Jura (Kanton) - Historisches Lexikon der Schweiz

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20/07/2015
Jura (Kanton)
Der Kt. J., dessen amtl. Bezeichnung "Republik und Kanton J." lautet, ist
der jüngste Gliedstaat der Eidgenossenschaft, zu der er territorial seit
1815 gehört. Sein Gebiet liegt inmitten der Höhenzüge der Region Jura
und umfasst ungefähr den sog. germanischen Teil des ehem.
Fürstbistums Basel. Dieser wurde im Gefolge der Franz. Revolution
vorübergehend zur unabhängigen Raurachischen Republik, dann zum
franz. Dep. Mont-Terrible und zum Arrondissement im Dep. Haut-Rhin,
bis er schliesslich durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses an den
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Kt. Bern gelangte. Die Grenzen des heutigen Kantons entsprechen mit
für die Buchausgabe des HLS mit Bild
geringen Abweichungen jenen der Amtsbez. Pruntrut, Delsberg und der und Infografik reich illustriert. Bestellen
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Freiberge in der Zeit 1815-1978. Diese Bez. bildeten damals einen
Bestandteil des Berner Juras, der seit der Gründung des Kt. J. und dem
Anschluss des Laufentals an Baselland 1994 auf die Amtsbez. Moutier
(abzüglich einiger Gem.), Courtelary und La Neuveville reduziert ist. Am
24.9.1978 hiess die Schweizer Bevölkerung die Gründung des neuen
Kantons an der Urne gut; mit der Zustimmung zur Änderung der
Bundesverfassung nahm sie den J. in den Kreis der schweiz. Kantone
auf und ermöglichte dessen Schritt in die Souveränität am 1.1.1979.
Amtssprache ist Französisch. Hauptort: Delsberg.
Fläche (2001)
838,6 km²
Wald / bestockte Fläche
370,4 km²
44,2%
Landwirtschaftliche Nutzfläche
413,2 km²
49,3%
48,0 km²
5,7%
7,0 km²
0,8%
Siedlungsfläche
Unproduktive Fläche
Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktura
Jahr
Einwohner
Anteil an Gesamtbevölkerung der Schweiz
1850
1880b
1900
1950
1970
2000
44 921
52 116
57 575
59 554
67 325
68 224
1,9%
1,8%
1,7%
1,3%
1,1%
0,9%
46 257
49 098
50 517
55 285
61 376
5 898
7 272
8 105
5 723
3 001
207
1 187
866
4 506
1 210
3
17
24
27
14
15
49
1 787
2 610
43 810
48 095
50 289
48 578
56 476
51 092
1 010
3 708
7 063
10 453
10 284
8 513
274
38
55
8 564
Sprache
Französisch
Deutsch
Italienisch
Rätoromanisch
Andere
Religion, Konfession
Katholischc
Protestantisch
Christkatholisch
Andere
101
573
223
249
527
davon jüdischen Glaubens
101
235
195
82
62
22
davon islamischen Glaubens
1 310
davon ohne Zugehörigkeitd
4 250
Nationalität
Schweizer
42 217
47 873
51 784
56 804
59 000
59 500
Ausländer
2 704
4 503
5 791
2 750
8 325
8 724
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Jahr
1975
1985
1991
1995
2001
1. Sektor
3 451
4 483
3 787
4 109e
3 578e
2. Sektor
14 772
14 204
16 130
13 857
14 109
3. Sektor
8 395
12 548
16 050
15 957
16 513
Jahr
1979
1985
1990
1995
2001
Anteil am Schweiz. Volkseinkommen
0,8%
0,7%
0,7%
0,6%
0,7%
Beschäftigte im Kanton
Angaben 1850-2000 gemäss Kantonsgebiet 2000
Einwohner: Wohnbevölkerung; Sprache, Religion, Nationalität: ortsanwesende Bevölkerung
c
1880 und 1900 einschliesslich der Christkatholiken; ab 1950 römisch-katholisch
d
zu keiner Konfession oder religiösen Gruppe gehörig
e
gemäss landwirtschaftl. Betriebszählungen 1996 und 2000
Quellen:HistStat; eidg. Volkszählungen; BFS
a
b
1 - Von den Anfängen bis zur Eingliederung ins Fürstbistum Basel
Ur- und Frühgeschichte des J.s sind stark von der geogr. Lage und den topograf. Verhältnissen bestimmt. Die
Gebiete, die sich zum Doubsbecken (Ajoie) oder zur Oberrhein. Tiefebene hin öffnen (Delsberger Tal), teilen
die Siedlungsgeschichte des Rheinknies und des Juranordhangs. Die Gebirgszüge hinderten die letzten
grossen Alpengletscher am weiteren Vordringen und haben so die Böden vor Erosion geschützt, weshalb die
ältesten prähist. Stätten der Schweiz erhalten geblieben sind.
1.1 - Erste menschliche Spuren
Aus der Riss-Würm-Zwischeneiszeit (Eem-Interglazial), die vor ungefähr 120'000 Jahren einsetzte, sind in Alle,
am Fundort Noir Bois, bedeutende Werkstätten für die Bearbeitung von Silex (Feuerstein) belegt. Die von den
Neandertalern getragene Kultur des Moustérien dauerte mit Unterbrüchen bis um 35'000 v.Chr. Die Silexlager
von Alle (Noir Bois und Pré Monsieur) und bei Löwenburg (Gem. Pleigne) lieferten die Ausgangsmaterialien,
die, besonders in den wärmeren Phasen, welche die letzte Eiszeit (Würm 35'000-8'000 v.Chr.) unterbrachen,
vor Ort bearbeitet wurden. Zehntausende von Abschlägen zeigen die Herstellung von Werkzeugen nach der
Levallois-Technik (gezielte Abschläge nach Vorplanung). Die meisten Artefakte sind Schaber, einige weisen
Einkerbungen auf (Steingeräte, deren eine Schneide konkav behauen ist), andere Zacken (Werkzeuge, bei
denen ein Rand gezähnt ist). Bei diesen Lagerplätzen wurden auch Artefakte gefunden, die aus Silex- und
Quarzitgestein vom Juranordfuss, von den südl. und östl. Abhängen der Vogesen und vom Schwarzwald
hergestellt sind. Einige stammen aus dem Mittelland, aus den Regionen Olten und Orvin. Auf der Hochebene
von Bure sowie in Alle, Boncourt, Bure, Courtedoux, Courtemaîche und Pruntrut wurden Knochenreste von
Tieren gefunden (Mammuts, Wollhaarnashörner, Hyänen, Pferde, Rentiere). Höhlenbären hausten in den
meisten Grotten des J.s. In jenen von Saint-Brais entdeckte Frédéric-Edouard Koby den Schneidezahn eines
Neandertalers und einige behauene Feuersteine.
Im Magdalénien um 13'000 v.Chr., als sich das Klima erwärmte, müssen mindestens drei Menschen in
Alle-Noir Bois tätig gewesen sein, wo sie Klingen (kleine Abschläge) aus Silex schlugen, um ihre Speere zu
reparieren. Einer von ihnen verwendete einheim. Silexmaterial, die beiden andern bearbeiteten Feuerstein
aus Bendorf (Oberelsass), den sie mitgebracht hatten.
Aus der Übergangsphase zum Mesolithikum, dem Azilien, stammen Funde bei Löwenburg. Einheim. Feuerstein
wurde im 12.-11. Jt. v.Chr. zu Spitzen und Klingen mit Rücken (Splitter, bei denen eine der Kanten
nachträglich überarbeitet wurde), zu abgestumpften Klingen, Sticheln, Kratzern und Bohrern verarbeitet.
Autorin/Autor: François Schifferdecker / AHB
1.2 - Menschen auf Wanderschaft - der Weg zur Sesshaftigkeit
In dem Masse, wie sich das Klima erwärmte, der Wald sich wieder ausdehnte und eine neue, typ. Fauna in
Erscheinung trat (Hirsch, Reh, Wildschwein, Auerochse, Biber, Wolf), passte sich der Mensch der veränderten
Umwelt an. Die Fundverteilung lässt eine Beschränkung seiner Präsenz auf die Ajoie und das Laufental
unterhalb von Liesberg vermuten. Aus dem Delsberger Tal und den Tälern des Berner J.s fehlen für diese
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Epoche Zeugnisse. In der Gem. Saint-Ursanne wurde beim kleinen Felsunterstand (Abri) von Les Gripons, in
einem Seitental des Doubs, ein Werkplatz zur Bearbeitung von Feuersteinabschlägen (sog. Mikrolithen)
entdeckt, der die Weiterentwicklung der Artefaktformen vom Dreieck zum Trapez belegt; er wird auf den
Zeitraum von 8'000 bis 7'000 v. Chr. datiert und ist reich an dreieckförmigen Abschlägen, die mit einem
Schaft versehen als Werkzeuge zur Herstellung von Pfeilen oder Harpunen dienten. Das dort behauene
Silexgestein ist im Wesentlichen einheim. Herkunft und zeigt damit die Fähigkeit dieser Populationen, sich an
einen eng begrenzten Lebensbereich anzupassen. Am selben, nur vorübergehend benutzten Ort ist auch die
Bearbeitung von Häuten und Fellen belegt. Zwei Jahrtausende später, im Spätmesolithikum, suchte eine
andere Menschengruppe, die ebenfalls Mikrolithen herstellte (Trapezformen und Klingen mit Einkerbungen
und unregelmässigen Retuschen vom Typ Montbani), diesen Abri regelmässig auf, vermutlich um dort
Pfeilbögen herzustellen. Weitere mesolith. Spuren sind in Pruntrut und in der Umgebung von Bure gefunden
worden.
Der Übergang zur Sesshaftigkeit und bäuerl. Wirtschaftsweise mit Ackerbau und Viehzucht (sog.
Neolithisierung) ist in der Ajoie nur sehr schwach belegt. Das Gebiet gehörte - wenn auch in Randlage - zum
Einflussbereich der beiden grossen Strömungen, die Westeuropa durchzogen: der danubischen, welche die
mitteleurop. Ebenen erfasste, und der mediterranen, die sich rhone- und saôneaufwärts ausbreitete. In
einigen juranahen Höhlen der Freigrafschaft Burgund wurden typ. Töpferwaren aus der 2. Hälfte des 5. Jt.
v.Chr. gefunden. Zur gleichen Zeit nahm der Güteraustausch über grössere Distanzen zu. In den Vogesen
hergestellte Äxte aus poliertem Stein wurden über den J. in Richtung Mittellandseen transportiert (Zürich, Biel,
Neuenburg). Zwei solche in Alle gefundene Exemplare waren aus demselben Silex gefertigt, der in Löwenburg
und in den Seeufersiedlungen des 4. und 3. Jt. v.Chr. nachgewiesen wurde.
Die Jurahöhen wurden demnach regelmässig überquert. Dennoch geben Polle- und Sedimentanalysen keinen
Hinweis auf einen bewohnten Ort im Delsberger Tal. In der Ajoie hingegen ist in Alle-Sur Noir Bois eine
Siedlung vermutlich aus dem Ende des mittleren Neolithikums (um 3'500 v.Chr.) belegt. Dazu kommt die
Pierre Percée ("Lochstein") von Courgenay, die Vorderplatte eines Dolmens und letzter Überrest eines
Gemeinschaftsgrabs, das um 3'000 v.Chr. gemäss der am Juranordhang üblichen Praxis errichtet wurde. Der
Megalith beweist die Existenz eines oder mehrerer Dörfer in der näheren Umgebung. Das einzige, das bisher
gefunden wurde (Alle-Noir Bois), wird auf 2'300 v.Chr. datiert, stammt also aus der Endzeit des Neolithikums,
d.h. aus der Glockenbecherkultur. Da es schlecht erhalten ist, weiss man weder über seine Grösse noch über
die Bauweise der Hütten Bescheid. Die Bewohner züchteten Rinder, Schweine, Ziegen sowie Schafe und
betrieben Ackerbau. Kontakte mit Bevölkerungsgruppen im Elsass und in Süddeutschland sind offenkundig,
Einflüsse aus weiter östlich gelegenen Gegenden sowie aus dem Rhonetal wahrnehmbar. Die bevorzugte
Verwendung einheim. Materialien (Silex, diverse Lehmarten) lässt auf gute Kenntnis des Gebiets und eine
weit zurückreichende Ansiedlung schliessen. Weitere zeitgleiche Stätten sind an mehreren Orten der Ajoie
identifiziert worden.
