Wirtschaftsdünger abgegeben und noch nicht gemeldet?

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■ BAUERNBLATT | 30. Januar 2016
kühle und feuchte Witterung relativ zögernd. Die Ernte erfolgte
am 15. Juli 2015. Die Wuchshöhe
der Sorten wurde zum Zeitpunkt
des Blühendes ermittelt. Ein Befall
mit Blattläusen beziehungsweise
pilzlichen Erkrankungen konnte
in Schleswig-Holstein im Versuch
nicht festgesellt werden.
Geprüfte
Ökokörnererbsen 2015
,Alvesta‘: Die mehrjährig geprüfte und zuverlässige Sorte ,Alvesta‘
wurde 2008 durch die KWS zugelassen. Mit einem Relativertrag von
108 war sie ertraglich an der Spitze
im Versuch. Der Proteingehalt lag
mit 21,6 % um 1 % unter dem Versuchsmittel. Bei der ,Alvesta‘ handelt es sich um eine kürzere Sorte,
die sich problemlos dreschen ließ.
,Salamanca‘: Eine Sorte die auch
schon mehrjährig geprüft wurde.
2009 wurde sie durch die Norddeutsche Pflanzenzucht zugelassen. Ihr Relativertrag lag mit 95
unter dem Versuchsmittel. Der Proteingehalt von 23 % lag im Gegensatz zum Ertrag leicht über dem
Versuchsmittel. ,Salamanca‘ zählte zu den längeren Sorten im Versuch, was sich aber bei der Ernte
nicht bemerkbar machte.
,Navaro‘: Sie erhielt 2010 ihre
Zulassung. Züchter ist die Norddeutsche Pflanzenzucht. Mit dem
Relativ­ertrag von 100 wurde das
Versuchsmittel erreicht. 22,9 %
Protein im Korn lagen leicht über
dem Durchschnitt. ,Navaro‘ ließ
sich ohne Probleme beernten. Sie
gehörte zu den kürzeren Sorten im
Versuch.
,Mythic‘: Eine Sorte der Toft Plantbeeding ApS, DK. 2010 zugelassen,
stand die Sorte erstmalig im Versuch. Mit einem Relativertrag von
101 lieferte sie im ersten Jahr der
Prüfung einen durchschnittlichen
Ertrag. Der Proteingehalt war mit
22,4 % leicht unterdurchschnittlich.
Die im Wuchs kurze Sorte ,Mythic‘
hat beim Drusch keine Probleme bereitet.
,Astronaute‘: Der Züchter, das
Züchterhaus Norddeutsche Pflanzenzucht brachte die ,Astronaute‘
2013 zur Zulassung. Ein Relativertrag von 104 führte zu einem etwas überdurchschnittlichen Ertrag.
Mit 22,3 % fiel der Proteingehalt etwas schwächer als der Durchschnitt
aus. ,Astronaute‘ gehört zu den
kurzwüchsigen Sorten ohne Ernteprobleme.
,Muza‘: Eine Körnererbsensorte mit EU-Zulassung. Züchterhaus
ist Modiwia Rosline, Polen. Die Sorte stand 2015 erstmalig im Versuch,
konnte aber mit einem Relativertrag
von 79 nicht überzeugen. Der Proteingehalt lag bei 22,8 % im Bereich
des Versuchsdurchschnittes. ,Muza‘
war die längste Sorte im Versuch,
ließ sich aber noch gut dreschen.
,Tip‘: Eine weitere Körnererbsensorte mit EU-Zulassung. Diese Sorte stammt aus Tschechien aus dem
Züchterhaus Selgen A.S. Das Ertragsergebnis von relativ 94 ließe
diese Sorte nur unterdurchschnittlich abschneiden. Mit 23,7 % Pro-
tein im Korn brachte diese Sorte den höchsten Proteingehalt im
Versuch. ,Tip‘ ist eine kurzwüchsige
Sorte ohne Ernteprobleme.
