Faszinierende Unterwelten

ak-report.at
P.b.b., Erscheinungsort Linz, Verlagspostamt 4020. ZLN: GZ 02Z033936 M
M a g a z i n
f ü r
A r b e i t n e h m e r / - i n n e n
i n
Juli 2015 / Nr. 4 / 46. Jahrgang
O b e r ö s t e r r e i c h
Seiten 5 –7
Faszinierende
Unterwelten
Lokalaugenschein bei Lukas Pilz
(Bild) in den Salzwelten und anderen Tourismus-Attraktionen.
Seite 3
Harte Zeiten
für Frauen
Seite 9
Sicher zum
Führerschein
Seiten 10/11
Ausbilden
statt jammern!
Seite 12
Wuzzeln mit
dem Weltmeister
Z U R
S A C H E
Wo spielt Oberösterreich?
Championsleague oder Bezirksliga
Im Herbst wird ein
­neuer Landtag gewählt.
Die Arbeitnehmer/
-innen erwarten, dass
ihre Anliegen bei den
künftigen Landes­
budgets ­absoluten
Vorrang haben.
D
erzeit
werden
in der Landes­
politik gerne
Vergleiche mit
dem Fußball
gezogen. Es
Andrea Heimberger wird
heftig
Chefredakteurin
­diskutiert, ob
Oberösterreich in der Cham­
pionsleague spielt oder in der
Bezirksliga. Zum Aufstieg in die
Spitzenklasse fehlen jedenfalls
entscheidende
Weichenstel­
lungen für die Zukunft.
Aus Sicht der Arbeiterkammer
geht es nicht um Rankings, son­
dern schlicht um die Frage, ob
die Anliegen der Arbeitnehmer-
innen und Arbeitnehmer Priorität
haben. Wichtig wird in den
nächsten Jahren sein, die Arbeits­
losigkeit zu bekämpfen, die auch
in Oberösterreich massiv gestie­
gen ist. Das jetzt verkündete
Konjunkturpaket kann nur ein
erster Schritt sein. Weitere müs­
sen folgen, wenn wir verhindern
wollen, dass die Zahl der Men­
schen ohne Job explodiert.
Die Chancen, die Oberöster­
reich jungen Menschen bietet,
entscheiden über die Zukunft un­
seres Bundeslandes. Hier haben
wir dringenden Nachholbedarf –
sowohl bei der Kinderbetreuung
als auch bei den Ganztagsschu­
len.
Die Oberösterreicher/-innen
erwarten zu Recht ein qualitäts­
volles Angebot an Gesundheitsund Pflegeeinrichtungen. Die
Beschäftigten in diesen Bereichen
verdienen vernünftige Arbeits­
bedingungen und Einkommen.
Vor allem brauchen diese Ein­
richtungen eine nachhaltige fi­
nan­zielle Absicherung.
Das sind die zentralen An­
liegen an den im September neu
zu wählenden Landtag und die
künftige Landesregierung.
Ihre
[email protected]
Service für Sie
●
Der Klick zum Heimplatz
Sie suchen für Ihr Kind eine Bleibe am auswärtigen Ausbildungsort? Da können wir Ihnen mit Österreichs größter Heimplatzdatenbank für Schüler/-innen, Lehrlinge und Studenten/
-innen auf ak-report.at helfen. Einfach Bundesland oder Bezirk,
in dem Sie die Unterkunft brauchen, sowie Geschlecht und Alter
der/des Jugendlichen eingeben, und schon erhalten Sie eine Auflistung aller verfügbaren Heime. Einen Mausklick weiter erfahren Sie mehr über Kosten, Verpflegung und Ausstattung des jeweiligen Hauses sowie alle Kontaktdaten.
●
Kostspielige Kinderpartys
Den Kindergeburtstag außer Haus zu feiern, schont Nerven
und Wohnung, oft aber nicht die Geldbörse. Eine Party für ein
sechsjähriges Kind und sieben Gäste kostet bis zu 255 Euro, wie
eine Erhebung der AK-Konsumentenschützer/-innen ergeben
hat. Leistungen und Preise von 33 kommerziellen Anbietern,
aber auch Alternativen finden Sie auf ak-report.at.
2
●
Tipp für verregnete Tage
Regen im Urlaub: Es gibt Schlimmeres. Denn feuchte Tage
lassen sich mit einem Familienausflug ins AEC Linz, Museum
Arbeitswelt Steyr oder Theater des Kindes in Linz überbrücken
– mit der AK-Leistungskarte zum ermäßigtem Eintritt. Mehr auf
ak-report.at.
Magazin für Arbeitnehmer/-innen in Oberösterreich
Nr. 4, Juli 2015, 46. (70.) Jahrgang. Erscheint siebenmal im Jahr.
Medieninhaberin, Herausgeberin und Redaktion: Kammer für Arbeiter
und Angestellte für Oberösterreich, Volksgartenstraße 40, 4020 Linz,
Tel. +43 (0)50/6906-2182, E-Mail: [email protected]
Redaktion: Dominik Bittendorfer, Rainer Brunhofer, Robert Eiter, Ulrike Etlinger,
Ines Hafner, Andrea Heimberger (Leitung), Martina Macher, Sabine Naderer-Jelinek,
Kurt Neulinger (Bild), Norbert Ramp, Margit Schrenk (CvD), Wolfgang Spitzbart,
Walter Sturm, Wolfgang Zeintlhofer (Produktion, Layout, Bild).
Fotos: Kurt Neulinger, Manfred Schöpf, Florian Stöllinger, Erwin Wimmer.
Auflage: 547.000
Hersteller: Gutenberg-Werbering Gesellschaft m.b.H.,
Verlagspostamt 4000 (4020) Linz
Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz:
siehe ooe.arbeiterkammer.at/impressum.html
In wirtschaftlich
schwie­rigen Zeiten
wird auch der Kampf
um die Gleichstellung
der Frauen schwieriger.
Frauen seien in Gesellschaft und Arbeitswelt
ohnehin längst gleichgestellt, heißt es neuerdings immer öfter.
NACHTEIL BEI EINKOMMEN UND PENSION
Harte Zeiten
für Frauen
I
st gleicher Lohn für
gleiche oder gleichwertige Arbeit tatsächlich längst Realität? Ist
ein Teilzeitjob wirklich
der Wunschtraum aller
Frauen? Schadet außerhäusliche Betreuung
den Kindern? Ist das
(derzeit noch) niedrigere Pensionsalter tatsächlich frauenfeindlich, wie beispielsweise
der
Sozialforscher
Bernd Marin behauptet?
Nein, nein, nein und
nochmal nein. Und dieses mehrfache Nein beruht nicht auf einem
diffusen Bauchgefühl,
sondern auf Daten und
Fakten, wie der aktuelle Frauenmonitor der
Arbeiterkammer Ober­
österreich belegt.
Frauenpensionen
extrem niedrig
Mit 968 Euro monatlich sind
die Alterspensionen der Frauen
in Oberösterreich um fast die
Hälfte niedriger als jene der
Männer. Ausschlaggebend dafür ist aber nicht das niedrigere
Pensionsalter, ausschlaggebend sind Versicherungslücken
durch Kindererziehung und
Pflege älterer Angehöriger,
lange Teilzeitphasen
und niedrige Einkommen. Fast 71 Prozent
der Aus­gleichs­zu­la­gen­
be­z ie­h er/-innen sind
Frauen.
Die Anhebung des
Frauenpensionsalters
ist längst beschlossene
Sache. Von 2024 bis
2033 steigt das Antrittsalter für die Alterspension schrittweise auf
65. Das heißt, alle ab
Kann ich mit 60 in Pension gehen? Frauen
brauchen Rechtssicherheit und Planbarkeit.
dem 2. Juni 1968 geborenen
Frauen werden – wie die Männer – bis 65 arbeiten. Warum
eine vorzeitige Anhebung für
die Frauen gut sein sollte, können die Befürworter/-innen
nicht schlüssig erklären.
