Bewertungsplattformen: Hotels hinken hinterher

Datum: 14.07.2015
Bewertungsplattformen: Hotels
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von Oliver
Olivier
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Weiterempfehlung
Weiterempfehlung
Preis/Leistungsvertialtnis
Pr&sheistungsverhaitnis
eher
ehe. gut
Bewertetes Zimmer
Bewertetes
Zimmerkategorie:
Einzelzimmer
Supertor
Mit
Ausblick
Mit Ausblick:
zum Garten
Hotelsteme
Hotelsterne waren berechtigt:
berechtigt
Ja
Entsprach
Reisekatalog
Entsprach Reisekatalog:
Ja
Ja
Schweiz
im jun 15
lm
15
Verreist als:
als.
Allein/Single
Kinder:
Kinder.
keine
Dauer:
Dauer:
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13 Tage
Reiseart' WenderReiseart:
Wander- und Wellnessurtaub
Wellnesurlaub
Reiseveranstafter:
Reiseveranstalter:
KeinVeranstalter
Veranstalter
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Der fiktive Gast «Olivier» benotet online das seit Jahren geschlossene Royal Park Hotel: Problemlos gelang es dem «Frutigländer», eine Hotelbewertung zu fälschen.
BILD POL/RED
Zwei Drittel der Reisenden
machen den Online-Check, bevor
sie dort buchen.
Themen-Nr.: 660.003
Abo-Nr.: 660003
Auflage: 3'979
Argus Ref.: 58499381
Datum: 14.07.2015
TOURISMUS Viele Hoteliers fremdeln
noch immer mit den Bewertungsplattformen im Internet. Wichtig finden sie
alle, aber nur wenige Hotels nutzen die
Möglichkeiten solcher Seiten. Für Reisende ist der «Holidaycheck» dagegen
längst selbstverständlich - auch wenn
er seine Tücken hat.
MARK POLLMEIER
Der Gast war sauer. Einen miserablen
Kundenservice biete das Hotel, schrieb
er über das «Victoria» in Kandersteg.
Der Gastgeber sei unfreundlich, die
Hotelleitung wie vor 100 Jahren.
Doch die «Hotelleitung» liess das nicht
auf sich sitzen. Wer nachts um halb drei
nicht mehr ganz nüchtern zurückkehre
und dann noch provoziere, dürfe keinen
allzu herzlichen Empfang erwarten. Gezeichnet: Casimir Platzer, Gastgeber.
Nachricht von «Philip, 31-35 Jahre»
ten alle, in diesem Bereich müsse in wenn sie deutlich negativ sind. ImmerZukunft «noch mehr gemacht werden» hin: Die Erwiderungen sind überwie- und zwar von Seiten der Gastgeber. gend sachlich und professionell formuAus gutem Grund: Von den Gästen ma- liert - selbst dann, wenn sich der Gast
chen heute über zwei Drittel einen Be- zuvor im Ton vergriffen hat. Viele Hotewertungscheck im Internet, bevor sie bu- liers bedanken sich sogar für schlechte
chen.
Kritiken. Man nehme diese ernst und
Online-Kontakte sind auch Kontakte
versuche, daraus zu lernen, heisst es oft.
Wenn wirklich etwas nicht in Ordnung
Die entsprechenden Plattformen auch war, entschuldigt sich auch einmal der
selbst zu nutzen, wäre für Hotels also Chef persönlich für die Unannehmlicheine gute Marketingchance. Doch in der keiten. Sich für eine gute Bewertung zu
Praxis ist es mit der aktiven Bewirtschaf- bedanken, halten dagegen die wenigstung noch nicht so weit her. Das Bera- ten Gastgeber für nötig. Eine positive
tungsunternehmen Pricewaterhouse Rückmeldung nimmt man anscheinend
Coopers (PwC) hat gerade eine Studie als Normalfall an.
Trotzdem ist auch die andere Einveröffentlicht, wie Hotels mit den Bewerschätzung
von Hotelleriesuisse zutreftungsseiten umgehen. Ergebnis: Kaum
fend:
Es
tut
sich was. Einzelne Hotels
30 Prozent der Hoteliers antworten auf
haben
in
letzter
Zeit begonnen, auch auf
die Feedbacks ihrer Gäste, je nach ReLob
zu
antworten.
