FRANK DUPREE (KLAVIER) VISION – ILLUSION – FANTASIE

SO 11.10.15 | 11 UHR
FRANK DUPREE (KLAVIER)
VISION – ILLUSION – FANTASIE
WERKE V. SCHUMANN, RAVEL U. GERSHWIN
PRÄSENTIERT VON:
SPARKASSEN-KONZERTE KLASSIK
PROGRAMM
FRANK DUPREE
(KLAVIER)
ROBERT SCHUMANN (1810-1856) FANTASIE C-DUR FÜR KLAVIER OP. 17
DURCHAUS PHANTASTISCH UND LEIDENSCHAFTLICH VORZUTRAGEN
MÄSSIG. DURCHAUS ENERGISCH
LANGSAM GETRAGEN. DURCHWEG LEISE ZU HALTEN
TOCCATA C-DUR FÜR KLAVIER OP. 7 ALLEGRO CON FUOCO MA NON TROPPO
ADAGIO
PREST
ALLEGRO
PAUSE
MAURICE RAVEL (1875-1937) AUS: „MIROIRS“ (1905)
UNE BARQUE SUR L´OCÉAN (EINE BARKE AUF DEM OZEAN)
ALBORADA DEL GRACIOSO (MORGENLIED DES NARREN)
LA VALLÉE DES CLOCHES (DAS TAL DER GLOCKEN).
GEORGE GERSHWIN (1898-1937)
AN AMERICAN IN PARIS – A SYMPHONIC TONE POEM
(KONZERT-TRANSKRIPTION FÜR KLAVIER-SOLO VON FRANK DUPREE)
DIESES KONZERT IST AUF GRUND DES FÖRDERPROJEKTES BUNDESAUSWAHL KONZERTE JUNGER
KÜNSTLER DES DEUTSCHEN MUSIKRATS ZUSTANDE GEKOMMEN.
Von Robert Schumanns 1839 veröffentlichter Fantasie op. 17 wird allgemein behauptet, sie sei Schumanns erfolgreichste Umsetzung groß angelegter
Formen, wobei eine faszinierende Spannung zwischen Sonaten- und FantasieElementen aufrechterhalten wird. Die
Entstehungsgeschichte ist kompliziert,
aber ihre Erläuterung unvermeidlich. Im
Juni 1836 komponierte Schumann während einer Zeit zwangsläufiger Trennung
von Clara eine einsätzige Fantasie [sic!],
der er den Titel „Ruines“ gab; später sollte er Clara mitteilen, es habe sich dabei
um „eine tiefe Klage um dich“ gehandelt.
Inspiriert von dem Gedanken, Geld für
das Beethoven-Denkmal aufzubringen,
das Liszt (dem Schumann die Fantasie
widmete) und andere in Bonn zu errichten gedachten, fügte er später im gleichen Jahr zwei weitere Sätze mit den Titeln „Trophäen“ und „Palmen“ hinzu und
wollte die drei zusammen als Große Sonate für Beethovens Denkmal herausgeben.
Der zweite und dritte Satz wurden später
mit neuen Titeln („Siegesbogen“ bzw.
„Sternbild“) versehen, und das vollständige Werk wurde abwechselnd als Phantasien, Fata Morgana und Dichtungen
geführt, ehe sich Schumann schließlich
für den generischen Begriff Fantasie (in
der Einzahl) entschied, der sich auf den
ursprünglich alleinstehenden ersten Satz
bezog. Der Titel paßt gut zu dem rhapsodischen, in Abschnitten konzipierten
Satz, der keineswegs die Konventionen
der Sonatenform leugnet, sich aber fast
durchweg gegen sie wendet. Andererseits
ist die dreisätzige Anlage des Ganzen
eher typisch für die Sonate, auch wenn
die Abfolge der Sätze für die klassische
Sonate ganz und gar untypisch ist.
Bereits als 20-jähriger hatte Robert
Schumann mit der Arbeit an der Toccata op. 7 begonnen. Zu dieser Zeit studierte er auf Wunsch seiner Familie Jura.
