Stechmücken: Belästigung oder Bedrohung? ALLGEMEINE

09.06.2015
Stechmücken:
Belästigung oder Bedrohung?
WNV und das Blutspendewesen in Österreich
8. Juni 2015
AGES
Eva Menichetti
BLUTSPENDEZENTRALE | MEDIZINISCHE LEITUNG
ALLGEMEINE INFORMATIONEN
ÜBER WEST-NIL-VIRUS
ERKRANKUNG
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WNV ist ein von Arthropoden übertragenes RNA-Virus, Flavi-virus
Vögel sind die natürlichen Wirte
Endwirte sind andere Tiere (z.B. Pferde) sowie Menschen
Erstmals im Jahre 1937 von einem menschlichen Patienten in der WestNil-Region von Uganda isoliert.
1999 in New York nachgewiesen,
kontinuierliche Ausbreitung in Nordamerika
WNV wurde seither in verschiedenen Teilen von Afrika, Australien,
Mittel-und Südeuropa und dem Nahen Osten gefunden
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1999 erster Virusausbruch
im Gebiet von New York City
seither endemisch
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Hinweise auf Übertragung durch
Blutprodukte
Centers for Disease Control and Prevention (CDC)
2002.:
"Intrauterine West Nile virus infection—New York,”
"West Nile virus infection in organ donor and transplant recipients
Georgia and Florida, ".
2003:
“Detection of West Nile Virus in blood donations, United States”
Risiko für Europa damals aus Sicht von Experten:
heimische Gelsen nur vogelpathogen oder menschenpathogen,
Gelsen in USA beides
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Entwicklung im weltweit
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Die üblichen Verdächtigen
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Ausbreitung und Etablierung von tagaktiven, tropische Mücken
im Mittelmeerraum, Vordringen nach Norden:
Aedes albopictus, asiatische Tigermücke
Aedes japonicus, asiatische Buschmücke
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Adaptierung der Viren an heimische
dämmerumgsaktive Gelsen, Culex pipiens
nicht mehr ausgeschlossen
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Europa betroffen 2011
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WNV 2013
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Österreich
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Vorstellung erster Entwurf Bereitschaftsplan
Schennach Jakobson in der Blutkommission
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30.1.2013 Beschluss in der Blutkommission:
Leitfaden für das Blutspendewesen Österreich
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Gründung
WNV / ARBO –Virus Bereitschaftsgruppe
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August 2014 Erscheinungstermin Leitfaden WNV
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Mögliche Maßnahmen nach
dem Leitfaden
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Abweisung:
RL 2004/33/EG: Personen, die sich in WNV Endemiegebieten aufgehalten
haben, sind für die Dauer von 28 Tagen nach Verlassen des Gebietes von der
Blutgewinnung auszuschließen.
Durchreisende ausgenommen
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Pathogen-Inaktivierung für Plasma und TK
Nachweis:
PCR:
Sensitivität :
Frankfurt 250 copies
PEI, CE 1.7. 2015
ELISA und Neutralisationstest bei Positivität, Titeranstieg
Kreuzreaktion mit anderen Flavi-Viren
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Situation 2013
Humane Fälle
WNV in Vögel
WNV in Stechmücken
2008
2009
2010
2011
2012
2013
Prof.Stefan Aberle Inst.f. Virologie,
MUW
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Situation Österreich vor 2013
Kein Risiko
keine Voraussetzungen
Prädisponiert
o
o
Voraussetzungen vorhanden
Gefährdet
o
Voraussetz., Erreger
Betroffen
o
Voraussetz., Erreger, Übertragung
Endemisch
o
wiederholtes Auftreten
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Situation WNV in Ö Dez.2013
Entscheidung zur Testung 2014
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Jährliche outbreaks in Ungarn und Italien
Nachweis der Vektoren in Österreich:
aedes albopictus 2011 in NÖ
Übertragung durch heimische Gelsen
nicht ausgeschlossen
WNV in Vögel nachgewiesen
WNV 2012 in Liquorproben aus Wien und NÖ retrograd ( 2009) nachgewiesen
wahrscheinlich autochton
Einstufung von Wien und NÖ als gefährdetes bis betroffenes Gebiet
Voraussetzung , Nachweis des Erregers und wahrscheinliche Übertragung
Gipfel 2. Augustwoche
Ca. 500-2000 notwendige Abweisungen ( Norditalien, Balkan,
Griechenland, Ungarn)
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Der „case“ 2014
12.08.2014
15.08.2014
Blutspende beim ÖRK-BSD
Übermittlung des positiven WNV-NAT-Ergebnisses
aus Frankfurt
19.08.positive WNV-Bestätigungstestung des Inst. f. Virologie, Wien
WNV-RNA positiv
WNV-IgM positiv
WNV-IgG negativ
29.08.2014
1. Kontroll-Blutabnahme beim ÖRK-BSD
WNV-RNA negativ
WNV-IgM positiv
WNV-IgG positiv
23.09.2014
2. Kontroll-Blutabnahme beim ÖRK-BSD
WNV-RNA negativ
WNV-IgM positiv
WNV-IgG positiv
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Der „case“ 2014
Anamnese
15.08.2014
18.08.2014
Blutspende
telefonische Information der Spenderin, gerade in Frankreich,
Einladung zur Blutannahme
Die Spenderin erklärt initial, sich gesund zu fühlen.