Autorin/Autor: François Schifferdecker / AHB
1.3 - Besiedlung und soziale Organisation
Zu Beginn der Bronzezeit dürfte die Bevölkerungszahl angestiegen sein. Die Hinweise auf menschl. Präsenz
nehmen über das ganze 2. Jt. v.Chr. zu. Nach und nach wurden die Ebene der Ajoie und das Delsberger Tal
besiedelt. Am Ende der mittleren und zu Beginn der Spätbronzezeit lagen zahlreiche Einzelhofsiedlungen
verstreut am Fuss und auf den Abhängen der Hügelzüge. In den Höhlen von Saint-Brais an der Schwelle zur
Hochebene der Freiberge kam ein bedeutender Bestand an Töpferwaren aus dem Ende der mittleren
Bronzezeit zum Vorschein. Unweit südlich, bei Lajoux, ergaben Pollenanalysen, dass schon in dieser Zeit
Rodungen stattfanden, welche die Sömmerung von Vieh vermuten lassen. Eine Siedlung aus der gleichen Zeit
wurde auf dem Mont-Terri in der Ajoie entdeckt. Jene von Le Roc (Gem. Courroux), eine bedeutende
spätbronzezeitl. Fundstelle, kontrollierte in den Felsen hoch über der Klus von Vorbourg den östl. Zugang zum
Delsberger Tal.
Das soziale Leben wurde zunehmend komplexer und hierarch. Strukturen bildeten sich heraus. Auf den
beiden Gräberfeldern von Alle-Les Aiges und von Delsberg-En La Pran sind Brandbestattungen nachgewiesen.
Die beiden ältesten Grabstätten (in Alle-Les Aiges) reichen bis zum Beginn der Spätbronzezeit zurück. In der
Nekropole von Delsberg war wohl ein Bereich für Erdbestattungen abgetrennt. Die hier entdeckten Perlen aus
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Glaspaste belegen Beziehungen zu den mediterranen Kulturen, während die in Alle gefundenen Goldfäden
von Kontakten mit den Regionen an der Maas und der Marne zeugen.
Die wenigen Artefakte und Fundstätten der älteren Eisenzeit (800-500 v.Chr.) können ebenfalls mit den
Begräbnisriten in Zusammenhang gebracht werden, doch wie im Mittelland sind auch hier die archäolog.
Belege für diese Zeitspanne dürftig. Bis heute ist noch keine Siedlung mit Sicherheit bekannt. Der vom
Flugzeug aus entdeckte abgeflachte Tumulus bei Bonfol ist noch nicht erforscht worden. Er hatte einen
Durchmesser von rund 20 Metern und war vermutlich von einer steinernen, etwa 2 Meter breiten Einfriedung
umgeben. Auf dem Mont-Terri wie auch in Delsberg weisen Bruchstücke von Lignitarmbändern auf die
Anwesenheit von Menschen hin. Die Funde stammen vielleicht aus Gräbern, wie auch das in Courfaivre
freigelegte Einzelgefäss.
Über die jüngere Eisenzeit (500-15 v.Chr.) ist mehr bekannt dank einiger Bauernhöfe mit Speichern aus der
frühen Latènezeit (Alle-Noir Bois), einer Abfallgrube (Courtételle-Tivila), einer Siedlung (Courrendlin-En Solé)
und fünf Fundstätten aus der Schlussphase der Latènezeit: Alle-Pré au Prince, Alle-Pré Monsieur,
Chevenez-Combe Varu, die Schmiede in Chevenez-La Combe en Vaillard und das Oppidum auf dem
Mont-Terri.
Autorin/Autor: François Schifferdecker / AHB
1.4 - Sequaner, Römer und Germanen
Laut Caius Iulius Caesars "De bello gallico" und anderer röm. Schriften bewohnte damals der kelt. Stamm der
Sequaner den J. Im Krieg gegen die Häduer gingen sie die Germanen Ariovists 58 v.Chr. um Verstärkung an.
In dieser Zeit, in die neben dem Vordringen der germ. Völker auch der Auszug der Rauriker und der Helvetier
fiel, soll das Plateau des Mont-Terri mit einem murus gallicus befestigt worden sein.
Der Bau von villae und von Strassen zu Beginn des 1. Jh. n. Chr. markiert den Einbezug der Jurahöhen in den
Machtbereich Roms. Die Römer erstellten ihre Bauten an den gall. Siedlungsorten, nutzten das Netz kelt.
Wege aus gestampfter Erde und konsolidierten dieses in den 30er Jahren, indem sie die Wege mit Steinen und
Kies ausbesserten. Im heutigen Kantonsgebiet verzweigte sich die Römerstrasse, welche die Jurakette querte.
Vom schweiz. Mittelland herkommend, verlief die Route über die Pierre Pertuis und Bellelay. Im äussersten
Westen des Delsberger Tals zweigte ein der Birs folgender Ast in Richtung Augusta Raurica ab, während der
Hauptweg weiter über den Pass von La Caquerelle-Les Rangiers führte und die Ajoie in Richtung
Epomanduodurum (Mandeure) durchquerte, wo er mit der grossen Juranordachse zusammentraf, die Augusta
Raurica mit Vesuntio (Besançon) verband. Die strateg. Bedeutung dieser Linienführung fiel dahin, als die
Rheingrenze des Imperiums mit der Eroberung des Dekumatenlands durch Ks. Vespasian 73-74 n.Chr. weiter
nach Osten verschoben wurde.
Die Überreste galloröm. villae liegen, mit Ausnahme der wasserarmen Hochebene von Bure, über das ganze
Gebiet der Ajoie und des Delsberger Tals verstreut. Aus den Freibergen stammt nur ein Fund aus röm. Zeit,
der wohl mit der vermuteten Relaisstation von Lajoux an der Strecke zur Pierre Pertuis zusammenhängt. In
Ausgrabungen zu Tage beförderte Bodendekorationen, Wandbemalungen und Importgeschirr zeugen vom
Wohlstand der Bewohner (Buix, Develier, Vicques), andere Fundstätten hinterlassen einen bescheideneren
Eindruck (Boécourt, Damvant). In der Ebene von Delsberg, die, wie das gesamte Tal, der Provinz Germania
Superior angegliedert wurde und dann vermutlich infolge der territorialen Neuordnung Ks. Domitians (86
n.Chr.) mit dem Oberelsass in der Civitas Rauracorum aufging, wurde ein Mausoleum errichtet. Die Ajoie, in
der nördlich von Pruntrut ein galloröm. Heiligtum (fanum) erstellt wurde, blieb zusammen mit Mandeure und
dem Doubs sequanisch. Die beiden Gebiete kamen unter Diokletian (284-305) zu der von ihm geschaffenen
Provinz Maxima Sequanorum, in der Helvetier, Rauriker und Sequaner vereinigt wurden. 260-261
verursachten die Raubzüge der Alemannen schwere Zerstörungen. Einzelne villae wurden aufgegeben,
andere teilweise wieder instand gestellt, allerdings nur für wenige Jahrzehnte. Der Mont-Terri wurde erneut
befestigt und war vermutlich zu Beginn des 4. Jh. während einiger Zeit von röm. Truppen besetzt. In der Mitte
des 4. Jh. nutzten die Alemannen die Kämpfe zwischen Ks. Constans und dem gall. Usurpator Magnentius, um
in den Kriegszügen von 353 bis 354 und 378 jurass. Gebiet zu erobern. Die Münzfunde in der Region belegen
deutlich diese beiden grossen Zerstörungswellen. Ein paar Münzen aus dem ausgehenden 4. Jh. weisen zwar
darauf hin, dass die galloröm. Kultur in der Region weiterhin Bestand hatte, doch für das 5. Jh. schweigen die
archäolog. und hist. Quellen diesbezüglich für das Gebiet des Kt. J. Einige Dörfer haben jedoch einen
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Ortsnamen lat. Ursprungs bewahrt. Sie bezeugen, wie Chevenez, Montignez (von den Personennamen
Cavinius bzw. Montanius abgeleitete Toponyme) oder Vicques (von vicus), die Kontinuität der Siedlung.
Autorin/Autor: François Schifferdecker / AHB
1.5 - Anfänge der Feudalherrschaft und Christianisierung
Vom 6. Jh. an war die Besiedlung in der Ajoie und im Delsberger Tal nachweislich recht dicht. In der ländl.
Siedlung im Gebiet von Develier und Courtételle war damals die Verhüttung von Eisenerz in vollem Gang.
Diese Tätigkeit bewog Giesser dazu, sich weiter südlich niederzulassen, insbesondere in der Umgebung von
Corcelles und Court, wie die dort gefundenen Rennöfen und Schlackenhaufen belegen. Die zahlreichen
Grabstätten lassen eine stärkere Besiedlung ab der 2. Hälfte des 6. Jh. und v.a. im 7. Jh. annehmen. Die
reichen Grabbeigaben aus dem bedeutenden merowing. Friedhof in Bassecourt, der Mitte der 1870er Jahre
entdeckt und ausgegraben wurde, weisen auf das Bestehen einer fränk. Aristokratie in der Gegend hin. Der
Friedhof gehörte zur wichtigsten Ansiedlung des Sornegaus, dessen Territorium sich bis zu den Quellen der
Birs erstreckte und der vermutlich den elsäss. Herzögen im zentralen Teil Austrasiens unterstand. Das grosse
Gebiet des Elsgaus, der die heutige Ajoie umfasste, blieb der Diözese Besançon und dem Königreich Burgund
angegliedert. Der Bevölkerungsanstieg des 7. Jh., der Reichtum an Eisenerz sowie der Verbindungsweg ins
Mittelland zogen missionierende Mönche an: Ursicinus, der sich im Clos du Doubs niederliess, und Germanus,
den ersten Abt des Klosters Moutier-Grandval, die später beide heilig gesprochen wurden.
Die karoling. Zeit hat im J., der nach der Teilung des Frankenreichs im Vertrag von Verdun (843) zu
Lotharingien im Mittelreich gehörte, wenig Spuren hinterlassen. Und doch wurden vermutlich in dieser Epoche
Festungstürme errichtet, wie jener von Le Chetelay in Courfaivre, von Le Béridier (Vorbourg) in Delsberg oder
auf dem Mont-Terri in der Ajoie, die als Vorboten der Feudalherrschaft aufgefasst werden können. Im 8. und 9.
Jh. gewann die Abtei Moutier-Grandval an Bedeutung und vergrösserte ihren Besitz im Delsberger Tal auf
Kosten der kleinen lokalen Grundherren. 999 vergabte Kg. Rudolf III. von Burgund das Kloster mit dem
gesamten dazugehörigen Besitz dem Bf. von Basel.
Autorin/Autor: François Schifferdecker / AHB
2 - Das ehemalige Fürstbistum Basel
Mit der Schenkung von 999 konnte der Bf. von Basel seine weltl. Macht nach und nach auf das Gebiet des
späteren Kt. J. ausdehnen. Folgende Teile des ehem. Fürstbistums Basel bilden den heutigen Kanton: die
Herrschaften Ajoie, Delsberg und Freiberge sowie das Gebiet der Propstei Saint-Ursanne, zwei Dörfer der
Klosterherrschaft Bellelay und die sous les Roches genannten Pfarreien des Klosters (ab ca. 1100
Kollegiatstifts) Moutier-Grandval.