Tatsächlich würde ein solcher Schritt nur die angespannte Arbeitsmarktlage noch
weiter verschärfen. In Ober­
österreich ist die Frauen-­
Arbeitslosigkeit von 2013 auf
2014 um 12,4 Prozent ge­
stiegen. Es ist nicht anzunehmen, dass Frauen, die ihr Le-
ben lang wenig verdient haben,
mit 60 plötzlich eine Gehaltserhöhung nach der anderen
oder eine Führungsposition bekommen. Vielmehr ist anzunehmen, dass viele die letzten
Jahre bis zum Pensionsantritt
arbeitslos sein werden – das
Gegenteil einer Win-WinSitua­tion.
Die Benachteiligungen, die
letztlich zu den niedrigen Frauenpensionen führen, sind vielfältig. Beim Thema Beschäftigung zeigt sich, dass nicht einmal mehr die Hälfte der ober­
österreichischen Frauen einen
Vollzeitjob hat, dass Frauen
mit weniger als 30 Wochenstunden aber gerne länger arbeiten würden. Beim Thema
Kinderbetreuung können alljährliche leichte Fortschritte
nicht darüber hinwegtäuschen,
dass Vollzeitbeschäftigung und
Elternschaft in Oberösterreich
nach wie vor sehr schwer zu
vereinbaren sind. Und was den
Einkommensnachteil
der Frauen betrifft, ist
Ober­
österreich mit 39
Prozent der unrühmliche Rekordhalter unter den Bundesländern.
Dass die Einkommensschere bei uns besonders weit offen ist,
hängt natürlich mit der
hohen Teilzeitquote zusammen. Doch auch bei
ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung verdienen Frauen in Ober­
österreich um fast 27
Prozent weniger als
Männer. Das sind um
12.670 Euro brutto weniger im Jahr. Natürlich
sind auch Teile davon
durch Faktoren wie
Branche, Ausbildung
oder Betriebszugehörigkeit erklärbar. Doch
es bleibt immer ein Rest, für
den es nur eine Erklärung gibt:
Diskriminierung.
123 Millionen
Stunden unbezahlt
Dazu kommt, dass Tätigkeiten wie Kinderbetreuung,
Pflege oder Hausarbeit immer
noch vorwiegend an den
Frauen hängen bleiben. Österreichische Frauen leisten laut
Statistik Austria in der Woche
unglaubliche 123 Millionen
unbezahlte Arbeitsstunden. Von völliger
Gleichstellung in Gesellschaft und Arbeitswelt kann also keine
Rede sein.
Den AK-Frauenmonitor mit vielen wei­
teren Daten, Fakten
und Analysen gibt‘s auf
­a k-report.at
zum
­kostenlosen Herunter­
laden.
[email protected]
3
Arbeiten in
den Ferien
Viele Jugendliche wollen
in den Ferien Geld ver­
dienen oder
müssen ein
Praktikum
machen. Wir
haben dazu
AK-Rechtsexperten Andreas Frandl
interviewt.
AK-Report: Ab welchem
Alter darf ein Ferialjob
angenommen werden?
Frandl: Erlaubt ist das,
sobald die Schulpflicht beendet und der 15. Geburtstag erreicht ist. Üblicherweise werden dabei befris­
tete Verträge abgeschlossen, die automatisch durch
Zeitablauf enden.
AK-Report: Was steht
alles zu?
Frandl: Lohn oder Gehalt, anteilig auch Urlaub
sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Maßgeblich ist
der jeweilige Kollektivvertrag. Der Arbeitgeber muss
die Beschäftigung bei der
Sozialversicherung anmelden.
AK-Report: Wie schaut’s
bei einem Pflichtpraktikum aus, das durch Lehroder Studienplan vorgeschrieben ist?
Frandl: Grundsätzlich
genauso, nur ist die Bezahlung meist anders geregelt.
Manche Kollektivverträge
– wie Gastgewerbe und
Metall – haben fixe Bestimmungen. Die Lohn- oder
Gehaltshöhe sollte im Praktikumsvertrag festgehalten
werden.
AK-Report: Worauf ist
sonst noch zu achten?
Frandl: Wir empfehlen,
unbedingt Arbeitszeitaufzeichnungen zu führen.
Weitere Fragen? AKRechtsschutz-Hotline
050/6906-1 sowie Homepage ooe.arbeiterkammer.
at/ferialarbeit.
4
Die Schule ist aus,
Mama und Papa kommen von der Arbeit
heim. Endlich Zeit für
gemütliche Stunden
mit der Familie?
Fehl­anzeige: Für mehr
als die Hälfte aller
­Eltern heißt‘s dann noch
­Lernen mit den Kindern.
NACHHILFE BELASTET VIELE FAMILIEN
Lernen in der
freien Zeit
S
alih geht in die vierte Klasse
Volksschule in Steyr. Weil
es in der Schule keine Möglichkeit gibt, den Stoff mit den
Lehrerinnen und Lehrern in
Ruhe durchzugehen, muss seine Mutter Sevil Ramaj nach
der Arbeit als Nachhilfelehrerin einspringen. Die 32-jährige
Sozialbetreuerin erzählt: „Unter der Woche sitzen wir fast
jeden Tag mehrere Stunden zusammen. Das ist manchmal
ganz schön anstrengend. Vor
allem, wenn ich Nachmittagsdienst habe und erst später
heim komme.“
16 Millionen Euro
für Nachhilfe
Sevil Ramaj ist nur eine von
vielen, denen es so geht. Laut
der aktuellen AK-Nachhilfestudie hilft mehr als die Hälfte
der Eltern fast täglich oder
mehrmals pro Woche dem
Nachwuchs beim Lernen. Dazu
kommt, dass mehr als jeder
fünfte Haushalt mit mindestens
einem Schulkind bezahlte
Nachhilfe in Anspruch nimmt.
Rund 16 Millionen Euro gaben
die Familien in Oberösterreich
im vergangenen Jahr für Nachhilfe aus, jeder betroffene
Haushalt im Durchschnitt rund
610 Euro. Vor allem Familien
mit geringem Einkommen spüren die Kosten für die „Schattenschule“.
AK-Präsident Dr. Johann
Kalliauer sieht ein großes
Problem im Selektionsdruck:
­
„Nachhilfe wird oft auch
zur reinen Verbesserung von
Schulnoten genommen, damit
die Kinder bessere Chancen
auf begehrte Ausbildungs­
plätze haben. Hier verschärft
sich das Problem der Bildungsungerechtigkeit, weil sich Familien mit niedrigeren Ein-
Fast jeden Tag hilft Sevil Ramaj Sohn Salih beim Lernen.
Sie wünscht sich Entlastung durch Ganztagsschulen.
kommen die Nachhilfe oft
nicht leisten können.“
Damit alle Kinder die gleichen Chancen auf gute Bildung
haben, fordert die AK den flächendeckenden Ausbau von
Ganztagsschulen, an denen die
Förderung aller Schüler/-innen
gratis stattfindet. Das wünscht
sich auch Sevil Ramaj: „Die
Kinder sollen eine gute Nach­
mittags­betreuung an der Schule haben und dort mit ihren
Lehrern üben.“
Lernhilfe:
Preise vergleichen
Jenen Familien, die über den
Sommer Lernhilfe brauchen,
rät die AK, unbedingt auf
­ak-report.at zu schauen. Dort
gibt‘s Tipps rund um dieses
Thema und einen Preisvergleich von Nachhilfe-Instituten
in ganz Ober­
österreich. Das
hilft sparen – immerhin unterscheiden sich die Tarife stark!
