Gut gemacht?! Von der Zwiespältigkeit des Lobes

Sonntag, 24. Januar 2016 (20:05-21:00 Uhr) KW 03
Deutschlandfunk Abt. Feature/ Hörspiel/ Hintergrund Kultur
FREISTIL
Gut gemacht?!
Von der Zwiespältigkeit des Lobes
Von Gabi Wuttke und Günter Rohleder
Regie: Uta Reitz
Redaktion: Klaus Pilger
Produktion: Deutschlandfunk 2016
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Text: F(rau) (begeistert):
Dieses Hemd: Da traust Du Dich ja was! Steht Dir wahnsinnig gut, dieses knallige Rot.
Text M(ann) (erstaunt): Wirklich?
Text F: Ehrlich!
Text M (bescheiden):
War ein Sonderangebot, weil hier, siehst Du: Am Kragen ist ein Webfehler.
1. Musik „Canon in Frame“ (aus „Saxoridoo“ Friedemann Graef & Achim
Goettert)
2. O-Ton Baecker
Ich glaub nicht, dass wir auf Lob nicht verzichten können.
Mein Name ist Dirk Baecker, ich bin Soziologe und arbeite an dem Lehrstuhl
für Kulturtheorie und Management an der Universität Witten Herdecke
3. O-Ton Reinboth
Es kommt darauf an, wofür das Kind gelobt wird.
Ich bin Ruth Reinboth, psychologische Psychotherapeutin
4. O-Ton Knape
Wir loben den, der sowieso unvermeidlich die Macht hat.
Joachim Knape, Professor für allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen
5. O-Ton El-Manhy
Ich bin Jasmin El Manhy, bin Pfarrerin in der evangelischen Kirchengemeinde:
Halleluja. Lobet den Herrn (lacht). Ja.
6. O-Ton Kaschuba
Wer lobt und wer gelobt wird, die beiden gehen ein Verhältnis ein.
Wolfgang Kaschuba, Ethnologe, Kulturwissenschaftler in Berlin
7. O-Ton Gerdes
Jeder Anlass zu loben ist mir sehr willkommen. Weil einfach das, was man
zurück bekommt, sind strahlende Augen, entspannte Leute, ja und einfach n
bisschen Lebensfreude.
8. O-Ton Sophie
Wenn ich gelobt werde, dann ist das eigentlich voll schön und ich fühl mich
auch voll schön und glücklich und es ist einfach n cooles Gefühl.
9. O-Ton Luca
Es gibt nichts Peinlicheres als gelobt zu werden
Musik „Canon in Frame“
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Sprecher:
"Gut gemacht!? Von der Zwiespältigkeit des Lobes"
Ein Feature von Günter Rohleder und Gabi Wuttke
Musik (hochziehen und kurz stehenlassen)
Text F: Magst Du es eigentlich, gelobt zu werden?
Text M: So ein Kompliment wie eben?
Text F: Lob oder Kompliment, nenn es wie du willst.
Text M: Ja, irgendwie gefällt es mir schon, wenn Du sagst, dass dir mein Hemd gefällt.
Ich war nur ein bisschen überrascht, weil....
Text F: Nix ‚weil“. (streng) Nimm's doch einfach an, wenn ich deinen Mut lobe.
Und deinen Geschmack.
Text M (leicht genervt): Also, ehrlich gesagt, ich finde das Rot gar nicht so knallig,
und bin Komplimente von Dir einfach nicht gewohnt.
Text F (entrüstet): Jetzt behaupte nicht, ich mach nie welche! Ich bin doch nicht wie mein Opa.
Der hat immer gesagt: „Nicht kritisiert, ist genug gelobt“.
Text M: (beruhigend) Fragen wir uns also: Wie funktioniert das Lob und was macht es mit uns?
10. Musik: Kurzer Ausschnitt aus „Az Utolso Poharban“ (aus „Saxoridoo“
Friedemann Graef & Achim Goettert)
Text M: Ich habe gerade zwei Tage lang die Wohnung aufgeräumt und meine Mitbewohnerin
kommt vorhin von ihrem Wohlfühl-Wochenende zurück und sagt.... Nichts! (erregt) Und ich
merke: Ich habe was erwartet. (noch erregter) Ich habe ein Lob erwartet. Aber da kommt nix. Und
dann traue ich mich auch nicht, was zu sagen. Und dann bleibt dieses....
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Text F: .... dieses Scheiß-Gefühl.
Text M: Genau! Du weißt, was ich meine.
Text F (lakonisch): Ich besorge zwei Theaterkarten. Premiere. Erste Reihe.
Stehe stundenlang in der Schlange vor der Kasse. Die Arbeit bleibt liegen.
Und, was sagen die Eltern? Vom 2. Rang aus hätten wir.....
Text M+F (zusammen schmunzelnd)…auch gut gesehen!
11. O-Ton Reinboth
Der Hunger nach Lob, den bezeichne ich als eine Abhängigkeit von außen, weil ich in mir einen
Hunger habe, der nicht gesättigt ist. Also es ist ein Mangel an Selbstwertschätzung und an
Selbstanerkennung, der natürlich Wurzeln hat in der Biographie.
Text F: Autsch. Das geht ins Eingemachte. Hast Du es erst mal ein bisschen kleiner?
Text M: Kleiner nicht. Aber weiter weg.
12. O-Ton Knape
Ich unterscheide mit der antiken Theorie zwischen dem Loben als Sprechakt,
als kommunikative Handlung und dann der Textsorte, der Gattung Lobrede.
Die ist sehr spezifiziert, da haben wir also viele Untergattungen: Das
Herrscherlob, das Personenlob, dann, was wir heute unter Laudatio kennen.
Also, das Lob wird verhandelt auch in der Theorie als etwas, was das soziale
Leben zusammenhält. Was ne gewisse Affirmation bedeutet, also die Werte der
Gesellschaft werden bestätigt, in dem ich etwas lobe und vor allen Dingen
Menschen lobe.
Text F: Menschenlob als Kitt für die Gesellschaft?
Text M: Man muss die Leute bei der Stange halten....
13. O-Ton Musik („Wir sind Helden“: Aus „Ode an die Arbeit“)
„An die Arbeit! Los und eins und zwei und eins und zwei und:
Du bist Preußen!
Eins und zwei und eins und zwei und eins und zwei und: Fertig
An die Arbeit! Los und eins und zwei und eins und zwei und: Schluss“
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14. O-Ton „Buddenbrooks“ CD 3, Take 2, 1:20:
„Ick bün man’n armen Mann, mine Herrschaften, öawer ick hew’n empfindend
Hart, un dat Glück un de Freud von min Herrn, Kunsel Buddenbrook, welcher
ümmer gaut tau mi west ist, dat geht mi nah (....) so’n Herr, as Kunsel , giwt
dat nich veele, dat ist’n edeln Herrn (...) So, Grobleben! Dat hewn Sei schön
segt! Veelen Dank ook, Grobleben!“
Text F (schnippisch-nachäffend): Ist immer gut zu mir gewesen, der edle Herr,
von denen es nicht viele gibt....
15. O-Ton Knape
Traditionell ist das Herrscherlob immer mit Übertreibungen verbunden. Man
spricht dann von Hyperbolik. Also das heißt nach oben offen.
