Blauer Dunst - Terra Sigillata Museum

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Sonderausstellung
Terra-Sigillata-Museum Rheinzabern
vom 18.10.2015 – 3.4.2016
Unter dem Titel
Tabak-Zigarren-Zigaretten-„Blauer Dunst“
eröffnet das Terra-Sigillata-Museum Rheinzabern eine neue Sonderausstellung.
Zu der Ausstellung haben mehrere Leihgeber Exponate zur Verfügung gestellt.
Vom Zigarrenmuseum Rödersheim-Gronau wird auf Schautafeln „Die Epoche der
Zigarrenmacher etwa um 1900 in Heimarbeit und innerhalb von Fabrikhallen dargestellt.
Zigarrenwickeltisch, Zigarrenformen, Pressvorrichtungen und ein Schnittmesser gehören
zu den Arbeitsgeräten.
In einer Großvitrine sind die Exponate von Friedrich Montillon, Rheinzabern, zu sehen.
Auf 25 Fotos, beginnend mit Pflanzenanzucht, Tabaksetzen, Tabakernte,
Tabaktrocknung im Trockenschuppen, Tabakbüscheln und Verwiegung ist die
anstrengende Tätigkeit, die auch viel Handarbeit bedeutete, dargestellt.
Mehrere Tabakschneidemaschinen erinnern daran, wie in früheren Jahrzehnten Tabak
geschnitten wurde, um diesen in der Zigarette oder in der Pfeife zu rauchen. Zum
Ausstellungsteil von Friedrich Montillon gehören auch Samen der Sorten
„Geudertheimer“, „Burley“ und „Virgin“ (pilliert und unpilliert), ein viele Jahre benutztes
„Tabakkästel“ zum Büscheln von Tabak, mehrere Köpfzangen sowie ein Gerät der Firma
Siemens zur Feuchtigkeitsmessung des Tabaks.
Sehr interessant sind die Ausstellungsstücke des „Rauchclub Humor“, Rheinzabern, der
1904 gegründet wurde, sich derzeit leider im Liquidationsverfahren befindet. Die
Raucherschutzgesetze lassen „Wettrauchen“ und ähnliche Veranstaltungen in
Gastwirtschaften nicht mehr zu, was gerade für den Rauchclub einen Großteil der
Vereinsarbeit ausmachte. Vom Rauchclub sind wertvolle Porzellanpfeifen, Zigarren der
besonderen und teuren Art, eine Tabakwaage, Zigarrenkästchen aus Holz mit
Jagdmotiven und wertvollen Zigarren zu sehen. Diese Exponate wurden von dem
langjährigen Vorsitzenden des Rauchclub „Humor“, August Wünschel, zur Verfügung
gestellt.
Mit der Tabakernte und der Tabakverarbeitung befasst sich der Ausstellungsteil vom
Heimatverein Hatzenbühl mit dem Vorsitzenden Helmut Metz. Eine „Einlesebank“,
Tabakstricke, Tabakgurte, ein Büscheltisch mit Büschelkasten gehören zur Ausstellung,
ebenso eine „Metz-Einlesemaschine“, die in den 1950er Jahren in Hatzenbühl im Einsatz
war. Ein Schmuckstück in der Ausstellung ist das Modell eines Tabakschuppens um
1960 im Maßstab 1:10, das von Bernd Persohn zur Verfügung gestellt wurde.
Von der Gemeinde Hatzenbühl wurde eine Sammlung mit Tabakpfeifen der
verschiedensten Art für die Dauer der Sonderausstellung überlassen. Ursprünglich wurde
die Pfeifensammlung von Erich Johann aus Rheinzabern zusammengetragen.
Andrea Weigel zieht aus Samen der Sorte Burley Panama (botanisch „nicotiana
tabacum“) Tabakstauden in Töpfen - entgegen der üblichen Pflanzzeit im Frühjahr – jetzt
im Herbst. Zur Ausstellungseröffnung sind die Pflänzchen gerade mal 10 cm hoch und
Terra-Sigillata-Museum e.V. | 76764 Rheinzabern, Hauptstr. 35 | Fon 07272 955893 | [email protected] | www.terra-sigillata-museum.de
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sollen für die Dauer der Ausstellung dem Besucher den grünen, saftigen Tabak im
Wachstum zeigen.
