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Publikation – ift Rosenheim
Ulrich Sieberath, Jürgen Benitz-Wildenburg, Judith Durst
ift Rosenheim – Erweiterung und energetische Sanierung des Institutsgebäudes
Fenster und Fassaden mit Vorbildcharakter
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Ulrich Sieberath, Institutsleiter ift Rosenheim
Jürgen Benitz-Wildenburg – Leiter PR & Kommunikation
Judith Durst – Projektsteuerung
ift Rosenheim – Erweiterung und energetische
Sanierung des Institutsgebäudes
Fenster und Fassaden mit Vorbildcharakter
Wenn ein renommiertes Prüf- und Forschungsinstitut baut, ist es natürlich eine Verpflichtung, innovative Konzepte und Technologien in einem Pilotprojekt zu erproben und die
gesammelten Erfahrungen in Form von Empfehlungen und praxisorientierter Normungsund Forschungsarbeit in die Branche zu tragen. Der An- und Umbau des ift Rosenheim
war notwendig geworden, um 50 moderne und barrierefreie Arbeitsplätze sowie ausreichende Besprechungs- und Schulungsräume zu schaffen. Es sollten unterschiedliche Lösungen für energetische und nachhaltige optimierte Neu- und Bestandsbauten mittels innovativer Fenster und Fassaden präsentiert werden. Der Anbau mit 600 m² Nutzfläche
sowie der bestehende Bürobau wurden deshalb neben einer hochwärmedämmenden Außenhülle mit unterschiedlichen Fensterkonzepten ausgestattet, die manuell und automatisch via Sensoren gesteuert und bewegt werden können. Zusätzlich wurde der Anbau mit
200 m² Photovoltaikmodulen in Dünnschichttechnik ausgeführt.
Bild 1 Neu- und Altbau mit Photovoltaikfassade und Erkerfassade
Bild 2 Barrierefreier Eingang mit farbigem Glasambiente
© 2011 Institut für Fenstertechnik e.V.; Theodor-Gietl-Straße 7-9; 83026 Rosenheim
www.ift-Rosenheim.de; [email protected]; Tel./Fax 08031/261-0/290
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Energiekonzept
Das Energiekonzept basiert auf reduzierten Energieverlusten und einer maximalen Nutzung der Sonnenenergie mittels moderner Fenster- und Fassadentechnik. Die hochwärmedämmende Außenhülle ist die Grundlage. Diese wird ergänzt durch mechatronische
Fenstersysteme mit integriertem Sonnenschutz, die durch ein zentrales EIB-Bussystem
gesteuert und nach Klimadaten, CO2-Melder und Raumtemperatur geregelt werden. Damit sind eine bedarfsgerechte Lüftung, Verschattung und Nachtauskühlung möglich, so
dass ein gutes Raumklima ohne Klimatisierung möglich wird. Die blendfreie Ausleuchtung
der Arbeitsplätze mit Tageslicht wird mittels perforierter und gesteuerter Jalousien
erreicht. Die Möglichkeit die automatischen Einstellungen zu verändern soll die
Nutzerakzeptanz verbessern. Der bei kraftbetätigten Bauelementen notwendige Personenschutz wird im Kundenbereich („nicht eingewiesene“ Personen, Schutzklasse 3+4)
durch gesicherte Motoren und Totmannschaltungen sowie im internen Bereich
(„eingewiesene“ Personen, Schutzklasse 2) durch Einweisung der Nutzer sicher gestellt.
Die elektronische Kopplung von Fenstern und Heiztechnik bringt weitere Einsparungen,
indem die Heizkörper bei geöffnetem Fenster abgestellt werden. Die Nutzung der Solarenergie wird durch Verglasungen mit verbessertem g-Wert sowie PV-Modulen in Dünnschichttechnologie erreicht. Nach der ersten Nutzungsphase zeigt sich, dass die automatischen Systeme im Winter durch das sehr unterschiedliche Klimaempfinden der Nutzer
im Großraumbüro überlagert werden. Die Kombination aus Verschattung, Wärmeschutz
und Nachtauskühlung durch Fensterlüftung hat sich bewährt, so dass in den heißen Sommermonaten gute Arbeitsbedingungen auch ohne Klimatisierung erreicht wurden.
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Bild 3 Temperatursimulation bei unterschiedlichenBild 4 Bedienungsanleitung für intelligente
Fenstersystemen (Bild Wicona)
Fenstergriff Tipptronic
(Bild Schüco)
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Fenstertechnik
Bei der energetischen Sanierung des bestehenden Bürogebäudes wurde die klassische
energetische Sanierung mit Vollwärmeschutz sinnvoll durch moderne Fenstertechnik ergänzt, ohne dabei das Fassadenbild zu ändern. Zum Einsatz kamen AluminiumKastenfenster vom Typ Wicona-Wicline 215 Top-Window, die durch eine Kombination von
Kippflügeln und automatischen Parallelausstellflügeln eine zugfreie, fein regelbare und
damit energieeffiziente natürliche Lüftung ermöglichen. Die äußere Prallscheibe in Weißglas übernimmt wichtige Aufgaben, denn sie verbessert den Schallschutz auch bei geöffnetem Fenster, ermöglicht die witterungsunabhängige Jalousienutzung sowie Nachtlüftung und gleichzeitige Einbruchhemmung. Auf eine weitere energetische Verbesserung
mittels Dreifachverglasung wurde bewusst verzichtet, denn die Energieeffizienz wird
durch die innovativen Funktionen sowie die elektronische Anbindung an die Haustechnik
erreicht.
