaren erstmals als etablierte,
erwachsene Technologien und schafft die Basis dafür, die Kosten zu stabilisieren
und so die Akzeptanz für die Energiewende zu stärken.“
Bis 3.5. Stellung nehmen: Entwurf für
Anreizregulierungsverordnung liegt vor
Damit Verteilernetze verlässlich und innovativ bleiben, müssen die Anreize für in
die Zukunft gerichtete, effiziente Investitionen gestärkt werden. Zum
entsprechenden Verordnungsentwurf sind bis 3. Mai 2016 Stellungnahmen
möglich.
NEP Gas 2016 – 2026: Bundesnetzagentur startet
Konsultation
Homann: „Der Rückgang der heimischen Erdgasproduktion erfordert
umfangreiche Investitionen ins deutsche Gasnetz."
Sie haben Fragen oder Anregungen?
Kontaktieren Sie uns bitte unter [email protected].
Der Newsletter „Energiewende direkt" ...
... erscheint alle 14 Tage. Die nächste Ausgabe wird am Dienstag, den 10. Mai 2016, veröffentlicht.
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