Nach längerem Nachdenken erinnert sie sich,
an kurzen Kopfschmerz, Einnahme von Analgetika,
ging dann Joggen
am folgenden Tag Beginn des Exanthems,
als Allergie interpretiert
bzw. auch einen Tag unter Myalgien
anschließend Frankreichurlaub
40 jährige Spenderin, keine Reiseanamnese im vorhergehenden
Halbjahr,„Gelsenbelästigung“ im nachbarlichen Schrebergarten erinnerlich
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Der „case“ 2014
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19.8. Meldung an Ges. Min, MA 40
Einberufung der WNV-Gruppe
Gelsenmonitoring im Bereich der Gartensiedlung
2 positive Gelsen im Bereich des Döbl. Friedhofs
Tschechischer Genotyp
Info an alle BSD und Blutbanken
Meldung an ECDC
Fortsetzung der Testung bis Ende November
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Reaktion in Ö
Konsequenzen
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Eindeutiges Indiz für autochtones Vorkommen
Umstufung vom gefährdetem
zum betroffenem Gebiet
Abweisung aller, die sich in Wien
aufhalten
PI-TK‘s nicht betroffen
Verwirrung unter Blutspender über unterschiedliche
Vorgangsweise, Unverständnis für Grenzziehung
BB St.Pölten beginnt WNV-Testung
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Medien
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Wahrscheinlicher Fall von Westnil-Virus (WNV) in Wien
Im Rahmen der Routinekontrolle einer Blutkonserve entdeckt Verlauf meist harmlos
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West-Nil-Virus im Sommer in Österreich: Sturm im "MückenWasserglas„
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Gefährliches West-Nil-Virus zieht den Balkan herauf
Fälle von Infektionen mit dem Erreger aus Afrika nehmen in
Südosteuropa zu. Zuletzt schon fünf Todesopfer. In Serbien sollen
bis zu 3000 Menschen am Virus erkrankt sein, berichtet ein
Belgrader Boulevardblatt.
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The case
WNV-case report
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Auswirkung auf Österreich
nach dem case
Kein Risiko
keine Voraussetzungen
Prädisponiert
Voraussetzungen vorhanden
Gefährdet
Vorrausetz., Erreger
Betroffen
Voraussetz., Erreger, Übertragung
Endemisch
wiederholtes Auftreten
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o
o
o
o
o
Wien bleibend betroffenes Gebiet, Testung auch 2015
in anderen Blutspendediensten
Abweisung der Wiener Spender
Überlegungen zur Einführung der WNV-Testung
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Viren im Visier
Dengue
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Aedes albopictus, Aedes ägyptii, Aedes japonicus
Chikungunya:
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Aedes japonicus, Aedes albopictus
Gelbfieber
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Aedes albopictus, Aedes ägyptii
Malaria
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Anopheles
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Worauf sollte man sich vorbereiten,
entscheiden ?
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Entscheidung für oder gegen
Testung oder Virus inaktivierende Maßnahmen
Insekten Monitoring:
ECDC 2012:„Guidelines for the surveillance
of invasive mosquitos in Europe“
Erstellung von Landkarten
Vernetzung der BSD, Blutbanken, und Behörden
Allgemeine Maßnahmen:
Vektorenbekämpfung, Gelsenschutz
Spenderinformation
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Wie beurteilen wir die Situation ?
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Keine unkontrollierte Gefahr für Europa
Unterscheidung autochthon vs. importiert
Mit dem Auftreten weitere Viren ist zu rechnen
Überwachung, Einbeziehung veterinär-med. Informationen
Sehr unterschiedliche Vorgangsweisen aufgrund der
Heterogenität der Blutbanken und Blutspendedienste
Überlegung zur Einbeziehung der Gewebebanken
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Prof. Stefan Aberle, Inst.f.Virologie, MUW
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