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Vorsicht Mauerwerk
Der größte Teil des Bauvolumens im Wohnungsbau wird trotz
vieler Vorteile des Holzbaus nun leider noch in der so genannten Massivbauweise als Mauerwerksbau errichtet. Dächer allerdings, die sowohl statisch wie auch physikalisch viel höheren Belastungen ausgesetzt sind als die Wände, werden klassisch aus Holz erstellt.
Genau betrachtet ist ein Satteldach eigentlich technisch nichts
anderes als eine „geneigte Außenwand“, allerdings zusätzlich
auf Biegung beansprucht und stärker durch Witterungseinflüsse belastet als eine Außenwand.
Im Gegensatz zu Wandelementen hat hier aber niemand etwas
gegen eine Holzbauweise. Probleme kann es aber geben, wenn
ein Dachausbau unter Hölzernen Dachkonstruktionen gemauert wird. Die Nassbauweise kann hier Schäden verursachen.
Ein Beispiel dazu.
Der Fall
Der Bau eines großzügigen Einfamilienwohnhauses in einem Neubaugebiet.
Die Wände klassisch aus gutem Kalksandsteinmauerwerk errichtet. Als Die
Geschossdecke betoniert war wurden die Wände im Dachgeschoss gemauert
und der Dachstuhl durch den Zimmermann gerichtet. Ein klassischer Ablauf.
Das bis zum Zeitpunkt der Folieneindeckung bzw. Dacheindeckung der Regen
das eigentlich unnötige Holzschutzsalz aus dem Dachstuhl ausgewaschen hat,
da kein fixierendes Mittel eingesetzt wurde, sei hier nur am Rande vermerkt.
Der Wettergott hat sich während der recht langen Bauzeit auch nicht solidarisch mit den diversen Handwerkern verhalten und hat auch mal die Landwirte
und Gartenbesitzer bedacht - er hat es auch mal kräftig regnen lassen - allerdings auch auf die weißen Steine und das frische Mauerwerk. Die Steine nehmen den Regen ja auch nicht übel.
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Der Trockenbauer hat dann fleißig Dachschrägen und Kehlbalken gedämmt
und auftragsgemäß, raumseitig auch eine Folie eingebaut. Ob diese die Funktion einer Dampfbremse oder Luftdichtungsebene haben soll, war ihm allerdings nicht bekannt. Er hatte aber gehört, dass Folien an Wänden, wie im Beispiel, Blatt DIN 4108 - 7, dicht angeschlossen werden müssen und auch sauber
an den Stößen abzukleben sind.
Nur am Rande sei vermerkt, dass wie im Mauerwerksbau auch, die raumseitige
Putzschicht, im Holzbau eben die Bekleidung der Wände, die unproblematischere und sichere Luftdichtungsebene ist - der Maurer hat auf seinen Steinen
letztendlich auch keine Folie als Luftdichtungsebene, obwohl z. B. bei Porotonmauerwerk viel mehr Hohlräume und Fugen in der Konstruktion vorhanden
sind als im Holzbau.
Von all diesem wusste der Installateur, welcher die Sanitärentlüftungsstränge
anschließend verlegte, natürlich auch nichts. Er hat sich im Bereich des Installationsschachtes sein für die Rohrdurchführung notwendiges Loch verschafft.
Der Elektriker natürlich im Bereich seiner Installationsleitungen auch.
Diese Durchdringungen der Folie sind nun mal typischerweise später nicht
mehr einsehbar und auch nur selten nachzudichten. Dies sei allerdings nur am
Rande erwähnt.
Den großzügigen Spitzboden nutzend wollend, wünschte der Bauherr einen
Belag auf der Oberseite der Kehlbalken. Der Bauleiter stimmte diesem Wunsch
nach Mehrleistung gerne zu - auf die Kehlbalken, vollgedämmt selbstverständlich, wurde ein Rauhspundbelag aufgebracht und alle waren glücklich
und zufrieden.
Das Sanitärlüftungsrohr durchdringt die Folie - hier wurde nicht
angedichtet, sodass die warme, feuchte Luft hier auch konvektiv in die
Kehlbalkenlage eingreift.
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Aber dann!
Kurz danach wurde zu Beginn der kälteren Jahreszeit das Haus bezogen und
beheizt und die Bauherren fühlten sich wohl. Aber dann!
Zunächst zeigte der schöne Rauhspundbelag auf den Kehlbalken punktuell
mehr oder weniger starke Aufwölbungen mit zunehmender Tendenz. Danach
stellten sich feuchte Flecken ein, obwohl das Dach dicht war. Auch der herbeigerufene Bauleiter hatte keine Erklärung. Er nahm allerdings Teile des Rauhspundes auf und stellte an dessen Unterseite große Feuchtemengen fest mit
einem schönen Schimmelpilzrasen überzogen - die Ursache allerdings blieb
offen und die Schuldfrage auch. In solchen Fällen ruft man dann den Sachverständigen.