Text F (weiter schnippisch): ... nach oben offen auf der Chef-Skala. Das ist mir sehr nah. Schön
gesagt, lieber Untertan. Aber jetzt wieder husch an die Arbeit.
Text M: Konsul Buddenbrook spricht im Jahre des Herrn 1836...
Text F (unwirsch): Ich meine das nicht historisch. Mich ärgert dieser Halbgott-Status.
16. Musik: Aus „Umbra“ (aus „Saxoridoo“ Friedemann Graef & Achim
Goettert)
17. O-Ton El Manhy aus Psalm 113:
Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN, lobet den Namen des HERRN!
Gelobt sei der Name des HERRN von nun an bis in Ewigkeit!
Musik
(Fortsetzung El Manhy O-Ton)
18. O-Ton El Manhy: Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei
gelobet der Name des HERRN!
Der HERR ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht, soweit der
Himmel ist.
Wer ist wie der HERR, unser Gott im Himmel und auf Erden?
19. O-Ton Knape
Gotteslob kennt keine Grenzen.
20. O-Ton El Manhy
Ja, warum loben wir Gott? Menschen kommen in die Kirche und loben Gott
aus Dankbarkeit, weil ihnen was Gutes widerfahren ist. Z.B. Menschen, die
lange nicht in der Kirche waren und dann ihr erstes Kind bekommen und dann
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in die Kirche gehen und Gott dafür danken möchten. Ich lobe, weil Gott mir
Gutes getan hat. Ich lobe Gott und das Leben, auch wenn es Tod gibt. Ich
glaube weiter an die Liebe, auch wenn sie mir gerade Schlechtes getan hat. So.
Musik
21. O-Ton El Manhy
Ich vergewissere mich meiner selbst oder ich bin bei mir, wenn ich Gott lobe,
auch im Gegenüber zu Gott, insofern ist es auch ne Freiheit, mich nämlich
nicht an dem anderen zu orientieren, sondern mich in dem Moment wieder
auszurichten auf Gott hin.
Text M: Irgendwie eine schöne Erklärung, finde ich.
Text F: Hört sich beruhigend an, ja. Aber mich stimmt das trotzdem nicht um. Kirche und
herrschende Klasse: Alles eins: Oben ist, wer gelobt wird. Unten ist, wer lobt.
Sprecher:
Aus dem Paulusbrief an die Römer, in der Übersetzung von Martin Luther:
„Jederman sey untertan der Oberkeit / die Gewalt uber jn hat.
Denn es ist keine Oberkeit / on von Gott / Wo aber Oberkeit ist / die ist von Gott verordnet. (...)
Wiltu dich aber nicht fürchten fur der Oberkeit / so thue gutes / so wirstu lob von derselbigen haben
/ Denn sie ist Gottes Dienerin / dir zu gut. Thustu aber böses / so fürchte dich
(In der Produktion entscheiden: Sollte die Original-Luther-Übersetzung nicht
verständlich genug sein, die Fassung von 1984 verwenden:)
Sprecher:
Aus dem Paulusbrief an die Römer:
„Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer
von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet. (...) Willst du dich aber nicht fürchten
vor der Obrigkeit, so tue Gutes; so wirst du Lob von ihr erhalten. Denn sie ist Gottes Dienerin, dir
zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich“
22. O-Ton El Manhy:
Ich hab nicht das Gefühl, dass das die Menschen klein macht, dass sie sich
damit klein machen, sondern eher dass sie sich – Loben ist so – das ist ja oft
auch in den Gesängen ein Aufschwingen zu Gott. Das ist auch ne Fröhlichkeit,
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dieses Halleluja, ich lobe Gott. Weil er heilig ist, also diese Demut vor dem
Heiligen. Gottes Schönheit. Das Geheimnis. Ja.
Musik „Umbra“
23. O-Ton Kaschuba:
Wir betrachten ja Formen eben der Verehrung, der Anbetung und andere Dinge
immer auch so in einem Echo-Effekt als Bestätigung auch der Gemeinschaft,
die das tut. Also dem wohnt immer ein hohes pathetisches Moment inne. Wir
wissen alle, dass wir - vielleicht nicht von jedem Kirchenlied -, aber von ganz
bestimmten Klängen, von ganz bestimmten kollektiven Formen, von ganz
bestimmten emotionalen Abläufen, ergriffen werden.
24. O-Ton Brigitte
Dieses Lobpreisen ist bei Gott, das ist eben eine Form, die mir Ruhe gibt und
Ausgleich mit anderen Menschen aus anderen Ländern richtig zu
kommunizieren. In der Kirche habe ich gesungen im Chor und da wurde mir
gesagt: Ich singe nicht gut, aber überzeugend (lacht). Das ist ja auch ein Lob.
(lacht)
25. O-Ton Kaschuba
Gotteslob und Fürstenlob sind natürlich einfach Bestätigungen einer Ordnung,
die nicht hinterfragbar ist und an der ich nur teilhaben kann, wenn ich sie auch
teile und bestätige. Ja, kollektive Identitäten in Zeiten des Christseins und
normative Identitäten in Zeiten des Feudalwesens fordern solche Formen als
rituelle Formen der Anerkennung, und wenn ich sie verweigere, kann ich mich
nicht selber loben, sondern hab ich gar kein Lob.
Text F (maulig): Das erklärt das Lob von Unten nach Oben, macht es aber
nicht besser!
Text M (beruhigend): Sieh Dir doch mal die andere Seite der Medaille an, und spiel’ jetzt nicht
Robin Hood. Du weißt doch selbst, dass es ein geschickter Schachzug sein kann, sich beim Chef
einzuschleimen. Nennt sich „Panegyrik“: Unechtes Herrscherlob.
Musik kurzer Ausschnitt aus „Az Utolso Poharban“
26. O-Ton Knape
Bei dieser Art von schmeichlerischem Lob kommen Euphemismen ins Spiel,
also unehrliche Ausdrucksformen. Man sagt dann nicht, er hat leichtsinnig
gehandelt, sondern man sagt dann, er war sehr tapfer und ist nach vorne
gestürmt. Man sagt dann nicht, das war verschwenderisches Handeln, sondern
man sagt, das ist ein sehr großzügiger Mensch gewesen. Man sagt dann auch
nicht, der war geizig, sondern man sagt dann, das war ein sehr sparsamer
Mensch.
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Text F: Ja, da gehe ich mit. Aber, ehrlich gesagt: Es gab schon die ein oder andere Situation,
in der ich aus taktischen Gründen gelobt habe – und danach hatte ich ein ziemlich flaues Gefühl im
Magen.
27. O-Ton Knape
Loben heißt eine Differenz markieren. Also eine Differenz soll aufgebaut
werden durch eine Heraushebung, bedeutet, dass ich die Seiten des Geehrten,
des Gelobten oder der gelobten Sache hervorkehre, die wichtig sind im
Unterschied zu weniger wichtigen Dingen oder vielleicht auch zu den
Schattenseiten, die überall in der Welt sind, sage ich, indem ich lobe, dieses ist
aber wichtiger. Und das ist dann auch nicht gelogen, nicht Schmeichelei,
unehrliche Rede. – Das ist gattungsbedingt.