Im Neubau wurden Aluminiumfenster vom Typ Schüco AWS 75 SI mit Zweifachverglasung und äußerer Schutzscheibe in Weißglas eingesetzt. Die Fenster haben ebenfalls einen steuerbaren integrierten Sonnenschutz. Über die Tipptronic-Griffe lassen sich die
Fenster automatisch öffnen sowie an Sensoren und Haustechnik anbinden. Die Erfahrungen der Planungs-, Bau- und Nutzungsphase zeigten, dass die Einzelsysteme ausgereift
sind, aber die Schnittstellen sowie die Abstimmung mit den Fachplanern Elektrik, Hausund Fassadentechnik nicht einfach waren. Ohne eine ständige und kompetente Betreuung der Steuerungssysteme können die geplanten Energieeinsparungen und Komforteffekte nicht erreicht werden.
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Bild 5 Fenstersystem im Altbau
Bild 6 Fenster und PV-Fassade im Anbau
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Photovoltaikfassade
Im Anbau kamen 197 m² Photovoltaikfassade in Dünnschichttechnologie zum Einsatz,
weil der Wirkungsgrad bei indirekter und diffuser Strahlung nicht so stark abfällt, und die
Module bei höheren Umgebungstemperaturen einen besseren Wirkungsgrad haben als
kristalline PV-Zellen. Außerdem wirken die Flächen ruhiger und es ist auch eine Farbgestaltung möglich. Wichtig war die Festlegung der Modulgrößen (Rastermaß 1,30 x 1,10 m),
um einen hohen Belegungsgrad trotz hohem Fensteranteil der Fassade zu erreichen,
denn eine ausreichende natürliche Belüftung und Tageslichtversorgung durch Fenster ist
ein wichtiger Teil des Energiekonzepts. Die PV-Anlage ist ein Pilotprojekt, bei dem konstruktive Fragestellungen zu den Themen Sicherheit, Bauphysik, Baukörperanschlüsse,
Montageabläufe und die Einbindung in die Haustechnik wissenschaftlich begleitet werden.
Ein Monitoring durch den ift-Geschäftsbereich Technische Gebäudeausrichtung wird zeigen, welche Strommengen sich tatsächlich erreichen lassen und wo Verbesserungspotenziale liegen. Die Ergebnisse fließen auch in die zukünftige Norm für BiPV (Building integrated Photovoltaik) ein, bei der das ift Rosenheim mitarbeitet.
Bild 7 PV-Fassade im Anbau in Dünnschicht-Bild 8 Aufbau von Dünnschicht-Solarzellen
Technologie
(Bild Schott Solar)
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Raumkonzept
Die ständig wechselnden Aufgaben der über 120 wissenschaftlichen Mitarbeiter des ift
Rosenheim in interdisziplinären Teams war von Beginn an die wichtigste Planungsgröße
für die Neugestaltung des Innenbereichs. Das Raumkonzept unterstützt diese Arbeitsweise durch modulare flexible Möblierung und vielfältige Besprechungs- und Kontaktzonen,
bietet aber auch Einzelarbeitsplätze für konzentriertes Arbeiten. Die hellen, offen gestalteten Büroräume wurden mit modernster Büro-, Medien und Kommunikationstechnik ausgestattet. Der Prozess wurde durch das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) begleitet, so dass die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse
einflossen. Eine aktive Beteiligung der Mitarbeiter führte zu einer hohen Akzeptanz und
Identifikation für das neue Konzept. Ergänzt wird das Bürokonzept durch variable Konferenzräume, moderne Präsentationsmöglichkeiten und Videokonferenztechnik, um so das
internationale Netzwerk des ift Rosenheim besser pflegen zu können und die Organisation großer Normensitzungen zu verbessern. Mit den neuen Räumlichkeiten kann das ift
Rosenheim in Zukunft als wissenschaftlicher Dienstleister die Baubranche sowie die Hersteller von Fenstern, Fassaden, Türen, Toren und Baustoffen noch besser unterstützen.
Auch die Durchführung berufsbegleitender Weiterbildungen sowie interessanter Projekt-,
Diplom-, Master- und Doktorarbeiten in Zusammenarbeit mit Universitäten und Partnern
wurde deutlich verbessert.
Bild 9 Raumkonzept Bürobereich mit Beispielen für Besprechungszonen (Lounge), Einzel- und
Gruppenarbeitsplätzen ,
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Steckbrief Gebäude
Standort
Bauherr
Architekt
Bauzeit
Abmessung Anbau
Nutzfläche Anbau
Fensterfläche Bestandsgebäude
PV-Anlage Fläche
Anlagenleistung
Jahresenergieertrag
CO2-Reduzierung
U-Wert Fenster (Altbau/Anbau)
Außenwand (Altbau/Anbau)
Gebäudehülle gesamt HT´
(Altbau/Anbau)
Rosenheim
ift Rosenheim
guggenbichler
+ wagenstaller
12/2009-10/2010
220,24
197,34
11,4
5645
3250
1,3/1,1
0,25/0,19
0,452/0,395
[m2]
[m2]
[kWp]
[kWh]
[kg CO2/ a]
[W/m2 K]
[W/m2 K]
[W/m2 K]
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