Der Rauhspund auf der Kehlbalkenlage
zeigte zu Beginn nur Aufwölbungen und
leichte Schimmelpilzbildungen.
In Teilbereichen zeigt die Unterseite des
Rauhspundbelages extreme Durchfeuchtungen mit einem Pilzrasen.
Es fängt mit Logik an
Sachverständige sind keine Kriminalisten - allerdings tun sie gut daran, ähnlich
wie Kriminalisten zu denken. Wieso war die Erscheinung nicht auf der gesamten Fläche sondern nur in Teilbereichen? Ein Blick auf den Grundriss des
Dachgeschosses gab schnell Aufschluss - die Feuchteschäden lagen stets dort
vor, wo im Dachgeschoss unter der Kehlbalkenlage Wände aufgemauert wurden.
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Rauhspund und Dämmung wurden entfernt und die Mauerkronen der Dachgeschossinnenwände blinzelten ungeniert durch die blaue Folie an der Kehlbalkenunterseite, zwar nicht mehr klatschnass, aber immer noch mit erhöhter
Baufeuchte.
Die Ursache war klar - die Feuchte aus den Mauerwerkswänden war ungebremst in die Kehlbalkenkonstruktion diffundiert und dort an dem (kalten)
Rauhspund kondensiert, teilweise unterstützt durch Konvektion aus Rohrschächten und Hohlräumen im Mauerwerk der Dachgeschosswände.
Die Mauerwerkskronen durchdringen die raumseitige
blaue Folie
Das Mauerwerk reicht teilweise bis zur
Oberkante der Kehlbalken und zeigt
Hohlräume.
Über wie viel Feuchte reden wir?
Wir nehmen einmal an, dass das Raumgewicht des Kalksandsteinmauerwerks
incl. Mörtel und Putz irgend wo bei 1,6 liegt. Bei ungünstigem Wetter ist eine
Materialfeuchte des Mauerwerks um die 10 % zum Zeitpunkt des Ausbaus realistisch, die Feuchte zum Zeitpunkt des Ortstermins lag etwa um etwa 4 bis 5
%, der Endzustand wird bei etwa 2 bis 3 % erwartet. Die geschätzten 6 %
Feuchtedifferenz bei dem geputzten 11,5 cm Mauerwerk, Gesamtdicke also
15 cm, ergibt 14.400 g Wasser / m².
Selbst wenn wir nur 25 cm Wandhöhe als wasserabgebend ansetzen, diffundieren ca. 3.600 g Wasser / m Wandlänge während der Austrocknungsphase in
die Kehlbalkenlage und Nachschub kommt aus dem Mauerwerk darunter.
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3.500 g auf ein ca. 70 cm breites Gefach sind rund 5.000 g (5 l!) je m² Rauhspundfläche. Diese Menge kann auch ein nur etwa 22 mm dicker Rauhspund
nicht mehr durchdiffundieren lassen.
Was ist falsch gelaufen?
Der Trockenbauer hätte die Folie, welche hier als Dampfbremse zu fungieren
hatte, über die Mauerkronen hinweg ziehen müssen. Das konnte er aber nicht,
da das Mauerwerk wegen Maßdifferenzen (obwohl örtlich hergestellt) höher
ausgeführt wurde als die unterseitige Kehlbalkenlage, teilweise fast bis zur
Oberseite der Kehlbalkenlage. Die genaue Bedeutung der Folie war dem Trokkenbauer ohnehin nicht klar.
Natürlich hätte er, die physikalischen Zusammenhänge kennend, zusätzlich zur
eingebauten Folie noch einen Folienstreifen über das Mauerwerk anbringen
können und mit der darunter liegenden Dampfbremse verkleben.
Dazu hatte er aber keinen Auftrag, der Bauleiter als typischer Terminjäger
kaum die Kompetenz im Bereich der Bauphysik und der Trockenbauer (es wird
hier der preiswerteste beauftragt) auch nicht.
Wer zahlt nun?
Das wäre gerichtlich zu klären gewesen, wenn die Parteien nicht vernünftig
reagieren. Hier saßen Planer, Bauleiter, Bauunternehmen und Trockenbauer
mit ihrer Verantwortung in einem Boot. Jeder hat hier einen Fehler gemacht.
Von jedem ¼ der erforderlichen Nachbesserungskosten (in diesem Fall Selbstkosten) ist in einem derartigen Fall eine preiswerte, schnelle und bauherrenfreundliche Lösung.
Dipl.-Ing. E. U. Köhnke
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