Direktvermarktung: Kleinerzeuger in Franken organisieren sich

Vermarktungsgenossenschaft
Direktvermarktung: Kleinerzeuger in Franken organisieren sich
Die Regionalstrom Franken eG bündelt Kleinerzeuger in der Region. Sie will Strom aus Sonne, Wind und Biogas vermarkten und ein Regionalstromprodukt für Endkunden auf den Weg bringen.
Foto: Nordreisender / photocase.de
Eine Vorreiterin in echter Direktvermarktung will sie werden. Die Regionalstrom Franken eG will Energie von
Kleinerzeugern aus fränkischen Sonnen-, Wind-, Wasser- oder Biomassekraftwerken vermarkten. „Die Biogasanlagen gleichen die Schwankungen bei Wind und Sonne aus. In der Kooperation entsteht also ein regionales Kombi-Kraftwerk, das nur in geringem Maße auf Ausgleichsenergie aus anderen Quellen angewiesen
ist“, sagt Vorstand Robert Spanheimer.
Seit Februar 2015 ist die Regionalstrom Franken eG ins Genossenschaftsregister eingetragen. Derzeit hat sie
130 Mitglieder: Viele Energiegenossenschaften, Bürgerenergieprojekte als GmbH + Co KG, Landwirte, Betreiber von Biogasanlagen. Bei der Genossenschaft stehen die Anlagenbetreiber im Mittelpunkt. „Kleinerzeuger
müssen sich organisieren. Unser Ziel ist, die Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Bürgerenergie zu wahren“, so Robert Spanheimer.
Die Genossenschaft, so der Plan, handelt mit verschiedenen Direktvermarktern die besten Konditionen für
ihre Mitglieder aus. Eine exklusive Partnerschaft will die Regionalstrom Franken eG nicht eingehen. „Wir sind
unabhängig.“
Die einfache Formel: Je mehr Anlagen mitmachen, umso bessere Konditionen kann der genossenschaftliche
Direktvermarkter erzielen. Knapp 60 Mitglieder mit Anlagen von über 100 kW Leistung haben ein Angebot
zur Direktvermarktung erhalten. Für 2015 stehen damit mindestens 40 GWh Strom aus der Region zur Verfügung.
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Geförderte Direktvermarktung
Die Genossenschaftsmitglieder vermarkten
ihren Strom nach dem ErneuerbareEnergien-Gesetz direkt über den Vermarktungspartner. Die gesetzlich garantierte
Marktprämie gleicht dabei den Kostennachteil gegenüber dem durchschnittlichen Börsenstrompreis aus. Der Vermarkter kann
deshalb Anlagenbetreiber einen dem jeweiligen Vergütungssatz vergleichbaren Preis
zahlen. Gleichzeitig kann er Strom zum
marktüblichen Preis an regionale Stadt- und
Gemeindewerke liefern.
Derzeit verhandelt die Vermarktungsgenossenschaft mit den regionalen Energieversorgern, der N-ergie AG in Nürnberg und unabhängigen Stadt- und Gemeindewerken. „Unser Ziel ist, dass die Energieversorger die
regionalen Anlagen in ihre Beschaffungsstrategie integrieren“, so Robert Spanheimer
weiter. Bisher kaufen diese den Strom meist
bei konventionellen Kraftwerken. Bis zum
Sommer soll ein Regionalstromprodukt für
Endkunden auf den Markt kommen.
Problem Graustrom
Allerdings gibt es Hürden. Im Marktprämienmodell läuft die Vermarktung meist über die Börse. Nach EEG
2014 kann Strom aus geförderten Anlagen nur als Graustrom unbekannter Herkunft vertrieben werden. Deshalb kann der Strom aus den regionalen Erneuerbaren-Energien-Anlagen nicht als Ökostrom vertrieben werden. „Deshalb suchen wir mit den regionalen Energieversorgern eine Lösung, wie wir – durch einen Subbilanzkreis – nachweisen können, dass Verbrauch und regionale Erzeugung zeitgleich stattfinden“, sagt Robert
Spanheimer. Dass dies eine Krücke ist, weiß er. Doch die Genossen setzen darauf, dass die Bundesregierung
mit der geplanten Grünstromverordnung zukünftig Herkunftsnachweise bei EEG-Strom möglich macht. Dann
ließe sich der regionale Ökostrom auch als solcher kennzeichnen – „und unser Modell wäre wirtschaftlich
noch attraktiver“.
Zum aktuellen Newsletter der Regionalstrom Franken eG
Text: Rainer Lange, Netzwerk Energiewende jetzt 2015
Kontakt
Regionalstrom Franken eG, Lauterbach 19, 91608 Geslau
[email protected], http://www.regionalstrom-franken.de