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Vorbereitung: Die Kärtchenmethode
Aus dem Handbuch der Rhetorik von Holger Münzer
Sie sollten ein Thema wählen, das Sie wirklich interessiert, dies ist die beste Vorbereitung: Dale Carnegie
nennt dies eine möglichst jahrelange Vorbereitung, er ließ seine Kursteilnehmer über „den größten
Kummer“, den sie haben, reden. Dies erleichtert die Übungsrede erheblich.
Zur Vorbereitung einer Rede empfehle ich eine Methode, die mir sehr hilft, die Kärtchenmethode:
Zu Anfang nehme ich Karteikärtchen. Auf diese schreibe ich die einzelnen Gedanken zum Thema. Nun
kommen die nächsten Schritte:
Aneignung
1.) Ich suche jeweils eine Überschrift oder ein griffiges Stichwort für jedes Kärtchen.
2.) Dann ordne ich die Kärtchen so, wie mir die Abfolge am zweckmäßgsten erscheint.
3.) Dann rede ich vor mich hin und schalte dabei ein Tonband ein oder schreibe schnell nebenbei mit,
was ich wie sage. Dann schreibe ich das Tonband ab und habe die erste schriftliche Version meiner
Rede.
4.) Dann mische ich die Kärtchen wie ein Kartenspiel und ordne sie nochmal neu. Erstaunlicherweise
ergibt sich daraus meist eine viel günstigere Abfolge, es zeigen sich Wiederholungen und überflüssige
Gedanken, die ich nun herausnehme. Dann rede ich die Rede nochmal vor mich hin, nehme sie erneut
auf und schreibe sie ab: zweite Version meiner schriftlichen Rede.
5.) Da ich nur nach Stichworten rede und mir meine persönliche Diktion und Formulierungsart immer
wieder automatisch einfällt, fällt es mir nicht schwer, jedesmal die gleiche Formulierung wiederzufinden (so lernt man auch eine Rolle im Theater). Niemals lerne ich auswendig. Die Reihenfolge sehe ich
auf den Kärtchen. Allmählich wird so aus der Improvisation der Rede eine „gefrorene Improvisation“
(so nennt man diesen Prozeß in der Musik), d.h.: ich suche jedesmal nach der Formulierung, und
jedesmal fällt mir die richtige spontan wieder ein. So erhalte ich meine Spontaneität obwohl ich wörtlich
vorbereitet bin. Viele Schauspieler lernen so ihre Texte. Die Methode, eine freie Rede wörtlich zu
beherrschen ist also nicht, zu schreiben und dann den Text abzulesen, sondern genau umgekehrt: zu
reden und den Text wörtlich mitzuschreiben.
6.) Dann schreibe ich die gesamte Rede letztendlich auf. Dies ist die Version für die Presse.
7.) Für mich nehme ich jedoch das Papierformat DIN A5. Dieses läßt sich leichter halten und abblättern,
außerdem ist dies günstiger für den Fall, daß ich ohne Rednerpult reden muß. Ich benutze möglichst
viele Blätter, mindestens jede Stufe (Station / Teilziel) ein neues Blatt. Auf diesem DIN A5-Blatt lasse
ich die eine Hälfte des Blattes frei für eventuelle Notizen, die ich hinzufügen will. Die Blättchen hefte
ich nicht zusammen, sondern schiebe sie beim Reden einfach seitwärts bzw. immer wieder hintereinander. Um im Notfall (die Blätter fallen mir z.B. runter oder ein Windstoß mag sie weggeweht haben)
nicht die Reihenfolge zu verlieren nummeriere ich die Blätter sehr gut sichtbar.
Mit dieser Methode gelingt es, die Rede zweckmäßig zu ordnen, sie einzutrainieren und gleichzeitig eine
schriftliche („pressegerechte“) Version der Rede zu haben, die u.U. veröffentlicht werden kann. Für die
Presse bereite ich manchmal auch nur ein Blatt vor (Printtext DinA4), auf welchem das Wichtigste steht:
die Schlußzusammenfassung, d.h. die letzte Zusammenfassung (Wiederholungen vertiefen) und die
Schluß-Forderungen.
Lee Iacocca: immer ein Manuskript...
Fritz Erler: selten ein Manuskript...
Dale Carnegie: Manuskript nicht wörtlich aufschreiben...
Ich benutze immer ein Manuskript, welches die wörtliche Rede ist, damit ich sie ggf. der Presse oder
einer anderen Veröffentlichung gleich übergeben kann. Ich lese jedoch nicht ab sondern orientiere
mich stichwortmäßg nur nach den Überschriften. Meine Rede kommt dennoch wörtlich. Das will
trainiert sein.
Die Rede muß gründlich vorbereitet werden (siehe auch Lee Iacocca).
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