Handout Workshop 4 - Gewaltfreie Kommunikation

Einführung in die
„Gewaltfreie Kommunikation / GFK“
nach M. B. Rosenberg
als eine
wirksame Möglichkeit im Umgang mit
herausforderndem Verhalten
im Schulkontext
im Rahmen der Fachtagung
„Herausforderung? Angenommen!“
17. September 2015
Inhalt:
- Das gleichseitige Dreieck
Ein systemischer Blick auf Veränderung
- „Der Unterschied macht´s“
GFK als Kommunikationsmodell und Haltung
- 4 Schritte hin zum Unterschied
Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte
- Gehversuche
Transfer in die Praxis
Literatur:
- M. B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens.
Heidelberg 2015.
- A. Weckert: Gewaltfreie Kommunikation für Dummies. Weinheim 2014.
- Ingrid Holler: Trainingsbuch Gewaltfreie Kommunikation. Paderborn 2008.
- H. Omer, A. v. Schlippe: Autorität durch Erziehung. Die Praxis des gewaltlosen
Widerstands in der Erziehung. Göttingen 2010.
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Veränderung
in lebenden Systemen wird
durch die Herstellung von
Unterschieden und durch die
Überprüfung von deren
Auswirkungen auf die
einzelnen Mitglieder des
Systems bewirkt.
(vgl. Gunther Schmidt: Liebensaffären zwischen Problem und Lösung.
Heidelberg 2015)
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Gewohnte Kommunikationsmuster und deren mögliche Auswirkungen auf der Beziehungsebene Befehlen, Anordnen (Ich habe die Macht, du musst dich fügen!) Sei jetzt endlich ruhig und setz dich hin! Moralisieren, Predigen, Beschwören (Ich setzte die Maßstäbe und weiß, was richtig oder falsch, gut oder schlecht ist! Ich will nicht die Verantwortung übernehmen und du bist nicht in der Lage dazu!) Meine Güte, kannst du nicht ein einziges Mal zuhören! Es gehört sich hier nicht, dass du die ganze Zeit laut Musik hörst! Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass das so nicht geht! Warnen, Drohen, Mahnen, Entweder-­oder-­Strategien (Dein Gefühl und deine Bedürfnisse spielen keine Rolle! Ich habe die Macht!) Ich warne dich! Beim nächsten Verstoß landest du im Aus! Noch einmal und ich benachrichtige deine Eltern! Du hast versprochen, dass du vernünftig sein willst! Beraten, Vorschlagen, Lösungen finden (Du bist dumm – ich bin klug!) Mach doch jetzt erst einmal diese Sache zu Ende, bevor du hier weitermachst! Willst du nicht noch einmal prüfen, ob es dir nicht doch gefällt? Du kannst ja auch auf eine andere Schule gehen, da gefällt es dir dann vielleicht auch besser! Kritisieren, Bewerten, Beschuldigen (Du hast die volle Verantwortung dafür, dass etwas schief gelaufen ist! Ich bin OK, du bist nicht OK!) Das siehst du aber ganz falsch! Das ist ganz allein deine Schuld! Das ist doch ganz und gar dumm von dir! Kerstin Lenzing ° Wiesenstr. 31 ° 49205 Hasbergen
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GFK
Die GFK entsteht in Auseinandersetzung mit der amerikanischen
Bürgerrechtsbewegung in den 60iger Jahren. Marshall Rosenberg (1934 – 2015)
ist es dabei ein Anliegen, die Rassentrennung an Schulen und Institutionen
gewaltfrei zu überwinden.
Mit der „Gewaltfreien Kommunikation / GFK“ entsteht quasi ein
„Maßnahmenkatalog zur Unterschiedsbildung in Hinsicht auf unsere
zwischenmenschliche Haltung und Sprache in schwierigen Begegnungen. Ziel
ist es Rosenberg hierbei, einen wirksamen Beitrag zur friedvollen
Konfliktbeilegung zu leisten. Grundlage dafür ist Rosenbergs Überzeugung
davon, dass Menschen gerne zum Wohlergehen von sich und anderen beitragen.
