primus
Schwein
Sonderdruck aus dem dlz agrarmagazin/primus Schwein Heft 11/2015
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Futter
mit Schuss
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STANDORT
Futter mit Schuss
Die junge Schweinemästerin Christina Lackermeier hat sich in ihrer Meisterarbeit das Ziel gesetzt, mittels Rationsoptimierung die Futterkosten zu senken
und die Gesundheit ihrer Tiere zu verbessern. Das ist ihr mit Bravour gelungen.
Von Uwe Bräunig
W Christina Lackermeier hat auf ihrem
Betrieb mit 1.400 Mastschweinen die
Fütterung modifiziert.
W Soja wird jetzt zum Teil durch Raps­
und Sonnenblumenschrot ersetzt.
Hinzu kommt ein Nebenerzeugnis aus
der Enzymherstellung.
W Die rohfaserreicheren Rationen
haben zu einer besseren Darmge­
sundheit der Tiere geführt.
W Gleichzeitig sind die Futterkosten um
5 Euro pro Schwein gesunken.
2 dlz primus Schwein
SoNDERDRuCK 2015
F
ür die frischgebackene Landwirtschaftsmeisterin Christina
Lackermeier aus dem bayerischen
Weihmichl bei Landshut war es
ein hartes Stück Arbeit. Die 23-Jährige
bewirtschaftet (siehe „Der Betrieb Lackermeier“) mit ihren Eltern den Familienbetrieb mit 1.400 Mastplätzen, hat
monatelang akribisch untersucht, wie
sich zwei verschiedene Fütterungsstrategien auf die Leistungen der Tiere und
die Wirtschaftlichkeit auswirken.
Dazu führte sie in den beiden baugleichen Ställen mit jeweils 700 Plätzen
einen Direktvergleich durch. Einbezogen
waren über drei Durchgänge hinweg
insgesamt über 4.000 Mastschweine. Im
einen Stall wurden die bisherigen Rationen verfüttert, die als Eiweißkomponente nur Sojaextraktionsschrot enthielten. Im anderen Stall kam ein
rohfaserreicheres Futter zum Einsatz, bei
dem das Soja zum Teil durch Raps- und
Sonnenblumenschrot ersetzt wurde.
Hinzu kam hier als weitere Komponente
ein Nebenprodukt aus der Enzymherstellung. Ziel war es, die Rationen billiger
und gesünder zu machen.
Der damit verbundene Aufwand, der
letztlich in der Meisterarbeit von Christina Lackermeier seinen Niederschlag findet, hat sich gelohnt. Das „überarbeitete“
Fütterungskonzept führte im Vergleich
zur damaligen Ist-Situation nicht nur
dazu, dass sich die Masttagszunahmen
und die Futterverwertung verbesserten.
Gleichzeitig konnten die Futterkosten pro
Schwein um fast 5 Euro gesenkt und somit
auch der Deckungsbeitrag entsprechend
erhöht werden (siehe Tabelle „Futter noch
besser verwertet“ auf Seite 5). Seitdem ist
das „neue“ Futter Standard im Betrieb.
Doch dazu später mehr.
Christina Lackermeier und
Ringberater Franz Josef
Wilsch können heute beobachten, dass sich die Tiere
seit der Rationsumstellung
gleichmäßiger entwickeln.
700 Ferkel aus
einem ­Herkunftsbetrieb
Der Hof Lackermeier hat eine über
100 Jahre alte Tradition als Veredelungsbetrieb mit „angehängter“ Gastwirtschaft. Mit dem Bau der beiden neuen
Mastställe mit jeweils 700 Plätzen vor
zwölf und fünf Jahren hat Betriebsleiter
Leonhard Brummer-Lackermeier die
Weichen für die Zukunft und damit auch
für seine Tochter Christina gestellt, die
den Hof einmal übernehmen wird.
Nach einer landwirtschaftlichen Lehre und der Fachschule mit Meisterabschluss hat die junge Landwirtin jetzt die
Zügel, zumindest was die Schweine betrifft, in die Hand genommen. Dabei setzt
sie die schon von ihrem Vater praktizierten Grundsätze einer erfolgreichen Mast
konsequent fort.
