Testbericht Auto Straßenverkehr 8/2015

VERGLEICHSTEST Hyundai Grand Santa Fe 2.2 CRDi 4WD, Kia Sorento 2.2 CRDi AWD
KIA
TINGELN Für abwegige Geländetouren ist der Kia trotz
Bergabfahrhilfe
und fixierbarer
Kraftverteilung
nicht vorbereitet.
Kuschelige Sitze,
Euro-6-Diesel
Fotos: Hans-Dieter Seufert
KLINGELN
Im Digitaldisplay des
Tachos klimpert der Kia
bei jedem Start eine
kleine Begrüßungsshow
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8/2015
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HYUNDAI
Der Clan,
der kann
Mit gleich zwei
Modellen versucht sich
der Hyundai-KiaKonzern bei den großen
SIEBENSITZERSUV.
Sorento und Grand
Santa Fe kosten weniger
als die Rivalen und
nutzen dieselbe Basis.
Doch der Kia ist nun eine
Generation weiter. Ach ja?
BRUMMER So wirklich anders fühlt
sich der Diesel nicht
an, er erfüllt aber
nur Euro 5. Ebenfalls bequeme Sitze
und dasselbe kleine
Geländebesteck
wie im Kia
ZOOMER
Mehr Tasten im Cockpit,
dazu noch das alte
Navi mit umständlicher
Zoom-Funktion
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VERGLEICHSTEST Hyundai Grand Santa Fe 2.2 CRDi 4WD, Kia Sorento 2.2 CRDi AWD
E
rnährungswissenschaftler raten ja,
nicht mit leerem Magen
einkaufen zu gehen – um
sich nicht unversehens
dabei zu ertappen, wie
man die Süßwarenabteilung des örtlichen Einzelhandels brandschatzt.
Hier ist es nun an uns, davor zu warnen, mit einem
leeren Grand Santa Fe
oder Sorento zum skandinavischen Möbelmarkt zu
fahren. Je 1,8 Kubikmeter
Ladevolumen bieten
gefährlich viel Raum für
spontane, aber unnötige
Neumöblierungen.
Alternativ beherbergen
beide Allradler sieben
Personen, von denen zwei
Schwiegermütter sein
dürfen. Schließlich besitzen beide SUV im Kofferraum zwei nach solchen
Verwandten benannte
Klappsitze, auf denen hier
selbst Erwachsene bequem untergebracht sind.
Auf den längs verschiebbaren Rücksitzen der
zweiten Reihe reist es sich
noch behaglicher, zudem
auf beheizten Polstern.
So geräumig und
bequem wie ein Van
Ins Cockpit räumten die
Innenarchitekten hier wie
dort knautschige Ledersessel. In Raumfülle und
Bequemlichkeit reichen
so beide SUV an Vans heran. Von allen Autotrends
der letzten Jahre war der
Van-Boom ja der geselligste, weil es darum ging,
mit möglichst vielen Leuten unterwegs zu sein.
Nun übernehmen SUV
diese Aufgabe, sind dabei
nicht teurer als Seat Alhambra oder Ford Galaxy.
Bei 34 990 Euro starten
die Preise für den Kia So-
HYUNDAI
Innenhöhe v./h. 1040/1005 mm
Innenbreite v./h. 1545/1005 mm
Länge der Sitzfläche
v./h. 525/490 mm
835 mm
755 mm
1685 mm
830 mm
745 mm
1695 mm
KIA
Innenhöhe v./h. 1050/950 mm
Innenbreite v./h. 1560/1560 mm
Länge der Sitzfläche
v./h. 510/470 mm
rento, 44 890 Euro kostet
er mit Allradantrieb und
dritter Sitzreihe. Beides
bringt der Grand Santa Fe
für 46 200 Euro serienmäßig mit, zudem die
Sechsstufenautomatik,
die beim Kia 2000 Euro
extra kostet. Der Testwagen kam mit manuellem
Getriebe, was später noch
wichtig sein wird.
