Sichere Gewerbeimmobilie

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Vorwort3
Mechanische und elektronische Sicherungstechnik
4
Sicherheitsmaßnahmen für Unternehmen
7
Elektronische Sicherung von Gebäuden
10
Sicherheitskonzept für das eigene Unternehmen
11
Vorsicht Kamera! Die Videoüberwachung von Betriebsgebäuden
12
Sicherheitsrisiko Mensch
14
„Wir müssen den Faktor Zeit auf unsere Seite bringen“
– Interview mit Heinrich Hauner, Kriminalhauptkommissar,
Fachberater Bereich Prävention und Opferschutz
20
Informationssicherheit im Unternehmen
22
12/2015/79
Versicherung von Gewerbegebäuden
26
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„Inhaltsversicherung“ für Unternehmer ist wichtig
29
Diebstahl am Arbeitsplatz
31
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Gewerbliche Gebäudesicherheit
Den Tätern einen Schritt
voraus sein
Gebäudesicherheit ist jedoch mehr als eine mechanische oder elektronische Überwachung des Gebäudes. Nicht nur Gegenstände können
gestohlen oder beschädigt werden: Wenn Sie in Ihrem Unternehmen
über Fachwissen verfügen, das Ihnen einen Vorsprung vor Ihren Wettbewerbern sichert, dann kann es durchaus sein, dass die Konkurrenz
versucht, sich dieses Wissen illegal zu beschaffen. Die Sicherheit Ihrer
IT ist oft ebenso wichtig wie das Schließen der Eingangstür am Ende
des Arbeitstages – und sollte genau so selbstverständlich erfolgen.
Und denken Sie an den Faktor Mensch: Schon über einen USB-Stick eines Besuchers, der an einen Ihrer Computer angeschlossen wird, kann
ein Spionageprogramm eingeschleust werden.
Doch man kann auch zu viel des Guten tun: Wer aus Sicherheitsbedenken nun alle Räume seines Betriebs per Videokamera überwachen
will, stößt selbst schnell an die Grenzen der Legalität. Wir sagen Ihnen
in diesem Heft zum Beispiel auch, wo man als Chef Kameras installieren darf und wo nicht – und in welchen Fällen dies überhaupt eine
sinnvolle Maßnahme sein kann.
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Im Jahr 2010 verzeichnete die Polizei in ganz Deutschland 147.000 Fälle von Einbrüchen in Dienst-,Büro- oder Lagerräume. Die Aufklärungsquote liegt bei nur 22,6 Prozent. Das bedeutet: Wenn in Gewerberäume eingebrochen wird, stehen die Chancen, dass der Täter gefasst
und die Beute aufgespürt wird, ungefähr 1 zu 4 gegen den Inhaber.
Am besten ist es also, wenn möglichst viele Einbrüche und Diebstähle
schon im Versuchsstadium scheitern. Das ist laut Statistik in 30 bis 40
Prozent der Fälle so. Eine erfreuliche Tatsache, die nicht zuletzt der guten Aufklärungsarbeit vieler Initiativen geschuldet ist. Die Polizei beschäftigt in ihren kriminalpolizeilichen Beratungsstellen echte Profis
auch für das Thema gewerbliche Gebäudesicherung. Nutzen Sie deren
Fachkenntnis. Dieses Heft soll Ihnen dabei helfen, sich einen Überblick
zu den verschiedenen Aspekten der gewerblichen Gebäudesicherung
zu verschaffen: von der mechanischen Grundsicherung bis zu komplexen Alarmanlagen, vom IT-Grundschutz bis zum Thema Brandschutz.
Die richtige Lösung für Ihren Betrieb finden Sie im Gespräch mit Experten. Jeder wird Ihnen bestätigen: Eine überlegte und dem jeweiligen
Objekt angemessene Gebäudesicherung ist in jedem Fall eine gute Investition in Ihr Unternehmen.
Wenn Sie für die Sicherheit Ihres Gewerbebetriebs Geld in die Hand
nehmen, sollte die Investition auch nachhaltig sein. Deswegen ist es
gerade im Bereich von Einbruchmeldeanlagen sinnvoll, nur VdS-zertifizierte Anlagen zu installieren – die Gebäudeversicherer machen entsprechende Vorgaben dazu.
