Vorschau

IMD 404 Graham Harman
IMD 374 Michel Serres
Vierfaches Objekt
Einleitung (A. Avanessian)
1. Unterlaufen und Übergehen
2. Sinnlose Objekte
3. Reale Objekte
4. Mehr zu Heidegger
5. Indirekte Verursachung
6. Heideggers Geviert
7. Das neue Geviert
8. Ebenen und Psyche
9. Ontographie
10. Spekulativer Realismus
168 S. · 16,- Eur · ISBN 978-3-88396-314-3 · September 2015
aus dem Französischen von Elisa Barth und Alexandre Plank
144 S. · 12,- Eur · ISBN 978-3-88396-324-2 · Oktober 2015
288 S. · 24,- Eur · ISBN 978-3-88396-364-8 · SPEKULATIONEN
aus dem Englischen von Ronald Voullié
September 2015
Lärm
Legende
Zunächst den musikalischen Fluss beschreiben,
der das Leben eines Komponisten durchzieht.
»Forderungen weisen nach vorne. Daher handelt unser Buch von
Aussichten auf etwas Künftiges. Im ersten Kapitel geht es um das,
was uns droht, wenn sich nichts ändert, und die Dinge so weiterlaufen, wie sie laufen. Das dritte Kapitel stellt dem drei utopische
Modelle gegenüber. Der kurze Mittelteil betrachtet die Frage des
Übergangs, also wie wir überhaupt vom gegenwärtigen Zustand in
einer andere ökonomische Welt kommen können.
Der Finanzfeudalismus unserer Zeit erwächst aus dem Gegensatz
von riesigen Vermögen und absoluter Armut. Er teilt die Welt auf
in Risikogebiete zerfallender Staaten und befriedete Zonen scheinbaren Wohlstands, regiert von Postdemokratien unter ökonomischen
Imperativ und datenbasierten Überwachungsprogrammen.
Gegen das Regime der großen globalen Finanzinteressen kann
uns keine Revolution helfen. Längst sind Staaten und und Regierungen zu ausführenden Organen geworden. Die vermeintliche
Freiheit der Netzwerke ist der Überwachungsmaschiniere von
großen privaten Plattformen und schon kaum mehr staatlich zu
nennenden Geheim-Institutionen gewichen. Aber etwas ereignen
muss sich doch, denn die ökonomische Lage ist nicht haltbar,
weder von der Ungleichverteilung der Reichtümer her noch von
den Risiken nach der Krise nur größer und unstabiler gewordenen
Finanzsystems. Was als ökonomische und gesellschaftliche Utopie
erreicht werden kann, liegt in den Routinen der Verwaltung bereits
vor. Es muss nur gelingen, das technisch und administrativ Mögliche von den Zwängen der schlechten Regierung zu befreien.
Was können wir in dieser Lage fordern? Wenn Utopien immer auch
Verwaltungsphantasien sind, dann gibt es für jede der drei großen
Verwaltungen die ihr angemessene ökonomische Utopie: für den
Staat die Utopie der Arbeit für alle und mit Jobgarantie, für die
Vermögen das helicopter money als Grundeinkommen und für die
Netzwerke die Utopie einer Ökonomie ohne Geld.«
Einleitung
(Armen Avanessian, Christoph Cox, Jenny Jaskey, Suhail Malik)
Forderungen
Stimmen
Wissenschaften
Dann eingestehen, welche Musik mein Leben geträumt hat und
mich an die diskursiven Ufer dieses Buches warf.
Graham Harman (*1968) unterrichtet Philosophie an der American
University in Kairo.
IMD 405 Alice Becker-Ho, Guy Debord
Kriegsspiel
ca. 120 S. · ca. 12,- Eur · ISBN 978-3-88396-349-5
aus dem Französischen von Ronald Voullié
IMD 420
Musik
140 S. · 14,- Eur · ISBN 978-3-88396-348-8 · SPEKULATIONEN
aus dem Englischen von Andreas Pöschl
Oktober 2015
IMD 383 Ralph & Stefan Heidenreich
November 2015
»[…] ich habe mich eingehend mit der Logik des Krieges beschäftigt. Tatsächlich ist es mir vor langer Zeit gelungen, die wesentliche
Dynamik des Krieges vermittels eines recht einfachen Brettspiels
zu veranschaulichen… Ich habe dieses Spiel gespielt, und in oftmals schwierigen Lebenssituationen einige Lehren daraus gezogen – nämlich Regeln für mein Leben festzulegen, und diese zu
befolgen. Während ich mein Kriegsspiel spielte, konfrontierte es
mich immer wieder aufs Neue mit überraschenden Wendungen;
fast fürchte ich mich davor, dass das Kriegsspiel das einzige
meiner Werke sein könnte, dem die Leute irgendeine Bedeutung
zumessen. Ich überlasse es anderen, darüber zu urteilen, ob ich
daraus die richtigen Lehren gezogen habe.« G.D.
Alice Becker-Ho (*1941) und Guy Debord (1931-1994) heirateten
1972.
Wort
Geburt und Lobpreisung
Es entspringt der Genesis ein musikalischer, die Zeit modulierender und erzeugender Fluss, der wie ein
Sturzbach die Jahrhunderte hinabfließt.
»Ich warte darauf, dieses elementare Keuchen zu hören, das sich
in seiner Halbstummheit über den frischen Winden, dem Seegang,
den lodernden Bränden, den Erdbeben und den brechenden Gletschern erhebt und das sich hinter Couperin und meiner Nostalgie
vergräbt, hinter Rameau und der Anmut deiner Gesten, Ravel und
der Körnung deiner Stimme, unter dem Anzug meiner Einsamkeit,
dem Hass der Kriege, der Höhe meiner Lobpreisung und dem
Abgrund meiner Verzweiflung. Das Keuchen ist Gral jeder Inspiration und ich will nicht sterben, bevor ich nicht seine Quelle entdeckt
habe, aus der das erste Murmeln hervorgeht.
Die Musik zieht alle Künste groß, kodiert alle Wissenschaften,
haucht unter den Sprachen, akkretiert die Gesellschaften, inspiriert jedes Denken, besser noch: rhythmisiert, umhüllt und verbreitet unsere Beweggründe und die geregelte aber unerwartete
Aufeinanderfolge der Zahlen; unter ihr, hinter ihr, zwischen ihr und
diesem weitgefassten Anrufen der Dinge und Körper, ruht das
stumme Mysterium, das alle Geheimnisse in sich birgt. Wer es
entdeckt, spricht virtuell alle Sprachen und vernimmt alle Stimmen
der Welt.«
Lieferbare Titel von Michel Serres bei Merve:
IMD 358
Kleine Chroniken
IMD 323 Das eigentliche Übel
IMD 308
Aufklärungen
IMD 260
Atlas
Hermes Bände zwei bis fünf
15,- Eur
9,- Eur
22,- Eur
20,- Eur
35,- Eur
ISBN: 978-3-88396-297-9
Ralph Heidenreich (*1957), lebt in Biberach an der Riss und arbeitet als Programmierer. [www.ralph-heidenreich.de]
Stefan Heidenreich (*1965), lebt in Berlin und ist Autor und Theoretiker. [www.stefanheidenreich.de]
Der Titel Mehr Geld (IMD 283), ebenfalls von Ralph und ­ Stefan
­Heidenreich steht auf www.merve.de zum kostenlosen download.
Blobjektivismus und Kunst (Christoph Cox)
(Terry Horgan, Matjaž Potrč)
Absolutes Spektakel Pessimismus und Realismus (McKenzie Wark)
(Eugene Thacker)
Grund zur Zerstörung der zeitgenössischen Kunst (Suhail Malik)
Das Idiotenparadigma (Matthew Poole)
Die Vernunft ist untröstlich und unversöhnlich
(Ray Brassier, Suhail Malik)
Supprematistische Ontologie und das Ultra Deep Field-Problem:
(Iain Hamilton Grant)
die Wirksamkeit des Begriffs Repräsentation verboten: Verteidigung der Repräsentation
(Tristan Garcia)
Begriff ohne Differenz: das Problem des Generischen
(Amanda Beech)
Geographien der Zeit (die letzten Bilder) (Trevor Paglen)
Rechengestützte Infrastrukturen und Ästhetik
(Nick Srnicek)
Real Noise Acts – Reale Geräuschakte
(Mikko Canini)
Die synthetische Kritik des ästhetischen Urteils
(Reza Negarestani)
Was macht den heutigen Realismus so anders, so anziehend?
(Joao Ribas)
Die Technologie der Zukunft (Elie Ayache)
ISBN: 978-3-88396-194-1
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IMD 426 Daniel Defert
IMD 427 Félix Guattari
Ein politisches Leben
Schriften zur Kunst
240 S. · 22,- Eur · ISBN 978-3-88396-370-9 · September 2015
aus dem Französischen von Ronald Voullié
ca. 180 S. · ca. 17,- Eur · ISBN 978-3-88396-371-6 · Nov 2015
hrsg. von Henning Schmidgen
übers. von Ronald Voullié
Vorwort
Die postmoderne Sackgasse
1. Wo ein Leben beginnt
Die Nacht / der Tag
2. Die Entdeckung des politischen Engagements
Fromanger – Cythère ville nouvelle
3. Die 1968er Jahre, die Gauche Prolétarienne
Cracks in the street
4. Der Moment GIP
Matta - Östrus
5. Neue Fronten
Jean-Jacques Lebel – Maler der Transversalität
6. Das Gründungsereignis
Der vergessene Brief
7. Die Entstehung von AIDES
Singularisierung und Stil - Shin Takamatsu
8. Konfrontation
David Wojnarowicz
9. Der landesweite Aufschwung von AIDES
Die Gesichtlichkeitsmaschine von Keiichi Tahara
10. Den Stab weitergeben
Die Machinationen des Lichts von Keiichi Tahara
Zum Abschluss
Piotr Kowalski – Gespräch mit Félix Guattari
Brief von Daniel Defert an einige Freunde
George Condo
Chronologie von Aids
Toshimitsu Imai, Maler der Chaosmose
Daniel Defert (*1937) zieht 1960 zum Studieren nach Paris, er unterstützt die algerische Befreiungsbewegung, lernt Michel ­ Foucault
kennen und wird sein Lebensgefährte, arbeitet mit ihm in der Antiknast-Gruppe Gip und gründet 1984 nach dem Tod von Foucault
AIDES, die bis heute größte Organisation zur Unterstützung von
HIV-positiven und an Aids erkrankten Menschen in Frankreich.