2.1 - Entstehung des fürstbischöflichen Territoriums
Zu Beginn des 12. Jh. fiel die Propstei Saint-Ursanne, die zur Diözese Besançon gehörte, in den weltl. und
geistl. Hoheitsbereich der Bf. von Basel. 1241 kamen die Güter des Herrn von Hasenburg dazu. 1271 erwarb
der Bischof den Besitz des Gf. von Pfirt. 1283 übernahm er vom besiegten Gf. von Montbéliard, der von Rudolf
I. von Habsburg unterstützt worden war, die Hoheitsrechte über Pruntrut und die Ajoie.
Um die Macht gegenüber dem Adel abzusichern, begünstigten der Kaiser und der Bischof die Vergabe des
Stadtrechts, das Pruntrut (1283), Delsberg (1289) und Saint-Ursanne (1338) erhielten. 1384 gewährte Bf.
Imer von Ramstein auch den Bewohnern des Mons Falconis erste Freiheiten, worauf es "Franche Montagne
(des Bois)" und später, mit der Besiedlung und der Gründung weiterer Pfarreien, "Franches-Montagnes"
(Freiberge) genannt wurde. Das Fürstbistum hatte dieses auch als "Herrschaft von Muriaux" (Spiegelberg)
bezeichnete Gebiet gegen 1360 erworben und der Kastlanei Saint-Ursanne angegliedert.
Im 14. Jh. mussten die geschwächten und in Geldnot geratenen Bf. von Basel ihre jurass. Besitzungen
verpfänden, vermochten aber im 15. Jh. die Macht des Fürstbistums teilweise wieder herzustellen. Zu Beginn
des 16. Jh. konnte der Fürstbischof seine Herrschaft aber nur in den Kastlaneien Ajoie, Delsberg und
Saint-Ursanne (mit Freibergen) sowie im Laufental voll ausüben. Da dieses Gebiet beim Hl. Röm. Reich
verblieben war, wurde es der "germanische" Teil des Fürstbistums genannt, im Unterschied zum südl. Teil
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(Propstei Moutier-Grandval, Erguel, La Neuveville, Tessenberg und Biel), der wegen der Burgrechtsverträge
mit Bern, Freiburg oder Solothurn in die eidg. Neutralität einbezogen war und als "eidgenössisch" galt.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
2.2 - Der Fürstbischof und die jurassischen Untertanengebiete
Im 16. Jh. setzte sich die Reformation zunächst in Basel (1529), dann im "eidg." Teil des Fürstbistums durch
(1530-31). In den "germ." Vogteien ist die ref. Bewegung in Pruntrut und im Laufental um 1580 endgültig
erstickt worden. Schon 1528 hatte der Fürstbf. von Basel seine Residenz nach Pruntrut verlegt, und das
Kapitel Moutier-Grandval war 1534 nach Delsberg ausgewichen. 1555 nützten die Untertanen des Delsberger
Tals und der Freiberge die Vakanz des Bischofssitzes aus, um mit der Stadt Basel Burgrechtsverträge
abzuschliessen. Fürstbf. Melchior von Lichtenfels, der sich dem nicht zu widersetzen vermochte, handelte mit
den 13 freien Gem. des Delsberger Tals ein neues Landrecht aus (1562), um die Nutzung der Wälder zu
regeln. Bf. Jakob Christoph Blarer von Wartensee bekämpfte die Autonomiebestrebungen hingegen tatkräftig.
Er bewirkte die Auflösung der Burgrechtsverträge mit Basel und handelte mit seinen Untertanen dauerhafte
Vereinbarungen aus: das Abkommen von Delsberg mit den Freibergen (Franche-Montagne des Bois, 1595),
die neue Polizeiverordnung von Pruntrut (1598), die Revision des alten Rodels der Ajoie (1601). Während des
Dreissigjährigen Kriegs war der Norden des Fürstbistums 1634-40 mehrmals Opfer erpresser.
Geldforderungen, die nacheinander von schwed., franz. und kaiserl. Söldnertruppen durchgesetzt wurden. Im
18. Jh. geriet die im Geist des aufgeklärten Absolutismus betriebene Modernisierung des Staats mit den
Freiheiten (franchises) und den jahrhundertealten Gewohnheitsrechten in Konflikt. Die Verordnungen von
1726, die eine Verwaltungsreform des Fürstbistums zum Ziel hatten, lösten die Landestroublen aus (1730-40),
deren diplomat. Folge die Annäherung des Fürstbischofs an Frankreich war (gegenseitiges
Verteidigungsabkommen von 1739, erneuert 1780).
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
3 - Von der französischen Republik zum Kanton Bern (1792-1978)
Die Franz. Revolution fand grossen Widerhall im Fürstbistum Basel, das im polit., militär. und wirtschaftl.
Einflussbereich Frankreichs lag. Dennoch führten die Volksunruhen, deren Zentrum die Stadt Pruntrut war,
nicht zum Sturz der Bischofsherrschaft. Kurz vor der Besetzung des Landes durch franz. Freiwilligenbataillone
im April 1792, entschloss sich der Fürstbischof zur Flucht. Die Anwesenheit der franz. Truppen stärkte die
revolutionäre Bewegung, die von Josef Anton Rengger, Syndikus der Landstände des Fürstbistums, und
Weihbf. Johann Baptist Joseph Gobel angeführt wurde; die Notabeln von Pruntrut und Delsberg schlossen sich
ihr aus Opportunismus an.
3.1 - Unter französischer Herrschaft (1792-1815)
Am 17.12.1792 wurde die Raurachische Republik ausgerufen. Doch da sich die jurass. Nationalversammlung
über die Zukunft des Landes nicht einig wurde, liess sie sich am 23.3.1793 den Anschluss an Frankreich
aufzwingen. Das neu geschaffene Dep. Mont-Terrible mit dem Hauptort Pruntrut bestand aus zwei Distrikten,
dem Distrikt Pruntrut mit der Ajoie, dem Clos du Doubs und den Freibergen und dem Distrikt Delsberg, Sitz
des Militärkommandos, mit dem ganzen Delsberger Tal und dem Laufental. Im März 1797 wurde das
Departement um die Landschaft Montbéliard und im Dezember um die nun ebenfalls besetzten südl. Gebiete
des Fürstbistums erweitert, während unter dem Konsulat das Dep. Mont-Terrible aufgehoben (1800) und dem
Dep. Haut-Rhin mit Hauptort Colmar angegliedert wurde. Es bildete nun zwei Arrondissements, unterteilt
wiederum in je fünf Kantone, mit Delsberg und Pruntrut als Unterpräfekturen.
Durch den Zusammenbruch des napoleon. Kaiserreichs wurde der polit. Status der Region erneut in Frage
gestellt. 1815 sprach der Wiener Kongress das ehem. Fürtbistum Basel der Eidgenossenschaft zu und schloss
es dem Kt. Bern an, mit Ausnahme der ehem. Vogtei Birseck und von Teilen der ehem. Vogtei Pfeffingen, die
zum Kt. Basel kamen. Am 21. Dezember übergab der eidg. Kommissar Johann Conrad Escher das Land den
Repräsentanten des wiedererrichteten patriz. Stadtstaats Bern.
Die Vereinigungsurkunde vom 14.11.1815, die zwischen der bern. Delegation und Vertretern aus dem ehem.
Fürstbistum in Biel ausgehandelt und unterzeichnet wurde, garantierte die offizielle Stellung der kath.
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Religion in den traditionell kath. Gemeinden. Sie sah auch die Aufhebung des franz. Straf- und
Zivilgesetzbuchs sowie die Wiedererrichtung der Bürgergemeinden vor. Die Abschaffung des Zehnten und der
Feudalabgaben, die unter der franz. Republik durch die Grundsteuer ersetzt worden waren, wurde bestätigt.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
3.2 - Die bernische Zeit und das politische Leben
Im Territorium des Kt. Bern bildete der spätere Kt. J. den kath. und französischsprachigen Teil des Leberbergs,
der nun zum Berner J. geworden war. Das auch als Nordjura bezeichnete heutige Kantonsgebiet setzt sich aus
(Teilen von) vier bern. Oberämtern (offizielle Bezeichnung ab 1803 Amtsbezirke) zusammen, deren
Oberamtmann bzw. Regierungsstatthalter bis 1894 durch den Gr. Rat bestimmt und nachher vom Volk
gewählt wurde. Der Amtsbezirk Delsberg, zu dem bis 1846 auch das Laufental gehörte, erstreckte sich fast
auf das gesamte Delsberger Tal. Jener von Pruntrut umfasste die Ajoie und fünf der acht Gem. der ehem.
Propstei Saint-Ursanne, während die drei übrigen zum Amtsbezirk Freiberge kamen. Aus dem Amtsbezirk
Moutier, der nach 1979 mehrheitlich bei Bern blieb, stammen acht kath. Grenzgemeinden, die aufgrund der
1975 durchgeführten Plebiszite zum Kt. J. wechselten; Vellerat konnte dem neuen Kanton erst 1996 beitreten.
Der Klerus und die bürgerl. Kreise des J.s schickten sich in das Restaurationsregime. Doch eine intellektuelle
Elite, zu der etwa Xavier Stockmar, Jules Thurmann und Auguste Quiquerez zählten, strebte schon damals
danach, "den J. von der bern. Oligarchie zu befreien". So nahmen die Liberalen von Pruntrut, ermutigt durch
die Julirevolution von 1830 in Paris, aktiv an der Bewegung teil, die das bern. Patriziat zu Fall brachte.
Die liberale Kantonsverfassung von 1831 führte die repräsentative Demokratie ein, ersetzte den
Oberamtmann (oft noch "Landvogt" genannt) durch einen Regierungsstatthalter, stellte aber auch die von der
eidg. Tagsatzung garantierten Grundsätze der Vereinigung des J.s mit Bern in Frage. Die jurass. Katholiken
fühlten sich gegenüber dem Bischof der 1828 reorganisierten Diözese Basel zu Gehorsam verpflichtet und
widersetzten sich Massnahmen, die darauf abzielten, die Kirche dem Staat zu unterstellen und ihr das
Unterrichtswesen zu entziehen. 1832 weigerten sich die Priester, den Eid auf die Verfassung zu leisten; erst
als der Hl. Stuhl einwilligte, waren sie dazu bereit. 1834 stiess die Errichtung eines konfessionell gemischten
jurass. Lehrerseminars in Pruntrut auf heftigen Widerstand. Als der bern. Grosse Rat 1836 die Badener Artikel
annahm, welche die kath. Kirche der Kontrolle der Diözesankantone unterstellte, kam es zu einem
Volksaufstand. Um die Ordnung im kath. J. wieder herzustellen, intervenierte die Armee.
Unter der radikalen Regierung nahmen die Spannungen zwischen Anhängern der neuen staatl. Ordnung und
Verteidigern der Rechte der kath. Kirche zu. Die Auseinandersetzungen um schulpolit. oder konfessionelle
Fragen mehrten sich und kulminierten schliesslich in den 1870er Jahren im Kulturkampf, der sich tief ins
kollektive Gedächtnis der Jurassier einprägte. Am Ende des Jahrhunderts verstärkten die Wahlkämpfe und der
polemisch geführte Schlagabtausch zwischen der Zeitung "Le Démocrate" und dem mit ihr konkurrierenden
Blatt "Le Pays" die Spaltung zwischen Freisinnigen und Katholisch-Konservativen. Ihre
Meinungsverschiedenheit hinderte die beiden verfeindeten Zeitungen aber nicht daran, sich zur Verteidigung
der regionalen Interessen zusammenzuschliessen, etwa wenn es um die Beibehaltung der franz.
Rechtssprechung und der Bürgergemeinden sowie um den Eisenbahnbau ging.