Text F (spitz): So, so. Gattungsbedingt. Das klingt so staatstragend wie
‚systemrelevant’....
Text M: Jetzt bist Du aber streng!
Text F: Nein, nur pragmatisch.
Text M: Du denkst zu sehr im Hier und Jetzt.
Text F: Und Du liebst zu sehr die Theorie!
Text M (begeistert): Die Rhetorik von Aristoteles:
Das war Pi mal Daumen vor über 2000 Jahren. Da war das Halleluja noch nicht erfunden....
Text F (schnippisch): Und deshalb ist heutzutage eine Rede rhetorisch umso besser, je mehr
gelobhudelt wird?
28. O-Ton Knape
Die Rhetorik ist immer an die Wahrheit gebunden.
Text F: Wer sagt das?
29. O-Ton Knape (Fortsetzung):
Das sagt Aristoteles ganz klar in seiner Rhetorik und der Redner hat auch drei
wesentliche Merkmale auszudrücken, die ihn, wenn er in einen Redeakt
eintritt, auszeichnen. Also er soll Sachkenntnis haben, Phronesis, er soll integer
sein, Arete, Tugend sagt man auch dafür, soll er zeigen. Und er soll Eunoia
zeigen, Wohlwollen. Wir würden modern Empathie sagen.
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Text M (grinsend): Ich würde jetzt ja gerne mal den Advocatus Diaboli spielen..
Text F (süffisant): Ich dachte immer, das Teuflische sei Deinem Wesen völlig fremd....
Text M: Manchmal ist nicht nur der Lobende, sondern auch der Gelobte arm dran.
30. O-Ton Baecker
Die Lobrede stellt den Gelobten aus. Ja, der Gelobte muss sich sogar über das
Lob freuen. Und er merkt unter Umständen nicht - oder er merkt es doch und
muss es dann verbergen -, dass hier Kriterien formuliert werden, die für den
Lobenden gelten und Kriterien, die von denen, die dieser Lobrede jetzt
zuhören, das ganze Publikum drumherum, erst einmal übernommen werden
und als Kriterien festgehalten werden, an denen das Verhalten des Gelobten
morgen und übermorgen gemessen werden kann.
31. O-Ton Kaschuba
Man hört Bilder, man hört über Leistungen. Man hört über Dinge, die man
angeblich getan hat. Mich erinnert das immer sehr stark an meine alte
Fußballer-Erfahrung: Wenn man vor dem Spiel rumgebolzt hat, aufs Tor und
hat getroffen, dann haben die anderen gesagt: Geh jetzt besser duschen. Besser
kann’s nicht mehr gehen. Jetzt kann ich eigentlich nur noch schlechter werden.
Jetzt kann ich eigentlich nur noch etwas anrichten, weil das Lob natürlich in
vieler Hinsicht überhöht.
Musik
Text M: Ich weiß nicht, ob das was an Deiner Meinung ändert, aber.....
Text F (lächelnd): Der Dreh war schon geschickt. Chapeau!
Text M: Der war nicht von mir, sondern...
Text F:... Mann, Mann, Mann. Im Lob-Angeln Extra-Klasse.
32. O-Ton Sophie
Ahhh, ich seh nicht gut aus. Und davor hat aber schon jemand gesagt: Du
siehst voll gut aus. Dann könnten manche denken: Du willst einfach nur mehr
Lob kriegen. Du willst einfach nur versichert kriegen, dass du cool bist und gut
bist.
Text F: Sag mal: Was hat Dich eigentlich geritten, Dir dieses knallrote Hemd zu kaufen?
Text M (leicht genervt): Jetzt lass doch mal gut sein!
Text F: T’schuldigung....
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Text M: Also ..... Es gibt da einen Kabarettisten: Der trägt auf der Bühne immer einen
Cordhut und ein Hemd mit Karos...
Text F: Wie Du sonst auch...
Text M: Ja, nur nicht bis unter’s Kinn zugeknöpft. Aber egal. Ich sitze also mit Harti in der
Vorstellung und sehe plötzlich, dass er verstohlen auf mein Hemd starrt
und fühle mich auf einmal selbst ....... kleinkariert.
Musik
Text F: Wer ist Harti?
Text M: Ein alter Kumpel. Wir haben im Studium im selben Malerbetrieb gejobbt.
Harti war uns beim Lackieren immer eine Tür voraus – und der einzige, den der Chef lobte:
‚Gute Arbeit, Hartmann, keine Nasen und immer sparsam mit der Farbe!’
Text F: Das hat Dich geärgert?
Text M: Nein, der Chef war eigentlich ganz in Ordnung. Und Harti hat wirklich akkurat gearbeitet.
Trotzdem waren wir verunsichert und Harti war es peinlich, dass er sich immer auch ein bisschen
gefreut hat.
33. O-Ton Luca
Wer heute gelobt wird, muss morgen noch etwas mehr leisten, damit er noch
weiter gelobt wird, damit er auf der Höhe dieses Lobes bleibt. Wer lobt, setzt
einen Maßstab einer anderen Person, einem anderen Menschen und dieser
andere Mensch fühlt sich sehr stark verpflichtet, diesen Maßstab zu halten.
Und auf dieser Höhe zu bleiben.
34. O-Ton Baecker
Wenn ich lobe, dann picke ich aus dem Verhalten, das gelobt wird, aus und
lasse andere weg. Das heißt: Ich operiere extrem selektiv und zeige damit dem
Gelobten, in welchen Hinsichten es sich für ihn lohnen mag, wenn er gelobt
werden möchte.
Text F: Danke für diese Bestätigung. Die ‚Alte Schule’ funktioniert also immer noch tadellos.
Auch wenn im Handbuch für modernes Personal-Management was anderes steht.
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Text M (leicht hämisch): Das heißt jetzt ‚Feedback’.
Text F (theatralisch): Und die ‚Führungskraft’ sagt: „Sie sind ein wertvoller Mitarbeiter.
Aber ich nehme wahr, dass Sie in letzter Zeit Hemden in auffälligen Farben tragen. Ich wünsche
mir, Sie spielen wieder im Team: Stark in der Performance, aber dezent in der Präsentation.“
Text M: Und das soll motivieren?
Text F: Nö. Das ist der neue Stil zu tadeln.
Text M: Und wie geht positives Feedback?
Text F (zynisch): „Herr Hartmann, toll, dass Sie jeden Morgen in den Korb mit den frischen Äpfeln
greifen, den wir hier kostenlos aufgebaut haben! Gesundheit geht uns doch über alles!“
Text M (interessiert): Aha. So geht die Methode: Intrinsisch arbeitsam: von innen heraus.
Text F (spitz): Aber immer mit Ansage und immer mit dem Ziel: Leistung, Leistung, Leistung.
Also: Husch, ins Körbchen.
35. O-Ton Baecker
Ich glaub, dass wir mehr von oben nach unten als von unten nach oben
gegenwärtig leben, äh, loben, vielleicht leben auch. Dass wir doch mit viel
mehr hierarchischen Situationen, und zwar eines kontrollierenden Typs, eines
zurichtenden, eines in Netzwerke einbettenden Typs zu tun haben, als wir in
unserer egalitären Gesellschaft gerne unterstellen.
Text M: Also, wenn da was dran ist, dann gilt das auch für die Erziehung.