In Gesprächen mit Philippe Artières und Éric Favereau zeichnet
Daniel Defert seinen Lebensweg nach, in dem sich Politik und Persönliches stets unauflöslich miteinander verschränken.
Klangdenken ISBN: 978-3-88396-242-9
Deutschland: Prolit
Monika Pankratz
Siemensstr. 16
D-35463 Fernwald
Tel. +49-641-9439322
Fax +49-641-9439199
[email protected]
Neuerscheinungen, in absehbarer Zeit erscheinendes
und bereits fast vollständig vorliegendes Geplantes
sowie gerade relevante Titel
unserer Backlist.
Es ist nicht mehr so, wie es mal war: über die Immaterialität
der Materie und die Realität von Beziehungen (James Ladyman)
ISBN: 978-3-88396-260-3
Auslieferungen
MERVE RUNDSCHAU 2015
Realismus | Materialismus | Kunst
Gespräch mit Takis
Félix Guattari (1930-1992), (Anti-)Psychoanalytiker und mit Gilles
Deleuze Autor von Anti-Ödipus und Tausend Plateaus.
213 S. · 14,- Eur · ISBN 978-3-88396-169-9 · erschienen 2001
In den Interviews „Kaputt“ spricht Rainald Goetz über seine fünfbändige Gegenwartsgeschichte Heute Morgen. Die gemeinsame
Arbeit an dem Westbam-Buch Mix, Cuts & Scratches , das 1997
bei Merve erschien, hat das Heute-Morgen-Projekt vorbereitet. Mit
dem Jahrzehnt der schönen Frauen erscheint dazu auf der anderen Seite des Ganzen jetzt ein Abschlussband.
IMD 204 Westbam, Rainald Goetz
Mix, Cuts & Scratches
159 S. · 11,- Eur · ISBN 978-3-88396-136-1 · erschienen 1997
Westbam spricht. – In eigenen Texten, im Interview mit Rainald
Goetz. Es geht um die Kunst, die Arbeit, die Praxis, die Musik, das
Leben des DJ. Gedanken, Anekdoten, Aufgesprochenes, Gefundenes und Ausgedachtes. Mix, Cuts & Scratches
Rainald Goetz ist Georg-Büchner Preisträger 2015.
IMD 431 Markus Miessen
Making of Finance
Crossbenching
Beiträge von: Elie Ayache, Haim Bodek, Philippe ­ Henrotte,
Rishi K. Narang, Edward O. Thorp
Armen Avanessian, Gerald Nestler (Hg.)
SPEKULATIONEN
136 S. · 14,- Eur · ISBN 978-3-88396-374-7 · Juni 2015
aus dem Englischen von Jacqueline Csuss und Gerald Nestler
ca. 60 S. · ca. 6,- Eur · ISBN 978-3-88396-375-4
aus dem Englischen von Ronald Voullié
Einleitung
Avanessian/Nestler
Karten auf den Tisch
Ein Gespräch mit Haim Bodek
High-Frequency Trading
Rishi K. Narang
Die Zukunft handeln
Ein Gespräch mit Elie Ayache & Philippe Henrotte
Der vorliegende Band versammelt Erfahrungsberichte von
Akteuren, die seit langem direkt im Geschehen am Finanzmarkt
involviert sind, die dessen (Entstehungs )Geschichte nicht nur kennen oder miterlebt, sondern mitgeschrieben haben. Zum Sprechen
bringt dieses Buch also die Produzenten und Hersteller unserer
gegenwärtigen (Finanz-)Welt, und nicht ihre kritischen Beobachter – um den alten und weiterhin gültigen Gegensatz von poiesis
(Produktion, Her-Stellung) und bloßer aisthesis zu aktualisieren.
Existentielles Experimentieren
Nachwort des Herausgebers H. Schmidgen
Guattari zufolge kommt der Kunst in diesem Zusammenhang
besondere Bedeutung zu. Zwar läuft sie als Institution immer
Gefahr, durch die kapitalistische Subjektivität »plattgewalzt« zu
werden. Als existenzieller Prozess aber umreißt sie »Zonen des
Widerstands« gegen die vorherrschenden Spielarten des IchDesigns. Das ist der Kern des ästhetischen Paradigmas: Die Heterogenesen der Kunst beziehen Stellung gegen die kapitalistische
Homogenese.
Jahrzehnt der schönen Frauen
IMD 430
Über Maschinen und Menschen
Subjektivität ist das Ergebnis eines Produktionsprozesses, der
fortwährend von kollektiven Instanzen getragen wird: Institutionen,
Parteien, Medien, Talkshows, Ausstellungen, Psychotherapien...
IMD 236 Rainald Goetz
In der Reihe SPEKULATIONEN und als Beiträge zum Denken des
Akzelerationismus sind in den letzten Jahren folgende Titel bei
Merve erschienen:
IMD 425
dea ex machina
IMD 420
R | M | K
IMD 415
#Akzeleration#2
IMD 407
Metanoia
IMD 406
#Akzeleration
IMD 399 Abyssus Intellectualis
IMD 396
Non-Photografie
IMD 347
Realismus Jetzt
15,- Eur
24,- Eur
14,- Eur
20,- Eur
10,- Eur
25,- Eur
20,- Eur
22,- Eur
ISBN: 978-3-88396-369-3
ISBN: 978-3-88396-364-8
ISBN: 978-3-88396-359-4
ISBN: 978-3-88396-351-8
ISBN: 978-3-88396-350-1
ISBN: 978-3-88396-342-6
ISBN: 978-3-88396-339-6
ISBN: 978-3-88396-285-6
Januar 2016
Die Betrachtung von Raumkulturen und Alltagsrealitäten der
Raumproduktion nimmt einen anderen Weg als die normativen
architektonischen und urbanistischen Diskurse. Sie wird zu einer
allgemeineren Fragestellung, beschäftigt sich aber gleichzeitig mit
ganz bestimmten eingebetteten schöpferischen Praktiken. Dadurch
können die vertrauten Diskurse der Architektur und des Urbanismus erweitert und Möglichkeiten für die Erforschung von Alternativen und Mischformen der Praxis gefunden werden. Einige diese
Praktiken haben das Potential für eine Zusammenarbeit, bei der
oft die Grenzen zwischen scheinbar nicht zusammenhängenden
Wissensbereichen verwischt werden.
Die Form der Zeitarbeit, Interventionen im Raum, die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen oder eine Lektüre der
Europäischen Union werden zu einem Laboratorium für die Wiederankurbelung der Demokratie durch den Raum. Solche offensiven Ansätze führen zu Ausblicken in die Zukunft, die mit dem
Mythos aufräumen, es seien hauptsächlich Architekten und Stadtplaner, die über die räumlichen Wirkkräfte gebieten.
Architektur als praktischer Umgang mit dem Raum kennzeichnet
eine dem Raum eigene Besonderheit, die bis in die Antike zurückreicht. Was einst als Aufgabe der Architekten betrachtet wurde,
könnte heute als neue »Kultur des Raumes« beschrieben werden.
Während früher ein Großteil der architektonischen Produktion vom
Architekten als Einzelarbeiter stammte, beschäftigt sich jetzt eine
wachsende Zahl von Praktikern und Theoretikern aktiv mit der
Schaffung der Voraussetzungen für eine breitere Politik der Wahl
von Standorten und der Berücksichtigung von situativen Bedingungen. Diese Praktiken mögen marginal erscheinen, aber sie
haben konkrete Auswirkungen.
Markus Miessen (*1978), Architekt und Autor. Seine Arbeit kreist
um Fragen zu kritischen Raumpraktiken, zum Aufbau von Institutionen und zur Raumpolitik. [www.studiomiessen.com]
Siehe auch: Markus Miessen, Alptraum Partizipation, 2012,
IMD 339, ISBN: 978-3-88396-277-1.
X
E
N
Z
E
R
O
Ours is a world in vertigo. It is a world that swarms with
technological mediation, interlacing our daily lives with
abstraction, virtuality, and complexity. XF constructs a
feminism adapted to these realities: a feminism of unprecedented
cunning, scale, and vision; a future in which the realization of
gender justice and feminist emancipation contribute to a universalist
politics assembled from the needs of every human, cutting across
race, ability, economic standing, and geographical position. No
more futureless repetition on the treadmill of capital, no more
submission to the drudgery of labour, productive and reproductive
alike, no more reification of the given masked as critique. Our
future requires depetrification. XF is not a bid for revolution, but a
wager on the long game of history, demanding imagination,
dexterity and persistence.
