Doppelt hält besser

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11.02.2009
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SCHWERPUNKT VÖLKERVERMEHRUNG
Doppelt hält besser
In der Imkerei Beverung werden alle Bienenprodukte,
einschließlich der Bienen selbst, verwertet. Die Völkerzahl wird
jedes Jahr verdoppelt, das schafft die Möglichkeit, viele überschüssige
Völker und Ableger zu verkaufen und so das wirtschaftliche
Ergebnis der Imkerei zu verbessern.
nenvolk verwertet.“ Mit dem Honigertrag deckt
er seine Betriebskosten, aus dem am Entdeckelungswachs haftenden Honig lässt er Met herstellen, Propolis wird zu Tinkturen verarbeitet,
viel Pollen wird gewonnen, und ein wichtiges
Produkt ist Perga, vergorenes Bienenbrot, für
das er Abnehmer in der kosmetischen und in
der Pharmaindustrie hat. Dann wären da noch
das Wachs, es wird zu Kerzen u.a. verarbeitet,
und nicht zuletzt die Bienen selbst, der Verkauf
von Völkern und Ablegern belebt das Geschäft.
„Völker werde ich immer los, solange noch
welche von außerhalb eingeführt werden
müssen“, ist Beverung überzeugt. Und bei den
heute jährlich auftretenden Völkerverlusten
bleibt das wohl ein sicheres Einkommen.
Weg zum Berufsimker
in schöner Tag, kurz nach der Sommersonnenwende, die Sonne scheint. Ringsum eine ländliche Gegend, eingebettet in
eine liebliche Hügellandschaft, bewachsen
mit Mischwäldern, Feldern und Grünland –
das Weserbergland. Schon von Weitem hört
man ein leises, aber konstantes Summen, die
Bienen sieht man nicht, sie stehen hinter
Büschen versteckt.
E
Hier in Lügde lebt mit und von den Bienen
Klaus Beverung, seines Zeichens Berufsimker,
mit seiner Familie. Um die 300 Trachtvölker in
Segeberger Magazinen nennt er heute sein
Eigen. Das sind nicht unbedingt viele, wenn
man eine Familie davon ernähren will, aber, erklärt er: „Man kann von der Imkerei leben, die
meisten Imker verkaufen nur Honig, bei uns
werden dagegen alle Produkte aus dem Bie-
Klaus Beverung, Anfang 50, imkert, seit er
zwölf Jahre zählt, und kann somit auf 40 Imkerjahre zurückblicken. Als Abiturient hielt
er schon über 50 Völker, und als er später
Lebensmittelchemie studierte, brachten ihm
um die 100 Völker ein wichtiges Zubrot zum
Studium. Nachdem er dann ein paar Jahre in
der Industrie gearbeitet hatte, oft nur auf einer
halben Stelle, und daneben 150 Völker bewirtschaftete, entschloss er sich 1984, Berufsimker zu werden. Das hieß erst einmal: investieren. Neben dem elterlichen Hof, der heute
verpachtet ist, baute er ein modernes Wirtschaftsgebäude für die Imkerei aus, mit 700 m²
Gesamtfläche, davon macht allein der Schleuderraum 100 m² aus. So eine Investition will
finanziert werden, das zwang ihn, die Völkerzahl auf über 1.000 zu steigern und Hilfskräfte
zu beschäftigen. „Viel zu viel Hektik“, meint
er heute und geht die Sache inzwischen viel
ruhiger an. Unter den Schönen suchte er eine
verbundene Seele und fand sie in Melanie, der
Imkerstochter aus dem Norden, die im Jahre
2000 ihre Imkerlehre in Celle abschloss, zuerst
als Imkerin an seinen Völkern arbeitete und
schließlich sein Herz gewann. Heute betreibt
Klaus Beverung allein mit seiner Frau Melanie
die Imkerei. Das wird zwar in der Saison, wenn
es ans Schleudern geht und die Tage vor
Bei einem Berufsimker hat alles größere
Dimensionen: Rührmaschinen und Honiggefäße im modernen Betriebsgebäude.
Die blauen Tonnen enthalten Perga, durch
Milchsäuregärung aufgeschlossener Pollen
(Bienenbrot).
Die Unterbringung des zahlreichen Imkerzubehörs erfordert viel Platz, hier steht die
Scheune zur Verfügung.
Klaus und Melanie Beverung arbeiten gemeinsam am Bienenstand: Eine Woche nach Einlegen
des Absperrgitters zwischen die zwei Brutzargen muss zuerst die Weisel bzw. offene Brut gesucht werden, bevor das Volk geteilt wird; das kostet die meiste Zeit.
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DEUTSCHES BIENEN-JOURNAL 3/2009
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Sonnenaufgang beginnen, ganz schön eng,
aber die Oma kümmert sich dann um die
kleine Tochter und hilft.