Kümmern wir uns zunächst aber mal um das,
700 mm
680 mm
2780 mm
4780 mm
Ladevolumen
660/1732 l
DA BISTE PLATT Finden Sie die Unterschiede! Es sind wenige,
denn Kia und Hyundai haben dasselbe Hinterstübchen
68
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2800 mm
4915 mm
Ladevolumen
634/1842 l
SEVEN KLAPP Die fünf Rücksitze klappen zur Ebene. Die
hintersten zwei sind Serie, beim Sorento kosten sie 900 Euro
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DATEN IM VERGLEICH
HYUNDAI
GRAND SANTA FE
2.2 CRDi 4WD
Premium
KIA
SORENTO
2.2 CRDi AWD
Spirit
ReihenvierzylinderDieselmotor, vorne
quer, vier Ventile pro
Zylinder, Turbo, DI,
Steuerkette
2199 cm3
145 kW/197 PS
3800/min
436 Nm
1800/min
200 km/h
199 g/km
Allradantrieb
Sechsgangautomatik
ReihenvierzylinderDieselmotor, vorne
quer, vier Ventile pro
Zylinder, Turbo, DI,
Steuerkette
2199 cm3
147 kW/200 PS
3800/min
441 Nm
1750/min
200 km/h
149 g/km
Allradantrieb
Sechsganggetriebe
4915/1885/1695 mm
2800 mm
71 l
634–1842 l
4780/1890/1685 mm
2780 mm
71 l
660–1732 l
ANTRIEB
Motor
1695 mm
Hubraum
Leistung
bei Drehzahl
max. Drehmoment
bei Drehzahl
Höchstgeschwindigkeit
CO2-Ausstoß
Kraftübertragung
Getriebe
KAROSSERIE
Länge/Breite/Höhe
Radstand
Tankinhalt
Kofferraum
Anhängelast
ungebremst/gebremst
Serienbereifung
Testwagenbereifung
Reifentyp
MESSWERTE
Beschleunigung
0–100 km/h
Zwischenspurt
60–100 km/h
80–120 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
unbeladen
Innengeräusch
bei 100 km/h
bei 130 km/h
Normverbrauch
Testverbrauch
Achslast vorn/hinten
Testwagenleergewicht
Zuladung
Wendekreis links/rechts
AUSSTATTUNG
Airbags
Kopf vorn und hinten
Seiten vorn/hinten
PREIS/KOSTEN
Preis
Wertverlust
möglicher Rabatt1)
Finanzierung2) Jahreszins
Leasing3)
Anzahlung
monatliche Rate
Abgasnorm
Steuer pro Jahr
Versicherung HK/TK/VK
Haftpflicht (50 % Prämie)
Teilkasko
Vollkasko (50 % Prämie)
Fixkosten pro Jahr
Monatskosten
mit/ohne Wertverlust
Kilometerkosten
mit/ohne Wertverlust
Ölwechselintervall
Inspektionsintervall
Garantie
Technik/Lack
Durchrostung
Mobilität
750/2000 kg
750/2500 kg
235/55 R 19 H
235/55 R 19 H
Kumho
City Venture Premium
235/60 R 18 H
235/60 R 18 H
Nexen
N Fera RU1
9,9 s
8,9 s
5,8 s
7,4 s
5,2 s
7,0 s
37,1 m
36,5 m
69 dB(A)
71 dB(A)
7,6 Liter D
9,8 Liter D
1128/881 kg
2009 kg
591 kg
11,8/11,6 m
68 dB(A)
71 dB(A)
5,7 Liter D
8,9 Liter D
1060/844 kg
1904 kg
686 kg
11,5/11,6 m
Serie
Serie/–
Serie
Serie/–
50 400 Euro
25 000 Euro
14 %
3,49 %
43 990 Euro
21 000 Euro
18 %
3,99 %
k. A.
k. A.
Euro 5
417 Euro
21/22/24
759 Euro
536 Euro
1459 Euro
2635 Euro
k. A.
k. A.
