Juni 2015 Nummer 35 DER KICKENBERG Osterfelder Heimatblatt Die Gaststätten in Osterfeld Bruder Hermann gestorben Die Japanische Blütenkirsche Der Fuhrmannsverein Osterfeld Der Fotograf Carsten Walden Eine neue Gedenktafel Mißernte durch Vulkanausbruch Das Kraftwerk Zeche Franz Haniel Fast vergessene Sagen aus Vondern Eine alte Postkarte Kurzmeldungen aus Osterfeld Osterfeld nach dem Ersten Weltkrieg Die Auler-Ausstellung im KIR Der MGV "Eintracht" Osterfeld feiert Das Gartencenter Blumen Welling Die Güterzugstrecke Oberhausen – Gladbeck Als Kohle Mangelware war Das Hotel "Zur Bockmühle" Olgas-Rock Die Schuhmacherei Wagner Dat Vertellstöcksken Der Veranstaltungskalender Auflage 3500 Exemplare – kostenlos für Osterfelder Bürger DER KICKENBERG Osterfelder Heimatblatt … aus der Kramkiste Kokolores über Zahnpastatuben Uns Karnevalisten wird oft nachgesagt, wir redeten Unsinn oder wie man auch sagt: Kokolores! Im Wörterbuch wird Kokolores tatsächlich mit Unsinn, törichtes Geschwätz, dummes Zeug auch für Spaßmacher umschrieben. Als Ursprung oder Ausgangspunkt für Kokolores könnte eine volkstümliche Verballhornung der christlichen Formel "per omnia saecula saeculorum" (von Ewigkeit zu Ewigkeit) herangezogen werden. Man könnte aber auch behaupten, dass Kokolores zurückgeht auf den Hahn, der englisch cock und französisch coq heißt. Ich denke da an die Prahlerei und den Stolz des Hahnes. Sicherlich gibt es auch in Osterfeld einige Menschen, die den Herstellerhinweisen auf Verpackungen misstrauen und dieses mit Kokolores bezeichnen. Ich gehöre dazu. In meinem Badezimmerschrank steht die Verpackungshülle meiner Zahnpastatube. Darauf steht die Empfehlung: "Tube auf den Kopf stellen". Ich bin dem gefolgt und zwar in der schwächsten Stunden des Tages, kurz vor dem Einschlafen. Es hätte auch kurz nach dem Aufwachen sein können. Dann also, wenn Seele und Verstand schon schlafen oder noch nicht wach sind. Die Botschaft war klar. Glücklicherweise stand ich direkt vor dem Spiegel. Ich stellte die Tube auf den Kopf. Ehrgeizig versuchte ich den Kopf in Position zu bringen. Mit leichten Ausgleichsbewegungen war ich im Badezimmer unterwegs. An Zähneputzen war nicht zu denken. Und seit der Zeit bezweifle ich, dass es einen Osterfelder gibt, der mit auf dem Kopf abgestellter Zahnpastatube seine Zähne putzen kann. Vielleicht sollte die Politik über das Verbraucherministerium alle Hersteller verpflichten, ihre Produkte mit einem zweifelsfreien Aufdruck auszustatten: "Vorsicht! Kann Spuren von Hinweisen enthalten". Das gilt auch für die Verpackung von Mückenspray. Ich schlage dem Handel für diesen Sommer folgenden Aufdruck vor: "Dieses Tier kann Ihre Nachtruhe beeinträchtigen!" Tabula rasa Impressum Die Häuser und der Bunker an der Bottroper Straße sind verschwunden. Was erwartet uns nun auf der freien Fläche? Der Kickenberg ISSN 1864-7294 Nächste Ausgabe: September 2015 Herausgeber: Osterfelder Bürgerring e.V. Postfach 120 347 46103 Oberhausen Tel.: 0208 / 81 08 59 40 E-Mail: Ich finde es sehr bedauerlich, dass Osterfelds Eingangsbereich seelenloser geworden ist. Kann doch der geplante Neubau kaum die Qualität z. B. des schönen Eckhauses Hans-SachsStraße/Bottroper Straße von 1895 aufweisen. Es war ein Haus im Stil des Historismus, über den ich im KICKENBERG Nr. 18 ausführlich berichtet habe. Vergeblich hatte ich versucht, das Gebäude unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Doch laut Oberhausener Denkmalbehörde war zu viel im Laufe der Jahre am Haus geändert worden, so dass es sich nicht mehr im ursprünglichen Zustand befand und von daher nicht mehr denkmalwürdig war. Daraus folgt, dass wir Osterfelder uns unsere alten Häuser genau anschauen sollten, um ihren Wert zu erkennen und früh genug etwas für ihren Erhalt zu tun. Im vorliegenden Fall hätte man zumindest das Wappen des Baumeisters retten und es in einem zukünftigen Heimatmuseum aufbewahren können. [email protected] Internet: www.oberhausen-osterfeld.de Redaktionelle Beiträge stehen in der alleinigen Verantwortung des Verfassers und geben nicht zwingend die Meinung des Herausgebers wieder. Redaktion: Arbeitskreis Heimatkunde Heinrich J. Bahne Axel Brinkmann Dirk Hellmann Andreas Kamp Wilfried Kastner Josef Kortz Günter Lohmar Marianne Michael Katharina Ombeck Fritz Pamp Walter Paßgang Renee Radermacher Hans Real Michael Tomec Klaus Weinberg Kontakte: Osterfelder Bürgerring e.V. Redaktion Der Kickenberg Postfach 120 347 46103 Oberhausen E-Mail: [email protected] [email protected] Layout: Lektor: Druck: Fritz Pamp Klaus Weinberg Walter Perspektiven GmbH Pfälzer Straße 78 46145 Oberhausen Internet: www.wa-p.net Auf chlorfreiem Papier gedruckt Walter Paßgang Zum Titelbild Die Postkarte zeigt das "Restaurant zur Antonihütte", das Lebensmittelgeschäft Wischermann mit Bäckerei und den Eingang der Notkirche an der Hasenstraße um 1910. Text und Bilder Heinrich J. Bahne -3- Informationen über Osterfeld finden Sie im Internet: www.osterfeld-westfalen.de www.oberhausen-osterfeld.de Ausgabe 35 – Juni / 2015 Kickenberg Vom Hauptdarsteller zum Statisten Das Austrocknen Osterfelder Gaststätten Über verschwundene Bauern und Bergleute hat man im Kickenberg schon mehrfach gelesen und das Stadtbild bestätigt es ja auch. Man findet weder Bauernhöfe noch Zechen. Aber nun sollen auch noch Gaststätten verschwunden sein? Das ist wenig überzeugend. Ob in den Randbezirken oder im Zentrum, in Osterfeld muss man doch reichlich Gelegenheit haben, ein Bier zu trinken. In Klosterhardt gibt es Wischermann gleich mehrfach, in Rothebusch Reimann, in Eisenheim Koopmann und in der Innenstadt liegen die Kneipen traditionell dicht beieinander. Aber Vondern ist bereits trockenes Gebiet. Mit der Schließung von Groß-Holdermann am Ende der Arminstraße ist eine Ära zu Ende gegangen. Ist das eine Ausnahme aufgrund der Randlage oder ist das schon ein Beweis? Ein Blick in die Vergangenheit kann Klarheit schaffen. Es war einmal vor langer Zeit, da hatten die Männer keine Autos in der Garage und keine Kühlschränke in der Küche. Aber sie hatten Arbeitsplätze, die sehr durstig machten. Ob es unter Tage im Bergwerk war oder am Hochofen oder im Führerstand einer Dampflok. Die Hitze des Arbeitsplatzes wurde nach kurzer Zeit zur Qual. Auch die Männer an weniger heißen Orten bekamen schnell großen Durst, weil viele, harte Tätigkeiten noch mit der Hand statt mit Maschinen erledigt wurden. Sicherlich sehen wir jetzt die Fotos der kohleverstaubten Hauer vor unserem geistigen Auge, die eine blendendweiße Milchflasche an den Mund setzen, die mit großen Alu-Trinkflaschen am Gürtel einfahren oder an der Teeausgabe anstehen. Aber dass alle diese Maßnahmen nicht ausreichten, das können wir heutigen Dienstleister nicht richtig nachempfinden. Da müssen wir den Erzählungen der Alten einfach glauben. Einleuchtender ist da schon, dass alle diese hart schuftenden Arbeiter am Ende der Schicht immer noch durstig waren. Die Pausen waren kurz und der Flüssigkeits- und Mineralverlust noch nicht wieder ausgeglichen. Die erste, hastige Zigarette vor dem Werkstor kann das Hungergefühl dämpfen, der Durst quält weiter. Doch siehe da, auf der anderen Straßenseite, keine zwanzig Schritte entfernt, liegt alles, wonach der Körper lechzt, eine Schankwirtschaft. Betritt man die Stube, so hat der Wirt zum Schichtwechsel schon eine ganze Batterie Pilsgläser gezapft und aufgereiht. Bei dem Ansturm käme er sonst mit dem Ausschenken nicht nach. Für viele Männer Ausgabe 35 – Juni / 2015 gehört ein klarer Schnaps dazu, der entspannt und schmeckt. Da ist die Gefahr groß, dass aus diesem einen PilsKorn ein paar zu viel werden. Hat sich der Durstgeplagte losgerissen und auf den Heimweg gemacht, so folgt die nächste Versuchung nur wenig entfernt. Egal in welche Richtung sein Weg führt, egal welche Fabrik der Ausgangspunkt ist, Kneipen pflastern seinen Weg. Was zu beweisen ist. Auch wenn Straßennamen wechseln, die Gaststätte ist für Jahrzehnte ein Begriff: Gaststätte Möller, Sterkrader Straße 23, später Vestische Straße 101 Das Osterfelder Einwohnerverzeichnis von 1913 ist eine objektive Quelle, durch persönliche Erinnerungen und Vergesslichkeit nicht getrübt. 44 "Gast- und Schenkwirtschaften" sind dort aufgelistet. Die Namen haben alte Osterfelder seit Kindertagen im Ohr. Bagh, Husemann, Steinhaus, Kalveram, Kusenberg sind nur eine kleine Auswahl altbekannter Namen. Eine Gastwirtschaft vor dem Ersten Weltkrieg. Der Wirt, seine Ehefrau, die Kinder und die Bedienung posieren für den Fotografen. Man findet weitere Namen, die viele Jahrzehnte ein fester Begriff waren aber inzwischen als Gaststätte nur noch im Gedächtnis vorhanden sind: Klapheck, Rupieper, Großeschmidt, Lüger, Vaske, Brune, Surmann, Schulte-Fischedick. -4- Nein, das ist noch nicht der Beweis für ein großes Kneipensterben, denn diese Namen könnten auch durch Wechsel der Inhaber verschwunden sein. Davon später mehr. Auch ein Blick auf die Adressen dieser Liste ist interessant. Auf der Zechenstraße (heute untere Vestische) gibt es Wirtschaften in den Hausnummern 19, 42 und 50; alle mehr oder minder in der Nähe des Pförtnerhauses der Zeche Osterfeld gelegen. Dieselbe Straße heißt wenige hundert Meter weiter, nach der Einmündung der Kapellenstraße, Sterkrader Straße und ist auch dort gut mit Schankstuben bestückt. Sie sind sogar einigermaßen gleichmäßig verteilt: Hausnummern 3, 23, 39, 79, 97. Es fällt auf, dass alle eine ungerade Hausnummer haben; sie liegen also auf einer Straßenseite. Das ist kein Zufall. Auf der anderen Seite bewirtschaftet Bauer Freitag nämlich seine Felder. Dort wohnt (noch) niemand. Auf der westlichen Seite von Eisenheim das gleiche Bild. Hier bildet die Provinzialstraße die Grenze zwischen Wohngebiet und dem Werksgelände der GHH, und die "Tankstellen" findet man in den Häusern Nummer 34 = Keuschen, 66 = Neifer, 70 = Weinreich und 78 = Reuschenbach. Es sind alles gerade Hausnummern. Logisch, sie haben die Häuser von Eisenheim im Rücken liegen. Auch die Metallarbeiter werden damals dankbar gewesen sein, genau zwischen Arbeitsplatz und Wohnküche ein Bier trinken zu können. Heute verläuft dort die Sterkrader Straße, inzwischen ohne Wirtschaften. Die Maschinenbauer, die heute bei der GHH arbeiten, benutzen diese Straße gerne als ellenlangen Parkstreifen. So ändern sich mit der Zeit die Bedürfnisse. In dem oben genannten Beispiel liegen gerade einmal drei Häuser zwischen zwei Gaststätten. Das lässt sich jedoch steigern. Auf der alten Bruchstraße 52 und 53, heute Arminstraße, lagen zwei Wirtschaften Tür an Tür nebeneinander. Selbst die Vonderner Bergleute konnten doch so viel Durst nicht herunter zu spülen haben. Die Namen verraten den Hintergrund. Die eine Schankwirtschaft ist etwas Besseres, das "Casino" Vondern. Hier war der Treffpunkt der Steiger, damals noch Beamte genannt. Ein normaler Arbeiter wollte lieber eine Türe weiter gehen um unter sich zu sein, im "Gemeinnützigen Gasthaus". Standesunterschiede waren damals nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch im Privatleben deutlich zu erkennen. Kickenberg Die Kunden auf der Zechenstraße und in Vondern hatten natürlich ihren Arbeitsplatz auf den beiden Zechen, doch woher kamen die Besucher der sieben (!) Wirtschaften auf der Hauptstraße, heute Bottroper Straße? Auch dort lagen die Tränken teilweise nebeneinander bzw. gegenüber (Küpper Nr. 30, Husemann Nr. 31). Nur sechzehn Häuser weiter gab es wieder zwei, die gleichzeitig Nachbarn und Konkurrenten waren. Ihre Namen lassen allerdings vermuten, dass die beiden sich nicht ins Gehege kamen. In Nummer 66 führte Heinrich Backenecker sein Lokal, in Haus Nummer 67 tat dies Anton Greczkowiak. Es ist wohl nicht zu sehr spekuliert, dass letzterer mehr polnische Gäste hatte als sein Gegenüber auf der anderen Straßenseite. Fast zwanzig Jahre später hat Deutschland einen entsetzlichen Ersten Weltkrieg mit furchtbaren Folgen hinter sich. Als sei das nicht genug Leid, folgen Aufstände, Bürgerkrieg, Putsch, Besetzung, Inflation, Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit. Die Liste der Schreckensmeldungen, gerade auch für "kleine Leute", nimmt kein Ende. Sieht man sich aber das Einwohnerverzeichnis des Jahres 1932 im Hinblick auf die Wirtschaften an, dann sind alle Katastrophen spurlos an ihnen vorbei gegangen. 66 Michels Wilhelm Ehefrau, 69 Heinrich Backenecker, 102 Johann Waltmann, und 102 Adolf Solf. Warum alle politischen und wirtschaftlichen Wirren den Schankwirtschaften nichts anhaben konnten, das verraten die Auflistungen natürlich nicht. So rätselhaft und widersprüchlich das bei flüchtiger Betrachtung ist, so nachvollziehbar ist es bei näherem Hinsehen. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts hatte das Vereinsleben einen deutlich höheren Stellenwert als heute. Nachwuchssorgen waren unbekannt. Und wo, wenn nicht in den Gaststätten spielte sich das rege Vereinsleben ab? Die traditionellen Vereine Osterfelds wurden alle in Wirtschaften gegründet (Ausnahme Schachclub). Auch wöchentliche Treffen, die alljährlichen Hauptversammlungen, die Jubiläen, rein alles fand dort statt, und zwar immer in ein und derselben Stammkneipe. Jeder Verein besaß "seine" Wirtschaft und jede von denen konnte sich umgekehrt auf ihre treuen Vereinsmitglieder verlassen. Ob das Schützen-, Sport- oder Karnevalsvereine waren, ob Chöre, Taubenzüchter oder Münzsammler, Kriegervereine, Landsmannschaften, Laientheater oder Tanzschulen; die Palette der Gruppen und Vereine war schier unerschöpflich. Selbst für die Gruppen der katholischen Gemeinde, etwa KAB und Kolping, existierte eine eigene Gaststätte, das Katholische Vereinshaus, Kreuzstraße 10, heute Kettelerstraße. Ein Beispiel für den hohen Stellenwert des Vereinslokals: Die jeweilige Mannschaftsaufstellung für den nächsten Einsatz fanden die Spieler von Adler Rothebusch nicht am Fußballplatz ausgehängt, sondern in der Wirtschaft Großeschmidt. Auf Postkarten wurden die Gaststätten gern wie ein Naherholungsgebiet dargestellt, z. B. hier das Restaurant Germania Osterfelder Straße, Ecke Waghalsstraße Es gibt sechs Gaststätten mehr als in der Liste von 1913. Es haben elf Wirte ihren Beruf aufgegeben und zehnmal sind sie an Ort und Stelle ersetzt worden. Es ist in diesen zwei Jahrzehnten nur eine einzige Wirtschaft verschwunden, das Casino der Zeche Vondern. In einem Falle ist der Betreiber identisch geblieben, nur der Name ist geändert worden. Der "Spar- und Bauverein" nennt sich und die vereinseigene Wirtschaft nun "Rheinisch-Westfälische gemeinnützige Baugenossenschaft G.m.b.H." In über zwei Drittel der Fälle heißt der Wirt genauso wie zwanzig Jahre zuvor. Die aktuelle "Saufmeile" ist immer noch die Hauptstraße mit acht Wirtschaften auf engem Raum zwischen den Häusern Nummer 16 Franz Fischedick, 30 Heinrich Wildenhaus, 31 Johann Husemann, 40 Karl Bastwöste, 56 Johann Marks, In der Gaststätte Schulte-Lippern hielt eine Tanzschule in den 1930er Jahren Kurse ab. Etliche der Häuser boten neben den Schankstuben zusätzliche Veranstaltungsräume. Diese Säle, Kegelbahnen oder Gemeinschaftsräume waren selbst für kleine Versammlungen unverzichtbar. (In den winzigen Privatwohnungen kinderreicher Familien verursachte schon eine dreiköpfige Skatrunde ein Platzproblem.) Außerdem konnten nur hier Tanzveranstaltungen bequem durchgeführt werde. Bequem waren immer auch Hinund Rückwege. Niemand musste seinen Stadtteil verlassen, um genau das zu -5- finden, was er wünschte. Man denke z. B. an die Anzahl der Kinos (s. Kickenberg Nr. 24 und 25) oder die attraktive Kombination von Kino und Kneipe. Die arbeitenden Männer und die Hausfrauen an ihrer Seite hatten zwar viel weniger Freizeit als die Erwachsenen heutzutage, aber diese kurzen Phasen der Erholung wurden nie mit passivem Sitzen vor einem Bildschirm verbracht. Auch wer sich unterhalten wollte, musste sich zunächst einmal auf die Beine machen, um den Gesprächspartner zu treffen. Die Zeit des Knöpfchendrückens lag noch in ferner Zukunft. Die Summe all dieser Unterschiede zum heutigen Leben kann erklären, warum das Wort "Wirtschaftskrise" nicht auch eine SchankWirtschafts-Krise bedeutete. Saal und Bühne bei Großeschmidt. Die Rothebuscher besaßen eine eigene Theatergruppe Die nächste Liste der Osterfelder Wirtschaften datiert von 1950, wieder einen Weltkrieg später. Diesmal haben die Zerstörungen nicht vor den Reichsgrenzen haltgemacht. Diesmal sind auch Kneipen in Schutt und Asche gelegt worden. Es gibt dreizehn Wirtschaften weniger als in der Vergleichsliste von vor dem Krieg. Gut die Hälfte aller Wirtenamen ist verschwunden (27) und nur zwölf neue sind nachgerückt. Manchmal erkennt man beim Vergleich beider Verzeichnisse, wo die Räumlichkeiten blieben und ob lediglich ein Personenwechsel stattfand. Aber in etlichen Fällen wurden nicht nur die Straßennamen geändert, sondern auch die Hausnummern anders gezählt. Dann wird es schwierig zu klären, ob nur ein Wirtewechsel erfolgte oder ob die Wirtschaft gleich ganz verschwunden ist. Das war einmal Osterfelds "Gute Stube": Die Ruinen des Ausflugslokals Waldhof 1945. Heute finden wir an dieser Stelle die Revierparkgaststätte. Ausgabe 35 – Juni / 2015 Kickenberg Immer noch ballen sich die Wirtshäuser im Innenstadtbereich von Osterfeld. Man findet sechs auf der Bottroper Straße und auf der Gildenstraße z. B. liegen sich Klapheck und Rininsland nahezu gegenüber. Eine alte Osterfelderin, die auf der Gildenstraße wohnt, bringt es anschaulich auf den Punkt: "Mein Mann stieg auf dem Heimweg von der Arbeit am Bahnhof Osterfeld-Süd aus. Wenn der auf dem kurzen Stück zu unserer Wohnung in jeder Wirtschaft am Wege nur ein einziges Bier getrunken hätte, dann wäre er sturzbetrunken zu Hause angekommen. So dicht lagen die Kneipen." In Osterfelds Mitte gibt es etwa so viele wie in Vondern, Rothebusch und Klosterhardt zusammen. Nur Eisenheim ist mit Häusern und Schankstuben gleichermaßen dicht bebaut wie das Osterfelder Zentrum. Ganz zaghaft, aber doch wahrnehmbar, wird nach dem Krieg die Männerdomäne "Wirt" von den ersten Frauen ins Visier genommen. Schon zu Beginn des Jahrhunderts waren Frauen aus einer Gaststätte nicht mehr wegzudenken, als Bedienung und als helfende Ehefrau des Wirtes. Als alleinige Inhaberin waren Frauen jedoch undenkbar. Es gab nur eine Ausnahme. War der Mann eines Wirtsehepaares gestorben, konnte die Frau das Lokal auch als Witwe in seinem Namen halten. Das las sich im Telefonbuch dann so: oder lückenlos, Lüger zum Beispiel fehlt. Die Entwicklungen sind jedoch so enorm, dass dabei kleine Ungenauigkeiten nicht ins Gewicht fallen. Im Jahre 1960 sind auf Osterfelder Gebiet über 60 Gaststätten aufgelistet, die Zahl hat sich in 10 Jahren nahezu verdoppelt. Auch der Trend zur Wirtin hat sich fortgesetzt. Waren sie kurz nach dem Krieg noch Exotinnen, so stellen sie nun bereits ein Viertel aller Gaststättenbetreiber. Passend dazu treten nun auch bei den Gästen die Frauen stärker in Erscheinung. Die ersten weiblichen Kegelklubs werden gegründet. In den Wohngebieten rund um den Osterfelder Stadtkern sind die Kneipen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Je nachdem wie man Randbezirk definiert, liegen dort die Hälfte bis zwei Drittel aller Wirtschaften. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts wurden die Wirtschaften meist in einer Familie an die nächste Generation weitergereicht. Die Wirtshäuser existierten jahrzehntelang am Platze. Räumliche und personelle Kontinuität waren die Regel. 1960 dagegen wimmelt die Aufzählung von Namen, die vorher als Wirte völlig unbekannt waren. Auf einen altbekannten Wirt kommen zwei neue, unbekannte. Doch von nun an gings bergab. Die Talfahrt wurde heftig, weil gleich mehrere Prozesse zusammen trafen. Dass der Verlust tausender Arbeitsplätze genügt, um auch Gasthäusern die Grundlage ihrer Existenz zu entziehen, wer wollte darüber staunen? Es kamen aber noch Änderungen hinzu, die niemand verdächtigte, ein Kneipensterben zu verursachen: das Pantoffelkino und der eigene PKW. Es wurde üblich in Deutschland, den Abend zu Hause vor dem eigenen Fernseher zu verbringen und das kühle Pils aus dem eigenen Kühlschrank zu holen. Es wurde üblich, mit dem Auto den Weg zur Arbeit und zurück nach Hause zurückzulegen. Da ist ein Tankstellenstopp wahrscheinlicher als ein Thekenstopp. Es wurde üblich, beim Autofahren zunehmend auf den Alkoholpegel zu achten. Unter Jugendlichen wurde es üblich, in die Disco statt in die Kneipe zu gehen. Zuletzt wurde es noch üblich, mit einer Frikadelle oder Kartoffelsalat in der Kneipe nicht mehr zufrieden zu sein. Man ging "richtig" essen, gerne auch zum Italiener oder Chinesen. Spickenbaum Wilh. , Witwe, Vertreter Josef Mutz Küpper Heinr. Witwe, Vertreter Wildenhaus Heinr. Es trat also immer noch ein Mann fürs Grobe in Erscheinung, was selbstverständlich auch angebracht war. In der Auflistung des Jahres 1950 finden sich erste, unauffällige Abweichungen von dieser überkommenen Regel. Schon zu Beginn der dreißiger Jahre gab es eine "Michels Wilhelm Ehefrau" als Wirtin. Sie war offensichtlich nicht verwitwet. Wiederum fast zwanzig Jahre später bauen die Frauen diesen Brückenkopf aus. Auf der Wesselkampstraße 11 hat Josef Bremmekamp nach Jahrzehnten die Leitung seiner Wirtschaft an Elisabeth Bremmekamp, vermutlich seine Tochter, übergeben. Es gibt eine Küper Mia als Wirtin, sogar ohne männlichen Vertreter. Maria Schäfer führt ein Ausflugslokal an der Dorstener Straße. Die womöglich Mutigste hat die Wirtschaft auf der Osterfelder Straße 150. Das ist "Weß Frl." Ein Fräulein als Kneipenwirtin – im Jahre 1950 – das ist neu. Nur zehn Jahre später ist die Gaststättenlandschaft nicht mehr wieder zu erkennen. Die benutzte Liste ist nicht ganz Ausgabe 35 – Juni / 2015 Das war einmal eine Traditionsgaststätte, Hokuspokus wird aus Lüger eine Aphrodite Der Charme der schiefen Rundung: Innenansicht im Stil der fünfziger Jahre All diese Änderungen sind jedoch nur Äußerlichkeiten. Der Stellenwert von Wirtschaften im Leben der Osterfelder ist davon nicht betroffen, ja womöglich ist er mit dem ökonomischen Wirtschaftswunder und steigenden Löhnen sogar noch gestiegen. Ein Bier mehr oder weniger macht 1960 niemanden mehr arm und Gründe für Durst gibt es reichlich. Nach wie vor arbeiten die meisten Männer körperlich, ob in der Industrie, bei der Eisenbahn oder im Handwerk. Und immer noch zischt ein Getränk nach Sport oder einer Chorprobe besonders gut. Ohne es zu ahnen erleben Wirte und Gäste um diese Zeit die Hochkonjunktur der (Schank)Wirtschaft. -6- Sicherlich ist diese kurze Aufzählung nicht vollständig. Entscheidend ist die jahrzehntelange Dauer. Als läge das Gewerbe nicht ohnehin schon im ernsten Überlebenskampf, kam der jüngste Schlag, das Rauchverbot. Es wurde von den Wirten erbittert bekämpft. Die negativen finanziellen Folgen waren womöglich tatsächlich gravierend. In Wahrheit war das aber nur wie der finale Niederschlag eines ohnehin kurz vor dem Ko stehenden Boxers. Damit sind wir im Hier und Jetzt angekommen. Es bleibt nicht nur die Frage nach der heutigen Anzahl der Wirtschaften zu beantworten. Man muss auch die Art der bestehenden Kneipen betrachten, ihre Bedeutung für den Gast und ihre Stellung im Stadtteil. Es geht auch um die Zukunftsaussichten der Branche bei einer veränderten Bevölkerung, von der schon aus religiösen Gründen ein großer Teil keinen Alkohol trinkt. Klaus Weinberg Kickenberg Osterfeld in den unruhigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg Die deutsche Außenpolitik hatte nach dem Sturz des Reichskanzlers Otto von Bismarck (1890) eine Wendung genommen, die langfristig in den Ersten Weltkrieg gemündet hat. Diese Entwicklung war nicht zwangsläufig. Da aber Deutschland unter der Führung von Kaiser Wilhelm II den "Platz an der Sonne" – damit ist die Weltmachtstellung von Deutschland gemeint gewesen – anstrebte, musste dies zwangsläufig zu außenpolitischen Turbulenzen führen. Dadurch bedingt grenzte sich Deutschland selbst aus, dabei wurde die gefühlte Einkreisung, also das Zusammengehen von Frankreich, Russland und Großbritannien, stets beklagt. Deutschland hatte bei Ausbruch des Krieges praktisch nur noch Österreich als Bündnispartner. Den Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 haben die beiden zuletzt genannten Staaten verloren. Dies führte in Deutschland zum Sturz der Monarchie in der Revolution von November 1918. Die politische Situation ist bei und nach Kriegsende in Deutschland völlig instabil gewesen. In diese Zeit gehört auch der Aufstand der Spartakisten (1919) und die Rote Ruhrarmee (1920). Es herrschten damals Zustände eines Bürgerkrieges. Davon war auch Osterfeld betroffen. Als Gegner hatten die Spartakisten jeweils Regierungstruppen, die die Aufstände niederschlugen. Den Spartakisten, benannt nach dem Anführer des Sklavenaufstandes im Römischen Reich im Jahre 73 bis 71 vor Christus, reichten die Errungenschaften der Revolution von 1918 nicht aus. Man wollte letztendlich den Kommunismus verwirklichen. Den Rechten gingen die Ergebnisse der Revolution von 1918 schon viel zu weit. Letzter Auslöser des Spartakistenaufstandes war die Absetzung des Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn am 4. Januar 1919. Die Spartakisten sind immer wieder von Truppen der Reichswehr oder von Freikorps, die aus Freiwilligen bestanden, gewaltsam und blutig vertrieben worden. Die Soldaten der Reichswehr sind sehr oft dem politisch rechten Lager zuzuordnen gewesen. Sie schützten die Republik mit der SPD geführten Reichsregierung. Die Weimarer Republik, die aus der Revolution entstanden ist, wurde von beiden extremen politischen Lagern abgelehnt. Auch in Osterfeld wurde die politische Lage zum Ende des Krieges hin immer Ausgabe 35 – Juni / 2015 instabiler. In den Jahren 1917 und 1918 verstärkte sich die Unzufriedenheit der Bevölkerung über die schlechte Lebensmittelversorgung. Es kam im Januar 1918 auf den Zechen zum "Generalstreik für Frieden, Freiheit und Brot". Die Militärverwaltung beendete diesen Streik mit der Drohung, sofort alle wehrpflichtigen Männer einzuziehen. In der folgenden Zeit kam es immer wieder zu Streiks im Bergbau. Durch die Revolution von 1918 bedingt, kam als zentrale Forderung der Bergleute die 8-Stunden-Schicht hinzu. Um die Revolution vor Ort umzusetzen wurde auch in Osterfeld im November 1918 ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet. Letzterer sollte die Gemeindeverwaltung kontrollieren. Die Pfarrchronik von St. Antonius in Osterfeld führt aus: "Zu den schlimmsten Brutstätten der Spartakisten im hiesigen Kohlenrevier gehörten vor allem Hamborn, Mülheim und Düsseldorf. Von dort kamen große Scharen herüber nach Osterfeld, Sterkrade und Bottrop. Sterkrade und Osterfeld, welche sich sofort ergaben, um Blutvergießen zu verhüten, blieben von schlimmen Gewalttätigkeiten verschont. Anders Bottrop. Hier vereinigten sich Bürgerwehr und Polizei zum Widerstand. Infolge dessen kam es dort vom 19.02. bis 22.02.1919 besonders in der Umgebung des Rathauses zu blutigen Kämpfen, bei denen 16 Bottroper Bürger ihr Leben einbüßten. Am 22.02.19 kam von Gladbeck Hilfe durch die Regierungstruppen und Bottrop wurde befreit." Die Wahl des Gemeinderates in Osterfeld (2. März 1919) brachte folgende Sitzverteilung: Zentrum 21 Sitze, Polen 6 Sitze, Sozialisten 5 Sitze, Bürgerpartei 3 Sitze, DVP, DNVP, DDP, Kriegsbeschädigte zusammen 1 Sitz. Die Wahlbeteiligung lag bei 59%. Das Ergebnis zeigt, dass Osterfeld keine Hochburg des linken politischen Spektrums gewesen ist. Auch die Wahl zur Nationalversammlung im Januar 1919 hatte ein ähnliches Ergebnis. Truppen der Reichswehr lagern auf dem Rathausplatz in Bottrop. Beide Seiten, also die Spartakisten und die Reichswehr, gingen mit massiven Einsatz von Gewalt gegeneinander, aber auch gegen die Bevölkerung vor. Der Spartakistenführer Aloys Fulneczek wird in Bottrop verhaftet. Beim Studium des obigen Berichts schlägt dem Leser der Hass auf die Spartakisten entgegen. Diese Abhandlung beschreibt das Geschehen einseitig aus Sicht des "Siegers". Die Stimme der Spartakisten bleibt leider völlig ungehört. Diese Einseitigkeit ist faktisch in allen historischen Quellen zu finden. Spartakisten und Reichswehr im Straßenkampf -8- In Osterfeld gab es während der Besetzung durch die Spartakisten zeitgleich einen Generalstreik. Kickenberg Der Bericht der Osterfelder Polizei führt wenige Fakten auf. Fast immer steht die Beschaffung von Lebensmitteln durch die Spartakisten im Vordergrund. "An den letzten Tagen sind in etwa 25 Geschäften Lebensmittel, besonders Brot unter Androhung von Gewalt fortgenommen worden. In einzelnen Fällen hat man das Brot zwar bezahlt jedoch keine Marken abgegeben; weiter hat man die hiesigen 10 Landwirte aufgesucht und Lebensmittel, in der Hauptsache Speck, erpreßt, in einigen Fällen hat man auch Futter für die Pferde genommen. Am 22. Februar nachmittags gegen 5¾ Uhr ist das hier vor dem Amtshause aufgestellte Geschütz von etwa 12 Spartakisten unter Leitung des Bergmanns Jüngst, hierselbst wohnhaft, fortgefahren worden. Wie hier im Orte allgemein erzählt wurde, ist das Geschütz von den Spartakisten in der Nähe der Zeche Jakoby in Feuerstellung gefahren, um bei einer Wiederaufnahme der Arbeit die ganze Schachtanlage der genannten Zeche zusammenzuschießen. Die Zeche Jacobi um 1915 Am 23. Februar vormittags wurden dem Gutsbesitzer Dr. Ostrop und dem Betriebsinspektor [der Zeche Osterfeld] Zimmermann je ein Pferd sowie dem Betriebsinspektor [der Zeche Jacobi] Unterberg ein Pferd mit Wagen zwangsweise unter Bedrohung mit Waffen fortgenommen …" Aus den Akten der Gemeindeverwaltung in Osterfeld ist ersichtlich: "Aus Anlaß der Vorgänge in Bottrop war die hiesige Bevölkerung sehr beunruhigt. Widerstand wurde in keinem Falle geleistet; dies wäre auch vollständig zwecklos gewesen, da die Spartakisten bestimmt mit Waffengewalt vorgegangen wären." Auch unbeteiligte Personen konnten unversehens Teil des Geschehens werden. Der General-Anzeiger berichtete am 12. Februar 1920: Wegen Amtsanmaßung und räuberischer Erpressung verurteilt Vor der Essener Strafkammer hatte sich am Samstag der berüchtigte Führer der Osterfelder Sicherheitswehr zur Revolutionszeit A. Dilewsky wegen Amtsanmaßung und räuberischer Erpressung zu verantworten. Die Verhandlung gab ein anschauliches Bild, welche Elemente während der Revolutionszeit die Macht an sich gerissen hatten. Der Angeklagte, ein schwer vorbestafter Mensch, tauchte eines Tages in der Uniform eines Feldwebels in Osterfeld auf. Die bisher verhältnismäßig ruhige Gemeinde war nun mitten in der "schönsten Revolution". Mit mehreren Kumpanen führte er ein Schreckensregiment. Verhaftungen, Durchsuchungen bei Osterfelder Bürgern waren an der Tagesordnung. Am Gemeindelager wurde die Kasse beschlagnahmt, der Lagerhalter verhaftet und seine Wohnung durchstöbert. Man fühlte sich immer stärker, das Amtshaus wurde besetzt, der alte Gemeinderat abgesetzt, und ein neuer aus radikalen Elementen bezog das Amtshaus. Bei einigen hier wohnenden Griechen wurde eine Durchsuchung vorgenommen und die Griechen für verhaftet erklärt. Gegen eine Kaution von 1000 Mark wurden sie freigelassen und das Geld draußen verteilt. Als Regierungstruppen einrückten, verschaffte sich Dilewsky falsche Papiere und trat nun als Feldwebel bei der Reichswehr in Bromberg ein. Erwähnt wurde noch, daß Dilewsky nie an der Front war und sich doch das E. K. (Anmerkung: Eisernes Kreuz) 1. Klasse verdient hatte. In der Verhandlung suchte er alle Schuld auf den früheren Vorsitzenden des Soldatenrates Graneck abzuwälzen. Er wollte nur ausführendes Organ von diesem gewesen sein. Das Gericht verurteilte ihn zu 18 Monaten Gefängnis." Das Ende des Streiks verkündete der General-Anzeiger am 24.Februar 1919: Das Ende des Generalstreiks Es wird wieder gearbeitet Trotz der Essener Beschlüsse der A.- u. S.