Seine erste, mit „Exercice“ betitelte Niederschrift sah er jedoch zunächst nicht
für eine Veröffentlichung vor; erst als er
seinen Weg als Musiker suchte, griff er
die Entwürfe wieder auf. Ähnlich wie bei
den Paganini-Etüden versuchte er dabei,
Virtuosität mit musikalischem Gehalt zu
verbinden. Die Druckfassung dieser „Toccata“ wich schließlich stark von den ersten Ideen zur Exercice ab. Das Autograph
der endgültigen Fassung ist verschollen,
die „Exercice“ blieb dagegen in Schumanns Handschrift erhalten.
Maurice Ravel und George Gershwin
– die beiden hatten mehr gemein, als man
auf den ersten Blick und beim ersten Anhören ihrer Musik ahnt. Der ältere Franzose begann als Impressionist und brachte als einer der Ersten Blues und Foxtrott
in die europäische E-Musik ein – der jüngere Amerikaner wiederum gilt als Erfinder des „symphonischen Jazz“ und übernahm aus Europa viel vom französischen
Impressionismus. Beide legten höchsten
Wert auf ihr Äußeres und kleideten sich
sowohl privat als auch in Gesellschaft
überaus elegant – auf seine Amerikareise
1928 nahm der kleingewachsene, immer
gutgekleidete und gepflegte Ravel fünfzig
(!) Hemden mit, während der fast dandyhaft gestylte Gershwin die exquisite New
Yorker Mode der 1920er und 1930er Jahre sogar beim Sport trug. Beide waren
ausgezeichnete Pianisten – und auch hier
gibt es kaum ein Foto, auf dem sie nicht
in Anzug und Krawatte am Flügel sitzen.
Beide waren höchst gesellige Menschen,
hatten viele Freunde, reisten gerne,
rauchten (Ravel Zigaretten, Gershwin Zigaretten und Pfeife) – und blieben doch
allein. Beide hatten offenbar Probleme
mit Frauen. Beide starben im Jahr 1937
nach einer Gehirnoperation – Ravel litt
an einem bis heute ungeklärten schleichenden Gehirnleiden, Gershwin an einem bereits übergroßen Gehirntumor.
Und beide erkannten das Genie und die
Ausnahmestellung des jeweils anderen
neidlos an. „Ich möchte Gershwin kennen
lernen und spielen hören“, wünschte sich
Ravel 1928 in New York zu seinem 53.
Geburtstag. Gershwin kam und spielte
fast sein ganzes Repertoire. Ravel wiederum revanchierte sich an diesem Abend
am Klavier nicht wie sonst mit seinem
Bolero, sondern mit Gershwins „Rhapsody in Blue“. Und Gershwin bat den 23
Jahre älteren Ravel sofort, ob er ihn als
Schüler annehmen und Harmonie und
Instrumentation lehren würde. Ravels
Antwort: „Sie sind ein erstklassiger Gershwin, warum wollen Sie ein zweitklassiger
Ravel werden?“
1905 komponierte Maurice Ravel
fünf Stücke unter dem Titel „Miroirs“.
Wir hören heute die drei letzten Stücke
dieser Sammlung. (Das Eingangsstück
„Noctuelles“ zeichnet mit schnellen Appoggiaturen und plötzlichen Crescendi
Nachtfalter nach, die in der Dunkelheit
umherflattern, während im zweiten
Stück die Vögel in „Oiseaux tristes“ „in
der Benommenheit eines sehr düsteren Waldes in den heißesten Sommerstunden“ ihren
kurz-lang-Ruf äußern). Mit „Une barque
sur l’océan“ gelangen wir ans Tageslicht.
Hierbei handelt es sich um ein Wasserstück, das nicht denselben Einschränkungen unterliegt wie die Jeux d’eau,
oder zumindest ist dies nicht offensichtlich, da es von Anfang bis Ende auf einer
Welle von Arpeggien reitet. Ravel erklärte, dass die Figur des Clowns (gracioso)
in „Alborada del gracioso“ humoristisch,
jedoch nicht ganz harmlos sei – weniger
wohlgesinnt als Beaumarchais’ Figaro –
und der trockenere Ton und leichtere Anschlag der Erard-Flügel, die Ravel besonders schätzte, akzentuierten sicherlich
die Schärfe der arpeggierten „GitarrenAkkorde“ und Tonrepetitionen. „La vallée des cloches“ ist das einzige der fünf
Stücke, in dem eine bestimmte Realität
widergespiegelt wird – es handelt sich
hierbei um die Mittagsglocken in Paris.