Ziel eines guten Masterplans zur Gebäudesicherung muss es
sein, die Vorgehensweise von Tätern zu kennen und ihnen
möglichst immer einen Schritt voraus zu sein – damit Ihr Gewerbebetrieb sicher arbeiten kann und Sie sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren können.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine anregende Lektüre!
Dada Lin/Fotolia.com
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Mechanische und elektronische Sicherungstechnik:
Wer braucht welchen Schutz?
Sicherheitsklassen mit einem Kunden vertraglich vereinbaren – und an
diese Vorgaben sollte man sich dann unbedingt halten.
Wie unterscheiden sich die jeweiligen Sicherungsklassen
voneinander?
In der „Sicherungsrichtlinie für Geschäfte und Betriebe“ sind die sechs
Sicherungsklassen für Gewerbe zusammengestellt und beschrieben.
Angenommen, für meine Betriebsart wird die Sicherungsklasse 3
empfohlen. Dann schaut man in den Sicherungsrichtlinien nach, was
dort konkret an Sicherheitsmaßnahmen genannt wird. Das kann etwa
eine bestimmte Art Eingangstür sein, also eine Tür einer bestimmten
„Stabilitätsklasse“, es können bestimmte Fenstertypen sein, oder die
Empfehlungen können sich auf Wände, Decken und Böden beziehen.
Wichtig dabei ist, das gesamte Objekt einheitlich zu sichern. Eine
hochwertige Tür bringt wenig, wenn es andere Eingänge gibt. Möglich
– und keineswegs unwahrscheinlich – ist, dass zusätzlich zu mechanischen Sicherungen der Einbau einer Einbruchmeldeanlage sinnvoll ist
und empfohlen wird.
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Herr Vorderwülbecke, worauf muss
man beim gewerblichen
Gebäudeschutz achten?
Je höher das Risiko ist, desto mehr
Absicherung ist sinnvoll bzw. wird gefordert, etwa von den Versicherungsunternehmen: Da sind dann einfach
gewisse sicherungstechnische Maßnahmen umzusetzen. Andernfalls ist
ein Schaden unter Umständen nicht
abgedeckt oder es wird eine höhere
Prämie fällig. Die erforderliche Stärke
der Sicherungstechnik orientiert sich
Paulus Vorderwülbecke
am Risiko. Dieses wiederum ergibt sich
ist Leiter der Sicherungs- aus dem möglichen Taterfolg, also der
technik bei VdS.
reinen Umsetzbarkeit einer Tat und
dem monetären Tatergebnis. Ein Beispiel: Es mag relativ einfach sein,
beim Frisör oder beim Bäcker die Kasse zu leeren. Das Ergebnis wird
aber wohl ebenfalls recht übersichtlich sein. Wenn man hingegen eine
Bank ausräumt, ist das zwar wegen höherer Sicherungsmaßnahmen
schwieriger, aber wenn es gelingt, ist das Ergebnis dementsprechend.
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Wie wird die Gefährdung eines Betriebs bewertet?
Dafür gibt es die so genannten Sicherungsklassen für Gewerbe. Diese
reichen von SG1 bis SG6. Um herauszufinden, welcher Sicherungsklasse ein Gewerbebetrieb zugeordnet ist, schaut man am besten
in das Betriebsartenverzeichnis von VdS. Dieses umfasst insgesamt
2.700 Betriebsarten, vom Juwelier über den Tabakladen bis zum Supermarkt. Diese hohe Anzahl ergibt sich daraus, dass es ebenso viele
verschiedene Risiken wie Arten von Betrieben und Geschäften gibt. So
wird zum Beispiel zwischen „Fernsehgeräteherstellung“ (Sicherungsklasse 2),„Fernsehgerätehandel“ (Sicherungsklasse 3) und „Fernsehgerätereparatur“ (Sicherungsklasse 4) unterschieden, da das Risiko jeweils ein anderes ist. Bei der Einstufung in Sicherheitsklassen handelt
es sich um Empfehlungen. Sie sind nicht bindend oder gesetzlich vorgeschrieben. Allerdings kann ein Versicherer die Sicherung nach den
VdS – Vertrauen durch Sicherheit
VdS ist eine der wichtigsten unabhängigen Prüfinstitutionen
mit den Schwerpunkten Brandschutz und Sicherheit. Zu den
Kunden zählen risikobewusste Industrie- und Gewerbebetriebe, führende Hersteller und Systemhäuser sowie Fachfirmen und Fachkräfte. VdS-Zertifikate geben gewerblichen
und privaten Verbrauchern eine wichtige Orientierungshilfe,
um qualitativ hochwertige von weniger leistungsstarken
Produkten und Dienstleistungen zu unterscheiden.