Dabei geht er insbesondere seiner Beobachtung nach, dass manche Menschen
eher destruktiv kommunizieren und mit Gewalt agieren, während es – selbst in
schwierigsten Kontexten – auch offenbar Menschen gibt, die sich einfühlsam
und konstruktiv verhalten.
Er gründet das „Center for nonviolent Communication / CNVC“ und erforscht
diesen Unterschied, gibt Kurse, leitet Übungsgruppen an und vermittelt in den
großen politischen Krisenherden seiner aktiven Zeit. Die eher trennenden
Elemente bezeichnet er als „Wolfssprache“. Die verbindenden Elemente
schreibt er der Giraffe als Landtier mit dem größten Herzen zu.
Seit 1985 als Rosenberg sein Modell zum ersten Mal in Europa vorstellt, haben
sich insbesondere die „4 Schritte der GFK“ als Training der „Selbstempathie
und –kundgabe“ sowie der „Einfühlung für andere“ verbreitet und werden als
effektiver Einstieg in die GFK in den verschiedensten Berufsgruppen trainiert.
Die 4 Schritte lauten:
- Beobachten anstatt bewerten
- Gefühle benennen anstatt Gedanken ausdrücken
- Bedürfnisse anstatt Strategien zur Erfüllung von Bedürfnissen
mitteilen
- Bitten, nicht fordern.
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Schlüsselunterscheidungen
in der GFK
(vgl. Orca-Institut, Bad Oeynhausen)
-
Wolf // Girraffe
Energie im Kopf // Energie im Herzen
Macht über / Macht unter // Macht mit
Vergangenheit, Zukunft // Gegenwart, Hier und Jetzt
Konkurrenz, Wettbewerb // Kooperation
Recht haben // Einander verstehen
Sündenbockdenken // jeder übernimmt für sich Verantwortung
Lenken, Verschweigen, Maskerade // Echtheit, Klarheit,
Konsequenz, Akzeptanz
Egoismus // Selbstbehauptung
Selbstaufgabe (Opferhaltung) // Bedürfnis, mein Leben und das
Leben der anderen zu bereichern
Schuld, Scham, Verpflichtung // Traurigkeit
Stress // Gelassenheit
Trennende Kommunikation // verbindende Kommunikation
Gehorsamkeit // Selbstdisziplin
Schwäche // Verletzlichkeit
Wissen // Vermuten
Einverstandensein // Verstehen
Angst vor Autorität // Respekt vor Autorität
Unterwerfung, Rebellion // Wahlfreiheit, Verhandlung
Lob, Tadel // Wertschätzung, Würdigung
Moralisches Urteil // Werturteil
Selbstmitleid // Selbstempathie
Hierarchie // Gleichwertigkeit
Zwang // Freiwilligkeit
Kompromiss // Konsens
Interpretation, Diagnose // Gefühl
Gewaltfreiheit als Verhalten // Gewaltfreiheit als Haltung
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[email protected] Wissenswertes zur Unterscheidung von
„Beobachtung“ und „Bewertung“
Bewertung
In schwierigen Situationen beginnen wir häufig ein Gespräch,
-­‐ mit persönlichen Bewertungen, Diagnosen, Interpretationen, Urteilen
etc., ohne diese als solche zu kennzeichnen.
-­‐ Häufige Folgen sind kämpferische Abwehr, sofortiger Rückzug oder
emotionale Erstarrung.
-­‐ Die Kooperationsbereitschaft sinkt.
-­‐ Beipiele:
„Dein Verhalten war unmöglich!“
„Das geht ja gar nicht, was du da gemacht hast!“
Beobachtung
Die GFK empfiehlt dem gegenüber einen Einstieg - vor allen Dingen - ins
Konfliktgespräch,
-­‐ der mit einer Situationsbeschreibung beginnt, die durch unser Gegenüber
durch Beobachtung überprüfbar erscheint.
-­‐ Es sollte wertfrei das benannt werden, was über all unsere Sinneskanäle
erfassbar ist und/oder Zahlen, Daten, Fakten enthält.
-­‐ Die Bereitschaft, in Kontakt zu bleiben, wird unterstützt.
-­‐ Die Wahrscheinlichkeit für ein offenes Gesprächsklima steigt.
