Die Hirtin Magdalene

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Die Hirtin Magdalene
Die Hirten waren dem Wort des Engels gefolgt und suchten das
Kind im Stall. Als sie in später Nacht aus dem Stall traten um zu
ihren Schafen zurück zu gehen, sagte der Vater von Magdalena, sie
sollen schon voraus gehen. Er würde seiner Tochter noch von dem
großen Wunder erzählen.
Magdalena besorgte ihrem Vater den ärmlichen Haushalt. Ihre
Mutter war schon lange gestorben. Als die Hirten in der Nacht zum
Gotteskind aufgebrochen waren, schlief sie schon und der Vater
wollte sie nicht wecken. Nun aber konnte er nicht anders. Und als
Magdalena den wunderbaren Bericht vernommen hatte, dachte sie:
„Könnt ich nur für einen Augenblick durch eine Spalte des Stalls
sehen. Ich würde mich mein Lebtag an dem Anblick des
Gotteskindes freuen.“
Bevor der Tag dämmerte, stand sie auf, verließ das Haus und eilte
über die Felder. Sie fand sich auch bei Nacht zurecht, auch wenn
der Weg weit war. Endlich kam sie zum Stall und suchte in der Türe
nach einer Ritze. Mit klopfendem Herzen schaute sie ins Innere. Da
sah sie die Heilige Familie still schlafend und ein leuchtender Engel
war mit im Stall.
Magdalena dachte: „So arm und ohne jeden Schmuck liegt das Kind
da. Hätte ich doch nur etwas, was ich ihm schenken könnte.“
Traurig schaute sie auf ihre leeren Hände und trat den Rückweg an.
Tränen fielen aus ihren Augen auf das winterliche Feld.
Plötzlich stand ein Engel neben ihr und fragte: Kind, warum weinst
du?“
Magdalena erschrak zunächst und war von der herrlichen
Erscheinung ganz angerührt. Schüchtern hielt sie dem Engel ihre
leeren Hände entgegen.
Dieser beugte sich und berührte die Erde, worauf gerade eben ihre
Tränen gefallen waren. Vor dem erstaunten Blick Magdalenas
wuchsen seltsam schöne Blumen aus dem winterlichen Feld. Sie
kniete nieder und pflückte die silberhellen Blüten. Dann folgte sie
dem Engel in den Stall und schmückte damit die Krippen, während
die Heilige Familie noch still schlief.
Christrosen waren es, wie sie noch heute zum Fest der Christgeburt
aus winterlichem, beschneitem Boden erblühen.
nach Jakob Streit