Nachdem die Sozialdemokrat. Partei zu Beginn des 20. Jh. und die Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB)
nach dem 1. Weltkrieg im J. Fuss gefasst hatten, veränderten sich die polit. Kräfteverhältnisse hauptsächlich
auf Kosten der Freisinnigen. In den 1950er Jahren führten die Jurafrage und der Vormarsch der
Sozialdemokraten im Amtsbez. Delsberg 1957 zur Spaltung der Katholisch-Konservativen in eine Konservative
christl.-soziale Partei (ab 1971 CVP) und eine Unabhängige christl.-soziale Partei. Die anfänglich eher
konservative jurass. Wählerschaft zeigte sich ab Mitte des 20. Jh. fortschrittlicher und hiess Vorlagen gut, die
auf gesamtschweiz. Ebene abgelehnt wurden: 1959 das Frauenstimmrecht, 1962 und 1963 die
Antiatom-Initiativen, 1970 das Recht auf Wohnung und 1974 die Initiative für eine sozialere Krankenkasse.
1959 unterstützte der Nordjura die Initiative des Rassemblement jurassien (RJ) zur Durchführung einer
Volksbefragung über die Selbstbestimmung mit deutl. Mehrheit. 1974 sprach er sich mit 74% Jastimmen für
die Schaffung des Kt. J. aus.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
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3.3 - Bevölkerung und Entwicklung des Siedlungsraums
1818 wurden auf dem Territorium des späteren Kt. J. rund 34'000 Personen gezählt, während die Bevölkerung
bei Beginn der kant. Selbstständigkeit (1979) knapp 65'000 Einwohner zählte. Diese im Vergleich zum
schweiz. Durchschnitt (250%) relativ schwache Zunahme von 91% erklärt sich aus der - chronisch defizitären
- Migrationsbilanz. Die Zuwanderung von Berner Bauern und Arbeitern aus der Deutschschweiz oder dem
Ausland im 19. Jh. sowie von ital. und span. Arbeitskräften ab den 1960er Jahren vermochte die Abwanderung
der jungen Jurassier nicht zu kompensieren. Die Bevölkerungszahl entwickelte sich je nach Amtsbezirk
unterschiedlich. In Delsberg nahm sie - in Übereinstimmung mit dem schweiz. Durchschnitt - um 251% zu. In
Pruntrut und in den Freibergen stieg sie im 19. Jh. an (um 51% bzw. 28%); im 20. Jh. erlitt sie in beiden
Amtsbezirken einen Rückgang .
Die Zu- und die Abwanderung veränderte die Zusammensetzung der Bevölkerung spürbar. Der Anteil der in
ihrer Heimatgemeinde wohnhaften Ortsbürger ging stark zurück, während die sprachl. und konfessionellen
Minderheiten zulegten. An der Schwelle zum 20. Jh. entsprach die Zahl der Deutschsprachigen einem Viertel
der Bevölkerung im Bez. Delsberg, aber weniger als einem Zehntel in den beiden anderen Bezirken. Die 2.
Hälfte des 20. Jh. hingegen war geprägt vom Vorrücken des Französischen, einem starken Rückgang des
Deutschen und dem Auftreten der Minderheitssprachen Italienisch und Spanisch. Der Anteil der Reformierten
stieg von 2% im Jahr 1850 auf 12% 1910 und 17% 1950, um bis 1970 wiederum auf 15% abzunehmen. An
mehreren Orten wurden ref. Kirchen gebaut, so in Delsberg (1865), Pruntrut (1891), Saignelégier (1913),
Bassecourt (1945); ref. Kapellen entstanden in Miécourt (1909), Courrendlin (1930) und Boncourt (1940). In
der 2. Hälfte des 19. Jh. gründeten Juden aus dem Elsass zwei kleine Gemeinschaften, die in Pruntrut (1874)
und Delsberg (1911) zwei Synagogen errichteten.
Die sozioökonom. Veränderungen beeinflussten auch die räuml. Verteilung der Bevölkerung, die sich
zunehmend in den industriellen und von der Bahn gut erschlossenen Gebieten konzentrierte. 1970
vereinigten 17 Ortschaften mit mehr als 1'000 Einwohnern 70% (1818 39%) der Jurassier des späteren
Kantons auf sich, von denen 32% (1818 10%) in Delsberg oder in Pruntrut lebten. In den Freibergen, die eine
markante Streusiedlung aufweisen, erfolgte der demograf. Rückgang im 20. Jh. hauptsächlich auf Kosten der
Weiler, von denen einige im 19. Jh. noch über 100 Einwohner gezählt hatten. In 54 der 83 Gem. des Kantons
schlug sich die Landflucht in sinkenden Bevölkerungszahlen nieder.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
3.4 - Wirtschaftliche Entwicklung
1815 arbeitete mehr als die Hälfte der aktiven Bevölkerung der Ajoie, des Clos du Doubs und des Delsberger
Tals im 1. Sektor: Sie betrieb Ackerbau und züchtete hauptsächlich Rindvieh sowie Pferde. In der Mitte des 19.
Jh. zählte man in dieser Region noch etwa 100 Mühlen, Sägereien und Stampfen sowie rund zehn Gerbereien alles Betriebe, die eng mit der Land- und Forstwirtschaft verbunden waren. Die Töpferei in Bonfol, die
Steingutmanufaktur in Cornol, die Tabakfabrik in Boncourt (Burrus) sowie die Seidenstickerei in Heimarbeit im
Amtsbezirk Delsberg vervollständigten das Spektrum der gewerbl. Aktivitäten.
In der 1. Hälfte des 19. Jh. verbreitete sich die Uhrenindustrie in den Dörfern und Weilern der Freiberge. In
den 1840er Jahren setzte sie sich in der Ajoie und nach 1870 auch im Delsberger Tal fest. Dort war die
Eisenindustrie, die in der Mitte des 19. Jh. einen beachtl. Aufschwung erlebt hatte (Metallindustrie), im
Niedergang begriffen. Zu den drei alten Hochöfen in Courrendlin, Undervelier und Bellefontaine (Gem.
Saint-Ursanne) kamen jene von Delsberg (1838), Choindez (Gem. Courrendlin, 1846) und Les Rondez (Gem.
Delsberg, 1855) hinzu. Auf ihrem Höhepunkt (1858) beschäftigte die jurass. Eisenindustrie etwa 1'800
Bergarbeiter, Giesser, Schmiede, Fuhrleute, Holzfäller und Köhler. Doch die starke ausländ. Konkurrenz führte
zur Schliessung der Giessereien, mit Ausnahme der Anlagen von Choindez und Les Rondez, die unter der
Leitung der Firma Von Roll während des 20. Jh. etwa 1'000 Arbeitsstellen boten.
Der Bau der jurass. Eisenbahn (1872-77) verband die Ajoie und das Delsberger Tal mit dem franz. und dem
schweiz. Schienennetz. Nach der Annexion des Elsasses durch das Dt. Kaiserreich (1871) wurde Pruntrut, als
Ersatz für Basel, zu einem wichtigen Grenzbahnhof im Verkehr mit Frankreich. Das von den Linien
Biel-Delsberg-Basel und Delsberg-Pruntrut-Delle gebildete Basisnetz wurde 1903 mit den Linien der
Jura-Simplon-Bahn (JS) in die SBB integriert. Die abseits liegenden Gebiete unternahmen grosse
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Anstrengungen, um auch ans Eisenbahnnetz angeschlossen zu werden. Die 1892 eröffnete Verbindung
zwischen La Chaux-de-Fonds und Saignelégier wurde 1904 bis Glovelier und 1913 via Le Noirmont bis nach
Tramelan verlängert. Die 1901 in Betrieb genommene Strecke Pruntrut-Bonfol wurde 1910 mit dem elsäss.
Netz verbunden. All diese Linien wurden 1944 in der Compagnie des chemins de fer du J. (CJ) vereinigt. In der
Haute-Ajoie und im Val-Terbi (Tal der Scheulte) wurden die Postkutschen erst in den 1920er Jahren ersetzt.
Von den 1960er Jahren an erhoben die Jurassier die Forderung nach einer transjurass. Autobahn, doch erst
1984 wurde die Streckenführung der Transjurane ins nationale Autobahnnetz aufgenommen und erst Ende
des Jahrzehnts wurde mit dem Bau begonnen.
In der 1. Hälfte des 20. Jh. gelang es der jurass. Industrie, in der die Uhrenfabrikation deutlich vorherrschte,
neue Märkte zu erschliessen: Textilien in der Ajoie, Velos und Motorräder in Courfaivre (Condor), Messer in
Delsberg (Wenger), Metallverarbeitung in Saint-Ursanne. Der Anteil der im 2. Sektor tätigen Bevölkerung
verdoppelte sich zwischen 1860 und 1970 beinahe; von einem Drittel stieg er auf 60%, während der Anteil
der in der Landwirtschaft Beschäftigten von 50% auf 10% zurückging. Wegen der geringen Diversifizierung
der Industrie blieb die jurass. Wirtschaft bis heute krisenanfällig. Die Hälfte der im 2. Sektor Beschäftigten
arbeitet in der Uhrenindustrie, ein Viertel in der Metall verarbeitenden und in der mechan. Industrie. Die
High-Tech-Industrie und der 3. Sektor sind untervertreten.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
3.5 - Sozialer und kultureller Wandel
Gegen Ende des 19. Jh. bildete sich eine Arbeiterklasse zunächst in den Städten Delsberg und Pruntrut, in
denen der industrielle Aufschwung die Fabrikproduktion konzentriert hatte. Durch die Zunahme der
Handelsaktivitäten und der Dienstleistungsangebote stieg auch die Zahl der Angestellten, Lehrer und
Beamten um ein Vielfaches an. Zu Beginn des 20. Jh. fasste die Gewerkschaftsbewegung bei den Uhren- und
Metallarbeitern sowie bei den Eisenbahnern Fuss, etwa zur gleichen Zeit, als die Sozialdemokrat. Partei und
eine christl.-soziale Bewegung auf den Plan traten. Letztere war Teil eines sehr dichten Vereinsnetzes, das
vom kath. Klerus und den Führern der konservativen Partei geknüpft worden war, um dem religiösen und polit.
Leben einen ordnenden Rahmen zu geben. Der kath. J. bezeugte jedes Jahr öffentlich seinen Glauben bei den
Fronleichnamsprozessionen und durch seine Teilnahme an den Festen zu Ehren von Notre-Dame du Vorbourg
(Gem. Delsberg).
Die Tradition der geselligen veillées, der langen Abende im Kreis der Fam. und der Nachbarn, und die bäuerl.
Mentalität verblassten allmählich. Von der Mitte des 19. Jh. an trugen der Ausbau des öffentl.
Unterrichtswesens (Primar- und Sekundarschulen; Lehrerseminare in Pruntrut 1834 und in Delsberg 1846;
Kantonsschule in Pruntrut 1856 und später noch Berufsschulen), der Aufschwung des Vereinswesens
(Hilfsvereine und Landwirtschaftsgenossenschaften, Musik-, Kultur- und Sportvereine, Berufs- und
Gewerkschaftsverbände sowie polit. Organisationen) wie auch die Entstehung einer regionalen Presse ("Le
Jura", "Le Pays", "Le Démocrate") zur Erweiterung des Wissens und zur Veränderung der sozialen
Beziehungen bei. Die Entwicklung hin zur modernen Welt, die sich im 20. Jh. noch beschleunigte, führte auch
zum Verschwinden des Patois, des regionalen Dialekts, Symbol einer ländl. Gesellschaft und ihrer mündl.
Tradition. Als erste der grossen regionalen Gesellschaften entstand 1847 die Société jurassienne d'émulation,
die sich zum Ziel setzte, die franz. Kultur zu verteidigen und die literar. und wissenschaftl. Tätigkeit ihrer
Mitglieder zu fördern.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
4 - Republik und Kanton Jura (seit 1979)
Ab 1947 wurde die Kantonsgründung als möglicher Lösungsansatz für die Jurafrage diskutiert (Berner Jura).
Am 23.6.1974 stimmte die jurass. Bevölkerung der sieben Amtsbezirke bei einer Stimmbeteiligung von 90%
der Schaffung eines Kt. J. mit 36'802 Ja- gegen 34'057- Nein und 1'726 Leerstimmen schliesslich zu. Dieses
Votum für die Selbstbestimmung war der eigentl. Gründungsakt des jurass. Kantons. Doch die durch den bern.