-Räte (Anm.: Arbeiter- und Soldatenräte) und der Vertreter der Arbeiterschaft des Industriebezirks von Freitag über die Beendigung des Generalstreiks glaubten die Streikleitungen in verschiedenen Orten, so auch in Oberhausen, sich nicht an diese Vereinbarungen kehren zu müssen und neue Verhandlungen mit dem kommandierenden General anbahnen zu können. Bis zu deren Beendigung sollte von einem Aufgeben des Generalstreiks keine Rede sein. Die Hoffnung der Spartakisten, diesen noch möglichst lange auszudehnen, hat sich indessen auch in Oberhausen u. Umgebung nicht verwirklicht. Wir stehen heute vor der hocherfreulichen Tatsache, daß die einsichtsvolle Arbeiterschaft auf den meisten Zechen heute früh wieder angefahren ist. So auf den Zechen Alstaden, Concordia, Osterfeld, Roland usw. Der Arbeiter- und Soldatenrat gab am 24. Februar 1919 für Osterfeld das Ende des Streiks bekannt. Es folgte die Entwaffnung dieses Rates. Eine Anzeige im General-Anzeiger am 25. Februar 1919 -9- leitete dies ein: Abgabe der Waffen! Laut Anordnung des kommandierenden Generals des VII. Armeekorps sind spätestens am 26. ds. Mts. alle Waffen sowie Munition aller Art abzuliefern. Sammelstelle für Oberhausen ist die Polizei-Inspektion II, Gödenstraße 105. Waffen dürfen behalten: 1. Diejenigen, die kraft ihres Amtes und Dienstes zur Führung von Waffen berechtigt sind, Heeresangehörige, Forstleute, Polizeibeamte; 2. Inhaber von behördlich ausgestellten Waffenscheinen; 3. Inhaber von Jahresjagdscheinen. Nach der Niederschlagung des Aufstandes war die politische Lage in Osterfeld weiterhin instabil. Der GeneralAnzeiger vom 21. März 1919 meldete: Osterfeld von Regierungstruppen besetzt Teile der Regierungstruppen Oberhausens rückten vorgestern zur Besetzung Osterfelds aus. In einer der letzten Nächte wurden von 2 Zivilpersonen, die einen Diebstahl ausführten, auf eine Patrouille drei Schüsse abgefeuert. Einem Soldaten wurde ein Finger abgeschossen, außerdem wurde er am Oberarm verletzt. Im Laufe des Jahres 1919 löste sich der Arbeiter- und Soldatenrat in Osterfeld auf. Am 18. November 1919 berichtete der General-Anzeiger über die Einwohnerwehr in Osterfeld: Im Sommer des d. J. trat man zum ersten Mal an die Bildung einer Einwohnerwehr heran. Es wurde zu diesem Zwecke ein allgemeiner Aufruf zur Meldung für die Einwohnerwehr, der sich an die Angehörigen aller Berufe und Stände richtete, in den Lokalblättern erlassen. Das Ergebnis war, daß sich leider nur 7 Personen meldeten. Im September beschritt man deshalb den Weg der Einzelwerbung und zwar wieder unter den Angehörigen aller Berufe und Stände. Diese Werbung hatte Erfolg. Die freiwillige Feuerwehr trat geschlossen der Einwohnerwehr bei. Weitere Meldungen werden entgegengenommen. Die Gewerkschaften riefen am 13. März 1920 zum Generalstreik auf, um den Kapp-Putsch in Berlin zu beenden. Der Streik beschränkte sich in Osterfeld auf die Zechen und das Gewerbe. Die Gemeindeverwaltung, die Polizei und die Eisenbahn sowie die Post kamen diesem Aufruf nicht nach. Die streikenden Arbeiter schlossen sich teilweise der Roten Ruhrarmee an, die die Freikorps, die den Staatsstreich unterstützten, vernichtend schlug. Der Umsturzversuch scheiterte. Die Rote Ruhrarmee löste sich jedoch nicht Ausgabe 35 – Juni / 2015 Kickenberg auf, sondern übernahm praktisch die Macht im Ruhrgebiet. Osterfeld wurde am 20. März 1920 kampflos besetzt. Ein "Vollzugsrat" begann unverzüglich mit seiner Arbeit. Er beließ allerdings die gesamte Gemeindeverwaltung im Amt und griff auch nicht in die Betriebsführung der Zechen ein. Ebenso blieb die entwaffnete Polizei zur Unterstützung der "Wachmannschaften" im Dienst. hier ein Werbebüro für die rote Armee eingerichtet. Etwa 300 – 400 Mann wurden durch dasselbe angeworben und als "Kompagnie Osterfeld" der roten Armee angegliedert. Die Bewaffnung und Ausrüstung der Angehörigen dieser Kompagnie erfolgte nicht hier sondern an der Front. Außerdem bestand hier für Osterfeld noch eine Abteilung sogenannter Wachmannschaften …" Der General-Anzeiger berichtete am 8. April 1920: Die Vorgänge in der Wirtschaft Husemann Eine Einheit der Roten Ruhrarmee Die militärischen Erfolge der Roten Ruhrarmee veranlassten die Reichsregierung, die in Münster stationierte Reichswehrbrigade und westfälische Freikorps in das Ruhrgebiet zu schicken. Daraufhin ließ der Kommandeur dieser Einheiten, Generalleutnant Oskar von Watter, seine Soldaten am 2. April 1920 in das Ruhrgebiet einmarschieren. Sie beendeten den Aufstand mit brutaler Gewalt. Besonders die Freikorps rächten sich mit Misshandlungen und teilweise willkürlichen Erschießungen. Obwohl der Reichspräsident bereits am 3. April 1920 die Standgerichte und standrechtlichen Erschießungen verboten hatte, gab von Watter diesen Befehl erst am 12. April an seine Truppen weiter. Die Herrschaft der Roten Ruhrarmee über Osterfeld dauerte bis Karsamstag, den 3. April 1920. Ohne auf Widerstand zu stoßen, erreichten starke Verbände der Reichswehr Osterfeld. Im Zuge dieses Ereignisses wurden 13 Osterfelder getötet. Neun von ihnen sind auf dem Hof der Wirtschaft Husemann standrechtlich erschossen worden, vier weitere starben in Eisenheim durch Artilleriebeschuss. Ein Bericht des Polizeichefs in Osterfeld an den Landrat hielt fest: "Nachdem die rote Armee seinerzeit über Osterfeld hinaus vorgedrungen war, hat der hiesige Vollzugsrat am 22.3.1920 Ausgabe 35 – Juni / 2015 Ueber die Einnahme des Werbebüros sind widersprechende Gerüchte im Umlauf. Deshalb lassen wir die Darstellung des Mitbeteiligten, Berginvaliden Albert Selle, der als Wachmann einige Tage im Werbebüro tätig war, folgen: "Beim Anrücken der Regierungstruppen befand ich mich auf der Straße vor der Wirtschaft Husemann. Ich begab mich sofort in diese Wirtschaft und bin daher in der Lage, den Vorfall genau zu schildern. (…) Kraft (Anmerkung: Wachhabender des Werbebüros, Beruf Bergmann) und Husemann gingen dann vor die Haustür, und als die beiden heraussahen, fielen die ersten Maschinengewehrschüsse in der Richtung auf das Werbebüro (Husemannsche Lokal). Nun forderte Kraft den Wirt Blömer auf, die Rolläden zu schließen, und sagte zu den dort anwesenden Leuten, sie möchten fliehen, die Regierungstruppen wären schon da. Sämtliche Anwesenden begaben sich jetzt zu dem hinteren Ausgang, darunter auch Husemann, Blömer und ich. Während sich im Hausflur die Leute mit ihrem Führer Kraft noch darüber stritten, ob die Regierungstruppen da wären oder noch nicht, erscholl vom Hof schon der Ruf 'Hände hoch!', und dann fielen auch schon die ersten Schüsse. Regierungssoldaten mit Handgranaten drängten nun ins Lokal und trieben alle dort noch Anwesenden auf den Hof. Als ich auf den Hof kam, sah ich dort einige Leute am Boden liegen. Ich bekam auf dem Hof einen Streifschuß und fiel durch den Luftdruck zu Boden. Als ich mich wieder aufrichten wollte, wurden Gewehre auf mich gerichtet. Husemann kam hinzugesprungen und schlug ein Gewehr herunter, wobei er sagte, sie möchten mich leben lassen, ich sei ein Krüppel. Darauf sagt der Leutnant zu mir, ich sollte aufstehen und ins Haus gehen. Nachher wurde ich festgenommen. Der ganze Vorfall hat sich in einem Zeitraum von etwa einer Minute abgespielt und ich kann daher Einzelheiten darüber, auf welche Weise die übrigen Leute erschossen wurden, nicht angeben. Es war ein derartiges Durcheinander, daß auch Husemann und dessen Schwager Blömer bei dem Vorfall - 10 - ihr Leben hätten einbüßen können. Das Gerücht, daß Leute vorher aus dem Keller herausgeholt worden sind, entbehrt ebenso jeder Begründung, wie die übrigen Gerüchte. In dem Keller befanden sich die Frauen, Kinder und das Dienstpersonal von Husemann und Blömer zu ihrem Schutz. Ich kann über die Richtigkeit vorstehender Angaben jederzeit eine eidesstattliche Erklärung abgeben. Albert Selle" Die unleserliche Zeile im Zeitungsbericht, die mit (…) gekennzeichnet ist, beschreibt den Irrtum, dass es sich um eigene, also Truppen der Rote Ruhrarmee, aus Mülheim, handeln würde. Traurige Berühmtheit erlangte Friedrich Hildebrandt. Wegen brutalen Verhaltens in Osterfeld, Weißenfels und Halle während der Besetzungen durch die Rote Ruhrarmee wurde er vor Gericht gestellt. Das Urteil lautete auf Freispruch. Trotzdem wurde er im Juni 1920 aus dem Polizeidienst entlassen. Im 3. Reich stieg Hildebrandt zum Gauleiter, bzw. Reichsstatthalter auf. Anhänger Hitlers war er ab dem Jahr 1923. Vom amerikanischen Militärgericht wurde Hildebrandt nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1947 zum Tode verurteilt. Seine Hinrichtung erfolgte 1948 in Landsberg. Die historischen Quellen, damit sind die erhaltenen Akten, aber auch Zeitzeugenberichte gemeint, lassen nach wie vor den Hass auf die Spartakisten und die Akteure der Roten Ruhrarmee erkennen. Dies macht eine neutrale Beschreibung der damaligen Ereignisse fast unmöglich, da keine umfassendere Überlieferung, die auch die "Stimme" der Spartakisten berücksichtigt, vorliegt. Osterfeld blieb in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ein Nebenschauplatz. Für den Chronisten hat das den Nachteil, nicht viel berichten zu können. Für die Bevölkerung in Osterfeld war dies allerdings nicht von Anfang an absehbar. Nachdem die blutigen politischen Auseinandersetzungen mit dem Ende der Roten Ruhrarmee und dem Scheitern des Kapp-Putsches beendet waren, hat die öffentliche Ordnung vor 1924 nicht das Niveau der Vorkriegszeit wieder erreicht. Im Jahre 1921 berichtete der GeneralAnzeiger mehrfach von Raubüberfällen auf offener Straße. Als allergefährlichste Straße ist die Chaussee GladbeckBottrop-Osterfeld genannt. Die Täter waren durchweg mit Maske und Revolver unterwegs gewesen. Themen waren in diesen Artikeln auch die häufigen Einbrüche in Osterfeld. Die Zeitung mahnt eine verbesserte Arbeit der Polizei dringend an. Dirk Hellmann Meisterbetrieb Friedrich Funke GmbH Gas-, Wasserund Sanitär-Anlagen Heizung und Klempnerei Fac hmännisc he Planung und Beratung Sie erreic hen uns: Elpenbac hstraße 48 46119 Oberhausen Tel.: (0208) 60 74 43 Internet: www.funke-gmbh.de funke-gmbh@arc or.de Kickenberg Der Tod gehört zum Leben – Bruder Hermann Frye msc verstorben Bruder Hermann Frye – von einigen Osterfeldern auch "himmlischer Brückenbauer" genannt – verstarb am 30. April 2015 nach längerer Krankheit im Herz-Jesu-Krankenhaus in Münster-Hiltrup. Liebe Leserin, lieber Leser, mit diesem etwas anderen Nachruf möchte ich Sie einladen, Ihr Tagesgeschehen zu unterbrechen. Ich möchte an eine Osterfelder Persönlichkeit erinnern, die sich immer wieder mit ihren Gesprächspartnern über die Endlichkeit des Lebens auseinandergesetzt hat. Die Rede ist von Bruder Hermann Frye. Er ist fast 25 Jahre in Oberhausen einem karitativen Dienst nachgegangen und hat in Osterfeld zuletzt in der Hospizarbeit gewirkt. Für seine Tätigkeit wurde ihm 1996 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen und am 5.12.2006 die Ehrennadel der Stadt Oberhausen. Zwei Ehrennadel-Träger treffen sich in Münster: Schwester Gertrud und Bruder Hermann. Der Klosterbruder aus Nottuln, geboren am 5. Juli 1935, wurde 1959 Novize bei den Herz-Jesu-Missionaren in Hiltrup bei Münster. Er legte 1961 sein Gelübde ab und war zunächst in der Klosterverwaltung tätig. Später wechselte er in den Krankenpflegedienst und machte 1974 sein Examen als Krankenpfleger. Zwischenzeitlich war er auch als Missionar in Papua Neuguinea und auf Malta tätig. Der leidenschaftliche Kolpingbruder der Kolpingsfamilie Klosterhardt war bekannt für seinen Humor. Markant waren immer seine Abschiedsworte nach einer Begegnung: "Ich schließe dich in mein Nachtgebet ein, sieh zu, wie du da wieder rauskommst!" Ausgabe 35 – Juni / 2015 Bruder Hermanns Engagement in Oberhausen begann 1976 im ElisabethKrankenhaus. 1978 baute er die erste Sozialstation der Stadt in Osterfeld auf und leitete sie bis 1996. In den folgenden Jahren richtete er mit einem Team von engagierten Caritas-Mitarbeitern unter Georg Bierwald das Ambulante Hospiz in Osterfeld ein. Im Jahre 1999 wurde er zurück ins Kloster nach Münster-Hiltrup beordert. Sein Herz blieb aber in Osterfeld, denn die Hospizarbeit war seine Herzenssache. Er liebte die Menschen des Reviers und bezeichnete sich selbst als "Kohlenpötter". So war es auch verständlich, dass er in Osterfeld bei seinem Kolpingbruder Günter Kock ein Zimmer hatte, in das er sich bei jedem Besuch in Osterfeld zurückziehen konnte. Osterfeld war eben sein Zuhause. Zu seinen Stärken gehörte der Dialog – auch mit Witz und Humor. Selbst als bei ihm im Jahre 1995 die Diagnose Darmkrebs festgestellt wurde, waren sein Durchhaltewille und sein Engagement ungebrochen. Er machte sich auf, ging den Jakobsweg nach Santiago de Compostela, um sich in aller Stille selbst zu erforschen. Nun möchte ich unsere Altbürgermeisterin Gretel Kühr – heute Vorstandsmitglied im Förderverein des Stationären Hospizes "St. Vinzenz Pallotti" e.V. – als Zeitzeugin bemühen. Sie war es, bei der sich Bruder Hermann oft Rat und Hilfe holte – auch im Rathaus. Bruder Hermann war es, der Zeit seines Wirkens in Osterfeld immer von einem Gedanken beseelt war: "Man muss lernen, nicht nur mit dem eigenen Tod, sondern auch mit dem Tod der anderen zu leben und richtiges Altern und Sterben lernen und weitergeben!" So wurde Bruder Hermann für viele Osterfelder in mancherlei Notsituation zum Hoffnungsträger. Man sprach vom 15. Nothelfer! Über ihn wurde vielen Menschen – insbesondere auch jungen Menschen in der Ausbildung – erst bewusst, was es heißt, sich in Pflegediensten zu engagieren. Er ist damit zum Inbegriff der "gelebten Solidarität" geworden. Mit ihm wurde aus der Mitte der heutigen Pfarrei St. Pankratius die Hospizbewegung für Osterfeld geboren. Nach der Gründung des Ambulanten Hospizvereins 1997 wurde am 3. April 2004 das Stationäre Hospiz "St. VinzenzPallotti" in den Räumen des aufgelösten Pallottiner-Klosters eingeweiht. Eine "göttliche" Lösung, über die er sich sehr freute. Der Fahrradclub "Rostige Schelle" überreicht Bruder Hermann eine Spende für die Caritas. -12- Gretel Kühr: "Bruder Hermanns Tod macht mich traurig. Ich hatte ihn sehr gemocht und hatte großen Respekt vor seinem Dienst an den kranken und sterbenden Menschen. Ihm gelang der Balanceakt zwischen dem Ernst des Leidens und Sterbens und humoriger, bodenständiger Lebensfreude. Stets hatte er einen Witz oder einen lustigen Spruch parat, der die Menschen, die das Vergnügen hatten, ihm zu begegnen, lächeln ließ. Er war offen, vorurteilslos und nahm die Menschen so, wie sie waren, mit großer Empathie, teilte ihre Ängste und Sorgen, spendete Trost und Beistand – geerdet im festen katholischen Glauben, den er aber nicht wie eine Trophäe vor sich her trug. Er war ein äußerst bescheidener, herzensguter Mensch. Ich bin dankbar und froh, dass ich ihm freundschaftlich verbunden sein durfte, und werde ihn als Wegbegleiter sehr vermissen. Der liebe Gott wird Bruder Hermann sicherlich im Himmel vergelten, was dieser Gutes auf Erden geleistet hat!" Bruder Hermann hat die ihm anvertrauten Talente zum Wohle der Osterfelder eingesetzt. Auch ich nehme in Dankbarkeit Abschied. Walter Paßgang Kickenberg Kunst und Künstler in Osterfeld Hans-Peter Auler stellte im KiR aus Am Sonntag, dem 8. Februar, fand im KiR die Vernissage zur Ausstellung der Werke von Hans-Peter Auler unter dem Thema "… bis hierher, Werke von 1965 – heute" statt. (Die Ausstellung war bis zum 5. April 2015 zu sehen.) Der Kickenberg stellte den Künstler in seiner Ausgabe Nr. 31 vom Juni 2014 bereits vor. Winfried Baar hielt die Laudatio zur Ausstellungseröffnung. Turnerin und Trainer Brigitte und Hans-Peter Auler Blauer Schmetterling Winfried Baar Ich will im Folgenden seine Ausführungen wiedergeben: Drei wichtige Themenbereiche beherrschen das künstlerische Schaffen Aulers: Der erste betrifft den Menschen. Seine Darstellungen sind sowohl vom Naturalismus als auch vom Impressionismus inspiriert. In ihren überlängten Proportionen erinnern sie aber auch an die Skulptur der Gotik, die besonders an der Kathedrale von Reims zum Ausdruck kommt. Seine letzte Arbeit zum Thema Mensch stand im Schaufenster von KiR. Sie hat das Thema: "Turnerin und Trainer". Der zweite Themenbereich befasst sich mit Pflanzen und Tieren. Hier sehen wir eine völlig eigenständige Auffassung Aulers. In graphisch-konstruktiven Holzarbeiten werden Tiere und Pflanzen auf geometrische Formen reduziert und mit leuchtenden Farben koloriert. Ausgabe 35 – Juni / 2015 Ein drittes Thema ist das All, der Kosmos. Der Künstler stellt Werke aus diesem Bereich als Plastiken und Malerei her. Ein Beispiel ist die immer noch eingelagerte große Spirale am ehemaligen Bunker an der Bottroper Straße. Neben der Spirale gehören auch das Sonnenrad und die Gemälde Herbstsonne und Wintersonne zu diesem Themenbereich. Ryszard Tuszewski unterhielt die Gäste. Spirale - 14 - Text und Bilder Heinrich J. Bahne Kickenberg Natur in Osterfeld (Teil 5: Straßenbäume) Die Japanische Blütenkirsche Angeregt durch das Titelbild der letzten KICKENBERG-Ausgabe will ich mich heute mit der Japanischen Blütenkirsche befassen. Das Titelbild zeigte Prunus sargentii, die Sargents-Kirsche, eine mittelfrüh blühende Art. Der Baum ist breiter als hoch. Ein besonders schönes Exemplar steht an der Ecke Kapellen- und Mergelstraße. So entstanden etwa 60 verschiedene Gartenformen, u.a. die Form "Kanzan". Sie ist die am meisten angepflanzte Sorte und steht an vielen Stellen in Osterfeld. Junge Blätter von "Kanzan" Frühlingsaspekt auf dem Friedhof an der Bottroper Straße Die essbaren Steinfrüchte sind kugelig bis eiförmig und weisen einen Durchmesser von 8 bis 10 mm auf. Die Früchte reifen etwa von Mai bis Juli und färben sich dann purpurfarben-schwarz. Die Sargents-Kirsche Die Blüten erscheinen vor den Blättern und sind einfach und hellrot. Winteraspekt daselbst Der Wuchs diese Baumes ist steif aufrecht, die Krone ist fast umgekehrt kegelförmig. "Kanzan" ist raschwüchsig, wird bis 12 m hoch und 5 bis 8 m breit. Die Rinde ist rotbraun, später braungrau und rissig. Parkplatz an der Fahnhorststraße mit "Kanzan" Die Blüten der Sargents-Kirsche Viel auffälliger aber ist eine andere Art, nämlich Prunus serrulata "Kanzan", die Japanische Blütenkirsche. Sie blüht mittelspät und hat purpurrosa Blüten. Diese sind gefüllt und stehen in dichten Büscheln. Ein weiteres Bild des Parkplatzes Eine Besonderheit stellt ein Baum (oder sind es zwei Bäume?) an der Hochstraße dar. Die Blüten der Japanischen Blütenkirsche "Kanzan" Die Rinde von "Kanzan" Ein Baum an der Hochstraße Die echte Art dieser Kirsche ist wahrscheinlich ein chinesischer Baum mit einfachen Blüten, der sehr früh nach Japan kam. Er wurde dort in Kultur genommen. Der Austrieb ist kupferbraun. Die ausgewachsenen Blätter sind etwas gerötet und unterhalb etwas blaugrün. Sie sind wechselständig angeordnet, spitz-elyptisch und 8 