Zukunftsmarkt erschliesst

Date: 06.09.2015
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Wie Sonova
sich einen
Zukunftsmarkt
erschliesst
Hörbehinderungen bleiben in Indien meist
unbehandelt. Den meisten Menschen fehlt
das Geld für eine elementare medizinische
Versorgung. Der Schweizer Hörgerätehersteller
Sonova kann im bevölkerungsreichen Indien
dennoch zweistellig wachsen.
Von Franziska Pfister, Bangalore
Annah und Mariah hatten zu klein gewesen, um zu begreifen, was da
Glück. Die kleinen Inderin- passiert. Erwachsene brechen in dem Augennen kamen taub auf die blick oft in Tränen aus, so sehr sind sie überWelt, jetzt, mit dreieinhalb wältigt, endlich Geräusche hören zu können.
Jahren, können sie hören Hörprobleme werden ignoriert
und haben sprechen gelernt.
Dass sie hörbehindert sind, Geschätzte 12 Mio. Inder sind hörgeschädigt,
merkt man ihnen nicht auf Anhieb an. Nur ein jedes Jahr kommen 30 000 Babys mit HörproPlastic-Kästchen hinter dem Ohr und ihre blemen auf die Welt. Die meisten werden gar
übergrosse Scheu verraten, dass sie viel erdul- nicht oder nur ungenügend behandelt. Hauptden mussten. Unsicher zupfen die Mädchen sächlich, weil den Eltern das Geld fehlt. Aber
an ihren bunt gemusterten Kleidchen und ver- auch, weil die Behinderung nicht erkannt
oder ignoriert wird. «Sein Onkel hat auch erst
bergen das Gesicht im Schoss der Mutter.
Die Zwillinge haben eine schwere Opera- mit fünf Jahren sprechen gelernt», ist ein Artion hinter sich. Als sie knapp zwei Jahre alt gument, das Ärzte häufig vorgetragen bekomwaren, wurden ihnen Innenohr-Implantate men. Tauben oder stark hörbehinderten Kineingesetzt. Für Kleinkinder kein ungefähr- dern raubt das vielfach die Chance, sprechen
licher Eingriff, er dauert etwa zwei Stunden zu lernen. Wären Annah und Mariah nach ihund erfolgt unter Vollnarkose. Erst wurde rem dritten Lebensjahr operiert worden, hätAnnah operiert, einen Monat später Mariah, ten sie den Rückstand auf Gleichaltrige ohne
erzählt die Mutter, Minu Austin, im Therapie- Behinderung kaum aufgeholt. Je später ein
raum der Sprachtherapeutin ihrer Kinder in Implantat eingesetzt wird, desto schwerer haBangalore. Nach vier Wochen seien die Geräte
ben es Patienten. Bleibt das Sprachzentrum
eingeschaltet worden, und die Mädchen im Gehirn in den ersten Lebensjahren ungekonnten erstmals hören. Sie seien wohl noch
nutzt, verkümmert es.
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Staat übernimmt nur für die Beamten die Kos-
ten, private Krankenversicherungen sind im
Kommen, aber höchstens Städter mit gut bezahlten Jobs vermögen das. Dennoch wächst
Sonovas Hörgeräte-Umsatz im hohen zweistelligen Bereich und der mit Implantaten gar
um über 20%. Asien trug vergangenes Jahr einen Umsatz von 200 Mio. Fr. bei, Indien dürf-
te dabei nur einen kleinen Beitrag geleistet
haben. Firmenchef Lukas Braunschweiler erwartet aber weiter ein starkes Wachstum. Speziell bei Implantaten sieht er viel Potenzial.
Staatliche Beiträge trieben laut Fachleuten
vor Ort die Verbreitung von Hörgeräten und
-implantaten rasch hoch. Zumindest bei Letzteren, die unter dem Namen Advanced Bionics laufen, erstatten einzelne Gliedstaaten
die Hälfte der Kosten. Neun von zehn Patien-
ten bezahlten die Behandlung jedoch aus
eigener Tasche, sagt Vinod Nadig, Chef des
Implantatgeschäfts, auf einer Pressereise, die
Nur gut 2500 Innenohr-Implantate setzen zu einem Teil von Sonova getragen wurde.
Sonova bietet die Systeme hier ein Viertel
Ärzte in Indien pro Jahr ein, ausschliesslich bei
Tauben. Die Phonak-Mutter Sonova ist einer günstiger an als in Europa. Die günstigsten
von fünf Herstellern, die im Land tätig sind. Implantate sind in Indien für umgerechnet
Indien ist ein kleiner, aber attraktiver Zu- 8400 Fr. zu haben. Hochwertige können aber
kunftsmarkt für die Firma, denn weniger als leicht das Doppelte kosten. «Inder leben in
1% der Hörbehinderten lassen sich derzeit be- Grossfamilien. Oft kommen die Verwandten
handeln. Und ein Teil dieser Patienten legt sich einzeln zur Beratung», sagt Nadig. Manchmal
Minu Austin mit ihren Kindern Annah und
Mariah. (Bangalore, 26. 8. 2015)
nur für ein Ohr ein Hörgerät oder Implantat zu. führt er bis zu fünf Beratungsgespräche, bevor
Die Firma hat ihre Büros in Mumbai in der Patient sich entschliesst. Die Familie müseinem der zahlreichen neuen Geschäftshäuser se oft Land verkaufen oder einen Kredit auf-
eingerichtet. Den Empfangsraum schmückt nehmen, deshalb wolle sie ganz genau wis-
eine hüfthohe Statue des Elefantengotts sen, was das Gerät für einen Nutzen bringe.