Verfassungszusatz von 1970 ermöglichte Plebiszitkaskade von 1975 begrenzte dann das kant. Territorium auf
die drei Bezirke mit separatist. Mehrheit (Pruntrut, Delsberg und Freiberge), zu denen noch acht Gem. aus
dem Bez. Moutier (Châtillon, Corban, Courchapoix, Courrendlin, Lajoux, Les Genevez, Mervelier und
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Rossemaison) hinzukamen, während zwei kleine Gem. aus dem Bez. Delsberg (Roggenburg und Rebévelier)
bei Bern verblieben.
Im Sommer 1975 bildeten die Vertreter des späteren Kt. J. im bern. Grossen Rat eine Gruppe, die sich den
eidg. und den bern. Behörden bis zum Inkrafttreten der Souveränität als privilegierter Gesprächspartner zur
Wahrung der jurass. Interessen anbot. Am 11.12.1975 präsentierte der jurass. Anwaltsverband einen
Verfassungsentwurf, der von den polit. Parteien sowie vom Rassemblement jurassien (RJ) rasch als
Diskussionsbasis akzeptiert wurde. Um die Kontrolle über die Ausgestaltung des zukünftigen Kantons zu
behalten, stellte das RJ eine Koordinationskommission auf die Beine, welche die Organisation und die Arbeiten
der Konstituante (verfassunggebenden Versammlung) stark beeinflusste.
4.1 - Die Schaffung des Kantons Jura (1974-1978)
Die Wahlresultate für den Verfassungsrat (21.3.1976) bestätigten die bestehenden Kräfteverhältnisse; sie
unterstrichen den persönl. Erfolg der wichtigsten Führerfiguren des RJ und die Niederlage linksalternativer
und unabhängiger Listen. Um die 50 Sitze bewarben sich elf Gruppierungen mit insgesamt 529 Kandidaten.
Die Christdemokraten gewannen 19 Sitze, die Freisinnigen 11, die Sozialdemokraten 10, die unabhängigen
Christlichsozialen 7, die Vertreter der Schweiz. Volkspartei 2 und die Parti radical réformiste (separatist.
Abspaltung der jurass. FDP) 1 Mandat. Die Arbeit des Verfassungsrats, die am 12.4.1976 nach einer feierl.
Zeremonie in Angriff genommen wurde, kam am 3.2.1977 zum Abschluss. Am 20.3.1977 wurde das von den
Volksvertretern einstimmig angenommene Grundgesetz von Republik und Kt. J. mit 80% Jastimmen vom Volk
ratifiziert.
Die jurass. Verfassung zeichnet sich besonders durch die Anerkennung des Rechts auf Arbeit und auf
Wohnung sowie des Streikrechts aus. Sie beauftragt den Staat überdies, die Vollbeschäftigung zu fördern,
dem Prinzip der Gleichstellung von Mann und Frau Nachdruck zu verleihen sowie auf die Integration von
Migranten und Behinderten zu achten. Der Kantonalbank übertrug sie die Aufgabe, die Wirtschaftspolitik des
Kantons zu unterstützen. Der Artikel 44, der die Errichtung eines Büros für Frauenfragen vorgibt, stellte für
die damalige Schweiz ebenfalls ein Novum dar.
Nachdem der Verfassungsrat ordnungsgemäss mandatiert worden war, arbeitete er die Gesetze aus, wobei er
die bern. Gesetzgebung provisorisch beibehielt, wenn sie den Bestimmungen der jurass. Verfassung nicht
widersprach. Er stellte das Verwaltungsorganigramm des zukünftigen Kantons auf und vereinbarte mit dem Kt.
Bern die Modalitäten der Güteraufteilung. Im Sept. 1977 hiessen die eidg. Räte die jurass. Verfassung gut, mit
Ausnahme des Art. 138, der die Möglichkeit vorsah, den ganzen oder einen Teil des bernisch gebliebenen J.s unter dem Vorbehalt einer gesetzeskonformen Ablösung - dem neuen Kanton anzugliedern. Am 24.9.1978
ratifizierten das Schweizer Volk (71% Ja) und alle Stände die Schaffung des Kt. J., indem sie einer diesbezügl.
Änderung der Bundesverfassung zustimmten. Im November nahm das jurass. Volk die ersten kant. Gesetze
an und wählte Parlament und Regierung. Zwei Ständeräte, ein Christdemokrat und ein Sozialdemokrat,
wurden im Dezember in stiller Wahl bestellt. Am 1.1.1979 begann für den Kt. J. die Souveränität als 23.
Teilstaat der Eidgenossenschaft.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
4.2 - Organisation und Verwaltung des Kantons
Die Organisation des jurass. Staates unterscheidet sich kaum von jener der anderen Stände. Die polit. Rechte
sind jedoch umfassender: Das passive Wahlrecht gilt für Schweizer ab 18 Jahren, die ausländ. Bevölkerung
verfügt auf kommunaler und kant. Ebene über das Stimm- und aktive Wahlrecht, seit 1998 auch über das
passive Wahlrecht für kommunale Legislativorgane. 2'000 Wahlberechtigte oder acht Gem. können mit einer
Volksinitiative die Aufnahme, die Veränderung oder die Abschaffung von Verfassungs- oder
Gesetzesbestimmungen verlangen.
4.2.1 - Die Behörden
Vom obligator. oder fakultativen Referendum abgesehen, wird die gesetzgebende Gewalt vom kant.
Parlament ausgeübt, das auch mit der Oberaufsicht über die Regierung, die Verwaltung und die
Justizbehörden betraut ist. Die 60 Volksvertreter werden nach dem Proporzsystem gewählt, und zwar für vier
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Jahre, wobei eine zweimalige Wiederwahl hintereinander möglich ist. Das Parlament ernennt den Präs. des
Jugendgerichts, den Staatsanwalt und den kant. Untersuchungsrichter sowie bestimmte hohe Beamte. Jeder
Bezirk bildet einen Wahlkreis. Delsberg hatte anfänglich 27 Sitze (2002 29), die Freiberge 10 und Pruntrut 23
(2002 21). Drei Beobachter aus dem bernisch gebliebenen J. wohnen den Sitzungen des Parlaments bei.
Die Regierung besteht aus fünf Mitgliedern (ministres genannt), die nach dem Majorzsystem für vier Jahre
gewählt werden und einer Amtszeitbeschränkung von 16 Jahren unterstehen. Die kant. Verwaltungsstellen
sind auf die Staatskanzlei und die fünf Departemente verteilt. Die Bezirksgerichte bildeten ursprünglich die
erste Rechtsprechungsinstanz in Zivil-, Straf- und Verwaltungsangelegenheiten. 2000 wurden sie zu einem
einzigen Gericht (dem Tribunal de première instance) mit fünf Berufsrichtern zusammengefasst, das seinen
Sitz in Pruntrut hat. Das Kantonsgericht besteht aus elf auf vier Jahre gewählten Richtern, darunter fünf
vollamtliche, und ist in sechs Gerichtshöfe unterteilt (Verfassungs-, Zivil-, Straf-, Kriminal-, Verwaltungs- und
Kassationsgericht). Zwei zukunftsweisende Besonderheiten zeichnen das jurass. Gerichtswesen aus: das gut
ausgestaltete Verwaltungsgericht und das Verfassungsgericht, das auf Anrufung hin die Gesetze vor deren
Inkraftsetzung auf ihre Vereinbarkeit mit der Kantonsverfassung überprüft.
Exekutive und Legislative, die ihre Sitzungen nach der Kantonsgründung in privaten oder gemieteten
Lokalitäten abhielten, erhielten 2003 mit dem Hôtel du Parlement et du Gouvernement in Delsberg ein
eigenes Gebäude (eingeweiht am 19. März). Dieses hatte zuvor als Residenz des bischöfl. Kastlans, dann des
bern. Oberamtmanns, schliesslich als Sitz des bern. Regierungsstatthalters und des Gerichts von Delsberg
gedient.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
4.2.2 - Verwaltung und Kooperation
In den ersten Jahren staatl. Souveränität wurde das nahtlose Weiterfunktionieren der Verwaltung durch etwa
hundert Übereinkommen zwischen dem neuen Stand und dem Kt. Bern sichergestellt. Die jurass. Verwaltung
ist teilweise dezentral organisiert; ein Teil der rund vierzig kant. Ämter mit ihren insgesamt 792
Arbeitsplätzen im Jahr 2002 ist in Delsberg angesiedelt. Pruntrut ist Sitz des Kantonsgerichts, des Sportamts
und des Amts für Kulturgüter (heute Kulturamt). Das Amt für Wasserwirtschaft und Naturschutz befindet sich
in Saint-Ursanne und das Sozialversicherungsamt in Saignelégier. Ein Teil der Steuerverwaltung ist in Les
Breuleux zu finden, das kant. Zeughaus in Alle.
Die Einkünfte des Kantons sind von 139 Mio. Fr. (1979) auf 335 Mio. (1990), 588 Mio. (2000) und 649 Mio.
(2003) angestiegen. Der Anteil der Steuern an den kant. Einnahmen ist von 56% (1979) auf 42% (1990) und
32% (2003) gesunken. Die nach 1991 aufgetretenen finanziellen Schwierigkeiten haben zu einer
Verwaltungsreform geführt.
Seit der Angliederung von Vellerat (1996) zählt der Kanton 83 Gem. (20 Einwohnergem. und 63 Gemischte
Gem.), die zur Bewältigung gemeinsamer Aufgaben (Spitäler, Schulen, Abwasserreinigung) in
Gemeindeverbänden zusammengeschlossen sind. In Pruntrut, Delsberg und in zehn Dörfern des Delsberger
Tals ist noch die Ortsbürgergem. erhalten geblieben.
Das in der Verfassung verankerte Prinzip der Kooperation wurde durch eine aktive Teilnahme an interkant.
Institutionen und Konferenzen umgesetzt. Es schlug sich auch in der Unterzeichnung bilateraler Abkommen
nieder (mit Quebec, Wallonien, den Seychellen und Kamerun) sowie im Beitritt zu grenzüberschreitenden
Einrichtungen (Communauté de Travail du J., heute Conférence transjurassienne, Versammlung der Regionen
Europas, Deutsch-Franz.-Schweiz. Oberrheinkonferenz).
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
4.2.3 - Erziehungs- und Gesundheitswesen
Der Kt. J. verfügt über ein sehr dichtes und vielfältiges Schulsystem. Aber nur die Hälfte der Kinder trat vor
1991 nach vier Jahren Primarschule in die Sekundarschule ein. Die 1995 abgeschlossene Reform verlängerte
die Primarschulzeit auf sechs Jahre und ermöglichte von da an allen Schülern den Übertritt in eine der drei
Niveaugruppen der Sekundarstufe. Mit Ausnahme der Landwirtschaftsschule (seit 1989 Institut agricole du J.)
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in Courtemelon (Gem. Courtételle) sind die nachobligator. Bildungseinrichtungen in den beiden Städten
konzentriert. Pruntrut ist Sitz des kant. Gymnasiums, einer höheren Handelsschule, des Institut pédagogique
(1982 gegr., um die Lehrerseminare abzulösen, und 2001 in die Pädagog. Hochschule Bern-J.-Neuenburg,
HEP-BEJUNE integriert), einer Berufsschule für kaufmänn. und handwerkl. Berufe sowie der Fachschule für
Uhrmacherei und Mikrotechnik. Die 1979 gegr. Diplommittelschule (Ecole de culture générale), die auf die
Berufsausbildung im sozialen, erzieherischen und im paramedizin. Sektor vorbereitet, hat ihren Sitz in
Delsberg, wo sich auch das zweite kaufmänn.-gewerbl. Berufsschulzentrum sowie die 1988 gegr. Schule für
Krankenpflege befinden. Zusammengefasst unter dem gemeinsamen Logo HES-SO haben sich 1997 auch die
Fachhochschule der Westschweiz (Haute Ecole spécialisée de Suisse occidentale) und 2002 die
Fachhochschule Gesundheit - Soziale Arbeit der Westschweiz (Haute Ecole spécialisée Santé - Sociale de
Suisse romande, HES-S2) im jurass. Hauptort niedergelassen. Das Angebot wird durch private, aber staatlich
subventionierte Institutionen, darunter das Collège Saint-Charles in Pruntrut, ergänzt.
