Kriegsschauplatz Gehirn - Universitätsklinikum Regensburg

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Regensburg, 02.10.2015
Kriegsschauplatz Gehirn
Um minderjährigen Flüchtlingen so früh wie möglich psychotherapeutische
Unterstützung anbieten zu können, informiert die Abteilung für
Psychosomatische Medizin des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) über
Traumata und bildet freiwillige Helfer in der Traumatherapie aus.
Vor ein paar Tagen sorgte das selbstgemalte Bild eines syrischen Flüchtlingskinds für
Aufmerksamkeit. Darauf ist ein Kriegsschauplatz in Syrien zu sehen mit zerbombten
Häusern, getöteten Menschen und Verwundeten mit abgetrennten Gliedmaßen, über
allem prangen ein Totenkopf und die syrische Flagge. Auf der anderen Seite des Bildes ist
Deutschland dargestellt. Zwei Menschen kommen mit ihren Koffern vor einem schönen
Haus an. Die Deutschlandflagge und das Wort „Polizi“ sind mit Herzen umrahmt. In
einfacher und kindlicher Sprache drückt das Bild aus, was Kinder und Jugendliche, die
derzeit aus den afrikanischen Krisengebieten nach Deutschland kommen, vor und während
ihrer Flucht erleben. Die Abteilung für Psychosomatische Medizin des UKR greift diese
Thematik auf und informiert am Donnerstag, 8. Oktober 2015, von 20:15 bis 21:45 Uhr im
Großen Hörsaal des UKR (Haupteingang, 1. OG) darüber, was ein Trauma für
Flüchtlingskinder und -jugendliche bedeutet. Im nächsten Schritt sollen dann interessierte
Freiwillige zu Traumahelfern geschult werden, um den betroffenen minderjährigen
Flüchtlingen bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu helfen.
Nach Angaben der Bundesregierung kommen derzeit täglich bis zu 10.000 Flüchtlinge
nach Deutschland. Auch wenn von den zuständigen Institutionen in Deutschland seit
vielen Jahren medizinische Flüchtlingshilfe geleistet wird, hat der aktuelle Flüchtlingsstrom
eine Dimension erreicht, die die bestehenden Strukturen vor enorme Herausforderungen
stellt und zum Teil innovative, pragmatische Lösungen erfordert. „Dies gilt auch für die
psychotherapeutischen Angebote. Wir müssen daher ein neues Konzept entwickeln, um
mit den bestehenden Mitteln möglichst viel zu erreichen“, erläutert Professor Dr. Thomas
Hausadresse:
Universitätsklinikum Regensburg
Franz-Josef-Strauß-Allee 11
93053 Regensburg
ÖPNV: RVV Linien 6 und 19
Universitätsklinikum Regensburg
Anstalt des öffentlichen Rechts
Vorstand:
Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Oliver Kölbl (Vorsitzender)
Kaufmännischer Direktor: Dipl.-Kfm. Klaus Fischer
Pflegedirektor: Alfred Stockinger
Dekan der Fakultät für Medizin: Prof. Dr. Dr. Torsten E. Reichert
Loew, Leiter der Abteilung für Psychosomatische Medizin des UKR. Engagierte Laien sollen
deshalb so qualifiziert werden, dass sie Flüchtlingskindern und -jugendlichen seelische
Unterstützung anbieten können. Sie lernen, Stabilisierungstechniken zu vermitteln und
bieten Zeugenschaft an. „Die Kinder erhalten dadurch die Möglichkeit, mit spielerischen
Methoden ihre Geschichte zu erzählen und sich so davon zu befreien“, führt Professor
Loew aus. „Die Hauptaufgabe der Laienhelfer besteht dabei darin, das Vertrauen der
Kinder zu gewinnen und ihnen zuzuhören“.
Die Geschichten der Kinder und Jugendlichen werden dann mit Experten besprochen,
analysiert und bewertet. Stellt sich dabei heraus, dass ein Kind oder Jugendlicher an einem
besonders starken Trauma leidet, wird es an einen Experten überwiesen. Die anderen
Betroffenen sollen von den Laienhelfern in etwa fünfzehn Sitzungen über ein Vierteljahr
weiter betreut werden.
Die Informationsveranstaltung am 8. Oktober richtet sich an alle Helfer und Interessierten,
die erfahren wollen, was es bedeutet, ein Trauma zu erleiden. Diejenigen, die sich am Ende
des Informationsabends zutrauen, betroffene Flüchtlingskinder und -jugendliche zu
betreuen, werden in einem Anschlusstermin Anfang November 2015 durch die Experten
der Abteilung für Psychosomatische Medizin entsprechend geschult. „Wir wollen ein
Pilotprojekt schaffen, das auch in anderen Regionen übernommen werden kann. Unser Ziel
ist es, den Kindern und Jugendlichen so früh wie möglich Hilfe zukommen zu lassen. Ein
nicht verarbeitetes Trauma beeinflusst sonst das gesamte weitere Leben“, so Professor
Loew.
Für alle, die sich anderweitig für Flüchtlinge engagieren möchten, steht im Foyer des UKR
bis 23. Oktober 2015 eine Spendenbox, deren Erlös der Initiative „Regensburg hilft“
zugutekommt.
Das Universitätsklinikum Regensburg auf einen Blick
Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) ist deutschlandweit eines der modernsten und
leistungsfähigsten Klinika. Jährlich werden hier etwa 32.800 stationäre sowie ca. 136.000
ambulante Patienten versorgt. Von insgesamt 1.087 universitär betriebenen Betten der Fakultät
für Medizin der Universität Regensburg hält das UKR 833 Betten sowie 52 tagesklinische
Behandlungsplätze bereit. In 27 human- und zahnmedizinischen Kliniken, Polikliniken, Instituten
und Abteilungen beschäftigt das Universitätsklinikum Regensburg mehr als 4.100 Mitarbeiter.
Neben der Krankenversorgung der höchsten Versorgungsstufe ist das UKR gemeinsam mit der
Fakultät für Medizin für die Ausbildung der Studierenden und für die Forschung verantwortlich.
Aktuell sind etwa 1.900 Studierende der Human- und Zahnmedizin immatrikuliert. Durch die
enge Verbindung von international renommierter medizinischer und wissenschaftlicher
Kompetenz garantiert das UKR den Patienten Versorgung auf höchstem Niveau.
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Katja Rußwurm
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Fax: 0941 944-4488
[email protected]
www.ukr.de
Professor Dr. Thomas Loew
Leiter
Abteilung für Psychosomatik
Tel.: 0941 944-7240
[email protected]
www.ukr.de/psychosomatik
Bild
UKR_Loew.jpg:
Professor Dr. Thomas Loew
© UKR
Das Bildmaterial steht hier zum Download zur Verfügung: www.ukr.de/pressefotos
Bildnachweis: Universitätsklinikum Regensburg – Zur ausschließlichen Verwendung im Rahmen der
Berichterstattung zu dieser Pressemitteilung.
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