Imkerei hat sich verändert
„Wir wandern nicht, sondern betreiben eine
reine Standimkerei“, erklärt Beverung, „das
Weserbergland bietet zuverlässige Trachten.“
So kann er sich diesen Aufwand sparen und
muss lediglich seine ca. 30 Stände im Umkreis
von bis zu 40 Kilometern regelmäßig aufsuchen. Dafür reichen ein Kleintransporter und
ein Anhänger – trotzdem kommen im Jahr
ca. 30.000 Kilometer nur für die Bienen zusammen. Sortenhonige lassen sich hier allerdings nicht ernten: „Es gibt nur krumme und
schiefe Flächen, die den Anbau von Massentrachten kaum lohnen, das ist auch ein Vorteil
der Gegend.“ So gewinnt Beverung eben
Mischhonige: Frühtrachthonig aus Raps, Löwenzahn und Obst, Sommerhonig aus Robinie, Weidenröschen, Brombeere und Faulbaum und Blatthonig von Eichen. Im Durchschnitt trägt ein Volk 30–35 Kilogramm ein.
Das hört sich nicht viel an, aber die Pollenentnahme kostet eben auch Honig.
„Die Völker sind heute nicht mehr so stark
wie früher”, beschreibt Beverung die Situation,
„zur Wendezeit konnte ich aus einem Volk
sechs bis sieben Ableger bilden, die Völker
saßen Anfang Mai auf 15–16 Brutwaben. Jetzt
sind die Winter milder, die Trachtbedingungen
verändert, und die Völker wintern schwächer
aus.“
Völkerzahl verdoppeln
Ein Motto der Beverungschen Betriebsweise
lautet: „Zu jedem Volk gehört ein Ableger.“ In
jedem Jahr wird also die Völkerzahl verdoppelt.
Das klingt zwar sehr einfach und schnell gemacht, passiert bei Beverungs aber auch nicht
auf einmal. Zuerst werden die Völker begutachtet, und die stärksten nach und nach gruppenweise geteilt. Füllen die Völker etwa zum
Anfang der Rapstracht zwei Bruträume mit
14–16 Brutwaben, kommt ein Absperrgitter
dazwischen. Eine Woche später wird nach offe-
Da ist ja die Weisel; die Zarge, in der sie sitzt,
trägt Melanie an einen anderen Platz des Standes, neuer Boden drunter, Deckel drauf — fertig.
Aus diesem Volk werden gleich zwei, Deckel
ab und erstmal nachgeschaut …
ner Brut geschaut und die Zarge mit der Weisel
an einen anderen Ort des Standes gestellt. Die
Flugbienen fliegen in die weisellose Zarge
zurück, die am alten Ort stehen bleibt, diese
bekommt eine schlupfreife Zelle bzw. nach
der Sommersonnenwende eine begattete Königin. Schon sind aus einem Volk zwei gemacht
worden.
Beverung schlägt durch diese Methode drei
Fliegen mit einer Klappe: Die Völkerzahl wurde
ohne großen Aufwand verdoppelt; das Volk
ohne Königin braucht erstmal keine Brut
mehr zu pflegen und kann sich deshalb voll
aufs Honigsammeln konzentrieren; Schwarmkontrolle ist nicht mehr nötig.
Und die andere Volkshälfte, die mit der alten
Königin? Die verliert zunächst alle Flugbienen,
da diese an den alten Ort zurückfliegen. Nach
zehn Tagen bekommt sie den zweiten Brutraum und ist dann für die Sommertracht stark
und einsetzbar, wenn die Rapsvölker abgearbeitet sind.
Einen winzigen Haken hat die Verdopplungsmethode: Man braucht große Mengen
an Material. Böden, Zargen, Deckel – von allem
benötigt man doppelt so viel, und das muss
irgendwo untergebracht werden. Bei Beverungs ist das kein Problem, sie nutzen zusätzlich eine Scheune auf dem elterlichen Hof als
Materiallager.
Wie geht es dann weiter?
Imkerfamilie Beverung mit ihrem munteren
Bienchen Lee Ann
Fotos: Xandia Stampe
DEUTSCHES BIENEN-JOURNAL 3/2009
„Wir füttern nach dem Abschleudern im
Sommer ca. 600 Völker ein. Ein Teil wird im
Februar über Absperrgitter rückvereinigt“, beschreibt Beverung sein Vorgehen. „Dann sind
zwei Weiseln in der Beute, eine muss zur Zeit
der Kirschblüte raus. Mit der bilde ich DreiWaben-Ableger, die im April zu verkaufen
sind.“ Letzteres gilt auch für die überschüssigen Völker – jedoch nur nach rechtzeitiger
Voranmeldung, quasi schon im Winter. Für
dieses Jahr sind die 160 Bestellungen schon
komplett vergeben. „Der Bedarf ist enorm,
aber mehr kann ich nicht weggeben, ein paar
Reserven brauche ich auch“, bedauert Klaus
Beverung.
Da hilft nur: selbst vermehren. Und so schwer
ist es ja nicht.
Xandia Stampe
Der weisellosen Hälfte muss bei Teilung nach der
Sommersonnenwende eine begattete Königin
zugesetzt werden, damit sie vor dem Herbst
noch richtig erstarkt. Sie bleibt am alten Platz
stehen und bekommt alle Flugbienen.
Alles wird genau notiert. Zum Schluss sind
Böden, Weiseln und Deckel vergeben, und die
Absperrgitter bleiben übrig …
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