Zur Entwicklung der Periodisierung des Trainings

Zur Entwicklung der
Periodisierung des Trainings
Überblick
Die Entwicklung der Theorien zur Trainingsperiodisierung
Die Blocktrainingskonzeption nach ISSURIN im Detail
Kritischer Vergleich mit alten und neuen Konzepten
Neue Erkenntnisse zur individuellen Wirksamkeit von
Trainingsmethoden
Erfolgreiches reales Beispiel: DLV-Wurfkonzeption
Zusammenfassung und Empfehlungen
Was ist Periodisierung?
„Periodisierung ist die Festlegung einer Folge von Perioden,
deren inhaltliche, belastungsmäßige und zyklische
Gestaltung die Herausbildung der optimalen sportlichen
Form für einen bestimmten Zeitraum innerhalb des
Periodenzyklus ansteuert.“
oder
„Periodization (Planned Performance Training) is the timing,
sequence and interaction of the training stimuli to allow
optimum adaptive response in pursuit of specific competitive
goals.“
Entwicklung des Trainingsaufwands
seit dem 19. Jahrhundert bis etwa 1950
Zirkusartisten: Tägliches Training, Vollzeitberuf
Highland Games, Kommerzielle Laufwettbewerbe als
Volksfestattraktionen in Schottland und Australien: Profis
gibt es schon lange!
Olympische Amateurathleten trainierten im Vergleich dazu
anfangs nur sehr wenig: ein- bis zweimal die Woche
Keinerlei wissenschaftliche Grundlagen, nur Sammlungen
praktischer Erfahrungen existierten als Vorlage
Erstes Buch über Allgemeine Trainingslehre:
Carl Krümmel (Hrsg.): Athletik: Ein Handbuch der
lebenswichtigen Leibesübungen. München: Lehmann, 1930
Leo MATVEEV: Pionier der
Periodisierungsforschung
Analyse der Vorbereitung der sowjetischen
Mannschaft auf die Olympischen Spiele
1952 und 1956 (Leichtathletik, Schwimmen,
Gewichtheben) zur Verbesserung der
Leistungen bei den OS 1960
Erste Formulierung des
Periodisierungsgedankens als
interindividuell übertragbare Methode der
zyklischen Belastungsgestaltung
Nicht das optimale individuelle Training
sollte erforscht werden, sondern die beste
interindividuell wirksame Variante der
Trainingsgestaltung!
Matveev: Klassische Periodisierung
Umfang
Intensität
Technik
Vorbereitungsperiode
PreSeason
Hypertroph
ie
Wettkampfperio
de
In-Season
Maximal/Schnellkraft
Peaking
Übergangsperio
de
Off-Season
Aktive
Pause
Matveev: „Klassische“ Periodisierung
AVP
AVP
SVP
WP
ÜP
Einfachperiodisierun
g
Doppelperiodisierun
g
Dreifachperiodisieru
ng
Merkmale und Folgen der „klassischen“
Periodisierungstheorie:
Maximierung des Trainingsumfangs, Definition „idealer“
Relationen unterschiedlicher Trainingsinhalte und Methoden
„Individualisierung“ vor diesem Hintergrund bedeutete Wege
zu finden, wie die geforderten Trainingsumfänge bewältigt
werden können. Die Folgen:
Übertraining, Burnout und Verletzungen
Doping als Versuch, die individuellen körpereigenen
Begrenzungen zu durchbrechen
Traditionelle Periodisierung:
Zusammenfassende Bewertung
Vorteile
Nachteile
• Dieses Konzept funktioniert für
Athleten auf einem niedrigeren
Level und Nachwuchsathleten
recht gut.
• Aber auch für diese beiden
Gruppen wären modernere
Methoden denkbar wenn der
Trainer frühzeitige
Spezialisierung und
Verletzungen vermeidet.
• Grosse Umfänge
unspezifischen Trainings
erschweren die Anwendung
qualitativ hochwertiger
Trainingsinhalte.
• Ein sprunghafter Anstieg der
Intensität in der Speziellen
Vorbereitungsperiode ist
schwer auszusteuern, kann zu
Verletzungen führen.
„Traditionelle“ Periodisierung –
nicht mehr zeitgemäss?
Deutliche Steigerung der Anzahl von Wettkämpfen mit
Auswirkungen für die gesamte körperliche Belastung;
Finanzielle Stimuli für Topathleten, die einen Konflikt
zwischen der Zeit für Vorbereitung auf Grossanlässe (WC,
OG), Wettkampfserien (e.g. Diamond League,
Strassenmeetings, Strassenläufe etc.) und
Sponsorenidentifikation mit sich bringen.