Dazu zählt der Bezug von großen
700er-Ferkelpartien mit definierter
­Genetik aus nur einem Herkunftsbetrieb.
Denn die beiden Ställe werden strikt nach
dem Rein-Raus-Prinzip bewirtschaftet.
Was die Genetik betrifft, müssen die Tiere aus der Anpaarung dänischer Sauen
mit einem fleischreichen Piétrain-Eber
stammen. „Unser Fokus liegt nicht auf
Der Vorratsbehälter für das Gemisch aus Maiskornsilage und
Milch­zuckermelasse ist im Boden der Futterküche eingelassen.
Neben Weizen setzt Christina Lackermeier
Maiskornsilage bester Qualität als Energie­
lieferant in den Rationen ein.
DER BETRIEB
­L ACKERMEIER
Anzahl Mastplätze
1.400
Einstallgewicht (kg)
25
Masttagszunahmen (g)
775
Verluste (%)
1,4
Umtriebe pro Jahr
3,0
Ausschlachtung (%)
81
Magerfleischanteil (%)
60
Fütterung
flüssig am Kurztrog
mit Sensor
Futterverwertung
1:2,57
Die Mastschweine werden nach Geschlechtern getrennt aufgestallt und
flüssig am Kurztrog mit Sensor gefüttert.
Sonderdruck 2015 dlz primus Schwein 3
So setzen sich die Rationen zusammen*
Anfangsmast ab 40 kg LM
Mittelmast ab 70 kg LM
Endmast ab 90 kg LM
Kontrolle
Synergen
Kontrolle
Synergen
Kontrolle
Synergen
Kontrolle
Synergen
34,0
34,48
14,4
17,68
8,60
18,18
10,8
13,79
Maiskornsilage
25,0
25,0
38,0
37,0
40,0
35,0
40,0
39,99
Sojaextraktionsschrot
26,0
17,5
23,0
14,5
21,0
12,5
18,0
7,0
Weizenschlempe (flüssig)
5,0
6,0
10,0
8,0
14,0
10,0
15,0
10,0
Milchzuckermelasse
8,0
5,0
13,0
9,0
15,0
9,0
15,0
10,0
Mineralfutter Molkemast
Futterzusammensetzung
(% in der Trockenmasse)
Weizen
Einstallfutter ab 25 kg LM
2,0
2,0
1,60
1,8
1,4
1,3
1,2
1,2
Synergen
–
0,02
–
0,02
–
0,02
–
0,02
Rapsextraktionsschrot
–
5,0
–
6,0
–
7,0
–
9,0
Sonnenblumenschrot
–
17,5
–
6,0
–
7,0
–
9,0
25,16
24,31
24,13
23,46
23,60
22,88
22,89
21,81
Kosten (€/dt)
Inhaltsstoffe je Kilogramm Trockenmasse
Energie (MJ ME)
12,85
12,65
12,55
12,4
12,38
12,34
12,39
12,22
Rohprotein (g)
189,28
187,69
176,31
177,28
171,87
178,49
163,64
167,63
Lysin (g)
10,96
10,26
9,94
9,56
9,44
9,0
8,62
8,08
Rohfett (g)
22,66
24,62
27,36
27,98
29,58
28,87
30,24
30,47
Rohfaser (g)
36,41
48,39
37,89
50,82
39,37
54,15
39,04
57,63
Calcium (g)
8,32
7,38
9,73
8,77
10,26
7,95
9,85
8,26
Verdaulicher Phosphor (g)
3,53
3,05
4,43
3,79
4,79
3,83
4,79
4,05
* Vergleichende Beschreibung der Futterkomponenten in den Mastrationen ohne den Zusatz von Synergen (Kontrolle) und mit Synergen,
einem Nebenerzeugnis aus der Enzymherstellung
Nach Himmelsrichtung
­aufgestallt
Nicht alltäglich ist die Art und Weise der
Aufstallung der Mastschweine. Diese erfolgt nicht nur nach Geschlechtern getrennt, sondern auch nach der Himmelsrichtung. So werden die Börge nach
Norden und die Sauschweine nach Süden
hin aufgestallt. „Die Mädchen wollen es
etwas wärmer haben“, sagt die junge Landwirtin schmunzelnd. Sie verweist auch
darauf, dass Männchen und Weibchen ein
unterschiedliches Schlaf-Fress- und Spielverhalten haben. Während die weiblichen
Mastschweine nach der Devise „fressenschlafen-fressen-schlafen“ lebten, hieße es
bei den Börgen „fressen-lange schlafenfressen-lange schlafen“. Somit käme die
praktizierte Aufstallung den unterschiedlichen Bedürfnissen der Tiere entgegen.