XF seizes alienation as an impetus to generate new
worlds. We are all alienated – but have we ever been
otherwise? It is through, and not despite, our alienated
condition that we can free ourselves from the muck of immediacy.
Freedom is not a given – and it's certainly not given by anything
'natural'. The construction of freedom involves not less but more
alienation; alienation is the labour of freedom‘s construction.
Nothing should be accepted as fixed, permanent, or 'given' – neither
material conditions nor social forms. XF mutates, navigates and
probes every horizon. Anyone who's been deemed 'unnatural' in
the face of reigning biological norms, anyone who's experienced
injustices wrought in the name of natural order, will realize that the
glorification of 'nature' has nothing to offer us – the queer and trans
among us, the differently-abled, as well as those who have suffered
discrimination due to pregnancy or duties connected to childrearing. XF is vehemently anti-naturalist. Essentialist naturalism
reeks of theology – the sooner it is exorcised, the better.
Why is there so little explicit, organized effort to
repurpose technologies for progressive gender political
ends? XF seeks to strategically deploy existing
technologies to re-engineer the world. Serious risks are built into
these tools; they are prone to imbalance, abuse, and exploitation
of the weak. Rather than pretending to risk nothing, XF advocates
the necessary assembly of techno-political interfaces responsive
to these risks. Technology isn't inherently progressive. Its uses are
fused with culture in a positive feedback loop that makes linear
sequencing, prediction, and absolute caution impossible.
Technoscientific innovation must be linked to a collective theoretical
and political thinking in which women, queers, and the gender
non-conforming play an unparalleled role.
The real emancipatory potential of technology remains
unrealized. Fed by the market, its rapid growth is offset
by bloat, and elegant innovation is surrendered to the
buyer, whose stagnant world it decorates. Beyond the noisy clutter
of commodified cruft, the ultimate task lies in engineering
technologies to combat unequal access to reproductive and
pharmacological tools, environmental cataclysm, economic
instability, as well as dangerous forms of unpaid/underpaid labour.
Gender inequality still characterizes the fields in which our
technologies are conceived, built, and legislated for, while female
workers in electronics (to name just one industry) perform some of
the worst paid, monotonous and debilitating labour. Such injustice
demands structural, machinic and ideological correction.
Xenofeminism is a rationalism. To claim that reason or
rationality is 'by nature' a patriarchal enterprise is to
concede defeat. It is true that the canonical ‚history of
thought‘ is dominated by men, and it is male hands we see
throttling existing institutions of science and technology. But this
is precisely why feminism must be a rationalism – because of this
miserable imbalance, and not despite it. There is no 'feminine'
rationality, nor is there a ‚masculine‘ one. Science is not an
expression but a suspension of gender. If today it is dominated by
masculine egos, then it is at odds with itself – and this contradiction
can be leveraged. Reason, like information, wants to be free, and
patriarchy cannot give it freedom. Rationalism must itself be a
feminism. XF marks the point where these claims intersect in a
two-way dependency. It names reason as an engine of feminist
emancipation, and declares the right of everyone to speak as no
one in particular.
I
N
T
E
R
R
U
P
T
The excess of modesty in feminist agendas of recent
decades is not proportionate to the monstrous
complexity of our reality, a reality crosshatched with
fibre-optic cables, radio and microwaves, oil and gas pipelines,
aerial and shipping routes, and the unrelenting, simultaneous
execution of millions of communication protocols with every
passing millisecond. Systematic thinking and structural analysis
have largely fallen by the wayside in favour of admirable, but
insufficient struggles, bound to fixed localities and fragmented
insurrections. Whilst capitalism is understood as a complex and
ever-expanding totality, many would-be emancipatory anticapitalist projects remain profoundly fearful of transitioning to the
universal, resisting big-picture speculative politics by condemning
them as necessarily oppressive vectors. Such a false guarantee
treats universals as absolute, generating a debilitating disjuncture
between the thing we seek to depose and the strategies we
advance to depose it.
Global complexity opens us to urgent cognitive and
ethical demands. These are Promethean responsibilities that cannot pass unaddressed. Much of twentyfirst century feminism – from the remnants of postmodern identity
politics to large swathes of contemporary ecofeminism – struggles
to adequately address these challenges in a manner capable of
producing substantial and enduring change. Xenofeminism
endeavours to face up to these obligations as collective agents
capable of transitioning between multiple levels of political, material
and conceptual organization.
We are adamantly synthetic, unsatisfied by analysis
alone. XF urges constructive oscillation between
description and prescription to mobilize the recursive
potential of contemporary technologies upon gender, sexuality
and disparities of power. Given that there are a range of gendered
challenges specifically relating to life in a digital age – from sexual
harassment via social media, to doxxing, privacy and the protection
of online images – the situation requires a feminism at ease with
computation. Today, it is imperative that we develop an ideological
infrastructure that both supports and facilitates feminist
O
F
E
interventions within connective, networked elements of the
contemporary world. Xenofeminism is about more than digital
self-defence and freedom from patriarchal networks. We want to
cultivate the exercise of positive freedom – freedom-to rather than
simply freedom-from – and urge feminists to equip themselves
with the skills to redeploy existing technologies and invent novel
cognitive and material tools in the service of common ends.
The radical opportunities afforded by developing (and
alienating) forms of technological mediation should no
longer be put to use in the exclusive interests of capital,
which, by design, only benefits the few. There are incessantly
proliferating tools to be annexed, and although no one can claim
their comprehensive accessibility, digital tools have never been
more widely available or more sensitive to appropriation than they
are today. This is not an elision of the fact that a large amount of
the world‘s poor is adversely affected by the expanding
technological industry (from factory workers labouring under
abominable conditions to the Ghanaian villages that have become
a repository for the e-waste of the global powers) but an explicit
acknowledgement of these conditions as a target for elimination.
Just as the invention of the stock market was also the invention of
the crash, Xenofeminism knows that technological innovation must
equally anticipate its systemic condition responsively.
T
R
A
P
XF rejects illusion and melancholy as political
inhibitors. Illusion, as the blind presumption that the
weak can prevail over the strong with no strategic
coordination, leads to unfulfilled promises and unmarshalled
drives. This is a politics that, in wanting so much, ends up building
so little. Without the labour of large-scale, collective social
organisation, declaring one's desire for global change is nothing
more than wishful thinking. On the other hand, melancholy – so
endemic to the left – teaches us that emancipation is an extinct
species to be wept over and that blips of negation are the best we
can hope for. At its worst, such an attitude generates nothing but
political lassitude, and at its best, installs an atmosphere of
pervasive despair which too often degenerates into factionalism
and petty moralizing. The malady of melancholia only compounds
political inertia, and – under the guise of being realistic –
relinquishes all hope of calibrating the world otherwise. It is against
such maladies that XF inoculates.
We take politics that exclusively valorize the local in
the guise of subverting currents of global abstraction,
to be insufficient. To secede from or disavow capitalist
machinery will not make it disappear. Likewise, suggestions to pull
the lever on the emergency brake of embedded velocities, the call
to slow down and scale back, is a possibility available only to the
few – a violent particularity of exclusivity – ultimately entailing
catastrophe for the many. Refusing to think beyond the
microcommunity, to foster connections between fractured
insurgencies, to consider how emancipatory tactics can be scaled
up for universal implementation, is to remain satisfied with
temporary and defensive gestures. XF is an affirmative creature
on the offensive, fiercely insisting on the possibility of large-scale
social change for all of our alien kin.
A sense of the world‘s volatility and artificiality seems
to have faded from contemporary queer and feminist
politics, in favour of a plural but static constellation of
gender identities, in whose bleak light equations of the good and
the natural are stubbornly restored. While having (perhaps)
admirably expanded thresholds of ‚tolerance‘, too often we are told
to seek solace in unfreedom, staking claims on being ‚born‘ this
way, as if offering an excuse with nature's blessing. All the while,
the heteronormative centre chugs on. XF challenges this centrifugal
referent, knowing full well that sex and gender are exemplary of
the fulcrum between norm and fact, between freedom and
compulsion. To tilt the fulcrum in the direction of nature is a
defensive concession at best, and a retreat from what makes trans
and queer politics more than just a lobby: that it is an arduous
assertion of freedom against an order that seemed immutable.
Like every myth of the given, a stable foundation is fabulated for a
real world of chaos, violence, and doubt. The 'given' is sequestered
into the private realm as a certainty, whilst retreating on fronts of
public consequences. When the possibility of transition became
real and known, the tomb under Nature‘s shrine cracked, and new
histories – bristling with futures – escaped the old order of 'sex'.
The disciplinary grid of gender is in no small part an attempt to
mend that shattered foundation, and tame the lives that escaped
it. The time has now come to tear down this shrine entirely, and not
bow down before it in a piteous apology for what little autonomy
has been won.
If 'cyberspace' once offered the promise of escaping
the strictures of essentialist identity categories, the
climate of contemporary social media has swung
forcefully in the other direction, and has become a theatre where
these prostrations to identity are performed. With these curatorial
practices come puritanical rituals of moral maintenance, and
these stages are too often overrun with the disavowed pleasures
of accusation, shaming, and denunciation. Valuable platforms
for connection, organization, and skill-sharing become clogged
with obstacles to productive debate positioned as if they are
debate. These puritanical politics of shame – which fetishize
oppression as if it were a blessing, and cloud the waters in
moralistic frenzies – leave us cold. We want neither clean hands
nor beautiful souls, neither virtue nor terror. We want superior
forms of corruption.
