Vom Können, Wollen, Dürfen - JAKO-O Familien

Motz-Zwerge im Abmarsch
Jako-o Kongress, Bad Ischl 2015
Vom Können, Wollen, Dürfen
Socken anziehen geht nicht, die Hose ist falsch, das eben gewünschte Marmeladebrot ist
grundsätzlich verkehrt oder durch falsches Aufschneiden ungenießbar geworden.
Wenn „ Alleine“ und „Nein“ zu den häufigsten Wörtern Ihres Kleinkindes gehören – dann
befindet es sich in jener Entwicklungsphase, die Autonomiephase genannt wird.
Die Autonomiephase, das „Trotzalter“, ist eine normale und wichtige Entwicklungsphase im
Leben eines Menschen.
Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr beginnt das Kind seine Eigenständigkeit bewusst
zu erleben. Und es möchte all die wunderbaren Dinge lernen und tun, die es Erwachsene jeden
Tag vollbringen sieht: die eigenen Schuhe binden, Treppen steigen, selber das Glas
einschenken, …
Manchmal reichen die eigenen Fähigkeiten noch nicht aus, manchmal gibt es ein "Nein" von
außen.
Kinder haben in diesem Alter noch keine Frustrationstoleranz aufgebaut.
Wenn etwas nicht funktioniert, entlädt sich die als unerträglich erlebte Spannung dann
anfallartig.
Schauen Sie auf die positive Seite des Trotzes
 Die Autonomiephase ist der erste Schritt aus der
Abhängigkeit der Eltern. Ihr Kind entwickelt
Selbstbewusstsein und das Gefühl für
Selbstwirksamkeit: Ich bin – Ich kann – Ich wirke
auf andere.
Trotz hat nichts mit bösem Willen oder Ungehorsam zu
tun! Ihr Kind will Sie nicht ärgern! Es ist in seinem
momentanen Gefühlszustand so gefangen, dass es nicht
anders kann als aggressiv zu reagieren. Durch das
Schreien und Toben löst sich die Anspannung auf.
Kinder brauchen liebevolle Unterstützung, um zu lernen, wie sie mit diesen starken Gefühlen
anders umgehen und Grenzen akzeptieren können.
ENTWICKLUNGSBEDÜRFNISSE VON KINDERN:
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Keine Angst um die Liebe meiner Eltern haben zu müssen, egal was ich tue und egal
wie (schlimm) ich bin.
Meine Gefühle und auch meine Wut, die in mir hochkommen, als in Ordnung ansehen
zu dürfen.
Von meinen Eltern respektiert zu werden, ohne etwas dafür tun zu müssen.
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Christine Wally-Biebl
Familienberatung, Elternbildung
www.christinewally.at
Motz-Zwerge im Abmarsch
Jako-o Kongress, Bad Ischl 2015
Gute Fahrt für Eltern und Kind
MOTZ-ZWERGE Führerschein
Mit Gefühl und wachem Auge
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Nehmen Sie ihr Kind und seine Gefühle ernst.
Beschreiben Sie die Situation und das Gefühl mit Worten.
Genau hinschauen, genau hinhören ist hilfreich um die Bedürfnisse hinter dem
Verhalten des Kindes zu erkennen. Was sind die Auslöser für die Trotzreaktion?
Anerkennen Sie den Eigensinn ihres Kindes. Geben Sie ihrem Kind die Möglichkeit Nein
zu sagen. Nein ist oft die Vorstufe zum Ja.
Und sagen Sie auch Nein, wenn sie Nein meinen. Sie brauchen ihr Kind nicht vor
negativen Gefühlen bewahren. Ihr Kind braucht haltgebende Eltern, die durch diese
Gefühle hindurch begleiten.
Reflektieren: Was war vor der Trotzsituation? Gibt es Trotzzeiten?