bis 10 cm lang. Hier sieht man eine blühende Japanische Blütenkirsche und eine blühende Süßkirsche eng verbunden. - 15 - Text und Bilder Heinrich J. Bahne Ausgabe 35 – Juni / 2015 Kickenberg MGV "Eintracht 1875" feiert runden Geburtstag Osterfelder Traditionschor wird 140 Jahre jung Der MGV "Eintracht 1875" OberhausenOsterfeld feiert sein 140-jähriges Bestehen. Im KICKENBERG Nr. 13, Dezember 2009, wurde die Vereinsgeschichte des Chores ausführlich dargestellt. Deshalb wird an dieser Stelle nun auf die darauffolgenden Jahre eingegangen. Die vollständige Chronik wird in einer Festschrift im Sommer dieses Jahres erscheinen, die dann bei den Sängern des Chores erhältlich ist. Seit einigen Jahren kooperieren die Sänger der Osterfelder Eintracht mit dem Sängerbund GHH. Auf diese Art und Weise können die beiden Nachbarchöre die Schwachstellen in den Stimmen, die durch den ausbleibenden Nachwuchs entstanden sind, ausgleichen. Zu einem der ersten gemeinsamen Auftritte gehörte das Benefizkonzert am 13. September 2009 auf der Burg Vondern, dessen Erlös dem Hospiz Vinzenz Pallotti gespendet wurde. Auch die Sängerinnen der Osterfelder "HobbySingers" traten mit an, um für diesen guten Zweck das Ergebnis zu verbessern. In der Vorburg-Remise waren Freunde angetreten, die unentgeltlich Getränke und Speisen anboten, sehr zum Gefallen der zahlreich erschienenen Gäste. Als besonderes Ereignis galt die Teilnahme an der Feier des 50. Geburtstages unseres Chorleiters Klauspeter Rechenbach am 28. Mai 2010. Alle drei von ihm geleiteten Chöre (der MGV 1921 Mülheim-Heißen, der MGV Cäcilia Alstaden sowie der MGV "Eintracht" Oberhausen-Osterfeld) nahmen daran teil und trugen zu einem unvergesslichen Konzert bei. Vorsitzende fallen nicht vom Himmel. Fritz Appenzeller, der sich als stellvertretender Vorsitzender bereits über 29 Jahre viele Verdienste erworben hatte, übernahm im März 2011 den Vorsitz der Eintracht. Zu seinen engsten Mitarbeitern im Vorstand gehört Schriftführer Josef Müller, der sein Amt im Chor schon 54 Jahre innehat. Am 6. April 2013 verstarb unser langjähriges Mitglied Theo Croonenberg. Viele Jahre war er neben den Chorleitern unverzichtbar als Sänger, Vizechorleiter, Komponist, Instrumentalist (Cello), Humorist, und vor allem als ein lieber Mensch und Sangesbruder. Die Eintracht hat ihm viel zu verdanken. Die Erinnerung an ihn wird bei allen, die ihn kann- Der MGV "Eintracht 1875" Oberhausen-Osterfeld im Jubiläumsjahr 2015 Am 22. Dez. 2013 konnte der Chor ein Weihnachtskonzert der besonderen Art veranstalten. Die Mezzosopranistin Julia Schulz, aus München, eine Großnichte des Eintrachtsängers Franz Löw, war als Ensemblemitglied der Staatsoper in Bukarest ein besonderer Gast in der Kirche St. Antonius Klosterhardt. Es wurde ein riesiger Erfolg für den Chor und die bestens disponierte Sängerin, die vom Publikum geradezu gefeiert wurde. Großes Jubiläumskonzert 140 Jahre sind für alle, die in dieser Zeit für den Chor ehrenamtlich gearbeitet, gesungen, dirigiert, sich gesorgt oder auch manchmal gebangt haben, wie im Fluge vergangen. Der Männergesangverein Eintracht aus dem Gründungsjahr 1875 hat wechselvolle Zeiten erlebt. Er hat den Menschen, die Entspannung suchten, ob aktiv oder als Zuhörer, tausende von schönen Stunden beschert. Klänge der Freude, Sonntag, Klinge mein Herz, Ernani, Studentenchor, My Way, Landerkennung, La Mer, Cabaret, Memory aus Cats, Ich hätt’ getanzt heut Nacht aus My fair Lady sowie Hello Dolly. Den Abschluss des Jubiläumsjahres bildet das Weihnachtskonzert am Sonntag, 13. Dezember 2015 um 17 Uhr in der St. Pankratiuskirche. Immer mehr Vereine kämpfen mit Nachwuchsproblemen, so auch die Männerchöre. Dabei ist es doch von großem Wert, wenn man ohne die Fähigkeit ein Instrument spielen zu können, mit der eigenen Stimme in der Chorgemeinschaft ein Erlebnis des Musizierens erfahren und als Ausgleich für den Stress des Alltags "die Seele baumeln lassen" kann. Wie lange dieses großartige Hobby Spaß machen kann, sieht man an den vielen Sängern, die sich ein Leben lang aktiv dem Chorgesang widmen. Erfreulich ist, dass in der letzten Zeit die rückläufige Tendenz durch einige Zugänge im Chor leicht gebremst werden konnte. Wenn Sie auf der Suche nach einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung vor der Wahl stehen, dann geben Sie dem Männergesangverein "Eintracht 1875" Oberhausen-Osterfeld "Ihre Stimme". Kontaktmöglichkeiten sind: Der Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten wird das große Festkonzert am Sonntag, dem 30. August 2015, um 17 Uhr im Waldhofsaal des Revierparks Vonderort sein. Unter der Gesamtleitung von Chordirektor FDB Klauspeter Rechenbach und unter Mitwirkung des Salonorchesters Münster wird die Eintracht, unterstützt von Sängern des GHH-Chores, u.a. folgende Werke vortragen: - 17 - Fritz Appenzeller, Stefan-George-Str. 12a, 46117 Oberhausen Tel. 89 11 62 E-Mail: [email protected] Internet: www.eintracht-osterfeld.de Sie können natürlich auch freitags um 20 Uhr zum "Hineinschnüffeln" in das Eisenheimer Probenlokal "Haus Koopmann" an der Kniestraße 27 kommen. Engelbert Schäfer Ausgabe 35 – Juni / 2015 Kickenberg Es war einmal: Der Fuhrleute- und Kutscherverein "Fahr wohl Osterfeld" Wenn Benzinkutscher unserer Tage sich über die Pferdefuhrleute aus der guten, alten Rossäpfelzeit unterhalten, dann kommt meist nicht viel dabei heraus. Anders war es zum Beispiel im Jahre 1902, als Heinrich Lohr den Fuhrleuteund Kutscherverein "Fahr wohl Osterfeld" aus der Taufe hob. Den Vorsitz übernahm der Mitgründer Sicking und er wurde besonders von den Kollegen Schier, Verhagh, Real, Vogelpoth und Borges unterstützt. Der Verein tagte in den Wirtshäusern Paul & Toni Reuschenbach in Eisenheim, Lüger auf Rothebusch sowie bei Borghoff. Zu den Kutschern und Fuhrleuten mit ihren oftmals klobigen, einachsigen Holzkarren und eisenbeschlagenen Rädern gehörten Spediteure, Kohlenhändler, Milchhändler, Brotkutscher, Sandgrubenbesitzer und der "Klüngelspitt". Die Firma Futtermittel Hesse an der Rothebuschstraße 115 Natürlich hinterließen die Osterfelder in ihren Vereinsanzügen und dem großen Banner einen hervorragenden Eindruck. "Fahr wohl Osterfeld hat schon wat auf sich gehabt" sinnierte ein glücklicher Paul Reuschenbach. Der Verein, der in seiner Blütezeit 70 - 80 Mitglieder verzeichnen konnte, löste sich zu Kriegsbeginn im Jahre 1939 auf. Aber auch bei der Überschwemmung der damaligen Waghalsbrücke gab es für die Fabrikarbeiter und Geschäftsangestellten nur die Möglichkeit, vor und nach ihrer Schicht mit Pferd und Wagen über die Brücke transportiert zu werden. Haltestellen und Tränken für die Pferde waren beispielsweise bei Leo Buschmann auf der Bottroper-, Reuschenbach auf der Sterkrader-, Surmann auf der Bottroper Straße, Weppelmann auf der Berg- und Großeschmidt auf der Rothebuschstraße. Manche Osterfelder erinnerten sich noch lange daran, dass die Kutscher nicht nur ihre Pferde tränkten, sondern die Gelegenheit auch zum eigenen Wohle nutzten. Und wenn manche Pferde mit ihren Holzkarren des Wartens müde waren, fanden sie auch alleine den Weg in den heimatlichen Stall. Die Fuhrleute in Osterfeld hatten gerade erst eine Vereinsfahne angeschafft, als diese in den Wirren nach dem Ersten Weltkrieg verloren ging. Zum Glück fand sich ein großzügiger Sponsor, der ihnen die Summe von 700 Mark auf den Tisch blätterte. Von diesem Geld wurde um 1920 eine neue Vereinsfahne gekauft. Ausgabe 35 – Juni / 2015 Die Kutschenbaufirma an der Michelstraße Die Rückseite der Fahne wurde mit dem Vereinsspruch "Des Fuhrmanns Zier ist Pferd und Geschirr" bestickt. "Prost Fuhrmannszeit" rief Gastwirt Paul Reuschenbach sen. den Mitgliedern zu, wenn er von eigenen oder auswärtigen Treffen erzählte. Eine Einladung aus Düsseldorf an den Verein im Jahre 1925, am dortigen großen Umzug teilzunehmen, freute ihn besonders. Die Brotfabrik Keuschen 1916 an der Kasernenstraße 4, der heutigen Fuldastraße - 18 - Nach dem Krieg erinnerten sich die Stammtischbrüder der Gaststätte Reuschenbach wieder an die großartige Vereinsfahne der Fuhrmänner. Sie lag tatsächlich auf dem Heuboden des alten Pferdestalls beim ehemaligen Fähnrich Borges auf der Siepenstraße, dem letzten Fahnenträger des Vereins. Nach Reparatur und gründlicher Renovierung, zierte sie den Gastraum von Paul Reuschenbach, der im Jahre 1957 verstarb. Bis zum Abriss der Gaststätte an der Sterkrader Straße im Jahre 1966 konnten sich noch alle Pferdefreunde und Fuhrmänner an längst verflossene Zeiten erinnern. Und so mancher Benzinkutscher zog vor dieser erinnerungsreichen Fahne und denen, die einmal dahinterstanden, den Hut. Günter Lohmar Kickenberg Traditionsgeschäfte in Osterfeld Blumen Welling In Osterfeld verschwindet so manches alteingesessene Geschäft. Daher halte ich es für wichtig, die verbliebenen Firmen und ihre Geschichte für die Nachwelt festzuhalten. Diesmal soll die Firma Blumen Welling vorgestellt werden. Wie begann die Geschichte der Firma? 1908 gründete Theodor Welling den Betrieb. Er war Niederländer und kam aus Doentrichen. Er heiratete Christine Bott aus Osterfeld. Sie wohnten zusammen mit der Familie Alders im alten Haus Gehrbergstraße 10. Dieses Haus wurde erst 1987 abgerissen. Hinter dem Haus befand sich die Stadtgärtnerei der Stadt Osterfeld. 1988 fand die Eröffnung des Verkaufsgewächshauses statt. Eine Anzeige aus dem Jahre 1975 Der Verkaufsraum innen Am 1. Januar 1979 übernahm Werner Welling, der Enkel des Firmengründers, den Betrieb. Er hatte mit 16 Jahren am 1. August 1968 eine zweijährige Lehre begonnen und erfolgreich abgeschlossen. 1974 machte er in Heidelberg seine Meisterprüfung und war gerüstet, am 1. Januar 1979 das Geschäft zu übernehmen. 1982 folgte dann die Gründung der Blumen Welling GmbH. Es folgte 1990/1991 der Anbau einer offenen Überdachung. Die Ausstellungsflächen außen 1993 wurde das alte Ladenlokal abgebrochen und es begannen die Bauarbeiten für die Erweiterung. Auch wurde die Gehrbergstraße ausgebaut, und auf dem ehemaligen Gärtnergelände wurden Einstellplätze eingerichtet. Werner Welling Im Jahre 1984 erwarb die Firma ein Grundstück an der Teutstraße und erbaute eine Filiale, die nicht mehr besteht. Das Gelände beherbergt nun einen Steinmetzbetrieb. Mitte der 1930er Jahre übernahm der Sohn Willi (1914 – 1999) den Betrieb und den Friedhof an der Gehrbergstraße, dessen Eingang ursprünglich an der Bottroper Straße lag. Sein Bruder Theo bekam die Verwaltung des Friedhofs an der Wittekindstraße, oftmals auch Friedhof am Schlammkanal genannt, dessen Eingang heute an der Teutstraße liegt. Nach wie vor aber existierte die Firma unter dem Namen Theodor Welling. Der Kundenparkplatz Im November 1987 begannen die Bauarbeiten für den neuen Betrieb. 1997 und 2003 erfolgten weitere Ausbauten. Im letzten Jahr entstanden ein neues Kühlhaus und eine Toilettenanlage für behinderte und nichtbehinderte Kunden. So umfaßt die heutige Gesamtfläche ca. 5 000 m² und die überbaute Verkaufsfläche ca. 850 m². Das unterkellerte Erdgeschoß mit seinen Büro-, Sozialund Arbeitsräumen hat die Fläche von ca. 750 m². Text und Bilder Heinrich J. Bahne Eine Anzeige aus dem Jahre 1950 - 19 - Ausgabe 35 – Juni / 2015 Kickenberg Mit dem Fotografen Carsten Walden unterwegs Ob Reportagen, Interviews, Berichte in Zeitungen oder Zeitschriften – das richtige Bild dazu rundet jeden Artikel ab, verschafft dem Leser einen anschaulichen Eindruck des Geschehens und hält Erinnerungen fest. Auch die KICKENBERGRedaktion bemüht sich, ihre Artikel mit Fotos aus ihrer Schatzkiste zu beleben und ist erfreut, hin und wieder mit Bildern aus der Leserschaft oder von Pressefotografen unterstützt zu werden. Während wir im KICKENBERG Nr. 27 über den Osterfelder Fotoprofi Tom Thöne berichteten, möchten wir heute den Fotokünstler Carsten Walden vorstellen. Der 1968 an der Stadtgrenze Osterfeld/Sterkrade geborene und auch heute noch dort wohnende Carsten Walden besuchte die Hauptschule Eisenheim, arbeitete als Schlosser auf der Zeche Osterfeld und später bei Thyssen-Krupp. Schon bald entdeckte er seine Leidenschaft, die Vielseitigkeit der Fotografie. Am Anfang mit einer kleinen Digitalkamera ausgestattet, lichtete er unter anderem seine Familie, Freunde oder die Natur ab. Was mit Spaß und Ausprobieren begann, konnte er durch großen Ehrgeiz vom einstigen Hobby bis zum sogenannten Quereinsteiger als professioneller Fotograf umsetzen. Bekannt sind auch seine spektakulären Luftaufnahmen. Mit Frank Götzel, einem erfahrenen Modellflieger, hat sich Carsten auf Fotoaufnahmen spezialisiert, die mit Hilfe eines Quadrocopters aus bis zu 100 Metern Höhe entstehen. Der Quadrocopter ist eine hochmoderne, emissionsfreie Flugdrohne, die von vier Elektromotoren angetrieben wird. Am Boden steuert "Pilot" Frank die Drohne, während Carsten über ein Lifebild am Monitor über eine separate Steuerung den Auslöser betätigt. Die Bilder werden bei schönem Wetter mit wenig Wind aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen und sind unter www.campopix.de zu sehen. Der Quadrocopter im Einsatz Carsten Walden erkannte schon früh, dass das beste Teleobjektiv nur in Verbindung mit den eigenen Füßen Wirkung erzielt. Daher wollte er nicht nur nah am Ort des Geschehens, sondern direkt dabei sein. Auch durch das Kennenlernen der KICKENBERG-Zeitschrift entdeckte er seine Sympathie zur Oberhausener Heimatkunde. Fotografie ist für ihn Kunst und Wissensvermittlung zugleich. Carsten hat als Pressefotograf eine langjährige Erfahrung und inzwischen einen renommierten Kundenkreis. Dazu zählen das vierteljährlich an alle Haushalte verteilte Stadtmagazin "Oh!", die Touristik & Marketing Oberhausen GmbH, die Gasometer GmbH, die WAZ, der Landschaftsverband Rheinland, die Werbeagentur Contact und die Emschergenossenschaft mit ihren Publikationen. Auch die Lotto-Gesellschaft "West-Lotto" druckte eines seiner ersten Bilder des - 21 - Gasometers Oberhausen auf das 1-EuroRubbellos und warb damit für die Ruhr 2010-Kulturhauptstadt Europas. Stolz ist Carsten auch auf sein Foto als Cover des Jahrbuches Oberhausen 2015 mit dem Heißluftballon und dem beleuchteten Gasometer im Hintergrund. "Solche Fotos entstehen bei Einbruch der Dunkelheit, wenn der Himmel noch nicht schwarz, sondern Dunkelblau ist", berichtet er. Gelegentlich präsentiert er seine schönsten, großformatigen Aufnahmen im Bert-Brecht-Haus sowie im Technischen Rathaus in Sterkrade. Sie sind für ihn Werbung und seine Visitenkarten. Sein letztes großes Werk war der mit der "Oh"-Redaktion herausgegebene 3. Foto-Jahreskalender mit dem Titel "Schön ist Oberhausen 2015", mit zwölf, man kann schon sagen, Liebeserklärungen an seine Heimatstadt. Ein umfangreicher Einblick seines Schaffens ist auf der Homepage www.fotografie-walden.de zu finden. Günter Lohmar Ausgabe 35 – Juni / 2015 Kickenberg Güterzugstrecke an der Koppenburgstraße stillgelegt? Wer früher mit dem Auto aus Oberhausen oder Bottrop über die Bottroper Straße in die Koppenburgstraße einbog, erlebte manchmal in der Nähe des Mühlenbachs eine Überraschung. Am unbeschrankten Bahnübergang überquerte ein bis zweimal am Tag ein Güterzug auf der Gleisstrecke von Duisburg nach Gladbeck diese Straße. Ein Zugbegleiter musste jeweils an dieser Stelle aussteigen und mit einer roten Fahne winken, um den Autoverkehr anzuhalten. Die seit dem Vorjahr nicht mehr benutzte Güterzugstrecke führte über Osterfeld zur Firma Pelkington (früher Flachglas AG) in Gladbeck, um den zur Glasgewinnung benötigten Quarzsand zu transportieren. Das Gleis führte beginnend in Höhe des Gasometers über den OLGA-Park und nördlich des Osterfelder Zentrums, über die Koppenburgstraße, am Revierpark Vonderort vorbei, durch den Bottroper Stadtgarten nach Bottrop-Eigen. Es endete an der Hegestraße in Gladbeck. Die deutsche Bahn Netz AG hatte als Eigentümer die Gleisstrecke an das Streckennetz der DB angebunden. Ihr Sprecher sagte dazu: "Mittlerweile wird die Gladbecker Firma allerdings mit LKW beliefert, so dass es derzeit auf dem Gleis keinen Zugverkehr mehr gibt. Was mit dem Gleis künftig passiert, ob es wieder genutzt oder zurückgebaut wird, ist noch offen". Über Ideen, was mit der verwilderten Trasse in Osterfeld geschehen könnte, diskutierte die Bezirksvertretung unseres Stadtteils schon im letzten Jahr. Das Bündnis Oberhausener Bürger (BOB) stellte den Antrag, die Strecke in das bestehende Radwegenetz einzubinden. Walter Passgang erinnerte daran, dass die OLGA-Besucher 1999 die auf dieser Strecke angebotenen Fahrten mit einem historischen Zug gerne genutzt haben. Die Idee des Osterfelder Bürgerrings, die Gleise anschließend für Draisinenfahrten zu nutzen, lehnte die Bahn damals ab. Die Verwaltung der Stadt Oberhausen wurde beauftragt, eine Machbarkeitsstudie einschließlich Kostenvoranschlag für einen Radweg zu erarbeiten. Zur Finanzierung des Projektes stehen auf Antrag Fördermittel der EU zur Verfügung. Günter Lohmar Im Jahre 1975 zeigte sich der Bahnübergang an der Koppenburgstraße noch mit Schranke. Gedenktafel erinnert an Kriegsgefangenenlager . Am Morgen des 30. März 1945 – also vor genau 70 Jahren – besetzten amerikanische Truppen kampflos Osterfeld. Schon beim Vorrücken befreiten sie die Männer und Frauen in den Kriegsgefangenen- und Zivilarbeiterlagern, die es z. B. in unmittelbarer Nähe der GHHZechen Osterfeld und Jacobi und in Eisenheim (Forsterbruch) gab. Vor den Toren der Zeche Osterfeld lag von 1942 bis 1945 auf dem heute bebauten Gelände zwischen der Vestischen Straße, der Rübekampstraße und dem Gleiskörper der Hüttenbahn ein Lager für sowjetische Kriegsgefangene. Der 70. Jahrestag veranlaßte den Osterfelder Lokalpolitiker Hermann-Josef Schepers, auf dieses fast vergessene Lager aufmerksam zu machen. Es gelang ihm, Frau Dr. Gudrun Havermann von seiner Idee zu überzeugen. Die Pädagogin, die an der Gesamtschule Osterfeld in der Oberstufe Geschichte unterrichtet, begeisterte anschließend die Schüler des 12. Jahrgangs für dieses Projekt. In den folgenden Monaten sammelten die Jugendlichen in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der Gedenkhalle nicht nur Ausgabe 35 – Juni / 2015 im Stadtarchiv sondern auch in Gesprächen mit Zeitzeugen Informationen über das Lager. Während der Recherchen reifte der Entschluß, an der Unterführung in Nähe der Malzstraße eine Gedenkstätte zu errichten, die auch in Zukunft von Schülern der Gesamtschule gepflegt werden soll. Zahl der in der Grube beschäftigten Kriegsgefangenen von 400 im August 1942 auf 2 300 am Jahresende 1944. Am 30. November 1944 flog die britische Luftwaffe einen Großangriff auf Osterfeld, bei dem das Lager größtenteils zerstört wurde. 