Die Regionaltheke - von fränkischen Bauern

Protokoll Fallbetrachtung III
„Die Regionaltheke – von frankischen Bauern“
Im Gasthaus Sindel-Buckel in Feuchtwangen
am 30. und 31. Juli 2015
Moderation: Ludwig Karg, B.A.U.M. Consult GmbH
Fallbetrachtung „Die Regionaltheke – von fränkischen
Bauern“
Die dritte und letzte Fallbetrachtung der Seminarreihe „Fitnessprogramm für Regionalinitiativen in Bayern 2015“ fand vom 30. bis 31. Juli 2015 bei der Regionalvermarktungsinitiative „Die Regionaltheke – von fränkischen Bauern“ (nachfolgend: Die Regionaltheke)
statt. Im Rahmen der Veranstaltung lernten die 25 TeilnehmerInnen die Regionaltheke,
deren Partner und Lieferanten kennen.
1. Veranstaltungstag am 30. Juli 2015:
1. Vorstellung der Regionalvermarktungsinitiative „Die Regionaltheke – von
fränkischen Bauern“
Nach der Begrüßung durch Heiner Sindel, 1. Vorsitzender des Bundesverbandes der Regionalbewegung e.V., startete die Fallbetrachtung inhaltlich mit der Präsentation „Die
Regionaltheke – von fränkischen Bauern- Regionalvermarktungsinitiative seit 1997“. Im
Rahmen dieser erfuhren die TeilnehmerInnen alles über die Entstehungsgeschichte, die
ideellen Beweggründe, die Vermarktungsstrukturen und über den Bereich Marketing und
Öffentlichkeitsarbeit der Regionaltheke.
Als Orientierung und Inhaltsangabe dieses Themenblocks kann die Präsentation „Die Regionaltheke – von fränkischen Bauern – Regionalvermarktungsinitiative seit 1997“ herangezogen werden. Im Nachfolgenden werden die wichtigsten Inhalte und Anmerkungen
der Referenten und der TeilnehmerInnen zusammengefasst.
Der Weg der Regionaltheke:

Ursprungsgedanke war nicht das Einrichten von Verkaufsstellen, sondern der Artenschutz und die Sorge um eine bedrohte Art, das Rebhuhn.

Dieses wurde zum Symbol für den „Niedergang“ des Ländlichen Raumes.
Fitnessprogramm für Regionalinitiativen in Bayern
Protokoll Fallbetrachtung „Die Regionaltheke – von fränkischen Bauern““
am 30. und 31. Juli 2015 in Feuchtwangen

1985: Gründung einer „Grünen Allianz“ und des Rebhuhn-Programms „Artenreiche
Flur“ zur Sicherung der Artenvielfalt.

„Grüne Allianz“ bestehend aus den Bereichen Politik, Jagd, Artenschutz und Landwirtschaft

Später: Erweiterung der „Grünen Allianz“ durch den Gewerbeverein

1995: Gründung des gemeinnützigen Vereins „Artenreiches Land – Lebenswerte
Stadt e.V.“ (ALLES e.V.)  Bis heute ideeller Partner der später entstandenen Regionalvermarktungsinitiative

Ziele des ALLES e.V.: Sicherung von Arbeitsplätzen durch dezentrale Strukturen,
Regionale Wertschöpfung durch regionale Wirtschaftskreisläufe, Erhalt von Produktqualität, Sicherung der Artenvielfalt, Energie durch kurzen Wege, Pfleglicher
Umgang miteinander

Bewusstseinsbildung durch öffentlichkeitswirksame Aktionen (pressewirksame Bilder)  Beispiel: „Verpacktes Dorf“, „Ehrenhain der Verlierer“, „Kurze Wege –
Holzstraße“, „Global-Player-Aktion“, Mogelpackungen – München“, uvm.