Text F: Ich freu’ mich, dass Kinder heute ernst genommen werden.
36. O-Ton Sophie
Ich glaube, für uns, wenn wir von unseren Eltern nicht gelobt werden, dann
wär das für uns komisch.
37. O-Ton Gerdes
Ich weiß nicht, wie Sie das sehen, also ich hab meine Kinder für jeden
Krickelkrackel gelobt und hab gesagt, ach wie schön, und nimm doch mal die
Farben, dann wird das noch schöner.
Text M (finster): Da hörst Du es: Der frühe Vogel fängt den Wurm.
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Text F: Das ist zynisch.
Text M: Wieso? Ein Bild, das mit anderen Farben noch schöner wird. Steckt da nicht genau
derselbe Leistungsgedanke hinter wie bei den Äpfeln im Vorzimmer des Chefs?
Text F (störrisch): Eltern meinen es doch nur gut mit ihrem Nachwuchs.
Du kannst nicht ernsthaft behaupten, Kinder werden heutzutage gelobt, um angepasste, fleißige
Erwachsene zu werden?!
Text M (lakonisch): Einiges spricht dagegen, Vieles dafür: „Fleißig“ ist überholt, aber von „Erfolg“
spricht jeder. Die erste Fremdsprache wird praktisch schon mit der Muttermilch gelernt.....
Text F: Was hat das mit Lob zu tun?
Text M: Na, um ihre Kinder zu motivieren, loben diese Eltern sich doch halbtot.
Aus Angst, sie übersehen Potenziale und ihre Kinder werden deshalb später von anderen abgehängt.
38. O-Ton Kaschuba
Also die Selbstverständlichkeit, in einer Gesellschaft zu funktionieren, die
Aufgaben zu erfüllen, Rollen nachzukommen, daraus bricht das bürgerliche
Milieu aus mit der Vorstellung, dass das Individuum entwicklungsfähig ist.
Dass Lob und Ermutigung wichtig sind, und dann im zweiten Schritt die
Kindheit als besonders wichtigen Bereich des Lobes. Dort ist das Lob dann
pädagogisch gemeint, nicht nur emotional.
39. O-Ton Reinboth
Es kommt darauf an, wofür das Kind gelobt wird. Es gibt ja viele Kinder, die
werden für Leistung gelobt, aber nicht für ihr So-sein.
Text F: Du meinst also, aufgeweckte Eltern geben heute den Druck, den sie selber ständig haben,
an ihre Kinder weiter und entlasten sich durch ständiges Loben?
Text M: Anders kann ich mir diese überbehütenden Eltern nicht erklären.
Text F: Und deshalb quillt aus jeder Ritze diese lautstarke Entzückung: Das hast du super, klasse,
toll gemacht?
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40. O-Ton Reinboth
Lob als Er-Ziehungsmittel ist weniger bedeutsam als Be-Ziehung. Also BeZiehung ist wichtiger als Er-Ziehung. Es braucht ja auch Herausforderungen,
Frustrationen zum Wachsen, zum Lernen. Schmerzen, Frustrationen,
Enttäuschungen: Das alles ist ja auch eine wichtige Orientierung. Das Leben ist
nicht nur ein Honigschlecken.
Text M: Aber wenn das Lob zum Reflex wird, lernt das Kind:
Was immer ich tue, das Leben ist ein Ponyhof.
Text F: Puhh, bist Du streng! Mit Enttäuschungen umzugehen, lernt man doch früh genug.
Text M (streng): Zugegeben: Da bin ich wertekonservativ!
Text F (spitz): Und damit ziemlich einsam....
Texte M: Stimmt nicht.
41. O-Ton Kaschuba
Es gibt natürlich die Frage: Müssen wir unsere Kinder sozusagen auf die
Erdhöhe der Helikopter-Eltern loben? Also kann man mit Kindern heutzutage
überhaupt noch anders umgehen als in völligem Enthusiasmus? Und das
Schlimme ist ja, dass wir im Grunde genommen in Filmkomödien, in denen
das ja regelmäßig Thema ist, immer mehr das Gefühl kriegen, man kann im
Kino die Realität kaum übertreiben. Und gleichzeitig ahnen wir: Das ist die
bequemste Form. Man sagt ‚Toll’, zack, das war’s, ja okay. Wir ahnen auch,
dass wir sprachlich immer karger werden.
Musik
42. O-Ton Reinboth
Zwei wirklich ganz gestandene Menschen über 60. Er sagt: „Ich habe mir
überlegt, ob ich im Garten gießen soll. Ich finde es eigentlich nicht notwendig
zu gießen heute, aber ich weiß, meine Frau hat die Tendenz viel häufiger zu
gießen als ich. Ich denke, die Pflanzen sollen auch nicht so verwöhnt werden.
Aber sie würde sich wahrscheinlich freuen, wenn ich gießen würde. Außerdem
habe ich dann einen schönen Abend mit ihr“. (lacht) Und dann hat er gegossen.
Und dann habe ich gesagt: „Das finde ich ganz toll, dass Sie ihr zuliebe, und
natürlich nicht ganz uneigennützig, gegossen haben. Und mit dieser
Begründung: Ihr zuliebe. Und dann wurde er ganz rot und sagte: Also, man
sollte ja nicht so abhängig davon sein, gelobt zu werden. Das ist ja vielleicht
neurotisch. Und ich sage: Aber wenn Sie wirklich etwas getan haben, was für
Sie schwierig ist, wo Sie auch über ihren Schatten gesprungen sind, dann finde
ich das einfach klasse. Und dann sagt sie: ‚Ja, ich bin jetzt ganz nachdenklich.
Ich nehme Vieles viel zu selbstverständlich und sage nichts.’
Text F (sentimental): Ooh, ist das eine rührende Geschichte!
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Warum gibt es so was im wirklichen Leben nicht öfter?
Text M (kühl): Tja...
Text F (spitz): Dich lässt das kalt?
Text M: Ich glaube nur nicht, dass Blumengießen reicht, um eine Beziehung wieder in’s Lot zu
bringen.
Text F (aufbrausend): Ach, Deine Sachlichkeit nervt manchmal wirklich!
Text M (beruhigend): Hey! Lass Dir die Geschichte mal nicht von mir vermiesen.
Ich finde es viel rührender, dass sie Dich so anrührt.
43. O-Ton Knape
Dieses Spiel mit kleinen Bestätigungen, wir nennen das Komplimente, das
haben wir sehr früh gelernt. Und es ist eigentlich der Kitt des alltäglichen
Zusammenlebens. Weil es Aggressionen abbaut und eigentlich gute Stimmung
verbreitet und dann auch Bereitschaft zu positiver Interaktion auf ganz kleine
feine Weise in den Alltag bringt.
Text M: Du, ich hab’ Dir aber kein Kompliment gemacht. Ich wollte Dich eigentlich loben.
Text F: Loben? Das ist doch immer mit Leistung verbunden. Aber so nah am Wasser gebaut zu
haben, ist keine Leistung.
Text M: Das kann man nicht so messerscharf trennen.
Text F: Wieso nicht?
Text M: Weil Komplimente sowohl für Leistungen als auch für Eigenschaften
ausgesprochen werden.