Ravel verlangte, dass jede Glocke ihr eigenes Timbre haben sollte, „mit jenem Pi-
anissimo, das er derartig beherrschte, dass
es ohne jede Weichheit erklang“.
1928 reiste Georg Gershwin zum fünften und letzten Mal nach Europa. In Paris
trifft er die führenden Komponisten der
Stadt – u. a. Auric, Milhaud, Strawinski,
Prokofiew (Ravel ist gerade in Amerika)
–, in Wien kommt er mit Lehár, Kalman
und Adele Strauß sowie Alban Berg zusammen. Und er skizziert im Hotel Bristol eine Musik, die ihn schon in Paris gepackt und seitdem nicht losgelassen hat:
„An American in Paris“, die musikalische
Schilderung eines jungen Amerikaners
– Gershwins selbst –, der durch die Seine-Metropole schlendert, die ChampsÉlysées herunter im Takt eines Ragtime,
vorbei an den hupenden Taxis, im Orchester von vier echten Autohupen gespielt.
Aus einem Café hört er eine dramatische
Tanzmelodie (La Maxixe), von den Posaunen intoniert. Das Englischhorn schließt
eine besinnlichere Episode, hervorgerufen von einem stillen Platz samt alter
Kirche, ab. Im Mittelteil bläst die Solotrompete einen Blues, der wiederum von
einem Charleston abgelöst wird – Heimweh-Erinnerungen an die amerikanische
Heimat des jungen Touristen. Aber gleich
darauf trifft er einen Landsmann, und
weiter geht’s in den Trubel des nächtlichen Paris. Der Blues des Anfangs kehrt
wieder, auch das „Schlender-Thema“ mit
seinen Autohupen. Darauf wird die Tondichtung in ständigem Tempowechsel
klangprächtig zu Ende geführt. Reaktion
bei der Uraufführung am 13. Dezember
1928 unter Walter Damrosch mit den
New Yorker Philharmonikern: Das Publikum ist hingerissen, die Kritik zum Teil
ablehnend. Doch das Stück macht seinen
Weg und wird nicht nur in den Konzertsälen der Welt gespielt, sondern auch
noch als Bühnen- und Filmballett ein voller Erfolg.
BIOGRAFIE
Frank Dupree ist bekannt für seine bemerkenswerte musikalische Reife und
den außergewöhnlichen Facettenreichtum, der sowohl sein Klavierspiel wie
auch sein gesamtes musikalisches Schaffen auszeichnet. Das breitgefächerte
Repertoire des 1991 geborenen Pianisten erstreckt sich von der barocken bis
zur zeitgenössischen Musik. Im Verlauf
seiner jungen Karriere arbeitete er mit
Persönlichkeiten wie Péter Eötvös, Wolfgang Rihm, Reinhold Friedrich, Eduard
Brunner, Mario Venzago, Hans Zender,
François-Xavier Roth und Hartmut Höll
zusammen.
Von Alaska bis China etablierte sich
Frank Dupree international als gefragter
Solist. Er musiziert mit renommierten
nationalen und internationalen Orchestern. So konzertierte er bereits mit dem
Orchestre de Chambre de Paris, dem
Minnesota Symphony Orchestra (USA),
dem Vestfold Symfoniorkester (Norwegen) sowie dem Berner Sinfonieorchester, der Badischen Staatskapelle Karlsruhe, der Baden-Badener Philharmonie, der
Meininger Hofkapelle und dem Beethoven-Orchester Bonn. 2016 folgen weitere
Debüts mit den Duisburger Philharmonikern und dem Symfoniorkester Malmö
(Schweden).