VdS führt in seinen Laboratorien Typ- und
Systemprüfungen an Produkten für Brandund Einbruchschutz durch. Die Laboratorien decken die gesamte Wertschöpfungskette von der Prüfung des Prototyps bis
hin zum VdS-anerkannten Endprodukt ab.
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Was sind die wichtigsten Punkte beim Thema Sicherungstechnik?
Wo stößt sie an ihre Grenzen?
Es sollte immer eine sinnvolle Kombination aus mechanischen und
elektronischen Maßnahmen, die in sich stimmig ist, umgesetzt werden. Im gewerblichen Bereich nur eines von beiden zu haben, bringt
meistens nichts, egal wie gut rein mechanische oder rein elektronische Sicherungen auch sein mögen. Erst die richtige Kombination von
beiden stoppt auch Profi-Kriminelle.
Es gilt nun einmal das Prinzip: Alles, was ich verschließen kann, kann
ich auch irgendwie wieder aufmachen. Nichts anderes machen wir ja
in unseren Prüfungen von mechanischer Sicherungstechnik. Wenn wir
hier ein Schloss oder auch einen Tresor zur Prüfung haben, können
wir den hundertprozentig irgendwann öffnen. Entscheidend für den
Einbruchschutz ist immer nur: Wie lange dauert es, welches Werkzeug
und wie viel Fachwissen wird dazu benötigt? VdS-Prüfingenieuren
stehen zum Beispiel verschiedene Werkzeuge zur Verfügung, die, gestaffelt nach Leistungsfähigkeit, in Gruppen zusammengefasst sind.
Beispielsweise können die Kollegen bei der Prüfung eines Safes mit
niedrigen Widerstandsgrad auf Draht, Zange, Hammer, Meißel etc.
zugreifen. Mit steigenden Anerkennungsstufen kommen dann schwerere Hämmer, Keile und ähnliches dazu. Später finden sich in der
Werkzeuggruppe erste Elektrogeräte wie z.B. Bohrmaschinen. In den
höchsten Gruppen – oder wie unsere Labor-Experten sagen „Werkzeugsätzen“ – sind Schweißbrenner und leistungsfähige Winkelschleifer im Sortiment. Irgendwann kommt die mechanische Sicherung definitiv an eine Grenze. Deshalb ergänzen elektronische Maßnahmen wie
eine Einbruchmeldeanlage die mechanische Ebene und umgekehrt.
Die Einbruchmeldeanlage sorgt dafür, dass Tätern nicht genügend Zeit
zur Verfügung steht, um mechanische Sicherungen zu überwinden.
Und natürlich kommt auch die elektronische Sicherung nicht ohne geeignete mechanische Unterstützung aus. Es bringt nichts, einen gut
gefüllten Geldschrank mithilfe eines Bewegungsmelders zu überwachen, wenn der Schrank mit geringem Einsatz zu öffnen ist. Manche
der im Baumarkt verkauften Modelle können mit dem nötigen Know-
How sogar ganz ohne Werkzeug in Sekundenschnelle geöffnet werden. Gerade Gewerbebesitzer müssen wissen: Standardtüren und
-Fenster sowie -Rolltore und -Rollgitter sind vielfach innerhalb von
zehn bis 30 Sekunden zu öffnen – nicht selten mit einem einfachen
Schraubendreher. Da hilft eine Einbruchmeldeanlage auch kaum. Auf
den Abschreckungseffekt auf Gelegenheitstäter sollte man sich nicht
verlassen. Mechanische Zusatzsicherungen müssen Einbrecher für
eine gewisse Zeit aufhalten, bis die von einer Meldeanlage alarmierte
Polizei oder ein Sicherheitsdienstleister vor Ort erscheinen – und die
Handschellen klicken.
In diesen Richtlinien finden Betriebe die für die verschiedenen Sicherungsklassen empfohlenen Sicherungsmaßnahmen. Die Sicherungsrichtlinien stellen eine Zusammenfassung der gesammelten Erfahrungen der VdS-Experten, der
Polizei und der Versicherungswirtschaft dar. Die Richtlinien
können kostenfrei von der VdS-Webseite heruntergeladen
werden. Einfach unter www.vds.de das Stichwort „Sicherungsrichtlinien für Geschäfte
und Betriebe“ in die Suchmaske eingeben.