Text F: Mmmmh. Ist Geschmack eine Eigenschaft?
Text M: Über Geschmack lässt sich zwar immer streiten, aber ich finde, wie er sich bei jedem
zusammensetzt ist keine Leistung.
Text F: Auch nicht Dein Mut, Dir so ein knallrotes Hemd zu kaufen?
Text M (grinsend): Vielleicht war das ja Deine Art mich anzutreiben, mehr auf meine Klamotten
zu achten?
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Text F (empört): Ach komm, so listig bin ich nicht!
Text M (süffisant): Dann wolltest Du Dich bei mir einfach nur ein bisschen einschmeicheln?
44. O-Ton „Buddenbrooks“ CD 2, Take 4, ca. Minute 4: 00:
„Ich bitte Sie, Frau Konsulin, beachten Sie? Ich beschwöre Sie, mein
Fräulein“, unterbrach er sich laut, als ob Tony nur dies verstehen sollte,
„bleiben Sie noch einen Moment in dieser Stellung! Beachten Sie“, fuhr er
wieder flüsternd fort, „wie die Sonne in dem Haare Ihres Fräulein Tochter
spielt? Ich habe niemals schöneres Haar gesehen!“
Text F: Konsulin Buddenbrook ging beim Schwiegersohn in spe das Herz auf.
Ihre Tochter Tony war klüger.
Text M: Sie roch den Braten sofort.
Musik
45. O-Ton Knape
Die berühmte Antoniusrede in Shakespeare's Caesar-Drama ist ein
Paradebeispiel, wie man mit vergifteten Komplimenten umgehen kann. Er will
ja ne Trauerrede halten, sagt Antonius. Und er will seinen Gegner Brutus ehren,
denn das ist ein ehrenwerter Mann. Und so fängt die Rede an:
Sprecher:
(Aus William Shakespeare „Julius Caesar“, Haffmans Verlag
1993, Übersetzung von Christoph Martin Wieland)
„Mitbürger! Freunde! Römer! hört mich an:
Begraben will ich Cäsarn, nicht ihn preisen.
Was Menschen Übles tun, das überlebt sie,
Das Gute wird mit ihnen oft begraben.
So sei es auch mit Cäsarn! Der edle Brutus
Hat euch gesagt, dass er voll Herrschsucht war;
Und war er das, so war's ein schwer Vergehen,
Und schwer hat Cäsar auch dafür gebüßt.
Hier, mit des Brutus Willen und der andern“.
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46. O-Ton Knape (Fortsetzung):
Und im Weiteren kippt plötzlich diese Grabrede, die eine Lobrede auf den
Caesar sein soll, wo auch dann sein Mörder mit gelobt werden soll, plötzlich in
eine Anklagerede. Das heißt die Gattung kippt aus einer Lobrede in eine
Anklagerede und die Pointe ist, dass immer wieder dieses lobende Kompliment
an bestimmten Stellen eingebaut wird:
Sprecher:
„Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann,
Das sind sie alle, alle ehrenwert,
Komm ich, bei Cäsars Leichenzug zu reden.
Er war mein Freund, war mir gerecht und treu;
Doch Brutus sagt, daß er voll Herrschsucht war,
Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann.“
47. O-Ton Knape (Fortsetzung):
Und wenn er das beim fünften, sechsten Mal wiederholt, in so einer inzwischen
zur Anklage gewordenen Rede eingebaut wird, dann wird das total ironisch und
aus dem Kompliment wird eigentlich ein vergiftetes Kompliment und es
schlägt ins Gegenteil um und alle wissen, okay, das ist kein ehrenwerter Mann.
Das ist natürlich genial gemacht, wie man durch einen Gattungswechsel dann
mit Komplimenten ins Gegenteil verkehren kann.
Sprecher:
„Wenn Arme zu ihm schrien, so weinte Cäsar;
Die Herrschsucht sollt aus härterm Stoff bestehn.
Doch Brutus sagt, dass er voll Herrschsucht war,
Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann.“
Musik (zwischen Zitator und O-Ton setzen / hart abblenden)
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48. O-Ton Kaschuba
Da wir nicht mehr in Shakespeare-Zeiten sind, ist es heute im übertragenen
Sinne ein Meucheln in sehr differenzierten Formen. Und genau das meint
natürlich das vergiftete Lob. Man achtet bestimmte äußere Regeln, in dem
Nicht-Wahrheiten gesagt werden, in dem Nicht-Abgründe eröffnet werden, in
dem nicht unlautere Methoden in den Vordergrund geschoben werden, sondern
man macht das Lob unter Umständen an den Stellen stark und überbetont es, an
denen dann jeder merkt, dass die andere Stelle die Leerstelle bleibt..
Text M (grimmig): Hah! Mein knallrotes Hemd. Stark überbetontes Lob.
Deine Leerstelle: Meine karierten Hemden! Du hättest es auch am liebsten, ich würd’ sie alle
wegschmeißen.
Text F (streng): Das ist doch Quatsch!
Text M (resigniert): Nein, nein. Da hängt alles mit allem zusammen.... Ich ..... Was zum Teufel...
Text F (fröhlich-ironisch): Loben oder nicht loben: Ist das hier die Frage?
Text M (weiter resigniert): Alles Tand .... Blendwerk... Ich denke .... Ich denke, dass...
Text F: Ja?
Text M: Puhh... Mir schwirrt der Kopf .... Ich ....
(M denkt. Text technisch verfremden: Hall, auf zwei Spuren zeitversetzt o.ä.)
Text M (denkt):
... ich lobe dich – zack – fertig – aus. Saug es auf oder wehre dich. Weiche aus oder pariere es.
Der Mond scheint, die Blätter bewegen sich im Wind,
Laune kommt von Luna, und Lob von Laub.
Die Löblinge? Entbehren es, suchen es, verdienen es, ernten es, tragen es davon.
Sie plustern sich auf oder sie versuchen zu verschwinden.
Text F (erstaunt): Was ist mit Dir? Du guckst so glasig...
Text M: ....... Mmh....
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Text F (besorgt): Magst Du einen Traubenzucker? Du bist ja kreidebleich...
(Fortsetzung Gedankenspiel s.o.)
Text M (denkt):
Die Lobenden: Verteilen es, spenden es, zollen es.
Wann nehmen sie es jemals zurück?
Sie tun es mit Worten, verteilen Lorbeeren oder Geld.
Die Heiratsschwindler tun es aus List.
Die ganz Spontanen tun es aus einer Laune heraus,
Die Bedürftigen tun es aus Neid oder Kalkül.
Die Mächtigen tun es gönnerhaft.
Die Herrschenden tun es aus Instinkt. Oder aus Willkür.
Text F (besorgt): Hallo! Mensch, was ist los?
Text M (schlapp): ... Äh.... Was?
Text F (erleichtert): Jetzt hast Du mir aber einen Schrecken eingejagt! Du warst plötzlich wie
weggetreten.
Text M (verwundert): Was? Ich war nur in Gedanken...
Text F : Welchen denn?
Text M: Friedrich Nietzsche: „Im Lobe ist mehr Zudringlichkeit als im Tadel“.
Text F (sauer): Jetzt mach mal halblang. Ich denke, Du kippst mir gleich aus den Latschen, dabei
entwickelst Du Verfolgungswahn! Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose – ja?!