-­‐ Beispiele:
„Als ich gesehen habe, dass ... .“
„Wenn ich höre/rieche ... .“
„Vorgestern waren wir um ... am ... verabredet. ...“
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[email protected] Wissenswertes zur Unterscheidung von
„Gefühlen“ und „Gedanken“
Die klare Benennung von Gefühlen, die eine Situation in uns auslöst, führt zu
einer tieferen Verbindung mit unserem Gesprächspartner und entspricht
unserem Bedürfnis nach Kontakt und Verstandenwerden.
Gedanke
Dabei ist es wichtig,
-­‐ Sensibilität dafür zu entwickeln, dass unser Wortschatz viele
„Pseudogefühlswörter“ (bzw. „Du-hast-mich-Wörter“) enthält, die
sich quasi als Ausdruck „echter“ Gefühle tarnen.
-­‐ „Pseudogefühlswörter“ bergen die Gefahr, verdeckt unsere Urteile und
Gedanken über den Gesprächsanlass unserem Gegenüber zu zuschreiben.
-­‐ Unser Gesprächspartner wird quasi durch die Hintertür für unsere Gefühle
in die Verantwortung gezogen.
-­‐ Beispiele:
„Ich fühle mich (von dir) bevormundet.“
„Ich fühle mich (von euch) missverstanden.“
Gefühl
Dem gegenüber
-­‐ übernehmen wir mit der Mitteilung von „echten“ Gefühlen (vgl. Liste)
die volle Verantwortung für unsere ganz persönliche emotionale Reaktion
auf den Gesprächsanlass.
-­‐ Die Ursache unserer Gefühle liegt immer in unserer inneren, ganz
persönlichen Bewertung einer Situation.
-­‐ Die Bereitschaft des Gegenübers in Kontakt zu bleiben wird unterstützt.
-­‐ Beispiele:
„Wenn ich sehe, dass ..., dann bin ich unsicher/irritert, ...!“
„Ich bin sehr müde, nachdem ich gestern Nacht nur eine Stunde
geschlafen habe.“
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[email protected] Gedanken „Du-­hast-­mich-­Gefühlswörter“ abgelehnt, abgewertet, angegriffen, bedroht, beleidigt, benutzt, besiegt, betrogen, dominiert, eingeengt, fallen gelassen, geachtet, gehört, getäuscht, herabgesetzt, ins Abseits gestellt, ignoriert, lächerlich gemacht, manipuliert, missachtet, nicht akzeptiert, nicht gehört, niedergemacht, provoziert, schlechtgemacht, übergangen, überfahren, unwichtig, ungewollt, unter Druck gesetzt, unverstanden, verlassen, vernachlässigt, verraten, verstanden, verurteilt, wertgeschätzt, zurückgewiesen ______________ Gefühle bei Bedürfniserfüllung abenteuerlustig, aktiv, angeregt, aufgeregt, behaglich, belebt, berührt, bewegt, dankbar, energievoll, erfüllt, enthusiastisch, erleichtert, erlöst, erstaunt, erwartungsvoll, fasziniert, frei, friedlich, froh, fröhlich, gebannt, geborgen, gelassen, glücklich, heiter, hoffnungsvoll, interessiert, involviert, leichten Herzens, liebevoll, lustig, mitteilsam, motiviert, munter, mutig, neugierig, optimistisch, ruhig, sanft, sicher, sorglos, stolz, überglücklich, überrascht, unternehmungslustig, wach, zufrieden Gefühle bei frustrierten Bedürfnissen ängstlich, ärgerlich, alarmiert, angespannt, bekümmert, belastet, besorgt, bestürzt, betrübt, deprimiert, desinteressiert, durcheinander, frustriert, düster, einsam, elend, entsetzt, enttäuscht, erschöpft, erschreckt, furchtsam, gehemmt, gelangweilt, gleichgültig, hilflos, irritiert, melancholisch, müde, kleinmütig, konfus, krank, kribbelig, lethargisch, matt, mutlos, neidisch, nervös, niedergeschlagen, pessimistisch, ungeduldig, unruhig, unsicher, schlecht, schuldig, träge, traurig, überlastet, verloren, verwirrt, verzweifelt, widerwillig, wütend, zornig Kerstin Lenzing ° Wiesenstr. 31 ° 49205 Hasbergen
[email protected] Wissenswertes zur Unterscheidung von
„Bedürfnis“ und „Strategie zur Erfüllung eines
Bedürfnisses“
Bedürfnis
Durch die Benennung unserer Bedürfnisse teilen wir mit,
-­‐ worum es uns persönlich wirklich geht und
-­‐ woher unsere Gefühle rühren (gute Gefühle bei erfüllten Bedürfnissen,
schlechte Gefühle, wenn unsere Bedürfnisse nicht erfüllt sind).