Vorausschauend fahren
o Planen Sie ihren Tag gemeinsam voraus. Geben Sie dem Kind wichtige Infos, dann ist
die Überraschung nicht so groß. „Es regnet, da brauchen wir den Schirm, wenn wir
rausgehen.“ „Wir fahren nach dem Mittagessen zur Oma.“ Eine Eieruhr kann gute
Dienste leisten, wenn wir zu einer bestimmten Zeit fertig sein müssen.
Kinder brauchen Klarheit und Sicherheit.
o Beugen Sie vor. Wenn Sie wissen, dass Ihr Kind beim Süßigkeitenregal nicht ohne
Schreianfall vorbeikommt, nehmen Sie einen Umweg in Kauf. Schaffen Sie Alternativen
für mehr Leichtigkeit im Leben (auf dem Sofa hüpfen geht nicht, aber auf der Matratze
daneben; am Tisch sitzen ist verboten, aber auf die kleine Leiter klettern geht; …).
Räumen Sie Zuhause aus dem Weg, was nicht in die Hände von Zweijährigen gehört.
Das Kind wird nicht verzogen oder grenzenlos verwöhnt, wenn sie Hindernisse einfach
umfahren.
o Nehmen Sie sich Zeit für regelmäßige Rituale, beim Aufstehen, beim Schlafengehen, …
o Bieten Sie ihrem Kind Auswahlmöglichkeiten an, geben Sie Entscheidungshilfen blaues oder rotes T-Shirt, rechts oder links hinten im Auto, ….
o Spielerisches, humorvolles Miteinander bringt mehr Leichtigkeit ins Zusammenleben.
In diesem Alter beginnt die Phantasiefähigkeit des Kindes zu erwachen.
Statt „Räum endlich auf“ können Sie sagen „Lastwagenfahrer, fahr dein Auto in die
Garage und nimm noch schnell ein paar Fuhren mit“.
Oder beim Anziehen – „Wer ist zuerst in seinen Kleidern, der Rappele oder der
Zappele?“ (gemeint sind die Arme und Beine).
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Christine Wally-Biebl
Familienberatung, Elternbildung
www.christinewally.at
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Sparsam bremsen
Kinder wollen wissen wie das Leben geht und selber Ausprobieren
was funktioniert (Schuhe alleine anziehen) und was nicht (Perlen auffädeln).
Fehler machen dürfen ist wichtig. Sagen Sie öfter ja, als Nein.
Wenn auf "Ich will“ – „ Ich schaffe das“ folgt, wird das Selbstwertgefühl gestärkt.
Bei gefährlichen Situationen ist ein klares Nein notwendig. Achten Sie auf Ihre eigenen
Ängste, oft sehen wir nur, was alles passieren kann. Schauen Sie auf das was gelingt!
Trauen Sie ihrem Kind etwas zu!
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Lassen Sie Ihrem Kind die Freiheit bei eigenen möglichen Entscheidungen.
Fördern Sie die Selbständigkeit Ihres Kindes
z.B. mit gemalten Einkaufszetteln Sachen selber holen,
in die Schuhe oder Jacke selber hineinschlüpfen,
die Stufen selbst heruntersteigen, …. schenken Sie Ihrem Kind Zeit!
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Geben Sie Ihrem Kind viele Gelegenheiten, Dinge zu erforschen und erste
Fertigkeiten einzuüben. (z.B. verschiedene Dosen auf- und zuschrauben,
in Schachteln Schlitze schneiden und ein Steckspiel für verschiedene Materialien
daraus machen, einen Igel aus Karton ausschneiden mit Klupperl als Stacheln,
Wäsche auf einem Ständer in Kinderhöhe aufhängen, Tisch abwischen, …)
Auftanken, Pause
o Eltern können ihre Kinder nur dann optimal begleiten, wenn ihre eigenen
wichtigsten Bedürfnisse befriedigt sind. Eltern dürfen sich selbst etwas Gutes tun.
