Predigt des Diözesanbischofs Klaus Küng anlässlich der

Gedanken des Diözesanbischofs Klaus Küng aus seiner Predigt anlässlich der Pfarrvisitation und Firmung am
21. Juni 2015 in Neuhofen/Ybbs
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst,
liebe Firmlinge, liebe Paten, liebe Brüder und Schwestern,
wenn Jesus dabei ist, dann dürfen wir sicher sein, dass das
Boot nicht untergeht. Das ist die Botschaft des heutigen
Evangeliums, eine wunderbare Botschaft. Wichtig ist, dass er
dabei ist, selbst dann, wenn Stürme kommen sollten und die
Wogen hochgehen; wenn er dabei ist, dann wird es möglich
sein, das alles nicht nur zu überstehen, sondern auch gut ans
Ziel zu gelangen.
Dadurch, dass eure Eltern, liebe Firmlinge, euch zur Taufe
gebracht haben, ist die Grundlage dafür gegeben worden,
dass Jesus dabei ist; das war der Wunsch der Eltern, wenn
sie euch zur Kirche gebracht haben. Damals wurde
sozusagen das Boot richtig seetüchtig gemacht. Wir alle, die
getauft sind, wurden übergossen mit Wasser, als ein Zeichen
der Reinigung; gleichzeitig wurden wir gerade dadurch mit
Jesus verbunden. Wir wurden gewissermaßen eingetaucht in
sein Leben, sein Sterben, in seine Auferstehung, damit wir so
eben seetüchtig werden, lebenstüchtig werden, den Weg
bestehen und das Ziel finden können. Schon damals bei der
Taufe seid ihr das erste Mal gesalbt worden, auf den Scheitel, als Zeichen der Verbundenheit mit Jesus.
Heute werdet ihr wieder gesalbt und wenn ihr heute die Firmung empfängt, dann wird die Verbundenheit
mit Jesus besiegelt. Damals bei der Taufe, da war das ja das Zeichen: Du gehörst zu Jesus und Jesus soll zu
dir gehören. Wenn ihr gefirmt werdet, werdet ihr wieder gesalbt und damit ist verbunden die Verheißung
des Heiligen Geistes. Sei besiegelt mit der Gabe Gottes , den Heiligen Geist, sagt der Firmspender bei der
Salbung auf die Stirn.
Die Jünger von Ephesos hatten ehrlich zu Paulus gesagt, dass sie gar nicht wüssten, dass es den Heiligen
Geist gäbe, als er sie danach gefragt hatte. Ihr habt es gelernt: er ist die dritte Person Gottes; der Geist, der
vom Vater und vom Sohn hervorgeht, der tiefer einführt in das, was Jesus gelehrt hat. Dieser Heilige Geist
öffnet die Augen für Jesus, er schenkt gewissermaßen die Fähigkeit, Durchblick zu bekommen. In vielen
Situationen – ja ich würde sogar sagen, in allen Situationen des Lebens ist immer irgendwo Jesus
verborgen. Ein Ruf Gottes ist immer irgendwo mit dabei; ein Ruf, der an dich ergeht, an mich ergeht, in
vielen verschiedenen Formen. Das „Komm und folge mir nach“, ist immer ein Ruf Jesu. Der Hl. Geist bewirkt
das Erkennen, so dass man auf einmal merkt, er ist es. Es geht uns ja allen oft so, dass man jemandem
begegnet und ihn sieht. Und dann auf einmal erkennt man, aha, du bist es. Und so bewirkt der Hl. Geist,
dass man Jesus erkennt in der konkreten Situation und man merkt, ja, ich muss mich zusammen nehmen
und meine Bequemlichkeit überwinden oder ich muss diese Aufgabe jetzt wirklich durchführen, oder ich
muss ehrlich sein. Jesus spricht uns ganz konkret an und dann ist es immer die Frage, ob uns bewusst ist,
was er meint.
Der Hl. Geist schenkt Einsicht, die dritte Gabe, die immer aufgezählt wird. Das heißt, dass es einem auf
einmal bewusst wird, zum Beispiel, das muss ich tun, das wird von mir erwartet, dass ich ehrlich bin oder
dass ich jetzt zupacke, oder vielleicht auch: Das ist falsch, das war verkehrt. Er schenkt Einsicht, dass es
eben nicht richtig ist und dass man den Kurs korrigiert, wenn es nötig ist – wenn man Jesus sucht und seine
Hilfe sucht.
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Der Hl. Geist schenkt jene Fähigkeit, die so wichtig ist für jeden Vater, jede Mutter, für jeden, der eine
Verantwortung hat, Rede und Antwort zu stehen. Er gibt einem dann, wenn man ihn sucht, wenn man
immer wieder Jesus sucht, Gott sucht und um den Hl. Geist bittet: Die Gabe des Rates. Auf einmal ist uns
klar, manchmal ist es nicht so kompliziert, andere Male ist es kompliziert, so dass wir unsere
Verantwortung wahrnehmen und dem anderen beistehen und sagen: Du, das solltest du tun oder das
solltest du wirklich nicht tun.