178 Gefangene starben. Sie fanden auf dem Liricher Friedhof ihre letzte Ruhestätte. An das Kriegsgefangenenlager der Zeche Osterfeld erinnert seit dem 26. März 2015 eine Gedenktafel, die die Projektgruppe gestaltet hat. Die Herstellungskosten übernahm die Sparkassen-Bürger-Stiftung. Die Projektgruppe der Gesamtschule Osterfeld hat die Ergebnisse ihrer Recherchen in einem Rollenspiel verarbeitet. Die im Lager lebenden sowjetischen Kriegsgefangenen waren hauptsächlich im Untertagebetrieb der Zeche Osterfeld eingesetzt, weil ab Mitte 1942 immer öfter auch junge, leistungsfähige Bergleute zum Dienst mit der Waffe eingezogen wurden. Als Folge davon stieg die - 22 - Fritz Pamp Kickenberg ᵼ Heute fast vergessen: Als Steinkohle Mangelware und heiß begehrt war Maßnahmen zur Steigerung der Produktion und die Reaktionen der "Normalverbraucher" Die britische North German Coal Control ( NGCC ), die im Dezember 1945 im Ruhrgebiet alle Zechen übernommen hatte, erkannte sehr schnell, daß der Steinkohlenbergbau nur dann in der Lage war, mehr zu produzieren, wenn es gelang, die Belegschaften zu vergrößern und bevorzugt mit Lebensmitteln, Kleidung und Wohnraum zu versorgen. Die Engländer warben mit der Frage: "Kannst Du bei Deiner jetzigen Tätigkeit sagen, daß Deutschlands Wiederherstellung von Dir abhängt? Wenn Du Bergmann wärst, könntest Du es sagen". Außerdem suchten sie in den Gefangenenlagern nach Bergleuten und Freiwilligen, die sich zur Untertagearbeit verpflichten mußten. Als Lohn winkte die sofortige Entlassung aus der Gefangenschaft. Aber nur ganz wenige wollten wirklich freiwillig "an die Kohle", weil sie nicht einmal sicher sein konnten, nach der Schicht ein warmes Essen zu bekommen. Deshalb erhöhten die Briten Ende 1946 die Bergarbeiterrationen auf 4000 Kalorien und gleichzeitig die Löhne um 20%. Außerdem ließen sie auf den Zechen Küchen einrichten, die die Belegschaft mit Suppen und Butterbroten versorgten. Durch diese Maßnahmen stieg die Belegschaftszahl unter Tage zwar wieder auf 183 000, sie reichten aber offensichtlich immer noch nicht aus, die fehlenden Bergleute anzuwerben und wie erforderlich zu ernähren. Viele Neubergleute, die aus allen möglichen Berufen stammten, kehrten schon nach wenigen Monaten wieder ab, weil sie der Schwerstarbeit in der Grube nicht gewachsen waren oder weil sie nicht erneut in Lagern leben wollten. Die Bergwerksgesellschaften hatten nämlich wegen der allgemeinen Wohnungsnot die Baracken in den ehemaligen Fremdarbeiterlagern so gut es ging renoviert, um ihre neuen Belegschaftsmitglieder überhaupt unterbringen zu können. Als weiteren Anreiz zur Leistungssteigerung führte die NGCC im Februar 1947 das Bergmann-Punkte-System ein. Ein Gedingearbeiter erhielt abhängig von seinem Verdienst monatlich maximal 150 Punkte, für die er Speck, Kaffee, Zucker, Schnaps, Zigaretten, Bekleidung und Schuhe erwerben konnte, Waren, von denen der Normalverbraucher nicht einmal zu träumen wagte. Diese Aktion lief bis zur Währungsreform 1948. Zwischen Juli 1947 und März 1948 bezogen die Kohlenhauer zusätzlich drei Care-Pakete , die Nahrungsmittel mit Ausgabe 35 – Juni / 2015 einem Nährwert von 40 000 Kalorien enthielten. Schichtlöhner unter Tage bekamen nur Teilmengen, die Übertagebelegschaft war ausgeschlossen. Außerdem stiegen am 1. Juni 1948 die Löhne und Gehälter für die Bergbaubeschäftigten um 15%. Die ebenfalls im Jahre 1948 eingeführten IK-Marken (Importwaren-Kaufmarken), für die es in bestimmten Geschäften Importwaren wie Speck, Dosenmilch, Erdnüsse und Pfeffer zu Vorkriegspreisen gab, beteiligten den Bergmann direkt an den Devisenerlösen, die durch seine Mehrleistung erwirtschaftet wurden. Auf diese Weise gelang es schließlich, genügend Männer anzuwerben, um die größten Lücken in den Belegschaften zu schließen, sowie die Leistung und die Kohleproduktion – wenn auch mit Überund Sonntagsschichten – im gewünschten Maße zu steigern. 1948 förderten die 247 000 Bergleute im Ruhrgebiet 81 Millionen Tonnen Kohle. Wie viele andere kam auch der spätere Elektrosteiger und Haus-Poet auf der Zeche Jacobi, Hein Sollmann, wegen der besseren Versorgung 1948 zum Bergbau. Er begründete diesen Entschluß später so: Ich hörte, daß der Bergmannsstand sehr nahrhaft ist in unserem Land. Die haben Holz, die haben Kohlen, ja sogar Schuh' mit Ledersohlen! Die haben gutes Öl aus Raps und kriegen jeden Monat Schnaps. Selbst neben den drei Care-Paketen rollen fleißig die Moneten. Belegte Stullen gibt es auch und Bergmannspunkte sind hier Brauch. Drum geb' ich bald zur eigenen Ehr' für'n Butterbrot mein Bestes her! Wen wundert es, daß sich nicht alle Menschen mit der aus ihrer Sicht ungerechtfertigten Bevorzugung der Bergleute abfanden. Am 9. Januar 1948 streikten zum Beispiel in Essen 16 500 Industriearbeiter eine Woche lang. Sie protestierten gegen die Privilegien der Bergleute und forderten eine bessere Lebensmittelversorgung für die gesamte Bevölkerung. Die Militärregierung versprach neben einer gerechten Verteilung der Nahrungsmittel auch zusätzliche Lieferungen. Gleichzeitig machten immer häufiger Zeitungen außerhalb des Ruhrgebietes gegen die Sonderzuteilungen Front. Die Gewerkschaftszeitung Die Bergbau-Industrie nahm deshalb in ihrer Ausgabe vom - 24 - 15. Mai 1948 zu einigen Vorwürfen Stellung: … "Es ist vielfach der Neid, der manchem Journalisten die Feder führt. CarePakete, Punktsystem, Dollarwaren – nein was diesen Bergleuten alles zugeschanzt wird! Und dabei <war der Bergarbeiter immer der ärmste Teufel im Kohlenpott, weil er weniger gelernt hatte als ein Facharbeiter oder ein Handwerker. Heute ist er ein 'feiner Maxe’ und der Herr Regierungsrat ist gegen ihn ein bemitleidenswerter Zeitgenosse.> So steht es wörtlich unter der Überschrift "Halbgott Bergmann" in der Nr. 21 des "Münchner Merkur". Vielleicht genügt es aber, wenn wir folgendes feststellen: Nicht jeder, der sich einen Stehkragen umbindet und gleichzeitig in der Lage ist, einige Sätze in lesbarem Deutsch zu schreiben, ist schon ein Journalist. Wer aber der Meinung ist, daß der Bergbau mit ungelernten Kräften betrieben werden kann – die unberechtigte Vorteile genießen – der soll von der Möglichkeit der Aufnahme der Bergarbeit Gebrauch machen. Die Zechentore stehen heute noch für jeden arbeitswilligen und arbeitsfähigen Mann offen. Er wird dann sehr bald die Erfahrung machen, daß er nach verfahrener Schicht trotz höherer Kalorienzahl mindestens genau so schlecht abschneidet wie der Normalverbraucher. Er wird weiter spüren, daß die Ausführung verantwortlicher Hauerarbeit eine strengere Lehrzeit voraussetzt als die Inangriffnahme von Schreibtischarbeit. Die mannigfachen Gefahren, die den Bergmann unter Tage bei seiner Arbeit bedrohen, und die vielfach schwierigen Bedingungen, mit denen er zu kämpfen hat, bedingen eine große geistige und körperliche Gewandtheit." … Mit der Währungsreform lösten sich die zuletzt geschilderten Probleme von selbst. Die Deutsche Mark brachte am 20. Juni 1948 die große Wende. Essen war nicht mehr das Thema Nummer eins. Die Lebensmittelbeschaffung klappte plötzlich reibungslos, und auch bei sonstigen Waren traten kaum noch Engpässe auf. Für Geld konnte man fast alles bekommen. Zu den wenigen Ausnahmen zählte die Steinkohle, die auch in den folgenden Jahren trotz stetig steigender Produktion nicht in den gewünschten Mengen zur Verfügung stand. Sie wurde den Verbrauchern zugeteilt. Fritz Pamp Kickenberg Ein Vulkanausbruch lässt Osterfelder hungern Als Caspar David Friedrich 1816/1817 seine Bilder malte, z.B. Neubrandenburg und Ansicht eines Hafens, ahnte er nicht, dass für die spektakulären Himmelsfarben jenes Sommers ein Vulkanausbruch auf der anderen Seite der Welt verantwortlich war. Auch andere Maler der Romantik wie William Turner oder Karl Schinkel, ergötzten sich am theatralischen Dämmerungslicht. Die biedermeierlichen Sonnenuntergänge in Europa waren von nie dagewesener Pracht. etwa die Menge von 150 Kubikkilometer Gestein, Gas, Wasserdampf und Rauch aus. Das ungeheure Getöse wurde noch im westlichen Sumatra gehört, in einer Distanz von 2 500 Kilometern. Mindestens 10 000 Menschen starben sofort, mehr als 50 000 verhungerten oder starben durch Verletzungen in den folgenden Wochen. Die anschließende Klimaverschlechterung durch Asche und Gase, die in die Stratosphäre gelangt waren, führten zu Hungersnöten weltweit. Weitere 80 000 Opfer sollte der Gau gekostet haben. Die Eruptionssäule erreichte eine Höhe von über 40 Kilometern. Das farblose Gas verbindet sich 30 bis 50 Kilometer über der Erde, jenseits fast aller Witterungseinflüsse, mit Wasserdampf zu Schwefelsäure. Dieser Aerosolschleier, aus feinsten Tröpfen, wirft die wärmenden Strahlen der Sonne ins Weltall zurück. 1816: Das Jahr ohne Sommer 1842 schreibt der Pfarrer Terlunen in seiner Chronik über Osterfeld: "Neubrandenburg" gemalt von C. D. Friedrich im Jahr ohne Sommer Als vom 5. bis 12. April 1815 der auf der indonesischen Insel Sumbawa gelegene Vulkan Tambora ausbrach – man kann auch sagen, der Tambora war förmlich explodiert – veränderte das die Welt. Die Intensität auf dem Vulkanexplosivitätsindex erreichte einen Wert von sieben, die Skala endet bei acht. Die Sprengkraft entsprach etwa der von 170 000 Hiroshimabomben und er spuckte "1817. Das Nothjahr. 1816 Regnete vom Frühjahr bis im Spätherbst dermaßen, daß kaum ein Tag ohne Regen vorüberging, und keinen warmen Sonnenschein etwas Hoffnung brachte, dies war natürlich der Landwirthschaft so nachtheilig, daß nicht die Hälfte des Beitrags von Lebensmittel erzielt worde. Aus den vorhergehenden Jahren war kein Vorrath und die Erndte dieses Jahres war durch eine beispiellose nasse Witterung größtenteils verdorben". Die Mitteltemperatur der Nordhemisphäre sank 1816 stellenweise um bis zu 4,6° Celsius. Obwohl der Vulkan südlich des Äquators liegt, erfolgte im Mai ein Wintereinbruch, der so hart war, dass selbst Brunnen zufroren. Weiter schreibt Terlunen im vierten Kaptitel: "Bei der schlechten Erndte diese Jahres 1816 veranlaßte der Hohen Behörde überdem für das folgende Jahr 17 eine Getreide Zufuhr aus den Ostseehäfen zu welchem Ende im October u. Novemb der Bedarf den Eingessenen bis zu Ende der nächsten Erndte ermittelt worden. … Erst im Merz 1817 kam es Successive an, wodurch die Noth und Angst einigermaßen gelindert worde, doch kam es so weit, daß die Menschen sich den jungen Klee abschnitten, und als Gemüse kochten, …" In vielen Ländern Europas und Amerikas blieb der Sommer aus. Im Hochsommer fiel in England Schnee, in Bayern ertrank das Vieh auf den Weiden. In den Niederlanden herrschte Futtermangel und die Bauern schlachteten ihre Tiere. In Baden kam es zu schwersten Missernten. Überall in Deutschland und anderswo herrschten große Hungersnöte. Die Behörden veranlassten sozialpolitische Meilensteine. Suppenanstalten, Spitäler und landwirtschaftliche Hilfskassen wurden eingerichtet. England, Frankreich und andere Länder erließen neue Sozialgesetze, die etwas später auch in unseren Breiten ihren Nachhall fanden. Aber der Vulkanausbruch, mit seinen sehr negativen Folgen, verhalf einer genialen Erfindung zum Durchbruch. Die Pferde waren Mangelware, entweder verhungert oder notgeschlachtet, und die Nachfrage war entstanden für ein minimalistisches Fortbewegungsmittel auf zwei Rädern. Karl Drais hatte lange an seiner Fahrmaschine getüftelt. Er ließ seine Laufmaschine 1818 in Frankreich unter den Namen "vélocipède" patentieren. Als die Pferde "im Jahr ohne Sommer" sterben, ist der Weg frei für eine bis dahin belächelte Erfindung: das Fahrrad Wenn im Jahr 2017 der 200. Geburtstag gefeiert wird, dann hat das sehr viel mit einem weithin vergessenen Vulkanausbruch in Indonesien zu tun. Der Südost-Asiatische Raum mit der indonesischen Insel Sumbawa Ausgabe 35 – Juni / 2015 - 26 - Hans Real Teutoburger Straße 238 46119 Oberhausen Tel.: 0208 / 62 57 80 86 www.pflegedienst‐engel‐oberhausen.de 24‐Stunden‐Notruf: 0177 / 717 800 6 Kickenberg Die Bockmühle - Vom Bauernhof zum Luxushotel Im Osterfelder Ortsteil Klosterhardt erhebt sich mächtig das einzige Hotel Osterfelds, das Parkhotel "Zur Bockmühle". Es ist heute von überregionaler Bedeutung und von seinem Ursprung her eng mit der Antony-Hütte, der "Wiege der Ruhrindustrie", verknüpft. Auf alten Karten finden wir im Grenzgebiet zu Sterkrade die Allmende "Bockemöllers Heide". Sie wurde vom Elpenbach durchflossen. Das Gebiet war nicht sehr fruchtbar und mit Strauchwerk bedeckt. Genau hier am Elpenbach lag die schon 1400 erwähnte Ölmühle, wohl ursprünglich ein märkisches Lehen. 1734 wurde sie als Bauernhof erwähnt. Die Bockmühle als Ölmühle hat nichts zu tun mit der Konstruktion einer sogenannten Bockwindmühle. Die Bockwindmühle stellt den ältesten Mühlentyp in Europa dar. Bei diesem Typ steht das Mühlenhaus auf einem dicken Pfahl, dem "Hausbaum". Dieser steht senkrecht in einem hölzernen Stützgestell, dem Bock. Auf diesem kann die ganze Mühle in den Wind gedreht werden. Bei der hiesigen Ölmühle aber wurde Flachs verarbeitet. Sein Ursprung ist die anspruchslose Leinpflanze, die einerseits zur Ölgewinnung diente, andererseits für die Herstellung von Wäsche und Kleidung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine große Rolle spielte, bevor Baumwolle in größeren Mengen importiert wurde. Die Samenkapseln enthalten ein bis zu 44% fettes Öl. Sie werden in Ölmühlen gemahlen. Das Leinöl gilt als wertvolles Speiseöl. Aus den Stängeln werden Fasern zur Garnherstellung gewonnen. Die Fasern, die sich gut verspinnen und verarbeiten lassen, haben eine hohe Wärmeleitfähigkeit; und der Stoff wirkt dadurch kühlend auf der Haut. Um die Fasern zu gewinnen, muss der Flachs geschlagen werden. Dieses Schlagen wird Bocken genannt. Davon leitet sich der Name Bockmühle ab. errichtete sein Bruder Bernhard nebenan an der Ecke zur Mergelstraße seine Gaststätte. Er nahm 1908 zwar die Schankkonzession von der alten Bockmühle mit, nannte allerdings seine Gastwirtschaft zunächst "Zum Schwan". Ausschnitt aus der Karte Siedlungswesen und Flächennutzung der Gemeinde Osterfeld aus der Zeit von 1825 bis 1866 Als im 19. Jahrhundert die Besitzer der Bockmühle keine männlichen Erben hatten, heiratete die älteste Tochter den Kleidermacher und Kappenmacher Bernhard Wischermann. Seit dieser Zeit ist der Name Bockmühle mit dem Namen Wischermann verbunden. Der Flachsanbau wurde aufgegeben, mit der Gastwirtschaft, dem Kolonial- und Manufakturwarengeschäft und der Werkstatt für Kappen und Kleider war genug zu tun, da sich immer mehr Familien in der Umgebung angesiedelt hatten. Ausgabe 35 – Juni / 2015 Sein Sohn Paul, ein gelernter Gastronom, übernahm 1934 das Erbe. Er vergrößerte die Gastwirtschaft. Sie wurde unter anderem bekannt als KaffeeRestaurant und Gartenwirtschaft, wobei die Gartenwirtschaft etwa 400 Plätze gehabt haben soll. Das Vereinsleben hatte wieder begonnen, deshalb wurde ein Saal für 80 Personen angebaut. Die Außenansicht in den 1930er Jahren Die St. Antony-Hütte 1864 Links hinten die 1848 erbaute Bockmühle, die das alte Gebäude der Bockmühle ersetzte. Auch dieses Haus wurde 1958 abgerissen. Das Gesellschaftszimmer Beim Bau der Hütte "Zur Gottesgnaden" entschied sich der Domherr Franz Ferdinand von Wenge für den Platz am Elpenbach, "oberhalb der Bocksmühle, auf den sogenannten Furellenbach". Er hatte am 26. Oktober 1752 das Grundstück dazu erworben. Bei den Streitigkeiten mit der Äbtissin des Klosters Sterkrade ging er als Sieger hervor. Am 18. Oktober 1758 nahm seine Hütte den Betrieb auf. Die Nähe zur Antony-Hütte mit ihren Arbeitern ließ auf dem Bauernhof neben dem Flachsanbau einen Handel mit Lebensmitteln, Holz, Backwaren, einen Frisörbetrieb und eine Schneiderei entstehen. Restaurant Zum Schwan, Ansichtskarte von etwa 1912 Die Gartenanlage Das Bild der alten Bockmühle Als Heinrich Wischermann im Jahre 1906 seine Metzgerei an der Breitestraße (heute Teutoburger Straße) baute, - 28 - Der Zweite Weltkrieg ließ weitere Pläne erst einmal in der Schublade verschwinden. Paul Wischermann kehrte als kranker Mann aus der Gefangenschaft zurück. Doch sein Unternehmergeist war wach geblieben. Er baute – von vielen verspottet – 1953 die oberen Räume zu drei Hotelzimmern aus, nachdem er sich Kickenberg von der Zwangsbelegung freigekauft hatte. Er hatte damit Erfolg, deshalb baute er noch zwei weitere Zimmer an. Somit war das "Hotel Zur Bockmühle" entstanden. 