,Gambit‘: Eine weitere Körnererbsensorte aus Tschechien. Sie
stammt wie die Sorte ,Tip‘ auch aus
dem Züchterhaus Selgen A.S. Auch
sie hat eine EU-Zulassung. Mit relativ 97 lag diese Sorte etwas besser als die aus dem gleichen Hause
stammende Sorte ,Tip‘,. Mit 22,7 %
Protein im Korn blieb ,Gambit‘ aber
unter dem Proteingehalt der Sorte ,Tip‘. Auch ,Gambit‘ ist eine
kurzwüchsige Sorte, die bei der
Ernte keine Probleme bereitet hat.
,Angelus‘: Eine aus Frankreich
stammende Sorte. Züchter ist das
Züchterhaus Ets Lemaire-Deffiontaines. Die Sorte hat eine EUZulassung. Erstmalig in 2015 geprüft erreichte sie einen Relativertrag von 105. Der Proteingehalt im
Korn lag mit 22,5 % trotz des hohen Ertrages im Durchschnitt. ,Angelus‘ präsentierte sich im Versuch
als mittellange Sorte. Auch diese
Sorte ließ sich problemlos ernten.
Gerd-Ullrich Krug
Landwirtschaftskammer
Tel.: 0 43 31-94 53-324
[email protected]
FAZIT
Ökoackerbohnen konnten sich
auch 2015 wieder bewähren,
und das trotz des nicht optimalen Witterungsverlaufes. Ihre Ertragsleistung haben die Sorten
,Fanfare‘, ,Fuego‘ und die erstmalig im Versuch stehende vicinund convicinarme Sorte ,Tiffany‘
bewiesen. Bei der Sortenwahl
sollte aber neben dem Ertrag
auch die Verwertungsrichtung
berücksichtigt werden. Bei einer
innerbetrieblichen Verwertung
als Futtermittel in der Schweinefütterung sollte eine tanninarme Sorte wie die Sorte ,Taifun‘ in
die Anbauüberlegung mit einbezogen werden. Bei der Verwertung als Geflügelfutter sollten
vicin- und convicinarme Sorten
zugegeben werden. Mit der Sor-
te ,Tiffany‘ steht hier eine weitere
gute Alternative zur Verfügung.
Inwieweit die erstmalig geprüfte Sorte ,Tiffany‘ ihre Ergebnisse
aus dem Jahr 2015 reproduzieren
kann, wird sich in den nächsten
Versuchsjahren zeigen.
Ökokörnererbsen: Die wenigen
„neuen“ Sorten wie ,Tip‘, ,Gambit‘
und ,Muza‘ konnten im ersten
Prüfungsjahr noch nicht überzeugen. Bei der Anbauplanung sollten deshalb die Sorten ,Alvesta‘
und ,Myhtic‘ berücksichtigt werden. Eine Alternative kann aber
auch die Sorte ,Astronaute‘ sein,
die es im ersten Jahr der Ökoprüfung auf ein doch beachtliches Ergebnis gebracht hat. Diese Sorte
wird in den nächsten Versuchsjahren auch weiterhin geprüft.
Landesverordnung sieht elektronische Dokumentation vor
Wirtschaftsdünger abgegeben und noch nicht gemeldet?
Nach der schleswig-holsteinischen Landesverordnung zur Umsetzung von Meldepflichten bei
Wirtschaftsdüngern müssen alle
verbrachten Wirtschaftsdüngermengen über 200 t Frischmasse im Jahr (Summe aus Abgabe
und Aufnahme) durch den Abgeber gemeldet werden. Der im Jahr
2015 verbrachte Wirtschaftsdünger ist bis zum 31. März 2016 unter www.meldeprogramm-sh.de
zu melden.
Die Meldung kann nur von autorisierten Personen vorgenommen werden. Es kann auf bereits
bestehende Zugangsdaten zurückgegriffen werden:
●●Betriebe mit Tierhaltung (in-
klusive Hobbytierhalter) können
ihre HI-Tier-Zugangsdaten (Betriebsnummer und PIN) verwenden.
●●Betriebe mit Sammelantrag
können ihre ZID-Zugangsdaten
(Betriebsnummer und PIN) verwenden (dies trifft insbesondere für die viehlos wirtschaftenden Empfänger des Wirtschaftsdüngers zu).