Euro 6
317 Euro
18/23/21
632 Euro
576 Euro
1148 Euro
2097 Euro
1095/402 Euro
918/321 Euro
87,6/32,1 Cent
73,5/25,7 Cent
30 000 km/2 Jahre
60 000 km/4 Jahre
30 000 km/2 Jahre
60 000 km/4 Jahre
5/5 Jahre
12 Jahre
15 Jahre
7/5 Jahre
12 Jahre
7 Jahre
1)
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VERGLEICHSTEST Hyundai Grand Santa Fe 2.2 CRDi 4WD, Kia Sorento 2.2 CRDi AWD
KIA
HYUNDAI
-URTEIL
HYUNDAI
KIA
PLATZ MAX. 50 PUNKTE
39
39
An Platz mangelt es in keinem der
beiden. Den Nachteil des etwas weniger weitläufigen Fonds gleicht der Kia
mit der höheren Anhängelast aus.
KOMFORT MAX. 50 PUNKTE
33
32
Beide federn herb über kurze Unebenheiten, haben gemütliche Sitze
und sind praktisch gleich laut. Der
Santa Fe ist aber feiner eingerichtet.
HANDHABUNG MAX. 30 PUNKTE
23
23
Zur gleichermaßen hohen Variabilität
kommen bei beiden bequemer Einstieg und große Heckklappen. Trotz
Rückfahrkameras sperrig beim Parken.
FAHRLEISTUNGEN MAX. 20 PUNKTE
16
HIER … Die ganze Fondmöblierung unterscheidet sich nur in Details wie der Form der
Kopfstützen oder der Maserung der Polster.
Die zweite Reihe lässt sich längs verschieben
… WIE DA Den Messungen nach hat der Kia
den etwas knapperen Knieraum in der
mittleren Bank, was nicht stört – selbst in
der dritten Reihe bleibt noch genug Platz
17
Der Sorento mit manuellem Getriebe
beschleunigt etwas vehementer als
der Hyundai mit seiner gemächlich
schaltenden Sechsgangautomatik.
FAHRVERHALTEN MAX. 70 PUNKTE
47
was die Konzern-Cousins unter
ihren jeweils markentypisch
geformten Karosserien als technisches Unterzeug nutzen. Das
ist bei beiden größtenteils identisch, wenngleich der gerade
vorgestellte Sorento eine Generation weiter ist. Das zeigt sich
allerdings vor allem an Details.
So ist es auch beim kultivierten
2,2-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel. Er ist für beide Modelle das
einzig verfügbare Triebwerk. Im
Sorento erfüllt es mit NOx-Speicherkat nun die Abgasnorm Euro 6, spritzt mit höherem Druck
ein und variiert die Geometrie
seines Turboladers mit elektrisch
verstellbaren Schaufeln.
Neben reineren Abgasen bringt
ihm das ein paar Nm und 3 PS
mehr ein. Viel entscheidender
für das Temperament der beiden
Wagen ist jedoch das Getriebe.
Mit der leicht hakelig schaltbaren, aber passend übersetzten
manuellen Box spurtet der Sorento energischer los, wirkt quirliger und verbraucht mit 8,9 l/
100 km zudem fast einen Liter
weniger als der Grand Santa Fe.
Der große Santa Fe
macht sich gern mal locker
Dessen Automatik wechselt beschaulich durch die Stufen, meidet Hektik selbst dann, wenn
es eiliger vorangehen soll. Man
könnte selbst durch die Gänge
schalten, doch das beschleunigt
die Sache nur unerheblich und
70
8/2015
passt nicht zu seinem entspannten Charakter. Der Santa
Fe macht sich gern auf große
weite Reisen, navigiert, musiziert und telefonvermittelt dabei
ebenso leicht bedienbar wie der
modernere Sorento.
Im Umgang mit Kurven dagegen ist der Hyundai gehemmt.
Da stützt er sich schwer auf dem
kurvenäußeren Rad ab, umrundet die Biegung untersteuernd
mit schummriger Rückmeldung
in der indirekten Lenkung –
wobei es jeder der drei anwählbaren Servokennlinien misslingt, daran etwas zu ändern.