Verführung zum Doping? Unerlaubte Substanzen könnten
die negativen Konsequenzen von zu viel Training
vermindern.
Neue Technologien der Steuerung des Trainings, der
Sportmedizin und der Informationsverarbeitung ermöglichen
die verbesserte Beobachtung von Trainingsbelastung und Anpassung sowie medizinische Unterstützung.
Reformer der traditionellen
Periodisierungskonzeption
Jurij Verchoshanskij
Peter Tschiene
Vladimir Platonov
Vladimir Issurin
Anatoly Bondarchuk
Dr. Vladimir B. Issurin
„New Horizons for the Methodology and
Physiology of Training Periodization“
Die Entwicklung des Blocktrainings als neues
Periodisierungsmodell im Spitzensport
ISSURIN: Grenzen der traditionellen
Periodisierung für Topathleten
Faktor
Einschränkungen
Energieversorgung
Ungenügende Energiebereitstellung für die parallele Anwendung
unterschiedlicher Trainingsbelastungen
Zelluläre Adaptation
Anpassungsprozesse z.B. der Mitochondrien, Myofibrillen, die
Synthese anaerobe Enzyme erfordern unterschiedliche
biochemische Wege der Adaptation, die nicht alle parallel ablaufen
können.
Regeneration
Da unterschiedliche physiologische Systeme unterschiedliche
Zeiträume für die Regeneration benötigen, besteht immer die
Gefahr der ungenügenden Wiederherstellung.
Kompatibilität
unterschiedlicher
Trainingsbelastungen
Trainingsübungen unterschiedlicher Zielsetzungen können häufig
nur mit negativen Folgen kombiniert werden: Energiedefizite,
technische Komplexität und/oder neuromuskuläre Ermüdung.
Mentale Konzentration
Hochbelastende Trainingsinhalte erfordern einen hohen mentalen
Bereitschaftszustand, bei dem nicht konkurrierdende Ziele
gleichzeitig verfolgt werden können.
Wirksame Trainingsreize
Das Training von Topathleten erfordert höchste
Trainingsbelastungen die nicht gleichzeitig für viele Trainingsziele
realisierbar sind.
Wettkampfbetätigung
Mehrfache erfolgreiche Wettkampfhöhepunkte mit ganzjährig
ISSURIN: Hauptmerkmale der
Blocktrainingskonzeption
Mesozyklus
Hauptmerkmale
Akkumulation
Trainingsziele
Grundlegende
Fähigkeiten: z.B.
Aerobe Ausdauer,
Kraft, allgemeine
Koordination
Verhältnis
UmfangIntensität
Hoher Umfang,
reduzierte Intensität
Vernünftige
ErmüdungsWiederherstellung für
Wiederherstellun
die morphologische
g
Adaptation
Kontrollmassnahmen
Kontrolle der
grundlegenden
Fähigkeiten
Transmutation
Realisation
Sportartspezifische
Integrierte
Fähigkeiten: Spezielle Leistungsbereitschaft:
Ausdauer,
Wettkampfmodellierung
Kraftausdauer,
Maximale Schnelligkeit,
Saubere Technik
Wettkampftaktik
Reduzierter Umfang,
erhöhte Intensität
Niedriger bis mittlerer
Umfang, hohe
Intensität
Keine vollständige
Wiederherstellung
möglich, Ermüdung
wird angehäuft
Volle
Wiederherstellung,
Athleten sollten gut
ausgeruht sein
Kontrolle der
sportartspezifischen
Fähigkeiten
Kontrolle des
Wetttkampfverhaltens
und seiner
Vorbereitung
ISSURIN: Unterschiede zur traditionellen
Periodisierung:
Charakteristik des
Trainingsdesigns
Traditionelle Periodisierung
Blockperiodisierung
Dominantes Prinzip
der Trainingsplanung
Komplexe Verwendung
verschiedener
Trainingsbelastungen
Konzentrierte Trainingsbelastungen für
ein Minimum von Zielfähigkeiten
Wissenschaftlicher
Hintergrund
Kumulative Trainingeffekte
Kumulative und residuale
Trainingseffekte
Zeitliche Anordnung
der Trainingsziele
Vorwiegend gleichzeitig
Vorwiegend nacheinander
HauptPlanungskomponente
Trainingsperiode: Vorbereitung,
Wettkampf, Übergang
Status der Vorbereitung: Akkumulation,
Transmutation, Realisation
Wettkampfteilnahme
Vorwiegend in der
Wettkampfperiode
Vorwiegend am Ende jedes
Realisations-Mesozyklus
Genereller
physiologischer
Mechanismus
Anpassung an gleichzeitiges
Training vieler unterschiedlicher
Ziele
Überlagerung von Residualeffekten, die
durch hoch konzentrierte
Trainingsstimuli ausgelöst wurden
ISSURIN: Trainingseffekte
Typen
Akuter E.