1971 starb Paul Wischermann. 1967 aber hatte er sein Hotel und seine Gastwirtschaft an seinen Sohn Paul junior, der sich mit einer Lehre als Koch in Solingen und eine weiterer Lehre als Kellner in Duisburg auf seine Aufgaben vorbereitet hatte, und dessen Ehefrau Ursula übergeben. Unter Paul junior ging der Auf- und Umbau weiter. 1968 kamen drei Kegelbahnen hinzu, zwei Jahre später wurde das Hotel noch um 18 Zimmer mit Dusche, WC, Radio und Telefon erweitert. Der Umbau des zweieinhalb geschossigen Eckhauses zu einem fünf geschossigen Hotel mit 105 Betten erfolgte 1972/73. Der Großbrand in den Restaurationsräumen 1976 führte zu einem Neubau des Pubs "Schotte's Kneipe" und eines Tagungsraumes im ersten Stock. 1978 wurde der Seitenflügel aufgestockt und der Fitnessbereich ausgebaut. Das Best Western Parkhotel Zur Bockmühle Ecke Teutoburger Straße / Mergelstraße Der Hoteleingang vom Parkplatz Gerade für die Wochenenden werden verschiedene Arrangements angeboten, bei denen der Besuch eines Musicals, des Movie Parks, des VIP Shopping im CentrO oder kulturelle Ereignisse mitgebucht werden. Ein Shuttleservice (mit der eigenen weißen amerikanischen Stretchlimousine oder mit Kleinbussen) ermöglicht es, die Ziele bequem zu erreichen. Für 2 Kinder unter 12 Jahren besteht die Möglichkeit, mit den Eltern in Familienzimmern zu übernachten. Ein Familienzimmer 2009 wurde das Engagement Paul Wischermanns mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt. Hingewiesen wurde auf sein Engagement für die Ausbildung von Jugendlichen, die Einrichtung der "gastronomischen Meile" in Oberhausen, sein Einsatz im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) sowie in vielen Ehrenämtern. Ein Bad Schottes Kneipe Drei Generationen der Familie Wischermann Um das 250jährige Bestehen der Bockmühle zu feiern, ließ Paul Wischermann im Bereich Heiden 2 Morgen Flachs anbauen. Im August 1984 wurden verschiedene Jubiläumsveranstaltungen durchgeführt, bei denen Flachs an die Besucher ausgeteilt wurde. Zu etwa der Zeit hat sich das Hotel der Hotelkooperation "Best Western" angeschlossen, um größere Bekanntheit zu erreichen. Heute wird das Parkhotel von Paul Wischermann, seiner Tochter Ursula Wischermann-Bruckschlegel sowie seinem Schwiegersohn Hans Bruckschlegel als gastronomischem Leiter geführt. Es ist ein 4-Sterne Superior Hotel, das in erster Linie von Geschäftsreisenden gebucht wird. Mit 7 Tagungsräumen unterschiedlicher Größe, die mit modernen Kommunikationsmitteln ausgerüstet sind, lassen sich hier Besprechungen realisieren. Mit seinen 98 Zimmern ist das Parkhotel zwar nicht das größte Hotel in Oberhausen, (NH und TRYP haben eine größere Anzahl an Zimmern) aber das Hotel mit der höchsten Qualifizierung. Neben Standard, Komfort und Deluxe Zimmern bietet es 10 Suiten. Für besondere Feiern, z. B. Hochzeiten, gibt es spezielle Angebote. Seit fast 10 Jahren sind auch Touristen in den Blick gerückt. Das Hotel ist – wie das zweite Haus der Gruppe, das Hotel Residenz in Oberhausen – in den Katalogen der großen deutschen StädtereisenV t lt t t Es folgten immer weitere An- und Ausbauten, das Hotel wurde erweitert und mit höherem Komfort ausgestattet. So erfolgte 1988 eine komplette Neugestaltung der Fassade mit Spiegelelementen. Nachdem die benachbarte Metzgerei Heinrich Wischermann 2008 ihre Pforten geschlossen hatte, wurde auch dieser Bereich für das Hotel übernommen. Das führte zur Investion von rund 3 Millionen Euro für die gründliche Umgestaltung des Eingangsbereichs und des Parkplatzes wie auch einiger Zimmer bis zur Eröffnung dieses Teils im Jahre 2013. - 29 - Auf einigen Zimmertüren erinnern Bilder an die industrielle Vergangenheit der Region. Unabhängig von den Angeboten des Hotelbereichs stehen das Restaurant und Schotte's Kneipe allen Gästen für Mahlzeiten wie auch Feiern in geschlossenen Gesellschaften zur Verfügung. Sie finden das Hotel im Internet unter http://www.parkhotel-oberhausen.de Telefonisch ist es zu erreichen unter 0208 6902-0 Marianne Michael Ausgabe 35 – Juni / 2015 Kickenberg Zum 16. Mal Olgas-Rock am 7. und 8. August 2015 Ein Musik-Festival mit Event-Charakter in Osterfeld Neben dem Osterfelder Stadtfest sowie zahlreichen Veranstaltungen des Bürgerrings, der Werbegemeinschaft (WEGO) und unseren diversen Vereinen ist seit Jahren eine weitere Veranstaltung hier in aller Munde. Das vom Kulturbüro der Stadt Oberhausen gemeinsam mit dem rocko e.V. (dem Verein zur Förderung der Rockmusik in Oberhausen) veranstaltete OlgasRock-Festival auf dem Gelände der ehemaligen Landesgartenschau an der Vestischen Straße ist mittlerweile ein fester Bestandteil des Kulturangebotes unserer Stadt. Mit einer tollen Mischung aus Rock, Pop, Metal, Punk und Alternative werden die musikalischen Wünsche der Besucher erfüllt. Tausende junger und jung gebliebener Menschen, auch aus den Nachbarstädten, haben seit vielen Jahren dieses Musik-Festival in ihr Herz geschlossen. Die Atmosphäre ist trotz der großen Zahl der Rock-Fans entspannt, ja fast familiär. So wird auch das diesjährige RockFestival für alle Fans aus NRW am Freitag, dem 7. und am Samstag, dem 8. August 2015 – jeweils ab 12.00 Uhr wieder ein eintrittsfreies Erlebnis unter dem Motto "Umsonst und Draußen" sein. Die anfallenden Kosten, wie Gagen für die Bands, Bühnen und Technik, Personal, Sicherheit, Toiletten usw., werden hauptsächlich über den Verkauf von Speis und Trank mit den Olga-Talern als Wertmarken finanziert. Daher bitten die Veranstalter alle Gäste um Verständnis und Unterstützung, keine Speisen und Getränke mitzubringen, wenn sie im einzigen Einlassbereich am Steigerhaus in mehreren Schleusen auf das Gelände geleitet werden. Für Fotos sind Handykameras erlaubt, Spiegelreflexkameras allerdings nicht. Es ist auch vorgegeben, dass Tiere zu Hause bleiben müssen. Auch in diesem Jahr stehen den insgesamt 25 Bands wieder zwei Bühnen für ihre musikalischen Darbietungen zur Verfügung. Neben national und international bekannten Bands, bietet das Olgas-Rock-Festival auch zahlreichen regionalen und lokalen Nachwuchsbands die Möglichkeit, sich in einem professionalen Rahmen einem großen Publikum zu präsentieren. Ein weiteres Beispiel für die Förderung und Vernetzung der lokalen und regionalen Musikszene ist der seit 10 Jahren von rocko e.V. und dem Zentrum Altenberg veranstaltete Bandcontest "Best-of-Unsigned". Hier bekommen die Gewinnerbands die Chance, bei gleich drei etablierten Musikfestivals Ausgabe 35 – Juni / 2015 zu spielen. Neben einem Auftritt beim Olgas-Rock-Festival stehen noch das Free-Fall Festival in Moers und das Pfarrfestival in Essen auf dem Programm. Seit dem Kulturhauptstadtjahr 2010 gibt es einen regen Kulturaustausch zwischen Oberhausen und der Partnerstadt in England Middlesbrough, bei dem lokale Bands die Möglichkeit bekommen, in der jeweiligen Partnerstadt live aufzutreten. OLGA-Park und Livemusik passen gut zusammen Das Publikum freut sich auf 25 Bands Rock-Fans zeigen Herz bis ganz vorne Neben der Live-Musik gibt es natürlich wieder ein großes Rahmen-Programm. Vom Bungee-Jumping bis zu den Aussichtsfahrten auf gut 80 Meter Höhe und zahlreichen Ständen, somit jede Menge Abwechslung. Zudem bietet das zum Park ausgebaute große ehemalige Zechengelände viel Platz und Möglichkeiten, sich auch abseits der Musik zu unterhalten. Da auf dem Gelände selbstverständlich nicht übernachtet werden kann, bietet u. a. das ca. 15 Minuten entfernte Hostal Veritas an der Essener Straße den auswärtigen Gästen eine preiswerte Unterkunft. - 30 - Olgas-Rock stand auf der Kippe Die 15. Ausgabe der Veranstaltung im Vorjahr wird wegen des schlechten Wetters noch lange in Erinnerung bleiben. Ein verregneter erster Festivaltag brachte den Veranstaltern nicht die sonst übliche Anzahl von Besuchern und bescherte ihnen einen nicht unerheblichen Umsatzeinbruch an den Ständen. Dazu kam, dass die ursprünglichen 20 000 € an städtischen Zuschüssen gemäß dem Haushaltsplan um die Hälfte gekürzt wurden. Die Finanzlücke konnte nicht allein durch Sponsoren geschlossen werden. Dies alles führte dazu, dass die Organisatoren unmittelbar nach Ende des Festivals nicht unbedingt von einer Weiterführung von Olgas-Rock ausgehen konnten. Erfreulicherweise erhielten die Verantwortlichen aber von den Fans und Bands sehr viele positive und aufmunternde Unterstützungsangebote. Auch die Zustimmung seitens des städtischen Kulturdezernates, sich weiterhin für den Erhalt des Olgas-Rock-Festivals einzusetzen sorgte beim Veranstalter rocko e.V. für neuen Mut, weiter zu machen. Das "Musik-Festival an der frischen Luft und im Grünen" hat sich in 15 Jahren zu einer angesehenen Marke in NRW entwickelt. Dass die Veranstaltung auch ohne feudale Zuschüsse dauerhaft überleben kann, daran werden alle Beteiligten und die vielen ehrenamtlichen Helfer weiter arbeiten. Zum Beweis fanden am 28. Februar und am 1. März sogenannte Rettungskonzerte für Olgas-Rock mit bekannten Bands im Zentrum Altenberg statt, die zugunsten des Osterfelder Festivals auf ihre Gage verzichteten. Dazu wurden ein Fotokalender mit vielen mitreißenden Festival-Bildern und außerdem zahlreiche Festivalbändchen verkauft. Weitere Ideen machen Hoffnung auf eine gute Zukunft. Die Veranstalter planen für das Festival im August, auf dem OLGA-Gelände neben weiteren Verkaufsständen auch eine Bestellmöglichkeit für T-Shirts und CDs im Online-Shop einzurichten. Als zusätzliche Einnahmequelle sollen Getränke nur noch in Olga-Pfandbechern angeboten werden. Dazu besteht der Wunsch auf eine steigende Spendenbereitschaft. Aber auch gutes Wetter und "Daumen drücken" könnte helfen, nach der Stimmungsparty zufrieden zurück zu blicken, um ein Wiedersehen hoffentlich auch im Jahr 2016 zu ermöglichen. Günter Lohmar Kickenberg Der Steinkohlenbergbau der Gutehoffnungshütte in Oberhausen (Teil 19) Die Zeche Franz Haniel Das Kraftwerk Im Jahre 1953 betreibt die Bergbau AG Neue Hoffnung, eine Nachfolgegesellschaft der GHH, die Kraftwerke Sterkrade und Osterfeld, die in den Kesselhäusern überwiegend schwer absetzbare Ballastkohle und Mittelgut verfeuern. Deshalb produzieren sie den Dampf und damit auch Druckluft und vor allem elektrische Energie sehr kostengünstig. Wegen der stetig steigenden Förderung auf den Zechen Osterfeld, Jacobi und Franz Haniel zeichnet es sich jedoch ab, daß die beiden genannten Kraftwerke die in den Betrieben benötigte Energie in absehbarer Zeit nicht mehr mit der erforderlichen Sicherheit liefern können. Deshalb fällt im Vorstand die Entscheidung, auf ihrer jüngsten Schachtanlage Franz Haniel ein weiteres Kraftwerk zu bauen und einen Teil der dort geförderten Flammkohle, die sich gut als Kesselkohle eignet, unaufbereitet zu verstromen. Der größte Teil der Förderung soll aber wie bisher über die Schiene zur Aufbereitung Jacobi transportiert werden (siehe Kickenberg Nr. 27). Die Planung sieht eine installierte elektrische Leistung von 47 Megawatt und einen Turboverdichter für die Erzeugung von 80 000 Nm³/h Druckluft vor. Noch im selben Jahr, also 1953, erfolgt der erste Spatenstich. Die Bauarbeiten verlaufen zügig und ohne Komplikationen. Die Zeche Franz Haniel mit dem Kraftwerk 1956 Auf dem Dach des Kesselhauses sind Elektrofilter installiert, die das Rauchgas der drei Dampfkessel entstauben. Das Gebäude davor ist das Maschinenhaus. Im Kühlturm am rechten Bildrand wird das aus dem Kraftwerk zurückfließende erwärmte Kühlwasser vor der Wiederverwendung gekühlt. Die Schalt- und Steuerwarte Eine Kesselspeisepumpe Jeder der drei von einer zentralen Warte gesteuerten Schmelzkammerkessel erzeugt in der Stunde 125 Tonnen Dampf mit 80 bar und 510° C. Dafür braucht er rund 10 Tonnen Kohle und 135 Tonnen Wasser. Die Kesselspeisepumpen drücken das Wasser von hier aus durch die Hochdruckvorwärmer in die Kessel. Drei Elektrofilter auf dem Dach des Kesselhauses reinigen die Rauchgase und geben sie über kurze Schornsteine an die Atmosphäre ab. Erst 17 Jahre später, 1972, wird aus Umweltschutzgründen ein 160 m hoher Kamin gebaut. Das Maschinenhaus wird gebaut. Zum Jahresende 1954 steht das Projekt kurz vor der Fertigstellung. Überall beschäftigen sich die Monteure mit den Restarbeiten, und die Prüfingenieure der Lieferfirmen und des TÜV suchen nach Schwachstellen und Sicherheitsrisiken, damit diese noch vor der Inbetriebnahme beseitigt werden können. Der Chronist, der als 19-jähriger Elektrolehrling ein klein wenig zum Gelingen beigetragen hat, ist Zeuge, als Bergassessor Klaus Haniel am 20. Januar 1955 auf das berühmte Knöpfchen drückt und das Kraftwerk Franz Haniel zum ersten Male Dampf, Druckluft und elektrischem Strom in die entsprechenden Netze speist. Ausgabe 35 – Juni / 2015 Die Speisewasser-Aufbereitungsanlage mit den Ionenaustauschern Etwa ein Drittel des eingesetzten Kesselspeisewassers ist in Ionenaustauschern vollentsalztes Brunnenwasser, das mit dem Kondensat gemischt über die Niederdruckvorwärmer den Speisewasser-Entgasungsbehältern zugeführt wird. - 32 - Die Zeche Franz Haniel 1974 Der 160 m hohe Kamin soll die Rauchgase besser verteilen. Der in der 21 MW-Vorschaltmaschine oder bei Bedarf auch in einer Reduzierstation auf 17,5 bar entspannte Dampf Kickenberg speist danach eine 26 MW-Kondensationsmaschine, einen Turbokompressor für 80 000 Nm³/h Niederdruckluft, der ebenfalls auf Kondensation arbeitet. Aus diesem "Zwischendrucknetz" werden auch die Fördermaschinen und die sonstigen Dampfverbraucher auf der Zeche Franz Haniel versorgt. Die 26 MW-Maschine Die GHH setzt in ihren Zechenkraftwerken Turbogeneratoren nach dem System "Ljungström" ein, die das Tochterunternehmen M.A.N. in Lizenz baut. Bei diesen Maschinen treibt die in der Mitte angeordnete Gegenlaufturbine zwei Generatoren an. Die Hochspannungs-Schaltanlage Außerdem versorgt das neue Kraftwerk die Schachtanlage Jacobi über eine 4 km lange Rohrleitung mit Dampf. Die alten Kesselhäuser auf beiden Zechen haben ausgedient und sollen später abgerissen werden. Die Dampfleitung zur Zeche Jacobi ist parallel zur Werksbahntrasse verlegt. Im Vordergrund die Dampf-Übergabestation auf der Zeche Jacobi Auch nach der offiziellen Inbetriebnahme bleibt, wie bei fast allen Neuanlagen, Einiges zu verbessern und zu optimieren. Diese Arbeiten sind in vollem Gange, als sich am 31. Januar auf der "Zwischendecke" unterhalb der Schalt- und Steuerwarte aus ungeklärter Ursache die Außenmäntel einiger Kabel entzünden. Das Kraftwerk muß wieder außer Betrieb genommen werden. Zum Glück stehen die alten Kesselhäuser noch… Die Feuerwehr bekommt den Brand schnell unter Kontrolle, trotzdem richtet er einen solchen Schaden an, daß es Wochen, wenn nicht Monate dauern kann, alle Kabel auszuwechseln. Solange soll zumindest die Kesselanlage aber unter keinen Umständen stillstehen. In dieser Situation wird Improvisation groß geschrieben und plötzlich ziehen eifrige Elektriker zwischen Kesselhaus, Wasseraufbereitung, Reduzierstation und Schaltwarte für die wichtigsten Steuerungen und Messungen "Freileitungen". Und weil alle – auch der Stift – an vielen Tagen "doppelt" machen, stehen die Kessel mit örtlichen Steuerständen am 28. Februar wieder unter Dampf. Eine Woche später geht die Anlage voll an das Netz. Gleichzeitig machen sich Spezialisten daran, nur die verbrannten Teile der Kabel zu ersetzen und die ausgetauschten Stücke an geeigneten Stellen durch neuartige Gießharzmuffen mit den Restlängen zu verbinden. Nach und nach verschwinden die Provisorien wieder und Anfang November wird das Kraftwerk zum zweiten Male angefahren. Größere Zwischenfälle im Kraftwerksbetrieb gibt es in Zukunft nicht mehr. Nach der Stillegung des Kraftwerkes Osterfeld am 24. Februar 1977 beliefert das Kraftwerk Franz Haniel auch