Genauso ist ein rotes Hemd ein rotes Hemd..... oder ein Aprikosenbaum ein Aprikosenbaum.... und
... und: Brombeeren einfach Brombeeren!
Text M (erregt sich wieder): Ja, ich verstehe schon: Rosen, Aprikosenbäume, Brombeeren, stehen
für sich selbst. (aufschäumend:) Aber mit diesem Hemd ist es anders. Du meinst damit etwas
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anderes... Sagst damit etwas über mich. Aber vor allem: über Dich!
49. O-Ton Dirk Baecker
Worauf ich stoße ist, dass zwei Dinge das Lob problematisch machen. Das eine
ist, dass derjenige, der lobt, damit gleichzeitig einen Anspruch erhebt,
einschätzen zu können, was der oder die andere tut, das heißt man maßt sich
selber eine gewisse Überlegenheit, vielleicht sogar einen breiteren Horizont, in
dem der andere als Element des Lobes vorkommt, an. Und das andere Element,
was mir immer wieder auffällt, ist, dass derjenige, der gelobt wird, sich quasi
automatisch, fragen muss, wann denn möglicherweise Bedingungen gegeben
sind, getadelt zu werden.
Text M (sauer): Und genau deshalb habe ich gerade das verdammte Gefühl, Du willst, dass ich
Dich zurücklobe. Aber ich will nicht!
Text F (schnippisch): Und deshalb versuchst Du abzulenken und erzählst mir was von
Sonderangebot und Webfehler?
Text M (aufgewühlt): Es ist mir einfach unangenehm! Und ich will mich jetzt auch nicht über Dein
Lob freuen müssen. Nur, damit ich Dich nicht enttäusche. (wütend) Und dafür will ich auch nicht
kritisierst werden!
Text F (aufgebracht): Mein Lieber, nun aber mal langsam. Du wirfst mir vor, hinterhältig zu sein.
Das rüttelt an den Grundfesten unserer Freundschaft!
Text M (ebenso aufgebracht): Du bist ist mir zu dramatisch!
Text F (dto): Und Du gerade kein ehrenwerter Mann!
Text M (dto): Ich bin ja auch kein Politiker.
50. O-Ton Kaschuba
Diese tödlichen Freundschaften kennen wir und gerade das politische Milieu
hat dafür eine ganze Reihe von festen Formulierungen geschaffen. Da weiß
man dann schon, entweder heute Abend oder morgen Abend ist er fällig.
51. O-Ton Angela Merkel (0:18 – 0:40):
Ich habe eine Berufung bei Karl-Theodor zu Guttenberg vorgenommen, zum
Verteidigungsminister. Ich hab keinen wissenschaftlichen Assistenten oder
einen Promovierenden oder einen Inhaber einer Doktorarbeit berufen, sondern
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mir geht es um die Arbeit als Bundesverteidigungsminister. Die erfüllt er
hervorragend, und das ist das, was für mich zählt.
52. O-Ton Gerdes
Ich kriege richtig Gänsehaut, wenn ich das hör’, also das ist mir so
unangenehm. Ja, was man manchmal auch in den Medien hört und liest.
Vielleicht sieht es nicht jeder, ich bemerke falsches Lob.
Text F: Geht mir ganz genauso.
Wobei: So ein hervorragender Selbstvermarkter fällt die Treppe eigentlich immer nur hoch.
Text M (schmollend): Schade, dass ich kein hervorragender Selbstvermarkter bin.
Text F (besänftigend): Nun sei wieder gut! Anwesende Männer sind von dieser Theorie natürlich
ausgenommen. Aber Anzugträger, Karriere und Eigenlob, das zum Himmel stinkt, scheinen mir
doch herzlich miteinander verbandelt.
Text M (leicht grummelnd): Willst Du jetzt etwa das Fass aufmachen, dass Frauen die besseren
Menschen sind?
Text F: Nein, natürlich nicht. Aber ich finde das Eigenlob von Männern oft verdammt plump.
Frauen – anwesende natürlich ausgenommen – können das sehr viel subtiler.
Musik
53. O-Ton Gerdes
Vor mir ging eine Frau, phantastisch gekleidet, zurechtgemacht. Aber ihr Rock
hatte sich hier oben in der Taille eingehakt. Das heißt: Hier war frei und man
sah bis zum Oberschenkel alles. Das hatte sie scheinbar nicht gemerkt, so.
Hinter ihr liefen die Leute und kicherten. Und ich sah mich dann bemüßigt,
also auch, kann ich mich das jetzt trauen, aber ich hab gedacht, wenn mir das
jetzt so ginge, das wäre für mich eine so furchtbare Sit... Also, ich hab sie
angesprochen und hab gesagt: Sie sehen phantastisch aus, aber Ihr Rock hat
sich da verfangen und die war mir so dankbar. Ich hab sie gelobt. Und die war
mir so dankbar.
Text F (grinsend): Geschickt, was?
Text M: Wieso? Das war doch einfach nur aufmerksam.
Text F: Herzchen! Manchmal bist Du schon naiv.
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In dieser Geschichte vom Loben steckt auch eine gute Portion Eigenlob.
Text M: Hilf mir. Da komme ich jetzt gerade nicht mit.
Text F (grinsend): Ja, wir Frauen sind ein Mysterium...
Schau mal: Die Pointe liegt doch ganz augenscheinlich im letzten Satz:
„Die war mir so dankbar.“
54. O-Ton Gerdes
Vielleicht schwingt da schon n bisschen Eigenlob mit, wenn ich sage, das find
ich toll, was du da gemacht hast, ooh, ganz prima, will ich natürlich auch
n’Lächeln zurück oder irgend so was, ja ich glaub, es schwingt schon n
bisschen mit. Also ich werd’ sozusagen wieder gelobt (lacht).
Text M: Ahh.... so! Den Code kannte ich noch nicht. Wenn ich also rekapitulieren darf:
Als Du mich für mein knallrotes Hemd gelobt hast, hast Du Dich selbst für Deinen eigenen guten
Geschmack gelobt?
Text F: Jetzt komme ich nicht mit.
55. O-Ton Baecker
Der, der lobt, sagt von sich, dass er loben kann, sagt von sich, dass er
einschätzen kann, was der Gelobte getan hat, sagt von sich, dass er in der
Position des Lobenden ist, und damit ist jedes Schlagen auf die Schultern eines
anderen immer auch ein Schlagen auf die eigene Schulter.
Text M: Auf gut Deutsch: Das eigentliche Objekt Deiner Begierde warst Du selbst.
Text F: Ist das jetzt Haarspalterei oder muss ich in mich gehen?
Text M (lächelnd): Letzteres, schlage ich vor.
Text F (nachdenklich): Puhh. Das geht ja noch eine psychologische Stufe tiefer als ich dachte.
Ich lobe Dich, und meine aber mich?
Text M (schulmeisterlich deklamierend): Wozu dient das Lob, wenn nicht als Instrument,
sich der Vollkommenheit ein Stück näher zu bringen?