Beispiele
Definition
Veränderungen im Körperstatus
Herzfrequenzsteigerung;
während der Übung
Blutlaktatanreicherung;
Kraftverminderung während der Übung
wegen Ermüdung etc.
Sofortiger E. Veränderungen des Körperstatus einer Anstieg des Ruhepulses, Harnstoff
einzelnen TE oder einem einzelnen Tag und/oder CPK Spiegel im Blut;
Veränderung der Griffkraft, Jump-AndReach, etc.
Kumulativer Veränderungen im Körperstatus und
Maximale Sauerstoffaufnahme und/oder
E.
Anstieg der anaeroben Schwelle;
Zustand der technischen/motorischen
Eigenschaften nach einer Reihe von TE Kraftzuwachs, Ausdauer etc., Anstieg der
Spitzenleistung
ISSURIN: „Residualeffekte“
Trainingseffekte halten nach Absetzen des Trainings länger
an
Motorische
Eigenschaft
Aerobe Ausdauer
Maximalkraft
Anaerobe
glykolytische
Ausdauer
Kraftausdauer
Maximale
Schnelligkeit
Dauer des
Residualeffekts,
Tage
Physiologischer Hintergrund
30 +/- 5
Höhere Masse aerober Enzyme, Anzahl der
Mitochondrien, Muskelkapillaren,
Hämoglobinkapazität, höere Aktivitätsrate des
Fettstoffwechsels
18 +/- 4
Verbesserte neuronale Mechanismen, Pufferkapazität
und Glykogenspeicher, verbesserte
Laktatakkumulation
15 +/- 5
Pufferkapazität und Glykogenspeicher, Verbesserte
Anzahl anaerober Enzyme, verbesserte
Laktatakkumulation
15+/- 5
Muskelhypertrophie hauptsächlich in langsam
zuckenden Muskelanteilen, verbesserte
aerob/anaerobe Enzyme, bessere Blutzirkulation und
Laktattoleranz
5 +/- 3
Verbesserte neuromuskuläre Interaktion und
ISSURIN: Bedingungen für die Dauer
von kurzzeitigen Trainingsresiduen
Faktor
1. Dauer des Trainings vor dem
Absetzen
Einfluss
Längere Trainingsdauer ermöglicht längere
Residualeffekte
2. Grad der Belastungskonzentration Höher konzentriertes Training bewirkt im Vergleich
vor dem Absetzen
zu komplexem Training mit mehrfachen
Komponenten kürzere Residuale
3. Alter und Karrieredauer der
Athleten
Ältere und erfahrenere Athleten haben längere
Residuale
4. Charakter des Trainings nach dem Nutzung entsprechender Erinnerungsreize erlaubt
Absetzen des konzentrierten
verlängerte Residuale und verhindert schnelles DeTrainings
Training
5. Biologische Beschaffenheit der zu Fähigkeiten, die auf deutlichen morphologischen und
entwickelnden Fähigkeiten
biochemischen Veränderungen beruhen wie
Muskeljraft und Aerobe Ausdauer haben längere
Residuale; anaerob-alaktazide und glykolytische
Eigenschaften haben kürzere Residuale
Beispiel für eine Blockstruktur
im Trainings- und Wettkampfjahr
ISSURIN: Vorteile der
Blockperiodisierung:
Die Blockperiodisierung erlaubt eine Reduktion des gesamten
Trainingsumfangs ohne die Gesamtzahl der Trainingseinheiten
nennenswert zu verringern;
Die Beobachtung des Trainingsprozesses ermöglicht klarere
Rückschlüsse; die reduzierte Anzahl der geplanten Trainingsziele
erfordert aussagefähige Tests;
Die „Belastungs-Anpassungseffekt“ Analyse ist problemlos möglich;
Psychologische Besonderheiten: die Athleten können sich auf eine
reduzierte Anzahl von Zielen konzentrieren, dies erlaubt eine klare
mentale Orientierung und hebt die Motivation;
Ernährungsaspekte können genauer geplant werden: proteinreiche
Kost kann den anabolen Effekt des Krafttrainings unterstützen;
Kohlenhydrate sind insbesondere in Mesozyklen für Spezielle Kraft
und Kraftausdauer erwünscht.
