2015 - Wildtier Schweiz

 REHKITZMARKIERUNG
Jahresbericht 2015
Daten 2015
Bericht im Auftrag des
Bundesamtes für Umwelt BAFU
DasProjekt
Das Projekt «Rehkitzmarkierung Schweiz» ent‐
stand 1971 zu einer Zeit, als das Reh in Europa Gegenstand vieler Forschungsprojekte war und es zu einer der am besten erforschten Wildarten machte. Bis heute werden die jährlichen Markie‐
rungen der Kitze fortgeführt und es entstand ein einzigartiger Langzeitdatensatz, der vor allem für das Management und die Forschung genutzt wird. Danksagung
Wir danken allen Kantonen, Wildhütern, Jagdge‐
sellschaften und Jägern/‐innen für ihr grosses Engagement bei den Rehkitzmarkierungen, sowie dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) für die Unter‐
stützung bei den administrativen Arbeiten. Markierungen
BETEILIGTE KANTONE UND ANZAHL MARKIERTE KITZE Im Jahr 2015 wurden 583 Kitze markiert. Das ist (AG, AI, AR, BE, GL, GR, LU, NW, SG, SH, SO, TG, die zweithöchste Anzahl seit Projektbeginn 1971. UR, ZG). Die Markierungsintensität ist weiterhin 14 Kantone beteiligten sich an den Markierungen hoch mit 5.8 Kitzen pro Markierer (Abb. 1). 700
16
14
500
12
400
10
300
8
200
100
Anzahl beteiligter Kantone
Anzahl Markierungen
600
6
1970
1975
1980
1985
1990
1995
2000
2005
2010
2015
Abb. 1: Anzahl markierter Rehkitze (schwarz) und Anzahl beteiligter Kantone (grau). GESCHLECHTERVERHÄLTNIS Geschlechtsverhältnis
(Geisskitz:Bockkitz)
Bereits seit 2003 ist das Geschlechterverhältnis jeweils leicht zu Gunsten der Bockkitze verscho‐
ben (Abb. 2). Dieser Trend setzt sich fort. Der An‐
teil der Kitze mit unbestimmtem Geschlecht bleibt im langjährigen Durchschnitt und betrug 19.9 % im Jahr 2015. 1.50
1.00
0.50
2000
2005
2010
2015
Abb. 2: Geschlechtsverhältnis markierter Kitze mit Ge‐
schlechtsbestimmung. Wiederfunde
WANDERVERHALTEN 2015 wurden 93 markierte Böcke und 62 Geissen zurückgemeldet. Die mittlere Wanderdistanz be‐
trug 2.9 km. Die geschlechtsspezifischen Wander‐
rekorde im Berichtszeitraum wurden durch einen 2.4‐jährigen Rehbock mit 24.3 km (Entle‐
buch/Marbach/LU) und einer 1.3‐jährigen Reh‐
geiss mit 28.3 km (Davos‐Dorf/Grüsch/GR) er‐
reicht. TODESURSACHEN Prozentual liegen die meisten Todesursachen im langjährigen Durchschnitt (Abb. 3). Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil durch Mähmaschinen getöteter Tiere um 3 % niedriger. Dieser Anteil wird vor allem durch die Mähaktivität während der Setzzeit der Kitze beeinflusst. Um Kitze vor dem Mähtod zu bewahren, empfehlen wir Jägern und Landwirten sich vor dem Mähen abzuspre‐
chen. Krankheit
Verkehr 6%
11%
vermäht
9% gerissen
2%
andere
8%
erlegt
64%
Abb. 3: Häufigkeit der Todesursache von markierten Rehen 2015. Der älteste Rehbock war 8.3 Jahre (Ruswil/LU) und die älteste Geiss 18.3 Jahre (Klosters/GR) alt. 39 der 2015 markierten Kitze wurden bereits tot zurückgemeldet. Der schwerste Bock (aufgebrochen mit Haupt) wog 20.6 kg (Maienfeld/GR), die schwerste Geiss 19.2 kg (St. Moritz/GR). BesondereBeobachtung
Die älteste bekannte und markierte Rehgeiss ist im 18. Lebensjahr krank verstorben. Sie wurde im September 2015 zwei Kilometer vom Markierort entfernt tot aufgefunden. 2015 konnten Kitze aus zwei Geburten mit Vierlin‐
gen markiert werden (Murg/SG, Grüsch/GR). von Ihren markierten Kitzen zu schicken (Abb. 4) an: [email protected]. AufrufFotosammlung
Die Altersbestimmung am markierten Kitz wird durch Fellfarbe, Verhalten und Beobachtungsin‐
tensität und Erfahrung des Markierers bestimmt. Um die Merkmale für die Altersbestimmung zu standardisieren, möchten wir Sie bitten uns Fotos Abb. 4: Fünf Tage altes Rehkitz, später mit Ohrmarke 400836 markiert (Foto: Maik Rehnus).
Projektintern In der Berichtsperiode konnten erste detaillierte Auswertungen zum Wanderverhalten und den Gewich‐
ten der markierten wiedergefundenen Rehe abgeschlossen und veröffentlicht werden. Derzeit suchen wir weitere Partner, die die detaillierten Auswertungen des Datensatzes finanziell mittragen. Wir freuen uns, bald über weitere spannende Ergebnisse berichten zu dürfen. Einige Markierer meldeten den Bruch der zurzeit verwendeten Ohrenmarke bei der Markierung. Ein Auf‐
ruf zum Einschicken der gebrochenen Marken blieb bisher erfolglos. Wir wären froh gebrochene Ohren‐
marken zu erhalten, um die Bruchstelle der Marke zu bestimmen und diese mit dem Hersteller weiter zu entwickeln. NützlicheInformationen
Hier können Sie „Ihre“ Rehe auf unserer digitalen Karte nachverfolgen: www.rehkitzmarkierung.ch Melden Sie uns markierte Kitze: www.rehkitzmarkierung.ch/Markierung Ein markiertes Reh gefunden? Bitte informieren Sie auch ihre Bekannten darüber, wo man das meldet: www.rehkitzmarkierung.ch/Wiederfund Wir interessieren uns für besondere Beobachtungen zu markierten Rehen: [email protected] oder 044 635 61 38. Sind Sie an weiteren Informationen interessiert? Rehnus, M., Reimoser, F. (2014) Rehkitzmarkierung – Nutzen für Praxis und Forschung. Fauna Focus 9: 1‐16. Mosler‐Berger, C. (1998) Das Reh. Wildbiologie 15/1: 1‐4. Müri, H., Stammbach, K. (1995) Wohin fliehen? Rückzugsbiotope des Rehs im Mittelland. Wildbi‐
ologie 6/22: 1‐10. Impressum
Auftraggeber Auftragnehmer Autor Layout & Redaktion Bezugsquelle Copyright Bundesamt für Umwelt BAFU, Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität WILDTIER SCHWEIZ, Winterthurerstrasse 92, 8006 Zürich Maik Rehnus, Projektleiter Rehkitzmarkierung Schweiz WILDTIER SCHWEIZ, Zürich; Titelbild: M. Kaphoto (Fotolia) www.wildtier.ch/rehkitz © Februar 2016, WILDTIER SCHWEIZ