[email protected]
NEWSLETTER
Bildung
S
ie woll e n
wissen,
welche
Schule
für
Ihr
Kind am besten
ist? Sie haben Fragen zur
richtigen Berufswahl, zur
Aus- und Weiterbildung?
Dann abonnieren Sie doch
unseren neuen BildungsNewsletter, und Sie erhalten einmal im Monat ein
­E-Mail mit aktuellen Infos.
Der Newsletter ist kostenlos und kann jederzeit wieder abbestellt werden. Jetzt
anmelden auf ak-report.at
und immer bestens informiert sein!
Geschichten von
Salz, Feuer und Eis
Das Hallstätter Salzbergwerk, die Rieseneishöhle am Dachstein (Bild) und die
Linzer Grottenbahn ziehen jährlich hunderttausende Besucher/-innen an.
Der AK-Report hat Beschäftigte in Oberösterreichs schönsten Unterwelten besucht.
Mehr dazu auf den Seiten 6 und 7
5
Faszinierende Unterwelten:
Hier kann jeder
wieder Kind sein.
H
och über Hallstatt durch Nebelschwaden, vorbei an steilen
Wänden und prähistorischen Gräberfeldern, spazieren wir
zum Eingang der „Salzwelten“. „Ich hab‘ den schönsten Arbeitsweg der Welt“, sagt Lukas Pilz. Der junge Absolvent einer Tourismusfachschule ist der ideale Führer durch das älteste Salzbergwerk der Welt: sympathisch, sprachgewandt und voller Wissen
über die Geschichte Hallstatts und den Salzabbau. Schon sein
Urgroßvater hat hier im Bergwerk gearbeitet und die „Bruder­
lade“ verwaltet, eine frühe Sozialversicherung für Bergknappen.
„Im Salzkammergut sind die Arbeitsplätze knapp. Die Salzwelten
bieten einen sicheren Job mit guter Bezahlung“, ist Lukas Pilz
glücklich mit seinem Beruf.
Geheimnisvolle Salzwelten
Bei der Führung trägt Pilz eine schmucke Uniform und eröffnet
faszinierende Einblicke in die 7000-jährige Geschichte des Berg-
werks. Noch heute bauen hier 38 Knappen Salz ab. Durch
verzweigte Stollen dringt man in Hallen mit leuchtenden Salzsteinen vor, passiert einen Salzsee mitten im Berg und die mit
3000 Jahren älteste Holzstiege der Welt. Spektakuläre Multimedia-Shows beim Salzsee oder im „Bronzezeit-Kino“ vermitteln hautnah das Leben und Arbeiten im Berg. Besonders
Spaß machen die rasanten Rutschen, die Knappen gebaut haben, um schneller in die Tiefe zu gelangen. Ein Geheimnis sei
hier verraten: Auf der mit 65 Metern längsten Rutsche wird
geblitzt. Führer Lukas Pilz war um 17 km/h schneller als der
Autor dieser Zeilen.
Kathedralen aus Eis
Sagenhafte Hallen und Skulpturen gibt es auch in der Dachsteineishöhle zu sehen. Raffiniert ausgeleuchtet bietet sie unglaubliche Farbenspiele aus Licht und Eis. Hier gibt es einen
König-Artus-Dom, eine Grals-Burg und bizarre Eisfiguren na-
Beim Lüften der Geheimnisse des Salzbergbaus
in Hallstatt ist Lukas Pilz in seinem Element.
6
mens Tristan und Isolde. Für die
Technik, etwa die unsichtbare Ver­
legung der Stromkabel und die Sicherheit ist der gelernte Zimmerer
Manfred Schöpf verantwortlich. Seit
14 Jahren ist er hier auch als Führer
tätig. Er kennt jeden Winkel der
Höhle und beobachtet genau, wie sie
sich ständig verändert. Über die bis
zu 25 Meter d­ icken Eisschichten hat
er mit seinen Kollegen sichere und
rutschfeste Wege gelegt.
Höhlenabenteuer für alle Sinne
­ unden durch die Grotte auf dem LinR
zer Pöstlingberg dreht. Gesteuert wird
er heute von Barbara Kaiser-Anzinger,
Leiterin der Grottenbahn. Drei fest­
angestellte Drachen­
fahrer/-innen, die
zwischendurch auch an der Kassa sitzen, gibt es neben ihr. Bis zu 2000 Be­
sucher/-innen begleiten sie täglich
durch die Grottenbahn. Die Wochen­
enden werden durch den Arbeitsrhythmus – vier Tage Dienst, zwei Tage frei
– auf alle gerecht verteilt.
Zwei Drittel der Gäste sind Erwachsene. „Bei uns kann jeder wieder Kind
sein“, sagt Barbara Kaiser-Anzinger.
Besonders aufregend sind die Zwergenwelt und die lebensgroßen Darstellungen von Grimms Märchen natürlich
für die Kinder selbst. Bei jeder Fahrt
darf ein besonders mutiges bei ihr auf
dem D
­ rachenkopf Platz nehmen, und
sie erzählt ihm dann die Geschichten zu
den Zwergenszenen, die langsam vorbeiziehen.
Neben der Eishöhle führt Schöpf
auch in der gewaltigen Mammuthöhle und der wilden Koppenbrüllerhöhle. Welche ihm am liebsten ist?
„Alle haben ihre eigene Schönheit.
Für ‚normale‘ Touristen ist die Eishöhle sicher die interessanteste“,
sagt er. Richtig spürbar wird die BeKaum jemand kennt die Eishöhle am
geisterung für seinen Beruf aber,
­Dachstein so gut wie Führer Manfred Schöpf.
wenn er von den Abenteuerführungen in der Koppenbrüllerhöhle
Der kleine Drache mit den Schuhen
spricht. Wenn er schildert, wie er
dort Jugendlichen bei Lampenschein Geschichten erzählt oder
Auch Kinderfeste bietet die Grottenbahn an. Lenzibalds kleiner
­Unerschrockene ein Stück weit durch absolute Dunkelheit führt,
Drachensohn Sebastian tritt dabei persönlich auf. Im Kostüm
entstehen Bilder im Kopf. Schöpf ist auch ein begnadeter Fotosteckt gelegentlich Frau Kaiser-Anzinger selbst. Als einmal besonders schlaue Kinder den Verdacht äußerten, hinter Sebastian
graf. Das Bild zu dieser Geschichte auf Seite 5 stammt von ihm.
verberge sich ein Mensch, widersprach ein kleiner Bub vehement:
Das sei sicher der echte Drache, denn er habe ihn schon früher
Auf dem Drachen ins Zwergenreich
einmal getroffen und da habe er dieselben Schuhe angehabt.
Lenzibald, der große Drache, bläst Rauch aus den Nüstern,
[email protected]
bevor er mit Gästen auf dem Rücken seine unterirdischen
Die Leiterin der Grottenbahn, Barbara Kaiser-Anzinger,
mit ihrem Haustier, dem Drachen Lenzibald.
7
Bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege
W
ie geht es den Beschäftigten in den Krankenhäusern?
­Davon wollte sich AK-Vizepräsidentin Christine Lengauer
ein Bild machen und besuchte das AKH Linz. Sigrid Ohler,
­diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, ar­bei­tet auf der
Internen Station: „Es ist mein Traumberuf, auch wenn die Arbeit
extrem belastend ist.“ Hoher Zeitdruck während der Dienste und
überbordende administrative Aufgaben machen ihr zu schaffen:
„Es bleibt oft zu wenig Zeit für die Patienten.“
Die Betriebsräte Branko Novakovic und Günter Braumann
kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen im AKH. Bei den Verhandlungen mit dem Land geht es ihnen nicht nur um Löhne und
Gehälter, sondern auch um ein Ende der Spardebatte. „Eine
Schwester ist im Nachtdienst oft für
Diplomkrankenschwester
35 Patienten alleine zuständig. Die Sta­
S
­
igrid
Ohler, die Betriebsräte
tionen sind überbelegt. Unsere Leute
Günter
Braumann und Branko
arbeiten unter permanentem Druck“,
Novakovic
mit AK-Vize
­berichten die beiden. „Das gehört ge­
­Christine Lengauer (v.l.).