Am konsequentesten
gion auch deutlich weniger. Und das in
einer Branche, in der die Kundenkon- verfolgt «The Cambrian» aus Adelboden
takte von zentraler Bedeutung seien, diese Strategie. Ob via Holidaycheck
wundert sich Nicolas Mayer, der bei PwC oder Tripadvisor: Seit Herbst 2014 wur-
Stattgefunden hat dieser Dialog schon die Sparte Tourismus und Hotellerie leivor einiger Zeit auf Holidaycheck, einer tet und die Studie erarbeitet hat.
der grössten Bewertungsplattformen
Auch Hotelleriesuisse sieht im Um(siehe Kasten). Der Schlagabtausch ist gang mit den Bewertungsseiten durchtypisch und ungewöhnlich zugleich.
aus noch Handlungsbedarf. Allerdings
Dass in der Anonymität des Internets habe sich schon einiges getan, heisst es
mancher die guten Manieren fahren aus dem Branchenverband, es habe inlässt, ist ein bekanntes Phänomen. Eine zwischen ein Umdenken eingesetzt.
Reklamation gerät schnell einmal zum
Nimmt man die Hotellerie im FrutigRundumschlag - so wie bei dem zitier- land unter die Lupe, bestätigen sich
ten «Victoria»-Kritiker, der sich selbst beide Aussagen. Gerade in Kandersteg
den alle Gästebewertungen individuell
beantwortet, auch die positiven.
Eine Frage der Prioritäten
Nun könnte man einwenden, das «Cambrian» sei eben eine Luxusherberge und
verfüge deshalb über die entsprechende
personelle Ausstattung. Tatsächlich ist
die Betreuung der Bewertungsplattformen dort auf der Leitungsebene angesiedelt, die Direktorin und ihre Stellver-
«Philip» nannte und als Alter «31 bis 35» und Adelboden gibt es Hotels, die schon
treterin teilen sich die Aufgabe. Die
angab. Nur 2,3 von 6 möglichen Punk- mehrere Hundert Mal kommentiert wur- Beantwortung der Gästekommentare
ten gab er seinem Hotel, offenkundig den. Trotzdem reagieren sie allenfalls
eine Retourkutsche für misslungene sporadisch auf die Rückmeldungen ihrer
Kunden - oder auch gar nicht. Eine
nächtliche Heimkehr.
Immer noch selten ist allerdings, dass ganze Reihe der regionalen Hotelbedas kritisierte Hotel überhaupt auf sol- triebe hat sich noch nie auf einer der Beche Vorwürfe reagiert. Dabei ist den wertungsplattformen zu Wort gemeldet,
meisten Gastgebern durchaus bewusst, darunter erstaunlich viele Betriebe aus
dass Bewertungsportale wie Holiday- dem gehobenen Segment.
check, Tripadvisor oder Booking.com
nehme am Tag aber nur wenige Minuten in Anspruch, so die Auskunft des
«Cambrian». Gleich einen eigenen
«Reputationsmanager» einzustellen, ist
also nicht nötig.
Auch das Chalet-Hotel Adler oder das
Hotel-Restaurant Oeschinensee, beide in
Kandersteg, schaffen es immer häufiger,
sich für positive Bewertungen zu bedanimmer wichtiger werden. Als der «Fru- Lorbeeren gelten als selbstverständlich
ken, und sei es nur mit ein paar freundtigländer» vor einem Jahr per Zufalls- Von den übrigen Hotels werden Gästelichen Worten. Die Bewirtschaftung der
prinzip Hoteliers im Tal befragte, beton- feedbacks meist nur dann kommentiert,
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Onlineplattformen scheint demnach name («Olivier») reichten dafür aus.
eher eine Frage der Prioritäten zu sein,
des «Ernst-Nehmens», wie Nicolas
Alles Lug und Trug?
Mayer es formuliert. Der PwC-Berater
empfiehlt, generell jede Bewertung zu
beantworten, auch die guten. Das zeige
dem Gast, dass sein Engagement wahrgenommen und gewürdigt werde.
Ob er Mayers Rat folgen will, muss
jeder Hotelier selbst entscheiden. Nicht
jedem fällt es leicht, sich auf das neue
Medium einzulassen. Gerade ältere Hotelbesitzer begegnen den Online-Plattformen mit einer gewissen Skepsis. Das
Ganze sei nicht transparent, man wisse
Auch andere Reiseplattformen scheinen
oft gar nicht, wer hinter einer Bewertung
stecke, so ein häufiger Vorwurf. Zwar beteuern die Betreiber, man versuche alles,
um Missbrauch zu vermeiden. So gibt
nicht 100-prozentig «sicher» zu sein.
