Weibliche Derwische eignen sich Raum an, Salzburger Nachrichten

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Salzburger Nachrichten
Salzburg, am 16.01.2016, 312x/Jahr, Seite: _
Druckauflage: 105 208, Größe: 91,69%, easyAPQ: _
Auftr.: 5819, Clip: 9534840, SB: Kunsthaus Graz
Weibliche Derwische eignen sich Raum an
Mit Körperarbeit gegen Mauern aller Art: Performance „A Wall for Maria" im Grazer Kunsthaus.
tieren ihn: tanzend, sich am Boden
wie Ringerinnen keilend, gummiGRAZ. Sie schlüpfen, ausgehend von b allhüpfend im verklärenden Licht
der eigenen Nacktheit, in Ganzkör- der rot-blau angestrahlten Discokuperkostüme mit viel zu langen Är- gel, sich schrille Töne aus dem Leib
meln. Sie ertasten und loten die schreiend, Derwischen ähnlich sich
Raumgrenzen aus, schmiegen sich der Trance nähernd.
in Nischen des space 04 im Grazer
Veza Maria Fernandez Ramos
Kunsthaus. „Für viele Menschen ist und Christina Maria Lederhaas lasSprache eine Wand", sagt eine der sen auch die Riesenvorhänge im
Performancekünstlerinnen.
space 04 tanzen, einem Raum, der
Zwei Frauen erobern Raum. Be- bislang nicht ob seiner Attraktivität
fragen ihn, spielen mit ihm, präsen- aufgefallen war. In der Performance
MARTIN BEHR
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„A Wall for Maria" wird das architektonische Potenzial dieses Raums
sieht- und spürbar. Musikalische
Einspielungen (Jakob Rüdisser) rahmen die Körperarbeit des Duos, wobei die Akteurinnen fallweise an
Skydancer, diese bei Großevents
eingesetzten, im Wind tanzenden
luftgefüllten Puppen erinnern.
Die Wände stehen für Ramos und
Lederhaas für jene Probleme, die in
Denkprozessen überwunden werden sollen. In der Performance sto-
ßen die Akteurinnen immer wieder an physische und emotionale
Grenzen. Der Dialog endet abrupt, wobei keine Lösungen für
das Überwinden des Trennenden angeboten werden.
„A Wall for Maria" ist trotz
Kurzausflüge in Gefälligkeit und
Konvention eine spannende, immer wieder auch humorvolle
Auseinandersetzung mit realen
und nur in den Köpfen existierenden Mauern.
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