●●Betriebe, die Gärreste aus einer
Biogasanlage abgeben, können
ihre Betriebsnummer nach der
„Tierische-Nebenprodukte-BeseiDer im Jahr 2015 abgegebene Wirtschaftsdünger ist bis zum 31. März 2016 tigungsverordnung (TierNebV)“
verwenden. Diese Nummer ist
elektronisch unter www.meldeprogramm-sh.de zu melden.
Foto: Carina Wilken zumeist aus dem Genehmigungs-
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Pflanze
BAUERNBLATT | 30. Januar 2016 ■
bescheid der Anlage „Zulassung
Biogasanlage“ ersichtlich (Num­
mer endet auf 11). Die Landwirt­
schaftskammer weist den Biogas­
betrieben dann auf Nachfrage ein
entsprechendes Kennwort zu.
●●Betriebe, die über keine dieser
Identifikationen verfügen, kön­
nen ihre Zugangsdaten formlos
unter Angabe der Betriebsadres­
se per E-Mail: [email protected]
bei der Landwirtschaftskammer
beantragen. Dies betrifft auch Be­
förderer und Vermittler, die den
abgegebenen Wirtschaftsdün­
ger für ihre Kunden melden, so­
wie Schweinemast-KG und ande­
re Nebenbetriebe desselben Ver­
fügungsberechtigten.
ACHTUNG
Einige HI-T-Zugangsdaten von
Zweitbetrieben konnten nicht
im Meldeprogramm hinter­
legt werden. Sollte man sich
nicht mit seiner HI-Tier-Num­
mer anmelden können, dann
bitte melden. Sollten sich die
Probleme nicht lösen lassen,
wird ein Zugang eingerichtet.
Ansprechpartner für die Mel­
destelle Wirtschaftsdünger sind:
Peter Lausen, Tel.: 0 43 31-94 53341, [email protected] und Cari­
na Wilken, Tel.: 0 43 31-94 53-343,
­c [email protected]
Weitere Infos unter www.lksh.
de > Landwirtschaft > Pflanze >
Düngung > Meldeprogramm Wirt­ Betriebe mit Tierhaltung können ihre HI-Tier-Zugangsdaten verwenden.
Foto: Isa-Maria Kuhn
schaftsdünger.
Carina Wilken
Landwirtschaftskammer
Tel.: 0 43 31-94 53-343
[email protected]
Häufige Fragen zur Meldepflicht
Im Folgenden werden die bis­ bringen und Befördern von Wirt­ kammer auf Nachfrage die be­
lang häufigsten Fragen beant­ schaftsdünger (WDüngV) von nötigten Zugangsdaten zu.
wortet:
2010 so festgelegt worden.
Ich bin Pferdehalter und gebe
Muss ich auch dann melden, Wie setzt sich die HIT- oder meinen Pferdemist ab. Wie erwenn ich Gülle an eine Biogas- ZID-Nummer überhaupt zusam- halte ich meine Zugangsdaten?
Ein Pferdehalter ist verpflichtet,
anlage abgebe und die gleiche men?
Menge Gärrest zurückbekomme? Die zwölfstellige Betriebsnum­ die Haltung von Equiden dem
Die Meldepflicht besteht zwi­ mer ist nach dem amtlichen Ge­ Veterinäramt zu melden. Dieses
schen juristisch getrennten Be­ meindeschlüssel aufgebaut: zwei erfasst den Betrieb unter Ertei­
trieben. Da dieser Sachverhalt Stellen Bundesland, drei Stellen lung einer zwölfstelligen Regist­
normalerweise zwischen Biogas­ Landkreis, drei Stellen Gemein­ riernummer, der HI-Tier-Nummer.
anlage und tierhaltendem Be­ de, vier Stellen laufende Num­ Ein Betrieb, der bereits Rinder,
trieb vorliegt, muss die abgege­ mer. Optional kann zusätzlich der Schweine oder Schafe/Ziegen
bene Gülle seitens des Tierhal­ Länderschlüssel für Deutschland hält und registriert ist, benötigt
ters und der abgegebene Gärrest (276) vorangestellt werden, zum keine zusätzliche Registriernum­
seitens des Biogasanlagenbetrei­ Beispiel 276 01 999 123 0001. Da­ mer. Diese HI-Tier-Nummer inklu­
bers gemeldet werden.