Beim Sorento gibt es nur zwei
Modi für die etwas giftiger ansprechende Lenkung. Und das
ist eigentlich schon der wichtigste Unterschied. Denn obwohl Kia stolz verkündet, das
Fahrwerk sei nun gleichermaßen
dynamischer und komfortabler,
können wir das nicht bestätigen.
Stattdessen kurvt der Sorento
ebenso unambitioniert über
Land wie der Hyundai, drängt allerdings bei Lastwechseln etwas
unbeherrschter mit dem Heck.
Auch beim Federungskomfort
kann sich der Kia keinen Vorteil
verschaffen. Trotz ihres hohen
Gewichts, das ja an sich eine
angenehme Federungsgüte
fördert, rempeln beide herb
über kurze Unebenheiten und
schwingen lange nach. Immerhin versickern viele Schläge in
den dicken Polstern der Sitze.
Diese erreicht man bequem
durch große Türen, die Rückfahrkameras erleichtern das Einparken – wobei mit diesen 4,90-Meter-Trumms oft die Gefahr droht,
sich in engen Parkhäusern zu
verkanten.
Besser aufs weite Land
statt ins enge Parkhaus
Auf dem Land passt es besser.
Dort darf es etwas unwegig sein,
verfügen beide doch über den
gleichen Allradantrieb. Das
System schickt normalerweise
die Kraft an die Vorderräder. Tritt
Schlupf auf, werden die Hinterräder über eine elektromagnetische Kupplung zugeschaltet.
Bis 40 km/h lässt sich die Kraftverteilung auf 50 : 50 fixieren,
zudem gibt es eine Bergabfahrhilfe. All das genügt für kleine
Geländeausflüge, ist aber vor
allem dann von Vorteil, wenn
am Heck ein Anhänger baumelt.
An Talenten mangelt es beiden
SUV also nicht, eher aber an deren Ausprägung. Andererseits
sind sie viel günstiger als andere
siebensitzige SUV wie Land Rover Discovery, Volvo XC90 oder
Audi Q7. Auch die reichhaltige
Ausstattung relativiert ihre
Preise. Wegen des höheren Verbrauchs und kürzerer Garantie
liegt der Hyundai im Kostenkapitel zurück. Obwohl er ihm so
ähnlich ist, gewinnt der Sorento
klar. Denn Kia hat ihn ordentlich
Sebastian Renz
aufgemöbelt.
46
Eher beschaulich kurven beide um
Biegungen, bieten hohe Traktion und
mildes Offroad-Talent. Die Automatik
passt besser als die Schaltbox im Kia.
SICHERHEIT MAX. 50 PUNKTE
26
31
Hier beweist der Sorento, dass er
wirklich moderner ist: mit energischeren Bremsen und der umfangreicheren Sicherheitsausstattung.
UMWELT MAX. 30 PUNKTE
12
16
Wegen der serienmäßigen Automatik
liegen beim Sante Fe Testverbrauch
und CO2-Ausstoß höher. Mit 8,9 l/100
km ist der Kia für die Größe sparsam.
TESTERGEBNIS MAX. 300 PUNKTE
Bewertet nach dem Punkteschlüssel für
Geländewagen und SUV
196
204
KOSTENWERTUNG MAX. 150 PUNKTE
26
36
Vergleichbar ausgestattet kosten
beide SUV etwa gleich viel. Erhebliche
Unterschiede ergeben sich aber beim
Unterhalt der Testwagen: Beim Santa
Fe liegen Verbrauch und Steuer höher,
er kostet 177 Euro im Monat mehr.
Außerdem bietet Hyundai fünf Jahre
Garantie, bei Kia sind es sieben.
GESAMTERGEBNIS MAX. 450 PUNKTE
2. PLATZ
222
1. PLATZ
240
-FAZIT
Der Kia gewinnt mit besseren Fahrleistungen, mehr Sicherheitsausstattung
und niedrigerem Verbrauch. Doch auch
der Hyundai bietet viel Platz und
reichlich Ausstattung. Und ist dazu
mit Automatik das entspanntere Auto.
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