„Zumal es so auch möglich ist, die Börge
in der Endmast restriktiv zu füttern“, meint
Christina ­Lackermeier.
Das Ausstallen zur Schlachtung erfolgt an drei Terminen: Nach 100 Masttagen gehen die ersten 10 Prozent der
Tiere, am 110. Tag die nächsten 10 bis
20 Prozent und am 120. Tag der große
Rest. Um die Sortierverluste so gering
wie möglich zu halten, werden mittels
einer fahrbaren Waage stichprobenartig
die Gewichte der Schweine kontrolliert.
Ist der Stall leer, wird er gründlich ge-
reinigt und desinfiziert, bevor die nächste 700er-Ferkelpartie mit etwa 25 kg
aufgestallt wird.
Mehr Rohfaser
und Synergen
Im Betrieb Lackermeier wird das Futter
selbst vermahlen und gemischt, bevor
es flüssig in vier Phasen an die Tiere verabreicht wird. Als Energiefuttermittel
Fotos: Bräunig
maximalen Zunahmen, sondern auf stabilen, hohen Magerfleischanteilen von
59 bis 60 Prozent, bei einer Ausschlachtung von knapp 81 Prozent. Kombiniert
mit einer optimierten Fütterung lassen
sich so gleichmäßige Partien von
Schlachtschweinen erzeugen, die unsere
Zielmarken erfüllen“, erklärt Christina
Lackermeier.
Quelle: Lackermeier
Christina Lackermeier (hier mit Ehemann Roland, der als Polizist arbeitet) wird einmal
den Hof von ihren Eltern Christa und Leonhard Brummer-Lackermeier übernehmen. In der Mitte
Ringberater Franz Josef Wilsch vom LKV Bayern, der den Betrieb schon viele Jahre betreut.
Sonderdruck 2015 dlz primus Schwein 4
Die junge Landwirtin
kontrolliert täglich,
ob bei der Fütterung
alles stimmt.
Futter noch besser
verwertet*
Kon­
trolle
Syner­
gen
Tageszunahmen (g)
760
775
Futterwertung (1: …)
2,68
2,56
Verluste (%)
1,27
1,87**
Futteraufnahme
Tier proTag (kg)
2,04
1,98
Futterkosten (€/Tier)
61,80
57,00
Magerfleischanteil (%)
59,3
60,1
Ausschlachtung (%)
80,3
80,9
Kennzahl
* Ergebnisse des direkten Vergleichs der beiden
Fütterungsstrategien (bei durchschnittlichen
Ferkel- und Schweinepreisen);
** in einem der drei Durchgänge Gesundheits­
probleme infolge von Nekrosen und Nabelbrüchen
werden hauptsächlich Maiskornsilage
und Weizen aus eigenem Anbau eingesetzt. Erstere lagert luftdicht verschlossen
in einem Fahrsilo. Zur besseren Konservierung wird beim Einlagern des Maismehls Ameisensäure auf die oberste
Schicht aufgebracht, bevor das Silo mit
Folien beziehungsweise Planen und Netzen abgedeckt wird. „Wir arbeiten hier
sehr sorgfältig, um höchste Futterqualität zu gewährleisten“, betont die junge
Landwirtin.
Weitere Rationskomponenten sind
Sojaschrot, die Nebenprodukte Weizenschlempe und Milchzuckermelasse
(aufgedampfte Molke) sowie neuerdings Raps- und Sonnenblumenschrot.
Hinzu kommt ein speziell an den Betrieb angepasstes Mineralfutter sowie
die Komponente Synergen (Alltech).