Das Gesundheitsamt überprüft die Tätigkeit der medizin. und paramedizin. Berufe. Es organisiert das
Fürsorgewesen sowie das Angebot an medizin. und pfleger. Leistungen, die von einer ganzen Reihe öffentl.
Einrichtungen erbracht werden: den drei Spitälern in Delsberg, Pruntrut und Saignelégier, dem kant.
medizin.-psycholog. Zentrum und dem Rehabilitationszentrum für Herz- und Kreislaufpatienten in Le Noirmont
sowie von einem Dutzend Alterswohn- oder Pflegeheimen, dem Betreuungsdienst für Hauspflege und von
Heimen und geschützten Werkstätten für Behinderte. Um die Gesundheitskosten in den Griff zu bekommen,
wurde die Verwaltung des jurass. Spitalwesens 1993 einer einzigen öffentlichrechtl. Unternehmung anvertraut.
Die zwecks Kostenreduktion eingeleitete Reform führte zur Schaffung des sog. Hôpital multisites du J., dessen
Führungsinstanzen 2003 eingesetzt wurden, sowie zur Reduktion der Bettenzahl von total 613 (1990) auf 318
(2002). 2004 hat die Bevölkerung an der Urne gutgeheissen, dass in Zukunft nicht mehr die Gem., sondern
ausschliesslich der Kanton die Gesundheitskosten trägt.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
4.3 - Bevölkerungsentwicklung
Die Wohnbevölkerung des Kt. J. stagnierte im letzten Viertel des 20. Jh.; sie stieg von 67'325 Einwohnern
(1970) auf nur gerade 68'224 (2000). Der Rückgang am Ende der 1970er Jahre (64'986 Einw. 1980, 66'233
Einw. 1990) konnte im letzten Jahrzehnt des ausgehenden Jahrhunderts knapp wettgemacht werden.
1980-2000 legten der Bez. Delsberg 8,5% und die Freiberge 10,6% zu, während der Bez. Pruntrut um 2%
abnahm.
1980-2000 wuchs die jurass. Bevölkerung um 4,8%, d.h. dreimal weniger als im schweiz. Durchschnitt
(14,5%). Stagnation und Überalterung der Bevölkerung beunruhigten die kant. Behörden so, dass sie 2000
das Projekt "J. pays ouvert" lancierten. Dessen Ziel war es, bis 2020 mittels fiskal., wirtschaftl., sozialer und
kultureller Massnahmen die Schwelle von 80'000 Einwohnern zu erreichen, doch 2004 wurde das besonders
von den Sozialdemokraten bekämpfte Projekt vom Volk abgelehnt.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
4.4 - Wirtschaft
4.4.1 - Allgemeine Entwicklung
Die kant. Arbeitsplatzsituation widerspiegelt die wirtschaftl. Entwicklung. 1970-80 sank die Zahl der
Arbeitsstellen von 30'000 auf rund 29'000 und stieg 1985 wieder auf 31'446, 1998 auf 32'173 und 2001 auf
34'451 an. Der Kt. J., dessen Geburtsstunde in eine besonders ungünstige Konjunkturlage fiel, war rasch mit
dem Problem der Arbeitslosigkeit konfrontiert; diese lag schon 1982 bei über 1% und stieg 1990 auf 1,9% und
1997 auf 6,6% an, bevor sie 2000 auf 1,9% sank und 2002 wieder auf 3,8% kletterte. 1980-96 hatte die jurass.
Wirtschaft ein geringeres Wachstum (75%) im Vergleich zur gesamten Schweiz (117%).
Auch die Beschäftigungsstruktur der jurass. Wirtschaft wandelte sich. Der 1. Sektor schrumpfte erheblich:
Dessen Anteil an der Gesamtzahl der Beschäftigten ging von 14,9% im Jahr 1985 auf 12,8% 1998 und auf
11,1% im Jahr 2001 zurück, lag aber gleichwohl deutlich über dem schweiz. Mittel (5,7% 2001). Der einst
dominierende 2. Sektor nahm von 1985 (45,2%) bis 1998 (39,2%) ab, danach konnte er sich anteilmässig
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halten (41% 2001). Das sehr starke Wachstum des tertiären Sektors zwischen 1985 (39,9%) und 1998 (48,2%)
flachte sich in der Folge ab (47,9% 2001). Die Zahl der Vollzeitstellen ist in der Industrie immer noch grösser
als im Dienstleistungssektor, wo ein Drittel der Arbeitsplätze auf Teilzeitstellen entfallen, die mehrheitlich von
Frauen besetzt sind. Der Vergleich zwischen der aktiven Wohnbevölkerung und den im Kanton angebotenen
Stellen zeigt, dass die Mobilität der Arbeitskräfte zugenommen hat. Die Zahl der Pendler stieg von 9'800 (33%)
im Jahr 1980 auf 16'200 (49%) im Jahr 2000, darunter rund 4'000 im J. wohnhafte, die 2000 ausserhalb des
Kantons arbeiteten, v.a. in Bern und Basel. Ausländ. Arbeitskräfte wurden 2001 an 7'500 Arbeitsplätzen
beschäftigt, darunter ca. 200 meist span. oder portugies. Saisonniers und 4'000 fast ausnahmslos franz.
Grenzgänger.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
4.4.2 - Landwirtschaft
Die jurass. Landwirtschaft zählte 2001 noch 1'174 Betriebe (1'341 im Jahr 1996), davon 85% hauptberuflich
geführte (84% 1996) mit einer durchschnittlichen landwirtschaftl. Nutzfläche von 37 ha (34 ha 1996), der
grössten der Schweiz. Sie bot 3'540 Arbeitsplätze (3'814 im Jahr 1996), davon 58% (61% 1996) als
Vollzeitstellen. Die Futterfläche bedeckte 74% (71% 1996) der rund 40'000 ha landwirtschaftl. Nutzfläche. Das
Ackerland brachte hauptsächlich Brotgetreide, Silomais, Zuckerrüben und Raps hervor. Die Anbaufläche
dieser Kulturen hat seit den 1980er Jahren stark zugenommen. Zu Beginn des 21. Jh. setzte sich der jurass.
Tierbestand aus rund 55'000 Stück Rindvieh, darunter 20'000 Kühe, aus 13'000 Schweinen, 6'000 Schafen
und 4'500 Pferden zusammen. Seit 1980 ist die tier. Produktion insgesamt rückläufig, nur bei den Schafen und
Pferden hat sie um 60% zugelegt.
Mit der Gründung des jurass. Bauernverbands (Chambre d'agriculture du Jura) 1975 hat sich der Bauernstand
neu organisiert und bedeutende Investitionen in Unternehmungen wie die landwirtschaftl. Genossenschaft
Centre Ajoie ermöglicht. Unterstützung erhalten die Bauern vom kant. Amt für Landwirtschaft, vom
Veterinäramt sowie von der kant. Landwirtschaftsschule in Courtemelon. Das Forstamt überwacht die
Bewirtschaftung der bewaldeten Flächen (37'041 ha), die 2001 44% des kant. Territoriums und damit nach
dem Tessin (48%) den grössten Waldanteil der Schweiz ausmachten. Sie gehören zu 75% den Gem. und dem
Kanton.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
4.4.3 - Industrie
Die jurass. Industrie, die 1975 55% und 2001 41% der Arbeitsplätze stellte, zeichnet sich durch das
Vorherrschen der Uhren- und der Maschinenbranche sowie durch die grosse Zahl kleiner und mittlerer
Unternehmen aus. 2001 boten nur 30 Betriebe (1985 32) von insgesamt über 3'500 (1985 3'200) mehr als
hundert Vollzeitäquivalente an. Die Krise von 1975-79 zwang die jurass. Industrie zu tief greifenden
Restrukturierungs- und Diversifikationsmassnahmen, durch die schliesslich ein engmaschiges Netz von
kleinen, spezialisierten Zulieferbetrieben (Maschinenbau, Dreherei, Polieren, Endbearbeitung) entstand. Die
Umstrukturierungen und die Anwendung von Elektronik und Informatik reduzierten 1991-95 die Arbeitsplätze
in der Uhren- und der Präzisionswerkzeugindustrie um 26%, was von der wirtschaftl. Erholung in den
folgenden Jahren (1995-98 8% mehr und 1998-2001 13% mehr Arbeitsplätze) nicht vollständig wettgemacht
werden konnte. Der Personalabbau in der Maschinen- und der Investitionsgüterindustrie (1985 37 Betriebe,
1995 45, 2001 38) wurde in der Metallverarbeitung kompensiert (1985 97 Betriebe, 1995 154 und 2001 166).
Die grössten Unternehmen wie die Von-Roll-Werke in Delsberg und Choindez (1985 990 Beschäftigte, 2000
730), seit den 1990er Jahren die Tabakfabrik Burrus in Boncourt (heute British American Tobacco; 1996 600
Beschäftigte, 2004 400) und Benteler Automotive, die ehem. Thécla, in Saint-Ursanne (2000 300 Beschäftigte)
hängen von Entscheidungszentren ausserhalb des Kantons ab.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
4.4.4 - Der 3. Sektor
Die jurass. Wirtschaft ist immer noch durch einen vergleichsweise schwachen 3. Sektor gekennzeichnet,
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obwohl dieser unterdessen auch im J. der grösste geworden ist (12'548 Arbeitsplätze 1985, 15'957 1995 und
16'513 im Jahr 2001). 1975 entfielen um die 50% der Dienstleistungsstellen auf den Handel (inklusiv
Hotellerie). Dessen relativer Anteil am 3. Sektor ist jedoch auf 35% (1995) gesunken infolge der starken
Zunahme der Stellen im öffentl. Dienst (Verwaltung, Schule, Gesundheitswesen und v.a. Sozialhilfe,
zusammen 37%). Dagegen ist der Banken-, Versicherungs- und Treuhandbereich (5%), der in den ersten
Jahren des Kantons aufblühte, infolge der Umstrukturierung in diesen Branchen stark geschrumpft. 1979-90
verzeichnete der jurass. Tourismus einen Zuwachs an Übernachtungen von 86'000 auf 113'000, dann aber
einen markanten Rückgang ab 1992 (69'000 Übernachtungen 1998, 71'000 2002). Die Kundschaft des jurass.
Gastgewerbes kommt im Wesentlichen aus dem Inland (mehr als 80%) und besteht v.a. aus Durchreisenden.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
4.4.5 - Verkehr und Kommunikation
Eines der grössten Probleme der jurass. Wirtschaft liegt in der ungenügenden Verkehrs- und
Kommunikationsinfrastruktur. Die hügelige Randregion wurde zudem von der schweiz. und franz.
Strassenbau- und Eisenbahnpolitik vernachlässigt. Die Pläne des neuen Kantons, bis ins Jahr 2000 ein
multimodales Verkehrsnetz (Schiene und Strasse) zu realisieren, konnten nur teilweise verwirklicht werden.
