Kornwestheims kreative Kisten: Am Start sind großer Kampfgeist

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KORNWESTHEIM
Nr. 163 | Samstag, 18. Juli 2015
Nr. 163 | Samstag, 18. Juli 2015
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Kornwestheims kreative Kisten: Am Start sind großer Kampfgeist und viel Courage
Das Training startet um 9 Uhr, die Rennen gehen am
Sonntag ab 11 Uhr über die Bühne. Von unserer Redaktion
Kornwestheim
B
Mit Heckspoiler zum Erfolg
Vor 60 Jahren
Jugendfeuerwehr Remseck Der Feuerwehr aus dem Nachbarort war die Seifenkis­
te nicht sportlich genug. Also musste ein Heckspoiler her. Zwei gebogene Achsen sor­
gen dafür, dass der Wagen tiefer liegt. Weil die beiden Betreuer sich mit Autos aus­
kennen, war das keine große Sache. „Es hat außerdem den Effekt, dass die Mütter der
Fahrer nicht mehr denken, die Seifenkiste kippt gleich um“, sagt Ausbilder Daniel
Dieckert. Auch für die Jugendfeuerwehr ist es das erste Seifenkistenrennen seit vielen
Jahren. „Die Älteren von uns erinnern sich noch vage daran, dass es schon mal eine
Kiste gab“, sagt Dieckert. Allerdings garantiert ohne Heckspoiler. (yab) Foto: Yannik Buhl
Historie Seifenkiste – da war doch was:
Heimatforscher Hermann Wagner erinner­
te sich an ein altes Salamanderplakat aus
den 1950er­Jahren und kramte es aus sei­
nem alten Fundus hervor. Der Grafiker
Franz Weiss, der gerne auf volkstümliche
Motive zurückgriff, hat es gestaltet. Her­
mann Wagner zeigt das Plakat im Schau­
fenster der Stadtgeschichtlichen Sammlung
in der Mühlhäuser Straße. Foto: Henning Maak
ry begutachtet die Kisten. Die Siegereh­
rung ist für 14.30 Uhr vorgesehen. Die
Rennen werden natürlich kommentiert.
Die Jugendfeuerwehr hat den Formel­1­
Experten Michael Meyle verpflichtet. Die
Jugendfeuerwehr kündigt auch Vorfüh­
rungen, Musik und Spiele rund um das
Seifenkistenrennen an.
is zur letzten Minute am Sonntag­ fen, wie schnell sie unterwegs sind. Die
morgen ist mancherorts in der Stadt Stadt hat ihre Geschwindigkeitsmessan­
sicher noch Hämmern, Sägen und lage diese Woche in der Stuttgarter Straße
auch mal der eine oder andere Fluch zu hö­ installiert.
ren. Aber das motorisierte Auto wurde
Die ersten Rennen starten um 11 Uhr. Info Wegen der Veranstaltung wird die Stutt­
schließlich auch nicht an einem Tag ge­ Gewinnen kann nicht nur der schnellste, garter Straße zwischen der Johannesstraße
schaffen. Zehn Doppelstunden Arbeit ste­ sondern auch der schönste Wagen. Eine Ju­ und der Lange Straße von 8.30 bis 15.30 Uhr
cken locker in den Seifenkisten, die am
voll gesperrt. Der Verkehr aus südlicher
Sonntag auf die Piste gehen. Viele der
Richtung wird über die Zeppelinstraße ge­
angehenden Rennfahrer haben ihre
führt. Wer aus Norden über die Ludwigs­
Prototypen auch schon mal probegefah­
burger Straße bzw. aus Osten über die
ren, den Oßweiler Weg hinunter zum
Lange Straße kommt, wird über die Ja­
Beispiel. Die Freiwillige Feuerwehr, die
kob­, Bahnhof­ und Lindenstraße umge­
das Großereignis zu ihrem 150­jährigen
leitet. Den gleichen Weg nimmt am Sonn­
Bestehen stemmt und die selbst mit der
tag die Buslinie 413. Der Halt an der Bus­
Jugendfeuerwehr am Start sein wird,
haltestelle am Wetteplatz entfällt daher.
hat am vergangenen Sonntag sogar
Die Buslinie 411 wird über die Weimar­
schon einmal die Stuttgarter Straße ge­
straße umgeleitet.
sperrt, um zu sehen, wie schnell die Sei­
fenkisten dort werden und wie gut sich
Sponsoren Eine Reihe von Kornwest­
die Holzautos lenken und bremsen las­
heimer Firmen haben die jungen Rennfah­
sen. Es ist alles gut gegangen, weshalb
rer mit finanziellen Mitteln und hand­
dem Seifenkistenrennen am morgigen
werklichem Geschick unterstützt. Mit da­
Sonntag nichts mehr im Wege steht.