What this shows is that the task of engineering
platforms for social emancipation and organization
cannot ignore the cultural and semiotic mutations
these platforms afford. What requires reengineering are the
memetic parasites arousing and coordinating behaviours in ways
occluded by their hosts' self-image; failing this, memes like
'anonymity', 'ethics', 'social justice' and 'privilege-checking' host
social dynamisms at odds with the often-commendable intentions
with which they're taken up. The task of collective self-mastery
requires a hyperstitional manipulation of desire‘s puppet-strings,
and deployment of semiotic operators over a terrain of highly
networked cultural systems. The will will always be corrupted by
the memes in which it traffics, but nothing prevents us from
instrumentalizing this fact, and calibrating it in view of the ends it
desires.
M
I
N
P
A
R
I
T
Y
Xenofeminism
is
gender-abolitionist.
'Gender
abolitionism' is not code for the eradication of what are
currently considered 'gendered' traits from the human
population. Under patriarchy, such a project could only spell
disaster – the notion of what is ‚gendered‘ sticks disproportionately
to the feminine. But even if this balance were redressed, we have
no interest in seeing the sexuate diversity of the world reduced.
Let a hundred sexes bloom! 'Gender abolitionism' is shorthand for
the ambition to construct a society where traits currently assembled
under the rubric of gender, no longer furnish a grid for the
asymmetric operation of power. 'Race abolitionism' expands into a
similar formula – that the struggle must continue until currently
racialized characteristics are no more a basis of discrimination
than than the color of one's eyes. Ultimately, every emancipatory
abolitionism must incline towards the horizon of class abolitionism,
since it is in capitalism where we encounter oppression in its
transparent, denaturalized form: you‘re not exploited or oppressed
because you are a wage labourer or poor; you are a labourer or
poor because you are exploited.
Xenofeminism understands that the viability of
emancipatory abolitionist projects – the abolition of
class, gender, and race – hinges on a profound
reworking of the universal. The universal must be grasped as
generic, which is to say, intersectional. Intersectionality is not the
morcellation of collectives into a static fuzz of cross-referenced
identities, but a political orientation that slices through every
particular, refusing the crass pigeonholing of bodies. This is not a
universal that can be imposed from above, but built from the bottom
up – or, better, laterally, opening new lines of transit across an
uneven landscape. This non-absolute, generic universality must
guard against the facile tendency of conflation with bloated,
unmarked particulars – namely Eurocentric universalism – whereby
the male is mistaken for the sexless, the white for raceless, the cis
for the real, and so on. Absent such a universal, the abolition of
class will remain a bourgeois fantasy, the abolition of race will
remain a tacit white-supremacism, and the abolition of gender will
remain a thinly veiled misogyny, even – especially – when
prosecuted by avowed feminists themselves. (The absurd and
reckless spectacle of so many self-proclaimed ‚gender abolitionists‘‘
campaign against trans women is proof enough of this. )
From the postmoderns, we have learnt to burn the
facades of the false universal and dispel such
confusions; from the moderns, we have learnt to sift
new universals from the ashes of the false. Xenofeminism seeks
to construct a coalitional politics, a politics without the infection of
purity. Wielding the universal requires thoughtful qualification and
precise self-reflection so as to become a ready-to-hand tool for
multiple political bodies and something that can be appropriated
against the numerous oppressions that transect with gender and
sexuality. The universal is no blueprint, and rather than dictate its
uses in advance, we propose XF as a platform. The very process
of construction is therefore understood to be a negentropic,
iterative, and continual refashioning. Xenofeminism seeks to be a
mutable architecture that, like open source software, remains
available for perpetual modification and enhancement following
the navigational impulse of militant ethical reasoning. Open,
however, does not mean undirected. The most durable systems in
the world owe their stability to the way they train order to emerge
as an 'invisible hand' from apparent spontaneity; or exploit the
inertia of investment and sedimentation. We should not hesitate
to learn from our adversaries or the successes and failures of
history. With this in mind, XF seeks ways to seed an order that is
equitable and just, injecting it into the geometry of freedoms these
platforms afford.
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Our lot is cast with technoscience, where nothing is so
sacred that it cannot be reengineered and transformed
so as to widen our aperture of freedom, extending to
gender and the human. To say that nothing is sacred, that nothing
is transcendent or protected from the will to know, to tinker and to
hack, is to say that nothing is supernatural. 'Nature' – understood
here, as the unbounded arena of science – is all there is. And so,
in tearing down melancholy and illusion; the unambitious and the
non-scaleable; the libidinized puritanism of certain online cultures,
and Nature as an un-remakeable given, we find that our normative
anti-naturalism has pushed us towards an unflinching ontological
naturalism. There is nothing, we claim, that cannot be studied
scientifically and manipulated technologically.
This does not mean that the distinction between the
ontological and the normative, between fact and value,
is simply cut and dried. The vectors of normative antinaturalism and ontological naturalism span many ambivalent
battlefields. The project of untangling what ought to be from what
is, of dissociating freedom from fact, will from knowledge, is,
indeed, an infinite task. There are many lacunae where desire
confronts us with the brutality of fact, where beauty is indissociable
from truth. Poetry, sex, technology and pain are incandescent with
this tension we have traced. But give up on the task of revision,
release the reins and slacken that tension, and these filaments
instantly dim.
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The potential of early, text-based internet culture for
countering repressive gender regimes, generating
solidarity among marginalised groups, and creating
new spaces for experimentation that ignited cyberfeminism in the
nineties has clearly waned in the twenty-first century. The
dominance of the visual in today‘s online interfaces has reinstated
familiar modes of identity policing, power relations and gender
norms in self-representation. But this does not mean that
cyberfeminist sensibilities belong to the past. Sorting the subversive
possibilities from the oppressive ones latent in today‘s web requires
a feminism sensitive to the insidious return of old power structures,
yet savvy enough to know how to exploit the potential. Digital
technologies are not separable from the material realities that
underwrite them; they are connected so that each can be used to
alter the other towards different ends. Rather than arguing for the
primacy of the virtual over the material, or the material over the
virtual, xenofeminism grasps points of power and powerlessness
in both, to unfold this knowledge as effective interventions in our
jointly composed reality.
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Intervention in more obviously material hegemonies is
just as crucial as intervention in digital and cultural
ones. Changes to the built environment harbour some
of the most significant possibilities in the reconfiguration of the
horizons of women and queers. As the embodiment of ideological
constellations, the production of space and the decisions we make
for its organization are ultimately articulations about 'us' and
reciprocally, how a 'we' can be articulated. With the potential to
foreclose, restrict, or open up future social conditions, xenofeminists
must become attuned to the language of architecture as a
vocabulary for collective choreo-graphy – the coordinated writing
of space.
From the street to the home, domestic space too must
not escape our tentacles. So profoundly ingrained,
domestic space has been deemed impossible to
disembed, where the home as norm has been conflated with home
as fact, as an un-remakeable given. Stultifying 'domestic realism'
has no home on our horizon. Let us set sights on augmented homes
of shared laboratories, of communal media and technical facilities.
The home is ripe for spatial transformation as an integral component
in any process of feminist futurity. But this cannot stop at the garden
gates. We see too well that reinventions of family structure and
domestic life are currently only possible at the cost of either
withdrawing from the economic sphere – the way of the commune
– or bearing its burdens manyfold – the way of the single parent. If
we want to break the inertia that has kept the moribund figure of the
nuclear family unit in place, which has stubbornly worked to isolate
women from the public sphere, and men from the lives of their
children, while penalizing those who stray from it, we must overhaul
the material infrastructure and break the economic cycles that lock
it in place. The task before us is twofold, and our vision necessarily
stereoscopic: we must engineer an economy that liberates
reproductive labour and family life, while building models of
familiality free from the deadening grind of wage labour.
From the home to the body, the articulation of a
proactive politics for biotechnical intervention and
hormones presses. Hormones hack into gender
systems possessing political scope extending beyond the aesthetic
calibration of individual bodies. Thought structurally, the distribution
of hormones – who or what this distribution prioritizes or pathologizes
– is of paramount import. The rise of the internet and the hydra of
black market pharmacies it let loose – together with a publicly
accessible archive of endocrinological knowhow – was instrumental
in wresting control of the hormonal economy away from ‘gatekeeping’
institutions seeking to mitigate threats to established distributions
of the sexual. To trade in the rule of bureaucrats for the market is,
however, not a victory in itself. These tides need to rise higher. We
ask whether the idiom of 'gender hacking' is extensible into a longrange strategy, a strategy for wetware akin to what hacker culture
has already done for software – constructing an entire universe of
free and open source platforms that is the closest thing to a
practicable communism many of us have ever seen. Without the
foolhardy endangerment of lives, can we stitch together the
embryonic promises held before us by pharmaceutical 3D printing
('Reactionware'), grassroots telemedical abortion clinics, gender
hacktivist and DIY-HRT forums, and so on, to assemble a platform
for free and open source medicine?
From the global to the local, from the cloud to our
bodies, xenofeminism avows the responsibility in
constructing new institutions of technomaterialist
hegemonic proportions. Like engineers who must conceive of a
total structure as well as the molecular parts from which it is
constructed, XF emphasises the importance of the mesopolitical
sphere against the limited effectiveness of local gestures, creation
of autonomous zones, and sheer horizontalism, just as it stands
against transcendent, or top-down impositions of values and
norms. The mesopolitical arena of xenofeminism's universalist
ambitions comprehends itself as a mobile and intricate network of
transits between these polarities. As pragmatists, we invite
contamination as a mutational driver between such frontiers.
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XF asserts that adapting our behaviour for an era of
Promethean complexity is a labour requiring patience,
but a ferocious patience at odds with 'waiting'.
