Führung beeinflusst Ihre Gesundheit

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Was Management heißt
Führung beeinflusst
Ihre Gesundheit
Gesunde Mitarbeiter sind unverzichtbar für das Netzwerk
Krankenhaus. Die Rolle der Führungskräfte, vor allem für
ein gesundheitsförderndes Arbeitsklima, ist wichtig,
aber noch lange nicht ausdiskutiert.
Josef Hradsky
U
nter dem Motto „Netzwerk Krankenhaus“ behandelte
der 58. Österreichische Kongress für Krankenhausmanagement (ÖKKM)1 die Themen Versorgung vernetzen,
Vernetzt führen im Krankenhaus, (Un-)gesunder Arbeitsplatz
und Vernetzte Interprofessionalität im Krankenhaus; abschließend wurde „Die Rolle des Krankenhauses in der Integrierten
Versorgung“ diskutiert. Schon an den Themenblöcken zeigt sich
der besondere Stellenwert der Zusammenarbeit der Berufsgruppen und der Art der Führung.
Gesundheitsfördernde Führungselemente bestehen laut Netta
somit unter anderem darin,
:: durch Information, Kompetenzen, Stressresistenz
(„Resilienz“) und mehr Eigenvertrauen der Mitarbeitenden
eine angstfreie Atmosphäre herzustellen,
:: durch Berechenbarkeit und vorbildliches Verhalten
Vertrauen zu schaffen
:: sowie Menschen von Objekten der Führung zu aktiv
handelnden Subjekten zu machen.
Erfahrungen aus einem Medienkonzern
stoffelix
Nicht unmittelbar unter dem Aspekt der gesunden Führung,
aber durchaus dazu passend widmete sich Arnold Gabriel,
Franz Netta, ehemaliger Personalchef der Bertelsmann Gruppe,
Vorstand der Kärntner Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft KABEG, der Kooperation der Berufsgruppen im
Gütersloh, berichtete – abgeleitet aus Untersuchungen in unterschiedlichen Bereichen dieses größten europäischen MedienKrankenhaus aus Trägersicht. Als ein Beispiel zur Förderung
konzerns – über die Synchronwirkung „gesunder“ Führung auf
der gewünschten Interprofessionalität verwies er auf die Führungskräfteentwicklung (FKE). Durch das
die Gesundheit der Mitarbeitenden. Dabei
FKE-Programm erhalten die Teilnehmer
wies er jeweils auf die Herausforderungen
(Primarärzte, Erste Oberärzte, Leitende
im Krankenhausbereich, aber auch auf die
Apotheker, Oberschwes­tern, Leitungen der
Parallelitäten zwischen Krankenhaus und
gehobenen medizinisch-technischen Diens­
anderen Unternehmen hin. Anhand von Mitarbeiterbefragungen zum Zusammenhang
te, Abteilungsleiter in der Verwaltung) in
zwischen Führung und Gesundheit hat sich
den Bereichen Organisationswissen und
herausgestellt, dass die Vorgesetzten bzw.
Beziehungsgestaltung die Chance, sich zu
die Art der Führung starken Einfluss auf den
informieren, ihr Wissen zu vertiefen, sich
„empfundenen“ Gesundheitsschutz haben.
auszutauschen und zu reflektieren und sich
So haben von den rund 80 Bertelsmannan Best-Practice-Beispielen zu messen.
Konzernfirmen jene 25 Prozent mit TopDie Evaluierungsergebnisse des seit 2006
Ergebnissen zu Führung und Identifikation
laufenden Programms mit bisher rund 200
Kranken- und Kündigungsquoten, die 29
Teilnehmern sind laut Arnold positiv: Die
Prozent unter dem Durchschnitt liegen.
Frage „Meine Erwartungen wurden ...“ beantworteten 80 Prozent mit „übertroffen“.
Franz Netta, Bertelsmann: Strategische
Bedeutung von Gesundheitsmanagement.
Ein Zeichen für – im Sinne der oben erwähnNetta wies darauf hin, dass die strategische
ten Gallup-Studie – durchaus zufriedene
Bedeutung von Gesundheitsmanagement
Kollegen bzw. zumindest zufriedene Führungskräfte.
sich auch daran zeigt, dass laut einer Gallup-Studie emotional
nicht gebundene Mitarbeiter fünf Tage im Jahr mehr fehlen als
Mit den Worten „Ich bin ein Fan der Interprofessionalität“ bedie zufriedenen Kollegen.2 Weiters zitierte er aus arbeitswissenschaftlichen Ergebnissen, dass gutes Führungsverhalten und
endete Kurt Resetarits, Ärztlicher Direktor der Krankenhäuser
gute Arbeit von Vorgesetzten der einzige hoch signifikante FakOberwart, Güssing und Oberpullendorf, seinen Workshop-Beitor sei, für den eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zwischen
trag. Und begründete dieses so persönliche Statement u.a. damit, dass Mitarbeiter, die in interprofessionellen Teams gleichdem 51. und 62. Lebensjahr nachgewiesen wurde.3
26 Das österreichische Gesundheitswesen – ÖKZ
56. Jg. (2015), 08-09 | www.schaffler-verlag.com
Was Management heißt
berechtigt komplementäre und ineinandergreifende Leistungen
erbringen, international als Schlüssel zum Erfolg einer patienten- und ergebnisorientierten Gesundheitsversorgung gelten.