Die Zielsetzungen des ALLES e.V. steigern auch das Engagement im Bereich der
Vermarktung regionaler glaubwürdiger Lebensmittel
„Die Regionaltheke – von fränkischen Bauern“:

1997: Gründung der „Regionaltheke – von fränkischen Bauern“ mit Sitz in
Feuchtwangen

Erste Regionaltheken entstanden im Landkreis Ansbach: 25 Verkaufsstellen rund
um Feuchtwangen (Bier, Eier, Nudeln und Kartoffeln)

Der ALLES e.V. ist ideeller Partner der wirtschaftlich agierenden „Regionalagentur
Artenreiches Land – Lebenswerte Stadt e.V.“
Die Regionaltheke seit 2012:

Zentraler An- und Verkauf regionaler Produkte und deren Vertrieb über die Regionalagentur Artenreiches Land – Lebenswerte Stadt e.V.; Eigenes Lager; Eigenes
Lieferfahrzeug

20 Lieferanten; 138 Produkte; 107 Verkaufsstellen in Mittel-, Ober- und Unterfranken; 136 Verkaufsstellen der Regionaltheken-„Frischmilch ohne Gentechnik“ in
Mittel-, Ober- und Unterfranken

Ausweitung des Liefergebiets in Unter- und Oberfranken  Konkretes Kooperationsinteresse des LEH (REWE) in diesen Regionen  Herausforderung: Gewährleistung der kurzen Wege
Fitnessprogramm für Regionalinitiativen in Bayern
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am 30. und 31. Juli 2015 in Feuchtwangen

Bedarfsgesteuerte Bestellung per Telefon/ Fax; Keine Bindung an Verpackungseinheiten; Mindestbestellwert ca. 100 Euro – je nach Entfernung; Wöchentliche
Regeltouren; Pfandrücknahme; Abrechnung aus einer Hand

Die Produkte der Regionaltheke werden auch über die Gastronomie und einen regionalen Geschenkeservice vertrieben.

Die Marketinggebühr beläuft sich auf 5 % des Nettoumsatzes der Lieferanten
Produkterweiterung und -innovationen:

Einige Produkte der Regionaltheke wurden im Rahmen von Projekten in die Produktpalette aufgenommen.

Milchprojekt in 2012: Im Rahmen des Milchprojekts entstand die „Frischmilch ohne Gentechnik“ der Regionaltheke: „Fränkisch – Frisch – Ohne Gentechnik“

Hintergrund war die Schließung der letzten Molkerei in der Region  Milch, als
Grundnahrungsmittel, konnte nicht mehr aus der Region bezogen werden.

Die Molkereigenossenschaft Hohenlohe-Franken eG in Schrozberg liegt nicht in
Franken, aber an der baden-württembergischen Grenze zu Bayern.  Abfüllung
einer Demeter-Linie, einer GVO-freien Linie und konventioneller Milch

„Wirtschaften mit der Natur – Mehr Naturschutz in der Landwirtschaft durch
Mischfruchtanbau“ in 2013-2015:

Hintergrund: „Wie kann in der konventionellen Landwirtschaft die Artenvielfalt erhalten/ vermehrt werden?“  Durch Mischfruchtanbau mit Leindotter

Leindotteranbau wurde während der Projektlaufzeit durch Biologen kontrolliert.

Es entstand das „Leindotter-Öl“  Kooperation mit Mühlen aus der Region; Vermarktung über die Regionaltheke  Produkt wurde vom Acker bis zum Verbraucher selbst entwickelt.
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am 30. und 31. Juli 2015 in Feuchtwangen
Zertifizierungen und Kontrollen:

Auswahl der regionalen Produkte nach hohen Qualitäts- und Regionalitätskriterien

4-stufiges Kontrollsystem

Jährliche Zertifizierungen durch ein externes Instituts  Die Zertifizierung
muss von den Lieferanten selbst bezahlt werden und beläuft sich auf 200250€/ Lieferant (unabhängig davon, wie viele Produkte er über die Regionaltheke vermarkten möchte).  Die Kosten für die Betriebe sollen so gering
wie möglich gehalten werden.