Foto: Rosa Frank
Das Klavier orchestral mit allen seinen
Farben zum Klingen zu bringen, ist das
große musikalische Anliegen von Frank
Dupree. Pianisten-Legende Emanuel Ax
schrieb über das Ausnahmetalent: „Er ist
ein außergewöhnlicher, empfindsamer
und enorm interessanter Künstler. Ich
habe keinen Zweifel, dass er noch eine
bedeutende Rolle bei den führenden Musikern seiner Generation spielen wird.“
Frank Dupree ist Preisträger von über
60 nationalen und internationalen Klavierwettbewerben. 2014 wurde er einziger Preisträger beim 40. Deutschen
Musikwettbewerb in Bonn und wurde
in die 59. Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler aufgenommen. Als Solist in
Klavierrecitals und zusammen mit weiteren Solisten des Deutschen Musikwettbewerbs ist er in der Saison 2015/2016
bei über 30 Konzerten in Deutschland
zu hören. Für 2015 erhielt er mehrere
Einladungen zu Musikfestivals wie dem
Schleswig-Holstein-Musik-Festival, den
Ludwigsburger Festspielen und dem Heidelberger Frühling. Als Stipendiat der
Kammermusikakademie des Heidelberger Frühlings und der Verbier Festival
Akademie überzeugte er sowohl als Solist
als auch als hochgeschätzter Kammer-
musiker. Seine große musikalische Bandbreite stellt Frank Dupree auch auf seiner
jüngsten CD-Einspielung unter Beweis.
Im Sommer 2015 erschien sein Debüt
„Opus 1“ beim Label GENUIN classics
mit Werken von Beethoven, Berg, Berio
und einer Weltersteinspielung von Eötvös‘ Erdenklavier – Himmelklavier. Neue
Musik auch in sein Konzertrepertoire zu
integrieren, ist Frank Dupree wichtig. So
brachte er mit der Badischen Staatskapelle unter der Leitung von GMD Justin
Brown Karlsruhe das neueste Konzertstück „Con Piano? Certo!“ für Klavier und
Orchester von Wolfgang Rihm im Juni
2015 zur Uraufführung.
Frank Dupree wird auch als junger Dirigent sehr anerkannt. Als Assistent
arbeitete er für Sir Simon Rattle, François- Xavier Roth und Mario Venzago.
Die Kombination aus Dirigieren und
Klavierspielen ist Frank Duprees liebste
Art, Musik zu machen. 2012 gewann er
dafür mit Beethovens 3. Klavierkonzert
c-Moll den 1. Preis beim „Internationalen Hans-von-Bülow-Wettbewerb“ in
Meiningen in der Kategorie „Dirigieren
vom Klavier aus“. Auch die Klavierkonzerte von Tschaikowski, Schostakowitsch
und Gershwin brachte Frank als Dirigent
vom Klavier aus zur Aufführung. Ab 2016
wird er zusammen mit der Deutschen
Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in
der neuen Serie „Connect it!“ alle fünf
Klavierkonzerte Beethovens vom Klavier
aus leiten.
Der in Rastatt geborene Musiker Frank
Dupree wird seit seinem sechsten Lebensjahr von der Konzertpianistin und
Pädagogin Prof. Sontraud Speidel unterrichtet und gefördert.
Im Wintersemester 2015/2016 setzt
Frank Dupree sein Studium an der Hochschule für Musik Karlsruhe im Masterstudiengang fort. Wichtige Impulse
gaben ihm Meisterkurse u. a. bei Ralf
Gothóni, Klaus Hellwig, Alexander Braginsky, Cyprien Katsaris, Ferenc Rados,
Gábor Takács-Nagy und Stephen Kovacevich. Seit dem Sommersemester 2013
ist er Stipendiat der Studienstiftung des
deutschen Volkes.
SPARKASSEN-KONZERTE KLASSIK
JUNGES PODIUM
11.10.15
FRANK DUPREE (KLAVIER)
VISION – ILLUSION – FANTASIE
WERKE VON R. SCHUMANN, M. RAVEL UND G. GERSHWIN
31.01.16
MARC BOUCHKOV (VIOLINE) & GEORGIY DUBKO (KLAVIER)
WERKE U. A. VON F. MENDELSSOHN BARTHOLDY, P. I. TSCHAIKOWSKI,
S. PROKOFIEW UND F. SCHUBERT
13.03.16
ANNIKA TREUTLER (KLAVIER)
WERKE VON J. HAYDN, S. PROKOFIEW, A. SKRJABIN UND J. BRAHMS
08.05.16 TRIO RAFALE
WERKE VON J. HAYDN, S. VERESS UND A. DVORÁK