Allerdings, stellte Resetarits fest, behinderten in Österreich
noch immer politische Forderungen nach Subordination unter
die Medizin, hierarchische Muster der Zusammenarbeit und
fehlende Initiativen für eine interprofessionelle Ausbildung die
Erreichung dieses Zieles.
Resetarits zeigte auch Fragen der Führung auf und die Auswirkungen verschiedener Führungskulturen auf die Menschen,
aber ebenso auf den Umgang mit und dem Entdecken von Fehlern. Seine Aussage zu den Forderungen nach Subordination unter die Medizin passte gut zu dem in einem anderen Workshop
gehaltenen Referat über militärische versus kollegiale Führung.
Alexander J. Klecatsky, Vorsitzender der Disziplinarkommission
im Verteidigungsministerium, stellte sich darin vor allem die Frage, ob das Dreigestirn überhaupt noch seinen Auftrag erfüllt. Er
porträtierte die Führungsstile von Managern und Führern (etwa,
dass Manager verwalten, Führer hingegen erneuern; Manager
Kopien seien, Führer Originale; Manager Dinge richtig machen
und Führer die richtigen Dinge). Ohne auf die Situation im Krankenhaus näher einzugehen, kam er zur – für einen Offizier nicht
unerwarteten – Conclusio „Viele Köche verderben den Brei“.
Dauerthema Kollegiale Führung
Führungskräfte im Krankenhaus sehen das durchaus anders:
Erwin Gollner, Department- und Studiengangsleiter Gesundheit,
Fachhochschule Burgenland, Pinkafeld, und verantwortlich
für die Gestaltung des wissenschaftlichen Programms dieses
ÖKKM, präsentierte das Ergebnis einer Online-Befragung von
Führungskräften in den Bereichen Medizin, Pflege und Verwaltung in österreichischen Krankenanstalten (die ÖKZ wird darüber noch gesondert berichten).
Darin befand mehr als die Hälfte
der Befragten die Kollegiale Führung als zeitgemäßes Führungsmodell.
stoffelix
Bereits 1974 wurde in der 2. Novelle zum Krankenanstaltengesetz (KAG) festgelegt, dass die
Landesgesetzgebung Vorschriften über die Kollegiale Führung
erlassen kann – und seither wird
darüber diskutiert. So haben
Vertreter der europäischen Ärztevereinigung AEMH4 vor Kurzem bei einer Tagung in Wien
Arnold Gabriel, KABEG: Erwartungen übertroffen.
eine rein ärztliche Führung der
Krankenhäuser gefordert.5 Dem
gegenüber steht etwa die Einschätzung des Wirtschaftswissenschaftlers Gottfried Haber, der die Kollegiale Führung durchaus
als Modell der Zukunft bezeichnet.6
::
ist. Die erwähnte Gallup-Studie stellt fest: „Nur ein kleiner Teil
der Menschen ist für Führungspositionen geeignet. Denn Erfahrung und fachliche Kompetenz sind zwar hilfreich als Chef, aber
sie ersetzen kein Führungstalent”7. Das Thema Führung wird
vermutlich noch bei vielen Gelegenheiten und auch bei weiteren ÖKKM8 diskutiert werden. Die Health Professionals in den
Krankenhäusern und in allen Einrichtungen des Netzwerks der
gesundheitlichen und sozialen Versorgung werden dennoch
weiterhin – viele Beispiele zeigen es – die wünschenswerte und
notwendige Interprofessionalität leben. ::
Literatur:
1
Österreichischer Kongress für Krankenhausmanagement, Eisenstadt, 11. bis 13. Mai 2015,
im Auftrag der Bundeskonferenz der Krankenhaus-Manager Österreichs (BUKO) veranstaltet von der Arbeitsgemeinschaft der Verwaltungsleiter von Krankenanstalten
im Burgenland; Zugang: http://www.oekkm.at, Zugriff: 6.8.2015.
2
Zugang: http://www.harvardbusinessmanager.de/blogs/gallup-indexmitarbeiterbindung-steigt-a-1022614.html, Zugriff: 6.8.2015.
3
Ilmarinen J, Tempel J (2002): Arbeitsfähigkeit 2010 – Was können wir tun, damit Sie gesund
bleiben? VSA: Verlag Hamburg GmbH, Hamburg.
4
Association Européenne des Médecins des Hôpitaux, Zugang: http://www.aemh.org,
Zugriff: 6.8.2015.
5
Zugang: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150508_OTS0043/spitalsaerztefordern-rein-aerztliche-fuehrung-der-krankenhaeuser, Zugriff: 6.8.2015.
6
Hradsky J (2014): Besser gemeinsam als einsam … Das österreichische Gesundheitswesen
– ÖKZ, 6-7: 14-15.
7
Zugang: http://blog.wiwo.de/management/2015/03/11/gallup-studie-zu-mitarbeiterengagement-die-meisten-schieben-nur-dienst-nach-vorschrift-hinter-ihremunternehmen-stehen-sie-nicht, Zugriff: 6.8.2015.
8
Der 59. ÖKKM findet vom 9. bis 11. Mai 2016 in Villach statt;
Zugang: http://krankenhausmanagement.sanicademia.eu, Zugriff: 6.8.2015.
Reg.Rat Josef Hradsky
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österreichische Gesundheitswesen
– ÖKZ
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