Renate Schwarz-Govaers: Problemorientiertes

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Pflegewissenschaft. Einzelbeitrag | ISSN 1662-3029 | Verlag hpsmedia GmbH | D-63667 Nidda
Pflegewissenschaft
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Problemorientiertes Lernen –
neuer Wein in alten
Schläuchen oder eher alter
Wein in neuen Schläuchen?
Renate Schwarz-Govaers
Renate Schwarz-Govaers
Weiterbildungszentrum
für Gesundheitsberufe
Bereich Beratung
Mühlemattstr. 42
CH-5001 Aarau
Tel.: 004162 837 5848
Fax: 004162 837 5860
renate.schwarzgovaers@
weg-edu.ch
Das problemorientierte Lernen ist nicht neu. Neu ist die Gestaltung des
Lernumfelds. Lernen, das auf konkreten Problemen bzw. Berufssituationen
statt auf Unterrichtsfächern basiert, führt zu Wissen, das im beruflichen
Alltag auch angewendet werden kann. Wissen, das selbständig erarbeitet
statt von Lehrenden präsentiert wird, bleibt als Erkenntnis gespeichert. Erkenntnis ist handlungswirksam, wenn sie mit dem eigenen Wissen, den
eigenen Erfahrungen und Theorien genügend verknüpft und verdichtet
wurde. All dies wurde von Lerntheoretikern in den letzten hundert Jahren
gefordert. Problembasiertes Lernen (PBL) bietet nun einen Rahmen, der diese Forderungen erfüllt
Wir haben durch den Kongress Lernwelten 2002 viele spannende Erfahrungen
gemacht, Kenntnis über neue und neueste Forschungsresultate, Praxisberichte
und Bildungstrends erhalten. Was bleibt von all dem, wenn wir wieder zu Hause
an unserem Arbeitsplatz sind?
Wir kennen das aus Unterricht oder Studium, Fortbildungen oder eben Kongressen. Wir hören viel und sind beeindruckt, doch bleibt die Wirkung eher bescheiden. Dies gilt v.a. für Wissen, das unseren Alltag oder unser berufliches Handeln
verändern sollte. Was wissen wir nicht alles über den richtigen Umgang mit PartnerInnen, Kindern, PolitikerInnen oder eben SchülerInnen und verändern doch
nichts dabei.
Nun, damit haben sich die Pädagogen auch schon vor über hundert Jahren befasst, doch bleibt der Unterricht und auch das Studium weitgehend im alten Stil
bestehen. Deshalb erfolgte die Erweiterung des in der Ausschreibung so kurz
formulierten Themas: Problemorientiertes Lernen – neuer Wein in alten Schläuchen oder eher alter Wein in neuen Schläuchen?
Einführung
Bevor wir den alten Wein etwas genauer testen, möchte ich Sie mit den neuen
Schläuchen schon einmal etwas vertraut machen:
Problemorientiertes Lernen bedeutet für uns heute „Problembasiertes Lernen“
(PBL).
Schlüsselwörter
Problemorientiertes Lernen
PBL
Konstruktivismus
Bei diesem Verständnis von PBL werden die Lernenden in Gruppen mit einem
Problem konfrontiert, bevor sie sich mit dem Unterrichtsstoff auseinander gesetzt haben, und sie bearbeiten das Problem vorläufig aufgrund ihres eigenen
Vorwissens (Schritt 1-5). Diese vorläufigen Lösungen werden im Selbststudium
einer Prüfung unterzogen, durch neues Wissen ergänzt und korrigiert (Schritt 6)
und im Gruppenprozess durch Diskussion und Vergleich gesichert (Schritt 7).
Dieser dreiphasige Lernprozess findet in sieben Schritten, dem „Siebensprung“
statt. Die dritte Phase sollte durch einen 8. Schritt (als „Achterbahn“) ergänzt
werden, der die Anwendung und den Transfer auf andere Situationen erlaubt.
Um den „alten Wein“ zu testen will ich nun nicht bei Adam und Eva beginnen.
Doch ein kurzer Blick zurück auf die letzten hundert Jahre schafft uns einen besseren Zugang zum heutigen PBL. Ich möchte eine Linie ziehen von den Reformbestrebungen in Europa und Amerika zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Dewey
PFLEGEPÄDAGOGIK 36
PR-I NTERNET 1/03