bei sind unter anderem Pure Fitness,
Um 9 Uhr werden die ersten Wagen
Dachdecker Bühler, Fenster Bahr, Augen­
auf die Strecke gehen – zunächst einmal
weide, Uhrmacher Roth, Einrichtung Klee­
nur fürs Training. Start ist an der Kreu­
mann, Steuerberater Holzbaur, Buck Par­
zung Stuttgarter Straße/Zeppelinstra­
kett­ und Fußbodentechnik, Friseurteam
ße, der Zieleinlauf ist vor der Ravens­
Beuerle & Schmelzle, Schuhhaus Schantz,
burger Kinderwelt. Dort wird die Zeit
Haustechnik Krauß, Elektro Dunz, Schlos­
gestoppt, aber auch unterwegs können
serei Jaiser, Elektro Wand und Allianz­
die Fahrerinnen und Fahrer überprü­ Testlauf auf der Stuttgarter Straße Foto: Birgit Kiefer Versicherung Kuhn
einen kompletten Schultag zur Verfügung gestellt bekommen hatten. Zu­
sammengebaut hatten die Seifenkisten zuvor der Technik­, Sport­ und
Mathematiklehrer Oliver Lucic und seine Kollegen Stefanie Müller­Graf
und Timo Damm. „Wir haben in Serie geschraubt – das war ganz schön
anspruchsvoll“, sagt Lucic. Als Rennfahrer dürfen sich am Sonntag aus
Eugen­Bolz­Förderschule Zeit, die
Seifenkiste Probe zu fahren, bleibt der
Förderschule leider nicht. „Wir haben
die Kiste erst vergangene Woche be­
kommen“, sagt Konrektor Gerd Glo­
cker. Immerhin habe die Feuerwehr
sie ihnen zusammengebaut. Sonst hät­
te es zeitlich überhaupt nicht gepasst.
Einer der letzten Schritte war das An­
malen. Das haben die Schüler Juan
und Dennis (Bild) übernommen. Dass
das nicht immer ganz leicht ist, haben
die beiden schnell gemerkt. „Man
braucht eine wirklich sehr ruhige
Hand“, sagt Juan. (yab) Foto: Yannik Buhl
jeder der vier sechsten Klassen die zierlichsten Kinder betätigen – Größe­
re passen nicht in die Holzrenner und kommen auch nicht ans Bremspe­
dal. In Habacht­Stellung sind auch schon Ersatzfahrer und Anschieber.
Außer dem Wetter kann aus Sicht der Realschüler also nichts mehr schief
gehen. (sam)
Foto: Susanne Mathes
Ernst­Sigle­Gymnasium
Auch
wenn kurz zuvor noch ein wenig ge­
schraubt wurde: Für die ersten Probe­
läufe im Stadtpark war dennoch Zeit.
„Beide Klassen hatten jeweils eine
Stunde zum Üben“, sagt Stefanie
Fleig, die als Lehrerin mit je einer
fünften und einer sechsten Klasse die
Seifenkisten gebaut hat. Hilfe kam
von einem Schreiner der Firma, die zu
den Sponsoren der Schule beim Ren­
nen zählt. „Wir hatten außerdem einen
fertigen Wagen als Modell“, sagt
Fleig. An das habe man sich halten
können. (yab)
Foto:Yannik Buhl
Stadtwerke Gleich drei Bausätze haben die technischen Auszubildenden der Stadtwerke Lud­
wigsburg/Kornwestheim verarbeitet. Zwei Seifenkisten sollen verlost werden. Die dritte war ur­
sprünglich für das Seifenkistenrennen vorgesehen. „Mit Energie geladen“, gehen die jungen
Männer in der Klasse Freies Rennen an den Start. Allerdings auch in einer etwas größeren Kiste,
denn der Originalbausatz erwies sich als etwas zu gering dimensioniert für die ausgewachsenen
Herren. Sie haben daher eine eigene Konstruktion umgesetzt – und denken, dass sie damit
schneller sein werden als ihre Herausforderer. Auch intern wird für Wettbewerb gesorgt sein, ist
sich Astrid Schulte, Pressesprecherin der Stadtwerke, sicher. Da es drei Durchläufe gibt, darf je­
der mal ran – und auch da gilt es, der Schnellste zu sein. Für die Azubis war es aber auch so
schon eine schöne Aktion, weil sie mit Konstruktionsplänen selten konfrontiert werden. Hier
konnten sie üben, etwas detailgerecht zu erarbeiten, Mängel zu erkennen, zu improvisieren, im
Team zu arbeiten, sich abzustimmen. (bk)
Foto: z
Jugendfarm Er habe sich schon ein
wenig durch den Bauplan kämpfen
müssen, sagt Niklas Ahrweiler. Wer
bei der Jugendfarm ein Freies Sozia­
les Jahr (FSJ) macht, muss die Ge­
duld dafür aber aufbringen können.