mit ergibt sich für das Meldepro­ sive Kennwort kann zur Anmel­
dung im Meldeprogramm ver­
gramm folgende Codierung:
Muss die abgegebene Wirtwendet werden. Es müssen so­
schaftsdüngermenge auch dann 276 Staat (voreingestellt)
mit keine neuen Zugangsdaten
gemeldet werden, wenn der 01
Bundesland (voreingestellt) beantragt werden.
Transportweg unter 50 km be- 999Landkreis (HIT beginnt mit
trägt?
Kann ich bei der Meldung Richt„0“, ZID mit „9“)
Entscheidend ist, ob es sich bei 123Gemeinde
werte für die Angaben zu den Inden beiden Betrieben, zwischen 0001 laufende Nummer
haltsstoffen des Wirtschaftsdündenen der Wirtschaftsdünger
gers verwenden?
transportiert wird – wie unter Meine Schweinemast KG hat Grundsätzlich ja. Eine betriebsin­
Frage 1 erwähnt – um zwei juris­ dieselbe VVO-Nummer wie der dividuelle Analyse ist den Richt­
tisch getrennte Betriebe handelt. Hauptbetrieb. Muss ich über- werten jedoch vorzuziehen: Die
Bei juristisch getrennten Betrie­ haupt abgegebenen Wirtschafts- Düngemittelverordnung (§ 6
ben muss der abgegebene Wirt­ dünger zwischen den beiden Be- Absatz 9) sieht bei in Verkehr
schaftsdünger gemeldet werden. trieben melden?
gebrachtem Wirtschaftsdünger
Eine Ausnahme gilt nur für zwei Wenn die beiden Betriebe eine (> 200 t FM pro Jahr) eine De­
Betriebsstätten eines Betriebes getrennte Buchführung aufwei­ klarationspflicht über die Nähr­
desselben Betriebsleiters, die sen, müssen abgegebene Wirt­ stoffgehalte von N, P2O5 und K 2O
nicht weiter als 50 km voneinan­ schaftsdünger auch zwischen vor. Über den rechtlichen Hinter­
den beiden Betrieben gemeldet grund hinaus besteht insbeson­
der entfernt liegen.
Diese Trennung ist schon in der werden. Für die Schweinemast dere für den Empfänger ein Inte­
Verordnung über das Inverkehr­ KG sendet die Landwirtschafts­ resse über die Kenntnis des Nähr­
stoffgehaltes, um eine bedarfs­
gerechte Düngung durchführen
zu können.
Kann ich auch als Empfänger die
Meldung durchführen?
Die Landesverordnung schreibt
die Meldepflicht seitens des Ab­
gebers vor. Tätigt der Empfän­
ger des Wirtschaftsdüngers die
Meldung für den Abgeber, muss
dies im Meldeprogramm eben­
falls unter „Abgabemeldung er­
fassen“ erfolgen. Zur Absiche­
rung der Abgabemeldung dient
eine Vollmacht zwischen Abge­
ber und Empfänger (siehe Hin­
weise zum Meldeprogramm un­
ter www.lksh.de).
Benötige ich als Abgeber die Betriebsnummer des Empfängers,
um die Meldung durchführen zu
können?
Ja. Zur Identifizierung des Betrie­
bes wird die Betriebsnummer des
Empfängers benötigt.
Wo finde ich die Zulassungsnummer für meine Biogasanlage?
Im Zuge des Baugenehmigungs­
verfahrens erhält man vom Kreis
einen Zulassungsbescheid („Zu­
lassung Biogasanlage“). In die­
sem Bescheid wurde die Zu­
lassungsnummer (DE 01 XXX
XXXX-11) mitgeteilt. Unter An­
gabe dieser Nummer kann man
ein Kennwort bei der Landwirt­
schaftskammer beantragen.