Erst kürzlich wurde der Konkurrent
Tripadvisor in Italien zu einer Busse von
500000 Euro verurteilt - wegen massenhafter Verbreitung falscher und «gekaufter» Kommentare. Kritische Schweizer Hoteliers sahen sich bestätigt: Alles
Lug und Trug; besser, man kümmert sich
gar nicht weiter darum.
Man könnte es freilich auch anders
herum sehen. Nur wenn die Hotels ein
Auge auf «ihre» Bewertungen haben,
sich aktiv beteiligen und masslosen Kritikern auch einmal Kontra geben, steigt
die Glaubwürdigkeit der Reiseplattfor-
etwa Holidaycheck an, über 40 Mitarbei- men. Es wäre eine Flucht nach vorn, von
ter seien nur mit der Prüfung von Bewer- der letztlich alle Seiten profitierten.
tungen beschäftigt. Nur: Das System Denn eines dürfte klar sein: Verschwinscheint nicht immer zu funktionieren: den werden Holidaycheck & Co. so bald
Problemlos gelang es dem «Frutiglän- nicht mehr.
der», dem seit Jahren geschlossenen
Die ganze, erfundene Bewertung des Royal Park
Royal Park Hotel in Kandersteg eine Hotels finden Sie in unserer Web-Link-Übersieht Viele prutigländer Hotelbetriebe
positive Bewertung zu verpassen. Eine
Mailadresse und ein erfundener Gäste-
unter www.frutiglaender.ch.
haben noch nie eine Bewertung
beantwortet.
«Unfreundlicher Gastgeber» - «schlechte Hotel-Manieren»
Beispiel eines Onlinekommentars auf Erwiderung des Hoteliers:
Die Holidaycheck AG mit Sitz in Bottigder Reiseplattform Holidaycheck. Un- «Der Zugang zum Hotel wird bei uns kei- hofen TG ist Betreiber des grössten
terkunft: Belle Epoque Hotel Victoria nen Gästen verwehrt, die sich auch wie deutschsprachigen Meinungsportals
Ritter, Kandersteg.
Gäste benehmen können. Übrigens für Reise und Ferien im Internet. Inwurde auch diesem Kunden der Zugang zwischen zählt Holidaycheck auch zu
Kommentar des Gastes:
nicht verwehrt. Wenn man aber um 2.30 den bedeutenden kommerziellen Rei«Neben dem schlechten Zustand des Uhr nicht mehr ganz nüchtern zurück severmittlern und betreibt u.a. ein eiüber 200 Jahre alten Hotels fielen vor ins Hotel kommt, die Zugangs-Informa- genes Callcenter. Die Firma hat rund
allem der miserable Kundenservice tionen nicht beachtet und dann noch 240 Mitarbeiter.
Der grösste internationale Konkurund die unfreundlichen Gastgeber ne- provoziert, kann man nicht noch einen
gativ auf. Die Uhr der Hotelleitung herzhaften Empfang erwarten. Es gibt rent ist Tripadvisor mit Sitz in den USA.
scheint vor 100 Jahren stehen geblie- auch für die Gäste <Hotel-Manieren>. Es Laut eigenen Angaben hat das börsenben zu sein. Bei nächtlicher Heimkehr ist dann einfach, gleich alles schlechtzu- notierte Unternehmen monatlich über
ins Hotel muss man damit rechnen, reden. Dass die Aussagen wohl nicht den 60 Millionen Besucher und vereint auf
dass einem der Hotelleiter ohne er- eigentlichen Tatsachen entsprechen, zei- seinen Seiten insgesamt mehr als 75
sichtlichen Grund Eintritt ins Hotel ver- gen wohl die anderen 299 nur positiven Millionen Bewertungen und Erfahwehrt.»
PHILIP,
rungsberichte.
CASIMIR PLATZER,
Bewertungen.»
ALTER 31-35 JAHRE
Themen-Nr.: 660.003
Abo-Nr.: 660003
GASTGEBER IM HOTEL VICTORIA RITTER
Auflage: 3'979
POL
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