Während einer Aktionswoche im
Frühling haben die Kinder ihrem
FSJler geholfen: beim Anmalen, aber
auch ein wenig beim Sägen. Kurz vor
dem Rennen fehlt nur noch das Lenk­
rad an der Seifenkiste. „Das will ich
aber vorher noch mit Leder beziehen“,
erklärt Niklas. (yab)
Foto: Yannik Buhl
Eugen­Bolz­Grundschule Der Kampfbär auf der Motor­
haube zeigt schon an, dass hier jemand gewinnen will. Bei der
Probefahrt auf dem Oßweiler Weg machte die Seifenkiste im
Glaserei­Look der Eugen­Bolz­Grundschule nicht nur op­
tisch, sondern auch geschwindigkeitstechnisch schon ordent­
lich was her. Die Piloten Edin, Eric und Martin von der Klasse
4a, die mit Jugendbegleiter Rolf Maser und Klassenlehrerin
Britta Schick für die Produktion des eleganten blau­gelb­spie­
geligen Flitzers zuständig war, sausten im Karacho die As­
phaltsenke herunter – die im Original am Sonntag dann noch
etwas steiler sein wird. (sam)
Foto: Susanne Mathes
Erste Rennstrecke: Stadtpark
Philipp­Mätthäus­Hahn­Gemeinschaftsschule Zum Üben hatten es die Piloten
nicht sehr weit. „Wir sind von der Brücke im Stadtpark gefahren, das hat schon einen
Riesenspaß gemacht“, sagt Eva­Maria. Die Viertklässlerin hat sich zuvor schon beim
Fahrercasting durchgesetzt. Nachdem die Achtklässler die zwei Seifenkisten gemein­
sam mit ihrem Lehrer Tobias Wagner zusammengebaut hatten, mussten Fahrer ge­
funden werden. Jede vierte Klasse nominierte zwei Schüler. Bei einem Probelauf ent­
schieden die Achtklässler, wer starten darf. Der zweite Pilot ist Ilkay. Wenn beim
Rennen alles klappt, werde er erstmal erleichtert sein, sagt er. (yab)
Foto: Yannik Buhl
Mit kleinen Tricks
Silcherschule Die Seifenkisten­AG der Silcherschule hat zwei
Fahrzeuge – und hat sich designmäßig unterstützen lassen. Die
Grundschüler werden mit einer Zeitmaschine und mit mit einem
Polsterei­Auto antreten. Letzteres hat den Vorteil, dass ein Remp­
ler durch Kissen gut abgefedert wird. Ob die Zeitmaschine den Sil­
cherschülern einen Vorteil verschaffen wird? (bk) Foto: Birgit Kiefer
Alles bereit,
um zu helfen
Kunstkiste Formel 1? Autorennen?
Boxenstopps? Alles klar, aber eins
fehlt noch bei dem Seifenkistenren­
nen, haben die Teilnehmer von der
Kunstkiste erkannt: das Safety­Car
nämlich. Also haben sie eine eigene
Seifenkiste gebaut, diese im Silber­
pfeil­Stil angemalt und mit allen
Utensilien versehen, die zur Rettung
im Notfall bereitstehen sollten – Fäss­
chen mit Schnaps, Rettungsring,
Pflaster, Warndreieck. Gut zu erken­
nen ist das Fahrzeug auch an der gro­
ßen Fahne, das darauf hinweist: Hier
ist eine echte Seifen( kunst)kiste
unterwegs. Neben dem Initiator der
Kunstkiste, Michael Bischof, haben
Rüdiger Grätsch, Christa Amma, Ni­
colai Grätsch und Martin Schweinle
mitgewerkelt. Am Lenkrad werden
Amelie Bischof, Ruth Lamp und Lau­
ra Fuchs sitzen. (bk)
Foto: Birgit Kiefer
Ein Lenkrad
aus Leder
Mit Energie geladen
Kampfbär on tour
Der Joker ist
ein Schreiner
Die Realschule schickt ein Flitzer­ Quartett
Theodor­Heuss­Realschule Der eine Flitzer kommt mit Zöpfen, Perü­
cken und Friseurschere daher, der andere ist mit Seifenspender oder
Dusch­Abflussieb – je nachdem, welcher Sponsor hinter den einzelnen
Rennkisten steht. Für die Gestaltung ihrer vier Flitzer haben sich die
Sechstklässler der Theodor­Heuss­Realschule ins Zeug gelegt, die dafür
Die letzten
Pinselstriche
Eine Seifenkiste, die leuchtet
Schillerschule Besonders begeistert sind die jungen Piloten von den originalen Por­
sche­Ledersitzen ihrer Seifenkiste. Und den echten Scheinwerfern. Und natürlich von
den bunt blinkenden LED­Leisten an der Seite. Möglich gemacht hat all den Luxus
der Ingenieur Holger Kaun (hinten). Beim Aufbau hat er den Kindern den Umgang
mit einfachen Werkzeugen gezeigt: sie durften bohren, schrauben, ausmessen und ab­
sägen. „Besonders Spaß gemacht hat das Bohren“, sagt der zehnjährige Pilot Cedrik
(links). Warum? „Weil man das mit einer Maschine macht.“ Anschließend ging es an
die Gestaltung. „Das war das einfachste“, findet Cedrik. (yab)
Foto: Yannik Buhl