ändert“, fordert auch AK-Vizepräsi­
dentin Christine Lengauer. Sie setzt
sich außerdem für eine akademische Ausbildung in der Ge­
sundheits- und Krankenpflege ein. Das würde die Berufe auf­
werten. Kostenlos in die
Landesgartenschau
Haben Sie vor, die Landes­
gartenschau zu besuchen?
Warum nicht einen Bade- oder
Wandertag anhängen und
sparen? Alle Gäste, die bis
4. Oktober im Jugendgäste­
haus Bad Ischl nächtigen,
er­
­
halten den Eintritt in die
G artenschau gratis dazu.
­
Eine Übernachtung inklusive
Frühstücksbuffet und Eintritt
gibt’s ab 24,50 Euro. Mehr auf
www.jugendherbergsverband.at.
Gefahr: Nitrat
im Hausbrunnen
Viele Haushalte beziehen ihr
Trinkwasser aus dem eigenen
Brunnen – nicht immer ge­
fahrlos. Bei einem AK-Test
im Machland, im Eferdinger
Becken und in der Region
­
Traun-Enns-Platte lagen beim
8
gesundheitsschädlichem Nitrat
gut elf Prozent der Proben über
der zulässigen Höchstgrenze –
Details auf ­ak-report.at. Die AK
fordert vom Land, die Kosten
für Analysen von Brunnen­
trinkwasser zu übernehmen –
wie es für landwirtschaftliche
Haushalte bereits geschieht.
Führungsmängel
vermiesen den Job
Wie negativ sich Führungs­
defizite auf die Mitarbeiter/
-innen auswirken, zeigt der
Arbeitsklima Index – eine re­
­
gelmäßige Erhebung der Ar­
beitszufriedenheit durch die
AK OÖ. Während 90 Prozent
der Beschäftigten, die mit ihrer
Chefin/ihrem Chef zufrieden
sind, die eigene Arbeit gut fin­
den, tun dies nur 57 Prozent
von jenen, die unzufrieden
sind. Von ihnen würden auch
nur 43 Prozent wieder im sel­
ben Betrieb zu arbeiten be­
ginnen, 18 Prozent wollen die
Firma sogar bald wechseln.
Unter Druck stehen allerdings
auch die Vorgesetzten selbst –
in erster Linie die mittlere Ebe­
ne. Die AK sieht mehr inner­
betriebliche Mitbestimmung
als Schlüssel für ein besseres
Betriebsklima.
Krankmachende
Arbeit abstellen
Acht von zehn Erwerbstäti­
gen sind bei der Arbeit einem
körperlichen oder psychischen
Gesundheitsrisiko ausgesetzt.
Als Hauptlast gilt hoher Zeit­
druck. Dennoch ist Gesund­
heitsschutz in vielen Betrieben
kein Thema: In Österreich ma­
chen nur 56 Prozent der Un­
ternehmen eine ständige Über­
prüfung ihrer Arbeitsbedin­
gungen, EU-weit tun dies
76 Prozent. Die AK fordert
daher mehr Arbeits­inspek­to­
ren/-innen, damit diese – wie
es ihrer gesetzlichen Aufgabe
entspricht – regelmäßig und
wirksam kontrollieren können.
Voest-Betriebsrat
neu im AK-Vorstand
Er mag sein Wochenend­
haus und das Garteln, vor
allem aber seine Tätigkeit als
Arbeitnehmervertreter. Seit
29 Jahren ist der 57-jährige
Herbert Kepplinger Angestell­
­
ten-Betriebsrat in der Voest.
Vor kurzem wurde er in den
Vorstand der Arbeiterkammer
gewählt. Kepplinger setzt sich
vor allem dafür ein, dass die
Industriearbeitsplätze erhalten
und die Forschung in Ober­
österreich ausgebaut werden.
In den letzten Jahren
schlitterten zwei ober­
österreichische Fahrschulen in die Insolvenz. Damit war auch
das Geld der Fahr­schü­
ler/-innen weg. Die
­Arbeiterkammer fordert
Teilzahlungsmodelle
für den Führerschein.
DAMIT DER FAHRKURS KEINE PLEITE WIRD
Sicherheit für
Fahrschüler
B
eim Hausbau ist es
gang und gäbe: Kun­
den/-innen bezahlen jeweils für einen fertiggestellten Bauabschnitt und
nicht die gesamten Bau­
kos­
ten im Voraus. Geht
der Bauträger während der
Bauphase in Insolvenz,
haben die potenziellen
neuen Eigentümer/-innen
zumindest nicht alles verloren. Ähnlich könnte das
auch in Oberösterreichs
Fahrschulen
ablaufen,
wenn es nach dem Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Oberösterreich
geht.
Plötzlich war
das Geld dahin
Zwei Fahrschulen in Ober­
österreich sind in den letzten
Jahren pleite gegangen. Für
viele junge Menschen bedeute-
Preisvergleich
ab sofort online
Bei der PS-Academy kann der Führerschein in Teilen
bezahlt werden. Das ist nicht bei allen Fahrschulen so.
te das ein finanzielles Fiasko.
„Wir haben mehrere Betroffene betreut, die sich das Geld
für ihren Führerschein mühsam
aus Geburtstagsgeschenken
von Verwandten zusammen­
gespart haben, und auf einen
Schlag war ihr ganzes Erspar-
ZWANGSVERLÄNGERUNG BEI REISEVERSICHERUNG
Berlin Direkt neppte Kunden
D
ie Berlin Direkt Versicherung verlängerte Reisejahresversicherungen
von
Konsumenten/-innen
automatisch um ein
Jahr, die Folgeprämie
wurde vom Konto abgebucht oder über die
Kreditkarte eingezogen. Eine illegale Vorgangsweise. Alleine in
Oberösterreich unterstützte der Konsumentenschutz der AK bisher 30 Betroffene erfolgreich dagegen.
tes dahin. Besonders schlimm
war es für jene, die gleich mehrere Scheine auf einmal gemacht haben“, schildert Mag.
Robert Wurzinger, Konsumentenschützer bei der AK Ober­
österreich.
In Wiener Fahrschulen hat
man schon vor einiger Zeit ein
Modell eingeführt, das das Risiko für junge Menschen minimiert: Bezahlt wird immer nur
der unmittelbar bevorstehende Kursteil und nie die
Gesamtsumme im Voraus.
Jovan Radeta ist einer von
ihnen. Er buchte Flugtickets
über das Internet. „Damit ich
Jovan Radeta
die Buchung abschließen
konnte, musste ich das Häkchen für die Versicherung setzen. Ich dachte allerdings, das gilt nur für
diesen Flug. Doch
dann bekam ich plötzlich eine Mahnung
nach der anderen.
Glücklicherweise hat
uns die AK geholfen
und uns etwa 200 Euro
erspart“, so Radeta.
Die AK hat zudem
gegen die Berlin Direkt Versicherung eine
Davon sind in Ober­
österreich noch viele Fahrschulen weit entfernt. Um
den Führer­schein­an­wär­
tern/-innen trotzdem einen
Vergleich der Angebote zu
ermöglichen, führt die Arbeiterkammer Oberösterreich jährlich einen Fahrschul-Vergleich durch. Erhoben werden beispielsweise Preise für den
B-Führerschein oder Per­
fektionsfahrten. Gefragt
wird auch nach Erfolgsquoten – die verrieten
2014 allerdings nur 15 von
31 Fahrschulen. Die Ergebnisse
des aktuellen Tests finden Sie
ab sofort auf ak-report.at.