die Zeche und Kokerei Osterfeld mit Dampf. Die Rohrleitung erreicht jetzt eine Gesamtlänge von 7,4 km. Ab 1. Juli 1978, als das Kraftwerk Sterkrade den Betrieb einstellt, muß das Kraftwerk Franz Haniel zusätzlich die Druckluftversorgung der Bergwerke Osterfeld und Prosper-Haniel übernehmen. Aus diesem Grunde wird die Drucklufterzeugungsanlage um zwei Verdichter mit je 80 000 m³/h erweitert. Die neuen Maschinen erhalten Elektroantriebe. Ein Niederdruck-Kompressor mit Elektroantrieb - 33 - Im Zuge dieser Arbeiten rüstet die Firma Babcock zwei der drei Dampfkessel zur Verwertung des untertage abgesaugten Grubengases mit zusätzlichen Gasfeuerungen aus. Am 29. November 1988, also nach genau 12 355 Tagen, muß auch das Kraftwerk Franz Haniel seine Tore schließen. In dieser Zeit erzeugt es aus 7,15 Mill. Tonnen Rohkohle 9,2 Milliarden Kilowattstunden elektrischen Strom und eine nicht bekannte Menge Druckluft und Prozeßdampf. Aus den genannten Zahlen lassen sich folgende gerundete Mittelwerte errechnen: Täglich setzt der Betrieb 580 Tonnen Rohkohle mit 35 % Bergeanteil ein und speist 745 000 kWh in das Verbundnetz, das sind 0,51 Kilogramm reine Kohle je Kilowattstunde. Wenn man bedenkt, daß der entnommene Prozeßdampf und die erzeugte Druckluft bei dieser Berechnung unberücksichtigt bleiben, ist das im Vergleich zu einem modernen Steinkohlenkraftwerk, das ungefähr 0,3 kg Kohle je Kilowattstunde verbraucht, kein schlechter Wert. Der Kamin – eine weithin sichtbare Landmarke – verschwindet am 2. Dezember 1990 vor den Augen zahlreicher Zuschauer, die das Ereignis von der Halde aus beobachten, von der Bildfläche. Wohldosierte, an vorher berechneten Stellen angebrachte Sprengladungen sorgen dafür, daß der Koloß fällt, ohne die angrenzenden Gebäude zu gefährden. Nach dem Zünden der ersten Serie im Sockel neigt sich der Kamin in die gewünschte Richtung. Die zweite Serie teilt ihn in der Mitte. Die obere Hälfte neigt sich nicht zur Seite. Auch als die untere Hälfte fast auf den Boden schlägt, bleibt die obere Hälfte in der Senkrechten. Nur wenige Sekunden nach der ersten Zündung ist das Wahrzeichen dem Erdboden gleich gemacht. Fritz Pamp Ausgabe 35 – Juni / 2015 Kickenberg Kurzmeldungen aus Osterfeld 100 Jahre Hindenburg-Apotheke Die Geschichte der Heilmittel ist mit den Ursprüngen der Menschengeschichte verknüpft. Von Beginn an wurden Körper, Seele und Geist als eine untrennbare Einheit empfunden. Körperliche und geistige Gesundheit seien wichtig genug, darum zu beten, betonte der römische Dichter Juvenal bereits vor Christi Geburt. Vor allem im 20. Jahrhundert haben sich die Apotheken zu leistungsfähigen und modernen Unternehmen gewandelt. Im Stadtteil Osterfeld versorgen 8 Apotheken an allen Tagen im Jahr lückenlos die Bevölkerung mit Ratschlägen und Medikamenten. Als dienstälteste Osterfelder Apotheke kennen wir die Hindenburg-Apotheke (siehe auch KICKENBERG Nr. 17), die kürzlich ihren 100. Geburtstag feierte. Viele Jahre führte Jochen Fischer bis August 2009 die Apotheke und ging mit 66 Jahren in den Ruhestand. Er übergab sie Farajoullah Tondravane-Moradi, der mit seiner Familie schon seit vielen Jahren in Osterfeld lebt. An der Bergstraße 197 bildet die Beratung und Messung bei Blutdruck-, Blutzucker- und Cholesterinproblemen ebenso einen Teil des Apotheken-Angebotes wie das Thema Kompressions- und Stützstrümpfe bei Venenleiden. Zu weiteren Fachberatungen gehören unter anderem auch die medizinische Fußpflege und die Homöopathie sowie die Entsorgung von Altmedikamenten. Näheres können Sie telefonisch unter 99429-31 erfahren oder am Computer unter www.hindenburg-apotheke-oberhausen.de. Die Hindenburg-Apotheke kooperiert mit dem Ambulanten Pflegedienst "Pflege Engel". Mit ihrer wohnquartiersnahen Versorgung unterstützt das Team kranke und hilfsbedürftige Menschen in ihrem Wunsch, so lange wie möglich in der gewohnten häuslichen Umgebung bleiben zu können. Weitere Informationen können unter Tel. 6257 8086 oder www.pflegedienst-engel-oberhausen.de abgerufen werden. Günter Lohmar Ausstellung in der Auferstehungskirche Am 8. März, in der vorösterlichen Zeit dieses Jahres, wurde in der evangelischen Auferstehungskirche an der Vestischen Straße in Osterfeld eine Ausstellung besonderer Art in einem Gottesdienst eröffnet. Die Künstlerin Alexandra Lauer-Göttert hatte an sieben Stationen Passion und Auferstehung Christi in überzeugenden Bildern dargestellt. In ihnen hat sie eigene Erfahrungen von Leid und Hoffnung verarbeitet. Das Besondere an der Präsentation ihrer teils abstrakten, in Acryl auf Leinwand gemalten, Darstellungen war die Verknüpfung mit Alltagsgegenständen. Diese waren genauso wie die meisten Bilder auf weiße Tücher drapiert. Als ein Beispiel habe ich das Bild mit dem Titel "Abendmahl" ausgewählt. Es stellt den Beginn des Leidensweges Jesu dar. Das Gemälde zeigt in der Mitte eine weiße Säule, die Christus darstellen soll. Davor sieht man eine winzige Säule, die wohl das Mahl bedeuten dürfte. Die weiteren Säulen in verschiedenen Farben sind seine Jünger, wobei die Zahl 12 auf 4 reduziert ist. Vor dem Bild hatte die Künstlerin einen weiß gedeckten Tisch aufgestellt. Auf einem Teller sind zwei Brotstücke zu sehen. Daneben stehen ein Trinkglas und eine Glaskaraffe, die für den Wein bestimmt sein dürften. So wird in zweifacher Weise an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern erinnert. Bild und Text von Heinrich J. Bahne - 35 - Weitere Stolpersteine in Osterfeld verlegt Vor 20 Jahren hat der Künstler Gunter Demnig in Köln den ersten Stolperstein verlegt. Das ist ein quadratischer, knapp zehn Zentimeter großer Betonstein mit einer Messingplatte. Darauf erinnert eine Inschrift an die Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Selbstmord getrieben wurden. Der Stein wird am letzten selbstgewählten Wohnort des Opfers in den Gehweg eingesetzt. Mittlerweile sind mehr als 50 000 Steine in Deutschland und anderen europäischen Ländern verlegt worden. Sie bilden das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Am 2. März 2015 fand die nunmehr zehnte Verlegung in Oberhausen statt, bei der auch zwei weitere Stolpersteine in Osterfeld hinzukamen. Erinnert wurde an der Elpenbachstraße 16 an Bruno Blank, geboren 1906 als Sohn einer Arbeiterfamilie. Er war nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 als Kassierer für die KPD in der Zechensiedlung Jacobi tätig. Von der Gestapo 1936 verhaftet und vom Oberlandesgericht Hamm wegen "Hochverrat" zu zwei Jahren Haft verurteilt, wurde er daran anschließend in das Konzentrationslager Bruals-Rhede verschleppt. Nach seiner Entlassung folgte die Arbeitslosigkeit und eine Zeit weiterer Verfolgung. 1942 wurde er zu einer Strafeinheit der Wehrmacht eingezogen. Bis zu seinem Tod im Jahre 1990 engagierte Bruno Blank sich politisch. In Anwesenheit von Familienangehörigen Arthur Staudts setzt Gunter Demnig den Stein. Ein weiterer Gedenkstein wurde an der Rothebuschstraße 116 für den Bergmann Arthur Staudt, Jahrgang 1889, eingesetzt. Er war bekennender Anhänger der von den Nazis verbotenen SPD und Gewerkschaftsmitglied, wurde 1935 von der Gestapo verhaftet und 1936 vom OLG Hamm wegen "Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens" zu 17 Monaten Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung lebte Arthur Staudt mit seiner Ehefrau bis zu seiner Ermordung 1946 in Oberhausen. Renee Radermacher Ausgabe 35 – Juni / 2015 Kickenberg Kurzmeldungen aus Osterfeld Jahreshauptversammlung Osterfelder Bürgerring e.V. Vorstand wiedergewählt Neuer Seelsorger in der Pfarre St. Pankratius Pastor Graw in sein Amt eingeführt Propst em. Karl Wehling 60 Jahre Priester Der Osterfelder Bürgerring lud seine 267 Mitglieder zur Jahreshauptversammlung am 19.03.2015 in das Haus Reimann ein. Nach der Begrüßung und der Totenehrung berichtete die Vorsitzende Marita Wolters über die Aktivitäten des Vereins, die Schatzmeisterin Anke Mettler erläuterte anschließend seine finanzielle Lage. Die Prüfer bescheinigten Frau Mettler eine vorbildliche Kassenführung. Am 1. Februar 2015 wurde Pastor Vinzent Graw als neuer Seelsorger mit dem Seelsorgeschwerpunkt St. Franziskus in der Pfarrei St. Pankratius eingeführt. Gleichzeitig ist er Stellvertreter des Pfarrers von St. Pankratius. Mit dem 35jährigen Geistlichen hat die Gemeinde den jüngsten Pastor des Bistums, insgesamt ist er der viertjüngste Geistliche des Bistums. Vielen Osterfelder Katholiken wird der neue Pastor bekannt sein, da er von 2006 bis 2010 als Kaplan in St. Pankratius eingesetzt war. Er war zuletzt als Kaplan in der Pfarrei St. Medardus in Lüdenscheid tätig. Das diamantene Priesterjubiläum feierte am 8. März 2015 Propst em. Karl Wehling. Am 5. März 1955 war er in der Lambertikirche zu Münster von Bischof Michael Keller zum Priester geweiht worden. Nach einigen Stellen als Kaplan war er zehn Jahre lang Religionslehrer am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Sterkrade. Vom 4. Februar 1969 bis zum 1. Oktober 1996 wirkte er als Propst in der Pfarrgemeinde St. Pankratius in Osterfeld. Jürgen Fischer leitete die satzungsmäßig anstehende Wahl des Vereinsvorstandes. Ohne Gegenkandidaten stellten sich die Amtsinhaber zur Wiederwahl: Marita Wolter, Vorstandsvorsitzende Michael Helmrich, Stellvertreter Rudolf Krenz, Stellvertreter Anke Mettler, Schatzmeisterin Heinrich Harpering, Schriftführer. Weil die Versammlungsteilnehmer auf Nachfrage keine geheime Wahl beantragten, ließ Herr Fischer durch Handzeichen abstimmen. Alle Bewerber wurden ohne Gegenstimmen wiedergewählt. Daraufhin übernahm Frau Wolter die Versammlungsleitung. Fritz Reimann stand nach jahrelanger Mitarbeit dem Beirat nicht mehr zur Verfügung. Um den freigewordenen Sitz bewarb sich Frau Manuela Krey. Die anderen Mitglieder stellten sich zur Wiederwahl. Da es keine weiteren Kandidaten gab, schlug die Vorsitzende vor, folgende Personen in den Beirat zu wählen: Manuela Krey Klaus Brackmann Ludgerus Breuckmann Immanuel Schuler Wolfgang Wolter. Pfarre St. Pankratius gratuliert Unter dem TOP Verschiedenes kündigte Frau Wolter drei Veranstaltungen des Bürgerrings an, zu denen die Mitglieder zu gegebener Zeit schriftlich eingeladen werden: 25.09.2015 Benefizessen 23.10.2015 Bücherlesung 03.12.2015 adventliche Begegnung. Die Pfarrei St. Pankratius hat mit Pfarrer Vogel im Moment einen Pfarrverwalter. Pastor Christoph Wichmann ist zum 1. Adventssonntag zum Pfarrer und Propst in St. Pankratius ernannt. Damit wird der notwendige Zukunftsprozess angegangen werden. Festzustellen ist, dass bei einem Katholikenanteil von 33,5% im Bistum Essen (Zahlen von 2013) die Faktoren "alternde Gesellschaft" und "soziale Veränderungen im Ruhrgebiet" (alternde Bevölkerung, oft Berufstätigkeit beider Elternteile, viele Alleinerziehende, Patchworkfamilien) auch Auswirkungen auf die kirchlichen Strukturen haben. Im gesamten Bistum Essen standen 4 850 Taufen 9 840 Bestattungen und 5 405 Austritte gegenüber. Für Pastor Graw, der sich in zusätzlichen Seminaren und Praktika auf sein Amt vorbereitet hat, steht die persönliche Seelsorge, der Kontakt mit den Menschen vor Ort, im Mittelpunkt seiner Arbeit. Er wird die Zeit nutzen, die örtlichen Gegebenheiten und die Menschen der Gemeinde kennenzulernen und dann seine Erfahrungen in den Zukunftsprozess im Sinne dieser Menschen einzubringen. Die KICKENBERG-Redaktion wünscht ihm ein segensreiches Wirken in Osterfeld. Natürlich wurde in einigen Reden auf die vielen Verdienste des Jubilars hingewiesen. Er selbst bedankte sich bei allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen hatten. Fritz Pamp Marianne Michael Text und Bilder: Heinrich J. Bahne Auch dieser Wahlgang konnte per Akklamation durchgeführt werden. Alle Bewerber wurden einstimmig gewählt. Die Kassenprüfer Jürgen Fischer und Hermann-Josef Schepers bleiben eine weitere Wahlperiode im Amt. Ausgabe 35 – Juni / 2015 - 36 - Die Feierlichkeiten begannen mit einem Festhochamt um 16.00 Uhr in der Propsteikirche. Konzelebranten waren Pastor Marquart aus Osterfeld und Pfarrer Dr. Knechten aus Datteln-Horneburg. Kirchenchor und Blasorchester der Gemeinde gaben der Feier einen würdigen Rahmen. Anschließend fand im Pfarrheim mit vielen geladenen Gästen die weltliche Feier statt. Kickenberg Fast vergessene Sagen aus Vondern In alten Zeiten erzählte man sich in Osterfeld noch so mancherlei Sagen. Da wurde von wütenden Riesen und unruhigen Geistern, von tapferen Recken und von verzauberten Brücken berichtet. Der Osterfelder Heimatforscher Bernhard Grünewald sammelte sie in den 1920er Jahren und schrieb sie nieder. Sehr bekannt wurde die Sage von der Waghalsbrücke (siehe KICKENBERG Nr. 5). Nicht so oft sind hingegen – vielleicht wegen ihrer Kürze – weitere Sagen aus Vondern zu hören. Damit sie nicht völlig vergessen werden, möchte ich sie hier erneut (in Kursivschrift) vorstellen und kurz besprechen. Auch nachdem sich bei uns das Christentum fest etablierte hatte, hingen die Menschen nach wie vor am vorchristlichen Brauchtum. Die christlichen Würdenträger wandelten daraufhin einige heidnische Feste in christliche Feiertage um und integrierten das alte Brauchtum in das Kirchenjahr. Ehemals heidnische Feiertage, wie Walpurgisnacht (heilige Walburga), Erntedank (St. Michael), Fastnacht (ursprünglicher Starttermin am 6. Januar, heute Epiphanias, Heilige drei Könige) oder verschiedene Osterbräuche (Osterfeuer), sind daher noch heute bekannt. Geblieben sind auch Märchen, die oft in den alten Mythen ihren Ursprung haben. Beispielhaft seien hier Frau Holle, Dornröschen oder Schneewittchen genannt. Als Sagen haben sich noch viele Geschichten vom wilden Heer, den Alben und Zwergen, Schlossgeistern oder den weißen und schwarzen (Jung-)Frauen usw. erhalten. Durch die Annahme des christlichen Glaubens wurden mit der Zeit aus den heidnischen Göttern und Wesen böse Geister und unheilvolle Gestalten. Man entstellte und verteufelte sie nun und verwies auf Aberglauben und Zauberei. Deshalb können wir heute viele Sagen kaum noch richtig verstehen. Der Poltergeist In Burg Vondern hauste einst ein unsteter Geist, der besonders zur Nachtzeit die Bewohner durch Türschlagen, Gepolter auf den Treppen und ähnlichen Unfug zur Verzweiflung trieb. Als er einmal wieder gar nicht zur Ruhe kommen konnte, soll ihn ein Geistlicher in den Kellergewölben gebannt und eingemauert haben. Als Förster Klute auf Burg Vondern lebte, begann der Geist ganz unerwartet wieder seine störende und geheimnisvolle Nachtwanderung, so dass man sogar das Schloss räumen wollte. Mit der Zeit beruhigten sich aber die Bewohner und die Sage geriet in Vergessenheit. Wer zu Lebzeiten ein schlechter Mensch war und eine Untat beging, fand im Jenseits keine Ruhe und kam zu Ausgabe 35 – Juni / 2014 bestimmten Zeiten in der Nacht als Wiedergänger zurück. Seine Untat konnte sich auf die Nachfahren negativ auswirken. Er versetzte daher mit seinem Auftauchen die Menschen in Angst und Schrecken. In christlicher Zeit konnte nur ein Geistlicher diesem Spuk ein Ende setzen. Das silberne Spinnrad Wer heute Burg Vondern einen Besuch abstattet und sich in den weiten Räumen umsieht, bemerkt an der Ostwand in einem Zimmer eine geweißte MammutRippe. An diese knüpft sich die Sage, dass sie von einem Ritter stamme, dessen Riesengeschlecht ehedem auf Vondern hauste und unsere Gegend unsicher machte. Dieses Geschlecht soll auch im Besitz ungeheurer Reichtümer gewesen sein, so dass selbst gewöhnliche Gebrauchsgegenstände, zum Beispiel die Spinnräder, silbern waren. Einst kam nun einer der Recken zur späten Nachtstunde heim, er hatte bei seinem Freunde auf der benachbarten Burg geweilt. Dort war es lustig zugegangen und wieder und wieder hat der große Humpen die Runde gemacht. Ein geringfügiger Umstand – namentlich soll es ihm unbequem gewesen sein, dass er Mutter und Schwester noch am Spinnrad sitzend antraf – versetzte den jähzornig Veranlagten in wütende Raserei, so dass er das Spinnrad durchs Fenster in den nahen Burggraben warf. Als man diesen um die 1750er Jahre zuwarf, fischten die Arbeiter eifrig nach dem kostbaren Schatz, ohne ihn jedoch zu finden. Und so ruht er denn wohl heute noch dort. Vermutlich wurden hier im Laufe der Zeit in der Überlieferung verschiedene heidnische Elemente vermischt. Im germanischen Glauben gab es neben dem Göttergeschlecht auch das Riesengeschlecht. Es verkörperte als Wesen ursprünglich die lebensfeindlichen Kräfte in der Natur. So gab es zum Beispiel Frost-, Berg- oder Eisriesen. Sie wohnten hauptsächlich in unfruchtbaren Gegenden oder in Bergen und fügten den Menschen so manchen Schaden zu. Die Bergriesen besaßen auch viele Bodenschätze, daher ihr Reichtum. Der Riese nimmt in dieser Sage wohl von Wodan ("der Wütende"), dem alten germanischen Himmels- und Sturmgott, sein aufbrausendes, hier negativ dargestelltes Wesen auf. Das wertvolle Spinnrad symbolisiert Frija ("die Geliebte, Frau"), die