Sternstunde mit dem Carmina Quartett

Datum: 08.06.2015
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Thun8. Juni 2015
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Sternstunde mit dem Carmina Quartett
Eine gehaltvollere Eröffnung hätten die Thuner Schlosskonzerte nicht haben können. Mit je einem
Streichquartett von Joseph Haydn, Dmitri Schostakowitsch und Franz Schubert setzte das Carmina Quartett
die Massstäbe für eine vollendete Wiedergabe.
Zauberhafte Stimmung – zauberhaftes Spiel, das Carmina Quartett im Rittersaal des Thuner Schlosses (vlnr):
Matthias Enderle, Susanne Frank, Wendy Champney und Stephan Goerner.Fotos: Samuel Wenger
Mit Recht trägt es vor seiner instrumentalen Bezeichnung der Gattung zur Identifikation den Zunamen
Carmina: das Streichquartett mit Matthias Enderle und Susanne Frank (Violinen), Wendy Champney (Viola)
sowie Stephan Goerner (Violoncello). «Carmina» ist die Mehrzahl des lateinischen Wortes «Carmen» und
beinhaltet in der Übersetzung unter anderem das Gedicht, das Lied, den Gesang und den Ton, Elemente, die
dem Streichquartett als Komposition Leben und Ausdruck verleihen. Seit 30 Jahren spielen sie zusammen,
haben sich mit der gesamten Quartettliteratur vertraut gemacht und mit wiederholten Wiedergaben tiefste
Einsichten gewonnen. Jede Begegnung mit dem Carmina Quartett legt Zeugnis der Vertiefung ab und schenkt
Sternstunden der Kammermusik. So auch im randgefüllten imposanten Rittersaal des Thuner Schlosses.
Im Zeichen der Zeit
Die drei Streichquartette – Haydns Streichquartett op.76 Nummer 3 in C-Dur (1797), Schostakowitschs
Streichquartett Nummer 8 in c-Moll (1960) und Schuberts Streichquartett Nummer 14 in d-Moll (1824) –
tragen autobiografische Züge und sind auch Reaktion auf die politischen Gegebenheiten. So wird manch
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aufmerksamer Zuhörer der heutigen näheren und weiteren Zeitprobleme eingedenk gewesen sein, bevor er
sich durch die Musik in die keineswegs «guten alten Zeiten» entführen liess. Alle drei Komponisten kämpften
zur Zeit der Niederschrift ihrer Quartette mit gesundheitlichen Problemen, Haydn zudem im nahenden
Ungewitter der französischen Revolution und Napoleon, Schostakowitsch in der Bedrängnis der
nachstalinistischen Sowjetunion und Schubert im repressiven österreichischen Spitzelstaat Metternichs. Das
Wissen darum schaffte eine ganz spezielle vertiefte Hörbereitschaft für die drei Meisterwerke.
Aufs Feinste aufeinander abgestimmt: Der herrliche Blumenstrauss und die beiden Geigen von Matthias
Enderle und Susanne Frank.
Ungleiche Variationen
Beide Lieder, welchen Haydn und Schubert in den langsamen Sätzen ein Eigenleben einhauchten, sind
weltbekannt, hier der Hymnus «Gott erhalte Franz den Kaiser» und dort «Der Tod und das Mädchen». Wenn
sie auch keinen sachbezogenen Einfluss auf die übrigen Teile haben, so verdanken die Quartette ihnen doch
ihre Beinamen. Gemeinsam haben sie den Aufbau in der Variationenform, jedoch sehr verschieden. Haydn
lässt die Liedmelodie unangetastet – der Kaiser bleibt standhaft unangefochten – und hofiert ihr mit köstlichen
Zugaben aus seinem Zauberkästchen der Erfindung vielseitigster Art. Die Melodie bleibt aber dabei
vordergründig omnipräsent. Schubert gewichtet anders. Er verändert die Liedmelodie, schafft
gegensätzlichste Grundstimmungen und setzt die stimmlichen Zugaben häufig in den Vordergrund. Einen
besseren Vergleich zwischen Klassik und Romantik könnte man nicht bekommen.
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Vor dem Auftritt zum Stelldichein gruppiert (vlnr): Das Carmina Quartett mit Stephan Goerner, Wendy
Champney, Matthias Enderle und Susanne Frank.
Die Initialen schaffen Klarheit
In vielen Werken seiner so divergenten Schaffenszeit zeigen sich Motive mit den Tönen D – (e)S – C – H, D
(mitri) SCH(ostakowitsch). Sie sind der klare Stempel der Urheberschaft und Eigenverantwortung. Das c-MollQuartett beginnt gleich damit und untermauert durch das ganze Werk immer wieder die biografische
Darstellung seines lebenslangen Kämpfens gegen gesundheitliche und politische Feinde. Eine ganze Reihe
von Zitaten aus früheren Werken und Kompositionen von Zeitgenossen ab 1928 weisen auf bestimmte
Ereignisse hin. Überraschend ist die Satzfolge. Drei kontemplative, erzählerische Largi umschliessen ein
schmetterndes Allegro molto und ein tänzerisches Larghetto. Das Meisterwerk schliesst und verlöscht
wiederum mit dem Initialenmotiv. Dixi, ich habe gesprochen, erzählt, gelitten und ausgelebt. Drei Quartette,
drei kammermusikalische Kleinodien, begeisternd und aufwühlend zugleich. Die Krone trägt Franz Schubert
mit seiner Zauberwelt des Melodischen. Das Carmina Quartett öffnete weit die Tore und gewährte den
Zugang.
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