[email protected]
Unterlassungsklage eingebracht. Inzwischen hat die
Versicherung solche Verträge
rückwirkend zum Ende des
ersten Versicherungsjahres
storniert.
Sind auch Sie
betroffen?
Wenn auch Sie ein Schreiben von der Berlin Direkt Versicherung erhalten haben, wonach sich Ihr Vertrag „ganz
einfach automatisch um ein
weiteres Jahr verlängert“,
können Sie sich gegen die
Zahlung der Prämie wehren.
Unter ak-report.at haben wir
ein Musterschreiben für Sie
vorbereitet.
9
Ausbilden statt jammern:
Das Märchen vom
Fachkräfte bei BMW in Steyr: Betriebsrat
Andreas Brich und Alexander Piesinger (rechts).
Die Unternehmen jammern über den
angeblichen Fachkräftemangel und verschleiern damit eigene Fehler: zu wenig
und schlechte Lehrplätze, zu wenig
Weiterbildung, schlechte Bezahlung.
Gute Firmen machen diese Fehler nicht.
A
lexander Piesinger
hat eine wahre
Blitzkarriere hingelegt:
vom Hilfsarbeiter zur
Fachkraft in sieben Monaten. Der 26-Jährige
hatte nach dem Bundesheer bei BMW Motoren
in Steyr am Fließband
zu arbeiten begonnen.
Das wollte er nicht ein
Berufsleben lang tun
und beschloss, den
Lehrabschluss nachzuholen. Mit Unterstüt-
10
zung der Firma und des
Betriebsrates ging er in
Bildungskarenz, absolvierte am BFI die Berufsschule und schloss
im August letzten Jahres die Lehre als Maschinenbautechniker erfolgreich ab. Schon
kurz darauf wechselte
er an seinen neuen Arbeitsplatz in der Anlagenbetreuung – dorthin,
wo die Zylinderköpfe
mit verschiedenen Ventilen bestückt und auf
die Motoren gesetzt
werden. Alexander Piesinger überwacht diesen
Prozess, behebt Stö­
rungen und wird in Kürze auch noch lernen, wie
man die Anlagen, die
die Montagebänder betreiben, programmiert.
BMW ist eine jener
Firmen, die nicht über
einen Mangel an Fachkräften jammern müssen, weil sie selber und
rechtzeitig darauf schauen, dass sie jederzeit genügend gute und qualifizierte Mit­ar­bei­ter/-innen
haben. Betriebsrat Andreas Brich erklärt, wie
BMW das macht: „Zum
einen liegt das an der
eigenen Ausbildung.
Wir nehmen pro Jahr 30
Lehrlinge, derzeit haben
wir rund 120, die nach
der Lehrzeit ziemlich
fix in ein unbefristetes
Arbeitsverhältnis übernommen werden.“
Österreichweit ist die
Zahl der Lehrbetriebe
seit der Jahrtausendwende von 41.000 auf
32.000 gesunken, in
Ober­ö ster­r eich
von
8300 auf etwas mehr als
6000. Viele Unternehmen stehlen sich aus
­i hrer Verantwortung,
überlassen anderen die
Ausbildung und beklagen, dass es unmöglich
sei, gute Leute zu bekommen.
„Zum anderen versuchen wir, so wie bei
Alexander, das fachliche Know-How aus
der Firma mit theo­
retischem Wissen durch
Weiterbildung und Qualifikation
aufzubessern“, nennt Brich einen
weiteren Grund, warum
sich BMW im Vergleich
zu anderen Firmen
leicht tut, den Bedarf an
Fachkräften zu decken.
Manchmal ist es trotzdem schwer, Menschen
mit speziellen Quali­
fikationen auf dem
­Arbeitsmarkt zu finden.
„Den perfekten Fach­
arbeiter findest du
manchmal nicht auf Anhieb. Umso wichtiger
sind Einschulung, Einarbeitung und Wei­
terbildung“, berichtet
Brich.
Gute Bezahlung
lockt Fachkräfte
Ein weiterer Grund,
warum der Steyrer Motorenhersteller kaum
Probleme hat, seine
Fachkräfte zu bekommen und zu halten, ist
Fachkräftemangel
men. Er hat Betriebsschlosser gelernt und in
der Schweißerei gearbeitet. „Das war genau
meins. Aber ich hab
auch immer gewusst:
nicht bis zur Pension“,
erzählt der 36-Jährige.
Darum hat er bei der
Firmenleitung um eine
Weiterbildung angefragt. Das Unternehmen
förderte den jungen
Mann: Er absolvierte
die Werkmeisterschule
in Maschinenbau und
Betriebstechnik, machte
eine Ausbildung zum
Schweißwerkmeister
und bekam vor fünf
Jahren, als einer der
­
Meister im Stahlbau in
Pension ging, die Chance, dessen Nachfolge
anzutreten.
Vom Lehrling zum Meister: Josef Strobl bekam in der
AMAG die Chance zur Weiterbildung und nutzte sie.
das hohe Lohnniveau.
Gerade jene, die über
den Fachkräftemangel
jammern, behaupten bei
jeder Gelegenheit, dass
der Markt alles regelt.
Gäbe es tatsächlich einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften,
müssten die Löhne und
Gehälter im Wettbewerb
um die besten Leute
steigen, weil Unternehmen versuchen, attraktiver zu sein als ihre
Mitbewerber. Das ist
nicht der Fall – ganz im
Gegenteil: Die Lohnquote sinkt seit Jahren.
Darum tun sich Betriebe, die anständig
zahlen und gute Arbeitsbedingungen bieten, al-
lemal leichter als jene,
die ihre Beschäftigten
ausbeuten oder in einen
schlechteren Kollektivvertrag flüchten.
Auch die AMAG in
Braunau hat dadurch einen Vorteil gegenüber
anderen Firmen im Innviertel. Der ehemalige
Staats­betrieb versteht es
aber auch, den Bedarf
an Fachkräften durch
e igene Initiative zu
­
­decken.
Firma fördert
Weiterbildung
Josef Strobl aus Handenberg ist seit mehr als
20 Jahren im Unterneh-
Erfolgsrezept
Weitblick
„Das ist eines unser
Erfolgsrezepte“, erklärt
AMAG-Betriebsrat
Robert Hofer: „Fach­
kräfte werden langfris­
tig für höhere Aufgaben
aufgebaut.“ Angesichts
der geografischen Lage
eine notwendige Strategie. „Natürlich ist es in
einer abgelegenen Region wie Braunau nicht
einfach, immer gleich
die richtigen Fachkräfte
zu finden“, sagt Hofer.
Umso mehr unterscheiden sich jene Betriebe,
die ausbilden, von jenen, die nur jammern:
Sie widerlegen tagtäglich das Märchen vom
Fachkräftemangel.
Es fehlen die
Arbeitsplätze
J
e höher die
Arbeitslosigkeit, desto lauter klagen die
Unternehmen
über den an­­­geb­
li­c hen
Fach­
kräf­t e­m an­g el.
Herr Präsident
Dr. Johann Kalliauer
­K alliauer, ist
AK-Präsident
das nicht ein
Widerspruch?
Kalliauer: So ist es. Wenn man
sich die Entwicklung der Arbeits­
losigkeit, der beim AMS gemeldeten
offenen Stellen oder auch die Lohnentwicklung anschaut, deutet nichts
auf einen Fachkräftemangel hin,
sondern alles auf einen Mangel an
Arbeitsplätzen.