Dieser gleiche Hl. Geist bewirkt, dass man in vielen Situationen auch fest ist. Er verleiht dir Stärke, im Sinne,
dass er die Liebe weckt; gerade auch diese Entschlossenheit, fest zu bleiben und zu sagen, nein, da mache
ich nicht mit, das passt nicht zu einem Christen, das passt nicht zu mir sozusagen; oder auch durchzuhalten.
Viele Dinge gehen uns manchmal auf die Nerven und man würde am liebsten sagen: Danke, das soll ein
anderer machen oder dass wir schon müde sind und genug haben; aber wer an Gott sich orientiert und den
Hl. Geist bittet, wer sich daher in Jesus immer wieder begründet, der geht weiter auf dem Weg, auch wenn
es ihm schwer fällt, auch wenn er schon müde ist.
Ja, der gleiche Hl. Geist ist ein ganz wunderbarer Lehrmeister, wenn man ihn erkennt, wenn man die
Erfahrung macht, wie das funktioniert. Er führt dazu, dass man einerseits Ehrfurcht hat vor Gott und auch
vor den Menschen und vor sich selbst. Wir alle sind ein Tempel Gottes. Das ist ein großes Geschenk. Das
Leben selber ist ein Geschenk und die Welt ist ein Geschenk, die uns da als Gabe gegeben ist. Der Hl. Geist
spürt, dass wir diesen Blick auf Gott haben und damit auch Ehrfurcht voreinander und vor uns selbst und
uns nicht leichtfertig für alles Mögliche hergeben. Er ist wie eine Quelle, aus der man schöpfen kann. Die
Gabe der Gottesfurcht und der Frömmigkeit.
Wenn man sozusagen „am Sand ist“, hilft der Hl. Geist Jesus zu suchen, bei ihm Kraft zu holen und
sozusagen durch zu tauchen; oder auch wenn wir froh sind, dann führt es manchmal dazu, dass wir
danken: Danke für alles und dass wir Gott loben und preisen. Wie eine Quelle, die wir da im Inneren tragen.
Der Hl. Geist ist für viele ein großer Unbekannter. Im Grunde genommen ist er immer ein großes
Geheimnis, so wie Gott selber ein großes Geheimnis ist, das wir nie wirklich erfassen können. Eines Tages
werden wir ihn sehen. Aber jetzt sind wir unterwegs.
Es ist aber nicht so: Du bist getauft und Jesus ist dabei und ich schließe die Augen und alles geht
automatisch. Oh, nein, Jesus ist bei jeder Gelegenheit im Fond des Bootes und es scheint, als ob er schlafen
würde. Die Apostel müssen ihn wecken. Es kann ja einer getauft sein aber das ist ja keine Garantie, dass
einer wirklich christlich lebt. Es kann jemand gefirmt sein und das ist auch keine Garantie, dass tatsächlich
der Hl. Geist ihn hört. Da müssen wir schon selber auch das Verlangen danach haben. Gott hat uns die
Freiheit gegeben und wir bleiben frei, auch wenn wir getauft sind und gefirmt. Es hängt von uns ab, ob wir
wirklich Jesus suchen.
Ich vergleich‘s manchmal mit einem Navigator oder mit einem Handy zum Beispiel, wo man einen
Navigator mit dabei hat. Das erste, wenn man die Strecke finden will, ist die Ortung. Man muss wissen, wo
man steht. Da gibt’s immer einen Bezugspunkt. In dem Fall: Das Boot ist ausgerichtet auf Jesus. Und es ist
notwendig, ihn immer wieder zu suchen, mit ihm Kontakt zu haben; manchmal auch zu rufen, wie die
Apostel: Herr wir gehen unter, kümmert es dich nicht? Wir müssen schon auch den Mund aufmachen. Aber
Gott versteht uns auch ohne Worte, aber wir müssen uns an ihn wenden. Nur ein bisschen telefonieren
miteinander ab und zu ist zu wenig. Man muss ihm schon auch selber begegnen. Wenn du mit deinen
Bekannten oder deinen Eltern manchmal telefonierst, das ist eine riesen Hilfe, da gibt es jetzt sogar Skype,
da kann man von Afrika aus billig telefonieren über diese Methode. Aber das ist zu wenig, man muss
zusammen kommen. Da gibt es den Gottesdienst am Sonntag und die Begegnung mit Jesus direkt,
unmittelbar, ihn aufnehmen ins Boot, komm zu mir, ihn einladen und mit ihm verkehren, mit ihm reden,
denn manchmal ist es notwendig, dass wir innehalten: Herr was willst du von mir?