Calibrating a political hegemony or insurgent memeplex not only
implies the creation of material infra-structures to make the values
it articulates explicit, but places demands on us as subjects. How
are we to become hosts of this new world? How do we build a
better semiotic parasite – one that arouses the desires we want to
desire, that orchestrates not an autophagic orgy of indignity or
rage, but an emancipatory and egalitarian community buttressed
by new forms of unselfish solidarity and collective self-mastery?
Is xenofeminism a programme? Not if this means
anything so crude as a recipe, or a single-purpose tool
by which a determinate problem is solved. We prefer
to think like the schemer or lisper, who seeks to construct a new
language in which the problem at hand is immersed, so that
solutions for it, and for any number of related problems, might
unfurl with ease. Xenofeminism is a platform, an incipient ambition
to construct a new language for sexual politics – a language that
seizes its own methods as materials to be reworked, and
incrementally bootstraps itself into existence. We understand that
the problems we face are systemic and interlocking, and that any
chance of global success depends on infecting myriad skills and
contexts with the logic of XF. Ours is a transformation of seeping,
directed subsumption rather than rapid overthrow; it is a
transformation of deliberate construction, seeking to submerge
the white-supremacist capitalist patriarchy in a sea of procedures
that soften its shell and dismantle its defenses, so as to build a
new world from the scraps.
Xenofeminism indexes the desire to construct an alien
future with a triumphant X on a mobile map. This X
does not mark a destination. It is the insertion of a
topological-keyframe for the formation of a new logic. In affirming
a future untethered to the repetition of the present, we militate for
ampliative capacities, for spaces of freedom with a richer geometry
than the aisle, the assembly line, and the feed. We need new
affordances of perception and action unblinkered by naturalised
identities. In the name of feminism, 'Nature' shall no longer be a
refuge of injustice, or a basis for any political justification
whatsoever! If nature is unjust, change nature!
Laboria Cuboniks – 2015
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Unsere Wirklichkeit ist eine zunehmend schwindelerregende. Abstraktion, Virtualität und Komplexität
sind untrennbar in unsere täglichen Leben verwickelt,
was einen Feminismus erfordert, der an diese Realitäten angepasst ist; ein Feminismus von nie da gewesener Gerissenheit,
Dimension und Vision. Wir wünschen uns eine Zukunft, in der die
Verwirklichung von Geschlechtergerechtigkeit und feministischer
Emanzipation ein universeller Zustand ist, der sich aus den Bedürfnissen aller Menschen zusammenfügt, unabhängig von Rassifizierung, Befähigung, ökonomischem Stand oder geographischem
Ort. Wir weigern uns, die zukunftslose Wiederholung der Gegenwart zu akzeptieren, die von Kapital, Staat und der trostlosen Tretmühle der Reproduktionsarbeit umgrenzt wird. XF ist kein
Revolutionsgesuch, sondern eine geschickte Wette um das lange
Spiel der Geschichte, das der Vorstellungskraft und Beharrlichkeit
bedarf.
Anstatt in dem beschränkten Bereich der mikropolitischen Intervention zu verharren oder in vereinfachenden Fantasien von einer Rückkehr in eine
idealisierte „natürliche Authentizität“ zu schmachten, begreift
­Xenofeminismus die Entfremdung als erzeugenden Anstoß. Wir
sind alle entfremdet. War das jemals anders? Wegen – und nicht
trotz – unserer entfremdeten Situation können wir uns vom
Schmodder der Unmittelbarkeit befreien. Freiheit ist nichts Gegebenes und ganz sicher keine „natürliche“ Gegebenheit. Entfremdung ist eine Wirkung und Funktion der Möglichkeit, Freiheit
aufzubauen. Das „Gegebene“ ist beweglich. Nichts ist starr. Alles
ist für radikale Veränderung empfänglich – materielle Bedingungen
ebenso wie gesellschaftliche Formen. Der bewegliche Boden von
XF bedingt eine pragmatische, semi-poröse Ontologie, in der die
intellektuelle Sklerose der Akademie und der Stillstand von Kritik
ersetzt werden durch Mutation, Navigation und das Erproben von
Horizonten. Die Queers und die Trans*-Menschen unter uns, sowie
jene, die aufgrund von Schwangerschaft oder Pflichten in Verbindung mit dem Großziehen von Kindern diskriminiert worden sind,
(von der Gesellschaft) behinderte Menschen und alle, die angesichts der herrschenden biologischen Normen für „unnatürlich“
gehalten werden, haben Ungerechtigkeiten im Namen der natürlichen Ordnung erlebt. XF ist vehement anti-naturalistisch. Essentialistischer Naturalismus ist nichts als ein kruder theologischer
Kater – und je früher er ausgetrieben wird, desto besser.
Seit dem vorzeitigen Niedergang des Cyberfeminismus hat es wenig ausdrückliche, organisierte Bemühungen gegeben, Technologien für fortschrittliche
geschlechterpolitische Zwecke umzunutzen. XF macht auf diese
Lücke aufmerksam und ruft zur strategischen Nutzung bestehender Technologien für eine Umgestaltung der Welt unter den gegebenen Umständen auf. Dies geschiet jedoch nicht ohne Vorbehalt.
Die von uns angerufenen Verfahren beinhalten ernsthafte Risiken;
gewiss sind sie anfällig für Ungleichgewicht, Missbrauch und Ausbeutung der Schwachen. Xenofeminismus erfordert die Herstellung erweiterter politischer Schnittstellen zwischen Technologien
und ihrer den Risiken entsprechenden Nutzung, lehnt aber kategorisch die noch größere Gefahr ab, vermeintlich nichts zu riskieren.
Technik ist nie inhärent fortschrittlich; ihre Anwendungen sind in
einer positiven Rückkopplungsschleife des wechselseitigen Einflusses mit Kultur verschmolzen, die die lineare Sequenzierung
verweigert. Dass die technowissenschaftliche Innovation durch ein
andauerndes Programm der kollektiven, epistemologischen und
politischen Entwicklung bedingt sein muss, in der Frauen, queere
Menschen und die Geschlechtsunkonformen eine unersetzliche
Rolle spielen, erklären wir zur grundlegenden Notwendigkeit.
Das wahre emanzipatorische Potential von Technik
bleibt unrealisiert. Statt der endlosen Vermehrung
technischer Spielereien liegt die eigentliche Aufgabe
in der Entwicklung von Technologien, die den ungleichen Zugang
zu reproduktiven und pharmakologischen Werkzeugen, ökologische Katastrophen, ökonomische Instabilität sowie gefährliche
Formen der unbezahlten/unterbezahlten Arbeit bekämpfen können. Die Bereiche, in denen unsere Technologien erdacht, gebaut
und gesetzlich eingebunden werden zeichnen sich noch immer
durch Geschlechterungleichheit aus, Arbeiterinnen in der Elektronik (um nur eine Industrie zu nennen) führen einige der schlechtbezahltesten, monotonsten und belastendsten Arbeiten aus.
Solche Ungerechtigkeit erfordert strukturelle, maschinelle und
ideologische Korrekturen.
Xenofeminismus ist ein Rationalismus. Wir lehnen die
These ab, derzufolge Vernunft oder Rationalität „von
Natur aus“ ein ausschließlich patriarchales Unterfangen ist und sein kann. Nicht trotz der historischen Verknüpfung
von Rationalität mit Männlichkeit, sondern wegen dieses elenden
Ungleichgewichts, muss Feminismus ein Rationalismus sein. Wir
weigern uns, daran zu glauben, dass Naturwissenschaften ein
Ausdruck statt ein Aussetzen von Geschlecht bedeuten. Wenn die
bestehende TechnoWissenschaft von männlichen Egos dominiert
wird, dann steht sie im Widerspruch zu sich selbst, und dieser
Widerspruch kann wirksam eingesetzt werden. Durch den
Anspruch auf Vernunft als Motor der feministischen Emanzipation
des einundzwanzigsten Jahrhunderts erklärt Xenofeminismus das
Recht für alle, als niemand Bestimmtes zu sprechen.
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Der Exzess der Bescheidenheit in feministischen
Agenden der vergangenen Jahrzehnte steht in keinem
Verhältnis zu der monströsen Komplexität unserer
Wirklichkeit, ihren Überschneidungen mit Glasfaserkabeln, Radiound Mikrowellen, Öl- und Gas-Pipelines, Luft- und Schifffahrtsrouten sowie der unablässigen, gleichzeitigen Ausführung von
Millionen von Kommunikationsprotokollen mit jeder vergehenden
Millisekunde. Zugunsten von zwar bewundernswerten, jedoch
nicht ausreichenden Kämpfen, die an lokal begrenzte und vereinzelte Aufstände gebunden sind, sind systemisches Denken und
strukturelle Analyse weitgehend auf der Strecke geblieben. Während Kapitalismus als komplexe und stetig wachsende Totalität
verstanden wird, bleiben viele angeblich emanzipatorische, antikapitalistische Projekte zutiefst ängstlich vor einem Sprung ins
Universelle und lehnen spekulative Politiken des großen Ganzen
als „notwendigerweise“ unterdrückende Vektoren ab. Solch eine
falsche Gewissheit behandelt Universalien als absolut, was zwischen dem, was wir entthronen wollen und den Strategien, die wir
dafür vorbringen, einen kräftezehrenden Riss erzeugt.