Kriterien der Regionalität: Auch die Futtermittel müssen gentechnikfrei sein
und aus der Region stammen; die Rohstoffherkunft und die Verarbeitung müssen in der Region stattfinden.

Der jeweilige Erzeuger bzw. Verarbeiter wird auf dem Etikett des Regionaltheken-Produkts mit Namen und Adresse genannt. Überlegung: Künftig sollen
auch Fotos der Erzeuger auf die Produktetiketten gedruckt werden.

Konkretes Anliegen der Regionaltheke: Die Erzeuger sollen zusätzliche Standbeine nutzen, um in keine Abhängigkeit zu rutschen.

Bei Nicht-Verfügbarkeit von Produkten oder Engpässen wird dies dem LEH und
den Verbrauchern entsprechend kommuniziert. Dadurch steigt die Glaubwürdigkeit des Regionalitätsgedankens.
2. Besuch der Molkerei Schrozberg mit anschließender Milchverköstigung
Gunter Stirnkorb, Betriebsleiter der Molkerei Schrozberg, empfing die TeilnehmerInnen
und gab im Rahmen einer Betriebsbesichtigung ausführliche Einblicke in die Produktionsund Abfüllprozesse der Molkerei.
Allgemeine Informationen:

1900: Gründung der Molkereigenossenschaft

Seit 1996: Betriebssitz in Schrozberg. Die Stärken des Standortes liegen in den
kurzen Wegen und in der schnellen Verarbeitung  Dies gewährleistet maximale
Frische

Die Molkereigenossenschaft besteht aus 230 Mitgliedern (überwiegend Milchbauern).

Drei Produktionslinien werden in Schrozberg abgefüllt: Konventionelle Frischmilch,
VLOG-zertifizierte Milch und die Demeter-Produktlinie.
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am 30. und 31. Juli 2015 in Feuchtwangen

Alle Produktlinien werden über eine Abfüllanlage abgefüllt. (Verarbeitungsreihenfolge: Demeter  Ohne Gentechnik  Konventionell)

Zwischen den einzelnen Produktlinien wird die Abfüllanlage zwischengespült und
gereinigt.

Frischmilchverarbeitung: Täglich werden 150.000l Milch angeliefert (wovon ein
Drittel auf die Demeter-Produktlinie abfällt.)

60 Mitarbeiter in der Logistik; 40 Mitarbeiter in der Produktion

Schon während der Abholung vor Ort werden durch den Fahrer kleine Mengen an
Milch für einen Schnelltest auf Antibiotika und sonstige Verunreinigungen entnommen. In der Abfüllanlage wird die Milch für 40 Minuten auf 75 °C erhitzt, um
verbleibende Keime abzutöten.
Regionalität:

Problem: Viele definieren Region anhand administrativer Grenzen. Schrozberg
liegt direkt an der baden-württembergischen Grenze zu Bayern. Die Milchlieferanten sitzen in einem Radius von 30 km um Schrozberg in eben dieser Grenzregion.

Molkerei stellt Bewusstseinsänderungen beim Verbraucher fest: Regionale Produkte werden stärker nachgefragt; Verbraucher legen mehr Wert auf stimmige und
klare Aussagen seitens der Erzeuger.

Die Molkereigenossenschaft schätzt die Zusammenarbeit mit der Regionaltheke
und die dadurch gegebene Möglichkeit Neues auszuprobieren.