Im Bereich des Strassenverkehrs hat die Kantonsgründung den Bau der Autobahn A16 (Transjurane), der in
der kant. Volksabstimmung vom März 1982 mit grossem Mehr gutgeheissen wurde, unzweifelhaft
beschleunigt. Doch die Arbeiten gingen nicht so schnell voran wie vorgesehen. Nur der Abschnitt
Delsberg-Pruntrut wurde im Nov. 1998 für den Verkehr geöffnet. Die ursprünglich für 2008 vorgesehene
Vollendung der Transjurane von Boncourt bis Biel musste auf 2015 verschoben werden. Was den
Schienenverkehr betrifft, so wurde das Projekt des Anschlusses der Chemins de fer du Jura an Delsberg 1992
von der Kantonsbevölkerung abgelehnt. Zudem haben die Sparmassnahmen der SBB und der Post sowie die
Aufgabe der Strecke Delle-Belfort durch die Société Nationale des Chemins de Fer Français (SNCF) die
Projekte zur Erneuerung des jurass. Eisenbahnnetzes und zur Anbindung an das Netz der franz.
Hochgeschwindigkeitszüge (TGV) vollständig in Frage gestellt. Die 2001 entstandene Association interligne
TGV Belfort-Bienne bemüht sich, die Infrastruktur in Stand zu halten und die Linie im Hinblick auf den Bau des
Ostasts des TGV Rhin-Rhône wieder zu eröffnen.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
4.4.6 - Berufsorganisationen und Wirtschaftspolitik
Die Sozialpartner warteten die Kantonsgründung nicht ab, um ihre Organisationen den neuen polit.
Gegebenheiten anzupassen. Die dem Schweiz. Gewerkschaftsbund (SGB) angegliederten jurass. Sektionen
bildeten 1975 den Jurass. Gewerkschaftsbund (Union syndicale jurassienne), der etwa 9'000 zur Hälfte aus
dem Smuv stammende Mitglieder zusammenschloss. Die Arbeitergeber organisierten sich 1976 im Jurass.
Arbeitgeberverband (Association patronale jurassienne), der darauf zum Jurass. Handels- und
Industrieverband (Association jurassienne du commerce et de l'industrie) wurde. Dieser gründete 1979 die
Industrie- und Handelskammer des J.s (Chambre de commerce et d'industrie du Jura), die, mit einem
ständigen Sekretariat ausgestattet, die wirtschafts- und sozialpolit. Interessen von etwa 300 Unternehmen
wahrnimmt.
Ziel der 1973 gegr. Association pour le développement économique du district de Porrentruy und der
entsprechenden Organisationen in den Bez. Delsberg und Freiberge ist die regionale Wirtschaftsförderung:
Ausserkant. Firmen sollen zur Ansiedlung in der Region bewegt werden. Die Association régionale Jura wurde
hingegen von den Gem. gegründet, und zwar 1975 im Rahmen des Bundesgesetzes über die Investitionshilfe
für Berggebiete (IHG). Die kant. Wirtschaftsförderung ist auch Aufgabe des Delegierten für
Wirtschaftsförderung und der Société pour le développement de l'économie jurassienne, die 1979 von den
sechs im Kanton ansässigen Banken ins Leben gerufen wurde.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
4.5 - Kultur und Religion
4.5.1 - Schutz des Kulturerbes und kulturelles Leben
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Archive, Bibliotheken, Kulturgüterschutz, Denkmalpflege und Archäologie wurden dem Amt für Kulturgüter
(Office du patrimoine historique), 2002 umbenannt in Amt für Kultur (Office de la culture), in Pruntrut
anvertraut. Seit 1984 wird das Archiv des ehem. Fürstbistums Basel in Pruntrut von einer gemeinsamen
Stiftung der Kt. Bern, J. und - als Folge des Kantonswechsels des Laufentals - Basel-Landschaft (1997)
verwaltet. Die Aufbewahrung und Erhaltung der Kulturgegenstände obliegt hauptsächlich den Museen,
darunter dem Musée jurassien d'art et d'histoire in Delsberg.
Die Unterstützung und Förderung der Kulturschaffenden und der ebenso zahlreichen wie unterschiedl.
Vereine und Gesellschaften gehört zu den Aufgaben des Kulturbeauftragten. Dessen Vollzeitstelle war zum
Leidwesen der kulturellen Vereinigungen reduziert worden und wurde erst 2003 wieder neu bestellt; von 1997
an war die Funktion vom Leiter des Amts für Kulturgüter ausgeübt worden.
Aus der Fusion von "Le Pays", herausgegeben in Pruntrut, und dem in Delsberg erschienenen "Le Démocrate"
ging 1993 "Le Quotidien jurassien" hervor, dessen Auflage 2004 auf über 25'000 Exemplare stieg. Der 1984
gegr. Radiosender "Fréquence Jura" hat eine der stärksten Hörerquoten unter den schweiz. Regionalradios.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
4.5.2 - Die Kirchen
Die röm.-kath. und die evang.-ref. Kirche sowie ihre Kirchgemeinden sind durch die Kantonsverfassung als
öffentl.-rechtl. Körperschaften anerkannt. Sie organisieren sich selbstständig auf der Grundlage einer von der
Regierung genehmigten Kirchenverfassung. Die Collectivité ecclésiastique cantonale catholique-romaine, die
zur Diözese Basel gehört, zählt 63 Pfarreien, deren Mitglieder im Jahr 2000 75% der Bevölkerung ausmachten.
Der Bf. von Basel wird im J. von einem bischöfl. Vikar vertreten, der Anrecht auf Einsitz im Domkapitel
Solothurn als nicht residierender Domherr hat. Die evang.-ref. Kirche des Kt. J. ist Teil des Synodalverbands
der Ref. Kirche Bern-J. 2000 vereinigten die drei jurass. Kirchgemeinden 10,7% der Kantonsbevölkerung auf
sich. Der Anteil der Andersgläubigen und der Religionslosen betrug 6,5%.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
4.6 - Politisches Leben
Die Wahlen ins jurass. Parlament von 1978 bis 2006 bestätigten die stabilen polit. Kräfteverhältnisse zwischen
den vier grossVen Parteien CVP, FDP, SP und unabhängigen Christlichsozialen (CSP) sowie den drei kleinen
Gruppierungen SVP, PdA und Combat socialiste, einer 1981 gegr. Bewegung der ökolog. Linken. Als Partei
sollte den Grünen erst 2006 der Einzug ins Parlament gelingen.
Die Regierungsratswahlen erbrachten kontrastreichere Resultate. Die erste war geprägt von einer Koalition
der Autonomisten aus CVP, SP, unabhängiger CSP und separatist. Freisinnigen (PRR) unter der Ägide des
Rassemblement jurassien gegen die (berntreue) FDP. 1978 und 1982 vermochten die Autonomisten ihre
Kandidaten bei der Wahl durchzubringen (2 CVP, 1 SP, 1 CSP und 1 PRR). 1986 konnte das RJ jedoch nicht
verhindern, dass der FDP-Kandidat den vakant gewordenen Sitz der PRR einnahm. 1990 wurden die fünf
bisherigen Regierungsräte wiedergewählt, aber die Teilerneuerungswahl von 1993 ermöglichte es einer
Kandidatin des Combat socialiste und einem Dissidenten der CVP, den sozialdemokrat. und den freisinnigen
Sitz zu erobern. Die Wahlen von 1994 führten zu einer neuen Sitzverteilung (3 CVP, 1 FDP, 1 SP), die 1998
bestätigt wurde. 2002 gewann die SP auf Kosten der CVP einen Sitz hinzu, und die FDP verlor den ihren an die
CSP. 2006 musste die SP den erst gerade eroberten zweiten Sitz an die FDP abgeben (2 CVP, 1 SP, 1 CSP, 1
FDP).
Die kant. Vertretung in die Bundesversammlung (2 National- und 2 Ständeräte) wird durch Proporzwahlen
bestimmt. Ihre Wählerstärke sichert der CVP in jeder Kammer einen der beiden Sitze, während die zweiten
zwischen Sozialdemokraten und Freisinnigen jeweils hart umkämpft sind. Seit der Kantonsgründung hat sich
das polit. System des J.s gewandelt. Die Parteien und die Interessengruppen, die zuerst durch die Jurafrage
und die dominante Stellung des RJ in den Hintergrund gedrängt worden waren, spielten ziemlich bald wieder
eine wichtige Rolle in der Führung des neuen Kantons. Die Resultate der eidg. Abstimmungen zeichnen das
Bild eines fortschrittl. und nonkonformist. Teilstaates. Im Unterschied zur Mehrheit der schweiz. Bevölkerung
und der Stände sprach sich der J. 1992 für den Beitritt zum Europ. Wirtschaftsraum (EWR) und 1999 für die
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Mutterschaftsversicherung aus und lehnte 2002 die Leistungskürzungen bei der Arbeitslosenversicherung ab.
Die Nationalratswahlen 1979-2007
1979
CVP
1983
1
FDP
1
SP
1
Andere
1
Total Sitze
1987
1991
1995
1999
2003
1
1
1
1
1
2007
1
1
1
1
1
1
a
2
2
2
2
2
2
2
2
Liste d'unité jurassienne et populaire
Quellen:BFS
a
Die Wahlen ins jurassische Parlament 1978-2006
1978
1982
1986
1990
1994
1998
2002
2006
FDP
14
16
16
15
15
14
12
11
CVP
21
20
22
21
22
19
20
19
SP
11
11
11
12
12
15
15
13
CSP
8
8
8
8
8
8
8
9
SVP
1
1
1
1
1
1
2
3
PdA
2
1
1
1
1
1
1
2
2
Combat socialiste
Andere
Total Sitze
3
2
60
60
3
2
5
60
60
60
60
60
60
Quellen:BFS; Staatskanzlei
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
4.7 - Vom Kampfkanton zur Interjurassischen Versammlung
Die Schaffung des neuen Kantons hat die Jurafrage nicht abschliessend gelöst. Im bernisch gebliebenen J.
setzte die Autonomiebewegung mit Unterstützung des Kt. J., der offiziell für die Wiedervereinigung eintrat,
den Kampf fort. Doch gleich nach dem Erlangen der kant. Unabhängigkeit begannen die Vorstellungen der
Kantonsregierung und des RJ über strateg. Fragen auseinanderzugehen. Erstere musste sich ins polit. System
der Schweiz integrieren und den Dialog mit der Eidgenossenschaft suchen, während das RJ, angeführt von
Roland Béguelin, einen "Kampfkanton" anstrebte. Unter seinem Druck musste die jurass. Regierung das Fest
zur Kantonsgründung - diese hätte am 11.5.1979 im Beisein von eidg. und kant. Behördenmitgliedern gefeiert
werden sollen - absagen. Dieses Ereignis markiert den Beginn des Zerwürfnisses. Durch eine heftige Krise in
den folgenden Jahren innerlich gespalten, konnte das RJ den Beschluss der kant. Behörden zur Teilnahme an
der CH 91, der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft, nicht verhindern; die Bewegung erreichte aber, dass
Regierung und Parlament eine Stiftung für die Wiedervereinigung mit 300'000 Fr. unterstützten. Das auf das
Initiativbegehren des RJ hin ausgearbeitete kant. Gesetz über die polit. Einheit des J.s wurde im Sept. 1992,
trotz negativem Vorentscheid des Bundesgerichts, vom Volk angenommen. Der Berner Regierungsrat
erachtete diesen Entscheid als unvereinbar mit dem Dialog, der im März 1992 mit Hilfe der vom Bundesrat
eingesetzten Konsultativkommission (unter der Leitung von alt Nationalrat Sigmund Widmer) in Gang
gekommen war, und forderte Letztere auf zu intervenieren.
Der "Widmer-Bericht" vom April 1993 schlug eine Lösung der Jurafrage in zwei Etappen vor, an deren Ende
ein neuer Kanton, bestehend aus dem J. und dem aktuellen Berner J., stehen könnte. Bilaterale
Verhandlungen unter der Schirmherrschaft des Bundesrats führten am 25.3.1994 zur Vereinbarung zwischen
den drei Parteien Bund, J. und Bern, aus der die Interjurass. Versammlung (Assemblée interjurassienne, AIJ)
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hervorging.