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Musik
56. O-Ton Kaschuba
Es ist immer reziprok, wenn wir daraus eine soziale Interaktion machen. Wer,
das kann man, glaube ich, schon festhalten, wer geschickt lobt, ist auch lieb zu
sich selbst.“
Text F: So. Ich habe mich also geschickt gelobt. (leicht genervt) Bitte, wenn’s der
Wahrheitsfindung dient. (spitz) Darf ich jetzt auf Dich zu sprechen kommen?
Text M (lachend): Wenn’s Deiner Wahrheitsfindung dient...
Text F (mit Nachdruck): Was Du mir gerade beigebogen hast, war Dir nicht bewusst, als Du Dich
so geziert hast, mein Lob für Dein rotes Hemd anzunehmen. Gib’s zu!
Text M (amüsiert): Ich gestehe, Euer Ehren! (ernst) Ich war einfach nur überrascht, weil Du ein
Mensch bist, der in homöopathischen Dosen lobt.
Text F: Das war nicht alles!
Text M: Doch!
Text F: Nein. Du warst noch frustriert, weil Dich keiner für die geputzte Wohnung gelobt hat.
Text M: Ja, und?
Text F: Der wahre Grund, weshalb Du dieses knallrote Hemd trägst ist, dass Du fürchtest in Karos
kleinkariert zu wirken.
Text M (erschrocken): Hätte ich Dir das bloß nicht erzählt!
Text F: Ich will ja nur auf Folgendes hinaus:
57. O-Ton Kaschuba
Es ist ganz kontextabhängig: Wie dieselben Worte, derselbe warme Ton,
dieselbe gemeinte Botschaft ankommen kann, bei demjenigen oder derjenigen,
die gelobt werden.
Text F: Weil jeder sein Päckchen mit sich herumträgt. Ein Lob rührt an die ganze Persönlichkeit.
Wie ein Mensch darauf reagiert, ist wie Daumenkino rückwärts.
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Musik
58. O-Ton Sophie
Ich finde es schön, wenn man von Eltern gelobt wird und ich finde es ist auch
manchmal wichtig, von Eltern gelobt zu werden.
59. O-Ton Reinboth
Das Loben oder das Gelobt-werden-wollen, ist ein kindliches Bedürfnis. Und
das Kind ist natürlich absolut abhängig vom Lob – ich würde ergänzen, von der
Anerkennung und der Wertschätzung, das sind zwei mir wesentliche Begriffe
dabei – der Erwachsenen, der Eltern, der umgebenden Familie.
Text M: Ich war sechs oder sieben und malte ein Auto. Es muss ein Sonntag gewesen sein, mein
Vater war zu Hause. Er hat sich neben mich gesetzt und gesagt: Hier fehlen noch die Scheinwerfer
und da die Stoßstangen. Ich malte so lange, bis er meinte: „Nun ist das Auto fertig.“
Und ich sagte: „Du hast den Auspuff vergessen“. Da hat er mich ganz verdutzt angesehen, mir die
Hand auf die Schulter gelegt und gemeint: „Da hast Du aber gut aufgepasst!“
Text F: Ich kann mich nur an Lob erinnern, wenn das Zeugnis gut war oder ich stundenlang still vor
mich hin gespielt habe. Dass ich aber nie gelobt wurde, wenn ich beim Schokoladeneis nicht
gekleckert habe. Andersherum hieß es aber: „Schon wieder ein Fleck. Das wirst Du wohl nie
lernen.“
60. O-Ton Reinboth
Da haben Sie ja schon das Stichwort mit der Schwarzen Pädagogik gegeben.
Wenn ich nie lobe oder meine Anerkennung, Wertschätzung kundtue, dann
erziehe ich ja auch wirklich gierige kleine Kinder und manipuliere sie auf
meine Weise, damit sie das tun, was ich möchte. Eltern manipulieren immer
ihre Kinder. Mit Liebesentzug, mit Erzeugung von Schuldgefühlen – wenn das
Kind nicht das tut, was mir gefällt. Ich kann das sowohl mit Lob als auch mit
Kritik erzeugen.
61. O-Ton Henryk
Für mich isses n Lob anzunehmen, sehr schwer. Ich mach's zwar alles und tu
auch gerne Leute helfen, aber mich loben zu lassen, das ist für mich
kompliziert, also damit kann ich nicht umgehen. Weil ich als Kind nie Lob
erfahren habe.
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62. O-Ton Kaschuba
Wer nicht in kommunikativen Verhältnissen ist, kein Echo hat auf seine eigene
Person, auf sein eigenes Tun, wird krank, wird sozial krank. Weil einen das in
eine ungewollt autistische Situation bringt.
63. O-Ton Reinboth
Dieser Mensch, würde ich sagen, ist nie erwachsen geworden. Jemand, der
keine Mitte hat, kein Zentrum, in dem er sich selbst wertschätzt, und/oder
beurteilt oder kritisiert und das nur von außen möchte, der ist eine abhängige
Persönlichkeit, würden wir sagen.
Text M (mürrisch): Na, gut: Süchtige gibt es für überall, klar. Aber jeder Mensch ist darauf
angewiesen, von anderen anerkannt zu werden. Das kann ich doch nicht alles aus mir selber holen.
Text F: Das sagt ja auch niemand. Aber die Frage stellt sich schon, ob das Bedürfnis nach
Wertschätzung durch Lob erfüllt werden kann.
64. O-Ton Senti
Eigentlich kann man ja nichts falsch machen, wenn man das sagt, aber jeder
geht auch immer anders mit Lob um. Manche sagen ja dann auch so: Ja, nein,
das stimmt gar nicht. Und dann fühlt man sich so ein bisschen auch gekränkt.
So, ich hab dir doch jetzt ein Lob gegeben, ich hab mir Mühe gegeben, dir das
Lob zu sagen, und dann macht die andere Person das herunter, so.
65. O-Ton Reinboth
Das Kind muss natürlich später lernen: Ich bin auch liebenswert, wenn ich es
nicht allen recht mache.
Sprecher:
„ die aprikosenbäume gibt es, die aprikosenbäume gibt es
die farne gibt es; und die brombeeren, brombeeren“
Aus : „Alphabet“ von Inger Christensen
Musik
66. O-Ton Baecker
Zwei Hauptstrategien, die ich verfolge, bestehen darin, entweder es höflich
hinzunehmen und mich zu bedanken oder aber genauer nachzufragen: Was
meinst du denn oder was hat Ihnen denn besonders gefallen. Oder was glauben
Sie denn, wie es dazu kam, dass ich jetzt so lobenswert mich verhalten habe,
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um gleichsam die Situation ein klein wenig umzudrehen und auch den
Lobenden in die Situation des Befragten zu bringen und von daher dann doch
ein offeneres Gespräch zu ermöglichen als das des abgeschlossenen Lobes.
Text F: Ist das alltagstauglich?
Text M: Nur, wenn man sich gegen den Mainstream stemmt. Aber da hat jetzt jemand eine App
erfunden: Damit jeder jeden bewerten, also mit Tadel und Lob richten kann.
67. O-Ton Karin Claus
Es fällt mir total leicht nach draußen zu gehen und überall zu loben und zu
sagen: Oahh, du hast ja tolle Haare, Mensch deine Brille sieht gut aus.... also
ich kann das den ganzen Tag machen (...)