Die Molkerei möchte in ihrer „Nische“ bleiben  Gewährleistung des Regionalitätsund Qualitätsanspruchs

Herausforderung: Landwirtschaften werden aufgrund fehlender Nachkommen altersbedingt aufgegeben.
3. Besuch der Bürogemeinschaft in Feuchtwangen
Abschließend wurden die TeilnehmerInnen durch das Lager der Regionaltheke geführt,
welches 2013 an die Büroräume der Regionalagentur Artenreiches Land – Lebenswerte
Stadt e.V. angegliedert wurde. Diese befindet sich in einer Bürogemeinschaft mit dem
Bundesverband der Regionalbewegung e.V., der die TeilnehmerInnen ebenfalls zu einer
kurzen Führung durch die Arbeitsräume einlud.
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am 30. und 31. Juli 2015 in Feuchtwangen
2. Veranstaltungstag am 31. Juli 2015:
Am 2. Veranstaltungstag waren Partner und Lieferanten der Regionaltheke geladen, die
neben ihrer Kooperation zur Regionaltheke auch über die Strukturen ihrer eigenen Initiativen und über durchgeführte Projekte referierten.
4. Vortrag: „hesselberger – aus Frankens fruchtigem Süden“
Norbert Metz, Geschäftsführer der Allfra Regionalmarkt Franken GmbH, referierte in seinem Vortrag darüber, wie eine kleine Streuobst-Initiative zu einer der erfolgreichsten
regionalen Saftvermarktungen rund um den Hesselberg wurde.
Als Orientierung und Inhaltsangabe dieses Themenblocks kann die Präsentation „hesselberger – aus Frankens fruchtigem Süden“ herangezogen werden. Im Nachfolgenden werden die wichtigsten Inhalte und Anmerkungen des Referenten und der TeilnehmerInnen
zusammengefasst.
Allgemeine Informationen:

Gründung in 2006: Franken als Wiege des deutschen Obstanbaus

Rückgang der bayrischen Streuobstbestände seit 1965 um jährlich ca. 2,65%. 
Von 20 Millionen Streuobstbäumen sind seither 14 Millionen verschwunden.

Ideeller Beweggrund: Norbert Metz versteht sich nicht als Safthersteller, sondern
als Kulturlandschaftspfleger. Die Kulturlandschaftspflege, vor dem Hintergrund
rückläufiger Streuobstbestände, war und ist bis heute sein Hauptanliegen.

Die Gründung der Allfra Regionalmarkt Franken GmbH mit gewerblicher Saftherstellung erfolgte im Jahre 2006.

Wirtschaftlichkeit: Oftmals fehlen die Nachfolger für engagierte Initiatoren. Fördermittel und ehrenamtliches Engagement reichen nicht aus, um Initiativen langfristig stabil zu halten.

Mit dem Rückgang der Streuobstbestände ist auch die Anzahl an Mostereien eingebrochen.

1999: Eröffnung der ersten Mosterei  Weitere Mostereien rund um den Hesselberg wurden in den darauffolgenden Jahren gegründet.

2005 gründete sich Die Interessengemeinschaft "Fränkische Moststraße", bestehend aus einem Netzwerk von Moststationen, das sich über 29 Gemeinden rund
um den Hesselberg erstreckt.
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am 30. und 31. Juli 2015 in Feuchtwangen

Die Interessengemeinschaft „Fränkische Moststraße“ bestand auf einen wirtschaftlichen Kontext und war somit ausschlaggebend für die Gründung der Allfra Regionalmarkt Franken GmbH.
Allfra Regionalmarkt Franken GmbH:

2 Geschäftsführer: Jutta Grießer und Norbert Metz

Alle Mitarbeiter, der in irgendeiner Form für die Allfra Regionalmarkt Franken
GmbH arbeitet, werden mit mindestens 10€/ Stunde entlohnt. So wird das Einbrechen ehrenamtlicher Strukturen verhindert.

Der landschaftspflegende Qualitätsanbau steht nach wie vor im Vordergrund der
Arbeit.

Keine Bindung an Verträge, da die Produktion stark witterungsabhängig ist und
nicht kontrolliert werden kann. So ist der Obstverkauf für alle Streuobstbesitzer
möglich.