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Welche Aufgabe ist das? Jeder von euch hat eine Aufgabe vor Gott und vor den Menschen. Und es ist
notwendig, dass wir ihn suchen und ihn zu uns nehmen. Essen hält Leib‘ und Seel‘ zusammen, das sagt man
auch bei euch im Mostviertel, ihr wisst das sehr gut und manche essen auch zu viel, kommt mir vor. Aber
auch die Seele braucht Nahrung. Wir brauchen das Brot, das Brot des Himmels. Wir brauchen den Herrn,
diese Bestärkung; und so kann man durchhalten auch heute und morgen.
Aber wir dürfen nicht vergessen: man muss auch rudern, man muss ordentlich rudern, eigentlich muss
jeder rudern. Was heißt das? Na ja, wenn ich merke, ich bin wieder bequem, dann muss ich schauen, dass
ich pünktlich anfange, dass ich aus der Stunde 60 Minuten heraushole und die Zeit nütze. Wenn ich merke,
ich bin ein bisserl grob oder grantig - das ist keine Krankheit, obwohl man manchmal meint, es sei fast eine
Krankheit - dann führt der Umgang mit Jesus dazu, wieder die Sonne scheinen zu lassen, dass man
aufeinander zugeht. Oder wenn wir Konflikte haben, wer hat nicht manchmal Konflikte, das gehört
vielleicht auch zum Leben. Jesus sagt: Verzeih auch, hör zu; was ist der Grund, dass es zu dieser Spannung
kommt? Natürlich sagt man immer: der andere hat Schuld. Vielleicht haben wir auch selber schuld.
Vielleicht gibt es irgendeinen Punkt, um den wir bemüht sein müssen. Und dann muss man rudern, da muss
man schon auch Hand anlegen. Oder wenn du merkst, ich vergesse immer wieder. Man kann schon auch
schauen, dass man aufpasst, dass man sich etwas notiert, da kann man Listen machen, aber das hilft dann
auch nicht, wenn man den Mut verliert und Dinge nicht wirklich macht. Man muss dann vielleicht sagen:
Machen wir’s sofort.
Der Hl. Geist führt zu Jesus hin, wenn man ihn gut versteht und merkt, jawohl, da muss ich kämpfen, da
muss ich mich bemühen. Und manchmal gibt’s eine Sache, wo man sich sagt, das muss ich wirklich in
Ordnung bringen. Dann kann’s einem passieren, dass man eine falsche Taste drückt und man bringt
dadurch etwas durcheinander. Mir passiert das, euch nicht, ihr Jungen habt das gelernt, schon fast von
Geburt an, mit dem Computer umzugehen. Aber dann muss man zu jemandem gehen, der sich auskennt
und der das in Ordnung bringt. Manchmal braucht’s eine Reparatur. Das gibt‘s bei jedem. Abgesehen davon
muss man die Dinge regelmäßig in Ordnung bringen; man muss manchmal auch löschen, die Dinge, die sich
angesammelt haben, wenn man E-Mails hat. Man muss hergehen und manches wieder an die richtige Stelle
bringen, wenn man nicht aufgepasst hat und alles durcheinander gekommen ist.
Auch die Seele braucht oft Reinigung. Es ist notwendig, dass man die Dinge in Ordnung bringt und Jesus
steht uns bei. Er wird uns den Weg zeigen, wie wir den Frieden finden. Er wird uns helfen, damit die Liebe
uns drängt, wie es in der 2. Lesung heißt.
Ich wünsche euch liebe Firmlinge und euch allen, auch den Eltern und den Paten und den Verwandten und
der ganzen Gemeinde Gottes Segen. Jesus soll dabei sein im Boot und der Hl. Geist soll euch helfen, Jesus
zu entdecken, Jesus zu verstehen, auf seine Anregungen zu hören; ihr werdet alle Stürme überstehen und
ans Ziel gelangen, ans wahre, ans eigentliche Ziel.
Ich unterlasse es nicht, dabei zu sagen: Denkt an Maria, die Mutter Jesu, sie war überschattet vom Hl. Geist,
eine super Lehrerin, eine meisterhafte Lehrerin. Wendet euch an Maria, sie wird euren Weg absichern,
auch wenn ihr nichts mehr seht. Wenn ihr überhaupt nicht mehr erkennen könnt, wo der Weg lang geht
und das Boot hin und her geschaukelt wird. Schaut auf den Stern, hat der heilige Bernhard von Clairvaux
gesagt, schaut auf Maria und ihr werdet auf einmal wieder wissen, da ist Jesus, da geht die Route, da geht
der Weg. Da kommen wir zum Hafen, zum Ziel. Möge es euch auf die Fürsprache Mariens zuteilwerden!
Amen
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