Dieses als Einzelfuttermittel zugelassene Nebenerzeugnis aus der Enzymherstellung wurde im Rahmen der
eingangs erwähnten Meisterarbeit von
Christina Lackermeier umfassend getestet.
Auf die Idee dazu gebracht hat sie ihr
Ringberater Franz Josef Wilsch vom LKV
Bayern. Er betreut neben den Lackermeiers rund 15 Betriebe, die dieses
­Nebenprodukt mittlerweile erfolgreich
in ihren Schweinerationen einsetzen.
„Nach den bisher gemachten Erfahrungen trägt Syner­gen dazu bei, die Verdaulichkeit der Rohfaserkomponenten in
der Futtermischung zu erhöhen“, erklärt
der Berater. Dies würde bei den Tieren
darüber hinaus zu einer besseren Verfügbarkeit von Stärke und anderen Nährstoffen wie beispielsweise Aminosäuren
und Mineralstoffen, insbesondere jedoch
Phosphor, führen.
5 dlz primus Schwein Sonderdruck 2015
Vor diesem Hintergrund hat ­Christina
Lackermeier gemeinsam mit Franz Josef
Wilsch die Rationen modifiziert. Das
teure Sojaschrot wurde teilweise ersetzt
durch rohfaserreicheres Raps- und Sonnenblumenschrot, sodass sich der Energiegehalt des Futters verringerte und der
Fasergehalt von ehemals 3,5 Prozent auf
jetzt 5,0 (Anfangsmast) bis 5,7 Prozent
(Endmast) stieg. Die genaue Zusammensetzung der Mastrationen vor (Kontrolle) und nach dem Einsatz von Synergen
geht aus der Tabelle auf Seite 4 hervor.
Beim Bezug der Futtermittel wie Sonnenblumenschrot wird in höchstem
Maße auf die Qualität geachtet und nur
hochwertige Ware eingekauft, deren Inhaltsstoffe nicht schwanken und die auch
nicht mit Mykotoxinen belastet ist. Sonnenblumenschrot besitzt einen hohen
Eiweißanteil mit guter Aminosäurenaus-
stattung, ist aber weniger gut verdaulich
als Sojaschrot. „Und genau hier kommt
dann Synergen ins Spiel“, sagt Franz ­Josef
Wilsch.
Gesünderer Darm
und geringere Futterkosten
Welche Effekte hat die veränderte Rationsgestaltung gebracht? „Unter dem
Strich sind meine Erwartungen nicht
nur erfüllt, sondern sogar übertroffen
worden“, freut sich Christina Lackermeier. So hätten die Schweine heute eine
deutlich verbesserte Darmgesundheit
infolge des höheren Faseranteils und es
müssten kaum noch Antibiotika eingesetzt werden.
Daneben ging es auch bei den Leistungen bergauf. So sind im Vergleich zu
früher die Masttagszunahmen um 15 g
auf 775 g gestiegen und die Futterverwertung hat sich um 0,12 auf
1:2,57 verbessert. Die Ausschlachtung
liegt jetzt im Schnitt um 0,6 Prozent
­höher und der Magerfleischanteil um
0,8 Prozent (siehe Tabelle „Futter noch
besser verwertet“). „Wir können zudem
beobachten, dass sich die Gruppen
gleichmäßiger entwickeln und wir
­weniger untergewichtige Tiere beim
­Verkauf haben“, resümiert Christina
­Lackermeier.
Gleichzeitig habe man aber festgestellt, dass die Gülle jetzt dicker und der
Kot härter ist, also oft auf den Spalten
liegen bleibt. Auch der Aufwand für die
Futteraufbereitung sei nun etwas höher.
Diese Mankos nimmt die junge Landwirtin gern in Kauf, wie auch die Kosten
für das Synergen von etwa 30 Cent/dt
Futter: „Für mich entscheidend ist, dass
die Tiere heute gesünder sind und unter
dem Strich 5 Euro weniger Futterkosten
pro Schwein stehen als früher.“ br
Die beiden baugleichen
Mastställe bieten Platz für
jeweils 700 Schweine.