AK-Report: Warum jammern dann
manche Unternehmen gar so laut?
Kalliauer: Der Verdacht liegt
nahe, dass sie von eigenen Versäumnissen ablenken wollen. Immer weniger Betriebe bilden Lehrlinge aus
und viele stehen den Weiterbildungswünschen ihrer Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter im Weg, weil sie
dann ja zeitweise als Arbeitskräfte
ausfallen. Aber das ist mehr als kurzsichtig.
AK-Report: Was müssen Firmen
tun, um Fachkräfte zu bekommen
und zu halten?
Kalliauer: Sie müssen ihre Beschäftigten anständig bezahlen und
ihnen gute Arbeitsbedingungen bieten. Und die vorhandenen Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung
nutzen, die das AMS, das BFI und
andere anbieten. Auch die Politik
muss mehr für die Schaffung neuer
Arbeitsplätze tun, etwa durch Inves­
titionen in die soziale Infrastruktur
oder in den öffentlichen Verkehr.
[email protected]
11
Wenn Kevin Hundstorfers gefürchteter Handgelenksschuss krachend
im Tor landet, glaubt
man, er könnte auch die
Rückwand des Spieltisches durchschlagen.
Kein Wunder: Der junge
Welser ist der beste
Tischfußballer der Welt.
DER ETWAS ANDERE SPITZENSPORTLER
Weltmeister
im Wuzzeln
G
ewuzzelt und viel Spaß
dabei gehabt – das haben
wohl schon viele von uns. Um
es im Tischfußballspiel zu
einer Perfektion wie Kevin
­
Hundstorfer zu bringen,
braucht es aber jahrelanges
Training. Schon mit 15 hat er
die Jugendweltmeisterschaft
und in der Folge unzählige
Turniere und Titel im In- und
Ausland gewonnen. 450 Pokale stehen in seinem Keller.
zialist für Ultraschallschneidemaschinen ist er für das Maschinenbauunternehmen GFM
aus Steyr auf Montagen in
ganz Europa unterwegs. Deshalb trainiert er nur selten bei
seinem Verein, dem Tischfußballclub
WAL (Wuzzel-­
Athleten Linz), sondern zumeist am eigenen Tisch, den er
in seiner Wohnung stehen hat.
Mit einem Freund oder – interessanterweise – sehr oft allein.
Sein perfekter Schuss kommt
übrigens tatsächlich buchstäblich aus dem Handgelenk. Er
hat den Griff der Stange mit
den drei Stürmern dabei nicht
wie jede Hobbyspielerin/jeder
Hobbyspieler in der Faust, sondern drückt sein Handgelenk
dagegen und bewegt dieses auf
oder ab. Erst so bekommt der
Ball einen Speed von bis zu
50 km/h.
Tricks vom Profi
abschauen
Sieg in der
Königsdisziplin
Der große Coup gelang dem
24-Jährigen heuer in Turin.
Dort wuzzelte er sich zum
Weltmeister in der Königs­
disziplin des Weltverbandes.
Auf fünf verschiedenartigen
Tischen wird dort gespielt,
weil diese in aller Welt unterschiedlich gebaut werden.
­Kevin hat alle Partien gewon-
Der Weltmeister beim Training: Am Wuzzeltisch ist Kevin Hundstorfer fast unschlagbar.
nen, das Finale gegen den
­bes­ten Spieler Italiens.
Tischfußball auf diesem
Niveau ist ernsthafter Sport.
­
„Im Schnitt trainiere ich drei
Mal pro Woche, vor großen
Turnieren auch mehr – wenn es
der Beruf erlaubt“, sagt Hunds­
torfer. Denn der Ingenieur
und Absolvent einer HTL für
Elektro­technik ist auch beruflich sehr erfolgreich. Als Spe-
NORDICO: STREIFZUG DURCH DAS NACHKRIEGS-LINZ
Vom Chaos zum Wunder
D
ie Zeit nach dem Zweiten
Weltkrieg in Linz: Es
war ein Weg vom Chaos zum
Wunder, wie der legendäre
­
Linzer Bürgermeister Ernst
Koref einmal festhielt. Es war
ein täglicher Kampf
ums Überleben,
aber es zeigten
d
n
u
sich schon
e
g
o
Katal
erste Vorbon
e
t
r
ska
Eintritt nen! ten der Wirtin
schaftswunzu gew
derjahre. Trotz
Zerstörung, Not
und
Besatzung
12
gab‘s auch Hoffnung: Eine
Konsumfiliale öffnet als ers­
tes Geschäft mit Selbst­
bedienung in Österreich,
VÖEST-Techniker entwi-
ckeln das LD-Stahlverfahren,
die Linzer Großindustrie –
Tabak­fabrik, Stickstoffwerke
oder Werft – geht schön langsam in Vollbetrieb über.
Eine Ausstellung im Linzer
Nordico gibt einen sehenswerten Überblick über die
Stadt Linz in den Jahren 1945
bis 1955. Gewinnen Sie mit
dem AK-Report einen von
zehn Ausstellungskatalogen
samt zwei Eintrittskarten.
Alle Infos zum Gewinnspiel
und zur Ausstellung auf
­ak-report.at. Viel Glück!
Hobbyspieler/-innen, die
jetzt Lust bekommen haben,
ihre eigene Technik zu verbessern, können Kevin Hunds­
torfers Tricks auf YouTube
­studieren. „Auch ich habe mir
das Meiste von Videos abgeschaut“, verrät der Weltmeis­
ter. Und dann heißt es: üben,
üben, üben.
[email protected]
Teures
Konto-Minus
E
ine Überziehung des Gehaltskontos kann sehr teuer
werden. Die Zinsen dafür können bis zu 13,25 Prozent ausmachen – und sind damit wesentlich höher als bei Krediten.
Wird ein vereinbarter Überziehungsrahmen nochmals überschritten, dann fallen darüber
hinaus erneut Kosten an. Also
Vorsicht, wenn Sie Ihr Konto
überziehen. Die AK-Kon­su­
men­ten­schüt­ze­r/-innen raten:
Überprüfen Sie regelmäßig
Ihre Kontoauszüge. Und informieren Sie sich über aktuelle
Kosten auf ak-report.at.
Ohne seine Brüder und
seine Mutter hätte
­Gottfried Mayrhofer das
letzte Jahr nicht überstanden. Nach einem
Unfall stand er ohne
jede soziale Absicherung
da. Grund: die missglückte Neuregelung des
Pensionsvorschusses.
AK FORDERT PENSIONSVORSCHUSS NEU
Nur die Familie
half in der Not
E
in später Nachmittag im
­August 2013. Es regnet in
Strömen. Auf dem Heimweg
von der Arbeit bei Team 7 in
Ried stürzt der heute 55-jährige Gottfried Mayrhofer aus
Eggerding mit seinem Fahrrad.
Die Folgen sind fatal: SchädelHirn-Trauma, schwere Fußverletzungen, ein komplizierter
Bruch des Sprunggelenks.
Im freien Fall
durchs Sozialnetz
Schlimm, aber in einem Sozialstaat wie Österreich nicht
existenzbedrohend – sollte
man meinen. Für den bereits
vorher behinderten Gottfried
Mayrhofer stellt sich die Sache
anders dar. Er ist monatelang
arbeitsunfähig und stellt einen
Antrag auf Invaliditätspension.
Im Oktober 2014 endet der
Krankengeldbezug, gleichzeitig kommt der negative Pensi-
Gottfried Mayrhofer (links) mit seinem Bruder Walter.
Die Familie gibt ihm Rückhalt in einer schweren Zeit.
onsbescheid. Mit Hilfe der Arbeiterkammer klagt der Arbeiter vor dem Landesgericht
Ried gegen den Bescheid. Und
hier kommt die missglückte
Neuregelung des Pensionsvorschusses ins Spiel.