Klare Produktionsbedingungen, anstelle einer Bio-Zertifizierung

Die Logistik wird über Vertragshändler abgewickelt, da eine eigene Logistik im Getränkebereich nicht lohnenswert ist. Norbert Metz hat dies beim Aufbau der
GmbH-Strukturen erkannt und war lange Zeit alleiniger regionaler Partner seiner
Vertragshändler. Diese haben den Mehrwert hochwertiger regionaler Produkte erkannt, weshalb sie frühzeitig für eine Kooperation bereit waren.  Logistiker reduzieren durch die Mitnahme den Stückpreis und eröffnen außerdem neue Verkaufsstellen in der Region.

Die Kooperation mit anderen Regionalinitiativen spielt eine wichtige Rolle. Durch
die Zusammenarbeit mit der Regionaltheke konnte die Allfra Regionalmarkt Franken GmbH 60 neue Verkaufsstellen dazu gewinnen. Wiederum konnte die Regionaltheke ihre Produktpalette um ein großes regionales Getränkesortiment erweitern.
5. Vortrag: „Taste it – Taste dich an regionale Lebensmittel heran“
Wolfgang Heinzel, 1. Vorsitzender der IG Regionalbuffet, berichtete neben den Strukturen seiner Gastronomie-Regionalvermarktungsinitiative über die Erfahrungen der „Tasteit“-Challenge. Als Orientierung und Inhaltsangabe dieses Themenblocks kann die Präsentation „TASTE IT – Taste die an regionale Lebensmittel heran“ herangezogen werden. Im
Nachfolgenden werden die wichtigsten Inhalte und Anmerkungen des Referenten und der
TeilnehmerInnen zusammengefasst.
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am 30. und 31. Juli 2015 in Feuchtwangen
Allgemeine Informationen:

Initiator der „Taste it“ – Challenge war die Interessengemeinschaft Regionalbuffet.
Anlass war das 11-jährige Initiativen Jubiläum der IG Regionalbuffet.

Insgesamt sind der IG Regionalbuffet 86 landwirtschaftliche Betriebe, 48 Gastronomiebetriebe und 17 Handwerksbetriebe angeschlossen; Die IG Regionalbuffet
besteht aus insgesamt vier Steuerungsgruppen - Romantisches Franken, Fränkisches Seenland, Naturpark Steigerwald und Rund um Nürnberg – welche sich die
Projektkoordination geteilt haben.

Fragestellung/ Ausgangssituation vor Projektbeginn: „Die Auseinandersetzung mit
der „richtigen“ Ernährung findet erst ab dem 35. Lebensjahr statt.“ Ist diese Aussage überholt? Inwiefern interessieren sich junge Menschen für eine regionale Ernährung?

Grundkonzept der Challenge: Vier Familien ernähren sich für 11 Wochen ausschließlich mit regionalen Lebensmitteln.

Die teilnehmenden Familien mussten sich online bewerben und wurden über ein
Auswahlverfahren der IG Regionalbuffet final bestimmt.  3 Familien und 1 Single-Haushalt (stellvertretend für die neuen Lebens- und Familienformen unserer
Gesellschaft) aus den vier Regionalbereichen des Regionalbuffets wurden ausgewählt.

Die Familien haben sich bereit erklärt ihre Erfahrungen in einem Online-Blog festzuhalten.  Medienaffinität der Familien als Teilnahmevoraussetzung

Die teilnehmenden Familien wurden zu Beginn mit einem Tablet-PC, einem regionalen „Starterkorb“ und mit Gastrogutscheinen für regionale Gastronomiebetriebe
ausgestattet.

Um das Thema Regionalität in seiner Breite auch thematisch aufzuarbeiten, wurden den Familien wöchentlich Aufgaben gestellt.