höchste germanische Göttin, die entsprechend dem christlichen Glauben ebenfalls negativ dargestellt wird. Sie war zuständig für Fruchtbarkeit, Haus und Familie. Das Spinnrad war ihr unterstellt. Ohne fruchtbaren Acker gab es keinen Flachs und damit keine Kleidung. - 38 - Das Spinnen und Reden zur späten Nachtruhe gefiel wohl dem "Riesen" nicht so gut. Man kann auch im heidnischem Sinne sagen: Wenn die Hausfrau tagsüber ihre Hausarbeit nicht mehr erledigte, wurde sie und ihre Familie von den Göttern bestraft. Von ihrer Tätigkeit hing das Wohl der ganzen Hausgemeinschaft ab. Ohne Fleiß kein Preis. Die alte Eiche Etwa fünf Minuten von Burg Vondern entfernt, an dem Hofweg nach Steinhaus, stand ehemals eine mächtige Eiche. Auch sie war sagenumwoben. Jeden erfasste geheimes Grausen, wenn er zu nachtschlafender Zeit hier vorüber musste. Nicht selten zeigte sich ein Geist, eine große weiße Gestalt. Als einst ein Bürger zur mitternächtlichen Stunde an ihr vorbei seinen Weg nahm, ertönte furchtbares Geschrei einer Eule. Jetzt wurde die unheimliche Stätte noch mehr gemieden. Markante alte Eichen galten in heidnischer Zeit als heilige Bäume. Hier schaute man zu den Göttern, hier legte man Opfer nieder und bat um ein gutes und fruchtbares Jahr. In christlicher Zeit vermied man daher vor allem zu Mitternacht solche Stätten. Denn dann konnten sich heidnische Geister (Götter) zeigen oder sich bemerkbar machen und die Menschen verschrecken und in ihren Bann ziehen. Die hier genannte weiße Gestalt und die Eule (der Totenvogel) weisen noch auf diese uralte Glaubenswelt hin. Geheimnisvolles Rauschen Unmittelbar bei der Burg Vondern floss vordem die Westfälische Quelle in die Emscher. Hier ertränkte sich einst der Rentmeister des Hauses. Von da an war es in der Gegend nicht mehr geheuer. Einst ging hier zur späten Stunde ein Arbeiter an ihr vorüber. Plötzlich erhob sich ein starker Wind. Ein geheimnisvolles Rauschen machte sich in der Luft bemerkbar und der Mann lief so schnell er nur konnte, um den bösen Geistern zu entgehen. Er wird als wenig ängstlich und als glaubwürdig geschildert. Manche Quellen, Teiche, Brunnen oder Moore wurden in heidnischer Zeit ebenfalls als heilige Orte angesehen. Die Westfälische Quelle durchfloss früher den Vondernbruch und mündete dort in die Emscher. Ein unchristlicher Freitod an dieser Stätte konnte nicht geheuer sein. Das geheimnisvolle Rauschen und der plötzlich aufkommende starke Wind weist auf das Erscheinen von Wodan hin. "Zur späten Stunde" sollen sich ja auch heute noch die Geister zeigen… Michael Tomec Kickenberg Schuhe brauchen Menschen! Ursprünge und Werdegang der Osterfelder Schuhmacherei Wagner Wer über diese Überschrift stolpert, sollte sich daran erinnern, dass der Mensch nach Verlassen des Mutterleibes rund zwei Jahre benötigt, um auf eigenen Füßen zu stehen. Damit Stehen und Gehen kein Problem bereiten, sollten die Schuhe gepflegt sitzen. Schuhe geben also dem Menschen Lebensqualität; und so brauchen Schuhe den Menschen und der Mensch braucht Schuhe. Im handwerklichen Bereich gab es früher spannende und abwechslungsreiche Tätigkeiten. Das Schuhmacherhandwerk ist und war ein richtiges „Hand-Werk“, das von etlichen jungen Menschen erlernt wurde. Eine der Osterfelder Schuhmachereien war die von Hermann Wagner sen. in der Kirchstraße. Hier wurden die Schuhe vieler Osterfelder repariert und auf neuen Glanz gebracht. In einem Gespräch mit Hermann Wagner jun. konnte ich Folgendes erfahren: Johann Peter Wagner, der Großvater von Hermann Wagner jun., stammte aus dem Ort Welschbillig im heutigen Landkreis Trier. Hier betrieben sein Vater und Großvater schon eine Schuhmacherei und auch Landwirtschaft. Die besseren Verdienstmöglichkeiten bewogen ihn, wie so viele andere auch, in das wirtschaftlich aufstrebende Ruhrgebiet abzuwandern. So eröffnete Johann Peter Wagner mit seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Klasen, im Jahre 1892 eine Schuhmacherei mit Schuhgeschäft in Osterfeld. auch Eigentümer des Trinkhallengrundstücks der "Klümkesbude" von Karl Schüren an der Haltestelle der Linie 2 an der St. Pankratius Kirche waren. Aus der Ehe von Johann Peter und Elisabeth gingen in der Zeit von Januar 1892 bis November 1904 insgesamt 10 Kinder hervor. Hermann Wagner jun. hatte sechs Kinder noch persönlich kennengelernt. Christine Unger und Maria Hübers waren Hausfrauen in Osterfeld, Lisbeth blieb ledig und war Hausangestellte in Oberhausen. Die drei Söhne, Paul, Matthias und Hermann erlernten alle den Beruf des Schuhmachers und machten sich selbstständig. Hermann Wagner blieb in Osterfeld und eröffnete in der Kirchstraße 14 sein Geschäft. Matthias zog nach Bocholt, Paul machte sich in Oberhausen selbstständig. In der Kirchstraße 14 wurde im Jahre 1934 auch Hermann Wagner jun. geboren, der später den Familienbetrieb übernahm und heute in Kirchhellen lebt. Wie es der Zufall will: Er wohnt in Kirchhellen in der Kirchstraße 16. Hermann Wagner sen. Inhaber des Geschäftes an der Kirchstraße Johann Peter Wagner vor seinem Ladenlokal an der Emscherstraße (heute Osterfelder Straße) um 1910. Im Laufe der Jahre wurden Filialen errichtet; doch das Hauptgeschäft befand sich weiterhin an der Emscherstraße. Hauseigentümer waren Treiber-Kortz, die Hermann jun. berichtet über seinen Großvater Johann Peter Wagner, dass dieser damals auch "ehrenamtlich" im Kirchendienst tätig war. Er versah den Dienst als Kirchenschweizer an St. Pankratius. Damals war es üblich, dass die Männer und Frauen im Kirchenschiff getrennt saßen. Hatte eine Frau "aus Versehen" bei den Männern Platz genommen, so war es die Aufgabe des Großvaters, diese aus der Bank "zu befördern". So erzählt man sich, dass es dabei auch schon mal geschah, dass ihm der Hut in den Nacken rutschte. Auch dem geselligen Vereinsleben in Osterfeld war nicht nur Johann Peter, der Großvater, sehr zugetan, sondern auch der Vater Hermann. - 39 - Der Großvater war Mitglied im Bürgerschützenverein Osterfeld und hier im Jahre 1901 Schützenkönig; Hermann sen. war 1936 Mitbegründer der Karnevalsgesellschaft Blau-Gelb Vondern in der Gaststätte Großholdermann. Sohn Hermann erinnert sich noch gern daran, dass im Laden seines Vaters folgender Spruch des Poeten und Schuhmachers Hans Sachs zu lesen war: "Ehre, deutsches Volk, und hüte treulich deinen Handwerksstand; als das deutsche Handwerk blühte, blühte auch das deutsche Land." Hermann jun. verbrachte von 1949 bis 1951 seine Lehrzeit zum Schuhmacher beim Lehrherrn Hermann Kauke an der Bergstraße neben der Metzgerei Konopka. Nach bestandener Gesellenprüfung war er bis 1969 im elterlichen Geschäft tätig. September 1961 heiratete er Henriette Formes. Die Osterfelder erinnern sich noch gerne an das Eiscafé Formes, die Konditorei oder die spätere Wirtschaft "Wappenstube", die von Henriette am Wappenplatz betrieben wurde. Aus wirtschaftlichen Gründen – als selbstständiger Handwerksmeister konnte man mit industriell gefertigten Schuhen nicht mehr konkurrieren – bewarb sich Hermann jun. im Februar 1969 bei der "Elefanten"-Schuhfabrik in Kleve als Bandmeister. Weitere Stationen waren eine mehrjährige Tätigkeit als Bandmeister in einer Schuhfabrik im belgischen Genk und später als Leiter der Schuhwarenabteilung bei der Firma Karstadt, zuerst in Recklinghausen, dann in Wanne-Eickel. Alles drehte sich bis April 1976 im Hause Wagner um Schuhe, aber dann sagte auch Hermann jun. trotz aller beruflichen Erfahrungen in puncto Leder und Schuhe seinem Handwerk ade und wechselte zum Traditionsunternehmen Gutehoffnungshütte in Sterkrade. Bis zum Rentenalter 1997 war er dort in der Inventurabteilung beschäftigt. Seit 1973 wohnt die Familie nun in Kirchhellen. Bemerkenswert war sein Schlusssatz: "Das Osterfelder Heimatblatt 'Der Kickenberg' bekomme ich freundlicherweise von unserer guten Bekannten, Ursel Schräjahr, seit geraumer Zeit zugestellt. Es ist immer erfreulich, so manche schöne Erinnerung aus der Heimatstadt zu erfahren." Abgewandelt möchte ich abschließend mit Reinhard Mey sagen: "Ich liebe meine Schuhe, wir sind ein schönes Paar. Ich mag ihre Gerüche und ich mag ihr Inventar!" Walter Paßgang Ausgabe 35 – Juni / 2015 Lebenshilfe e.V. Mülheim an der Ruhr - Nicolas und Lisa beim Kochen mit Jennifer Schellhöh Menschlichkeit. Ein Wert unseres Handelns Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt. Wir machen den Weg frei. Düsseldorfer Str. 11-13 47051 Duisburg Telefon: 0203 4567-0 Telefax: 0203 4567-2220 www.volksbank-rhein-ruhr.de Kickenberg Alte Ansichten – neue Ansichten Der Strukturwandel Das linke Bild aus den 1960er Jahren zeigt die Trasse der Hüttenbahn von Sterkrade nach Oberhausen in Höhe der Wertfeldstraße. Die GHH hatte ihre Oberhausener Betriebe und den Hafen Walsum durch eine Werksbahn miteinander verbunden. An drei "Übergabestellen" gab es Verbindungen mit der Reichs- bzw. Bundesbahn. Die Hochspannungsmasten neben der Bahntrasse gehörten zum werkseigenen "Ringnetz", das die Betriebe mit elektrischer Energie aus eigenen Kraftwerken versorgte. Die 2,40 m "dicke" Rohrleitung, rechts im Bild, transportierte Gichtgas zur Beheizung der Koksöfen zu den Kokereien Osterfeld und Jacobi. Der Abzweig zur Kokerei Osterfeld ist in der Bildmitte zu sehen. Diese Rohrleitung wurde in einem Tunnel durch den Bahndamm geführt. Der 117 m hohe Gasometer im Hintergrund diente bis zum 13. August 1979 als Zwischenspeicher für das im Hochofenprozeß anfallende Gichtgas. An diesem Tag ging der letzte Hochofen in Oberhausen – der Hochofen A im Bildhintergrund rechts – außer Betrieb und die Kokereien mußten die Beheizung auf Koksgas umstellen. In der Bildmitte erkennt man am Horizont das HOAG-Kraftwerk an der Ecke Osterfelder/Essener Straße und die Knappenhalde. Das vor dem Gasometer sichtbare Reihenhaus gehört zur Siedlung "Eschenbruchshof", die Häuser im Vordergrund liegen an der Bottroper Straße. Das rechte Bild zeigt die Haltestelle OLGA-Park. Es verdeutlicht eindrucksvoll den Einfluß des Strukturwandels an dieser Stelle. Die Stahlwerke, Zechen und Kokereien sind stillgelegt, deshalb werden die Schienenstränge und die Versorgungsleitungen nicht mehr benötigt. Der Rat der Stadt beschloß, auf einem Teil der freigewordenen Industrieflächen das Einkaufsparadies CentrO. bauen zu lassen. Zu den wenigen Industriebauwerken, die von der Abrißbirne verschont blieben, gehörte der Gasometer. Er ist heute eine nicht alltägliche Ausstellungshalle und zugleich Aussichtsturm. Auch die Wohnhäuser, die auf den Bildern zu sehen sind, haben die Zeiten beinahe unverändert überdauert. Mit Blick auf die durch das CentrO. zu erwartenden Besucherströme beschloß der Rat der Stadt, im öffentlichen Personennahverkehr die Straßenbahn wieder einzuführen, die 1968 auf Beschluß desselben Gremiums den Betrieb einstellen mußte. Pünktlich zur CentrO – Eröffnung im September 1996 fuhren die neuen Straßenbahnzüge zusammen mit den Autobussen der STOAG zwischen dem Einkaufszentrum und Sterkrade Bhf bzw. Oberhausen Hbf – unabhängig vom übrigen Straßenverkehr – auf eigenen Fahrbahnen über die ehemalige Hüttenbahntrasse. Fritz Pamp Katsch het wat tou vertellen Op dem Kamp Op dem Kamp dat sin de Hüser op Schmitz haen ne Hippe (Ziege), Wort- deRipsdörne no den Sportplatz bis to de manns Bernd, der Bruder von Oma Bahn! As ik op de Welt kom, stunnen do Schmitz, ha Karnickel. Hauner (Hühner) fief Hüser: Brindöpke, Kathage, Krause haen alle. Brunsbach, Schmitz und Paaßen. Kott vö Be Kathage stunn dat Backhus, wo frö- de Bahn wor noch en Hus. Do wohnen her alle backen däen. Lehnen, Rigol un Michalak. Wenn et Halftied wor op den Sport- Alle Hüser haben nen Pütt (Brunnen) platz, liepen alle klöwer no Döpi un no us un ne Pumpe. De Pütt van det Hus vö de Döpies (Brindöpke) haen en Perd met Bahn wor so dieb, dat se dat Water met Wagen. De verkoffen domols noch Sand nen Emmer anne Kette hochdrieven ut de egenen Sandkuhl. Ferkes haen mussen. Kathage, Krause un Paaßen. - 41 - to de Pumpe, Water wor genog do! Dat wor de gude olle Tied! Dat sall et van Dage sinn, Inke Katsch Ausgabe 35 – Juni / 2014 Kickenberg Veranstaltungskalender Juni – August 2015 Revierpark Vonderort Freizeithaus Bottroper Str. 322 Briefmarken Großtauschtag 27. Juni, 9:00 - 14:00 Uhr Modelleisenbahnund Spielzeugmarkt 12. Juli, 11:00 - 16:00 Uhr Park Südteil Trödelmarkt 4. Juni, 11:00 - 18:00 Uhr 5. Juli, 11:00 - 18:00 Uhr 2. August, 11:00 - 18:00 Uhr Oberhausen Open Air "Umsonst und draußen Festival" 5. Juni, ab 18:00 Uhr Holi Festival "Farben- und Musikspektakel" 6. Juni, ab 11:00 Uhr Freibad Celebrate the summer "Pool Open Air" 4. Juli, 12:00 - 22:00 Uhr Solbad Lange Saunanacht jeden 1. Freitag im Monat von 20:00 - 1:00 Uhr Bezirksvertretung Osterfeld Öffentliche Sitzung 9. Juni, 18:00 Uhr Aula der GSO (Eingang Bärenseite) Westfälische Str. OLGA-Park Vestische Str. 45 Ruhr-in-Love "Das elektronische Familienfest" 27. Juni, 12:00 - 22:00 Uhr Olgas-Rock "Umsonst und Draußen" Musikfestival 7. - 8. August, jeweils ab 12:00 Uhr St. Antony-Hütte Antoniestr. 32-34 "Die Wiege der Ruhrindustrie" Öffentliche Führung mit anschließendem Rundgang durch den industriearchäologischen Park 21. Juni, 14:30 - 16:00 Uhr 19. Juli, 14:30 - 16:00 Uhr 16. August, 14:30 - 16:00 Uhr Ausgabe 35 – Juni / 2015 Burg Vondern Vereine 9. Ritterfest "Bürger, Bauern, Vogelfreie" 18. - 19. Juli Großes Treffen der ehemaligen Handballspieler der SG Osterfeld 6. Juni Friesenhügel, Kapellenstr. 92 Arminstr. 65 Sonntags-Matinee Karten jeweils 12 € an der Tageskasse Ensemble Corrèlatif Das Holzbläserquartett "Musik im Spiel – Spielmusik" Von Benedetto Carulli bis Johan Strauss 7. Juni, 11:00 Uhr Duo Hierba Buena Noticias del Mundo Weltnachrichten im Rhythmus von Tango und Bossa Nova Sonnica Yepes – Gesang Thomas Hanz – Gitarre 23. August, 11:00 Uhr Informationen und Terminabsprachen für Burgbesichtigungen donnerstags von 18:00 - 19:00 Uhr Erzählcafé im Bistro Jederman Osterfelder Marktplatz "Gewässer in Osterfeld" mit Heinrich Bahne 9. Juni, 18:00 - 20:00 Uhr Der "Gartendom" Ein Gebäude für Kohle, Film, Blumen und Beton mit Fritz Pamp 7. Juli, 18:00 - 20:00 Uhr Stadtsportbund Vereine präsentieren sich 13. Juni, 10:00 - 14:00 Uhr Osterfelder Innenstadt Erich Kästner-Schule Schulfest 13. Juni, 12.00 - 16.00 Uhr Rothebuschstr. 21 Kirchen Pfarrei St. Pankratius Gemeindefest 13. - 14. Juni Nürnberger Str. 5 Ev. Auferstehungskirchengemeinde Sommer- und Gemeindefest 21. Juni Kapellenstr. 26 Kath. Pfarrgemeinde St. Josef Gemeindebezirksfest 22. - 23. August Hertastr. 4 - 42 - HSC Osterfeld Handballtunier 4. - 6. Juni Friesenhügel, Kapellenstr. 92 BV Osterfeld 1919 e.V. Familientag + Trödelmarkt 6. Juni, ab 10 Uhr Platzanlage, Mergelstr. 84 Die Hobby-Singers Frauenchor Osterfeld 1998 Musikalischer Frühschoppen 14. Juni, ab 11:00 Uhr Gaststätte Koopmann, Kniestr. 27 SV Klosterhardt 1925 Schützenfest 14. Juli Vereinsheim, Droste-Hülshoff-Str. 27 BSV 1882 Osterfeld Schützen- und Volksfest 24. Juli OLGA-Park, Vestische Str. 45 SV Rothebusch Schützenfest 14.-16. August Vereinsheim, Nürnberger Str. 99 KG Blau-Gelb Vondern Sommerfest 28. August Kindersommerfest 29. August Burg Vondern, Arminstr. 65 MGV Eintracht 1875 Jubiläumskonzert zum 140-jährigen Bestehen des Chores 30. August, 17.00 Uhr Revierpark Vonderort, Freizeithaus, Waldhofsaal, Bottroper Str. 322 GOK Monatsversammlung jeden 2. Donnerstag im Monat, um 19:30 Uhr Haus Reimann, Rothebuschstr. 122 Osterfelder Radsportverein 1983 e.V. Informationsabend jeden 2. Donnerstag im Monat, um 19:00 Uhr Gaststätte Zur Antony-Hütte, Hasenstr. 20 Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Duisburg-Essen PFLEGEZENTREN UND AMBULANTE PFLEGEDIENSTE Wenn Sie durch einen Unfall, eine Erkrankung oder andere Einschränkung eine umfangreiche Unterstützung benötigen, sind wir für Sie da. Wir bieten eine umfassende, professionelle 24-Stunden Versorgung zu Hause oder eine ganzheitliche Betreuung und Begleitung durch unser hochqualifiziertes Fachpersonal in unseren Pflegezentren. Als wertorientierter Träger stehen wir sowohl für eine individuelle, auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete kompetente Pflege als auch für einen wertschätzenden und mitmenschlichen Umgang. Unsere Senioren- und Pflegezentren Altenzentrum St. Clemens Hedwigstraße 22 46145 Oberhausen 0208 / 99445-111 Alten- und Pflegeheim Bischof-Ketteler-Haus Kettelerstraße 10-14 46117 Oberhausen 0208 / 8996-0 Pflegezentrum am St. Josef-Hospital Mülheimer Straße 89 46045 Oberhausen 0208 / 8489-0 Unsere Ambulanten Pflegedienste Ambulanter Pflegedienst St. Clemens Wilhelmstraße 34 46145 Oberhausen 0208 / 695-4110 Ambulanter Pflegedienst St. Josef Mülheimer Straße 83 46045 Oberhausen 0208 / 695-4120 Ambulanter Pflegedienst St. Marien Kettelerstraße 10-14 46117 Oberhausen 0208 / 695-4130 Krankenhäuser | Pflegezentren | Ambulante Pflege | Reha-Zentrum | Hospiz
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