Globale Komplexität öffnet uns für dringende kognitive
und ethische Anforderungen. Dies sind Prometheische
Verantwortungen, denen wir uns stellen müssen. Große
Teile des Feminismus im einundzwanzigsten Jahrhundert – von
den Überbleibseln postmoderner Identitätspolitiken bis zu großen
Teilen des zeitgenössischen Ökofeminismus – haben Schwierigkeiten, diese Herausforderungen auf eine Weise anzugehen, die
substanzielle, andauernde Veränderung hervorbringen kann. Xenofeminismus will sich diesen Verpflichtungen als kollektive Akteur_
innen stellen, die sich zwischen mehreren Ebenen der politischen,
materiellen und konzeptuellen Organisation bewegen können.
Wir sind entschieden synthetisch, unbefriedigt von
bloßer Analyse allein. XF fordert eine konstruktive
Schwingung zwischen Beschreibung und Vorschreibung, um das rekursive Potenzial zeitgenössischer Technologien
auf Geschlechter, Sexualitäten und Machtungleichheiten zu mobilisieren. Angesichts einer Reihe von vergeschlechtlichten Herausforderungen, die speziell mit dem Leben im digitalen Zeitalter
zusammenhängen – sexuelle Belästigung in sozialen Medien,
Doxing, Privatsphäre und Bildschutz – brauchen wir einen Feminismus, der sich mit Computern wohlfühlt. Heute müssen wir eine
ideologische Infrastruktur entwickeln, die feministische Interventionen innerhalb der verbundenen, vernetzten Elemente der gegen-
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wärtigen Welt unterstützt und ermöglicht. Xenofeminismus ­handelt
von mehr als digitaler Selbstverteidigung und der Freiheit von
patriarchalen Netzwerken. Wir machen die Ausübung eines positiven „Freiheit-zu“ statt einer einfachen „Freiheit-von“ geltend und
drängen Feminist_innen dazu, sich selbst mit den Fähigkeiten
auszustatten, bestehende Technologien umzunutzen und neuartige kognitive und materielle Werkzeuge im Dienste gemeinsamer Ziele zu erfinden.
Die radikalen Möglichkeiten, die durch das Entwickeln
(und Entfremden) von Formen der technologischen
Mediation geschaffen werden und von denen mit
Absicht nur wenige profitieren, sollten nicht länger dem bloßen
Interesse des Kapitals zunutze kommen. Die Werkzeuge, die es
sich anzueignen gilt, vermehren sich unablässig, und obwohl niemand deren umfassende Zugänglichkeit behaupten kann, waren
digitale Werkzeuge nie breiter verfügbar oder leichter anzueignen
als heute. Dies ist keine Unterschlagung der Tatsache, dass ein
Großteil der Armen der Welt nachteilig von der expandierenden
Technikindustrie betroffen ist (von den Foxconn-Arbeiter_innen,
die unter furchtbaren Bedingungen IT zusammensetzen, bis zu
den Dörfern in Ghana, die zur Elektroschrottdeponie der Ersten
Welt geworden sind), sondern eine ausdrückliche Anerkennung
dieser Situationen mit dem Ziel ihrer Abschaffung. So wie die
Erfindung des Aktienmarktes auch den Börsensturz erfand, weiß
XF, dass technologische Innovation gleichsam ihre systemischen
Implikationen vorhersehen und für entsprechende Konsequenzen
vorsorgen muss.
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XF verweigert sich den politischen Hemmstoffen der
Illusion und der Melancholie. Illusion, also die verblendete Annahme, dass die Schwachen sich ohne eine
strategische Koordinierung gegen die Starken durchsetzen
könnten, führt zu unerfüllten Versprechen und desorganisierten
Aktionen. Eine solche Politik mündet darin, bei so viel Gewolltem
schlussendlich nur sehr wenig aufzubauen. Ohne die Arbeit der
groß angelegten, kollektiven gesellschaftlichen Organisierung, ist
die Erklärung des eigenen Begehrens für globale Veränderung
nichts weiter als ein Wunschdenken. Die – in der Linken so weit
verbreitete – Melancholie wiederum lehrt uns, dass Emanzipation
eine ausgestorbene Spezies ist, der wir hinterher weinen mögen,
dass situative, kontextbezogene Kritik aber das Beste ist, worauf
wir hoffen können. Im schlimmsten Fall erzeugt eine solche Haltung nichts als politische Trägheit und im besten Fall schafft sie
eine Atmosphäre der um sich greifenden Verzweiflung, die ja allzu
oft zu internen Querelen und kleinlichem Moralismus führt. Das
Übel der Melancholie verschlimmert die politische Unbeweglichkeit und gibt – unter dem Vorwand, realistisch zu sein – jede Hoffnung darauf auf, die Welt anders zu kalibrieren. Xenofeminismus
weigert sich zu trauern.
Für uns sind Politiken ganz und gar unzureichend, die
unter dem Banner der Subversion von Strömungen
der globalen Abstraktion das gänzlich Lokale aufwerten. Sich von der kapitalistischer Maschinerie los zu machen oder
sich von ihr zu distanzieren, wird sie nicht verschwinden lassen.
Ebenso sind die Vorschläge, die Notbremse der vorgegebenen
Geschwindigkeiten zu ziehen, oder der Aufruf, langsamer zu
machen und zurück zu schrauben, nur Wenigen als Möglichkeiten
zugänglich. Sie sind eine gewaltvolle Besonderheit der Exklusivität
und beinhalten schließlich die Katastrophe für viele. Die Weigerung, über die Mikrogemeinschaft hinaus zu denken, Verbindungen
zwischen vereinzelten Auflehnungen herzustellen und darüber
nachzudenken, wie emanzipatorische Taktiken für ihren universellen Einsatz erweitert werden können, bedeutet, mit vorübergehenden und defensiven Gesten zufrieden zu sein. XF dagegen ist
eine affirmative Kreatur in der Offensive, die heftig auf der Möglichkeit großangelegter gesellschaftlicher Veränderung beharrt, für
unsere ganze systemfremde Verwandtschaft [alien kin].
Die gegenwärtigen queeren und feministischen Politiken scheinen das Gefühl für die Flüchtigkeit und
Künstlichkeit der Welt verloren zu haben, zugunsten
einer pluralen aber statischen Konstellation von Geschlechtsidentitäten, in deren Licht die öde Gleichsetzung des Guten mit dem
Natürlichen stur wiederhergestellt wird. Während wir (vielleicht)
bewundernswerter Weise die Grenzen der „Toleranz“ erweitert
haben, werden wir allzu oft dazu aufgefordert, in Unfreiheit Trost zu
suchen, Ansprüche damit abzustecken, dass wir „so geboren“ sind,
als ob die Segnung durch die Natur eine Entschuldigung bietet.
Währenddessen tuckert das heteronormative Zentrum weiter. XF
fordert diesen zentrifugalen Bezugspunkt heraus, in vollem Wissen
darüber, dass Geschlecht beispielhaft für den Angelpunkt zwischen
Norm und Tatsache ist, zwischen Freiheit und Zwang. Diesen
Angelpunkt in Richtung Natur zu kippen, ist im besten Fall ein defensives Zugeständnis und ein Rückzug von dem, was Trans*- und
queere Politiken zu mehr als einer bloßen Lobby macht: dass sie
eine mühsame Bejahung der Freiheit gegen eine scheinbar unveränderliche Ordnung sind. Wie in jedem Mythos des Gegebenen
wird von einer stabilen Grundlage für die wirkliche Welt des Chaos,
der Gewalt und des Zweifels fabuliert. Das „Gegebene“ wird als
Gewissheit in den privaten Bereich ausgesondert, während es sich
von den Fronten der öffentlichen Konsequenzen zurückzieht. In
dem Moment als die Möglichkeit der transgeschlechtlichen Übergänge wirklich und bekannt wurde, bekam die Gruft unter dem
Schrein der Natur Risse und Geschichte/n, die nach einer neuen
Zukunft riefen, entflohen der alten Ordnung des „biologischen
Geschlechts“. Das disziplinäre Raster von Geschlecht ist zu einem
nicht kleinen Teil ein Versuch, diese zerbrochene Grundlage zu flicken und jene Leben zu zähmen, die ihr entflohen sind. Nun ist die
Zeit gekommen, diesen Schrein vollends einzureißen und uns nicht
in einer pathetischen Entschuldigung für das bisschen gewonnene
Autonomie vor ihm zu verbeugen.
Wenn der „Cyberspace“ je das Versprechen geboten
hat, den Verengungen essentialistischer Identitätskategorien zu entkommen, so hat das Klima der
gegenwärtigen sozialen Medien mit aller Kraft in die andere Richtung gewirkt. Sie sind ein Theater der Kniefälle vor der Identität
geworden. Mit diesen choreographierten Praktiken gehen puritanische Rituale der moralischen Instandhaltung einher; und diese
Bühnen werden allzu oft von den verleugneten Vergnügen der
Anschuldigung, Scham und Denunziation überrannt. Wertvolle
Plattformen für Verbindungen, Organisierung und Kompetenzbündelung werden mit Hindernissen gegen eine produktive Debatte
verbaut, die so gesetzt werden als seien sie Debatte. Wir verurteilen diese puritanischen Politiken der Scham, die Unterdrückung
zum Fetisch machen, als sei sie ein Segen, und alles in moralistischen Ekstasen verhüllen. Wir wollen weder saubere Hände
noch hübsche Seelen, weder Tugend noch Terror. Wir wollen
überlegene Formen der Korruption.