Die Erfahrungen der Familien wurden in einem Online-Blog dokumentiert.  Großes
mediales
Interesse:
30
Presseartikel,
ein
Online-Clipping,
drei
TV-
Berichterstattungen und zahlreiche Radioberichte
Erfahrungen:

Regionalität: Das Thema Regionalität wurde von den teilnehmenden Familien sehr
streng gefasst, da man vor den anderen Familien bestehen wollte.  Wachsender
Wettbewerbsgedanke; Die Definition der Region lief über die Entfernung. Der Fütterungsprozess spielte zunächst nur eine nebensächliche Rolle. Die Gentechnikfreiheit der Produkte war für die meisten Familien zunächst kein Aus-
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am 30. und 31. Juli 2015 in Feuchtwangen
wahlkriterium. Der Naturschutzgedanke ist erst im Laufe des Projekts entstanden
bzw. gewachsen.

Einkaufsplanung: Voraussetzung für eine regionale Ernährung ist die genaue Planung des wöchentlichen Einkaufs (Wochenspeiseplan). Dies bedeutet einen enormen Zeitaufwand, der jedoch durch aufkommende Routine reduziert werden
kann.

Öffnungszeiten: Der Einkauf beim Erzeuger bzw. Direktvermarkter ist für Berufstätige nur schwer in den Alltag integrierbar.  Notwenigkeit von Supermärkten
bzw. Änderung von Öffnungszeiten von Wochen- und Bauernmärkten eher in die
Abendstunden.

Zu den Erzeugern bzw. Direktvermarktern müssen oftmals weite Wege zurückgelegt werden. Jedoch hatte der Einkauf beim Direktvermarkter für die Familien
Ausflugscharakter und wurde zum Erlebnis.

Mit einer regionalen Ernährung geht der Verzicht auf Genussgüter einher.  Einkaufsmuster müssen geändert werden. Andererseits stieg durch den direkten Kontakt zum Erzeuger die Wertschätzung der Produkte.
Fazit:

Die Aussage „Die Auseinandersetzung mit der „richtigen“ Ernährung findet erst
ab dem 35. Lebensjahr statt.“ konnte wiederlegt werden: Über die Zugriffe auf
den Online-Blog der Familien konnte die Altersgruppe der „Interessierten“ evaluiert werden. Dabei handelte es sich um ein junges Publikum im Alter von 18
bis 45 Jahren.
Anschließende Diskussion:

Wird Regionalität zu streng gedacht? Müssen Kriterien und Richtlinien vor dem
Hintergrund einer gesellschaftlichen Umstrukturierung neu gedacht werden?

Um die junge Verbrauchergruppe für den Einkauf regionaler Lebensmittel zu gewinnen, müsste evtl. der bestehende „Dogmatismus“ aufgebrochen und Kriterien
neu überdacht werden.
6. Strukturierte Diskussion und Reflexion
Der letzte Programmpunkt, moderiert von Ludwig Karg, diente dazu die Erkenntnisse der
beiden Veranstaltungstage auf die Themenbereiche der Praxisworkshops des Fitnessprogramms herunter zu brechen.
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am 30. und 31. Juli 2015 in Feuchtwangen

Qualitäts- und Herkunftssicherung

Marketing und Kommunikation

Logistik und Strukturentwicklung
Als Orientierung und Inhaltsangabe dieses Themenblocks kann die Präsentation „Die Regionaltheke – Fallbetrachtung am 30. und 31. Juli 2015““ herangezogen werden. Im
Nachfolgenden werden die wichtigsten Inhalte und Anmerkungen des Referenten und der
TeilnehmerInnen zusammen gefasst.
Einleitend wiederholte Ludwig Karg noch einmal die wichtigsten Inhalte der drei Themenbereiche, um alle TeilnehmerInnen auf den gleichen Wissensstand zu bringen.

Regionalmarkt: Die Regionaltheke vermarktet aus der definierten Region heraus
in die Region hinein und hat keine Interessen an einem überregionalen Absatzmarkt.

Gemeinschaftsmarketing: Die Regionaltheke birgt v.a. für etablierte Direktvermarkter großes Potential. Eine wirtschaftsstarke Region, innerhalb welcher Verbraucher bereits für den Konsum regionaler Produkte sensibilisiert wurden, bietet
den Direktvermarktern einen größeren Absatzmarkt.