Kritik an der Konzeption von ISSURIN:
Seine Kritik der klassische Theorie ist methodologisch nicht korrekt,
denn sie bezieht sich auf alte Quellen, und deren Verfasser werden
nicht erwähnt.
Die beschriebenen Probleme mit der Wettkampfplanung betreffen nur
wenige Topathleten.
Es ist nicht realistisch, im Training wegen der verkürzten Zeiträume
erfolgreich mehr Trainingsziele hintereinander zu verfolgen, es gibt
weniger statt mehr Regenerationszeit, während die Verletzungsgefahr
signifikant ansteigt.
Die „Residualeffekte“ der hoch konzentrierten Trainingsumfänge sind
nicht so stark wie behauptet, wenn sie überschätzt werden, könnte ein
Leistungsrückgang die Folge sein;
„Daher kann man eher sagen, dass Blockperiodisierung eine eine
Fehlkonzeption ist, anstatt ein Durchbruch im Training.“
Blockperiodisierung:
Zusammenfassende Bewertung
Vorteile
Nachteile
• Gut für Situationen wo über
lange Zeiträume hinweg
besondere Einrichtungen nicht
benötigt werden oder nicht
verfügbar sind (z.B.
Sprinttraining, Techniktraining).
• Relevant für Disziplinen
monostrukturierte Disziplinen wo
z.B. Ausdauer, Kraft, etc. eine
überragende Bedeutung vor der
Technik haben.
• Ebenso für Disziplinen mit einer
Maximalzahl möglicher
Trainingsziele (z.B. Mehrkampf)
• Die zeitweise Reduzierung z.B.
von Technik- und
Schnelligkeitsinhalten ist für
viele Trainer von Schnelligkeits-,
Sprung- und Wurfdisziplinen
nicht akzeptabel.
Dr. Vladimir Platonov – Vertreter einer
„reformierten“ traditionellen
Periodisierungstheorie
National University of
Physical Education and
Sport of Ukraine
(NUPESU), Advisor to the
Rector
Professor of the history of
sport and the Olympic
movement department in
NUPESU
Chief editor of the journal
“Science in Olympic
sports.”
Vladimir Platonov: Die Weiterentwicklung
des Hochleistungssports erfordert…
Deutliche Steigerung des Trainingsumfangs und der
Wettkampfbetätigung;
Beendigung der vorzeitigen Spezialisierung und forcierten
Nachwuchsentwicklung;
Ausrichtung der Wettkampfplanung auf Spitzenleistungen bei den
Grossanlässen;
Zielsetzung zur Erreichung von Spitzenleistungen im höheren Alter;
Erhöhung des Umfangs spezieller Trainingsinhalte im gesamten
Trainingsvolumen;
Systematische Erforschung der funktionellen Bereitschaft, der Anpassung
im Training und der Wettkampfbelastungen um verborgene
Anpassungsreserven aufzuspüren, die Trainingseffizienz zu steigern und
Überlastungen zu vermeiden;
Ein ausgewogenes System von Trainings- und Wettkampfbelastung,
Ruhe, Ernährung, Wiederherstellung, Stimulation, Arbeitskapazität
Mobilisierung von funktionellen Reserven;
Entwicklung innovativer Trainings- und Vorbereitungsmethoden.