Früher hätte der Mann bis
zur endgültigen Entscheidung
über seinen Pensionsantrag einen Pensionsvorschuss bekom-
men. Seit der Neuregelung im
Jahr 2011 gibt es diese Möglichkeit nicht mehr. Gottfried
Mayrhofer rasselt im freien
Fall durch alle sozialen Netze:
Er bekommt kein Krankengeld,
aber auch kein Arbeitslosengeld, weil er als Behinderter
besonderen Kündigungsschutz
hat und nicht arbeitslos ist. Wie
er die letzten Monate überstan-
den hat? Er wohnt bei seiner
Mutter, die nur eine Mindestpension bezieht. Unterstützt
haben ihn vor allem seine Brüder Walter und Herbert, sie
chauffieren ihn zur Therapie
und zu amtlichen ­Terminen. Er
bekommt eine kleine Versehrtenrente von rund 200 Euro,
davon muss er 109 Euro Krankenversicherung bezahlen,
sonst wäre er nicht einmal
krankenversichert. Pensionsversichert ist er nicht, die Beitragsjahre werden ihm bei der
Pension fehlen.
Die Schmerzen sind noch da.
Doch weil er sich keinen anderen Ausweg sieht, startet der
Mann jetzt einen Arbeitsversuch in seinem alten Job bei
Team 7. Die Möglichkeit wenigstens hat er. Ob er’s gesundheitlich aushält, wird sich
­weisen.
Dieser Murks muss
repariert werden
„Die Pensionsvorschussregelung muss endlich repariert
werden, egal wie“, fordert AKPräsident Dr. Johann Kalliauer:
„Es kann nicht sein, dass Menschen, die jahrzehntelang So­
zialversicherungsbeiträge bezahlt haben, mit einem Schlag
ohne jede soziale Absicherung
dastehen!“
[email protected]
GLEITENDER ÜBERGANG ZUR PENSION
ERFOLG FÜR PENSIONISTEN
Altersteilzeit
Steuergutschrift
D
ie Arbeitszeit reduzieren
ohne allzu große Einbußen beim Lohn oder Gehalt,
ohne Verminderung der späteren Pension und ohne
­Minus bei der Abfertigung –
die Altersteilzeit macht’s
möglich. Frauen ab 53 und
Männer ab 58 Jahren können
diese Möglichkeit maximal
fünf Jahre lang nutzen, wenn
ihre Arbeitgeberin/ihr Arbeitgeber zustimmt. Es gibt
auch das sogenannte Blockmodell: Im ersten Abschnitt
arbeiten die Betroffenen bei
geringeren Bezügen voll
weiter, im zweiten Abschnitt
sind sie von der Arbeit freigestellt. Bei dieser Variante
muss aber eine Ersatzarbeitskraft eingestellt werden – jemand, der vorher arbeitslos
war, oder ein Lehrling.
Grundsätzlich profitieren
von der Altersteilzeitregelung
sowohl Arbeitnehmer/-in­nen
als auch Arbeitgeber/-innen.
Wie das genau funktioniert
und welche Voraussetzungen
zu erfüllen sind, das erfahren
Sie auf ak-report.at.
D
ie Steuerreform bringt
auch den Pensionistin­
nen und Pensionisten was:
Von der Senkung des Mindeststeuersatzes profitieren
alle. Für die Bezieher/-innen
kleiner Pensionen gibt es ab
2016 erstmals eine Steuergutschrift. Sie bekommen jeweils im Folgejahr bis zu
110 Euro vom Finanzamt zurück, wenn sie eine Arbeitnehmerveranlagung machen.
„Es hat sich auch für die
Pensionistinnen und Pensionisten ausgezahlt, dass AK
und ÖGB so vehement für
eine Steuerreform gekämpft
haben, und dass mehr als
800.000 Menschen dafür
unterschrieben haben“, sagt
­
AK-Präsident Dr. Johann
Kalliauer.
13
Familie Reitzinger
macht keine halben
­Sachen, was die partnerschaftliche Aufteilung der Erwerbs- und
Familienarbeit betrifft.
Oder eigentlich doch:
Hier wird Halbe-Halbe
nicht nur gepredigt,
sondern auch gelebt.
G E T E I L T E A R B E I T, D O P P E L T E F R E U D E
Wir schaukeln
Halbe-Halbe
P
apa Daniel Reitzinger (41)
war fünfeinhalb Jahre bei
den Kindern daheim, fünf Jahre davon in Karenz, ein halbes
Jahr als „Hausmann ohne Bezüge“, wie seine Frau Carola
(41) mit einem Schmunzeln
klarstellt. Seit sieben Jahren arbeitet der gelernte Schilderhersteller nun 20 Stunden pro Woche bei der Baumgartner Beschriftungs GmbH in Dietach.
Carola arbeitet 25 Wochen­
stunden als Diplomkranken­
schwester auf der Intensivsta­
tion der Internen Abteilung im
Landeskrankenhaus Steyr.
Zweimal Teilzeit
reicht fürs Leben
Finanziell geht es sich aus.
Das Einfamilienhaus in Stadt
Haag ist zwar noch nicht ganz
fertig und teure Urlaube stehen
nicht auf dem Programm, doch
die beiden sind sich einig: „Der
aus. Sein Chef kommt ihm dabei entgegen. „Der Daniel ist
einer unserer besten Mitarbeiter und bei unseren Kunden
sehr gefragt. Deshalb bietet
ihm die Firma im Rahmen der
gesetzlichen Möglichkeiten die
größtmögliche Gestaltungsfreiheit bei der Arbeitszeiteinteilung“, sagt Geschäftsführer
Günther Baumgartner.
Selbstverständlich endet die
Arbeitsteilung nicht an der
Haustür. Kochen, Putzen, Waschen und ähnliches erledigt
die Person, die frei hat. „Es ist
sehr gut fürs gegenseitige Verständnis, wenn der Mann weiß,
wie’s zu Hause läuft“, stellt
Carola fest, und Daniel fügt
hinzu: „Man kann die Dinge
nur in Bewegung bringen,
wenn man das vorlebt, was
man für richtig hält.“
Neues Denken nach
Schicksalsschlag
Sarah (12) und Adrian (9) freuen sich über
ihren Teilzeit arbeitenden Vollzeit-Vater.
Luxus ist die Zeit, die wir haben.“ Klar ist für Carola aber
auch: „Mit dem Gehalt einer
Friseurin ginge das nicht.“
Dass der Laden läuft, dazu
tragen in beiden Fällen auch
die Arbeitgeber bei. Carola
kann ihre Wünsche im Vor-
dienstplan deponieren, den fixen Dienstplan gibt’s ein Monat im Voraus. Daniel wiederum versucht, seine Arbeitszeit
so einzuteilen, dass er daheim
ist, wenn seine Frau Dienst hat.
Und manchmal geht sich sogar
ein gemeinsamer freier Tag
Daniel und Carola können
sich beide vorstellen, später
einmal wieder Vollzeit zu arbeiten. Im Moment geht aber
die Familie vor. Denn die moderne Idylle hat eine traurige
Vorgeschichte: Die erste Tochter des Paares starb mit dreieinhalb Monaten. „Da haben
wir gesehen, wie wichtig Zeit
ist“, sagt Daniel.
[email protected]
KEIN LOHN IM KRANKENSTAND
AK-ERFOLG FÜR KASSIERIN
10.500 Euro erkämpft
Falsch eingestuft
E
in Kraftfahrer aus dem
Bezirk Ried war fast 13
Jahre lang bei einer Transportfirma beschäftigt, ehe er
krank wurde. Wegen Operationen, Therapien und einer
Kur konnte er monatelang
nicht arbeiten. Drei Monate
lang zahlte ihm der Arbeitgeber den Lohn weiter, danach
erhielt er Krankengeld von
der Gebietskrankenkasse.