Hier zeigt sich, dass das Entwickeln von Plattformen
für gesellschaftliche Emanzipation und Organisation
die kulturellen und memetischen Mutationen nicht
ignorieren kann, die diese Plattformen bieten. Was Neugestaltung
erfordert, sind die memetischen Parasiten, die auf Weisen Verhalten hervorrufen und koordinieren, die vom Selbstbild der Gastgebenden ausgeschlossen sind; gelingt dies nicht, bleiben Meme
wie „Anonymität“, „Ethik“, „soziale Gerechtigkeit“ und „Privilegien
prüfen“ Vektoren für soziale Dynamiken, die scharf von den löblichen Intentionen abweichen, mit denen sie ausgesprochen werden. Die Aufgabe der kollektiven Selbstmeisterung erfordert die
realitäts-wirksame [hyperstitional] Manipulierung der begehrensgeleiteten, marionettenhaften Herstellung von Realität durch die
Nutzung semiotischer Operatoren im gesamten Bereich der hochvernetzten kulturellen Systeme. Der Wille wird immer durch die
Meme korrumpiert sein, durch die er sich bewegt, doch nichts hindert ihn daran, diese Tatsache zu instrumentalisieren und hinsichtlich der gewünschten Ziele auszurichten.
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Xenofeminismus
will
Geschlecht
abschaffen.
„Geschlechterabschaffung“ ist aber kein Kode für die
Beseitigung dessen, was derzeit als „vergeschlechtlichte“ Merkmale der menschlichen Population gilt. Im Patriarchat
könnte ein solches Projekt nur eine Katastrophe bedeuten, da die
Vorstellung davon, was „vergeschlechtlicht“ ist, unverhältnismäßig
dem Weiblichen anhaftet. Doch sogar, wenn dieses Ungleichgewicht überwunden wäre, hätten wir kein Interesse daran, die
geschlechtliche Vielfalt auf der Welt zu verringern. Lasst Hunderte
von Geschlechtern blühen! „Geschlechterabschaffung“ ist eine
Abkürzung für die Zielsetzung, eine Gesellschaft zu erschaffen, in
der Eigenschaften, die derzeit unter der Rubrik Geschlecht versammelt werden, nicht länger als Raster für die asymmetrische
Wirkweise von Macht dienen. Die „Abschaffung von Rassifizierung“ folgt dann einer ähnlichen Formel – dass der Kampf weitergehen muss, bis derzeit rassifizierte Merkmale nicht mehr
Bedeutung erhalten als die Augenfarbe. Schließlich muss jeder
emanzipatorische Abolitionismus sich der Abschaffung von Klassen zuwenden, da uns Unterdrückung im Kapitalismus in ihrer
transparenten, denaturalisierten Form begegnet: Du wirst nicht
ausgebeutet oder unterdrückt, weil Du lohnarbeitest oder arm bist;
Du bist lohnarbeitend oder arm, weil Du ausgebeutet wirst.
Xenofeminismus hält die Brauchbarkeit emanzipatorischer abolitionistischer Projekte – die Abschaffung
von Klasse, Vergeschlechtlichung und Rassifizierung
– für absolut abhängig von einer grundlegenden Neugestaltung
des Universellen. Das Universelle muss als generisch begriffen
werden und somit als intersektional. Intersektionalität ist nicht die
Zerstückelung von Kollektiven in ein Flimmern [static fuzz] aus
aufeinander bezogenen Identitäten, sondern eine politische Orientierung, die alles Spezifische durchschneidet und das grobe
Einordnen von Körpern in Schubladen verweigert. Diese nicht
absolute, generische Universalität muss sich der vereinfachten
Tendenz verwehren, mit aufgeblähten, unmarkierten Spezifika zu
verschmelzen – wie im eurozentrischen Universalismus –, in
denen das Männliche als geschlechtslos missverstanden wird,
Weißsein als unrassifiziert, Cis-Geschlechtlichkeit als echt, und
so weiter. So lange ein solches Konzepts von Universalität fehlt,
wird die Abschaffung von Klasse immer eine bürgerliche Fantasie
bleiben, die Abschaffung von Rassifizierung eine unausgesprochene Strategie der weißen Vorherrschaft und die Abschaffung
von Geschlecht wird eine leicht verschleierte Frauenfeindlichkeit
bleiben, sogar – und besonders – wenn sie von ausgesprochenen
Feminist_innen betrieben wird. (Das absurde und rücksichtslose
Spektakel der Kampagne gegen Trans*-Frauen durch so viele
selbsternannte „Geschlechterabolitionist_innen“ bietet hiervon
Zeugnis genug.)
Von den Postmodernen haben wir gelernt, die Fassaden der falschen Universalien zu verbrennen und solche Verwirrungen zu beseitigen; von den Modernen
haben wir gelernt, neue Universalien aus der Asche der falschen
heraus zu sieben. Xenofeminismus will eine Bündnispolitik ohne die
Infektion der Reinheit aufbauen. Das Universelle zu handhaben,
erfordert sorgfältige Qualifizierung und vorsichtige Selbstreflexion,
so dass es ein möglichst griffbereites Werkzeug für viele politische
Körper werden kann und etwas, das gegen die zahlreichen Unterdrückungen, die sich mit Geschlechtern und Sexualitäten überschneiden, angewendet werden kann. Das Universelle ist keine
Blaupause, und anstatt im Vorhinein dessen Nutzungen vorzugeben, schlagen wir Xenofeminismus als eine Plattform vor. Dieser
Konstruktionsprozess wird somit als rastlose, iterative und kontinuierliche Neugestaltung verstanden. Xenofeminismus will eine veränderliche Architektur sein, die – wie Open-Source-Software – für
fortwährende Modifizierung und Verbesserung offen bleibt, die dem
steuernden Impuls einer militanten ethischen Vernunft folgt. Offen
heißt jedoch nicht ohne Richtung. Die beständigsten Strukturen der
Welt verdanken ihre Stabilität ihrer Einübung von Ordnung, aus der
sie dann als „unsichtbare Hand“ scheinbar spontan hervorgehen,
oder mit der sie die Schwerfälligkeit von Investition und Sedimentierung auszunutzen wissen. Wir sollten nicht zögern, von unseren
Feinden zu lernen, und Wege zu suchen, in die Geometrie der von
diesen Plattformen gewährten Freiheiten Ordnung zu säen – aber
eine gleichberechtigte und gerechte ­Ordnung.
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In unserer Öffnung zur Freiheit, unserer Erweiterung
unseres Geschlechts und des Menschlichen, haben wir
entschieden, unser Schicksal mit der TechnoWissenschaft zu teilen, für die nichts so heilig ist, dass es nicht technisch
umgestaltet und verändert werden könnte. Zu sagen, dass nichts
heilig ist, dass nichts transzendent ist oder vor dem Willen zu wissen, zu basteln oder zu hacken geschützt ist, bedeutet, dass nichts
übernatürlich ist. „Natur“ – hier als die grenzenlose Arena der
Naturwissenschaften verstanden – ist alles, was es gibt. Im Niederreißen von Melancholie und Illusion; von Anspruchslosem und
Nicht-Skalierbarem; von libidinösem Puritanismus gewisser
Online-Kulturen und von Natur als einer nicht wieder erschaffbaren Gegebenheit finden wir heraus, dass unser normativer AntiNaturalismus uns in Richtung eines unverzagten ontologischen
Naturalismus getrieben hat. Wir behaupten, dass es nichts gibt,
das nicht naturwissenschaftlich erforscht und technologisch verändert werden kann.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Unterscheidung
zwischen dem Ontologischen und dem Normativen,
zwischen Tatsache und Wert, einfach festgelegt ist.
Die Vektoren von normativem Anti-Naturalismus und ontologischem Naturalismus überspannen viele ambivalente Schlachtfelder. Das Projekt des Entwirrens dessen, was sein soll von dem,
was ist, der Entkopplung von Freiheit und Tatsache, Wille und
Wissen, ist tatsächlich eine unendliche Aufgabe. Es gibt viele
Lücken, wo das Begehren uns mit der Brutalität des Tatsächlichen
konfrontiert und wo Schönheit nicht von Wahrheit zu trennen ist.
Poesie, Sex, Technologie und Schmerz glühen in dieser Spannung, der wir nachspüren. Doch gibst Du die Aufgabe der Revision auf, lockerst die Zügel und löst diese Spannung – ermatten
diese Glühdrähte sofort.
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Das Potenzial der frühen, textbasierten Internetkultur,
sich den repressiven Geschlechterregimes zu widersetzen, Solidarität zwischen marginalisierten Gruppen
zu erzeugen und neue Räume des Experimentierens zu erschaffen, das in den 90er Jahren den Cyberfeminismus entzündeten,
ist im einundzwanzigsten Jahrhundert deutlich geschwunden. Die
Dominanz des Visuellen in heutigen Online-Oberflächen enthält
Räume der Interaktion, doch das bedeutet nicht, dass cyberfeministische Empfindsamkeiten der Vergangenheit angehören. Die
subversiven von den unterdrückenden Möglichkeiten zu unterscheiden, die im heutigen Netz latent sind, erfordert einen Feminismus, der für die schleichende Rückkehr alter Machtstrukturen
sensibel ist, aber auch gerissen genug, um deren Potenzial zu
nutzen. Digitale Technologien sind untrennbar von den materiellen
Realitäten, die ihnen zugrunde liegen. Sie sind so verknüpft, dass
eine jede genutzt werden kann, um die andere zu verschiedenen
Zwecken zu verändern. Statt für den Vorrang des Virtuellen über
das Materielle oder des Materiellen über das Virtuelle zu argumentieren, greift Xenofeminismus Machtpunkte und Ohnmachtspunkte in beiden auf, um dieses Wissen als wirksame Intervention
in unsere verknüpft zusammengesetzte Realität zu entfalten.