Vom Tabakbauverein Rheinzabern, vertreten durch den 1. Vorsitzenden Richard Ohmer,
befindet sich das erste Protokollbuch des Tabakbauvereins, beginnend mit der
Niederschrift über die Gründungsversammlung am 8. Februar 1930, in der Ausstellung.
Zur Präsentation des Tabakbauvereins Rheinzabern gehören mehrere Auszeichnungen
bzw. Urkunden von Landwirten aus Rheinzabern für Qualitätsanbau von Tabak.
Das Trocknen und Blattfärben von Tabak in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg an der
Hauswand war ein gewohntes Bild. Da in den Betrieben nur wenige und vor allem nur
kleinere Trockenschuppen vorhanden waren, musste immer noch ein Großteil des
grünen Tabak-Erntegutes im Wald an den Bäumen getrocknet werden (Auszug aus der
Tabakchronik von Albert Weigel). In der Ausstellung befinden sich drei Fotos, die aus der
Zeit vor, während oder nach dem ersten Weltkrieg stammen könnten. Auf diesen Fotos
ist sehr deutlich die Trocknung von Tabak an der Hauswand erkennbar.
Die Bandeliere wurden dabei an einem Ende an einem Nagel befestigt, während das
andere Ende lose nach unten hing. Die Aufnahmen stammen von Foto-Trauth und zeigen
die Tabaktrocknung an mehreren Hauswänden im Bereich „Flachsmarkt“ in Rheinzabern.
In Rheinzabern, Hatzenbühl und Jockgrim wurde langjährig die Sorte „Geudertheimer“
angepflanzt. Geudertheimer liefert dunklen, aromatischen Zigarrentabak, der auch als
Würze für Zigaretten verwendet wird. In Neupotz wurde traditionell die Sorte „Burley“
vermarktet. Burley steht für hellen, milden Tabak, der vor allem als Zigaretten- und
Pfeifentabak eingesetzt wird.
Nach dem starken Rückgang der Tabakproduktion allgemein wird in unserer Region die
Sorte „Virgin“ angebaut, ein heller, süßlicher Zigarettentabak.
Die strukturellen Veränderungen im Tabakanbau allgemein zwangen die
landwirtschaftlichen Betriebe auf andere Produkte auszuweichen, z. B. auf den Anbau
von Gemüse und Petersilie.
Der mittleren und älteren Generation ist zur Genüge in Erinnerung, welche aufwändige
und mühselige Handarbeit notwendig war, um Aussaat, Hackarbeit, Tabakbrechen,
Einlesen, Trocknung auf dem Schuppen, Tabakbüscheln und schließlich die Verwiegung,
mit sich brachten.
Die zahlreichen alten Tabakschuppen in unserer Region zeugen noch heute von der
Blütezeit des Tabakanbaus und prägen in den Altortsbereichen vielfach das Ortsbild.
Die Erntefolge beim „Geudertheimer“: Grumpen, Sandblatt, Hauptgut, Obergut. Das
„Obergut“ wird seit einigen Jahren vom Markt nicht mehr verlangt. Zeitweise wurde bzw.
wird das „Obergut“ zusammen mit dem „Hauptgut“ gebrochen, d.h. geerntet.
Fachspezifische Literatur ist ebenfalls in der Ausstellung zu finden, so z. B. „Der
Tabakbau in Deutschland“ (Seibert/Hechler), „Die Pfalz und der Duwak“ (Karl Ludwig
Sattler), überlassen von Gerhard Beil, sowie die Tabakchronik von Albert Weigel,
Hatzenbühl „400 Jahre Tabakbau Hatzenbühl 1573 – 1973“.
Auf einer Projektionswand sind erläuternde Texte zum Thema „Tabak“ und
„Tabakanbau“, auch mit geschichtlichem Bezug, zu lesen. Die Texte stammen von Dr.
Hannah Weigel, Hatzenbühl.
Philipp Schmitt
Vorsitzender Terra-Sigillata-Museum Rheinzabern
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