Als im neuen Arbeitsjahr ein
neuer Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch die Firma
entstand, weigerte sich der
14
Arbeitgeber zu zahlen. Mit
­Unterstützung der Arbeiterkammer Ried forderte der
Mann die Zahlung seines
Anspruchs ein – was erfolglos blieb. Darum entschied
sich der Kraftfahrer, das Arbeitsverhältnis zu beenden
und klagte mit Hilfe der
­Arbeiterkammer die offenen
Ansprüche ein, unter anderem Sonderzahlungen, Abfertigung und eine Kün­
digungsentschädigung. Erst
dadurch bekam er mehr als
10.500 Euro nachbezahlt.
E
ine Arbeitnehmerin war in
einem Handelsbetrieb zuerst als Regalbetreuerin beschäftigt, dann wurde sie als
Kassierin eingesetzt. Daher
hätte sie nicht mehr nach
dem Handelsarbeiter-, sondern nach dem „besseren“
Handelsangestellten-Kollektivvertrag entlohnt werden
müssen. Die Differenz hat
der Arbeitgeber allerdings
nicht bezahlt. Erst nach Intervention der Arbeiterkammer beglich der Unternehmer die offenen Ansprüche.
Der Nachzahlungsbetrag von
gut 10.000 Euro deckte aber
nur einen Teil der Außenstände ab, weil wegen der
Verfallsbestimmung nur die
offenen Ansprüche für ein
Jahr rückwirkend verlangt
werden konnten. Da die Arbeitnehmerin aber schon länger unterentlohnt worden
war, entgingen ihr mehr als
5000 Euro. Ein Beispiel
mehr, wie wichtig die AKForderung nach der Abschaffung der viel zu kurzen Verfallsfristen ist.
Missing Link zwischen
Freddie Mercury und
Stefanie Werger
Der gebürtige Steyrer Franz Adrian Wenzl
ist ein Rockstar – als Austrofred singt er AustropopTexte zu Queen-Melodien. Erfolg hat er auch
als ­Sänger der Indie-Rockband „Kreisky“
und als ziemlich schräger Schriftsteller.
AK-Report: Herr Wenzl, wie
ist Ihnen die Idee gekommen,
in die Rolle von Freddie
Mercury zu schlüpfen, aber
­
die Queen-Melodien mit den
Texten der Austropop-Größen
zu verbinden?
Wenzl: Durch Zufall. Ich
wollte bei einer Geburtstagsfeier einen Jux machen und Mercurys große Geste mit völlig
anderen Inhalten konfrontieren.
Auf der Feier war auch ein
Agent, der mir dann erste Auftritte verschafft hat – etwa im
Welser Schlachthof. Zu meiner
Überraschung gibt es Austrofred jetzt schon 13 Jahre,
und ein Ende ist nicht absehbar.
AK-Report: Ein Kulturjournalist hat einmal gefragt, ob Sie
sich als Missing Link zwischen
Freddie Mercury und Stefanie
Werger sehen. An der Definition ist schon etwas dran, oder?
Wenzl: Ja, das ist eine Sichtweise. Aber kann es da überhaupt ein Bindeglied geben? Vielleicht lassen sich
Queen und Austropop gar
nicht vereinbaren? Ich
gehe mit Austrofred sehr
spie­lerisch um: Ich spiele
einen Rockstar, mein Pub­
likum spielt dessen Fans. Das
bekommt dann eine eigene Dynamik, sodass man ein bisschen
ein Rockstar mit Fans wird.
AK-Report: Austrofred hat
ja eine mehr als beachtliche
Karriere hingelegt. Was wa-
ren für Sie die Höhepunkte
und wie geht es mit der
Kunstfigur weiter?
Wenzl: Zu den Höhepunkten: Ich bin beim
Donauinselfest aufgetreten, aber da kommen die Leute ja nicht
wegen mir. Dagegen
sind beispielsweise in
die Arena in Wien 800 Leute
wegen mir gekommen – das ist
schon erhebend. Heute würde
ich Austrofred wohl nicht mehr
so entwickeln: Jetzt gibt es ja
den Gabalier. Was ich satirisch
mache, macht der in vollem
Ernst. Ideen habe ich derzeit für
zwei Austrofred-Bücher und einen Austrofred-Film.
AK-Report: Und nun zu Ihrem zweiten Standbein. Was
bedeutet Indie-Rockband?
Was hat Sie zum Namen
„Kreisky“ bewogen, und welche Art von Rockmusik spielen Sie da?
Namen haben wir bei einem
Brain-Storming gefunden. Er
hat harte Konsonanten, was
wichtig ist. Aber natürlich gibt
es auch einen politischen Bezug: Weil wir uns zur Zeit der
schwarz-blauen Schüssel-Regierung gegründet haben,
wollten wir schon einen Kontrapunkt setzen.
AK-Report: Schon 2006, im
Alter von nur 30 Jahren, haben
Sie die Autobiografie „Alpenkönig und Menschenfreund“
veröffentlicht. Was war da alles zu berichten – und wann
folgt der nächste Band?
as ich satirisch mache,
W
macht Gabalier in vollem Ernst.
Wenzl: Indie-Rock heißt ursprünglich: Musik bei unabhängigen
Plattenfirmen.
„Kreisky“ erinnert aber mehr
an den Rock der 70er-Jahre,
also klar, laut und dramatisch,
auch an 90er-Lärmrock. Den
Wenzl: Es ist ja die Auto­
biografie von Austrofred. Und
es kommt weniger darauf an,
was man erlebt hat, als was
man darüber zu erzählen weiß.
Mit einer Fortsetzung der
Auto­
­
biografie lasse ich mir
noch Zeit. Aber im Herbst
kommt ein Band mit Aufsätzen
von mir heraus: „Pferdeleberkäse“. In Linz werde ich ihn im
Posthof und im Stifterhaus präsentieren.
AK-Report: Von Ihnen
stammt auch ein fiktiver
Briefwechsel mit Wolfgang
Ama­
d eus Mozart. Er trägt
den ­Titel „Du kannst Dir Deine Zauberflöte in den Arsch
schieben“. Geht es da um die
bekannte Neigung des Genies
zu deftigen Ausdrücken?
Wenzl: Das spielt schon
eine gewisse Rolle. Ich habe
zuerst alle Briefe Mozarts
und seiner Familie gelesen – das sind sechs Bände. Dann habe ich auf
tatsächliche Briefe fiktiv
geantwortet. Es war eine
schöne Arbeit, weil ich
trotz der Verschiedenheit der
Epochen doch auch vieles gefunden habe, das sich nicht
geändert hat: etwa die Probleme mit der Familie, dem
Geld und der Kreativität.
[email protected]
15
Paul Allen
Sozialkomödie von
migen Film
nach dem gleichna
8.
15.0te7rk. am–m0er2L.0
inz
Arbei
Eine Koproduktion von
Volksgartenstraße
40
Karten: 050/6906-7000 oder www.theateratwork.at
AK-Mitglieder erhalten mit der Leistungskarte
3 Euro Ermäßigung pro Ticket.
P.b.b., Erscheinungsort Linz, Verlagspostamt 4020 Linz. ZLN: GZ 02Z033936 M
Retouren an Postfach 555, 1008 Wien
ooe.arbeiterkammer.at
Auf ak-report.at
mitmachen und
5x2 Tickets für
die Vorstellung
am 18. Juli 2015
gewinnen!
e
AK-LeistungsKArt
r
roithne
Margarethe Wiener
123456789