Neue Produkte für die Dose - neue

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neue verpackung> 10.2004
branche> Lebensmittel
Innovationsfelder für Weißblechverpackungen
Neue Produkte für die Dose
Bei der Suche nach attraktiven Anwendungen für Weißblechverpackungen
geht das Innovationszentrum (IZ) der Rasselstein GmbH, Andernach, nun
neue Wege. Gemeinsam mit dem Verpackungsconsulter Berndt & Partner
hat das IZ seine Innovationsaktivitäten strategisch neu ausgerichtet. Auf
der Grundlage von internationalen Marktbeobachtungen wird untersucht,
welches Füllgut für den deutschen Markt von Bedeutung ist und welche
technische Lösung aus Weißblech dazu passt.
> In einer ersten Orientierungsphase
wurden zunächst die Märkte in den USA,
Hongkong und Deutschland untersucht.
Deutschland steht dabei stellvertretend
für den europäischen, Hongkong für den
asiatischen und USA für den amerikanischen Raum. Betrachtet wurden Metallverpackungen, die auffällig dekoriert
sind, ungewöhnliche Formen und Größen haben oder eine verpackungstechnische Besonderheit aufweisen. Ebenfalls von Interesse: ausgefallene Produkte in Metallverpackungen. Das Scouting
erbrachte zum Teil erstaunliche Ergebnisse: Vom Anti-Haft-Spray zum Backen
über pulverisierten Meerrettich, Wachteleier, Abnehmtee und „Herbal Jelly“ bis
zu Cheddar Cheese aus der Sprühdose
reichte die Produktpalette, die in Weißblech verpackt ist. „Insgesamt kann man
sagen, dass der amerikanische und asiatische Raum weitaus mehr verschiedene
Produkte in der Weißblechdose zu bieten hat als der deutsche Markt“, erklärt
Jochen Lohscheidt, Leiter Innovationszentrum/Produktmanagement der Rasselstein GmbH.
Auch Trends sind zu erkennen. „Während die Asiaten auf Kaffeegetränke in
der Dose stehen, konsumieren die Amerikaner gerne die ‚Soup to go‘. Die Suppendose wird in der Mikrowelle erhitzt
und dann unterwegs getrunken“, beschreibt Lohscheidt. „On the go consumption“ lautet der Begriff für diese
Konsumgewohnheit, die mehr und
mehr von Amerika auf den europäischen
Kontinent herüberschwappt.
Die Kernfrage, die zu klären ist, lautet:
Welches Füllgut ist für den deutschen
Markt von Bedeutung, und welche technische Lösung aus Weißblech passt dazu? Dabei ist die Relevanz der Innovation
für den Konsumenten ein wichtiges Kriterium. Er soll das neue Produkt schließlich kaufen.
„Market Mapping“ Weißblech
Genau hier setzt das Projekt mit Berndt
& Partner an. Zunächst wird das technische Potenzial des Packstoffs Weißblech analysiert. Anschließend erfolgt
das eigentliche „Market Mapping“. Dabei werden attraktive Marktsegmente
identifiziert und bewertet. „Konkret bedeutet das: Wir suchen gezielt nach Produkten, die viel gekauft werden. Ihre Absatzzahlen werden eingeschätzt und die
existierenden Verpackungssysteme bewertet. Wichtig sind dabei auch die eingesetzten Verpackungsmaterialien und
die Packungsgrößen. Dabei interessiert
uns natürlich besonders, welchen Anteil
Weißblech hat bzw. welche Gründe es
gibt, dass Weißblech in einem bestimmten Segment nicht vertreten ist“, erklärt
Lohscheidt.
Das Ergebnis der Analyse ist eine
Matrix, die helfen soll, strategisch wichtige Produkte zu analysieren. Kombiniert
mit dem, was machbar ist in Weißblech,
ergeben sich Innovationsfelder. Sie zeigen an, in welchen Segmenten ein Zusammenspiel des jeweiligen Produktes
mit einer innovativen Verpackung aus
Weißblech sinnvoll ist. „Wir wollen nicht
da rein, wo Weißblech schon stark ist“,
betont Lohscheidt, „sondern die Märkte
erobern, die uns bisher verschlossen waren.“
Ein Beispiel: Feinkosterzeugnisse wie
Senf und Mayonnaise werden heute vorwiegend in Gläsern und Tuben angeboten. Der Inhalt der Gläser ist oft schon
nach dem ersten Gebrauch unansehnlich. Die Tuben, anfangs praktisch, da
leicht zu handeln, sehen auf einem festlich gedeckten Tisch nur wenig dekorativ
aus. Eine Innovation könnte hier ein
Spendersystem aus Weißblech sein. Optisch ansprechend gestaltet durch Shapen oder Prägen und dadurch ein echter
Hingucker.
Technisch wäre ein solches Spendersystem aufgebaut wie eine Aerosoldose.
Es müsste gut in der Hand liegen und eine dosierte Entnahme möglich machen.
Kein Problem, wie Jochen Lohscheidt
meint, auch Haltbarkeit und Schutz des
empfindlichen Füllguts würden durch
die Hülle aus Weißblech gewährleistet.
Ein anderes Innovationsfeld: Speiseöle. Experten wissen: Weißblech ist die
beste Verpackung für diese hochwertigen Lebensmittel. Das Material bietet
den wertvollen Inhaltsstoffen einen optimalen Schutz vor Licht und Sauerstoff.
Ansprechend gestaltet und individuell
geformt sorgt eine Weichblechdose darüber hinaus für mehr Absatz im Verkaufsregal.
Das Projekt des Innovationszentrums befindet sich zurzeit in seiner entscheidenden Phase: der Umsetzung mit
Projektpartnern. „Gemeinsam mit unseren Kunden, den Verpackungsherstellern, kontaktieren wir die Hersteller von
Markenprodukten und bieten ihnen eine
Kooperation an. Auf der Basis der entwickelten Konzepte werden Ideen ausgetauscht und neue Verpackungssysteme entwickelt“, verrät Lohscheidt. >|
Der amerikanische
und asiatische Raum
hat weitaus mehr verschiedene Produkte in
der Weißblechdose zu
bieten hat als der
deutsche Markt.
Während die Asiaten
auf Kaffeegetränke
in der Dose
stehen, ...
..., konsumieren
die Amerikaner
gerne die „Soup
to go“.
Innovationszentrum Rasselstein
Innovation, so lautet das Schlagwort, das zurzeit Politik
und Unternehmen gleichermaßen in Atem hält, gilt es
doch den Standort Deutschland auch in Zukunft zu sichern. Neue kreative Ideen und Problemlösungen müssen
her, will man sich gegen die Konkurrenz aus dem Ausland
behaupten.
Auch Deutschlands einziger Weißblechhersteller, die
Rasselstein GmbH mit Sitz in Andernach, hat früh erkannt,
dass Innovationsförderung wichtig ist. 2000 gründete das
Unternehmen ein Innovationszentrum (IZ), das das Knowhow von Technikern und Marketingfachleuten vereint.
Durch eine fachübergreifende Zusammenarbeit werden
Arbeitsabläufe optimiert und Synergieeffekte genutzt. Ziel
ist, gemeinsam mit den Kunden neue kreative Weißblechverpackungen zu entwickeln.