2015-12-08, PM Akteneinsicht Siegen - Erna-Graff

** Pressemitteilung
Akteneinsicht im ersten Tierschutz-Verbandsklageverfahren Deutschlands
erzwungen
Geseke, 08.12.2015: Animal Rights Watch (ARIWA) erstreitet erfolgreich im landesweit
ersten Gerichtsverfahren zur NRW-Tierschutzverbandsklage Akteneinsicht bei einem
Kreisveterinäramt. Vor dem Verwaltungsgericht Arnsberg hatte das Amtsveterinäramt
des Kreises Siegen-Wittgenstein in der Verhandlung am 30.11.2015 keine Chance und
muss die Akten im Falle eines umstrittenen Hundehändlers nun umfassend an ARIWA
bereitstellen.
Trotz Gesetz und Erlass des Ministeriums verweigern immer noch viele Amtsveterinäre in
NRW die Zusammenarbeit mit den Tierschützern. Im vorliegenden Fall geht es um einen
Hundehandel, welcher schon seit Jahren im Verdacht steht, illegal Welpen aus Osteuropa zu
importieren und weiter zu verkaufen. Darauf deuten Hunde mit osteuropäischen
Mikrochips und für Massenzuchten typische Krankheiten. Einige Hunde starben an
Durchfallerkrankungen und Parasitenbefall. ARIWA wirft dem Veterinäramt hinsichtlich des
Hundehandels Untätigkeit und Verschleierung vor, was sich in dem vergeblichen Versuch die
Akten zurückzuhalten weiter manifestiert. ARIWA musste mittels Verbandsklagerecht das
Verwaltungsgericht bemühen.
In der Verhandlung am Montag musste der Landkreis einlenken: Er stellt die Akten nun zur
Verfügung, nachdem das Gericht ihm die rechtliche Situation verdeutlicht und ihm die
Niederlage in diesem Verfahren in Aussicht gestellt hatte. Auch der Versuch des Kreises, die
Akte auf wenige Unterlagen zu beschränken, scheiterte. Das Gericht stellte klar, dass die
herauszugebenden Akten alle Verwaltungsmaßnahmen des Kreises seit Genehmigung der
umstrittenen Tierhaltung im Jahr 2006 umfassen müssten. Die umfassende Akte soll ARIWA
nun noch im Jahr 2015 zur Verfügung gestellt werden.
„Nach monatelangem Kleinkrieg mit der Behörde können wir nun endlich prüfen, wie die
Behörden den unzähligen Hinweisen nachgegangen sind oder nicht und inwieweit wir
gegen ein mögliches Nichteinschreiten klagen können “, kommentiert Sandra Franz,
Pressesprecherin von ARIWA. Unterstützt wird die Initiative von der Albert Schweitzer
Stiftung für unsere Mitwelt und der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz.
Mahi Klosterhalfen, geschäftsführender Vorstand der Albert Schweitzer Stiftung für unsere
Mitwelt, ergänzt: „Wir hoffen auf eine Signalwirkung an andere Landkreise. Auch andere
Behörden arbeiten systematisch gegen die Tierschutz-Verbandsklage, verweigern die
Zusammenarbeit, treiben so unnötig Kosten in die Höhe und verlängern das gesamte
Verfahren.“
„Die Tierschutz-Verbandsklage gibt zum ersten Mal Tierrechtlern die Möglichkeit auf eine
konsequente Umsetzung des Tierschutzgesetzes zu pochen“, ergänzt Dr. Eisenhart von
Loeper, Vorsitzender der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz. „Dass das erste Verfahren –
auch mit unserer Unterstützung - positiv für ARIWA ausging, werten wir als Erfolg.“
Acht anerkannte Tierschutzvereine in NRW haben seit Inkrafttreten des NRW-TierschutzVerbandsklagerechts vor 2 Jahren die Möglichkeit als rechtliche Vertreter für die Tiere
gegen umstrittene Entscheidungen oder dem Nichteinschreiten von Amtsveterinären zu
klagen.
Unsere bisherige Berichterstattung zum Verbandsklagerecht:
http://www.ariwa.org/aktivitaeten/963-2015-10-06-12-10-57.html
Unsere Berichterstattung zu der angeblichen Hundezucht:
http://www.ariwa.org/aktivitaeten/aufgedeckt/recherchearchiv/330-hundehandel-sabinejung-teil-4.html
Pressekontakte:
Animal Rights Watch: Sandra Franz, Tel.: 01577-663 33 53, E-Mail: [email protected]
Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt: Rieke Petter, Tel.: 030-400 54 68 15, E-Mail:
[email protected]
Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz: Alexandra Nietsch, Tel.: 030-8524953, E-Mail:
[email protected]
Animal Rights Watch e.V. (ARIWA) ist eine gemeinnützige Tierrechtsorganisation. ARIWA
deckt die Zustände in der Tierindustrie auf und fördert eine tierfreundliche, vegane
Lebensweise. Bundesweite Bekanntheit erlangte ARIWA durch die Veröffentlichung von
Recherchen in Bio-Betrieben und Schweinezuchtanlagen und durch die Ausrichtung des
„Vegan Street Day“ in Stuttgart und Dortmund. Zahlreiche politische TV-Magazine sowie
viele Print- und Onlinemedien nutzen regelmäßig von ARIWA zur Verfügung gestelltes
Bildmaterial.