-­‐ Die Wahrscheinlichkeit, im Bedürfnis vom Gegenüber verstanden zu
werden, erhöht sich („Ich bin zwar nicht einverstanden und gleichzeitig
kenne ich das Bedürfnis nach ... auch!).
-­‐ Bedürfnisse sind nicht verhandelbar, nur die Handlungen, die der
Erfüllung unserer Bedürfnisse dienen, können im Konflikt sein und
verhandelt werden.
-­‐ Die Bereitschaft zur Kooperation wird unterstützt.
-­‐ Beispiel:
„Wenn ich sehe/höre, dass (Beobachtung), dann bin ich (Gefühl), weil
ich (Bedürfnis) brauche/mir (Bedürfnis) wünsche.“
Strategie zur Erfüllung eines Bedürfnisses
Als Strategien werden in der GFK Handlungen bezeichnet,
-­‐ die der Erfüllung unserer Bedürfnisse dienen.
-­‐ Werden Bedürfnis und Strategie nicht bewusst voneinander getrennt,
schränkt das unseren Verhandlungsspielraum ein.
-­‐ Beispiel:
Immer, wenn ich Entspannung brauche, ziehe ich mich auf das Sofa
zurück. Möglicherweise erhebe ich im Laufe der Zeit einen Anspruch
auf das Sofa und vergesse/leugne, dass sich mein Bedürfnis nach
Ruhe auch anders erfüllen lässt.
(= Bedürfnis und Strategie sind verschmolzen).
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[email protected] Bedürfnisse,
die oft im Spiel sind, wenn wir einen Konflikt haben.
Anerkennung
(Du wirst gesehen in deiner Stärke!)
Fähigkeiten haben; Herausforderungen bestehen; Schwierigkeiten meistern;
mutig sein; stark sein; groß sein
Autonomie
(Du kannst selbst bestimmen!)
Entscheidungen treffen; selbst bestimmen; selbst verwalten; selbstwirksam sein;
Freiheit haben; Widerspruch ermöglichen
Grenzen
(Deine Grenzen werden psychisch und physisch respektiert und beachtet –
ohne dass du darum kämpfen müsstest!)
Eigentum; Körperkontakt; Privatsphäre; Leistungsgrenzen (Pausen brauchen,
ausruhen können), ganz für sich alleine sein; in eine Aufgabe/ein Spiel
versunken sein; konzentriert sein dürfen
Solidarität
(Du bist nicht alleine!)
Kümmern bei Unwohlsein; Unterstützung erhalten; Beistand bei Bedrohung
haben; Schutz bei Angriff; Verstanden werden; Vertrauen haben; Gemocht
werden; Gemeinschaft; Zugehörigkeit
Verlässlichkeit
(Unsere Beziehung ist belastbar und hat eine Zukunft!)
Streit verkraften; Konflikte aushalten; Stabilität, Festigkeit; Sicherheit; Kritik
ohne Verunglimpfung der ganzen Person; Gemocht werden, auch bei
Unzulänglichkeiten
Wichtigkeit
(Du bereicherst unsere Gemeinschaft!)
Gebraucht werden; Hilfe geben können und dürfen; eine wichtige Rolle spielen;
eine Bedeutung haben; wahrgenommen werden; gefragt werden; gehört werden
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Bedürfnisse
und wie sie auch für Kinder umschrieben werden könnten.