Finden und nutzen Sie ihre Kraftquellen.
o Auch Kinder müssen auftanken, manchmal sind es einfach Hunger, Müdigkeit oder
Überforderung die einen Trotzanfall hervorrufen können.
o Wertvoll ist es auch, das Kind (und uns) aus der „aufgeregten“ Verkehrszone zu
bringen, an einen Ort der Sicherheit und Rückzugsmöglichkeiten bietet – und wenn
es nur das Auto ist! Äußere Ruhe führt zu innerer Ruhe.
Die Arbeit läuft dir nicht davon,
wenn du deinem Kind den Regenbogen zeigst.
Aber der Regenbogen wartet nicht, bist du mit der Arbeit fertig bist.
(chinesische Weisheit)
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Christine Wally-Biebl
Familienberatung, Elternbildung
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Bitte hohe Drehzahlen vermeiden!
Das Kind ist seinen Emotionen ausgeliefert und wir oft mit.
Wenn das Kind laut brüllend und um sich schlagend am Boden liegt ist es schwer ruhig zu
bleiben. Trotzdem stimmt es: Ruhe bewahren beendet lautstarke Willensbekundungen
meist zuverlässiger als wilde Machtkämpfe.
Wie können Eltern ruhig werden, bleiben – ein paar Ideen
 bewusst Aus - und Einatmen
 bis 20 zählen
 rhythmisches Atmen – Einatmen bis fünf zählen, Ausatmen bis fünf zählen
 Singen oder Summen
 sich auf den Boden setzen und tief durchatmen
 verschiedene Körpermuskeln anspannen und entspannen
 …
Gefühle sind hochansteckend! Wenn Sie ihr Kind verständnisvoll und in Ruhe durch diese
Situation begleiten, hat es eher die Möglichkeit selbst zur Ruhe zu kommen. Sie verkürzen
die anstrengende Zeit.
Manche Kinder können sich beruhigen, wenn sie liebevoll in den Arm genommen werden
und Worte für ihre Gefühle bekommen.
Andere Kinder brauchen Ruhe. Berührungen machen sie nur noch wilder. Eine
verständnisvolle Haltung kommt auch ohne Berührung und Worte an.
Verständnis heißt nicht Einverständnis. Nicht jeder Wunsch ist ein Bedürfnis, bleiben Sie bei
einem wohlüberlegten Nein und anerkennen Sie den Wunsch und die Gefühle Ihres Kindes.
Ihr Kind lernt, dass seine Gefühle in Ordnung sind und dass es Grenzen gibt;
und Mama oder Papa halten diese starken Gefühle mit mir aus, irgendwann schaffe ich das
auch alleine.
„Ich bin ok so wie ich bin.“
Grenzen und Regeln sind notwendig für ein gutes Zusammenleben.
Es ist immer wichtig, WIE ein Kind diese Grenzen erlebt.
Begleiten Sie ihr Kind mit Klarheit und Liebe.
Miteinander den Weg des Lebens fahren,
miteinander wachsen!
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Christine Wally-Biebl
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Trotzdem
TROTZdem die Nerven bewahren
TROTZdem geduldig bleiben
TROTZdem Grenzen setzen
TROTZdem die Nerven verlieren
TROTZdem ungeduldig werden
TROTZdem Grenzen verwischen
TROTZ dem TROTZ unserer Kinder
und unserem eigenen TROTZ zum
TROTZ weiterlieben.
Literatur: Das Trotzkopfalter, Doris Heueck-Mauß
Trotz - lass nach, Margret Nußbaum
Mit Kindern wachsen, Zeitschrift vom Verein mit Kindern wachsen.de
Wirbelwind, Elternzeitschrift für den Still und Erziehungsalltag
Gute Beziehungen, wie sie entstehen und stärker werden, Thomas Gordon
Ich freue mich über ihre Fragen und wünsche ihnen ein erfülltes Leben mit ihrer Familie.
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Christine Wally-Biebl
Familienberatung, Elternbildung
www.christinewally.at