Ganesh. So eine stehe in den meisten Büros
Opfer mussten auch die Eltern von Annah
Indiens, sagt die Empfangsdame. Hindus und Mariah bringen. Sie hätten die Mädchen
glauben, Ganesh bringe Glück. Das Gebäude gern früher operieren lassen, brachten das
ist noch nicht ganz fertig. Arbeiter schleppen Geld aber nicht eher zusammen. Die Familie
Baumaterial, draussen tobt der Verkehr, der in zog in die Wirtschaftsmetropole Bangalore,
der Metropole nie ruht. Gegenüber liegt eine damit die Kinder optimal versorgt sind. In InSiedlung mit Holzhütten, notdürftig ab- dien existieren nur etwa 1200 Fachgeschäfte
gedeckt mit Plasticplanen.
für Abklärungen des Gehörs, meist in GrossEs sind alle Hörgerätemodelle verfügbar, städten. Hightech-Messgeräte fehlen, wie der
welche die Firma in der Schweiz führt. Auch Besuch eines Hörstudios in Mumbai zeigt. Die
wenn nur wenige Inder sie sich leisten kön- Tests laufen trotzdem hochprofessionell ab.
nen. In einem Land, in dem das BruttoinlandFachleute sind gesucht, auch Sonova
produkt pro Kopf weniger als 2000 $ beträgt, möchte mehr Audiologen anstellen, hat aber
sind Hörhilfen für einfache Leute Luxus. Der
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Land mit Potenzial
In den Grossstädten Mumbai und Bangalore
wächst
wächst die
die Bevölkerung
Bevölkerung stark
stark
CHINA
Delhi'
Delhi'
NEPAL
RAH G
GU.
INDIEN
LIE9 1
200
Mio. Fr.
betrug Sonovas
Umsatz in Asien
im Geschäftsjahr
2014/15. Neben China
waren Japan und
Australien die
wichtigsten Märkte.
850 000
NIumbai
Idumbai
Banja
lore
Baryilore
500 km
km
500
Die Familien müssen
oft Land verkaufen
oder einen Kredit
aufnehmen, um sich
das Hörgerät leisten
zu können.
Hörgeräte-Systeme
sollen laut Schätzungen der Firma
2020 in Indien
verkauft werden.
aufgab und mit den Kleinen übte. Menschen
ohne Hörbehinderung lernen ja ebenso wenig
über Nacht zu sprechen. Annah und Mariah
müssen wohl keine der teuren Sonderschulen
besuchen, denen Hörbehinderte in Indien gesondert unterrichtet werden. 40% der Kinder
mit Hörverlust leiden an weiteren Problemen
wie ADHS, Autismus, oder sie sind blind.
Längst nicht alle Inder haben Zugang zu
Mühe, Leute zu finden. Die Berufsschulen
medizinischer
Behandlung: Die Gesundheitsseien zwar ausgezeichnet, und jedes Jahr
schlössen rund 300 Personen die Ausbildung ausgaben machen bloss 4% des Bruttoinlandab. Allerdings wandert ein Teil der Absolven- produkts aus. Oft müssen Patienten lange
ten aus, nach Australien oder Grossbritan- Wege auf sich nehmen, um ein Spital zu finnien, weil sie dort besser verdienen. «Die Ab- den. Die Ärzte seien jedoch hervorragend aus-
wanderung von Fachkräften ins Ausland ist gebildet, sagt Nadig, der selbst Mediziner ist
und früher unter anderem auch Operationen
Indiens grösstes Problem», sagt Grubb.
mit Innenohr-Implantaten durchgeführt hat.
Europäer reisen für Operation an
Annah und Mariah haben viel Zeit mit ihrer
Sprachtherapeutin verbracht, man spürt, dass
die Kinder ihr vertrauen. Während Mariah
auch nach einer halben Stunde noch immer
das Gesicht an der Brust der Mutter verbirgt,
taut Annah rasch auf und beginnt, Mutters
Portemonnaie auseinanderzunehmen. Sechs
Monate lang kamen die Kinder dreimal pro
Woche zur Therapie her. Sie haben gelernt,
lange Sätze zu verstehen und ganze Sätze zu
bilden, ohne Gebärden zu Hilfe zu nehmen.
Das gelang nur, weil die Mutter ihren Job
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«Indiens Privatspitäler sind erstklassig aus-
gestattet, sie kommen mehr wie ein FünfSterne-Hotel daher als wie ein Krankenhaus»,
sagt der Sonova-Manager. Kostet es in einem
Schweizer Spital mindestens 50 000 Fr., um
ein solches Implantat einsetzen zu lassen,
kommt der Eingriff in Indien bloss auf
3000 Fr. «Wir hatten schon Kunden, die aus
Europa und den USA angereist sind und sich
aus Kostengründen hier Implantate einsetzen
liessen», sagt Nadig. Die meisten von ihnen
seien nicht krankenversichert gewesen.
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Eine Schulklasse mit
hörbehinderten Kindern im
Institute of Speech and
Hearing in Bangalore, einer
privaten Sonderschule.
(Bangalore, 26. 8. 2015)
EM Audiologe in einem indischen Fachgeschäft testet dm Gehör einer Patientin und misst ihre Hörleistung mit einem Audloneter. (M
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