68. O-Ton Gerdes:
Jeder Anlass zu loben ist mir sehr willkommen. Weil einfach das, was man
zurück bekommt, sind strahlende Augen, entspannte Leute, ja und einfach n
bisschen Lebensfreude. Und das macht mir viel Spaß.
69. O-Ton Sophie / Shima
Ich finde, auch ein Kind kann einen Erwachsenen loben. Auch ein fünf- oder
dreijähriges Kind kann einem Erwachsenen sagen, eh Papa, dieses Bild hast du
aber gut gemalt. Das find ich voll okay. Ich finde, alle können loben, alle, egal
welches Alter. – Egal, wie groß oder wie klein – egal, was.
Musik
70. O-Ton Kaschuba
Die Frage ist natürlich, ob wir zurückkönnen. Wenn man sich etwa anschaut,
was etwa die Medien uns vorleben. Das ist ein nicht enden wollendes Lob. Wir
bräuchten eine reflexive Form, wie diese Gesellschaft, die ja nur über
Attraktion, über Bestätigung, über Repräsentation – du hast das Recht, hier zu
sein – , über Akklamation funktioniert, wie die umgehen kann, mit Hinweisen
darauf, dass sie eine ganze Reihe von Fehlern macht. Also da sind wir
verwöhnt und süchtig nach dieser heilen Welt, in deren Mittelpunkt wir
stehen.“
71. O-Ton El Manhy
Also ich finde es immer beeindruckend gerade bei Künstlern, die mir
manchmal so frei erscheinen davon.
Die Dinge tun, weil sie sie tun, wie sie sie machen und sich nicht so ein- oder
beschränken lassen: Wie wirkt das jetzt auf andere, finden die das gut, finden
die das schlecht? So ne Freiheit auch davon zu haben, finde ich, ist was
Erstrebenswertes.
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Text M: Stimmt. In der Kunst hat man es leichter.
Text F: Wieso?
Text M: Weil Künstler sich nicht in anderen Menschen spiegeln müssen.
Text F: Spiegeln? Don Quixote liegt Dulcinea doch zu Füßen:
Sprecher: (Quelleneingabe: Miguel de Cervantes: Don Quixote)
„... ihr Haar ist golden, ihre Stirn ist das elysische Gefilde, ihre Augenbrauen sind Himmelsbogen,
ihre Augen Sonnen, ihre Wangen Rosen, ihre Lippen Korallen, Perlen ihre Zähne, Alabaster der
Hals, Marmor die Brust, Elfenbein die Hände, ihre Haut wie der Schnee“.
Text F (träumerisch): Das sollte mir mal jemand so sagen...
Text M: Du hörst Haut und Hände, Wangen und Augenbrauen. Ich höre nicht nur das Liebeslob.
Ich höre auch: Schnee, Elfenbein, Rosen und Himmelsbogen. Weiß, Rot und Blau.
Hier ist von Dingen die Rede.
Text F: Welchen Dingen?
Text M: Mensch, verstehst du nicht? Das Lob der Dinge, der Atmosphäre, Natur, Welt.....
72. O-Ton Luca
Wir loben die Dinge, weil die Dinge zuvor zu uns etwas gesagt haben.
Text F: Die Aprikosenbäume, die Brombeeren und die Rose...
Text M: Ja, denn wenn wir von Angesicht zu Angesicht loben, wird es schnell kompliziert:
Wir maßen uns ständig Urteile an, vergeben Noten, stellen den anderen heraus, heften ihm etwas an
– womit der andere womöglich gar nichts anfangen kann. Und es gibt keinen guten Weg, aus einem
missratenen Lob wieder rauszukommen - weder für den Lobenden noch für die Gelobten.
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Text F (ironisch): Um der Menschheit zu dienen, sollten wir auf’s Loben und Gelobt-werdenwollen also besser verzichten?
Text M (ernst): Erinnere Dich: Das wäre kontraproduktiv.
73. O-Ton Kaschuba
Weil einen das in eine ungewollt autistische Situation bringt. Ich weiß gar nicht, wo ich bin.
Text F: Und produktiv das Lob selbst zum Thema zu machen, reicht Dir nicht?
Text M: Wenn wir gemeinsam loben würden vielleicht. Zusammen
schwärmen.... vom trillernden Stieglitz....
Text F (lächelnd): .... im Aprikosenbaum?
Text M: Mach’ Dich nicht lustig! Ich meine das ernst! Auf diese Weise kommen wir doch in ein
wirkliches Gespräch miteinander. Dass wir uns hier den Kopf zerbrechen über das Lob, Gedanken
wälzen und Wortgirlanden drehen. An diesem sternenklaren, kalten Abend in einem warmen
Studio....
Text F: ...an dem Menschen uns ihre Zeit schenken, uns zuhören.
74. O-Ton Luca 24:55: Unser Lob ist auch eine Verbindung zu den Dingen.
Text M: ..... und damit zu den Menschen.
Musik „Canon in Frame“ (stehenlassen und unterlegen)
Sprecher:
"Gut gemacht!? Von der Zwiespältigkeit des Lobes"
Ein Feature von Günter Rohleder und Gabi Wuttke
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Musik
Sprecher:
Es wirkten mit:
Der Soziologe Dirk Baecker, die Pfarrerin Jasmin El Manhy, die Lehrerin
Dolores Gerdes, der Kulturwissenschaftler Wolfgang Kaschuba, der Rhetoriker
Joachim Knape, und die Psychotherapeutin Ruth Reinboth. Außerdem:
Brigitte, Henryk, Karin, Luca, Senti, Shima und Sophie.
Sie hörten Ausschnitte aus dem Hörspiel „Buddenbrooks“ nach Thomas Mann,
erschienen bei „Der Hörverlag“.
Musik hochziehen
Sprecher:
Es sprachen: Sigrid Burkholder, Matthias Haase und Gereon Nussbaum
Ton und Technik: Ernst Hartmann und Kiwi Hornung
Regie: Uta Reitz
Redaktion: Klaus Pilger
Produktion: Deutschlandfunk 2016
Musik hochziehen
Text F: Ich bleibe dabei: Dieses rote Hemd steht Dir wunderbar.
Text M: Danke. Warum war es Dir wichtig, mir das zu sagen?
Text F (lacht): Weil ich es schön finde, wenn mich gut angezogene Männer umgeben.
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Text M (träumerisch): „Ihre Wangen Rosen, ihre Lippen Korallen....“
Text F (lachend): Ja, Don Quixote.......
Musik hochziehen
Sprecher: (Quellenangabe: „Alphabet“ von Inger Christensen - Gedicht
produzieren wie Gedankenspiel auf S. 15f )
„den fischreiher gibt es, mit seinem graublau gewölbten
rücken gibt es ihn, mit seinem federschopf schwarz
und seinen schwanzfedern hell gibt es ihn; in kolonien
gibt es ihn; in der sogenannten Alten Welt;
gibt es auch die fische; und den fischadler, das schneehuhn
den falken; das mariengras und die farben der schafe;
die spaltprodukte gibt es und den feigenbaum gibt es (....)
die fehler gibt es, die groben, die systematischen,
die zufälligen; die fernlenkung gibt es und die vögel;
und die obstbäume gibt es und das obst im obstgarten wo
es die aprikosenbäume gibt, die aprikosenbäume gibt (...)“
Musikschluss
ENDE
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