Platonov: Vorschlag für ein erneuertes
Periodisierungssystem
Charakter
Mikrozyklustyp und Charakter der Trainingsbelastung
des
Mesozyklus
I
II
III
IV
Einführend
Einführender MiZ – Einführender MiZ – Stoss-MiZ Intensiv Regenerativer MiZ –
mittlere
mittlere
(3 HITE)
gering
Trainingsbelastung Trainingsbelastung
, keine HITE
(1 HiTE)
Grundlegend Stoss-MiZ Intensiv Stoss-MiZ Intensiv Stoss-MiZ Intensiv Regenerativer MiZ –
(4 HiTE)
(3 HiTE)
(5 HiTE)
gering
Kontroll-MiZ Stoss-MiZ Intensiv Regenerativer MiZ Stoss-MiZ Intensiv Regenerativer MiZ –
(5 HiTE)
– gering
(5 HiTE)
gering
Vorwettkamp Regenerativer MiZ Stoss-MiZ Intensiv Vorbereitender MiZ Regenerativer MiZ –
f
– keine HiTE
(2 HiTE)
– mittel (1 HiTE)
gering
Wettkampf
Vorbereitender MiZ Wettkampf-MiZ –
Vorbereitender MiZ Wettkampf-MiZ –
gering, Wettkämpfe – gering
gering, Wettkämpfe
– mittel (1 HiTE)
nach Plan
nach Plan
HiTE = „Hochintensive TE“
Platonov: Vorschlag für ein erneuertes
Periodisierungssystem
Anatoly Bondarchuk
Olympiasieger, Europameister,
Sportwissenschaftler, Trainer
„Blocktraining“ auf den Kopf
gestellt
Permanente Programmierung
und Auswertung des
Trainingsprozesses:
Ermittlung derjenigen
Trainingsformen, die zur Ausbildung
der Topform führen.
Ermittlung der individuellen
Anpassung des Athleten auf
Trainingsreize, um diese so lange
zu verändern, bis befriedigende
Ergebnisse erzielt werden können.
Die Haupt-Periodisierungszyklen bei
Bondarchuk
Entwicklungszyklus (Aufbau der sportlichen Form),
Erhaltungszyklus (Erhaltung der sportlichen Form),
Ruhezyklus (Regeneration).
Die Haupt-Periodisierungszyklen bei
Anatoly Bondarchuk
Inhalt und Länge dieser Phasen sind höchst individuell
Mehrfache Peaks im Trainings- und Wettkampfjahr möglich (bis zu
7/8)
Der verlängerte Zeitraum im Peak Zustand führt zu einer
schnelleren Langzeit-Entwicklung der Form.
Trainer und Athlet lernen, welche Inhalte und Strukturen zum
efektivsten Wachstum der Leistungsfähigkeit führen
(Trainingstransfer) und strukturieren zukünftige Zyklen
entsprechend.
Da dieses System nicht den Umfang und die Intensität variiert um
die Anpassung und den Leistungsfortschritt zu variieren, beruht es
auf Varianz in den Trainingsinhalten und der Trainingsstruktur um
diese Zuwächse zu erzielen.
Bis zu diesem erwünschten Zustand kann es jedoch ein Jahr oder
länger dauern!
Bondarchuk: Entwicklungszyklus
Vormittags
Nachmittags
8 x 5kg Hammerwürfe
8 x 7.26kg Hammerwürfe
8 x 8.2kg Hammerwürfe
8 x 10kg Hammerwürfe
Umsetzen seitlich – 2 x 5 jede Seite @
50kg
Drehungen und Loslassen – 2 x 14 x
14kg
Medizinballwürfe (nach unten) – 2 x 6 @ Reissen – 2x5 @ 70kg, 1x5 @ 80kg
7kg
Sit-up Medizinballwürfe – 2 x 6 @ 7kg
1/2 Kniebeuge vorne – 3 x 5 @ 120kg
One leg vertical jumps – 2 x 4 each leg
Sit-ups – 3 x 8 @ 20kg
Side Bends – 2 x 8 @ 10kg
Good mornings – 3 x 5 @ 50kg
Bondarchuk: Entwicklungszyklus
Vormittags
Nachmittags
10 x 6kg Hammerwürfe
8 x 7.26kg Hammerwürfe
Kugelschocken rw – 2 x 8 mit 7.25kg
Kugel
8 x 10kg Hammerwürfe
Russian twists – 2 x 10 @ 20kg
Drehungen und Loslassen – 2 x 14 x 14kg
Klappmesser – 2 x 10
Reissen – 2 x 5 @ 70kg, 1 x 5 @ 80kg
Supermans – 2 x 8
1/2 Kniebeuge vorne – 3 x 5 @ 120kg
Vertikalsprünge mit Dumbells – 2 x 8 @
20kg
Sit Ups – 3 x 8 @ 20kg
Good mornings – 3 x 5 @ 50kg
Bondarchuk: Zusammenfassende
Bewertung
Vorteile
• Wer gerne Daten sammelt, analysiert und
Experimente im Trainingsprozess liebt
wird davon profitieren.
• Dieses System ist hochindividuell, es
dreht sich vor allem die Reaktionen eines
einzelnen Athleten auf sein Training.