Intervention in offensichtliche materielle Hegemonien
ist ebenso entscheidend wie Intervention in digitale
und kulturelle. Veränderungen der errichteten Umgebungen bergen einige der bedeutendsten Möglichkeiten in der
Umgestaltung der Horizonte von Frauen und Queers. Als Verkörperung ideologischer Konstellationen sind die Herstellung von
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Raum und die Entscheidungen über dessen Organisierung schlussendlich Aussagen über „uns“ und umgekehrt darüber, wie ein
„wir“ artikuliert werden kann. Mit dem Potenzial, zukünftige gesellschaftliche Bedingungen auszuschließen, zu begrenzen oder zu
eröffnen, müssen sich Xenofemist_innen auf die Sprache der
Architektur als Vokabular für kollektive Choreo-graphien einstellen
– für das koordinierte Schreiben von Raum.
Von der Straße bis nach Hause, darf auch der private
Raum unseren interventionistischen Tentakeln nicht
entkommen. Privater Raum sitzt so tief, dass es für
unmöglich gehalten wird, ihn dort auszuheben, wo das Zuhause
als Norm mit dem Zuhause als Tatsache verwechselt wurde, als
nicht neu erschaffbare Gegebenheit. „Häuslichen Realismus“ als
bedeutungslos hinzustellen, hat in unserem Horizont nichts zu
suchen. Lasst uns den Blick auf Wohnräume als geteilte Labore
richten, auf gemeinschaftliche Medien und technische Ausstattungen; das Zuhause ist reif für räumliche Veränderung als integraler Bestandteil in jedem Prozess der feministischen Zukünftigkeit.
Doch darf dies nicht am Gartentor aufhören. Wir erkennen allzu
deutlich, dass die Neuerfindung von Familienstrukturen und häuslichem Leben derzeit nur auf Kosten des Rückzugs aus der wirtschaftlichen Sphäre – der Weg der Kommunen – oder des Tragens
der vielfältigen Belastungen – der Weg der alleinerziehenden
Eltern – möglich ist. Wenn wir die Trägheit unterbrechen wollen,
die die zum Scheitern verurteilte Figur der Kernfamilie an ihrem
Platz hält, die so stur und unter Bestrafung von Abweichungen
Frauen aus der öffentlichen Sphäre und Männer aus den Leben
ihrer Kinder isoliert hat, müssen wir die materielle Infrastruktur
überholen und die wirtschaftlichen Kreisläufe unterbrechen, die
sie festgeschrieben halten. Vor uns liegt eine doppelte Aufgabe
und unsere Sicht ist notwendigerweise stereoskopisch: Wir müssen eine Ökonomie entwickeln, die reproduktive Arbeit und Familienleben befreit, und zugleich familiäre Modelle aufbauen, die von
der abstumpfenden Schinderei der Lohnarbeit frei sind.
Vom Zuhause bis zum Körper – ist es längst überfällig,
eine Politik der aktiven biotechnischen und hormonellen Interventionen zu artikulieren. Hormone hacken
sich in Geschlechtersysteme und besitzen eine politische Reichweite, die über die ästhetische Kalibrierung einzelner Körper
hinausgeht. Strukturell gedacht ist die Verteilung von Hormonen
– die Frage, wer oder was von dieser Verteilung priorisiert oder
pathologisiert wird – von oberster Wichtigkeit. Das Aufkommen
des Internets und die dadurch losgelassene Hydra der illegalen
Apotheken – gemeinsam mit einem öffentlich zugänglichen Archiv
des endokrinologischen Knowhows – war entscheidend dafür,
dass die Kontrolle über die hormonelle Ökonomie den Zugang
regulierenden Institutionen abgerungen werden konnte, die danach
streben, Bedrohungen der etablierten Verteilungen des Geschlechtlichen einzudämmen. Die Herrschaft des Marktes gegen die Herrschaft der Bürokraten einzutauschen, ist jedoch kein Sieg an sich.
Diese Fluten müssen höher steigen. Wir fragen uns, ob der Ausdruck des „gender hacking“ in eine langfristigere Strategie erweiterbar ist, eine Strategie für das menschliche Gehirn [wetware],
die dem ähnelt, was die Hacking-Kultur bereits für die Software
getan hat – der Aufbau eines ganzen Universums aus Free-Software und Open-Source Plattformen, die wohl für viele von uns
einem praktikablen Kommunismus am nächsten kommen. Können wir die unausgereiften Versprechen von pharmazeutischem
3D-Printing („Reactionware“), telemedizinischen Grassroot-Abtreibungskliniken, geschlechter-hacktivistischen Foren und DIY-HabitReversal-Trainings etc. ohne die törichte Gefährdung von Leben
miteinander verknüpfen, um eine Plattform für eine frei zugängliche und offen gestaltete Medizin zusammenzustellen? XF begrüßt
das Schmieden solcher institutionalisierter (Infra)strukturen.
Vom Globalen zum Lokalen, von der Cloud zu unseren
Körpern, steht Xenofeminismus für die Verantwortlichkeit ein, die im Aufbau neuer Institutionen von technomaterialistischen, hegemonialen Dimensionen liegt. Wie
Ingenieur_innen müssen wir die Gesamtstrukturen ebenso begreifen wie die molekularen Teile, aus denen sie bestehen. XF betont
die Wichtigkeit der mesopolitischen Sphäre gegenüber der
begrenzten Wirksamkeit lokaler Gesten, der Schaffung autonomer
Zonen und bloßem Horizontalismus; ebenso wie er gegen transzendentale oder Top-Down-Vorschriften von Werten und Normen
steht. Die mesopolitische Arena der universalistischen Ziele von
Xenofeminismus begreift sich selbst als mobiles und verworrenes
Netzwerk von Übergängen zwischen diesen Polen. Als Pragmatiker_innen begrüßen wir Kontaminierung als Mutationsantrieb zwischen solchen Grenzen.
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XF bejaht, dass die Anpassung unseres Verhaltens an
ein Zeitalter der Prometheischen Komplexität eine
Arbeit ist, die Geduld erfordert – doch ist das eine
grimmige Geduld, die nichts mit „Warten“ zu tun hat. Eine politische Hegemonie oder ein aufständisches Memplex zu kalibrieren, beinhaltet nicht nur die Schaffung materieller (Infra)strukturen,
um die artikulierten Werte explizit zu machen, sondern stellt auch
Anforderungen an uns als Subjekte: etwa, wie wir diese neue Welt
ausrichten können. Wie bauen wir einen besseren semiotischen
Parasiten – einen, der die Begehren weckt, die wir begehren wollen, der keine autophagische Orgie der Unwürdigkeit und Raserei
einfädelt, sondern eine emanzipatorische und egalitäre Gemeinschaft, die von neuen Formen der uneigennützigen Solidarität und
der kollektiven Selbstmeisterung gestützt wird.
Ist Xenofeminismus ein Programm? Nicht, wenn das
irgendetwas so krudes wie ein Rezept oder ein Einzweckwerkzeug meint, mit dem ein vorbestimmtes
Problem gelöst werden soll. Wir ziehen es vor, verschwörerisch
und wie Lisp-Programmierer_innen zu denken, die eine neue
Sprache erschaffen wollen, in der das vorliegende Problem eingetaucht ist; eine Sprache, in der Lösungen für das Problem sowie
für eine ganze Klasse von damit vermengten Problemen relativ
trivial werden. Xenofeminismus ist eine Plattform, eine junge
Ambition des Aufbaus einer neuen Sprache für Geschlechterpolitiken – einer homoikonischen Sprache, die ihre eigenen Methoden
zur Überarbeitung heranziehen kann, die sich selbst Stück für
Stück in die Existenz urladen kann. Wir verstehen, dass die uns
begegnenden Probleme systemisch und miteinander verzahnt
sind, und dass jede Chance auf globalen Erfolg darauf basiert,
unzählige Fähigkeiten und Kontexte mit der Logik von XF zu infizieren. Unsere Transformation ist eine des sickernden aber
gezielten Zusammenrinnens anstelle eines stürmischen
Umsturzes; sie ist eine Transformation der gezielten Konstruktion,
die danach strebt, das rassistische, kapitalistische Patriarchat mit
einem Meer der Verfahren zu überschwemmen, die seine Schale
aufweichen und seine Verteidigungsposten auflösen, um dann
aus den Resten eine neue Welt zu bauen.
Xenofeminismus zeigt den Wunsch an, eine fremde
Zukunft zu bauen, mit einem triumphierenden X auf
einer mobilen Karte. Dieses X ist kein richtungsweisendes Zeichen, sondern die Einfügung eines topologischen
Schlüsselbildes für das Schmieden einer neuen Logik. In der Bejahung einer Zukunft, die nicht an die Wiederholung der Gegenwart
gebunden ist, kämpfen wir für erweiternde Kapazitäten, für Räume
der Freiheit mit einer reicheren Geometrie als dem Seitengang,
dem Fließband und dem Feed. Wenn Geometrie implizit unsere
äußere Welt strukturiert, unsere Umwelt, dann fordern wir neue
perspektivische Bemühungen, die nicht an naturalisierte Identitäten gebunden sind. Im Namen von Feminismus soll „Natur“ nicht
länger eine Zuflucht für Ungerechtigkeit sein, oder eine Grundlage
für irgendeine politische Rechtfertigung! Wenn die Natur ungerecht ist, müssen wir eben die Natur verändern!
Laboria Cuboniks – 2015