Wenn wir auf Halbmast segeln - ÖGL

Wenn wir auf Halbmast segeln ...
Wie wir mit belastenden
Lebensumständen umgehen. Und wer uns dabei
helfen kann.
Ab und zu höre ich den
martialischen Satz: „Was
mich nicht umhaut, macht
mich noch härter“. Was hier
nach indianischer Weisheit
oder pionierhafter Lebenserfahrung klingt, hat sicherlich
in gewisser Weise seine Berechtigung und seine „Körner Wahrheit“.
Nicht alles im Leben läuft
dauerhaft „geschmiert“. Des
öfteren erleben wir Rückschläge im persönlichen,
beruflichen, sozialen oder
gesellschaftlichen Umfeld,
oder wir bewerten es als
„Niederlagen“.
Nicht immer fühlen wir
uns gerecht behandelt oder
so wertgeschätzt, wie wir
meinen, es verdient zu haben.
Nicht immer zeigt uns
das Leben die Butterseiten.
Vielmehr umwehen uns an
so manchen Tagen gewaltige
Turbulenzen, und wir segeln
auf Halbmast dahin. Solche
Zeiten sind vergleichbar mit
einer sich anbahnenden
Grippe: Das Immunsystem
des Körpers ist geschwächt,
Viren und Bakterien finden
einen guten Landeplatz.
Resilienz heißt das Zauberwort! Es kommt vom en-
Mag. Franz Landerl
Diplom-Lebensberater
Vorstandsmitglied der ÖGL
Berufsgruppensprecher
der LSB OÖ
Tel. 0732 / 77 04 50
glischen „resilience“, bedeutet Spannkraft, Elastizität,
Strapazierfähigkeit
und führt auf das lat. resilere
= abprallen zurück. Gemeint ist die Fähigkeit, erfolgreich mit belastenden
Lebensumständen, wie Unglück, traumatische Erfahrungen, Misserfolge, Risikobedingungen etc. umzugehen. Und die Fähigkeit, sich
von einer schwierigen Lebenssituation nicht „unterkriegen zu lassen“ bzw.
„nicht daran zu zerbrechen“.
Die Forschung zeigt uns
verschiedene Strategien zur
ÖGL_Gesundheit 0801 / 1. Korr
Bewältigung negativer Erlebnisse:
• Es bedarf einer gewissen
Widerstandsfähigkeit (Hardiness), die im Lebenssinn
liegt; im Glauben, die Umwelt beeinflussen zu können
und aus schweren Erfahrungen zu lernen.
• Durch Selbstaufwertung
und Selbstbewusstsein kann
manches Unangenehme ertragen werden.
• Bewältigung durch Verdrängung: Die Betroffenen
neigen dazu, unangenehme
Gedanken, Gefühle und Erinnerungen zu vermeiden.
• Auch positive Gefühle
und Humor, Interesse und
Aufbau von sozialen Beziehungen sind hilfreich.
Diese Ressourcen sind
überlebenswichtig.
Trotzdem ist es manchmal äußerst hilfreich, professionelle Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen. Lebensund Sozialberater stehen
durch ihre umfassende Ausbildung in solchen Situationen zur Verfügung.
Sie verkürzen den Weg
zur Selbsthilfe, fördern den
Aufbau der Widerstandsfähigkeit und sind „Begleiter
ins Leben“. Unter dem
Motto: „Wenn mich die
Stürme des Lebens umgeschmissen haben, weiß ich,
wer mich beim Aufstehen
unterstützt.“