• Eine komplexe Methodologie sichert
ganzjähriges Techniktraining und
gleichzeitige Verbesserung allgemeiner,
spezieller und spezifischer
Eigenschaften.
• Mehrfache Peaks im TWJ ermöglichen
schnellere Verbesserungsprozesse im
langjährigen Verlauf.
• Gut geeignet für lange Wettkampfserien
oder mehrfache Höhepunkten.
• Führt zu einem hervorragenden
Verständnis der Anpassung eines
Athleten auf Training.
• Die Periodisierung ist sehr flexibel.
Nachteile
• Es kann über ein Jahr bis zur stabilen
Reaktion eines Athleten auf Training
dauern.
• Das Fehlen der wellenförmigen
Belastungsmodulation wird manchen
Trainern fehlen.
• Tägliche Trainingsdatendokumentation
und -Analyse ist essentiell, für manche
Trainer aber schwierig.
• Die Identifikation der „richtigen“
Trainingsstruktur ist ein schwieriger
Prozess, für den nur wenige
Erfahrungswerte existieren.
Aktuelle sportwissenschaftliche
Diskussion bestehender
Periodisierungskonzepte
Überprüfung der Grundannahmen: Was passiert beim
einzelnen Sportler, wenn ich eine Untersuchungsgruppe
nach einem bestimmten Programm trainieren lasse?
Ist die Grundannahme gerechtfertigt: Ähnliche
Trainingsreize führen bei einer Athletengruppe zu ähnlichen
Reaktionen?
„When human skeletal muscle is exposed to exercise
training, the outcomes, in terms of physiological adaptation,
are unpredictable.“
Individuelle Anpassung durch Training:
„Ein weites Feld“!
John Kiely: Erfassung der Auswirkungen
von Belastung und Anpassung durch
Training
Trainingsbelastungszustand
Erhebungsbeispiele
Vorbelastung Subjektiver Bereitschaftszustand
Objektiver Bereitschaftszustand
Psychomotorische Schnelligkeit
Herzfrequenzvariabilität
Akute Trainingsbelastung Programmierung: Intensität, Wiederholungen, Serien,
Pausen
Intensitätsempfinden (subjektive Einschätzung der
Anstrengung)
Technische Ausführungsqualität (Rating)
Langzeitbelastung Belastungs-Erholungs-Fragebogen für Athleten
Stimmungsprofil
Tägliche Analyse der Lebensanforderungen der
Athleten
Herzfrequenzvariabilität
Monotonie (durchschnittliche Wochenbelastung/ SD)
Verschleiss (durchschnittliche Wochenbelastung/
Monotonie)
Komplexe Periodisierung mit BlockElementen: DLV-Wurf Trainingssystem
General
Maximum Strength
Special Strength
Throws (Technique)
100
90
Volume (% of MaxWeek)
80
70
60
50
40
30
20
10
0
37383940414243444546474849505152 1 2 3 4 5 6 7 8 9 101112131415161718192021222324252627282930
Erfolgreiches Modell der traditionellen
Periodisierung mit Block-Elementen: DLV-Wurf
Trainingssystem
Allgemeines Training
100
75
10
0
20
Maximalkraft
10
Spezielle Kraft
Technik
20
20
40
40
40
50
70
25
30
0
MeZ 1: Allg. Training
MeZ 2: Maximalkraft
20
25
20
15
20
MeZ 3: Spezielle Kraft
MeZ 4: Technik
Zusammenfassung
Die Diskussion über eine optimale Form der Vorstrukturierung und
Planung eines erfolgreichen Trainingsprozesses ist in vollem Gang!
Alle vorgestellten Periodisierungsmodelle haben ihre Vor- und
Nachteile.
Was fehlt, sind genügend Vergleichsdaten!.
Regenerationsgesichtspunkte haben eine Schlüsselrolle bei allen
Diskussionen!
Geschlechtsunterschiede müssen bei der Vorstrukturierung des
Trainings künftig eine viel wichtigere Rolle als bisher spielen!
Die kontinuierliche Ermittlung des individuellen Zustandes im
Trainingsverlauf und die Aussteuerung der Trainingsmassnahmen
sichert den Erfolg!
Um dies zu bewerkstelligen ist eine umfangreiche Planungs- und
Auswertungsarbeit des Trainers erforderlich. Subjektive und objektive
Tests (z.B. Videokontrollen der Technik, regelmässige Maximalkraftund Sprungkrafttests) können diese stützen.