Der Ausbau weiterer Kooperationen bietet der Regionaltheke ein bisher noch wenig genutztes Innovationspotenzial.

Die Preispolitik der Regionaltheke gestaltet sich fair und liberal. Angebot und
Nachfrage gestalten den Preis. In erster Linie werden die Preisvorschläge der Lieferanten akzeptiert. Eine finale Preiskalkulation, ergibt sich nach Aufrechnen der
Preisaufschläge der Regionaltheke. Gestaltet sich diese Preiskalkulation für den
Endverbraucher als zu hoch, wird die Aufnahme des betroffenen Produkts in das
Sortiment der Regionaltheke überdacht.

Die Kaufkraft vor Ort ist nicht bekannt, Erfahrungswerten nach zu urteilen jedoch
eher gering. Eine spezifische Zielgruppendefinition für die Produkte der Regionaltheke gibt es bisher noch nicht.

Produktinnovationen und interne Umstrukturierungen erfolgen oftmals im Rahmen
studentischer Abschluss – bzw. Seminararbeiten.

Struktureller Aufbau: Die Regionaltheke arbeitet im Dualen System und wird
durch den ALLES e.V. ideell begleitet. Diese Kooperation basiert auf den Satzungen der beiden Vereine.
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Teilnehmerliste Fallbetrachtung „Die Regionaltheke – von fränkischen Bauern“
Name
Vorname
Institution
Ort
E-Mail
Bausch
Ingrid
Artenreiches Land – Lebenswerte
Stadt e.V.
Feuchtwangen
[email protected]
Braksiek
Eva
Interkommunale Allianzen Oberes
Werntal
Euerbach
[email protected]
Eichler
Anke
Tourismusverband Erzgebirge
e.V.
Dippoldiswalde
[email protected]
Engelhart
Udo
Transfer e.V.
Oldenburg
[email protected]
Frech
Sabine
Gebauer Unternehmensberatung
Wetzlar
[email protected]
Frohmader
Nicole
Cluster Ernährung am Kompetenzzentrum für Ernährung
Kulmbach
[email protected]
Heinzel
Wolfgang
Interessengemeinschaft Regionalbuffet
Windelsbach
[email protected]
Hemmerlein
Kerstin
Bundesverband der Regionalbewegung e.V.
Feuchtwangen
[email protected]
Karg
Ludwig
B.A.U.M Consult GmbH
München
[email protected]
Katzendorn
Julia
Bundesverband der Regionalbewegung e.V.
Feuchtwangen
[email protected]
Kirschbaum
Heike
Regionalagentur Artenreiches
Land – Lebenswerte Stadt e.V.
Feuchtwangen
[email protected]
Köhler
Birgit
Hochschule WeihenstephanTriesdorf
Flachslanden
[email protected]
Meinecke
Rita
Artenreiches Land – Lebenswerte
Stadt e.V.
Feuchtwangen
[email protected]
Öchslen
Sandra
Regionalentwicklung Augsburger
Land West
Fischach
[email protected]
Pfister
Hartmut
Kaufland Warenhandel GmbH &
Co.KG
Heilbronn
[email protected]
Schäfer
Andreas
LPV Birkenfeld e.V.
Veitsrodt
[email protected]
Schlick
Franziska
Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V.
München
[email protected]
Sindel
Heiner
Bundesverband der Regionalbewegung e.V.
Feuchtwangen
[email protected]
Sindel
Ilonka
Bundesverband der Regionalbewegung e.V.
Feuchtwangen
[email protected]
Stinner
Sven
Hochschule für Angewandte Wissenschaften München
München
[email protected]
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am 30. und 31. Juli 2015 in Feuchtwangen
Weis
Beate
Kernhaus Streuobst Manufaktur
Heppenheim
[email protected]
Willenberg
Ursula
Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kulmbach
Kulmbach
[email protected]
Winter
Andrea
Regionalagentur Artenreiches
Land – Lebenswerte Stadt e.V.
Feuchtwangen
[email protected]