Unter dem Reiter „Treffer in VdS-Publikationen“ steht die Datei als PDF zum
Download bereit.
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Grad I bis X. Es ist nicht empfehlenswert, Wertsachen in nicht klassifizierten oder zu gering klassifizierten Behältnissen aufzubewahren.
Diese sind häufig recht einfach zu öffnen. Zudem können die Versicherer einen Safe eines bestimmten Widerstandsgrades verlangen.
Wichtig ist, dass der Eigentümer sich zunächst darüber klar wird, welche Wertsachen er besitzt. Dies ist nicht immer leicht zu bestimmen.
Welchen Wert hat etwa eine CD, auf dem sich das gesamte Firmenwissen befindet? Ist dieses Wissen überhaupt versicherbar? Hängt die gesamte Existenz von dem Inhalt eines Tresors ab, sollte man überlegen,
ob man diesen Inhalt nicht lieber extern unterbringt – etwa in einem
Bankschließfach. Man sollte hier in seinem eigenen Interesse wirklich
ehrlich sein, damit es im Ernstfall kein böses Erwachen gibt. Beratung
kann hier in vielen Fällen auch der Versicherer bieten.
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Worauf kommt es beim Thema Alarmanlagen an?
Bei Alarmanlagen, Fachleute sprechen von Einbruchmeldeanlagen
(EMA), ist es wichtig, Fehlalarme zu reduzieren. Jeder falsche Alarm
verringert die Glaubwürdigkeit der Anlage. Darauf wird bei der VdSPrüfung sehr genau geachtet. Wichtig ist auch, dass die Anlage von einem VdS-geprüften Errichter eingebaut wird, denn die komplexe Technik kann nur zuverlässig funktionieren, wenn sie von Profis installiert
wird. Für den gewerblichen Schutz kommen Anlagen der Klassen B
oder C in Frage. Klasse B eignet sich für gewerbliche Objekte mit einfacher und erhöhter Gefährdung, wie etwa Supermärkte oder Schulen.
EMA der Klasse C werden für Gewerbebetriebe mit hoher Gefährdung,
wie beispielsweise Juweliere, Pelz- oder Teppichgeschäfte eingesetzt.
Sicherungsrichtlinien für Geschäfte und Betriebe
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Worauf ist denn bei Tresoren und Safes zu achten?
Auch Wertbehältnisse werden von VdS geprüft und sind in verschiedene Widerstandsklassen gestuft. Diese reichen von VdS-Grad N über
Beispiele für Sicherungsklassen (Gewerbe):
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Die Sicherungsklassen für Gewerbebetriebe reichen von
SG 1 bis SG 6 (SG = Sicherungsklasse Gewerbe):
SG 1: Ambulanter Pflegedienst, Änderungsschneiderei,
Bäckerei (ohne Café), Bücherei, Fahrradverleih, Gießerei,
Kfz-Lackiererei, Nagelstudio, Taxiunternehmen, Zeitschriftenhandel (ohne Tabak und Spirituosen).
SG 2: Apotheke, Autoreparatur, Hotel (mit Restaurant),
Fitnessstudio, Solarium, Getränkevertrieb, Buntmetallhandel, Heizungsinstallationsbetrieb, Internet-Café,
Imbissstube, Friseur.
SG 3: Antiquitätenhandel, Augenoptiker, Automatenspielhalle, Boutique (mit Pelzwaren),
Briefmarkenhandel, Elektrogerätehandel (mit
Unterhaltungselektronik), Drogerie, Fahrzeughandel, Genussmittel-Einzelhandel,
Klavierhandel, Waffenhandel.
SG 4: Baugerätehandel, Bekleidungsherstellung (mit Pelzwaren), Bodenbelaghandel (mit
Orientteppichen), DVD-Verleih, Einkaufszentrum, Datennetzbetreiber, Handschuhherstellung, IT-Unternehmen, Lederbekleidungsherstellung, Nähmaschinenreparatur,
Supermarkt, Tabakwarenherstellung.
SG 5: Geldinstitute, Banken und Sparkassen
SG 6: Edelmetallhandel, Edelsteinhandel, Goldschmiede,
Juwelierwarenhandel, Pfandhaus, Modeschmuckhandel
(mit Juwelierwaren), Schmuckherstellung, Uhrenhandel, Uhrmacher
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