Selbstbestimmung
... freie Zeit, in der dir keiner sagt, was du tun sollst
... selbst entscheiden, was für dich gut ist/du jetzt machen willst
... selber aussuchen, was du magst
Kooperation
... dass alle gemeinsam diese Aufgabe schaffen
... dass wir als Team zusammenarbeiten
Gleichbehandlung
... dass für alle dasselbe gilt
Anerkennung
... dass alle mitbekommen, wie stark du bist
Solidarität
... dass die ganze Klasse hinter dir steht
Anregung
... etwas Neues erleben
Sinn
... etwas tun, was wirklich wichtig ist
Ehrlichkeit
... dich verlassen können, dass was einer sagt, auch stimmt
Unterstützung
... dass jemand dich auf diesem Weg begleitet
Beitragen
... dass du mit dem, was du kannst, hilfreich sein kannst
Ruhe
... dass es still ist
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Wissenswertes zur Unterscheidung von
„Bitten“ und „Fordern“
Durch die Mitteilung einer „Bitte“ an unser Gegenüber benennen wir konkret,
was uns aus unserer Perspektive im Hier und Jetzt der Erfüllung unserer
Bedürfnisse am ehesten näher bringt. Der Unterschied zu einer Forderung ist
dabei nicht in der Formulierung sichtbar, sondern in dem, wie der Bittende auf
ein „Nein“ reagiert.
Fordern
Eine Forderung lässt dem Gegenüber
-­‐ keine Wahlfreiheit, ob er dieser nachkommt oder nicht.
-­‐ Aus einer Forderung wird auch dann keine Bitte, wenn die Mitteilung ein
„bitte“ enthält.
-­‐ Häufige Reaktionen auf ein „Nein“ des Gegenübers bei einer Forderung
sind Vorwürfe und Überredungs-/Überzeugungsversuche.
-­‐ Die Wahrscheinlichkeit für einen Kontaktabbruch erhöht sich drastisch.
Bitten
Wird eine Bitte im Sinne der GFK geäußert, dann
-­‐ hat der Beziehungspartner die Wahl, darauf auch mit einem „Nein“ zu
antworten. Ein „Nein“ wird dann stets übersetzt mit einem „Ja, zu etwas
anderem.“
-­‐ Zumeist folgt auf eine Bitte im Sinne der GFK ein einfühlendes Verstehen
des Gegenübers und seiner Bedürfnislage.
-­‐ Die Gesprächspartner bleiben eher im Kontakt.
-­‐ Neben der Bitte um eine gewünschte Handlung, ist es auch möglich eine
Bitte zu äußern, die sich auf die Beziehung der Gesprächspartner bezieht.
-­‐ Bitten sind am ehesten erfolgreich, wenn sie konkret und positiv
formuliert sind und in der Gegenwart erfüllt werden könnten.
-­‐ Beispiel:
„Könntest du mich bitte um 23:00 Uhr abholen?“
„Sagst du mir bitte, wie es dir jetzt damit geht?“, „Kannst du mir
bitte kurz wiedergeben, was du von mir verstanden hast?“
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[email protected] Praxistransfer
(vgl. Omer, Schlippe: Autorität durch Beziehung)
Die Chance für „den Unterschied“, dass heißt für das Angebot eines
verbindenden Miteinanders anstatt eines trennenden Gegeneinanders,
liegt zwischen
Herausforderung und Reaktion.
Insbesondere nicht zu Beginn der Beschäftigung mit der GFK und
auch nicht in jeder Situation ist es gleich gut möglich, auf einen
starken Auslösereiz sofort in wertschätzender Weise zu reagieren. Es
ist dann eher hilfreich, die Auseinandersetzung über Situation oder
Verhalten zu vertagen.
Ein persönliches Mantra, wie etwa
„Ich lasse mich nicht hineinziehen und bleibe in meiner Präsenz!“
wirkt sich oft hilfreich darauf aus, die Einladung des Auslösereizes zu
einer sofortigen Auseinandersetzung wertschätzend abzulehnen.
Die verbindend ausgesprochene Ankündigung:
„Ich komme auf diese Situation/dieses Verhalten zurück!“
verschafft den Abstand, der evtl. nötig ist, um
- sich selbst mit seinen Gefühlen und Bedürfnissen zu
verbinden und sich selbst zu klären und
- Empathie für den anderen zu entwickeln.
Die Wahrscheinlichkeit, in einem offenen Gesprächsklima zu einer
zufriedenstellenden Lösung für alle Seiten zu kommen, erhöht sich.
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