Die Interjurass. Versammlung arbeitet in sechs Kommissionen (Institutionen, Unterricht und Berufsbildung;
Wirtschaft; Gesundheit und Soziales; Verkehr; Kommunikation und Raumplanung; Kultur). Die Geschäfte
werden von einem Büro vorbereitet. Gültige Entscheide verlangen die Zustimmung sowohl der bern. als auch
der jurass. Versammlungsmehrheit. Sie gelangen in der Regel in der Form von Resolutionen an die beiden
Regierungen und fordern diese zur gegenseitigen Absprache, zur interkant. Zusammenarbeit oder zur
gemeinsamen Umsetzung von Massnahmen auf. Im Hinblick auf die Lösung der Jurafrage war die Resolution
Nr. 44 vom 20.12.2000 bislang die politisch wichtigste. Sie schlug den beiden Kantonen ein zweistufiges
Prozedere vor: In einem ersten Schritt sollten die Instrumente für eine Kooperation geschaffen, in einem
zweiten dann die eigentliche interjurrass. Zusammenarbeit implementiert werden. Die gesetzten Fristen
waren allerdings 2004 schon verstrichen.
Auf den 1.1.2006 trat das Sonderstatut für den Berner J. in Kraft, das aber nicht den Erwartungen nach
"weitgehender Autonomie" entsprach, wie sie besonders von der Groupe Avenir formuliert worden waren. Die
Mitglieder des Mouvement autonomiste jurassien (MAJ), das 1994 aus dem Zusammenschluss des RJ und der
Unité jurassienne entstanden war, verurteilten es sogleich. 2004 nahm das jurass. Parlament die 2002
lancierte Volksinitiative "Un seul Jura" trotz gegenteiliger Empfehlung der Regierung an; die Debatte über
dieses Begehren könnte wieder eine angespannte Lage, ähnlich der vor der Schaffung der Interjurrass.
Versammlung erzeugen.
Autorin/Autor: François Kohler / AHB
Quellen und Literatur
Archive
– AAEB
– Archives départementales du Haut-Rhin, Colmar
– ARCJ
– BiCJ
– Generallandesarchiv, Karlsruhe
– Musée de l'Hôtel-Dieu, Pruntrut
– Musée jurassien d'art et d'histoire, Delsberg
– StABE
– StABL
– StABS
Quellen
●
Allgemeines
– ·J. Wagner et al., Documents pour l'histoire du J., 1990
●
Fürstbistum Basel
– Monuments de l'histoire de l'ancien Evêché de Bâle, 5 Bde., hg. von J. Trouillat, L. Vautrey, 1852-67
– Documents inédits sur l'histoire de la Révolution dans l'Evêché de Bâle, hg. von J. Trouillat, 1898
– P.-O. Bessire et al., Documents sur l'histoire de la principauté de Bâle et sur la souveraineté de l'ancien
Etat jurassien, 1959
– Documents linguistiques de la Suisse romande 1, hg. von E. Schüle et al., 2002
●
Bernische Zeit
– Gesetze, Dekrete und Verordnungen der Republik Bern, 1831-46
– Gesetze, Dekrete und Verordnungen des Kt. Bern, 1847-1978
– C. Folletête, Les origines du J. bernois: recueil de pièces et documents relatifs à l'histoire de la réunion de
l'ancien évêché de Bâle au canton de Berne, 1888
– La question jurassienne: documents, 1970
●
Kanton Jura
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– Journal officiel de l'Assemblée constituante de la République et Canton du J., 1976-80
– Annuaire officiel de la République et Canton du J., 1979– Journal des débats du Parlement de la République et Canton du J., 1979Literatur
●
Historiografie
– In den bibliograf. Verzeichnissen wird man vergeblich nach einer jurrass. Kantonsgeschichte suchen.
Einem solchen Werk nähert sich einzig die Publikation "Le canton du J. de A à Z" an, welche das in den
Bänden des "Schweizer Lexikons" (1991-93 und 1998-99) verstreute Material zum J. zusammenfasst. Das
erst kurze Bestehen des Kantons erklärt dieses Manko nicht allein. Wie schon Charles-Ferdinand Morel
("Abrégé de l'histoire et de la statistique du ci-devant Evêché de Bâle, réuni à la France en 1793", 1813),
Paul-Otto Bessire und Gustave Amweg ("Histoire populaire du J. bernois, ancien Evêché de Bâle", 1942)
stehen die jurass. Historiker weniger in einer kantonalen - sei es bernischen, sei es jurassischen - Tradition
der Geschichtsschreibung als in einer regionalen bzw. heute einer überkantonalen. Die Autoren der
"Nouvelle histoire du J." (1984), die bis 1979 reicht, reihen sich in diese Tradition ein, welche allerdings mit
der Schaffung kantonaler kultureller Institutionen in Frage gestellt worden ist. Die Abteilungen des Amtes für
Kulturgüter (heute Amt für Kultur) holen mit ihren Inventarisierungs- und Ausgrabungsarbeiten die
Versäumnisse, welche ihnen der Kt. Bern in diesen Bereichen hinterlassen hat, nach und nach auf. Das Amt
fördert mit seinen Publikationen die Kenntnis der jurass. Geschichte, grenzt jedoch gleichzeitig sein
Arbeitsfeld, im Unterschied zu den älteren Institutionen und Vereinigungen, auf das Kantonsgebiet ein. Zu
den traditionellen Reihen, die fortgeführt werden ("Actes SJE" sowie die hist., künstler. und literar.
Publikationsreihen der Société jurassienne d'émulation und ihres Cercle d'études historiques), kommen
diejenigen des OPH (Dokumente, Studien und Forschungsarbeiten zur jurass. Geschichte, die Zeitschrift
"Jurassica"), die Reihen neuer überkant. Vereinigungen (1989 Cercle généalogique de l'ancien évêché de
Bâle, 2002 Centre jurassien d'archives et de recherches économiques) und solche aus dem Berner J. (1981
Verein und Zeitschrift "Intervalles", 2000 Mémoires d'ici) hinzu. Diese Anhäufung von Wissen durch gänzlich
neue Studien und durch überarbeitete, wiederaufgelegte Publikationen dürfte früher oder später in eine
Gesamtschau münden, ob in kant. oder in dem in Entstehung begriffenen interkant. Rahmen, steht noch
offen.
●
Bibliografien
– G. Amweg, Bibl. du J. bernois, ancien évêché de Bâle, 1928
– Bibl. jurassienne 1928-72, 1973 (Erg.Bd. 1974)
– Bibl. jurassienne, 1973-90
●
Reihen und Zeitschriften
– Coup d'œil sur les travaux de la Société jurassienne d'émulation, 1849-56
– Actes SJE, 1857– Almanach catholique du J., 1885-2002 (ab 2003 Almanach du J.)
– Les intérêts du J.: bull. de l'Association pour la défense des intérêts du J., 1930-77 (ab 1978 Les intérêts de
nos régions)
– L'Hôtâ, 1-, 1977– Intervalles: revue culturelle du J. bernois et de Bienne, 1981– J. pluriel, 1982– Jurassica: annuaire du Centre d'études et de recherches, 1989– Informations généalogiques, 1990– Lettre d'information [du Cercle d'études historiques], 1992-
●
Allgemeines
– P.-O. Bessire, Histoire du J. bernois et de l'ancien Evêché de Bâle, 1935 (21977 mit einer Ergänzung zu
1936-76 von B. Prongué)
– C.-A. Simon, Le J. protestant de la Réforme à nos jours, 1951
– Panorama du Pays jurassien, 4 Bde., 1979-93
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19/20
– Nouvelle histoire du J., 1984
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Von den Anfängen bis zum Fürstbistum Basel
– Cahiers d'archéologie jurassienne, 1-, 1991– Guide archéologique du J. et du J. bernois, 1997
– F. Schifferdecker, «Trois lustres d'archéologies dans le canton du J., 1981-96», in Actes SJE, 1997, 269-309
– «Habitats médiévaux dans le J.», in HA 30, 1999, 47-132
– J.-D. Demarez, Répertoire archéologique du canton du J.: du Ier siècle avant J.-C. au VIIe siècle après J.-C.,
2001
●
Mittelalter und frühe Neuzeit
– S. Stékoffer, La crosse mérovingienne de saint Germain, premier abbé de Moutier-Grandval, 1996
– G. Jäggi, Das Bistum Basel in seiner Gesch.: MA, 1999
– J.-P. Prongué, La Franche Montagne de Muriaux à la fin du Moyen Age, 2000
– La donation de 999 et l'histoire médiévale de l'ancien Evêché de Bâle, hg. von J.-C. Rebetez, 2002
– J.-C. Rebetez, Das Bistum Basel in seiner Gesch.: Beginn der Neuzeit (16.-18. Jh.) und während der
Revolution, 2003
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19.-20. Jahrhundert
– V. Erard, Xavier Stockmar, patriote jurassien, 2 Bde., 1968-71
– F. Donzé et al., Le parti démocrate-chrétien du J. 1877-1977, 1977
– B. Prongué, Le J. de l'entre-deux-guerres, 1978
– W. Humbel, Der Kirchenkonflikt oder "Kulturkampf" im Berner J. 1873 bis 1878, 1981
– G. Lovis, Au temps des veillées: essai sur la mentalité paysanne jurassienne 1880-1930, 1981 (21982)
– F. Kohler, «Genèse et début du Parti socialiste jurassien (1864-1922)», in Les origines du socialisme en
Suisse romande, hg. von C. Cantini et al., 1989, 99-122
– B. Prongué, M. Rérat, Le J. historique ou le J. des sept districts 1815-1978, 1994
– C. Ruch, Struktur und Strukturwandel des jurass. Separatismus zwischen 1974 und 1994, 2001
– C. Hauser, L'aventure du J., 2004
– A. Pichard, La question jurassienne, 2004
– J.-J. Schumacher, L'Assemblée interjurassienne: histoire et perspectives, 1985-2004, 2005
– E. Chatelain " Nous sommes des hommes libres sur une terre libre", 2007
●
Kanton Jura
– J.-P. Kohler, Canton du J. : industrie et structure régionale, Liz. Neuenburg, 1977
– A. Froidevaux, Dossier sur l'Assemblée constituante de la République et Canton du J., 1977
– Ja zum Kt. J., hg. von T. Chopard, 1978
– P. Jeannerat, D. Maillat, J., canton frontière, 1981
– La République et Canton du J., hg. von A. Voisard, 1987
– S. Hofman, A. Lachat, «Le J. contestataire, analyse des résultats des votations fédérales de ces 17
dernières années dans le Canton du J. et le J. bernois », in Schweiz. Politik in Wiss. und Praxis, hg. von P.
Hablützel et al., 1988, 48-61
– P. Boillat, J., naissance d'un Etat, 1989
– E. Weibel, Institutions politiques romandes, 1990
– L'écartèlement: espace jurassien et identité plurielle, hg. von B. Prongué, 1991
– Le canton du J. de A à Z, hg. von B. Prongué, 1991
– P. Talbot, La République et Canton du J., 1991
– J.-C. Rennwald, La transformation de la structure du pouvoir dans le canton du J. (1970-1991), 1994
– J. Moritz, Commentaire de la constitution jurassienne, 2 Bde., 1997-2002
– B. Prongué, Le catholicisme jurassien de Vatican II à l'an 2000, ou, les catholiques jurassiens face au défi
de la modernité, 1997
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Kunst und Kultur
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20/20
– G. Amweg, Les arts dans le J. bernois et à Bienne, 2 Bde., 1937-41
– Anthologie jurassienne, 2 Bde., hg. von P.-O. Walzer, 1964-65
– Vitraux du J., 1973 (52003)
– Guide culturel de la République et Canton du J., hg. von B. Prongué, 1985
– M. Berthold, République et Canton du J., 1989
– Du Collège des jésuites au Lycée cantonal: quatre cents ans d'histoire (1591-1991), 1991
– A. Widmer, Art contemporain dans le J., 1991
– Anthologie de la littérature jurassienne 1965-2000, hg. von A. Wyss, 2000
– R. Stähli «Histoire de la Revue transjurane», in Intervalles, 2001, Nr. 60, 11-60
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